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Ur. 26 Drittes Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Dienstag, 3 . Zanuar 1928

Turnen, Sport und Spiel.

(*>fi<Rennett auf dem Hoherodskopf.

Der Ski-Klub Gießen hielt am Sonn­tag auf dem Hoherodskopf sein diesjähriges internes Rennen ab. Um ein wichtiges Moment vorwegzunehmen: St. Petrus war dem Unternehmen Wohl gesinnt. Ein Wintertag erster Ordnung. Frost, Sonne, strahlend blauer Him­mel, Rauhreis. Die Schneedecke reichte aus. Erst­klassiger Pulverschnee im Wald, an den Hängen leichte Derharschungen.

Am Samstag Abend waren die V. H. E.- Klubhäuser überfüllt, trotz der neuen zahlreichen Matrahenlager. Die Ski-Jugend veranstaltete gegen 8 Uhr Abends einen F a ck e l l a u f am Hang. Es war ein reizvolles Bild. Lodernde Fackeln glitten im leichten Rebel über das schneeige Gelände dahin. Dann waltete die Renn­leitung ihres Amtes: Meldungen, Verteilung der Startnummern. Bekanntgabe der Bedin­gungen. Die Läufer suchten zeitiger als sonst ihre Lagerstätte auf.

Dem Programm entsprechend wurden durchge- sührt: Langlauf, Abfahrtslauf,

Sprunglauf. Start und Ziel des Lang­laufs waren vor dem alten Klubhaus. Die Rennstrecke 6,5 Kilometer führte am Waldrand entlang zu den Forellenteichen, von dort im weiten Dogen um den Taufstein herum, zurück vor das Klubhaus. Es war eine Lust für die trainierten Langläufer, durch die schnee­pulvrigen Waldschneisen im Dreischritt dahin zu jagen. Für Damen und Jugend war die Strecke durch eine Querverbindung auf 4 Kilo­meter abgekürzt.

Cs wurde in Abständen von je Ve Minuten abgelaufen. Kaum waren die Letzten abgefahren, kamen bereits die ersten Läufer in flotter Fahrt aus dem Wald heraus durchs Ziel. Die ge­laufenen Zeiten find recht erfreuliche, die Kon­kurrenz insbesondere in den beiden Herrenklassen A und B war scharf.

Zum ersten Mal seit dem Kriege gab es außer Lang- und Sprunglauf einen A b f ahrts- laus der bei Läufern und Publikum leb­haften Anklang fand. Cs war eine Strecke ab­gesteckt von der Höhe der Jugendherberge bis zum äußersten Ende der Rennbahn. Auf der Rennbahn muhten gesteckte Kurven eingrhalten werden. Länge der Strecke: 1,5 Kilometer, Tempo, Schneid und Geschicklichkeit in der Abfahrt und nicht zuletzt richtiges Wachsen der Ski kamen hier zur Geltung. Gewertet wurde nur die Zeit.

Die Beteiligung an Lang- und Abfahrtslauf war eine erheblich regere, als im vorigen Jahr. Dies gilt auch für die Damen und ganz be­sonders für die Jugend.

Die Damen hielten durchgängig gute Zeiten ein. Die Siegerin im Lang lauf, Frl. Brill, kam in bester Verfassung am Ziel an. Frl- Jaeger, die vorjährige Siegerin, war lerder verhindert, aus Kassel herüberzukommen.

Di« Arbeit in der Lhceumsgrupp«, an deren Spitze Frl. Da übel steht, hat gleichfalls seine Frücht« getragen. Di« weiblich« Jugend­gruppe war gut vertreten.

Vor allem sind bei der männlichen Jugend­gruppe gegen das Vorjahr ganz erheblich« Fort­schritte zu buchen. Während diese im Vorjahr nur mit drei Jungens vertreten war, erschien diesmal der Jugendwart stuck. Roede mit zwanzig, von denen 16 am Langlauf und am Abfahrtslauf teilnahmen. Deachtlich ist vor allem die Leistung des 1. Siegers im Langlauf : Wil­ling, der die 4 Kilometer in 13 Minuten 34 Sekunden zurücklegte.

