Volkshochschul-Tagung in Gießen
RttteMt.
Die
und und
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Landwirtschaftliche Schule Lich.
2lm Montag, 5. November, beginnt dieLand- wirtschaftlich« Schule Lich ihren diesjährigen Winterlehrgang. Während ihres 22- jährigen Bestehens hat die Landwirtschaftliche Schule L i ch einer großen Anzahl von praktischen Landwirten die fachwissenschaftlich« Ausbildung
Kasse widerrechtlich 16 650 Mark entnommen einen betrügerischen Verkauf eines gebrauchten aufgearbeiteten Flügels unternommen haben.
1 In Wirtschaft und Technik. Staat und Verwob form überall ist in den letzten Jahren viel von ^.Nationalisierung" die Rede. Mag das : !ßort durch seinen reichlichen Gebrauch etwas von |>mer Zugkraft verloren haben, die Tatsache selbst Heibt bestehen, daß heute mehr denn je unter dem S'vang der Verhältnisse in der Gütererzeugung und Erteilung schärfste Selbstbesinnung auf planmäßi- * les Vorgehen Platz gegriffen hat, und erfreuliche
Berliner Börse.
Berlin, 29. Oft. (MTV. Funkspruch.)
Nationalisierung" gegeben. (Man war auch damals tfcJJ hfirebt, mit möglichst geringen Unkosten die Güter- ; c ffyugung und -Verteilung durchzuführen.) Das 1 §e-ue daran ist aber, daß diese Gedankengänge ganz
Llus der Provinzialbauptstadt
Gießen, den 29. Oktober \28.
Sparen-- Nationalisierung
lagen praktisch vor und demonstriert schließlich die neuesten Erfolge auf dem Gebiete des Tonfilms. Zum Schlüsse folgt eine etwa halbstündige musikalische Darbietung, die für die Hörer eine um so größere lleberraschung bedeutet, a-ls es ihnen selbst nach den vorhergegangenen verblüffenden physikalischen Experimenten völlig unglaublich erscheint, daß durch mechanische Reproduktion ein regelrechtes „Konzert" hervorgezaubert werden kann. (Siehe heutige Anzeige.)
vermittelt, ohne die heute tn der wirtschaftlich so schweren Zeit eine ersprießliche Bewirtschaftung so gut wie unmöglich ist. Welch ungeheure Bedeutung der Besuch der landwirtschaftlichen Schulen für die Hebung der landwirtschaftlichen Produktion besitzt, ist durch viele eindrucksvolle und überzeugende Erhebungen erwiesen. Kein Landwirt sollte deshalb seinem Dohne die selbständige Bewirtschaftung seines Gutes übertragen, ohne ihn vorher für den schweren landwirtschaftlichen Beruf voll und ganz ausgebildet zu ha-, ben, wozu heute in erster Linie die fachwissenschaftliche Ausbildung auf einer landwirtschaftlichen Schule gehört. (Näheres in der Anzeige vom Samstag.)
freundliche Haltung am Samstag setzt sich auch zu Beginn der neuen Woche fort. Rach der Liquidation scheint etwas Kaufinteresse zu bestehen. Man nennt etwas höhere Kurse. (Farben 250, Siemens 390.)
im Öelfcnranm.
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Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.)
Der Tumult aus dem Gießener Viehmarkt.
Am 22. Oktober fand in Gießen eine Viehhändler-Versammlung statt, über welche in diesem Blatte schon eine Notiz veröffentlicht wurde. Als Vertreter des Viehhandels möchte ich zu den Vorkommnissen noch einmal öffentlich Stellung nehmen. Es soll vor allem zugestanden werden, daß die S t a d t G i e ß e n sich alle Mühe gibt, den Ansprüchen des Diehhandcls gerecht zu werden. Dafür ist der beste Beweis der Plan, einen Diehh 0 f zu bauen. Alle Unzulänglichkeiten, die immer wieder zu Reibereien führen, kommen von den schlechten Bahnverhältnissen und Abtriebsmöglichkeiten. Stundenlang stehen die Wagen mit dem teueren Vieh, ehe sie an die Rampen gebracht werden. Die B a h n - behörde sagt: „die Gleise sind durch Züge verstopft, wir können nicht anders." In der Hammstrahs herrscht ein Wagenverkehr, der den Abtrieb zur Gefahr werden läßt. Dazu kommt bann, daß bisher die Polizei all diese Unannehmlichkeiten kaum in Rechnung stellte und meist in rigoroser Weise gegen die Viehhändler vorging. Bleistift und Notizbuch wurden fleißig in Tätigkeit gesetzt, und als am letzten Markt diese Uebergriffe unerträglich wurden, da war das Maß voll. Die Versammlung wurde mit dem festen Dorsatzeinberufen, den Markt für längere Zeit zu sperren. Wenn die Versammlungsleitung im Hinblick auf die Versprechungen der anwesenden Behörden und des Verkehrsvereins den Viehhändlern dieses Mal riet, von dem letzten Mittel vorerst Ab«1 stand zu nehmen, so geschah dies mit dem festen Vorsatz, ein wachsames Auge zu haben, daß die Händlerschaft die Behandlung erfahren wird, die sie verlangen muß. Hier muß eben von beiden Seiten den Um st änden Rechnung getragen werden. Wir sind uns der Notwendigkeit bewußt, daß auch wir alles einsetzen, daß in Rübe und Ordnung sich die Dinge abspielen, muffen aber von der Gegenseite verlangen, daß das gleiche Bestreben gezeigt wird. Solche Menschenmassen, wie sie ein Diehrnarkt in Gießen bfinal, können nicht unter der Tarnkappe verschwinden und müssen eben ertragen werden. 6. St.
