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Ht.177 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Montag, 50. Juli (928

IX. Olympische Spiele in Amsterdam.

Vie Eröffnungsfeier. Ohne die Franzosen. Deutschlands erste Erfolge.

Amsterdam, 28.3ufi. Schon am Vormittag begann der Zustrom zum Olympia-Sta- dion. mittags war bereits der ganze Dorploh völlig verstopft, so daft sofort, nachdem die Teilnehmer an der Eröffnungsfeier sich im eto- dion befanden, die Tore geschlossen wurden, um wettere Ansammlungen zu vermeiden Das schlechte Wetter vermochte nicht, die Zehn­tausend« fernzuhalten. Geregnet hatte e» nämlich di, ganze Nacht und fast den ganzen VormNiag hindurch, und erst, al, der Aufmarsch begann brach wenigsten, zuweilen die Sonne durch die Wolken.

«kurz vor Beginn der Erossnungc-tcier traten die offiziellen (khrengäsle ein: Der Burger- mnfivr und der Polizeipräsident von Amsterdam, der Prinz Heinrich der Niederlande in Ber- tretung der Königin In der Ehrenloge sah man u. a. den deutschen Gesandten Grafen Zech, die deutschen Mitglieder de» I- D. E

Vie Tore öffneten sich, und der

Einmarsch der 43 Nationen begann. Griechenland al, das Land, in dem im Altertum die Olympischen Spiele stattsanden, führte den Zug an, die anderen Nationen waren nach dem holländischen Alphabet geordnet, so daß Deutschland an 1 4. Stelle folgte; das gast- qcbentx Land Holland bildete den Schluft. Die ein­zelnen Nationen wurden vom Publikum beifällig begrüht. Im allgemeinen herrschte Marineblau vor, die Schweiz trat in rotem Dreh an. Die deutsche Flagge wurde von Paulus.Wetzlar ge­tragen, deutscher Schildträger war M ö s ch t e r vom Berliner R E Hellas. Vorn rechts marschierten die Delegierten, dann folgten die Leichtathleten mit der Hochschule für Leibesübungen in der Mitte, dahinter die anderen Sportarten. Ausfällig war, dah die Prominenten aller Nationen dem Aufmarsch ferngeblieben waren. So sah man bei­spielsweise

weder Nurmi noch pelher.

Noch Beendigung de» Aufmarsches postierte sich das Olympische Komitee vor der Ehrenloge, das Ehrenmitglied de» Niederländischen D. C, Dr. d c Visser, hielt eine kurze Ansprache, in der er die Olympischen Spiele prie», nachdem er auf die An­strengungen hingewiesen hatte, die man in Hol­land vorwiegend aus privater Kraft gemacht hat, um einen erfolgreichen Verlauf der Spiele, soweit e» an der Organisation ließt, zu gewährleisten.

Dann sprach Baron Schimmelpenninck. Prinz H e i n r i ch der Niederlande erklärte im Namen der Königin die 9. Olympischen Spiele für eröffnet. Die olympische Fahne stieg am Mast empor, Brieftauben flogen auf, Salven ertönten, auf dem Marathonturm flackerte da» heilige Feuer, Fanfaren. Holland» Mannschaft»- führer D e n i , war auf dem Podium erschienen, wo er den

Olympischen Schwur

sprach:

tßir schwüren, inehrlichem, ritterlichem G e i st e zu kämpfen, getreu den olympischen Ge- sehen, zur Ehre unserer Länder und zu (Ehren des Sport»!' Wieder ertönte Musik. Dann sehte sich die Schor der Athleten in Bewegung, zog durch das Marathontor hinaus, auch die Zuschauer verliehen das Stadion.

Die Franzosen machten den Einmarsch nicht mH, und zwar auf Grund folgender Vorgeschichte: Al» die französische Mannschaft am Freitag im Sta­dion trainieren wollte sie hatte sich vorher die offizielle Erlaubnis dazu eingeholt wurde ihr vorn Wächter de» Stadion» ber (Eintritt verwehrt. Es kam zu einigen

unerfreulichen Szenen,

in deren Verlauf ber Wächter auf den Führer der französischen Delegation, Mericamp, mit der Faust einschluo, wobei Mericamp am Auge verletzt wurde. Die Finnen befanden sich gerade im Stadion, die Deutschen schickten sich zum selben Zeitpunkt an, die Kampfstätte zu betreten. Frank­reich» Delegierte wurden beim Komitee vorstellig, und Schimmelpenninck entschuldigte die Vor­fälle beim französischen Generalkonsul. Der Wächter

sollte entlasten werden. Als nun die französische Mannschaft zur (Eröffnungsfeier in da» Stadion ein« marschieren wollte, fand sie noch immer den Wächter vor, woraufhin die Franzosen umkehrten und am offiziellen Einmarsch nicht teilnahmen. Damit haben die Franzosen auch nicht den olympischen E i d abgelegt!

