Ausgabe 
27.8.1928
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 201 Erft« Blatt

l?8. Jahrgang

Montag, 2L August 1928

taell*,a^rr Scfmtogi»> 3«wtta9».

Ciffttn« 5«iBmbl6ttu fsrtwial hn Bild

Di« SdjoDt

Imti'lqiMFOi * 5tri*s*Äth unb X 9tri*ipfrwnifl ftT Träger» lohn, a»4) M dichter, to« inen ehi| einer Jhunwirrn «»folgt höhtrer (Bemalt 5<re|pred)aii|d)(a|fe:

Sl. 54 und 112 litorifl ftr ri*1en. awjefftr

Pottot tfToRto: Irewthirlee Rete tltM.

GiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

t)n< eit Derlei: vrLhl'fche Untne^tiU-Be^ mb Stetwbrnderrl H. Lange ti Oiehrst. $d)riftlettmg und OeschöftrlteUe. Lchilstra^e I.

lna|Bt He lijdati ftr Ht lagerndem« bis pB Rachmittag vorher.

Pttie ftr l b« W<

Klnjeiqtn von 27 mm ritt örtlich 8, cee»4rt»

10 Reichspsenuig- fti R« hlamean Rigen von 70 mm Brett« 35 Reichnpftnnig, Platzvorfchrift 20', mehr.

C^cfrtfc elfter;

Dr. Friedr. DUH. Lang«. Verantvorllich für Dolitili Dr. Fr DUH Üaye; ftr Feuivetou Dr tz Thynot, für den tdvtgen Teil Emst Blumschein: ftr den An­zeigenteil Äart -illmann, lÄwrtltd) in Glessen.

Siresemann in Paris.

Herzlicher Empfang durch die pariser. Besuch bei Briand. Der Reichsaußrnminister an die französische presse.

Berlin, 25. 3ug. (1BTB.) Heto<muiifter be» früheren Dr. 6t rcfemann hat heute abend rn (BcgteUuna lerne» PrivatsekreiärS. Konsul Dr. Bernhards, be» Vortragenden ß<-gation»raie» Dr Reblhammer» und seine» Arzte». Pros. Vr 3 en bet», mit dem RorderprehBerlin ver- lafkn. um 'nch noch Pari» zu begeben. Zur Der- ooschiedung im 3m p fang e ki km de» Bahnhof» finfbrtoftrafK toaren btt Da11in unb ber Sohn bc» Reichsminister» erschienen, ferner ber Äe dHfarMler Müller, die 6taat»le(retär« von Schubert unb Pünber. sowie her Presse­chef der Reich» regierung, IHinifterialbireltDr Dr. Zechlin. Für do» biplvmatrsche Rvrp» toaren anwesend ber Doyen Tluntiu» Pacelli, bet französische Botschafter b e Margeri e, der tschechvflowakischc Desandte Dr. Lhvalkovsky, vom Bölferbunbtlefretanot Dr Ma» Beet unb andere Herten Bei der Abfahrt wurde der Reichsminister von dem auf dem Bahnsteig an­wesenden Publikum lebhaft begrübt.

Herzliche Begrüssung in paris.

