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Mittwoch, mit: Caf6 L l^D
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IHontjg, 5’. Dezember M8
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
Nr 505 Zweite; Blatt
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Gilvestersitten.
Don Max Jungmckel.
GeÖankenstärke der Besten unteres Vaterlandes gelingen wird, neue Ideen mit den kostbaren Schätzen der früheren Zeit zu verschmelzen und aus ihnen vereint dauernde Werte zu prägen, zum Heile unseres Daterlandes."
Wit solchem Vertrauen, mit solchem Hoffen, das wir uns auf unser eigenes Innere, aber nicht auf die Welt da draußen stellen wollen, auf unsere Seelenstärke und unser Gottvertrauen, das
uns schon so manches Mal aus schwerer Notzeit. die als Prüfung unserer Starte über uns dcchinging, wieder zur Höhe geführt hat, wollen wir über die Schwelle des Iahres gehen, nicht im Taumel, sondern gerüstet mit den Waffen unseres Geistes und unserer Liebe, gepanzert mit dem Willen zur Tat, geleitet von unserem Glauben an die helfende Daterhand über den Sternen!
Taten für Dienstag, I.Zanur.
1864: der Geograph Alfred PhiUppson in Bonn geboren; 1888: der Historiker Johannes Hohlfeld in Reichenbrand i. Sa. geboren.
Mir fällt eine alle Uhren-Jnschrist ein, die ich als Silvesterweisheit in meinem Heimatdorfs
Es gab natürlich allerlei Zugaben, viel Applaus, außerdem eine sehr hübsch zufammen- geftellte Tombola, zuletzt Tanz, Tanz, Tanz bis in die aschgrauen Pechpuppen.
Rohrpost.
Auch einige andere Vervollkommnungen des Bureaubetriebes fehlen noch in vielen großen ilntemebmungen. In Amerika gebraucht man allgemein die Diktier maschine, bei der in eine sich drehende Wachswalze das Bild der Stimme eingegraben wird, so daß das „Manuskript" von" der Maschinenschreiberin zu jeder Zeit abgehört werden kann. EinTelegraphon dient dazu, durch Einschaltung in den gewöhnlichen Fernsprecher jedes Ferngespräch unvergänglich niederzuschreiben und so einen füllen Zeugen für getroffene Verabredungen zu schaffen. Schaltet man diesen Apparat an ein in den Tisch des Konferenzzimmers eingebautes2ausch-- mtkrophon, so kann man alle Gespräche belauschen, die z. B. der Einkäufer mit den Vertretern führt, und man kann sie gleichzeitig schriftlich festhalten.
Wichtig sind auch die Chis s r i erma schi - neu, die es ermöglichen, jeden Text so umzu- wandeln, daß es für einen anderen unmöglich ist, ihn zu erraten, sowie die eigenartigen Stenographiermaschinen, die auf 45 Tasten neben den üblichen noch eigene Stenographie- Sigel enthalten, so baß man noch einen besonderen Stenographtesyslem ebenso rasch Briese schreiben kann wie man spricht. Freilich muß der Empfänger dieses Stenogramm zu lesen verstehen.
Ob Mefc neuen Apparate sich allerdings immer ft> bewähren, wie sich der Erfinder das vvrstellt? Da muß man einmal einen Soldaten der österreichischen Armee fragen, der einem das Folgende erzählen kann: .Wir hatten in Kriegszellen an allen Fronten ähnliche gebaute Abhorchstationen wie das Lauschmikrophon. In Villach, dem Hauptquartier der 10. Armee de- Kärntner KrieyS- zufchauplatzkS. wurde ein obskure- Hotel in eine Gefangenenstation für italienische Ueberläufer umgestaltet; in die Wände der Zimmer waren Lauschmikrophonc eingebaut, die mit einer Ab- horchstation in der Mitte des Gebäudes verbunden wurden. Eifrig bemühten sich die Dol- metfcher, aus den Gesprächen der Gefangenen wichtige Rachrichten zu erhalten. Die Dache hatte nur einen großen Fehler: wenn die Gefangenen nicht gerade aus Langeweile schliefen, unterhielten sie sich über die schlechte Kost oder den Mangel an Tabak, niemals aber über Strategie. So blieb nichts übrig, als einen geschickten Oesterreicher zu ihnen zu schicken, der sie ungeniert und meist sehr erfolgreich interviewte und alles aus ihnen herauszog, was für die Kriezs- führung von Wichtigkeit war. Um aber das arme Mikrophon nicht schlecht zu machen. Neideten wir unsere Protokolle in die Form von erlauschten Gesprächen und schufen damit unserem Leiter der Rachrichtenstelle viel Ansehen beim Armeeoberkommando."