Der BorfuKnbe des Niederländischen 0. 6 .Ba­ton Schimmelpenninck van der Oye. führte in seiner Eröffnungsrede u. a. aus Die Ansicht, dah die geistige und körperliche Enttmck- lung des Menschen gleichen Schritt ballen muh. wenn ein harmvnttch?s Ganzes ^bildet werden soll, gewinnt täglich mehr an Boden. Bei der allgemeinen Sportausübung treten nun natür­lich des onder- begabte Einzelper­sonen hervor. Die Wettkämpfe, in denen diele Athleten sich messen, sind von größtem Werl als anschaulicher Beweis dessen, was bei einer rich­tigen Ausnutzung guter Anlagen und mittels Energie und Selbstzucht erreicht werden kann. Unter diesen Wettkämpfen nehmen die Olym­pischen Spiele einen hervorragenden Platz em. Die Hoffnung darf wohl ausgesprochen wer­den. dah die Spiele der 9. Olympiade in Heiner Weise den vorangegangenen nachstehen. Wir be­trachten die llcbertragunfl der Organisation an Holland als Beweis groben Vertrauens, heilen wir uns würdig teigen wollen, und heiszen alle Athleten herzlichwillkommen.

Dann bat Baron Schimmelpenninck den Prinzen, die Spiele zu eröffnen.

Deutschlands erste Goldmedaille.

Lieg im 6ktvid)t()cbrn.

Amsterdam. 29. Juli. Am Tage der Er­öffnung der 9. Olympischen Spiele in Amster­dam begannen auch die We ttkämpse tm Gewichtheben. Die Organisation ließ zu wünschen übrig, keine Ergebnisse wurden verlün- det, mühselig mußte man sich über den Stand der Dinge orientieren. Unter den Teilnehmern- traten übrigens auch die Franzosen an. Am ersten Tage wurden die Kämpfe im Feder­gewicht (60 Klgr.) und im Leichtgewicht (bis 67,5 Klgr,) durchgeführt. Die Wettkämpfe brach­ten Deutschland einen schönen Er­folg. Beichte es auch nicht zu einem unum­strittenen Sieg, so war die Leistung von Hell- big-Plauen un Leichtgewicht doch so her­vorragend. dah er zusammen mit dem Oester- reicher Haas den ersten Platz belegte und beide die goldene Medaille erhalten. Beide brach­ten es bei gleichem Körpergewicht auf die gleiche Gewichtsleistung, auch auf die gleiche Leistung im Stotzen beidarmig, welches für den Fall eines unentschiedenen Resultats als aus­schlaggebend gewertet wird, so datz zweiolhm- pische Sieger wie es schon bei den Eis­schnelläufen in ÖL Moritz vorgekommen ist erklärt wurden. Der Sndkampf zwischen Hell- big und Haas war übrigens noch dramatisch. Die letzte Hebung, daS Stotzen beidarmig, sollte die Entscheidung bringen. Hellbig brachte 135 Kilogramm hoch, kaum war die Leistung als gültig vom Schiedsrichter abgewinkt, das Gewicht wieder auf dem Boden, als Hellbig ohn­mächtig umfiel. Haas hob daS gleiche Ge­wicht verhältnismäßig leichter, die 2.5 Klgr. mehr schaffte er aber nicht.

3m Federgewicht holte sich mit dem 2tc- kordmann Andrifek gleichfalls ein Oester- reicher die Goldmedaille. W ö l p e r t» Deutschland verschenkte gewissermatzen den zweiten Platz, da er sich gleich zweimal 2.5 5 Klgr. zulegen lieft, diese aber nicht mehr hoch brachte. So kam er nur auf das gleiche Gewicht wie der 3taliencr Gabetti. und da dieser we­niger wog. wurde Wölpert nur Dritter.

Die Ergebnisse: Federgewicht: 1. An­dri s e k - Oesterreich 287,5 Klgr.. 2. Gabetti - Italien 282,5 Klgr.. 3 Wölpert- Deutschland 282,5 Klgr. Lechtgewicht: 1. He llb ig- Deutschland und H a a S-Oesterreich 322,5 Klgr.. 3 Arnout - Frankreich 302,5 Klgr. Mit­telgewicht: 1. Boger- Frankreich 355,5 Klgr.,

2. (Jalimber t i - Italien 332.5 Klgr 3. Scheffer- Holland 327.5 Klgr.