Parte, 26 Tlug. (WB.) Um 3 Uhr Nachmittage Ist mit dem Rordeffpress Relchoaussenmlnlster vt. Stte|rmann angekommen, begleitet von Bot fchafter o. ss ö s ch, bet an ber belgisch französischen Grenzstation Deumonl den Salonwagen bestiegen hatte. Zur Begrüssung nomene ber französischen Regierung war ber Ltzes bee ptolokolle, jou- g u I » r e e , erschienen. Aussetbem hatten sich ein- gefunben bee Polizeiptösekl von Parte. L h l a p p e, ber Etzes ber Sicherheitspolizei, Guicharb, sowie ble TUilgllebet ber deutschen Botschnsl. Mehr ale hundert französische unb ouelönblsche 3ourneliften sowie ein zahlrelchee Publikum, bee ktoh der Absperrung sich Zugang zum Bahn- fiel» oeeschassl hatte Ale vr. Strefemann dem Wagen entstieg, wurde er von Jougoulhei und dem Polizeipräsekten LH lappe brgrusst. JtL v o e h l e, die lochtet bee Gesandtschaslerale an ber Botschaft, überreichte ihm einen Blumenstrauss. wor­aus bet Reicheaussenminister in Begleitung bee Bot- schastere unb ber offiziellen Persönlichkeiten sich In bk Vorhalle bee Bahnhofe begab. 3n diesem Augen­blick fehlen etwa 2 5 Photographen ihre Appo rate In lätlgfeil. vae Publikum in ber Vorhalle bee Bahnhose begrüßte b a e Ltscheinen bee Reichs Minister» v t. Strefemann mit Händeklatschen unb Hochrufen. Vie Ova­tionen fehlen sich die auf ble Strasse fort. Einige per fonen versuchten durch Zischen die Kundgebung zu flöten, wurden aber durch den Beifall der Menge übertönt, vr. Strefemann fuhr alebann in Be­gleitung von Botschafter o. frösch beim Liysee und bei dem In ber amerikanischen Botschaft abgelege­nen Staatssekretär Kellogg vor, um seine Karte abzugeben. Als bas Auto mit dem Reichsaussen Minister vt. t te|e mann In ber Rue de Pille In den fiof ber deutschen Botschaft einfuhr, begrusste ibn auch hier eine zahlreiche Menge in überaus herzlicher Weife. Sofort nach seiner Ankunft in ber Botschaft hat sich Vt. Strefemann In feine ptloatzlmmet zurückgezogen.

Reichsaussenminister Br. Strefemann hat kur, nach feiner Ankunft bei Kammerpräsident Boui|,on unb Senatspräsibent voumer feine Karten abgeben lassen.

Der Besuch Siresemanns bei Briand.

Paris, 26. Aug (WIB.) Reichsminister Vt. Strefemann Haftete am 6 Uhr abends In Be­gleitung des Dolmetschers vr Schmidt dem fran- zöfifchen Minister de» Auswärtigen, Briand, einen Besuch ab. Vie Unterredung dauerte 40 Mi­nuten. Bor dem Ministerium des Aeuheren halten sich etwa 1000 Personen eingefunben, die Vt. Strefemann bei seiner Ankunft zum leil mit den Rufen:Vive rAllemagnc!" unb «Vive la paix! begruhten. Al» vr. Strefemann das Ministe­rium verliess, wurde er wiederum, wir auch schon vor dem Gebäude ber deutschen Botschaft, ausser­ordentlich lebhaft und sreundlich von ber Wenge begrübt.

Wie verlautet, finb im verlaufe ber Untcrrebung. bir Reichsminister Vt. Strefemann heute nach miltag am Quai b"Orfaq mit Aussenminister Brianb batte, u. a. die bevorstehende Tagung de» Völ­kerbundes unb die damit zusammen­hängenden .Tragen besprochen worden, liebet die Aufnahme, die vt. Strefemann beim Publikum gesunden hat, berichtet die Agentur fza- vas: AI» der deutsche Aussenminister vr. Strefe­mann, begleitet vom Lhet des Protokoll» und dem Polizeipräsekten den Bahnsteig verlieh, ent- bloßen die anwesenden Eisenbahner und Reisenden da» fianpt. Vor dem Bahnhof wartete eine zatzl- xcidie Menge, die Beifall klatschte. Rufe:Bravo!" wurden laut. Desgleichen geschah bei Pt. Strefe­mann» Einfahrt in da» Ministerium des Aeuheren

am Quai d'Orsay. Au» der Menge ertönten Rufe: ..E » lebe Strefemann!"

vr Strefemann wurde sofort in da» Ar­beitszimmer Briand» geführt. Brianb begruhte ben bentfchen Aussenminister auf» herzlichste. Lt gab seinem tiefen Bebauern herüber Ausdruck, dass Sfresemann an den Genfer Beratungen sicht teilnehmen wird. Lr freue sich aber, Reichs kanzlet Müllet in Genf kennenzuletnen.