fachste wäre die gewöhnliche Drahtpost, bei der Heine Wägelchen mit Katapulten auf gespannten Drähten von einer Station zur anderen geschossen oder durch ganz schwache Motor« mit Druckknops-Betätigung wie in Auszügen befördert werden. Zweckmäßiger sind die durch Drehscheiben bewegten S e i l p o st e n, bei denen man kleine Wägelchen am endlosen Sell feftflemmt; die Dries- fachen werden dann an der bestimmten Stelle von selbst durch eine Auslösung abgeworfen. Ebenso zweckmäßig ist die vielfach benützte
Moderne „Geisterstimmen".
Die Konferenz der abwesenden Direktoren. - „Derkehrsprobleme" des Großbetriebes. - Ein Bureau der Zukunst. - Der „mechanische Botenjunge". Das verräterische Lauschmikrophon. - Eigenartige Stenographiermaschinen.
Von Dr. Siegfried Kurth.
Man besucht den Direktor eines großen Industrie- llnternehmens. der gerade im Zimmer aut und ab geht; plötzlich ertönt eine scheinbar aus dem Richts kommende Geisterstimme, ruft ben Direktor beim Rainen und stellt an ihn eine Frage. Er antwortet ruhig, und bald komnll mit seinem unsichtbaren Panner eine angeregte Unterhaltung in Gang, bei der er ungehindert seinen Spaziergang im Zimmer fortsetzt. Es ist, als unterhielte er sich mit einer Person, die unter einer Tarnkappe versteckt im Zimmer weilt. -- Das ist kein Märchen, man kann diese Situation tatsächlich erleben. Aus eine erstaunte Frage wird der Direttor auf einbraunesKästchen Hinweisen, das im Zimmer, von einigen Akten verdeckt, auf einem Tischchen steht. „Das ist ein Apparat," kann er erklären, „der mich mit vielen Abteilungen unseres großen Betriebes über weite Höfe ►’intoag' verbindet. Gr ist einfach an die Lichtleitung angeschlossen, arbeitet ohne kostspielige Derstärkerlarnpen und gibt durch ferne starte Lautsprecheinrichtung die Möglichkeit, mich durch Drücken eines Reinen Hebels mit einer beliebigen Abteilung zu verbinden. Dort kann meine Stimme laut gehört werden, wie auch ich alles laut höre, was in den anderen Abteilungen in das Wandtelephvn gesprochen wird. So kann ich trotz der Entfernung alle Anordnungen erteilen, Briefe diktieren und ganze Be- trieoskonferenzen abhalten, indem ich gleichzeitig mehrere Stellen einschalte. Richts stört mich in meiner Konzentration, ich kann jeden Müit- arbeiter stets sofort er reichem kann aber auch Anrufe, die ich nicht wünsche, ablehnen. Freilich ist es nicht sehr wahrscheinlich. daß der Apparat für Konferenzen sehr weit entfernter Teilnehmer der Ünterrebung benützt werden kann, etwa für Besprechungen zwischen Berlin, Paris und Rom, denn die Kosten für die Apparaturen wären dabei vorläufig noch außerordentlich hoch; der Apparat dient vielmehr nur dem Hausverkehr."