Roch eine (Holdmedaille für Deutschland

Amsterdam. 30. Dull A!» glänzenden Ab schlaft der Schwerathletik-Konkurren ; e n brachte der Sonntagabend einen prachtvollen Sieg de» Schwergewichtler» Straft- berger - München. Straftberger erreichte im Sto- ften zusammen 272,5 Kilogramm und schlug mit die­ser Ceiflung alle übrigen Teilnehmer überlegen au» dem Felde. L u h a a r - Estland folgte al» Zweiter mit insgesamt 260 Kilogramm. 3m Halbschwerge­wicht siegte der Aegypler o s s o i r.

Beginn

ber Leichtathleiikwettbewerbe.

Hirschscld Tritier Äugclftoftivcltrctorb.

Amsterdam, 29. Juli. Am Sonittagnach- mittag begannen bei bedecktem Himmel, durch den nur hm und wieder ein Som,en strahl brach, die Olympischen Spiele auf der Aschen­bahn, zu beten Beginn das Stadion noch grvtze Lücken auswws, die jedoch allmählich ge­füllt wurden.

Ohne besonderen Zeichens des Beginns wur­den trie ersten Konkurrenzen gestattet. Mit ziem­licher Becspälung traten zunächst die 4 00* Meter-Hürdenläufer in Aktion, die in sechs Borläufen je zwei Beste für die Teilnahme an den Zwischenläufen ermittelten. Die Abwick­lung geschah äutzerst langsam. Inzwischen stan­den die 100-Meler-Läu'er überall herum und warteten auf ihre Borläusc. Dr. Wichmanns B e r l« tz u n g hat sich zwar we'entlich gebessert, doch trat er zu den 100-BIeter-Bor.äulcn noch nicht an; er toitb neben der 4xl00-Mtt«-Staffel evtl, noch die 203 Meier laufen. Die 10 0» Meter-Borläufe wurden von den drei deutschen Teilnehmern siegreich be­endet.

Inzwischen war die erste Entscheidung im Kugel st often gefallen. Hier hatten sich die Amerikaner Kuck mit 15,43 Bieter, Bri, mit 15,75 Bieter, der Deu tfche Hirsch seid mit 15,72 Meter, der Amerikaner KrenA*mit 14,99 Bieter, der Finne Wahlstedt und der Deutsche Ile bl er mit je 14,69 Bieter für den Sndkampf qualifiziert, in dem nur noch Kuck seine Borkampffeiftung verbelsette und mit 15,87 Meter einen neuen Weltrekord ausstellte. Di« Kapelle spielte die amerikanische Baticmal* Hymne, am Siegesmast und am zweiten Blafl stieg daS Sternenbanner hoch, am dritten Mast (nach 16 Jahren wieder zum erstenmal) die deutsche Fahne.

Das Ergebnis des Sonntags.

Der erste Tag der leichtathletischen 'Wettkämpfe der 9. Olympischen Spiele im Amsterdamer Sta­dion sah ein reiches Programm vor. 3m allgemeinen war der Tag den Bor- und Zwi­schen! äufen Vorbehalten, tm Hochsprung und tm 10000-Meter-Lausen hei jedoch schon di« Entscheidung. Auch im Gewicht­heben konnten die Entscheidungen herbeigesühtt werden.

®inen Zweikampf Burmi Bitola brachte der olympische 10 OOO-Meter-Lauf. der daS Leichtathletik-Programm des Sonntags ab- schlotz. In dem 24 Läufer starken Feld hatten sich die beiden Finnen zusammen mit dem Schwe­den Wide bald abgesondert. Schlieftlich tonnte nach 7000 Bieter der Schwede da- scharfe Tempo nicht mehr mithalten und im Endspurt schlug Burmi feinen LandSmann Bttola mit etwa vier Meter Burmi 1 regte in neuer olympischer Rekordzeit 30:18.8 vor Bitola 30:19,4 und Wide (Schweden) 31:4.

Den Hochsprung gewann King (Ber Staa­ten) mit 1,94 Bieter vor Hedges (Ber. Staaten) 1.91 Meter und Menard (Frankreich) 1,91 Meter. Die deutschen Teilnehmer Bon­neber, Huhn und Köpke hatten sich zwar für

Bismarck als Journalist.