Heber den wetteten Verlauf der Unterhaltung ver­lautet bis zur Stunde noch nicht». Brianb be­gleitete feinen Besucher bl» In bas Vorzimmer, wo er sich herzlich von ihm verabschiedete. Als die an­wesenden französischen 3ournallsten vt. Strefe­mann baten, ein Wort zu sagen, erklärte er scher­zend:Dr. Zondek verbietet mir, mehr als dtelhlg Minuten zu sprechen. 3ch habe 35 Minuten mit Herrn Brianb gesprochen, und so verbleibt mit nur noch eine Minute, um der presse .Guten lag' zu sagen." Damit zog Dr. Strefemann den Hut und verliess den Qual d'Orsay, wo er erneut von bet Menschen­menge sympathisch begräbt wurde. Darauf unter- nahm Dr. Strefemann in Begleitung des deut­schen Botfchafter» unb Professor» Zonbek« eine Spazierfahrt durch den Boi» de Boulogne.

lieber die Unterredung, die Aussenminister Dr. (Strefemann mit dem französischen Aussen­minister Brianb halte, berichtet beiPetit Pari- fien". Beibc Minister, die bei ihrer letzten Tagung in Genf sehr erkrankt waren, haben sich zunächst nach ihrem Gesundheitszustand erkundigt Briand dankte 5tre|emann dafür, bass er nach Pari» gekommen fei, um den Antikriegspakt zu unterzeich­nen, und sprach sein Bedauern darüber au«, dass er nicht al» Ches der Wilhelrnstrahe in diesem Jahr nach Gens gehen könne. Unter diesen Umständen ,ei e» natürlich gewesen, dass die beiden Minister van Fragen gesprochen hatten, die auf der Tages­ordnung des Aölkerbund»rates und der Bolloer- fammluiig stehen. In diesem Zusammenhang wurde auf das Interesse hingewiesen, die die Tatsache in sich schliesse, dass Deutschland diesmal durch den Reichskanzler selbst m Gens vertreten sein wird. Da» gebe die Möglichkeit, dass die grund­legenden Probleme angeschnitten würden, die seinerzeit in Locarno nicht erörtert worden seien unb deren Losung Deutschland wünsche. Stresemann habe in seiner Unterredung mit Brianb, so erklärt da» Blatt zum Schluß, irgenb etwa, getan, was einer Verhandlung ähnlich gesehen hätte.

(Strefemann

an die französische prefse.

Pari». 26 Äug iDLBI Reich»minister Dr Strefemann hat her sranzösi schen Presse eine schriftliche Erklärung überreicht, die Mgcnben 'Wortlaut hat

3d> bedauere aufrichtig, dass die Unnachgiebig­keit meiner Aerzte mich zwingt, mich auf diesem Wege und nicht persönlich, tote ich c» gewünscht hätte an die Vertreter der französischen Presse »u wenden Ich habe immer angenehme Be­ziehungen zu den französischen Journalisten ge­habt. deren Bekanntschaft ich her allem in Gens gemacht habe Dass wir manchmal verschiedener Ansicht über gewisse Angelegenheiten gewesen sind, ist nur natürlich Aber die» hat mich nie­mals gehindert, ihre Begabung und ihre her- vorragenden BerufSetgenschaften aivfuerfennen. Der Grund mei nerReise ist die Unter^eidx nung de» R e l l o g g - P a k t e » eine» inter­nationalen Vertrages zum Zwecke de» Verzich­te» aus ben Ärteg al» Werkzeug der inter­nationalen Politik. E» genügt, dielen elementaren Grundsatz de» Vertrage» auözulprechen. um die austerordentliche Tragweite de» be- vorstehenden internationalen Abkommen» zu be­greifen. Die zahlreichen ablehnenden Stim­men. die wir auch heule noch vernehmen erklären fich durch die Tatsache, dah da» Orcigm» uni z u nahe steht Auf jeden Zoll glaube ich. dass die Geschichte feine beträchtliche Bedeutung würdigen wird.