Auch diesmal soll nicht unerwähnt bleiben der älteste Teilnehmer am Herrenlanglauf: Zahn­arzt Jaeger. Leider riß ihm unterwegs die Dindung, und er kam zu Fall. Trotzdem und trotz seiner 60 Jahre traf er mit 36.50 Mm. immer noch rascher am Ziel ein, als mancher er­heblich Jüngere. 3m übrigen ging aus dein Alt­herrenlauf, der gleichfalls auf die längere Renn-

Es zogen drei Burschen wohl über den Mein ....

Roman von Erica Grupe-Lärche r.

31. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Diese lange, schweigsame Fahrt mit ihrem wei­chen, gleichmäßigen Dahingleiten lullt« sie in eine eigene Stimmung ein. Während sie gedankenvoll in bas draußen vorüberhuschende Stadtbild sah, das heute ein so ganz verändertes Gepräge trug, war es ihr, als glitte auch ihr Schicksal in eine neue Zeit, in einen neuen Lebensabschnitt hinein! ...

3a, in einen neuen Lebensabschnitt trat sie heute. .

Wie sie dann droben am Fenster des Ministeri­ums neben dem Stuhl ihrer Großmutter stand und in das Gewirr von Fahnenstangen, von wartenden, festlich gekleideten Menschenscharen, hinabsah, als die tiefen Glocken des Münsters zu läuten und dröh­nend zu schwingen begannen, als von fernher aus dem Zentrum der Stadt ein Jauchzen und Jubel­geschrei ausbrach, das sich auch zu ihnen hierher an den einstigen Kaiserplatz heranrollte da war es ihr, als sänke ihr junges blühendes Leben aus der grauen Wolke jahrelanger Kriegsspannung in ein Meer von rauschender, überroältigenber Musik, m tine Atmosphäre voll blendender leuchtender Sonne und glutvollen Lebens!

Alles war eingebettet, war umfaßt in dem einen einzigen Begriff:Frankreich!" ...

lieber die Brücke vom Theater her nahte jetzt der Zug. Alceste neigte sich herab und reichte seiner Großmutter das Fernglas. Ihr« Hände, deren starre Glieder sonst kaum einen Gegenstand ohne Schmer­zen zu umschließen vermochten, gehorchten heute willig. War es eine rasend starke Selbstsuggestion, die sich im Taumel innerer Erregung und Span­nung zu einer Kraft zwang, und ihr über di« Schmerzen himveghals?

Alceste öffnete das Fenster. Die Münsterglocken dröhnten herüber. Um die schlanke Spitze des Tur­mes kreiste jetzt ein Geschwader französischer Aero­plane. Die vier Trikoloren droben an den vier Schnecken des Münsters leuchteten weithin ins Land

strecke gelaufen wurde. Daurat Mangold, man kann wohl sagen, als gewohnter Sieger hervor.

Verschärft wurde die Konlurrenz in Lang- und Abfahrtslauf durch di« Teilnahme von zwölf Läufern des Hess. Polizeisportrereins. der bei Rudingshain eine Ski-Hütte besitzt. Sie erschie­nen unter Polizeihauptmann Philippi. Ski- Klub und Polizeisportverein sagten sich gute Sportkameradschaft im Vogelsberg zu. Der sport­liche Ski-Detri«b kann durch gemeinsame Arbeit nur gewinnen.

Der Sprunglauf begann um 2 älhr nach­mittags. Hierfür hätte der Schnee etwas reich­licher sein können. Deshalb waren mehrere Mel­dungen wieder zurückgezogen worden, zumal seit­her der Winter nur wenigen Gelegenheit zum lieben geboten hatte. Die neue Schanze, vom Ski-Klub Gießen errichtet, erregte das Staunen des Publikums. Einige kleine Verbesserungen und ein etwas günstigerer Winter werden zu größe­ren Sprungweiten führen, obgleich di« erreichten recht erfreulich sind.

