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Montag, 51 Dezember 1928

Gietzener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Gberhesten)

Nr. 596 vierter viatt

ünferen werten Gästen, Kunden, Freunden und Bekannten ein glückliches neues Jahr! Carl Häuser X- und Familie ^Dilhelmshöhe", Steinberg

11524D

nur Aehn- Skan- sogar

Beob«

Neigen gegen den Meeresspiegel zu nicht in England allein beobachtet wurde, liche Vorgänge sind auch in Japan, Italien, dmaoien, längs der Nordküste Asiens und in Nordamerika beobachtet worden.

Verwaltung sauf gäbe das Reich doch stärker wer­den soll und eine politische Maiminie die Gefahr nur eines schwachen Reiches ist. Schließlich kv'.n- men alle Versuche eingestandener und uneinge- standermastcn darauf hinaus, Daß der Dualismus zwischen Reich uub Preußen irgendwie beseitigt wird. 3m Dismarcl-Reich war preußische Staats­gewalt und Reichsgewalt zu einer Einheit verschmolzen. Da eine preußische Hegemonie jetzt nicht mehr in Frage kommt, muh ein anderer Weg zur (Srrctdxung d^s Zieles beschritten wer­den. wofür von den verschiedensten politischen Persönlichkeiten in immer st:igendem Maße als gangbare Lösung die Schaffung eines Reichs­landes vorgeschlazen wird, vermittels dessen Preußen, wie man es ausgedrückt hat, zum Reich emporwächst. Erst wenn wi der eine einheil» licheGewalt an derSpihedesDeichs- ganzen herrscht, wird es möglich sein, die Verwaltung überall im Reiche zweckmäßig zu organisieren Darauf aber kommt es für das prak­tische Verhältnis d.-s einzelnen zum Staate an. Qluc dann kann dem hingebungsvollen Arbeiten der Beamtenschaft der rechte Erfolg beschieden sein, abgesehen davon, daß bei zweckmäßiger Gesamtorganisation Regieren unD Verwalten billiger werden und jenen Höchstgrad von Wirkung erreichen können, dessen wir zur Ent­faltung aller freien Kräfte unseres Volkes und zur Wiedergewinnung unserer Freiheit bedürfen.

resorm Im engeren Sinne, nicht nur er­forderlich, sondern auch zeitlich dringend ist.

3n der gleichen Richtung wirkt die Rotwen.ig- keit, unser Verwaltungswesen zu ent- wirxeo. Der von manchm empfohlene und tat­sächlich schon beschrittene kalte Weg der Reichs- reformierung, nämlich die zusammenhanglose Der- mchrung der Zuständigkeiten des Reiches und Schaffung besonderer neuer Reichsbehörden kann zu keinem guten Ende führen. Um unser Doll wirtschaftlich zum Staatsvolk zu erziehen, muß der Staat an dos Volk und dos Volk an den Staat herangebracht werden. Dazu bedarf eS vor ollem einer gewissen Durch­sichtigkeit deS Staatswesens, wo sich f>eute kaum mehr der gelernte DerwaltungSmann in dem Zuständigkeitsknäucl von Reichsbehörden, Länderbehörden usw. zurrchtfinüet. Deshalb das Verlangen nach einer durchgreifenden Reform, die ebrnr mir aus einem zielbewuhten Staats- Willen erwachsen kann. Die Auffasfunasunter- schiede über den Weg der Resorm, die obendrein vielfach mir infolge ihrer schlagwortar igen Zu­spitzungen bestehen, müssen durch eindringllche, sachlich Arbeit überwunden werden. Sehr zu be­grüßen ist, daß die Länderkonferenz sich auf be­stimmte Richtlinien geeinigt hat, die. Wie allgemein bekannt, auf die differenzierte Gnd- lösung abzielen. 3n solcher Differenzierung liegt auch niemals die Gefahr einer Wainlinie, weil bei aller Betonung des Heimatlichen und der Selbst-

DasReich muß stärkerwerden

Von Dr. Hans Luther, et)em. Reichskanzler.