Zum 30. Todestage deS Altreichskanzlers.

In der ganzen Zeit seines polittschen Wirkens hat BiSmarck in engen Beziehungen zur Zer- tungSwelt gestanden: er hat auch nicht nur zu einer gtoften Zahl von Zeitungsartikeln die An­regung gegeben, sondern ex ist selbst als Jour­nalist tätig gewesen. Schon bei feinem ersten polittschen Auftreten spielten die Zeitungen eine Bolle. Im Jahre 1843 versuchte sich der Guts­herr auf Kniephof als Journalist, indem er auf einen abfällig kritisierenden Arttkel über Par- force-Iagden eine entrüstete Erwiderung schrieb: sie wurde allerdings von den ..Börsennachrichten der Ostsee" nicht ausgenommen. waS bei dem maft- voll liberalen Blatte verständlich war. da sich Bismarck in seinem Aussatz scharf ironisch gegen die Demokraten wandte. Dabei lebt aber, wie MarckS in seiner Biographie betDorbcbt. der geborene Journalist in dielen Hellen, scharfen Sätzen: der Aufsatz ist bis ins einzelne hinein klar geformt und wirksam aufgebaut, mit dem ein­gehendsten Fleitze burd)gearbeitet und gefeit: glänzend ist daS Wort gehandhabt, so wie es Bismarck stets zu brauchen wutzte, mit treffsiche­rer Stotzlraft, mit jener Eleganz und ©1^5^14)- feit, mit der er als Fechter das Florett führte. ..So sehr auch der Deckmantel einer lichtscheuen Anonymität in Bliftfrcbit geraten, schreibt er zum Schluß dieses seines ersten Zeitungsaufsatzes. ..so werde ich doch, wenn ich vorstehende Bemer­kungen unterzeichnen will, durch ein Gefühl tiefer Beschämung davon abgehalten, welches ich bei dem Gedanken empfinde, datz ich die Schlechtig­keit begangen habe, in dem Stande der ci-dcvant nobles geboten zu werden, deren, wenn auch we- nig bekannte, doch gewitz matzlose Privilegien mit eisernem Druck auf unferm unglücklichen Bolle lasten, deren, empörende» Borrechi d e Parttkel ..von" zu führen, wie ein Bebelgebilde, hinterlassen von der Bacht finsterer Zeiten, dem

trauernden Deutschland die Morgensonne bürget- I licher und gesellschaftlicher Gleichheit verhüllt." |

Während seiner Tätigkeit im vereinigten Land­tag erkannte dann BiSmarck die unbedingte Bot- Wendigkeit, für seine und seiner Freunde Ideen eine 3citung zu gründen, und er trat für die Schöpfung eines solchen Blattes mit aller Kraft ein. Die Besprechungen der konservativen Abge­ordneten im Jahve 1847 über diese Angelegen­heit bildeten d e Grundlage dafür, datz ein Jahr darauf die Kreuz-Zeitung inS Leben ge­reimt wurde, er gehört zu den Paten und Mit- schöpfern bic-er wichtigen Zeitung. Seine Meister­schaft in der Behandlung der Tage-'vresse bewies er aber erst, als er Ministerpräsident geworden war. und von dieser Zeit an hat er bis zu feinem Tode stets die Mithilfe der Zeitungen gesucht und gefunden. Er war der Anficht, datz .feine Re­gierung. sei sie monarchisch, parlamentarisch, demokratisch oder sonstwas, auf die Mitwirkung der Prelle bei Durchführung ihrer Politik ver­zichten und den Zusammenhang mit ihr vertteren dürfe, ohne die Folgen am eigenen Leibe zu ver­spüren und die Landesinteresfen zu gefährden." So schuf er sich denn bald nach seinem Eintritt in das preutzische Staatsministettum da- Instrument für feine publizistische Tätigkeit, indem er die ihm von ihren (Eigentümern zur Bcrfügung ge­stellte .Borddeutsche Allgemeine Zei­tung" zu feinem offiziösen Organ erhob. Auch auf andere Blätter gewann er Eins lüft, aber datz es eine .Presse deS Reichskanzlers1 gäbe, bat er des öfteren zurückgewiefen. so einmal tm Reichstag mit den Worten: .Ich habe Zeitungen, die unter Umständen mir wttftes Papier zur Verfügung stellen und in denen ich mich aus­spreche. trenn ich feine andere Gfelegcnftcrt habe: aber mich deshalb für alle Arttkel verantwortlich zu machen, die darin stehen, das ist doch eine sehr weitge triebene Sache und ich kann es gewohn- hciismäftig ich möchte sagen .sportmäßig" nicht lallen, datz wenn ich gerade hier bin. ich mich gegen derartige Angriffe wehre.' Bismarck las persönlich eine ungeheure Menge von Blät­