Durch die Sicherheit feines Springens über­raschte vor allem der Laufwart des Ski-Klubs v. G r 01 m a n. ©eine sämtlichen Sprünge waren gestanden. Dr. Heiß, der vorjährige Sieger im Sprunglauf, war leider nicht ganz auf der Höhe feiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Gerade der letztere Umstand mag Anlaß fein, darauf hin- zuweisen. baß grundsätzlich Sprunglauf und die übrigen Läufe nicht an demselben Tag statt­finden sollten. Hatte doch z. B. Dr. Heiß be­reits einen Langlauf und einen Abfahrtslauf hinter sich, bei denen er erster Sieger geblichen ist. Die Verhältnisse zwangen jedoch seither stets, alle Läufe auf einen Tag zu legen. Es soll auch nicht verschwiegen werden, daß nach den allge­mein geltenden Grundsätzen ein Langlauf von 6 Kilometer viel zu kurz ist. Auch dies war ein Gebot der Verhältnisse. Dies alles kann jedoch nichts an folgenden Feststellungen ändern: Die Läufe waren von bestem Sportgeist getragen, die Leistungen zufriedenstellend. Es geht vor­wärts mit dem Ski-Sport im Vogels­berg. Durch die neue Schanze steht vor allem dem Vogelsberger Sprunglauf eine weiter« Ent­wicklung bevor.

Die Rennleitung lag in der Hand des 1. Vor­sitzenden Dr. W 0 da « g «. Als Kampfrichter walteten ihres Amtes außer dem Genannten die Herren Legler (Ski-Klub Gießen), Wal­ther und Almendinger (Ski-Klub Grün­berg). Ihnen ist di« programmäßige Abwick­lung zu danken.

Das Publikum, das von 8 Uhr vor -ags an in großen Mengen eintraf, dürfte auf feine Rech­nung gekommen fein. Dies gilt sowohl für den Sport, als auch für die bezaubernd schöne Win- terlandfchaft.

Die Bekanntgabe der Sieger im Lang- und Abfahrtslauj erfolgte um 12 Uhr mittags durch den 1. Vorsitzenden im Freien vor dem Klub­haus. Es erschallte dabei manches Ski-Heil.

Die diesjährige Klubmeisterschaft trug der Laufwart v. Gr 0 lman davon, auf Grund seiner Leistungen im Langlauf und Sprunglauf.

Der Tag war ein voller Erfolg für den Ski-Klub Gießen. Außer ihm waren vertreten: Ski-Klubs Grünberg und Wetterau, hoher Westerwald (Wetzlar), akad. Ski-Klub München, Hess. Polizei-Sportverein. Die Ergebnisse im einzelnen sind:

1. Canglauf, Herren 18 bis 32 Jahre (6,5 Kilometer). /^-Klasse: 1. Sieger Dr. Heiß (Gie­ßen) 26.52 Min. 2. v. Grolman (Gießen) 27.32 Min. 3. Polizeiwachtmeister Michel (Landes- Prüizeischule Darmstadt) 28.48 Min. 8-Klass«: 1. Sieger Fritz Stöckel (Grünberg) 30.27 Min. 2. Polizeiwachtmeister Back (Landes-Polizeischule Darmstadt) 31.30 Min. 3. Justizpraktikant Karl Fröhlich (Gießen) 31.40 Min.

2. 2ang I a u f, Herren 32 bis 62 Jahre (6,5 Kilometer): 1. Sieger Daurat Mangold (Gie­ßen) 32.30 Min. 2. Direktor Schultze (Rodheim) 34.15 Mim 3. Staatsanwalt Schudt (Gießen) 34.21 Min.

hinaus. Der Jubel tofte durch die Lust. Und aus einiger Entfernung hämmerten zündende Klänge voll hinreißenden Feuers über all das Getöse hinweg.

Die Marseillaise!

Näher kam die Musik.

Die Greisin wandte sich plötzlich in ihrem Sessel zu ihrer Enkelin. Sie legte ihre Hand auf Melusine als wollte sie sagen:Gib acht! Horch! Sei dir die­ses großen Momentes bewußt, Kind!"

Und dann kam ein Ruck, eine gewaltsame Kraft in den Greisenkörper! Die alte Baronin von Ham­merschlag stand plötzlich zwischen ihren beiden Enkel­kindern! Sie, die sich zu Hause nur mühsam und mit vor unterdrückten Schmerzen zusammengevreß- ten Zähnen und mit Hilfe ihres Dieners zu ergeben vermochte, war allein aufgestanden und hielt sich, nur mit der Hand an die Fensterbank gelehnt, aufrecht.

