Lage in der Weltwirtschaft einer besonderen planmäßigen Förderung. Durch sparsame Finanzwirtschaft und beschleunigte Verwaltungsreform muß namentlich für den Mittelstand in Handwerk, Handel und Gewerbe sowie für die Landwirtschaft eine E n t - lastung von den drückenden Steuern und Abgaben herbeigesührt werden. Die Zentrumspartei wird diesen dringlichen Zeitaufgaben mit allen ihr zu Gebote stehenden gesetzgeberischen Möglichkeiten gerecht werden. Die Zusammenfassung aller Schichten unter dem einigenden Gedanken einer christlichen, kulturellen, sozialen Gerechtigkeit und wahrer Volksverbundenheit im deutschen Volksstaat bleiben das unverrückbare Ziel der deutschen Zentrumspartei. Der Aeichsparteiausschuh erwarte! von der Fraktion des Reichstages, daß sie sich für die baldige Verabschiedung eines Reichsschulgesetzes, das unseren kulturpolitischen Grundsätzen entspricht, mit aller Kraft einseht. Der Reichsparteiausschuh spricht der Gesamtpartei, der Parteiführung und den Fraktionen Dank und Anerkennung für verdienstvolle Arbeit aus. Alle Angehörigen der Partei in Stadt und Land rüst der Parteiausschuh auf, in Treue einig und geschlossen der Partei zu ermöglichen, ihre erfolgreiche Arbeit weiter fortzusetzen. Ein starkes und geschlossenes Zentrum ist eine Dolksnot- wendigkeit für eine glücklichere deutsche Zukunft.
Llm das Reichsschulgesetz.
Zentrum und Volkspartei verhandeln um den § 20.
Berlin. 29. 3an. (Priv.-Tel.) Der Fraktionsvorsitzende ler Zentrumspartei. D r. v. G u e- rard. hat der Deutschen Volkspartei mitgeteilt. Laß das Zentrum in der Frage des Schulgesetzes auf einer klaren Entscheidung bestehe und es ablehne, etwa die zweite Beratung im Ausschuh wochenlang hinziehen zu lassen. Dr. Stresemann soll dem Zentrum mit» geteilt haben, dah nach seiner Auffassung eine Aenderung der Haltung der Dolkspartei in den entscheidenden Punkten ausgeschlossen fei. Wie das „Berl. Tageblatt" glaubt auch die „Voss. Ztg." weiter, dah Vorbereitungen getroffen werden, um für den Fall einer Auflösung des Reichstages einen R v t e t a t vorlegen zu können. 3m Gegensatz dazu schreibt die „Germania":. Wie wir zuverlässig erfahren, trifft die Behauptung, tv Reichsregierung bereite einen Rotetat vor. nicht zu. Weder die Zentrums- Partei noch auch die Reichsregierung haben sich bisher veranlaht gesehen, die Frage eines Rotetats zu erörtern. Bekanntlich haben die beteiligten Parteien die Absicht, über den § 20 des Reichsschulge.etzes (Simultanschulländer) weitere Einigungsverhandlungen zu pflegen. Erst wenn deren Ergebnis vorliegt, werden sie in der Lage sein, weitere Entschlüsse in der hier aufgeworfenen Frage zu fassen. Vorläufig besteht dafür keine Rotwendigkeit, die Einbringung eines Rotetats zu erwägen.
Deutscher Reichstag.
Die zweite Lesung des Justizetats beendet.