Man stelle sich aber einmal vor, wie bedeutungsvoll diese neue Einrichtung für einen Großbetrieb werden kann! Der Direktor wird z. D. von einem Reisenden seiner Firma angerufen, der im Zug nach Hamburg sitzt und über eine gelungene Verhandlung berichtet. In diesem Fall kann die Direktion die Verkaufsabteilung mit- Horen lassen. Während der Direktor nun eine Muschel des Apparate- selbst ans Ohr legt, hängt er die andere an und schallet gleichzeitig den Einkaus ein, so daß diese Abteilung ebenfalls hört, was der Vertreter auf dem durch Mecklenburg rasenden Zug der Firma erzählt.
Es ist lehrreich, mit dem Direktor eines so fortschrittlichen Betriebes einen Rundgang durch die Arbeitsstätten zu machen. Man wird bann auf einige andere Einrichtungen aufmerksam, bte dem von Ford ausgesprochenen Grundsatz entsprechen: »Jeder ersparte Schritt ist C e w i n n". Wie werden die Schriftstücke innerhalb des ganzen Dureauhauses verteilt? Bisher war ein regelmäßiger Verkehr durch Boten,ungen organisiert, die in bestimmtem Abstand von 15 ober 30 Minuten Rundgänge durch das ganze Haus antraten. In* jedem Zimmer die in einem Drahtkorb bereitgelegten Stücke aufnahmen und die mitgebrachten Briefsachen in einen anderen Korb legten. Alle Stücke wurden in einer Haus- postzentrale sortiert und dort mit größter Pünktlichkeit den Botenjungen mitgegeben. Run will man „mechanische Dotenjungen" einsühven. Dazu • kommen mehrere Verfahren in Betracht: DaS ein-
Goethe-Bund.
Vortragsabend Refi Langer.
Sine ausgezeichnet besuchte Sondervevanstal- tima des Goethe-Bundes in den Raumen des KlubS brachte am Samstagabend bie bekannte Berliner Brcttldiva Rcsi Langer mit ihrem musikalischen Begleiter und Genossen m Apoll, fern Komponisten Dr. Stefan Weisel an den ^Wer^die^ Kabarettistin einmal erlebt hat. wird sie lange im Gedächtnis behalten unb wird wissen, worin ihre Eigenart und ihre aSirfung bestehl. Wer sie nicht kennt, dem kann man schwer eine Vorstellung vom künstlerischen Wesen dieser Vertreterin einer einst — zu Wrdekinds Seiten — in hoher Blüte stehenden, nun aoer fast auS- gestorbenen Gattung des literarischen Kunstgewerbes vermitteln. Man muß sie also ge ißen, man muß sie vor allem gehört haben. 2luf das Gehörte kommt es an, nicht auf den Augeneindruck. __
Wir fanden sie. seit wir ihr vor etwa drei Jahren in einem kleinen Kabarett des Berliner Westens zum ersten Male begegneten, wenig verändert. Die erstaunliche Dchlagfcrtigk.tt und der entwaffnende Redeschwall, auf dnn ein mcht Sringer Teil gerade des reichshauptstädtischen
nsehens der Langer beruht, haben sich womög- ,rch noch vervollkommnet. Dies hat aber lediglich mit der Wirkung auf die Publikumsmenge tu tun, nicht mit ihrer literarischen Sonderbe- gabung, die stets nur von einem Heineren und <nrf stillere Effekte bedachten Ärrife geschätzt und unendlich viel hoher geroerg. werden wird als die vorn Hundertsten ins Tausendste kommende, mit Kalauern, Zwischenrufen und Dialektscherzen verzierte »Conference', die für unfern Geschmack schon deswegen einen viel zu breiten Raum tm Programm einnahm, weil die Langer nicht überall verständlich, oft auch wohl geradezu mißverstanden wurde.
Sie begann mit kleinen, mehr oder minder be- kannten Harmlosigkeiten von Wllhelm B u f ch. Das
Besondere daran war die talentierte Textunter- malung der witzigen Kompositionen von Dr. Mei« s e L Und die Langer bringt dann die Verse ge- w.ssermaßen brettlmäßig aufgeputzt, als Chanson ober Bänkelsang mit berechneter Mimik und Pointierung. Die letzten Stücke dieses Teils, „Das blaue Wunder" uni) die „Ballade vorn nützlichen Soldaten" waren um ihrer nicht unfeinen, obzwar stets grotesken Stimmung willen schon „literarisch" bemerkenswert und bildeten eine glückliche Ueber- leitung zum zweiten und besten Teil des Abends, der Christian Morgenstern gewidmet war.