Man hört jetzt öfters dis Meinung, daß die Gefchichtsichrcibung der Verluch fei, in daö Sinn­lose Sinn zu bringen. Dor Der Tatsache, daß der größte Teil der Lheinlande immer noch besetzt ist, trvt» aller Reparationsabmachungen und trotz Locarno, könne man tatsächlich am vernünftigen Sinn der Geschichte zweifeln. Was soll nach dem Eintritt in den Völkerbund die französi,che Flagge auf dem Ehrenbreitstein noch bedeuten? Jedesmal, wenn ich ans besetzte Rheinland komme, wünsche ich aufs neue, daß die ganze Bevölke­rung des unbesetzten Deutschlands einmal mit eigenen Augen die Tatsache der Besetzung sr^en möchte. Trotzdem will ich mir die An­schauung »on der Sinnlosigkeit der Geschichte nicht zu eigen machen, sondern bin überzeugt, daß ^ie Gedanken des Rechts und des Friedens, venen Deutschland dienen, fortgesetzt auch der Wucht militärischer Tatsachen entgegengehalten werden mühten.

Dieses Beginnen hat um so größere Grfolg- aussichlen, je ruhiger und je mehr, seiner eigenen Kraft bewuht, Deutschland sein gutes Recht vertritt. Mer der Ansicht beistimmt, Laß es auch für den Erfolg nach außen wesentlich auf die seclischr Haltung des deutschen Volkes ankommt, wer darüber hinaus die Wirkllchlort grvher Ideen in der Weltgeschichte anerkennt, der kann sich auch für die Ausbildung der eigenen deutschen Kraft nicht etwa nur auf den Druck wirtschaf.kicher Tatsachen verlassen, sondern muh sehen, dah eine Reichsreform nur dann zu einem guten Ende kommen werde, wenn auch sie von politischen Ideen und be­wußtem Wollen getragen würde. Das Wichtigste Regt hier wie überall in Der Gesin­nung. Wenn das besetzte Rheinland immer wie­der kundtut, daß es eine Abkürzung der Besatzung auf keinen Fall durch Dauernachteile für Deutsch­land erlaufen will, so ist das eine Gesinnung von geschichtlicher Höhe, die ein Vorbild für ganz Deut schl and sein muß.

Auch auf wirtschaftlichem Gebiet hat der Zu- sammenschluh des Volkes zu einer Einheit immer stärker zu werden. So sehr wir die Ausfuhr brauchen, so muh es doch unser Ziel fein, die Lebensarundlage unseres Volkes möglichst un­abhängig vom Export zu gestalten, um den Wechselfällen der Wrltwir schäft weniger aus­gesetzt zu sein und dadurch für die großen Volks­schichten eine bessere Gewähr für ein möglichst gutes Auskommen zu beschaffen. Ramentlich der Mittelstand, Der nicht nur Landwirte, Han­del- und Gewerbetreibende. Angestellte und geistige Arbeiter aller Art umfaßt, sondern dessen Stärkung auch durch ein Emporwachsen innerhalb Der Arbeiterschaft erforderlich ist, muh nach seinem erschütternden Zusammenbruch in den Zeiten Der Inflation auch in wirtschaftlichem Interesse wie­der aufgebaut werden. Denn sein Derbraucher­bedarf regt gerade solche Zweige unserer Er­zeugung an, die hinwiederum gesteigerte Aus­fuhrmöglichkeiten zu erschließen in der Lage find. Der Aufbau des somit als wirtschaftliche Haus­macht Deutschlands dringend notwendigen inne­ren Marktes hängt entscheidend ab von einer zielbewuhten Politik des Reiches, besonders auch wegen der Landwirtschaft. So sehr Die Landwirt- - schäft letzten Endes alles a u 8 eigener Äraf t leisten muh, so bedarf sie in unserer jetzigen Lage doch an vielen Stellen der verständnisvollen Führung durch Den Staat. Das ist neben dem allgemeinem Sparsamkeitserfordernis Der toirt- schÄtliche Hintergrund, warum eine Derfassungs- und Derwaltungsreform, also die Re i chs -

Copyright by Greiner & Co., Berlin NW 6.