*• MilitarpersonalienvonderGie- hener Garnison. Oberleutnant G e b b , bisher 4. (M. ®.) Komp. Gießen, wurde zum Stabe des 15. Jnf.-Regts. Kassel versetzt, Oberleutnant Wagner, bisher 2I./15 Marburg, zur 2./15 Gießen, Oberfähnrich Breithaupt, zuletzt Infanterie-Schule, zur 1./15 Gießen, Oberfähnrich Graf v. Korff, gen. Schrnising- Kerssenbrock, zuletzt Onfanterieschule, zu« 3./15.
** Die Einreise nach Frankreich zu Allerseelen und Totensonntag. Der Bolksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Be« zirksverband Nassau, teilt mit, daß die Kosten für das Einreisevisum nach Frankreich fürk einen Aufenthalt bis zu zwei Wochen auf 1,05 Mk. herabgesetzt sind. Die Kosten für das belgische Einreisevisum bleiben bestehen. Besondere Vergünstigungen für Reisen zu Allerseelen und Totensonntag sind nicht zu erwarten.
** Seinen achtzigsten Geburtstag farm morgen, 30. Oktober, Herr Martin Simon, Crednerstrahe 29 wohnhaft, In voller geistiger und körperlicher Rüstigkeit begehen.
** Unfall auf dem Fußballplatz. Gestern nachmittag ereignete sich auf dem Sportplatz des Vereins für Bewegungsspiele ein Unglücksfall. Ein junger Spieler aus Butzbach stürzte beim Fußballspiel so unglücklich, daß er sich den rechten Oberarm brach und das Ellen- bogengelenk ausrenkte. Die sofort herbeigerusenre Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz leistete bem Verunglückten die erste Hilfe und verbrachte ihn dann nach der Ehirurgischen Klinik.
*• Jugend- und Elternabend in der Stadtmission. Die Stadtmission, Gäbet» strahe 14, veranstaltete gestern einen Jugend- unö Elternabend. Der im Sommer erweiterte und neuzeitlich hergerichtete Saal, der nunmehr 550 Sitzplätze umfaßt, wat bereits vor Beginn bis auf den letzten Platz gefüllt. Da der Abend in erster Linie der Jugend gewidmet fein sollte, kam diese in besonderer Weise durch mancherlei Darbietungen zu Wort. Gesangchöre, Deklamationen und Orchestervorträge umrahmten die ganze Veranstaltung. Dabei kann bemerkt werden, daß die musikalischen Darbietungen auf einer ganz beachtlichen Höhe standen. Stadt-
Straßenbahnerstreik in Frankfurt?
WSR. Frankfurt a. M., 28. OIL Am Samstag abend nahmen die Funktionäre deck städtischen Straßenbahn- und Omnibusbetriebe irt einer Versammlung zu dem Ergebnis der Verhandlungen In Weimar Stellung. Rach dem Bericht des Vorsitzenden des Deutschen Derkehrs- bundes, Schreiber, gaben die Funktionäre» eine Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Die gegenwärtige neunstündige Durchschnittsarbeitszeit innerhalb einer Dienstschicht von 14 Stunden täglich für die Straßenbahnbediensteten ist nicht mehr tragbar. Die Einführung der durchschnittlich 8 stündig en Arbeitszeit innerhalb einers Dienstschicht von 12 Stunden, bei Festsetzung einer Höchstarbeitszeit von täglich 8'/, Stunden ist unbedingtes Erfordernis. Ebenso ist die Frage der Lohnfvrm unb die Bestimmungen hinsichtlich des Krankenlohnes für das Gesamtpersonal so wichtig, daß auch hier Verbesserungen! durchgeführt werden müssen. Die Funktionärei machen schon heute die städtischen Körperschaften auf die verschärfte Situation im Tarifkampf aufmerksam und bringen eindeutig zum Ausdruck, daß sie geteillt sind, den Kampf aufzunehmen, wenn der Reichsarbeitgebervev^ band seine Haltung nicht ändert.
Oer Prozeß gegen Müller-Wieland.