Wir wissen alle, dass wir durch ben Abschluss eine» vertrage» nicht ein für allemal ba» Ziel der endgültigen Konsolidierung bes Weltfrleben» erreicht haben. 3ch bin jebod) davon überzeugt, dass mir In diesem Pakt eine neue Grundlage besitzen, die cs un» ermöglicht, bei gutem Willen Zar Schaffung einer Welt zu gelangen, in der ber Krieg, eine» ber schrecklichsten Uebel ber Menschheit, nicht mehr fein wirb. Da» deutsche Volk hat den festen Willen, nachdrücklich nnd tätig an der Verwirklichung diese» Ideal» mit- zuarbeiten.

Die zahlreichen französischen Journalisten. be mein Vaterland im Laufe der Ic^tm Jahre be­tucht haben, haben sich davon überzeugen formen, in welchem Mähe dieser Wunsch in dem deut­schen Volke Wurzeln geschlagen hat Ich empsind« jedoch meinerfeit» da» Bedürfnis, die» von neuem hier mit Rachdruck in Parilzu betonen und hinzuzufügen. dass die Politik der brutschen Regirrung ihre festeste Grundlage in dieser Haltung bei Volke» findet. ist eine bedeutsame Tassache dast gerade der Abschluss

biete» Vertrage» zum ersten Wale feit langem den deutschen Minister de» Auswärtigen nach Pari» führt.

Man hat wiederholt in einem gewissen Sinne betont, dass der Schlüssel zum europäischen Jrie- densprodlem In den Beziehungen zwischen Deutschland unb Frankreich liege. Wir wissen olle, dass selbst noch Locarno gewisse Schwierig­keiten noch Immer ein Hindernis für die Ver­tiefung dieser Beziehungen bilden. Aber wir wissen auch, dass diese Schwierigkeiten nicht so sind, dass sie die Politik der verantwortlichen Staatsmänner zum Stillstand bringen können Sie können beseitigt werden, und infolgedessen müssen sie beseitigt werden.

Ich wäre glücklich, wenn die Unterzeichnung de» neuen FriedenSpatte» in Pari» die Realisie­rung neuer Forts chr it te in dieser Richtung begünstigen würde.

Eine Etappe

von großer Bedeutung.

Pari», 2k. Aug. ,WB.) Der Berliner Äorrc- fprnxbent bei »Pari» Midi" wurde bom Reichsnttnister Dr Strefemann in Ber­lin hör feiner Adresse empfangen Dr Strefe­mann erklärte Seien Sie davon überzeugt, dost Deutschland ben ganzen Wert der Kund­gebung der Unterzeichnung de» Antikrieg »- Pakte» erkennt Diele Kundgebung hat einen umfassend internationalen Charakter denn bank der glücklichen Initiative Briand» und Kellogg» schliessen sich die grossen Rationen dem Pakt an. oder werden sich ihm anschliessen. der. dessen bin ich sicher, eine Aera fruchtbarer Zusam­menarbeit am Werke de» Frieden» einleiten wird. Die Tatsache, dass der Vertrag in Pari» unterzeichnet wird, und dass ich die Ghre haben w-nde im Rainen Deutschland» die erste Llnrerschrist abzugeben hat einen symbolischen Wert. GS ist bic» in meinen Augen eine Stoppe von grosser Bedeu­tung auf dem Wege der deutsch-französischen Annäherung

Möglichkeiten für Raumungsverhandlungen

Pari». 26. Aug. (HU Durch den Besuch, ben Aussenminister Dr. Siresemann am Sonntag- nachmittag um 18 Uhr dem französischen Aussen­minister Briand am Üuai d Orsay abftatictc, sind die politischen Verhandlungen er - öffnet worden, die Dr Strefemann wäh­rend seine» Pariser Oluf enthalt» nnt den mass­gebenden Männern ber französischen Regierung au führen beabsichtigt. In Briand findet Dr. Strefemann feinen alten Partner mit dem er alle Vierteljahr in Genf da» deutsch-französische Problem bespricht, ohne dass in letzter Zeit wesent­liche Fortschritte auf dem Gebiet ber 2brnäherung zu verzeichnen gewesen wären. Richt zuletzt au» diesem Grunde bad man hotten dass der Besuch Strefemann» am Wontagvormittag beim Mini­sterpräsidenten Poincar » von sehr viel grösserer Bedeutung sein durfte, denn durch die Entwicklung der letzten Zeit ist e» auch Llneingeweihten klar geworden dass bi? Aussen­politik in Frankreich stärker vom Mi­nisterpräsidenten. al» vom Aussenminister beeinflusst wird.