Die Idee, daß England ober Nordamerika oder ein anderes stark bevölkertes Land sich plötzlich zu senken beginnt und mitsamt feinen Millionen von Einwohnern vom Meer verschlungen wird, war immer ein beliebter Stoss für phantastische Romane. Jetzt haben Wissenschaftler, die Beobach­tungen an der englischen Küste ansteUen, erklärt, daß diese Gefahr wirklich bestehe. Sie berichten, daß England und Schotlland sich immer mehr dem Meere zuneigen, so, als ob eine riesenhafte Hand es im Westen hochheben und nach Süden und Osten zu dem Meere nähern würde.

Glücklicherweise geschieht dies sehr langsam, bei­nahe unmerklich: die Senkung beträgt in hun­dert Jahren kaum einige Zoll. Es wird also kein plötzliches Versinken stattsinden und es wird voraussichtlich noch Jahrhunderte dauern, ehe sich auch nur ein Anlaß zur Beunruhigung zeigt. Trotzdem ist fchon dieses unmerkliche Neigen von großer Bedeutung sowohl für die Wissenschaft als auch für die Industrie, denn die Wirkungen machen sich an der Küste bereits bemerkbar und sind von großer Bedeutung für die Anlage von Brucken und Docks. Am interessantesten ist wohl, daß dieses

Es bedurfte nicht erst der aufmerksamen achtung und der schwierigen Messungen seitens der Wissenschaftler, um darzutun, daß sich wichtige Veränderungen an der englischen Küste abspieien. An der Ostküste der Grafschaft Sussolk, etwa 75 Meilen von der Themsemündung entfernt, stehen die Ueberrefte der einstmals stolzen Stadt Dun wich. Vor etwa tausend Jahren war Dunwich die Haupt- stadt von Ost-Enaland. Es war Bischofssitz und sein Handel war bedeutender als der des heutigen London. Heute ist nichts mehr vorhan­den, als eine alte, halbzerfallene K irche, die

auf der äußersten Klippe steht. Diese Kirche ist das Symbol für das Schicksal von Dunwich. Bald wird auch sie eine Beute des Meeres werden, wie alles andere es bereits geworden ist. Es waren nicht wirtschaftliche Niederlagen, die den Nieder­gang dieser Stadt veranlaßten: sie ist buchstäblich vom Meere verschlungen worden. Mit jedem Jahrhundert haben sich die Wogen immer mehr Deute geholt und nichts übriggelassen, als die niedrige Klippe, auf der sich heute die Reste der einstmaligen ötabt befinden.

Dunwich steht mit seinem Schicksal nicht allein da. Wenige Meilen südwärts liegt die moderne Stadt Adelburgh, deren dem Meer zugewandte Stadt- Halle einen wundervollen Ausblick bietet. Doch die Besucher, die einem der Einwohner ihre Begeiste­rung über dieses so vorteilhaft angeleate Bauwerk aussprechen, werden höchst unfreundlich angesehen: denn diese Anlage war durchaus nicht beabsichtigt. Nicht die Halle war an der Meeresküste errichtet worden das Meer selbst hatte diese enge Nachbarschaft begründet. Vor wenigen Jahrzehnten noch befanden sich zwischen Halle und Meer eine Anzahl Straßen mit Warenhäusern und anderen großen Bauten, die nach und nach derSee zum Opfer gefallen sind. In weniger als zwei Jahrhunderten haben sich in diesem Teil Osteng­lands und im Norden von Yorkshire die gleichen Vorgänge abgespielt: mehr als dreißig reichbevöl­kerte Städte an der Seeküste wurden von der See verschlungen und ihre Bewohner in alle Windrich­tungen zerstreut.

Ein« merkwürdige Begebenbett spielte sich kürzlich in ©alten, einem kleinen Ort an der Ostküste südlich von Harwick ab. Im Jahre 1398, so wird berichtet, versank die Waltoner Kirche im Meere. Im Laufe der Zeit geriet dieser Vorfall In Vergessenheit und nur die Fischer, deren Netze manchmal in das alte Mauerwerk am Meeresgründe gerieten, wurden dadurch an die versunkene Kirche erinnert. Arn 3. Januar 1928 herrschte stundenlang ein furchtbarer Sturm in der Gegend von W a 11 o n. Gleichzeitig

Wird England in das Meer versinken?