Was alles lebte unter diesen Klängen in ihr wie­der auf! Ihre Kinderzeit auf dem Schloß in der herrlichen Champagne, in der ihr Dater ihr einst die französische Nationalhymne zum ersten Male vorgespielt. Die Erinnerung an den Taa, an dem sie am Hofe des dritten Napoleon eingefuhrt wor­den war, damals, am 14. Juli, dem französischen Nattonalfeiertag, an dem bei der großen Truppen­schau bei Paris diese Melodie eine beherrschende Rolle spielte. Und bann der Tag, an dem sie als junge tfrau den jungen Gatten unter den kriegeri­schen Klängen der Marseillaise in den Krieg ziehen ließ, um ihn nach der unglücklichen Schlacht von Wörch als' Sterbenden wieder zu empfangens Seither vergrub sie ihr Gesicht immer unter Tränen in ihre Hände, wenn ihr Enkel Alceste sich einmal in einer Dämmerstunde an ihren Flügel setzte imb der Greisin dieses Heimatlied vorspielte.

Ein kleiner Trupp von Infanterie eröffnete den Zug. Dann nahten Reiter. Sie merkte, wie ihrem Enkel ein Ausruf bewundernden Erstaunens ent­fuhr.Es sind die chasseurs d afrique, Alceste!" erklärte sie mit Stolz,eine unserer Elitetruppen!"

Herrliche Pferd« trugen tänzelnd unö selbstgefällig ihre Reiter, die afrikanischen Jager. Lange Schweife, die wundervoll gepflegten Mähnen ließen nicht uiif überstandene Strapazen im Kriege schließen. Die Reiter trugen die braungraue Khakiuniform, mit

3. Lang lauf, Damen über 18 Jahre (4 Kilo­meter): 1. Siegerin Lotte Drill <G:eh«n) 16.23 Min. 2. Gertrud Schmoll (Ridda) 18.53 Min. 3. Elisabeth Grabendörfer (Frankfurt) 19,27 Min.

4. L a n g I a u f, männliche Iugendgruppe (4 Kilometer): 1. Sieger Ernst Witting (Gießen) 13.34 Min. 2. Walter Heußel (Gießen) 15 Min. 3. Hanns Ammon-Wodaegc (Gießen) 17 Min.

5. 2 a n g l a u f, weibliche Jugend bis 18 Jahre (4 Kilometer): 1. Hiltrud Scriba (Gießen) 19.43 Min. 2. Sigrid 2erch (Gießen) 20.02 Win. 3. Maria Hertel (Darmstadt) 20.50 Min.

6. Abfahrtslauf. Herren 18 bis 32 Jahre (1,5 Kilometer). A-Älaffc: 1. Sieger Dr. Heiß (Gießen) 2.18 Mim 2. Forstreferendar Walker (Darmstadt) 2.40 Min. 3. Diplom-Ingenieur Ger­hard Rage! (Frankfurt) 2.57 Min. 8-Klasse: 1. Fritz Stöckel (Grünberg) 2.52 Mim 2. Wilhelm Conrad (Friedberg) 3.14 Mim 3. Josef Stein- massel (Wetzlar) 3.17 Mim

7. Abfahrtslauf (Herren über 32 Jahre): 1. Direktor Schultze (Rodheim) 3.12 Min. 2. Baurat Mangold (Gießen) 3.51.

8. Abfahrtslauf (Damen über 18 Jahre): 1. Johanna Schmoll (Ridda) 3.23 Min. 2. Ger­trud Schmoll (Ridda) 3.26 Min. 3. Elisabeth Grabendörfer (Frankfurt) 3.30 Mim

9. Abfahrtslauf (männliche Jugend): 1. Walter Speyer (Affenheim) 3.06 Min. 2. Ernst Witting (Gießen) 3.08 Min. 3. 2udwig Rinn (Gießen) 3.11 Min.

