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Nr. 257 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Zreitag, November 1929

(Er)d)e m i »aglich, außer Sonntage, und Feiertags

Beilagen: Die Illustriert Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle MonalL-vezugrpretr:

2.20 Reillzsmark und 30 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt, ^ernsvrechanschlüfle anter5ammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Liehen.

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BiehenerAiizeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: vrühl'fche Universitälr-Vuch- und Stcinöruderei R. Lange in Giehen. Zchriflleltung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7.

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Chefredakteur:

Dr Fnedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für beit Anzeigenteil Mar Filter, sämtlich tn (Ziehen.

Börsengewüier.

Don unserer Berliner Redaktion.

Die Ursachen der internationalen Börsenstürme sind weniger voneinander verschieden als ihre Wirkungen. Wenn in Reuyork das hochge­triebene Kursgebäude zufammenbricht, so bedeu­tet das nicht nur eine empfindliche Schlappe für die Spekulation und ihre Mitläufer. Der bei­spiellose Aufstieg der Bereinigten Staaten nach dem Kriege, der in der glänzendenprosperity gipfelte, scheint insofern einen gewissen Be­harrungszustand erreicht zu haben, als die Aufnahmefähigkeit der ausländi­schen Märkte nicht gleichen Schritt hielt mit dem des Inlandsmarktes. Sn der Tat beginnt dieprosperity nachzulassen, nach- dem sie schon seit Jahr und Tag künstlich an­gekurbelt wurde dadurch, dah der auf Kredit, d. h. aufStottern" gegründete Verbrauch einen Umfang angenommen hatte, der selbst durch die hohen Löhne auf die Dauer nicht finan­ziert werden konnte. Solange aber diepro­sperity die glänzende Außenseite zeigte, war die Berfuchung für das internationale Kapital groß, sich an dem großen Gewinn zu beteili­gen.

Tatsächlich sind die Bereinigten Staaten im letzten Jahre zu einem S ch u l d n e r l a n d ge­worden, denn die Reuyorker Börse hat nicht nur Angebote ausländischen Kapitals herein­genommen, soniern rege Rachsrage danach gehalten. Das wurde auch begünstigt durch die Organisation des Altienmarttes, da die Sn.ustrie- unternehmunce.r nicht jährlich, sondern viertel­jährlich die Dividenden ausschütten. Es hagelte eine < e.tiang Zusahdividenden und Gratisaktien, so dah das internationale Kapital sich selbst un­treu geworden wäre, hätte es dagegen Wider­standskraft gezeigt. Indessen war dies interna­tionale Kapital auch mit einer guten Witterung ausgestattet. Lein es hat rechtzeitig gespürt, daß die prosperity nachzu lassen begann. Es sind starke Abflüsse fremder, insbesondere eng­lischer Gel ec aus Reuyork erfolgt, so daß die Altienpale e bei den Maliern eintrockneten.

Der Zusammenbruch des Reuyorker Kursge­bäudes euch lt die eindringliche Lehre, daß eine Börseninflation kein voltswirtscyaltnc.-es Ka­pital z l schassen vermag. Wir haben ja auch in Deutschland erlebt, daß die Kur.e ununterbrochen höher getrieben wurden, ohne Rücksicht darauf, daß sie im auffälligen Gegensatz standen za dem Ertrag jeder einzelnen Unternehmung. Bolls- wirtschaftlich gesehen besteht die Aufgabe der Börse darin, Kapital an sich zu ziehen um es der Wirtschaft zuzuleiten. Diese Auf­gabe ist durch die Inflation zum Teck zerstört worden, jedenfalls aber in vollem Umfang noch nicht wiederhergestellt. Gewiß waren die deut­schen Wertpapiere in den ersten Jahren nach der Befestigung der Währung stark unterwertet. Als dann 1926 der Aufstieg der Börsenkurse einsehle, führte das zu einer Ueberwertung, die auf so schwachen Füßen stand, daß die Krediteinschränkung durch die . Reichsoank ge­nügte, um das ganze stolze Gebäude im Mai 1927 zusammenbrechen zu lassen.