Berlin, 28. 3an. Dor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Präsident Lobe: 3n der aestrigen Rede des Abg. Dr. Frick, während deren sich des Hauses große Unruhe bemächtigt hatte, waren eine Anzahl grober Verstöße gegen die parlamentarische Ordnung enthalten, die den amtierenden Vizepräsidenten zu Rügen und weiteren Maßnahmen veranlaßt hätten, wenn ihr genauer Wortlaut zu verstehen gewesen wäre. (Gelächter links und Rufe: Er ist nur nach rechts taub!) Sie sind aber weder von ihm. noch von den Schriftführern so genau gehört worden, daß ein sofortiges Einschreiten möglich war. Der Vizepräsident hat auch sofort erklärt, daß er sich nach Einsichtnahme in das Protokoll weitere Maßnahmen Vorbehalte. 3m Einvernehmen mit ihm verkünde ich: Der Abgeordnete Dr. Frick wird für die Beschimpfungen, die er gegen die verstorbenen Minister und Abgeordneten Crzberger und Rathenau auch nach dem ersten Ordnungsruf noch fortgesetzt hat und die ich aus begreiflichen Gründen hier nicht wiederholen möchte und für die Ausführungen am Schluß seiner Rede, die den heutigen Staat, die Republik Deutschland, in gröblich st er Weise beschimpften, zur Ordnung gerufen. Die weiteren Maßnahmen, die zweifellos gestern sofort im ersten Ordnungsruf gefolgt wären, wenn diese Ausführungen verstanden worden wären, können heute natürlich nicht mehr eintreten. 3ch rufe weiter den Abg. 3 a d a s ch zur Ordnung wegen der Drohung, die er gegen den Herrn Vizepräsidenten ausgerufen hat. (Unruhe bei den Kommunisten). — Abg. T o r g l e r (Komm.) Die Gehörstörungen des Vizepräsidenten treten immer nut auf, wenn die Beschimpfungen von rechts kommen. (Sehr wahr links). Bei Zwischenrufen von Kommunisten ist er sehr hellhörig. Wir sind mit der Regelung dieser Angelegenheit nicht einverstanden, sondern verlangen die Aufhebung der Ausweisung der Abgeordneten Florin und Dertz. Wir verlangen weiter, daß der Vizepräsident Gräf von seinem Posten verschwindet. — Präsident Löbe: Lieber den Einspruch gegen die Ausweisung der beiden Abgeordneten kann erst entschieden werden, wenn das stenographische Protokoll der gestrigen Sitzung vorliegt.
Hierauf wird die zweite Beratung des 3 u )i 15 e t a t 0 fortgesetzt. Abg Schölern (I nf. Komm.): Die gestrige Vorlesung des Hitlerbandi- ten and war nur möglich, weil gestern einer uec schlimmsten und brutalsten Reaktionäre als Vizepräsident amtierte, die man je erlebt hat. (Präsident Löbe ruft den Redner zur Ordnung.) Den zwecken Ordnungsruf erhält Abg. Schölern als er von der „schamlosen 3ustiz" spricht. Als er Dann den Senatspräsidenten Redner einen „Henkersknecht" nennt, erteilt Präsident Löbe den dritten Ordnungsruf und droht ihm Wortentziehung für einen weiteren Verstoß an. Abg. <5d)olem richtet heckige Angriffe gegen die Re- giernng unö nennt im Schlußsatz seiner Rede den Vizepräsidenten Gräf einen „stummen und brutalen Hausknecht". Präsident Löbe erteili nun den vierten Ordnungsrui. da wegen des Rede- ^Ä^^orlentziehung nicht mehr möglich ist . ?^og. Brodaus (Sem.) richtet an den Reichs, justizmimster die Frage, was er seinerseits zu tun gedenke, um den vom Staatsgerichtshv' fest- gestellten Anspruch Preußens auf den S l h im Reichsbahnverwaltungsrat zu erfüllen. Die Antwort des Reichskanzlers aus die Frage des Abg. v Guerard könne nicht befriedigen. Dr. Luther habe offenbar keine
Empfiiidung dafür, daß es für ihn mindestens ein officium nobile wäre, durch freiwilligen Rücktritt den Platz für die Erfüllung des preußischen Anspruchs freizumachen. Der Redner beschäftigte sich dann mit der Vertrauenskrise der 3ustiz, die keineswegs behoben sei. Gegen links werde schärfer vorgegangen als gegen rechts. Sie Vertrauenskrise werde erst schwinden, wenn die gesamte Richterschaft von der Erkenntnis durchdrungen ist, das Deutsche Reich und die deutsche Republik sind unzertrennliche Begriffe.
Abg. Dr. W i e n b o ck (Sn.) klagt über die Konkurrenz, die dem selbständigen Handwerk und Gewerbe durch die Arbeit in Gefängnissen und Strafanstalten gemacht werde. Sie Ablegung von Gesellenprüfungen in Gefängnissen sollte unterbleiben. Das Handwerk habe manche Beschwerde gegen die Praxis der Arbeitsgerichte vorzubringen. Das Reichsjustizministerium sollte eine Erhebung darüber veranstalten, welche Erfahrungen bisher mit den Arbeitsgerichten gemacht rooroen sind.