Die These, bk poincare vor einiger Zeil aufffeflte, dass er die drei Probleme: Rheinlanbräumung, Revision bei Dawesplane» unb interalliierte Sdjulbcnregdung nur gemeinsam behandeln sollte, ist ein Anzeichen dafür, dass die französifche Regie­rung ble Rheinlanbräumung zu einer finanziellen Irage machen möchte, die naturgemäss beim ftan- zösilchen rNinisterpräsibenlen. der gleichzettig Jinanz- Minister ist, nach französischer Auffassung besonder» gut aufgehoben sein durfte

Mit besonderer Spannung wird man daher der Zusammenkunft der beiden Staatsmänner Strefe­mann und Pomcarö entgegensetzen können.

Die französische Regierung hat sich bekanntlich auf den Standpunkt gestellt, bah die deutsche Regierung für die Rheinlandräu­mung ein neues finanzielle» Ange- b o t machen soll. Auch Briand hat in seiner Rede am 2. Februar an Deutschland die Aufforderung gerichtet, ein neues Angebot zu machen. Bereits damals ist von Dr. Strefemann erklärt wor­den, dass nach den Beratungen von Thoiry in Deutschland ein sog. Ttzoiry Ausschuss gebildet war den sei, besten Arbeiten aber abgebrochen wurden, da man auf französischer Seite neue deutsche Vor­schläge nicht mehr wünschte, nachdem die Stabil', sierung be» Franken de facto erfolgt war

Auch heute dürste die Reichsrrgierung sich nicht in ber tage sehen, neue finanzielle Vorschläge zu machen, doch wird man in der Annahme kaum fehlgehen, dass sie bereit wäre, so weit e» in ihrer Riacht steht, für eine vorzeitige Räumung der zweiten nab dritten Rheinlandzone ihre Hilfe bei der Mobilisierung ber deutschen Eisenbahnobliga klonen auf dem internationalen Warft anzubietrn

Sollte Poincare daher bic Absicht haben, mit Deutschland AU einer Verständigung zu gefangen, die ohne Rheinlanbräumung für Deutschland undenkbar wäre, so müsste er sich biese Bereitwilliakett ber deutschen Regierung lehr ernsthaft übenegen. Mit einer vorzeitigen Räumung ber zweiten Zone, bie ohnehin in 15 Monaten erfolgen wirb, wäre da­gegen Deutschland nicht geholfen Poincarö würbe es sicher nicht ungern leben, non deutscher Seite eine II n t e r st u tz u n g für btt Verhandlungen mit ben Vereinigten Staaten über eine Reuorbnung ber fran­zösischen Schulbcn zu erhalten, ein Ain- wei» aul bie Schwierigkeiten der deutschen Re- parat iem»zahlungen würde ihm diesen Schritt er­leichtern. denn Frankreich steht vor ber grossen Schwierigkeit, im Juni 1029 400 Millionen Dol­lar (etwa 10 WtiTllarbcn französische Franken) auf einmal zu bezahlen. Immerhin bürlte ble deutsche Regierung ben Augenblick für derartige Verhandlungen noch nicht f Ü r ge­kommen erachten.

Die pariser presse über Siresemann.