Daß wieder eine Abwärtsbewegung erfolgte, war darauf zurückzuführen. daß ausländi­sches Kapital mittelbar oder unmit.clbar für diese Spekulation nutzbar gemacht werden konnte. Aus die Dauer war die Ueber^wertung nicht zu halten, denn wo häite kommen forren, um die Kurse ohne Rücksicht auf den Ertrag der Aktien immer hoher zu treiben. Das ist nicht einmal in Reuyork möglich ge­wesen, trotzdem Wallstreet das Kapital der ganzen Erde mobilisierte. Wieviel wen:ger hatte es in Deutschland der Fall sein können, das nicht entfernt über die Kapitalmacht verfugt, um sich die Finanzierung irgendeiner Börsen­spekulation leisten zu können. Der Äurd einer Aktie wurde vor dem Kriege durch die Divi­dende bestimmt, nicht aber durch den Begras des inneren Wertes, der eine reine Börsen­erfindung ist. Es ist ja klar, daß niemand auf die Dauer wirklich vorhandenes Kapital in Wertpapieren anlegen wird, die zwar hoch im Börsenkurse stehen, aber nur einen geringen Er­trag abwerfen.

Es ist a:ber auch darauf zu verweisen, daß die internationale Spekulation mit ihren volks­wirtschaftlichen Gefahren zum Teil auf bie Sinnloügteit der deutschen Lr.but. verpflichiung zuru^zu uhr^i i t. Einstwei­len bekennen sich alle Länder noch zur.kapi.alifti- schen Wirtschaft, deren We.en darin besteht, daß Leistung gegen Leistung ausge­tauscht werden muß. Der Deutschland auf ge­lungene Tribut ist aber eine einseitige Leistung, die Jahr für Jahr in so beträchtlichem Umfang in den internationalen Wirtfchaits- prozeh gepumpt wird, daß sich unvermeidlich Störungen ergeben müssen. Ob tiefe s-ch nun in Börsen gewittern austoben oder m wach­sender Arbeitslosigkeit in den Industriestaaten, bedeutet nur dem Grade, nicht aber dem Wesen nach einen Unterschied. Es muß aber auch davor gewarnt werden, in dem Borfensturm so etwas wie ein Reinigungsgewitter »u.sehen, mit der besonderen Ruhanwendung in ipvnliq)t auf die Reuyorker Ereignisse, dah nach dem <ju- sammenbruch der Spekulation der Reuyorker Geldmarkt wieder für normale Kreditgeschäfte zu haben sei. Das könnte unter Umständen dazu führen, die eigene K a p i t a l b i l d u n g we­niger wichtig erscheinen zu lassen, obschon es doch eine volkswirtschaftliche Binsenwahrheit ist,

pilsudskis Konflikt mit dem Parlament.

Der Diktator beseht mit hundert Offizieren den Sejm. Der Sejmmarschall vertagt bie Eröffnungssitzung. Die Regierungsparteien gegen den Sejmmarschall.

Warschau, 31. Off. (121.) Die auf 4 Uhr nach­mittags angesehke Eröffnung der Sejm­tagung ist durch ein völlig unerwartetes Ereignis verhindert wordcn, das den Konflikt zwischen Regierung und Parlament bis aufs äußerste zu- spiht. Kurz vor 4 Uhr erschien Marschall Pll - s u d s k i persönlich im Sejmgebäude, wo er in der Halle von über 100 Offizieren in voller Uniform empfangen wurde. Der Sejmmar­schall Daszyn s k i sah sich veranlaßt, die Offiziere aufzufordern, das Haus zu verlassen, da er die Sitzung vorher nicht eröffnen könne. Die Offi­ziere kamen dieser Aufforderung nicht nach. Darauf wandte sich der Sejmmarschall schriftlich an den Staatspräsidenten und bat ihn um sein E er­greifen. Kurz vor 17.30 Uhr betrat Marschall pit- sudski das Zimmer des Sejmmarschalls und f o r - der t e i h n auf, bie Sitzung ju eröffnen. Der Sejmmarschall erwiderte, daß er dieser Auf­forderung nicht nachkommen k'nne. Pilfubskl stellte darauf die kurze Frage:Ist das Ihr letztes Wort?" Als der Sejmmarschall mitJa!" ant­wortete, verlieh Pilsudski den Sejm, um sich zum Staatspräsidenten zu begeben.