Morgenstern ist ja immer eine beliebte Programm- nummer für aparte Dortragsmeifter gewesen; aber wir haben selten Berke aus den „Galgenliedern" ober dem „Palmströrru so blenbenb, mit soviel Witz unb soviel Gefühl für groteske Situationen vortragen hören. Die Langer ist bie gegebene Interpretin für Morgenstern, Dr Meise! bringt ihr am Klavier ausgezeichnete kleine Hilfen, unb sie vermag niel mehr aus den phantastischen Einfällen herauszuholen und bildhaft auszuschöpfen, als etwa seinerzeit Ludwig Hardt.
Gerade die bekanntesten Sachen, wie der „Seufzer" und der „Gingganz" waren von einer ungemeinen Belebtheit und so feiner Stimmung im Vortrage, wie sie die Eigenart und Einmaligkeit Morgensterns beanspruchen darf.
Der dritte Teil, aus der Kabarett-Sphäve, begann mit dem üblichen Redeschwall und allerlei Anzüglichkeiten. ldie zum „Füllen" und Sttmmung- machen dienen und ruhig erheblich gekürzt werden könnten; weniger wäre bedeutend mehr gewesen. In einem literarischen Kreise sollte man sich nicht mit so viel landläufiger Conference aufhalten, zumal die Langer hier nicht einmal De>- fonderes zu bieten hak.
Die verschiedenen „Rummern" waren erprobte, zugkräftige Programmstücke im echten Drettlstil, scharf pointtert und frech wie „Der Schrank', mit hübschem Refrain wie „Der schauderöse Ferdinand", mit „ernstha.ten" Ambitionen wie der handfeste Edelkitsch der „Galeere" ... alles ohne die literarische Rote, wie sie seinerzeit etwa der Ehrgeiz der „Elf Scharsrichter" war.
Silvester ging in meiner Heimat, in der Niederlausitz. der Kantor mit zwölf Chorjunaen singen. Dafür hatte er Geld zu beanspruchen; denn dieses Gelb war das gesamt« Kantoreinkommen. Aber nicht alle Kirchspielbewohner gaben ihm freudig diese Abgabe. Oft waren Tür und Tor verschlossen. Da kletterten eben einige jungen über das Hostor unb riegelten es von innen auf. Dos gesamte Geld bekam ber Kantor, der damals wirklich das arme Dorsschulmeisterlein war, bas sich durchhungerte unb bas sich schon ein ganzes Jahr lang auf diesen Singsang freute. Am Schluß der Singesahrt beka- men die Chorjungen in der Kantorstube Suppe und Schweinebraten ausgetischt. Als Nachtisw wurde Lotto gespielt. Als Gewinn stand Kuchen bereit — Ja, ja: Die gute, alte Zeit! „Die größte Wurst soll seine jein, dem armen Dorfschulmeisterlein." Don der Christnacht bis zum Tage .Heilige Dreikönige" sind die .^mölf Nächte". In diesen zwölf Nächten geht die sogenannte Bauernuhr. Das sind Regeln, graue Weisheiten, nach denen sich mancher besorgte Bauer richtet Wollen wir diese seltsame Bauern-- ubr einige Ewigkeitsminuten aussagen lassen: „Wenn die Sonne am heiligen Christlag scheint, so bedeutet es ein glückliches Jahr. Den zweiten bedeutet es Teuerung, den brüten bedeutet es Wi- einigfeit, den vierten drohet es den Kindern Masern und Blattern, den fünften gerät das Obst wohl, den sechsten gibt es Ueberfluß an Douernsrüchten, den siebenten gute Viehweide, hingegen Teuerung an Korn, den achten viele Fische und wilde Vögel, den neunten den Kaufleuten glückliche Handelschaft, den zehnten gefährliche Gewitter, den elften große Nebel und Krankheüen, den zwölften bedeutet es | Strieg und Blutvergießen." — Man bekommt
3um neuen Jahre!