Reichsjustizminister Hergt erklärt, es muß mit hoher Genugtuung festgestellt werden, wie sich das Derufsrichtertum den Arbeitsgerichten gegenüber verhalten hat. Untere Richter haben zwar starke Bedenken gegen die Sondergerichtsbarkeit geäußert, sie haben sich dann aber bei der Durchführung des Gesetzes zur Verfügung gestellt. Die Laienbeisitzer bei diesen Gerichten haben sich gut eingearbeitet, sie arbeiten mit den Berufsrichtern gut zusammen und die Entscheidungen der Arbeitsgerichte zeigen ein beachtenswert hohes Riveau. Das Reichs- a r b e i t s g e r i ch t hat seit einiger Zeit seine Praxis ausgenommen. Sie Sondergerichtsbarkeit betrachten wir aber als eine Ausnahme, mit der wir nun keineswegs fortfahren wollen. Sie Frage der Gefangenenarbeit werde Reichstag und Regierung noch eingehend beschäftigen bei der Reform des Strafvollzuges. Keineswegs sei eine weitere Schädigung des selbständigen Handwerks geplant. Ser Regierungsentwurf dazu verlange ausdrücklich die notige Rücksichtnahme auf Handwerk und freie Arbeit.
Abg. Frau Dr. Lüders (Sem.) fordert eine schleunigere Reform des Rechtes der unehelichen Mütter und Kinder: der schon feit 3ahren angekündigte Gesetzentwurf müsse nun endlich kommen. Sehr dringlich sei vor allem eine Anpassung des veralteten Eherechts und Ehescheidungsrechts an die moderne Entwicklung. Dazu gehöre auch die gleichmäßige Verteilung der elterlichen Gewalt auf Mann und Frau.
Reichsjustizminister Hergt erwidert, er könne noch keinen Termin angeben, werde aber die Erledigung der von der Vorrednerin erwähnten dringlichen gesetzgeberischen Aufgaben nach Möglichkeit beschleunigen.
Das Haus vertagt sich auf Montag. Auf der Tagesordnung steht der Etat des Auswär - t i g e n Amtes.
Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Gtrelitz.
Starke Wahlbeteiligung.
Reustrelitz. 29. 3an. (WTB.) 3m Freistaat Mecklenburg-Strelitz fand heute, vom schönsten Wetter begünstigt, die Wiederholung der Wahlen zum Landtag statt. Sie Wahlbeteiligung war sehr stark, sie ist gegenüber der Vorwahl um 15 Prozent auf rund 80 Proz. gestiegen. Während die Deutschnationalen ihren Stand ungefähr gewahrt haben, gewannen die Sozialdemokraten rund 4000 Stimmen. 3m einzelnen verteilen sich die Stimmen und Mandate nach den vorläufigen Feststellungen (wobei die Vergleichs,zisfern der für ungültig erklärten Wahl Dom 3. 3uli 1927 in K ammern gesetzt wurden) wie folgt:
Sozialdemokratische Partei 19 264 (15 306), Mandate: 13 (12).
Verband der Haus' und Grundbesihervereine: 1553 (1569), Mandate: 1 (1).
Kommunistische Partei: 3564 (4172 \ Mandate: 2 (3).
Verband für Handwerk und Gewerbe: 5172 (4615). Mandate 4 (4).
Deutschnationale Dolkspartei: 10 605 (10 415), Mandate 9 (10).
Aufwertungs- und Dolksrechtspartei: 1886, Mandate: 1 (0).
Deutsche Volkspartei: 1825 (2031). Mandate: 1 (1).
Vereinigte Erbpächter, Büdner und Häusler: 1414 (0), Mandate: 1 (0).
Deutsch-völkische Freiheitsbewegung: 1960
(2294). Mandate 1 (I).
Bund der K'einlandwirte: 635 (1765), Mandate: 0 (1).
Dorfbund 559 (0), Mandate: 0 (0).
Deutsche Demokratische Partei: 2362 (3058), Mandate 2 (2).
Deutsche Reformpartei: 128 (0), Mandate: 0 (0). _____________
Ein Gchiedsvertrag mit Litauen.
Abschluß der Verhandlungen mit Woldemaras.