10. Abfahrtslauf (weibl. Jugend bis 18 Jahre): 1. Sigrid 2er d) (Gießen) 4 Mim 2. Erika Herzog (Gießen) 4.39 Min.

11. Sprunglauf (je 3 gewertete Sprünge): 1. Sieger v. Grolman (Gießen). Weite der Sprünge 14,5. 15,5 und 16 Meter (sämtlich ge­standen). 2. Dr. Heiß (Gießen) 14, 16, 14 Meter (der erste und letzte gestanden, der mittlere ge­fallen). 3. Heinrich Kappes (Grünberg) 15, 14, 15,5 Meter (alle gefallen).

12. Ski-Meisterschaft des Ski-Klubs Gießen (Zusammengesetzter 2auf: Sprung- und 2anglauf): v. Grolman (Gießen).

Vom Mittelrheinkreis der O. T.

©auroarteverfammlung.

== Offenbach a. M., 30. Jam Hier ver­sammelten sich am Samstag und Sonntag die Gauober-, Gaumänner- und Gaufrauenturnwarte aus allen Gauen des Kreises zu wichtiger Be­ratung. Die Arbeit erstreckte sich im wesentlichen auf die turnerischen Vorbereitungen für das 14. Deutsche Turnfest in Kölm Lieber die Gliede­rung der Wettkämpfe auf dem Kölner Fest be­richtete Kreisoberturnwart Frey (Mainz).Den Kämpfen geht ein Probeturnen voraus, das der Auslese der in beschränkter Zahl zugelassenen Wettkämpfer dienen soll. Im Kreis findet dieses Ausscheidungsturnen für Köln am 5. und 6. Mai statt. Der Kreis beteiligt sich auch am Vereins- und Musterriegenturnen. Außer­dem gab Oberturnwart Frey den ausführlichen Zeitplan über die Kämpfe bekannt, wie er auch über die Durchführung des Festzuges unö der allgemeinen Freiübungen wichtig« Mittei­lungen machen formte. Allgemein für zu schwer wurden die herausgegebcnen Pflicht-Geräte­übungen für Männer gehalten, dem gegenüber sprach man die Geräteübungen der Frauen als zu leicht an. Eine längere Aussprache galt dem Turnspie 1 und seinen Auswüchsen, die sich hier und da gezeigt haben. Erstrebt soll werden, die Spielbewegung mehr als seither mit turne­rischen Gedanken zu durchdringen. Aus den be­handelten Organisationsfragen sei her­vorgehoben, daß beschlossen wurde, die Kreis­fachwarte in Zukunft durch die Gesamtheit der Gauverbands- und Gaufachwarte zu wählen. Als Krcisturnwart für das Männerturnen soll Friede (Frankfurt a. M.) dem Kreistumtag in Hanau wieder in Vorschlag gebracht wer­den. Angenommen wurde auch ein Antrag des 2. Gauverbandes, einen Krei s kind e r tur n- wart zu Wählern

schmalen, roten Pafsepoils. Am Portal machte die kleine Kavalkade halt, um von hier aus die Parade über irie nun einrückenden Truppen abzu­nehmen.

Das Auge der alten Baronin schweifte über die Uniformen. Das Kak hi braun des letzten Krieges war ihr fremd! Wo war ihrbleu de France!" Dieses eigenartige herrliche Blau von mittlerer Färbung, das jeder Franzose seit seinen Kindertagen neben den roten Beinkleidern als die charakteristische Uni­form seines Heimatlandes kannte und liebte?

In einzelnen der Truppengattungen, die in bun­ter Abwechslung jetzt vorbeizogen, fand sie es wie­der. Unter den schmetternden Klängen der National­hymne marschierte auch Infanterie heran. Ihr reihte sich Artillerie an, angestrichene Motorbatterien, und dann wieder tauchten kleine Maschinengewehre zwi­schen den Quadres der Infanterie auf. Die Musik­kapellen wurden von Trupps von Clairons abgelöst, die mit ihrem hohen schmetternden Cis ihren Weck­ruf, ihre forschen Melodien hinausschmetterten.

In der Greisin wallte wieder eine Erinnerung hoch:O die Clairons! Heute klingen sie mir an­ders, als damals! Wißt, Kinder, an dem Morgen nach der Kapitulation von Straßburg da bliesen unsere Clairons zum Sammeln für unsere Be­satzung. Für unsere Besatzung hier, die Straßburg so heldenhaft sechs Wochen gehalten hatte. Und nun mußte sie an den Preußen, die schon draußen vor den Toren warteten, vorbeimarschieren--, in die

Kriegsgefangenschaft nach Deutschland! Damals haben mir diese Klänge das Herz zerrissen. Mer heute--0, heute--!"