Don Dr. A. W. Krannhals.
Was kommt tm Jahr, kannst nit duvchschaun, Mußt hoffen und auf Gott vertraun 1
Luther.
Unb wieder stehen wir vor dem dunklen Vor» bang, den wir Menschen uns selbst gezogen. Fragen, bange und verzweifelnde. heischende, btt- tenbe, hassende Fragen werden laut oder verbergen sich scheu im Herzen, ewige Fragen, Die Wir Erdgesessellen immer wieder stellen, wenn ein Iahr dem andern im Scheidegruß und Will- komm zugleich die Hand reicht. Was ist dieses Fragen mitten in der Zeit, das doch über bie 3eit hinaus will, bie unS unerbittlich in ihren hämmernden Stunbenschlag bannt, anderes, als ein Selbstbesinnen, toa« kann es anderes sein, da wir doch trotz aller Mühen wissen, daß «Hernes Schweigen allein die Antwort ist. und oäbe es keinen Gleichgültigen. und wäre solche Frage nach dem. was da wird, ein einziger Schrei der gequälten Wenschheitl
Unö doch! Daß wir fragen, baß wir uns solche Stunde ber Selbstbesinnung selbst schaffen, daß wir sie gerade an die Stelle sehen, da unsere Erde einmal Öen Laus um unsere Weltenmutter, bk Sonne, oollenöet. gerade Darin liegt ja schon eh groß Teil Der Antwcrt selbst, wenn wir nur r«d>t zu lauschen verstehen auf öas Rauschen der Zeit, das in unfern Herzen wiedertönt. In unfeDcn Herzen!
Der laute Lärm der Welt Ist stumm mit seinem Rauschen, Ersehnst bu Gottes Wort, Mußt bu nach innen lauschen.
3a. in beiner Brust sind deines Schicksals Sterne, nut in ihr, in dem besten Teile deines Selbst kann dir solche Antwort werden. Ist es nicht ber ewige Sonnenglaube, ber uns eng dem großen Geschehen des Alls verknüpft, der dich solche Jahreswende, die doch eigenllich. nur rechnerisches Menschen werk ist. das den großen Ewig- keitsstrom ber Zeit in Heine Tröpslem zerteilt, damit wir kleinen Erdenkinder nicht im ihm versinken als etwas Geheimnisvolles empsinben läßt, in dem Doch zugleich so starke Hossnung geborgen liegt, die uns aus ber ewig neuen Fruh- lingswiederkeht der Sonne erwächst? Das ist das dne, öas schon Antwort ist aus all Öas Fragen.
Das andere aber erblüht aus ihm, wie eine Blume leuchtender Erkenntnis: Daß nur aus dir selbst, nur aus Deiner eigenen Brust Dir Die Antwort werden kann auf die Frage nach dem, was da wird. In Der Bibel steht: daS Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; auch für dein Reich, für deinen Lebenstrris und für das Reich des deutschen Volkes, dem du verhaltet bist mit allen Fibern deines sehnendeii, pochenden Herzens, gilt das Wort: „Es ist der Geist, der sich Öen Körper baut!"