Berlin, 29. 3an. (ptiöatinformafion.) Wie wir erfahren, sind die Verhandlungen zwischen dem Reichsminister des Auswärtigen, Dr. S trefern a n n , und dem litauischen Ministerpräsidenten Voldemaras über den deutsch - litauischen Schiedsgerichtsvertrag heule zum Abschlutz j gebracht worden. Lin deutsch - litauischer Schiedsoertrag wurde unterzeichnet, sowie ' kleine Abkommen über Jischereirccht, Grenzverkehr usw. Die Frage der w i r t s ch a s t s b e z i e h u n - | gen zwischen Deutschland und Litauen ist in den . Berliner Besprechungen soweit geregelt worden, daß ' die sachlichen Verhandlungen in Berlin und kowno während der nächsten Wochen weitergeführt werden können, von dem Verlauf und dem Abschluß dieser Handelsvertragsverhandlungen hängt auch die Frage ab, inwieweit dem litauischen Wunsch auf ein? Anleihe nähergetreten werden kann. Der litauische Ministerpräsident ist hcufc abend, begleitet von seiner Gattin und dem Ministerialdirektor Dr. Zaunius, wieder nach kowno abge reist. Zum Abschied hatten sich der litauische Gesandte Sidzikauskas mit dem gesamten Personal der Gesandtschaft, zahlreiche Mitglieder der hieslaen litauischen Kolonie, sowie deutscherseits der deutsche G-smidke in Kowno, Moraht, der Chef des Pro- tokotls, Gesandter K ö st e r und Graf von B a s s e w i h vom Auswärtigen Amt auf dem Bahnsteig eingefunden.
Or. Stresemann Ehrendoktor der Llniversität Heidelberg.
Heidelberg, 29.3an. (WB.) Die staatswissenschaftliche Kommission der philosophischen und juristischen Fakultät der Llniversität Heidelberg hat dem Verantwortlichen Leiter der deutschen Außenpolitik, Rcichsminister Dr. Stresemann, Titel und Würde eines Doktors der Staatswissenschaft ehrenhalber verliehen. 3n der Lirlunde heißt es, daß die Verleihung erfolgte, weil er hoch verdient um die Befestigung von Staat und Wirtschaft, durchdrungen von Deutschlands Recht auf Leben und Freiheit mutig und trotz aller Widerstände und Rückschläge als Bahnbrecher einer Politik der geistigen Annäherung und friedlichen Verständigung der Völker sich eingesetzt und weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus Achtung und Ansehen errungen hat.
Oer Zoll Zorn von Bulach.
Paris, 28. Jan. (WB.) Nach einem Bericht des „M a t i n" über den Verlauf der Verhandlung der Berufung des Barons Claus Zorn von Bulach vor dem Colmarer Appellationsgericht hat Claus Zorn von Bulach noch erklärt, er übernehme die Verpflichtung, sein U e b e I wie dergutzu machen, das er, ohne es zu wollen, angerichtet habe. Zu diesem Zwecke sei er geneigt die öffentliche Meinung im E l -- saß über die Mentalität der Führer der Autonomiebewegung zu unterrichten, von denen g e - wisse mit dem Auslande in B e - ziehungen ständen.
Aus aller Wett.
Riefenbetrügereien
in einem Berliner Lombardhans
Die Kriminalpolizei stellte fest, daß der Inhaber des Berliner Allgemeinen Lombard- und Lagerhauses, Paul Bergmann, nicht nur waren belief), sondern sich auch beträchtliche Kapitalien dadurch verschaffte, daß er seine waren gleichzeitig an eine ganze Reihe von Geldgebern als Sicherheit verpfändete, denen er 36 b i s 48 Prozent Zinsen versprach. Als die Kriminalpolizei überraschend in den Betrieb eindrang, wurden außer gefälschten wechseln auch zahlreiche gefälschte Lombard sch eine vorgefunden. Die waren waren den Geldgebern, die einer vom anderen nichts wußten, b i s z u fiebenzehnmal als Sicherheit verpfändet worden, während das vorhandene Warenlager nach vorsichtiger Schätzung h ö cy st e n s eine Million wert hat, stehen ihm mehr als drei Millionen an aufgenom menen Darlehen gegenüber. Die Zinsforderungen der Geldgeber wurden mit Hilfe der neu aufgeno.u- menen Summen befriedigt. Bei der Fälschung der wechsel und der Lombardscheine erwies sich ein gewisser Solinger als tüchtige Hilfskraft. Außer dem Berliner Betrieb unterhielt Bergmann noch vier Filialen, und zwar in Hamburg, Hannover, München und Breslau. Bergmann wurde am Samstag in feiner Villa und Salinger auf offener Straße fe st ge n o m m e n. Sämtliche Ge- schästsbücher sowie die ausgedehnte Korrespondenz wurden beschlagnahmt und zur Prüfung den Sach- verständigen überwiesen. Der Betrieb wurde polizeilich geschlossen und die Räume versiegelt. Rach neueren Meldungen beginnt sich der Zuiam- menbruch des Lombardhausev zu einer riesigen Skandalaffäre auszuwachsen. Immer noch steigt die Zahl der sich meldenden Geschädigten; augenblicklich fi j es etwa 1 000 Personen. Die Schadensumme beläuft sich bereits auf wenigstens fünf bis sechs Millionen. Es wird wohl in den nächsten Tagen noch zu weiteren Verhaftungen kommen, da in die Betrügereien auch verschiedene andere, darunter auch in exponier- ten Stellungen befindliche Personen verwickelt zu sein scheinen.