Sie hatte sich wieder in den Stuhl niedergelassen und streckte impulsiv beiden Enkelkindern die Hände hin:Wie bin ich euch dankbar, daß ihr mir diesen unvergeßlichen Anblick möglich macht!"

Alceste lächelt« etwas zerstreut zu ihr hinab. Er hatte bei einer scharfen Wendung am Fenster jen­seits des Platzes ein Auto entdeckt, nach dem er be- retts lange Ausschau gehalten-Grandmama, eben sehe ich das Auto von Ambergers! Da die Züge durch die Truppeneinzüge noch so unregelmäßig von Mülhcrussn kommen, sind sie anscheinend per Auto gekommen. Mit Verspätung! Mein Schwiegervater ist schon drüben auf der Tribüne zwisä)en den Dsbutös, dort drüben an der andern Seite! Adri-

Handball der Gp.-Vg. 1900.

SP^Dg. 1900 Kurheffcn-PoNzei Kassel 2:4.

o. Bei schönstem Wetter, jedoch unter weniger vorteilhaften Dvdenoerhältnis en kam am Sonntag das Vorspiel um die Dezirksmei st er­schaff zum Austrag. Es war, das sei vorweg­genommen, der schnellste, spannendste und auch härteste Handballkampf, den Gießen bis jetzt ge­sehen hat. Trotzdem die 1900er für die Seele ihrer Elf, den Mittelläufer, und auch für den bewährten linken Verteidiger Ersah einstellen mußten, setzten sie ihrem großen Gegner stärksten Widerstand entgegen. Lind wie leicht hätte ein Unentschieden zustandekommen können, denn das erste Tor der Kasselaner war ein unnötigerweise verschuldeter 13-Meter-Ball.

Das Spiel wurde sofort in forschem Tempo be­gonnen, und beide Torhüter konnten bald be­weisen, daß sie sich auf ihr Handwerk verstehen. Für den Gießener war es peinlich, daß er sich schon bald auf die bereits erwähnte Art und Weife zum erstenmal schlagen lassen muhte. 3m weiteren Verlauf der ersten Spielhälft« ver­mochten er und feine Vordermänner sich der stür­misch drängenden Kurhessen recht gut zu er­wehren. Die Gießener konnten sich während dieser Zeit gar nicht finden, auch muhte der Mitteln läufer infolge eine- Zusammenpralls für einige Zeit ausscheiden. Kurz vor Halbzeit setzten die Kasselaner noch einmal Dampf auf und kamen durch ihren w irfgetoaltigcn Halblinken zu ihrem zweiten und Dritten Erfolg. Doch schon nach einer halben Minute brachte ein geschickt eingeleiteter Angriff dem 2ahrrkreisvertret«r durch einen aus­gezeichnet Plazierten Ball des Mittelstürmers den ersten Erfolg. Rach Wiederbeginn trat für die Gießener eine Wendung zum besseren ein, ein Zustand, der bis gegen Schluß anhielt. Der Kasseler Meister hatte bange Momente zu über­stehen, aber der vorzüglich« Torwächter und di« routinierten Verteidiger vereitelten alles. Man glaubte schon, daß es beim Stande 3:1 bleiben werde, als Kassel durch seinen Rechtsauhen zum vierten Erfolg kam. Das gab den Gießenern An­iah, sich noch einmal aufeuraffen, und bald tonnte der Mittelstürmer durch ein Prachttor das Er­gebnis auf 4: 2 stellen.

Schiedsrichter Waldmann aus Wetzlar war nicht die geeignete Persönlichkeit für ein der­artiges Spiel. Er war zuweilen sehr unent­schlossen und machte auch einige Schnitzer. Die Hauptstärke der Kasseler Mannschaft lag in dem Halblinken und Torwächter. Di« übrigen 2eute waren guter Durchschnitt. Im Stellungsspiel und in der Fangtechnik war fast jeder einzelne den Einheimischen voraus. Den 1900cm ist das Spiel als ein moralischer Erfolg anzurechnen. Wenn auch das Zusammenspiel oft grohe Mängel auf­wies, so ist doch die Leistung Der einzelnen 2eute in Anbetracht der Schwere der Aufgabe als gut, zum Teil sogar als vorzüglich zu werten. In erster 2inie müssen genannt werden: Torwächter, die beiden Außenläufer und Verteidiger sowie Mittelstürmer und linker Flügel.