Der Staats pr äsident hat angesichts der un­lösbaren Lage dem Sejmmarschall Dafzynski ge­raten, die Sitzung zu vertagen. Rach Beschluß des Aeltestenrales hat der Sejmmarschall Duszynski folgende Bekanntmachung an die Abgeordneten ver­öffentlicht:Da über 100 bewaffnete Offiziere des polnischen Heeres die Vorhallen des Sejm befehl halten und trotz zweimaliger Aufforderung durch die Parlamentvbehörden das Sejmgebäude nicht räumen, gebe ich bekannt, daß ich unter der Säbel- geroal f der Herren Offiziere die Sitzung vertage. Der Termin der nächsten Sitzung wird den Herren Abgeordneten bekanntgegeben werden."

llnm tlelbar nach der Vertagung hielt der Parla­mentarische Klub der Regierungsparteien eine Vollsitzung ab, in der einstimmig folgende Ent­schließung angenommen wurde.- Der Klub der Re­gierungsparteien erklärt, dah die von den Scjm- beamten an die in der Vorhalle versammelten Offi­ziere gerichtete Aufforderung, die Vorhalle des Sejm zu verlassen, eine unerhört e Beleidigung der Offiziere bedeutet, da der Zutritt in bie Vorhalle bes Sejm niemanbem verboten ist, unb ba sich bort stets währenb der Sejmbera- fungen Abordnungen ber Prioalinteresfenten auf­halten. Die weiteren Argumente bes Sejmmarschalls Duszynski in seinem Brief an ben Staatspräsidenten sind durch eine unverständliche Angst

daß nur der Schulden zurückzahlen kann, der selber wieder zu Einkommen und Bermögen gelangt ist.

Beruhigung in Reuyork.

Folgen dcrTiökourcrmäßigungErholung am Aktienmarkt.

R e u y o r k, 1. Rov. (Täl.) Der Reuyorker Dör- senbeginn brachte am Donnerstag keine For t- sehung der bisherigen aufsehenerregenden Kursstürze, da man in den Bereinigten Staaten infolge der Londoner Diskontermähi- gung (vergl. Wirtschaststeil) einen entjpred^n- ten Schritt auch der maßgebenden amerikanifcyen Banken erwartete, wurden aus dem ganzen Lande Kaufaufträge erteilt. Bereits in der ersten halben Stunde wurden 2,o Millionen Stück Aktien umgcsetzt und um 1,30 älhr amerika­nischer Zeit war der älmsah auf über 4,5 Mil­lionen Stück gestiegen. Die Kurse besserten sich sprunghaft bis zu 30 Punkten. Allgemein herrschte eine freundlichere und beruhigtere Stimmung. Im Laufe des Tages wurde die erwartete amerikanische Diskontsenkun g über­raschend schnell zur Wirklichkeit. Der Federal Reserve Board setzte die Diskontrate um ein volles Prozent von 6 auf 5 v.H. herab. 3m weiteren Berlaufe der Reuyorker Börse konnten sich die höchsten Rotierungen allerdings nicht ganz behaupten, sondern es traten wieder leichte Ermäßigungen bis zu sechs Punk­ten ein.

Der Dörsenvorstand erklärte, der 'Im fang der Umfaße während der letzten -2-age sei derart enorm gewesen, daß die Angestell­tenschaft der Dörfenfirmen physisch f ast v ö 111 g erschöpft wurde. Die meisten Angestellten arbeiteten Tag und Rächt, und zahlreiche von ihnen blieben fast 72 Stunden ohne Schlaf. Der Dörsenvorstand war daher der Meinung, dah es unbedingt notwendig sei, dem über­arbeiteten Personal eine Erholungszeit zu ge­währen, und glaubt, daß die Verkürzung der Dörsenzeit am Donnerstag sowie die Schließung der Dörsensäle am Freitag und Samstag wieder normale Verhältnisse schaffen werden. Dieses Borgehen des Dörsenvorstandes hat auch die Billigung der Bankengruppe gefunden, die zur Stützung der Börse ins Leben gerufen wurde.

vor den ihrem Führer huldigenden Offizieren diktiert und verfolgen den demago­gischen Zweck, unter die Bevölkerung Unruhe und Verwirrung zu trugen. Mit Rücksicht durauf Hut der Klub der Regierungsparteien einstimmig be­schlossen, dem Sejmmarschall Duszynski dus Miß­trauen uuszusprechen. 21m 11 Ahr abends ist der Stadtkommandant von Warschau im Sejmgebäube erschienen und hat den Offizieren be­fohlen, es sogleich zu verlassen.

EnlvöllemngdeS deutschenOflens

Der Pole rückt nach.