Der Geist! Daß öu Nr solche Stunde schafsst. daß du in ehrlichem Ringen um Dein selbst solche Jahreswende begehst, daS ist schon Verheißung für das kommende Iahr, dir und deinem Volk. Denn dieses dein Fragen, so du eS recht verstehst und nicht nach den Dingen der Welt fragst, die Motten und Rost fressen, und so du dich in solchen Fragen nicht über deine Grenzen als Mensch erhebst, sondern dein Haupt in kindlichem Vertrauen Dem Lenket bet Welten in den Schoß legst, ist schon für sich ein Ringen mit dem Engel: Ich lasse dich nicht, bu segnest mich denn
Solches Rachinnenlauschen und solch kindliches Gottvertrauen ist dann kein schwächliches Die- Hänbe-in-Öen-Schoß-legen. Rein, es ist die Antwort aus Die Frage deines Herzens nach Dem rechten Weg den du in dem neuen Iahte gehen sollst, bu unb alle mit dir. Solches Fragen unö Antworten aber, Öas ist öer Geist, ber dir Öen Körper baut. So hast öu Öen Sinn gewonnen, in öem schier sinnlos erscheinenöen Tun. Die fteuölge Gewißheit, öaß jede Erneuung, leöeö Reuwerden nur aus dir selber kommen kann Wenn bu nur die Hände regst und mitbaust «M Werte deines Lebens, deines Kreises, Den du au erfüllen hast, deines Volkes, deines Vater- landes Wer sich ums Leben drückt, hat weder ein Recht auf fein Fragen, noch erhält er eine Antwort'. Rur tatfroher Glaubenssinn schafft baS Reue, so wie ein Hindenburg ihn in den Dorten lebt unö bekundet: „Ich habe dos sichere Vertrauen, daß es der Gedankentiese und der
Bezirkssparkasse Gießen.
Dieser Tage wurde in Anwesenheit des Der- tr t rs der QLf ichtsdeh rbe, Oierr:g erungsrats Dr. H e ß, die d es.„hrige ordentliche Mitgliederversammlung ber Dezitks- sparkasse Gießen abg halten. Der D«- sitzendr. Dir ktor Zach eis, gib nach enlcit.irden Worten der Begrüßung, auch an den erschienenen Vor'iy.nben des Hessischem Sparkassen» und Girov:rbandes, Iu' i rat Dr. R e h (Darmstadt), zunächst einen kurzen Ueierb.ti ü er bie feit der letzten Qöitg ieb .trrtfammluni bei der Sperl, s o o:rg'.n:mm:re i g fetzl chen ReK ioncn, sowie über die llmstel ung des Spat- und Dat- lehensvcrlehrs auf maschinelle Grundlage und tia beabsichtig e Errichtung einer Re enftclie in L i ch. Er gedachte sodann in ehrenden Worlen des verstorbenen Tkrtrri rS G.m in erat Im'tri ebs W l- helm Weber in K ein-Linden und ber e enjalls verstorbenen früheren Auf ichtsratsmitglieder Orbig (Gießen) unö Walther ('Saubringen).
6 ob amt trug der Vorsitzende den Rechen- schasts - und Geschäftsbericht über bert Abschluß der Rechnung, über die Bilanz, sowie Gewinn- und Verlustrechnung für 192Z vor. Aus dem Geschäftsbericht geh' hervor, daß bic Spareinlagen im Berichtsjahr eine erfreuliche Entwicklung genommen haben. Sie fliegen von 3 935 000 Mk. auf 6 118 000 Mk., haben somit eine Zunahme von 2 183 000 Mk. erfaßten. Die Kontokorrent-<Giro-) Einlagen sind auf 1 595 000 RIk. gestiegen. Die Zahl der Svarkonten stieg von 8300 aus 11 299, bic der Kontokorrent-Konten von 1803 auf 1984. Der Umsatz im Kontokor.rentver- kehr betrug in 114 600 Posten rund 40 Millionen Mk. Die Rechnung selbst schließt mit einem Rechnungsrest von 218 464,02 Mk. Deo Gesamtumsatz auf beiden Seiten der Houpt- kassebücher stieg von 85 500 000 Mk. in 1926 auf 102 986 000 Mk. in 1927. 2lus dem Geschäftsbericht geht ferner hervor, daß 1927 ßie_ Ausleihungen im Realkreditgefchäft (im reinen Hypothekengcfchäft) eine Zunahme von 610 872 Mk. auf 1 348 000 Mk. erfahren haben. Rach allen Abschreibungen verblieb ein Reingewinn von 28 502.28 Mk. Dieser wurde auf Beschluß der Derfaminlung ber Rücklage überwiesen. Genehmigung sand auch ber vorliegend« Entwurf bes Voranschlages über die Derwal- tungskosten 1929.