Das vor dem Meisterschaftsspiel durchgeführte ©c^Uerlofaltreffen endete mit 1:0 zugunsten der 1900er. Für di« D. f. B.-Kleinen ist das Resultat «in Achtungserfolg, der zu weiterer Betätigung anspornen dürfte.

Gpielvereiuigung 1900 Gießen.

ö. Das Spiel der 1. Iugendelf gegen di« gleich« Mannschaft vom V. f. B. Gießen begann mit einhalbstündiger Verspätung, da der be­stellt« Schiedsrichter wieder einmal ausgeblieben war. Man einigte sich auf einen Herrn vom V. f. B. Gießen. Das Treffen endete mit einer lieberraschung, da di« in den diesjährigen Ver- bandsspielen ungeschlagen« Jugend-Elf vom Waldspvrtplatz «ine Riederlag« einstecken mußte. Der Rachwuchs der Spielvereinigung 1900 hat im 2aufe der letzten Sarson durch Ausschluß und sonstigen Abgang z. T. gute Kräfte verloren und dadurch bei den Diplomspielen keine bedeutende Roll« spielen können. Di« Mannschaft hat aber unter sich mehr an Stichelt gewonnen und zeigte

kmmbobetaumlnrin im iroa

enne wird hier vorfahren. Du excusierst mich wohl eben mit Melusine einen Moment? Ich erwarte sie unten und führe sie herauf, weil ich st« ja auch mit eingeladen habe, von hier aus der Parade zu- zugucken!"

Melusine sah mit einer Aufmerksamkeit in bas farbenprächtige militärische Scyan spiel dort unten, in der nicht nur Neugierde, sondern auch Anteil­nahme, uneingeschränkte Bewunderung lag. Un­willkürlich flogen ihre Gedanken zu einem Dergleich mit den letzten deutschen Truppen, die sie hier aus den Dogeserrwäldern her nach dem Badischen hin­über durchmarschieren sah! Abgekämpfte, müde Ge­stalten, die Bärte zum Teil von Silbersäden durch­zogen. Die Uniformen abgetragen, mit allen An­zeichen eines jahrelangen, schwer durchgehaltenen Kampfes.

So wie der Unterschied zwischen den Truppen, war auch der Unterschied zwischen Dietwart ... und Monsieur Jean Paul! Müde war ihr Dietwart begegnet, abgemagert, versonnen, und oergrübelt über das herauffleigende Geschick seines Heeres, |ei­ner einen Hand beraubt, ach ... war es nicht wir zu begreiflich, wenn sich ihre Jugend, ihre Eleganz, ihr Hang, das Leben und die Menschen möglichst im Sonnenlicht zu sehen und genießen zu können, die­sem Jean. Pmil zuzuneigen begann, der sie so gut zu unterhalten und einzuspinnen gewußt hatte?

*

Die Stimmung, di« Raymond und Dietwart beim Betreten des Lazarettes entgegenschlug, stand im schroffen Gegensätze zu all dem aufdringlichen ßänn der Erwartung, der künsllich geschürten 'Jteugierbe und der sich fetzt frech und ungebunden gebenden Opposition gegen alles Frühere, die durch die Stra­ßen der Stadt pulsierte. Wie eine Oase war es hier! Als habe sich alles hierher in diesen Winkel zu- ja mm enges unoen, um den verwundenden Eindrücken dort draußen entgehen zu können. Nur ein kleines Häuflein deutscher Heeresangehöriger war hier bei- fammengebüeben. Die einen als Unheilbare, dem Tod Geweihte, oder in schwersten Fieberträumen nicht transportfähig. Die anbern diesen Hilflosen, diesen Zuruckgelasfenen zur Hilfe, zur Pflege, jur Liebe hier.

(Fortsetzung folgt.)