Das Bauprogramm der Heidelberger Universität.
Das Bauprogramm der Llniversität Heidelberg sieht u. a. vor den Reubau der chirurgischen, sowie den Reubau der psychiatrischen Klinik, ferner Erweiterungs- und Umbauten der Fra u en kl inik, Hals-, Rasen - und Ohrenklinik, sowie einige weitere bauliche Veränderungen an klinischen Gebäuden und die Erneuerung der Wirtschaftsgebäude. Der Ge- samtauswand für die klinischen Bauten ist vorläufig auf acht Millionen Mark veranschlagt. Davon wird die Stadt Heidelberg voraussichtlich eine Million Mark übernehmen, 130 000 Mark (bestimmt für den Erweiterungsbau der medizinischen Klinik) werden aus dem vom Reich aus dem Grenzfonds zur Derfügung gestellten Mitteln übernommen werden. Dieser Erweiterungsbau mit einem geschätzten Bauaufwande von 300 000 Mark und Einrichtungsaufwande von 40 000 Mark soll sofort in Angriff genommen werden. Der Bauaufwand soll bestritten werden aus den erwähnten Reichsmitteln und aus einer ersten städtischen Rate von 170 000 Mark. 3m Staatsvoranschlag sind für die Einrichtung 40 000 Mk. eingestellt.
Eröffnung der Schmittenhöhe-Bahn.
3n Zell am See weihte Fürsterzbischos Dr. R t e d e r von Salzburg die Schmittenhöhe-Bahn in der Talstation bei herrlichstem Wetter ein. Rachher wurde eine Feftmesfe auf dem Gipfel der Schmittenhöhe (2000 Meter) vom Weih- bischos Dr. Filzer zelebriert. Unter den Festkosten befanden sich u. a. der Landeshauptmann von Salzburg, Dr. Rehrl, der Landeshauptmann von Tirol, Stumps, der bayerische Ministerpräsident, Dr. Held, und der deutsche Gesandte in Wien, Graf Lerchenfeld. Während der Festmesse umkreiste ein Flugzeug, das den Rainen „3eU am See“ trug, den Gipfel der Schmittenhöhe. Am Mittag sand ein Festmahl im Hotel Schmittenhöhe statt. Rachmittags wurde in Zell am See ein Trabrennen vor 5000 Zuschauern veranstaltet. Am Montag beginnt in Zell am See die große Wintersportwoche.
Ermordung eines deutschen Gelehrten.
Dr. Walter Stoll, der Südwestanatolien zu Sprachforschungen bereiste, war seit einiger Zeit verschollen. Die deutschen amtlichen Vertretungen in der Türkei betrieben seit Hagerem mit Hil e der türkischen B'hörden Rach,orschun° gen. Diese führten zu dem traurigen Ergebnis, daß Dr. Stoll in der Gegend von H a w a s. also auf türkischem Gebiet, erschossen worden ist. Der Mörder ist fc ft genommen und das ।
Verfahren gegen ihn eröffnet. Ein deutscher Beamter ist zur Beisetzung der Leiche und Sicherung des Rachlasses entsandt.
Spurlos verschwunden.
3n Mecklenburg-Strelitz erregt das Verschwinden dreier Personen innerhalb kurzer Zeit Aussehen. Gestern ist eine Frau Ministerialrat Rieck aus Reustrelitz verschwunden. Sie wurde von ihren Bekannten in Friedland zum Zuge gebracht, ist aber am Bestimmungs- ort nicht eingetroffen. Vor kurzem brachte der Kaufmann S e e l h o f aus Sehsten seine Kinder nach Reubrandenburg zur Schule. Er wollte abends zurückfahren und wurde auch noch auf dem Bahnhof gesehen. Er ist aber zu Hause nicht angekommen. Ebenfalls vor einiger Zeit begab sich ein Rohbachmann, der in der llmgegenö von Reubrandenburg beim Dreschen beschäftigt war, auf die Reise nach Zehdenick, ist aber dort nicht eingetroffen. Auch von diesem Vermißten liegt keinerlei Spur vor.
Schüsse auf Straßenpassanten.