Berlin, l.Rov. (Priv.-Tel.) Seit dem Kriegs­ende sind aus Ostpreußen und den pommerschen Grenzgebieten allein fast 2 5 0 000 Personen abgewandert. Zumeist handelt es sich um Bauernsöhne, für die auf. dem väterlichen Hof

kein Platz war oder um Landarbeiter, die sich der Hoffnung Hingaben, in den Städten ein besseres Auskommen zu haben. Infolgedessen hat sich der ohnehin schon in den östlichen Ge­bieten empfindliche Arbeitermangel noch weiter verstärkt. Polnische Landarbeiter müssen einspringen, außerdem macht sich trotz der Sperrung der Grenze eine gefährliche Ansied­lung von Polen bemerkbar, die nach und nach mit Erfolg d i e deutschen Dauern von ihrer Scholle verdrängen. Es scheint doch endlich einmal notwendig zu sein, für den Osten erhebliche Geldmittel flüssig zu machen, um hier die deutsche Siedlungstätigkeit zu fördern und vor allem auch durch einen forcierten Dau von Landarbeiter­siedlungen dafür zu sorgen, daß die deut­schen Landarbeiter in den bedrohten Provinzen bleiben und nicht ununterbrochen das Heer der Erwerbslosen in den Städten vermehren.

-Tardie« beauftragt.

Elementel verzichtet auf die Kabinettsbilbung.

Tie Radikalen lehnen eine Beteiligung ab

Paris, 31.Oft (WB.) Senator Elementel hat sich um 20 Ahr ins 61t;fee begeben unb dem prä jibenten ber Republik mitgeleilt, baß er wegen ber Schwierigkeiten, auf bie er bei ber Besetzung bes Innenministeriums gestoßen ist, aus die kabinettsbilbung verzichtet.

Aber bie Grünbe, bie zum Scheitern bet Kom­bination Elementel geführt haben, brmgt havas nähere Einzelheiten. Danach faßte Elementel auf Vorschlag Eaillaux' ben Entschluß, D a 1 a b i e r in sein Kabinett aufzunehmen, weil seine Anwesenheit bie Stellung bes Ministeriums stärken würbe. Der Abgeordnete Monllgny wurde bamit betraut, auf Dalabier in biejem Sinne einzuwirken. Dalabier lehnte jeboch ben Vorschlag, bas Justiz- ober bas Kriegsministerium zu übernehmen, ab unb erklärte, bah er sich nur mit bem Innenministe­rium begnügen würbe, hiergegen erhoben lar- bieu, Eheron unb Louchcur Einwenbungen unter bem Hinweis barauf, baß bie Besetzung bes Innenministeriums mit Dalabier einen berartigen politischen Charakter ann chmen würbe, bah baburch bem Kabinett eine gewisse Anzahl von

Stimmen, auf bie es sonst rechnen könnte, ent- s r e m b e t werben unb baß es bamit ber R e - gierung unmöglich gemacht würbe, eine Mehrheit in ber Kammer zu erzielen. Gegen bie Betrauung eines anbeten Rabikalen, etwa E h aulemps, seien nicht betartige Einwenbun­gen zu erheben. Clementels Bemühungen, Dalabier von seinem Entschluß, nur bas Innenministerium zu übernehmen, abzubringen, blieben vergeblich, unb unter biesen Amstänben haben auch Dalabier» Parteisrennb e jebe Beteiligung an ber Regierung abgelehnt.

Tardieu verhandelt.

Paris, l.Rov. (121.) Der Präsibent ber Re­publik, Doumetgue, hat in ben späten Abenb- stunben nach einslünbiger 21nlerrebung ben bis­herigen Innenminister larbieu mit ber R e - gierungsbilbungbeauftragt. larbieu hat diesen Auftrag angenommen. Er hatte nach dem ihm vom Präsidenten ber Republik erteilten Auftrag ber Kabinettsbilbung noch geftern abenb eine 21nterrebung mit Brianb, ber ihm seine Unterstützung zusagte. larbieu soll bie Ab­sicht haben, an. einige Persönlichkeiten unter Unter­breitung eines bestimmten Programms, bi rett hetan- zutreten unb babei bie Radikalen nicht aus- z u s ch 11 e h e n , jedoch nicht auf Sonderwünsch«