tern, und seine Mitarbeiter fanden ihn häufig, auf dem Sofa liegend. ringS um sich her eine Flut von ceitimgSbläftcm auSstreuend, die er durch­flog. Sr hat nicht immer günstig von der Prelle gesprochen und mit scharfen Augen ihre Fehler und Schäden erkannt. Aber den Wert und die Bedeutung der gutgcl'Hctcn Prelle, die Tüchtig­keit der Iournalifttm ernannte er mit warmen Worten an. .Ich kann aus einem tüchtiMi Be» dakteur". erklärte er. .leichter einen Staatssekretär deS Bcuftem und Innern machen bitte, denken Sie nur an Lothar Bucher als auS einem Dutzend Geheimräte einen gewandten leitenden Beballeur." OderIch gebe Ihnen gleich einen Leiterwagen voll von d e'en Geheimräten Iu» riften, T her logen mit lauter ersten Boten in die Lehre, und Sie ßnnen auS ihnen nicht viel mehr als einen Schneider machen, der mit der Schere irgendein geistloses Lokalblatt zusammen- stellt. DaS Zeug zum Redakteur, der seiber denkt, schafft und schreibt mit Schwung und Kraft, mutz men auch mit bringen. Richt feiten lieft der Kanzler Diplomaten von hohem Bange Watten, weil er vorher einen Journalisten emp­fangen wollte, auf des en MeinungSäufterung es ihm ankam.

Hermann Sudermann lernt ,$rau Sorge" persönlich kennen.

Das Auto rast nach Staaken. SS bringt Her­man Sudermann zu den Aufnahmen deS Defu-FilmS der Defina .Frau Sorge , den Bobert Land nach des Dichters gleichnamigen Boman brauften in den Bie'enballcn inszeniert.

SS ist das erstemal, datz Sudermann, obgleich eine Reihe seiner 'Werke bereit« verfilmt sind, einer Aufnahme beiwohnt. Kein Wunder datz ihn die intensive Arbeit in und neben den ge­waltigen Halfen, der grafte technische Apparat und vor allem die sorgfältige Kleinarbeit bis eine Szene .richtig steht', in höchstes Erstaunen feU

die Entscheidung qualifiziert fielen in dieser aber rafch aus.

Im Florett-Mannschastskamps un­terlag Deutschland gegen Dänemark 7:9. während Deut'ch and gegen Rumänien hei 8: b durch grössere XreffcruitK gewönnest hatte. Gegen Frankrv.ch unterlag Deutschland dann 6:10.

Tie 8 r gcbntf le des Tages sind folgende:

Kugel st often 1. Kuck. Amerika. 15.87 Met« tneuer Weltrekord«. 2. BriAmerika, 15.75. 3 Hirschfeld. Deutschland, 15,72.

100-Meter-Borläufe: 1. Lauf Fitz­patrick. Kanada, in 11 Sek. vor Eorts. Deutschland. 8. Laus: Houben. Deutsch­land vor Adams, 9. Lauf Lammers. Deutschland, 10,8 Set. vor Dhcar d. Haiti.

100-Meter-Zwischenläufe: 2. Laut: Mar Allistor. Amerika 10,8 Sek. vor E or l s- Deutschland: 3. Lauf: Bussel, Amerika, 103 Sek. vor Houben. Deutschland. 6. Laus: Bra­ce y. Amerika, vor Lammers. Deutschland.

600-Blcter-BorIäufe: 2. Borlaus. Dr. Peltzer. Deutschland.« mit 137.1 vor Litt le und Tatham: 5. Borlauf 1. Lloyd Hahn, Amerika. 1:56.8: 2. Engelha rdt, Deutschland: 7. Borlauf: Sera Martin, Frank­reich vor B a r f l, Ungarn und Müller. Deutschland.

10 000-Meter-Laus: Entscheidung: 1. Burmi, Finnland. 30:183; 2. Bitola, Finnland, 30:19.4; 3. Wide. Schweden. 31:043.