3n Danzig gab der 24 3ahre alte Bäckergeselle Gerhardt Pichler gegen 10 U^r abends in der Rähe des Langfuhver plphagen-Parkes auf sechs Vorübergehende, wahrscheinlich in einem Anfall von Geistesgestörtheit, mehrere Revolverschüsse ab. Der in Ober» schlesien beheimatete Student Gerhardt Hoppe von der Technischen Hochschule und ein Fräulein Annemarie Hohlseld aus Langfuhr tourben schwer verletzt. An dem Aufkommen des Fräulein Hohlfeld wird gezweifelt. Der Täter richtete daraus die Waffe gegen s i ch selb st und war sofort tot. Pichler ist seit längerer Zeit arbeitslos und soll nertienfranf gewesen fein.
3m Streit die Stieftochter erschlagen.
Ser 32jährige Arbeiter Kurasch in Berlin geriet mit seiner 14jährigen Stieftochter in Streit, in dessen Verlauf er dem Mädchen mit einem Beil einen so heftigen Schlag auf den Kopf versetzte, daß das Kind sofort starb. Kurasch wurde verhaftet.
Die Typhusepidemie in Hagen.
Rach den bisherigen Ermittlungen beträgt der Stand der Typhusepidemie bis Samstagmittag fünfzig Erkrankungen und fünf Todesfälle.
Stürmische Szenen in einer englischen Kirche.
Der Vikar der St. Cuthbert-Kirche in Darwin mußte Sonntag Polizei zu Hilfe rufen, um einer Kundgebung gegen den Anglo-Katholi- zismus su begegnen. Etwa 1000 Menschen füllten die K'rche und die Mehrzahl von ihnen nahm an der Kundgebung teil. Der Gottesdienst wurde unterbrochen und die Kundgebenden fangen die Rationalhymne. Rach dem Gottesdienst fanden Zusammenstöße auf der Straße statt. ::nd die Geistlichen, die an dem Gottesdienst teilgenommen hatten, mußten von einem großen Polizeiaufgebot gegen eine große Menge von nicht weniger als über 2000 Personen geschützt werden.
Osloberschlesien ohne elektrischen Strom.
Rachdem sich schon in den frühen Morgenstunden des Samstag vorübergeheirde Störungen in der Lichtversorgung bemerkbar gemacht hatten, ist feit 9 Uftr der ganze oberschlefische Teil der Woiwodschaft ohne Strom. Sie Störungen werden von den zuständigen Stellen mit 5 e- triebstechnischen Schwierigkeiten begründet, die noch eine geraume Zeit anhalten Dürften.
Oie Wetterlage.
Birtn-ins.-; •
Ingö-
ÄL
o,
•Memel
2
2
Genf1
Tmr
* O
7’4- WarscH
XÄ
-3 ”
fe
a K -
HM
2 OlUiflent
ö^vor/7?.
G wofrenios 0 heiter, o hait> bedeckt $ wolkig, ® »edecxi • Reget» * Schnee .a Graupein »riebet K Windstille O-> sehr
•eichte» Ost massige» Südsüdwest 'S stürmische» Nordwest die Piene (hegen mit dem winde. Oie oeigen Stationen stehenden Zahlen geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit gleichem •ui Mreresniveau nmoerechneten Luftdruck
Wettervoraussage.
3m Gegensatz zu den Ticsdruckstörungen der letzten Tage, die sich ostwärts über Skandinavien weiter bewegten, verlagert sich das jetzige Tief südwärts über Frankreich nach dem Mittelländischen Meer hin. 3nsolgedessen dürfte unser Gebiet nur durch Bewölkung und ganz vereinzelte Riederschläge beeinflußt werden. Die Wärmeeinstrahlung läßt tagsüber die Temperaturen über Rull ansteigen und nächtliche Ausstrahlung führt zu weiteren leichten Rachtsrösten.
Wettervoraussage für Dienstag: Wolkig mit Aufheiterung: leichter Nachtfrost: meist trocken.
W i t t e r u n g s a u s s i ch t e n für Mittwoch: 9m wesentlichen keine Aenderung.
Lufttemperaturen: Am 29.3anuar, mittags, 2,9 Grad Celsius, abends minus 1,0 (Arad Celsius: am 30.3anuar, morgens, minus 2,9 Grad Celsius, Maximum 3,S Grad Celsius, Minimum minus 4,1 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 29. 3anuar, abends. 0,4 Grad Celsius: am 30. 3anuar, morgens, 0,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 53/< Std.