Der Vollzug der Ersatzwahl zum Aufsicht s r a t hatte folgendes Ergebnis: Ti.» aus- jcheidenden MitglieLec Bürgermeister D r. Seid. Gießen; Öanbge ichtspräsidmt Reuenhagen, Gießen; Prof. Dr. Ebel. Direktor der ih.i- versitäts-Bibliothek. Gießen; Re.tor Hermann Schmidt, Giesz en; Lehrer Georg Kling, Gießen; Bürgermeister Schmidt, Lollax, wurden einftimmig auf Ne Dauer von 6 Geschäftsjahren wiedergewählt.
Genehmigt wurde auch ber auf Grund beS Hess. Besoldungsgesetzes vom 30. 3. 1928 botge- legte Stellenplan für bic Beamten unb An- gHellten ber Sparkasse. Als Beamter wurde neu angestellt der seitherige Getzille Karl Klingler. unter Ernennung zum Sekretär bei beC Sparkasse. Zu Oberfefretäcen ernannte die Versammlung die seitherigen Sekretäre Wolf unb Philippi, zum Inspektor den seitherigen Ober» sekretär Weigel und zuin OberinspÄtor den seitherigen Inspektor Ritsert.
Der Vorsitzende des Hessischen Sparkassen- unb Giroverband:s. Juslizrat D r. Reh, nahm legenßeit, einige interessante Ausführungen u ,ir die Entwicklung der hessischen Sparkassen im allgemeinen und der Bezi.ksspariasse Gießen int besonderen zu machen. Hiernach steht bie hiesige Sparkasse, was Umfaß und Einlagenbestand anlangt, an zweiter Stelle sämtlicher Bezrrksspar» lassen Hessens.
Rach Worten des Dankes des Vertreters der 'Aufsichtsbehörde, Oberregtetunadrati Dr. Heß, an Aussichtsrat, Vorstand unb die Verwaltung der Sparkasse für die Geschäftsführung im Berichtsjahre wurde bie Versammlung geschlossen.
ordentlich Herzklopfen, wenn man diese wunderliche Bauernuhr orakeln hört.
Das Wahrsagen ist die bedeutendste SiloestersillQ. Bleigießen ist noch überall sehr beliebt; aber es ist zu einer Art Unterhaltungsspiel herabgesunken. Das Mnfttsche, das grau Umwitterte, dos Geheimnisvolle fehlt heute beim Slei^uß fast ganz. Schöner und herrlicher ist jener Mädchenbrauch, den man noch in Dörfern trifft: Das sogenannte Heirat?- orakel. Die Mädchen werfen einen Schuh über den Koos, unb zwar mit dem Fuß werfen sie den Scyuh über den Kopf. Wenn nun die Spitze des geworfenen Schuhes nach der Stubentür zeigt, dann verheiratet sich das Mädchen im kommenden Jahr.
Silvester gibt's auch den vollsgenannten und volksbekannten Zwiebelkalender. Man zerschneidet die Zwiebel in zwölf Teile. Jeder Tell bedeutet einen Monat. Auf jeden Teil streut man Salz. Wird ein Blättchen recht naß, so gjbt's einen nassen Monat. Wird ein Teil nicht so nafu so gibt’s eben einen trockenen SDlmtaL
Man lärmt, man vermummt sich am Siloestxr- tag; man schießt unb krakchlt. Unheimliche Geister sollen vertrieben werden. Heute hat man wohl ferne Ahnung mehr davon, baß dieses Lärmen und Rummeln an die Geisteroertreibung erinnert Heute knallt man mit Feuerwerkskörpern und Kanonenschüssen, was dos Zeug unb der Geldbeutel hollen will. Aus dem allen Tag der Geistervertreibung ist ein Jux und ein gemeingefährlicher Unfug gewor° Öen. In manchen Orten macht man noch Silvesterumzüge. Schwarze und weiße Geister gehen Hand in Hand: Licht und Finsternis in Person. In manchen Hausern ist es Sitte, vom Silvesteresien noch etwas bis Neuiahr Aurückzubehallen, sonst hat man das ganze Jahr nicht viel zu essen.
„Ewigkeit in die Zeit leuchtet hell hinein, daß uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine." j
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