Wie demRew Bork Hera'.d" aus Reuyork be­richtet wird, kann die scharse Liquidationskrisis an der dortigen Börje nunmehr als so gut wie beendet angesehen werden. Es werde eine Aera der Ausgleichung folgen, in deren Verlauf die Kurse einiger Papiere noch fallen, die an­deren aber wieder auf ihren richtigen Wert ein- geschäht wer er würden. Die meisten Zeitungen und die Geschäfts- und F.ranzwelt betonten die Prosperität Amerikas, gäben aber zu, daß Amerika als verhältnismäßig junger Finanz­markt zu reich gewesen sei und eine in der Ratur der Dinge liegende größere Speiu- lationskrisis habe durchmachen'sen. Insofern sei a'.so eine der «Schwächen der Wirtschaft, näm­lich das Spekulationsfieber , beseitigt worden. Es stehe zu vermuten, dah das Publi­kum sich auf lange Zeit hüten werde, sich an dem gefährlichen Spekulationsspiel zu beteiligen. Immerhin würden die Luxusindustrie, die Auto- und die Radioindustrie unter den Rachwirkungen der Krise zu leiden haben. Ein höherer Beamter des Handelsministeriums erklärte in einem De- richt, daß die Kaufkraft Amerikas nur ganz un- wesentlich beeinträchtigt worden fei; denn nach seiner Ansicht hätten sich nur 4 Prozent der Bevölkerung an den Spekulationsmanövern beteiligt. Rach einer anderen Meldung desRew Bork Herald" aus Reuyork soll John Rocke« feiler erklärt haben, er sehe für die Börsen­panik keinen wirtschaftlich stichhaltigen Grund und habe ebenso wie sein Sohn die üblichen Kaufaufträge gegeben und werde noch weiter kaufen, soweit er die Papiere als gute Ka­pitalsanlage betrachte.

Vertreter derGrünen $ronf' beim Reichspräsidenten.

Berlin, 31. OH. (WTD.) Der Herr Reichs- Präsident empfing heute die führenden Herren derGrünen Front", Reichsminister a. D. Schiele, Reichsminister a. D. Dr. Hermes, bayerischen Staatsminister und Reichsminister a.D. Dr. Fehr, Präsident der Landwirtschafts­kammer Dr. Brandes und nahm ihren Dor­trag über die gegenwärtige ernste Lage der deutschen Landwirtschaft, insbesondere über die Besorgnisse der Landwirtschaft wegen der deutsch- polnischen Verhandlungen entgegen.

TrauerseiersürdenFijrstenVülow

Abschied von der Billa Malta.

Rom, 31. Oft. (WTD.) Der deutsche Bot­schafter Freiherr von Reurath hat heute vormittag in Begleitung des gesamten Bot« schastspersonals anderDahredes Fürsten Bülow Kränze mit Schleifen in den Reichs,ar- ben für die Reichsregierung, das Au wärtige Amt und die Botschaft niedergelegt Der König von Italien ließ den Hinterbliebenen durch den Herzog von äldine sein Beileid über­mitteln.

Die Trauerfeier in der Billa Malta wurde eingeleitet durch ein Cello-Solo von Bach unter Harrnoniumbegleitung. Anwesend waren außer dem Bruder des Fürsten Friedrich von Bülow, Generaldirektor von Krupp und den anderen Verwandten, der Herzog von Tra- gito als Vertreter des königlichen Hauses, der Kammerherr der Königin von Schweden, als Vertreter des früheren Kaisers Kapitän Aut See v. Srancy, ferner die beiden deutschen Botschafter am Quirinal und am Vatikan, Frhr. von Reurath und Diejo von Bergen mit dem Botschastsp.-rsonal, der Gesandte von Oesterreich, der ungarische Gesandte beim Vatikan, die Spitzen der deutschen Kolonie und die Vertreter der deutschen Presse.

Von Lorbeer und Palmen umgeben, ruhte der Sarg unter dem Zeichen eines weißen Blüten­kreuzes, auf dus der Schein großer Wachskerzen niederfiel. Der Trauerseier lag der 90. Psalm zugrunde. Rach der Rede des Pastors nahmen der Bruder, die Schwägerin und die Reffen deS Fürsten Beileidskundgebungen entgegen. Es war eine Abschiedsfeier auch von der Villa Malta, die nun ihre gastlichen Tore schließt, der Villa, die eine so reiche lieber lief er ung hat, verknüpft mit deutscher Geschichte und deut­schem Geistesleben. Die en. lose Reihe de. Trauer­gäste ging zum letzten Male durch die üppige Fülle der Gartenpracht, in der die Palme, di« Goethe pflanzte, emporragt. Karabinieri und Polizeisoldaten standen an den Eingängen Ehren­wache. Rur von den Angehörigen begleitet wird der Sarg am Abend zum Bahnhof überführt, ilm 22.10 IHjr verlassen die sterblichen Heber- reste des Fürsten die ewige Stadt.