Pari», 25. Obig. lWDB) Der .Tempi begrüßt in einem Leitartikel Reich»aussenminister Dr. Strefemann. Man mufle Dr Strefe­mann dafür Dank wissen, so schreibt da» Blatt, dah er trotz der durch leinen Gesundheitszustand gebotenen Schonung, die e» ihm nicht erlaube, an der Spitze ber deutschen Delegation an den Arbeiten de» Dölkerbund»rate» und der Völker- bunMherfammlung teilzunehmen, nach Pari» komme Dr. Stresemann werde wahrcid seine» kurzen Lrfenthalte» In Pari» Gelegenheit haben, fich mit Ministerpräsident Poincare und Aussenminister Briand au»zusprechen, wa» vom allgemeinen Gesichtspunkt au» ein grosse» politische» Interesse haben durfte.

E» sei möglich unb sogar wahrscheinlich, dass im verlause von privaten Besprechungen, die aus keinen Fall ben Beginn von Verhandlungen bilden könnten, Dr. Siresemann Werl darauf lege, seinen Standpunkt in den nach seiner An­sicht grundlegenden Jragen bekanntzugeben, z. B. In der .frage der Rheinlandräumung. Diese könne jedensall» nur Gegenstand rein privater Besprechungen fein.

Denn e» fei durchau» klar, dass da» Rhein- landproblem in gleicher Weise sämtliche Mächte angehe, deren Druppeii an der Be­setzung te. In ah men. und dah deshalb franzö­sisch-deutsche Verhandlungen hier­über ohne vorherige Verständigung zwischen den Akliierten vollkommen ausserhalb de» Be­reiche» ber Möglichkeit lägen

Sauerwri n schverb: tm ..Watin' Zum ersten Male le t dem Äriege 187071 befindet sich ein ReichSminister offiziell auf franzöfsichem Bo­den. In bet öffentlichen Meinung herrscht gewiss ilebere nfturanung darüber, dah dieser Gast An­recht auf besondere Rücksichtnahme hat. Di« öttentsiche Meinung wird daran denken, durch wreviel« Ärifen und untzr 2Lroehrung wie- tneler Angriff« Str«semann feit fünf Jahren beständig lerne Politik der Annäherung und Befriedung fortgesetzt hat. Dass er ha­bet besonder» den Interessen feine» Lande» ge­bient hat, wird ihm niemand zum Vorwurf ma­chen tonnen, dass er aber durch feine Mitarbeit dazu geholfen hat. in aanz Europa da» Gleich­gewicht und bic Wohlfahrt wiederherzustellen, da­für wird ihm jeder unparteiisch Denkende Dank Witten.

Echo de Pari»" fuhrt au»: Die Ankunft Strefemann» in Pan» wird Kellogg «in wenig in b«n Hintergrund drängen. Alle Blicke werden zunächst auf Strefemann gelenkt fein. Echo de Paris" schliesst, nachdem da» Blatt bi« Aufrollung bet Frag« der Rhein- lanbräumung ob gelernt hat ..Dir he ssen Stresemann willkommen und wünschen le nem Voll« Gedeihen "

Da» .Oeuvre" widmet b:m Befuch Strefe­mann» in Pari» einen Artikel. SS schreibt .We­niger al» 10 Jahre nach bem Daffensti'lftand ist auf dem Bahnhof in Pari» ein Deutscher von Hunderten von Franzosen erwartet und mit sehr warmem Beifall empfangen worden Da» ist ein Ereignis, ba» Frankreich ebenso zur Ehrung gereicht al» dem Staatsmann.' Einige Recht»- Matter Witten bie Begrüssung Stresemann- da­durch herabzufetzen, dass fte erklären, die deutsche Äoloni« in Pari» hätte Strefemann bei seiner Ankunft Beifall geklatscht, worauf da»OeuDr< erwidert Man habe Bravo gerufen und nicht Hoch. Bravo wäre mit einem französischen Akzent und au» einem europäischen Herzen gekommen. SS war nicht bie deutsche Kolonie in Pan», bie Strefemann Betta'l flat d>k. sondern e« waren di« Pariser de dem Europäer unb den Frieden mit Beifall begrüßten

Petit Journal" betont die grosse De- tutung der Ankunft LtrefemannS m Pari», der I rq ferne» Gesundheit-zustand-e» Wert darauf ge­legt habe, biete neue R^nsizierung deS Loearno- Adkommen» imb de» Versailler Vertrage» selbst po-z'messme"