Von Professor Bruns.

setzte eine ungewöhnlich starke Ebbe ein und plötzlich tauchten die muschelbedcckten Mauern der dot sechs Jahrhunderten versunkenen Kirche aus dem Meere auf. Einige Mutige versuchten, sich dem Bauwerk zu nähern, doch die schnell einsctzends Flut machte ihr Vorhaben zunichte.

Aehnlich liegen die Verhältnisse an der südlichen und südwestlichen Küste. Einige Geologen erklärten, daß dieses Sinken des Landes nur auf die zer­störende Wirkung der Wogen zurückzufüh- ren sei. Sie führten als Beispiel Helgoland, das einstmals Deutschlands bedeutendste Seefestung war. an und noch andere Seeländer. Tatsächlich Ist jedoch von der heutigen Wissenschaft nadigeroiefen worden, daß die Ursachen nicht in den Einflüssen des Meeres, sondern im Lande s e l b st zu suchen sind. Durch irgendwelche unterirdischen Ein­flüsse im Erdinneren wird diese Senkung erzeugt. Diese Bewegung ist äußerst schwierig zu messen. Die See ist niemals ruhig. Nicht nur dis ewigen Wellen erschweren die genaue Feststellung des Niveaus des Meeresspiegels, sondern auch Ebbe und Flut müssen in die Berechnungen mit einbezogen werden. Oie Wissenschaftler sprechen von einemDurchschnitts- Niveau ' des Meeres, bei dem alle diese Umstände in Betracht gezogen sind. Es bedarf jedoch jähre» langer Forschung bei täglicher Beobachtung aller Umstände, um dieses Durchschnittsniveau an allen Punkten der Küste genau festzustellen.

Dor zwei Jahrhunderten hat der große schwedische Naturforscher Professor Anders Celsius bereits feftgcfteUt, daß irgendetwas an der schwedischen Küste und im baltischen Meer vor sich gehe. Da Be­obachtungen nur eines Punktes wenig ergeben konn­ten, bereifte er viele Teile der baltischen Küste und studierte die Anzeichen dessen, was er entdeckt hatte. Er stellte fest, daß Schweden sich langsam, etwa drei Fuß innerhalb von einem Jahrhundert, aus dem Meere emporhebe. Ein Zeitgenosse und Freund von Celsius, der große Botaniker Karl von Linus, setzte im Jahre 1749 einen Stein an der schwedischen Küste, der die Cclsiussche Theorie er­weisen sollte. Doch 87 Jahre später stellte man fest, daß der Stein sich dem Wasser um hundert Fuß genähert hatte, wodurch die Celsiussche Theorie widerlegt war. Die modernen Wissenschaftler missen heute, daß weder Celsius noch Linus völlig im Irrtum waren. Tatsächlich heben sich Schweden und Norwegen in der Mitte immer mehr, während sie sich im Süden fortschreitend senken.

An der dalmatinischen K ü ft e, wo sich einstmals das Florida ober die Riviera der reichen Römer befallt, blicken jetzt die Fischer aus einer Höhe von zwanzig Fuß auf geplusterte Höfe und Mauern der ehemaligen römischen Dillen herab, die durch Erdbeben ins Meer versanken. Aehnlich wie in England senken sich die j a p a n i s ch e n I n s e l n . jedoch in entgegengesetzer Richtung: die japanischen Geologen haben festgestellt, daß die östlichen und südlichen Teile sich immer weiter aus dem Meer er­heben, während die nördlichen und weltlichen Par­tien allmählich versinken. In Nordamerika gehen die gleichen Dinge vor sich, doch man weiß noch nicht genau, in welcher Weise. Dor zwei Jah­ren ist ein besonderer Ausschuß gebildet, der sich mit der Erforschung dieser Vorgänge befaßt, doch gehören auch hier viele Jahre eingehender Studien dazu, um genauere Einzelheiten feftzustelleu.

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