Deutschlands Wafferbatter in der 1. Runde spielfrei

Bei der in Amsterdam am Sonntag stallgehabten Auslosung der Wasserballspieler er­gab sich, das; Deutschland in der ersten Runde | p i e l f r e l ist und in der zweiten Runde gegen den Sieger aus dem Tressen Belgien gegen Ir­land anzutreten hat. Die erste Runde ergab fel­gende 3ufominen(tcllun^:

1 UngarnArgentinien: 2 SpanienFrank­reich; 3. TschechoslowakeiEngland; 4. Schweiz- Holland; 5. MaltaLuxemburg: 6. BelgienIr­land: 7. Amerika spielfrei; 8. Deutschland spiel- frei.

2. Runde:

9. Sieger Spiel 6D eutsch 1 and; 10. Sieger Spiel 5Spiel 2; 11. Sieger Spiel 3Spiel 4; 12. Sieger Spiel 1Amerika.

Zwischenrunde

13. Sieger Spiel 11Spiel 9; 14. Sieger Spiel 10Spiel 12.

Endrunde:

15. Sieger Spiel 13Sieger Spiel 14.

Hamburger Spott-Verein deutscher Fußballmeister.

Hertha-B. 2. E. nach scharfem Kampf 2:5 geschlagen.

Das Entscheidungsspiel um die Deutsche Fußballmeisterschaft 1927/28 im Altonaer Stadion gestaltete sich zu einem hochklassigen sportlichen Ereignisse. Bor einem dicht gefüllten Zuschauerraum eS waren weit über 40 000 Futzlnlllenthusiasten versammelt traten sich die beiden Mannschaften In der an­gekündigten stättsten Ausstellung gegenüber. Gleich nach Beginn deS Spieles hatte man den Ein­druck, datz der HSB. unbedingt besser aufgelegt war. Die Mannschaft arbeitete viel energischer und zielbewuftter als die Berliner. Anfänglich fielen die Hamburger verschiedentlich auf das Abseitospiel der Berliner Berteidigung herein. Berlin kam hierdurch auch zuerst in gefährliche Bähe deS Hamburger TorS. Dock) wurde ein Torerfolg von Sobek in der letzten Minute durch Baier vereitelt. Bereits in ber 7. Minute ging der HSB. durch Harder in Führung. Eine gute Borlage von Halvor - s e n wurde zu einem unhaltbaren Tor verwan­delt. Bereits 8 Minuten später war Harder wieder gute Schuftgelegenheit im Berliner Tvr-

Ueber die Hallen und das Freigelände hat sich der milde Abend gesenkt, als Sudermann zu den Bauten der Hower und Scheunen kommt, die un Freien errichtet den Schauplatz ein« der dramatifchen Szenen von .Frau Sorge" ab­geben I ollen

Ein Pfiff, ein knappes Kommando ertönt, und hell schlagen zum dunklen Bachthimmel bio Flammen aus dem Anwefen deS alten Meyhof.-r. Blan> Tarr in ber Bolle der Frau Mcyhös«. stürzt auS der Tür. während Flammen, Bauch und beizend« Qualm Türen und Fenster durch­brechen. Al» Paul Meyhöser, dem Wilhelm D i c t e r l c feine erdgebundene Kraft verl: iht, herbeistürzt, züngeln die Flammen aus allen Fugen des HauseS, Balten krachen, und unter einem Funkenregen von unheimlich« Pracht stürzen dumpf btöftnenb Dach und Blau« ein. Sudermann sagt nur immer: .Fabelhaft, wun­dervoll. fabelhaft." Bur wenig spät« hat sich auch Meyhösers Tochter Grete MoSheim ux brr Gruppe von Blutter und Bruder gesellt, angstvoll, verstött blicken fee in die Flam­men, die ihnen da» Letzte nehmen wollen. Unter des alten Meyhösers Kommando, von Fritz Kortner zu ein« grandio'en Leistung eines Phantasten und ausiichtSlosen Plänemachers ge­staltet. arbeiten die Dorfbewohner an der Walser- pumpe, und suchen zu retten, wo eS nichts mehr zu retten gibt.

3mm« weiter wütet der Brandl Hoch hinaus peillcht d« Sturm die Feuerzurrgen in den ge­röteten Bachthimmel, und voll« Begeisterung «Härt Sudermann .Sehen Sie. so habe ich mir vor Jahrzehnten diese Szene vorgestelltl Präch- tig wundervoll!"

Ein denkwürdig« Bachmittag für den Dichter, der gleich bei feinem ersten Besuch im Bei cf) des FilmS eine Aufeahme yi sehen bekam, wie sie eindringlich« und grandios« selten gedreht wird. Aus Iugendträumen schien Wirllichkeit geworden zu sein... ,

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