WSN. Frankfurt a. M., 28. Oktober. In dieser Woche werden sich die prominentesten Personen der Frankfurter Theaterwelt ein Stell- d ichein im Schwurgerichtssaal geben, wo der Fall Müller-Wieland zur Verhandlung steht, der nicht allein für Theaterfachleute, sondern auch für Kommunalpolitiker erhöhtes Interesse beanspruchen wird. Da ein großer Andrang zu dem Prozeß vorausgesetzt wurde, hat man Einlaßkarten verabfolgt; die Nachfrage danach war, wie sich denken laßt, äußerst rege, und der Prozeß wird sich vor vollbesetztem Hause abspiölen. Für die Juristen wird der Fall von ganz außergewöhnlichem Interesse fein, denn auf rechtlichem Gebiet wird ein Klüngel von Fragen zu lösen sein. Der Prozeß stellt insofern ein Unikum dar, als Staatsanwalt- f ch a ft und Verteidigung konform gehen, denn die erstere hat sich seinerzeit auf den Standpunkt gestellt, daß ein strafbares Verschulden des Angeklagten nicht vorliege, im Gegensatz zu der Meinung der Eröffnungskammer, die Arnar in vielen Punkten das Verfahren einstellte, aber doch hinsichtlich einer stattlichen Zahl von Begebenheiten zu der Ansicht kam, daß sich der Angeklagte strafbar gemacht habe. Beachtenswert mag sein, daß man hier in einen Prozeß hineinkommt, dessen Voruntersuchung als nicht abgeschlossen gelten kann, denn vielerlei Dinge sind in dieser unaufgeklärt geblieben und werden erst durch die Hauptoerhandlung Klarheit gewinnen. Unter den geladenen Zeugen werden sich der O b e r b ü r g c r m e l ft« r, die Intendanten Krauß und Weichert, mehrere Stadt röte und zahlreiche Bühnenangestellte befinden. Nach der Anklage soll Müller-Wieland U n • treue begangen, ferner soll er 6209 Mark für Doppeloorstellungen veruntreut und die Bühnen- A.-G. durch Niederschlagung einer Schuld der Zentrale für gemeinnützige Kunstpflege in Höhe von 20 440 Mark benachteiligt haben. Endlich soll er der
Missionar Schmidt grüßt« di« Versammlung mit herzlichen Worten und wies gleich zu Beginn auf Zweck und Ziel der Veranstaltung hin. Der Lügend den Weg zur wahren Freude zu zeigen, fei Aufgabe der Stadtmission. Sekretär Kreutzkamp aus Braunfels vom Jugendbund für E. C. hatte seiner Festansprache das Thema „Jugendfreude und Jugendlraft" zugrunde gelegt. Aus seiner großen Erfahrung in seiner langjährigen Jugendarbeit zeigte er an Hand zahlreicher Beispiel«, mit welch ungeheuerem Angebot der Jugend vermeintliche Freude nahe- gebracht wird. Er schilderte dann in fesselnder Weise, daß Vergnügungen, Belustigungen noch lange nicht Freude sind. Streiflichter aus der Jugendnot ließ er an dem Auge seiner Zuhörer vorüberziehen, zeigte dann den Weg zur Jugendfreud« und Jugendkraft und wies hin auf die wahre Kraftquelle des Lebens, auf die weltweitwirkende Gotteskraft, die zu finden sei In Jesus Christus und dem Worte Gottes. Mit dem warmen Appell, aus dieser Quelle Jugend- freude und Jugendkraft zu schöpfen, schloß der Abend, der allen Besuchern eine bleibende Erinnerung sein wird.
•• Erleichterung für d ie Einwanderung in die Vereinigten Staaten. Seit dem 1. Juli d. I. werden bekannllich Frauen und unverheiratete Kinder unter 21 Jahren von in den Vereinigten Staaten ansässigen Nichtamerikanern bei der Erteilung des amerikanischen Einwanderungssichtvermerks bevorzugt. Zur Erleichterung des Nachweises über die ordnungsmäßige Einwanderung des Ehegatten oder Vaters in die Vereinigten Staaten hat die amerikanische Regierung Bestimmungen erlassen, wonach auf Antrag dem drüben anfälligen Ehegatten oder Tater von der Einwanderungsbehörde die rechtmäßige Einwanderung zu bescheinigen ist. Diese Bescheinigung wird dann demjenigen amerckanischen Konsulat in Europa zugestellt, bei dem die Angehörigen, die nach Amerika auswandern wollen, zur bevorzugten Sichtver- mertserteilung vorgemerkt sind. Nähere Auskunft ist von der Hamburg-Amerika-Linie und ihren örtlichen Vertretungen zu erlangen.
* Auftrieb zum heutigen Frankfur- ter Schlachtvieh markt: 280 Ochsen, 72 Bullen, 649 Kühe, 433 Färsen, 531 Kälber, 11 Schafe und 5440 Schweine.
Der Verband Rhein-Mainischer Volkshochschulen und der Landesverband hessischer Volkshochschulen veranstalteten am Samstag und Sonntag ihre diesjähriae Tagung gemeinsam in G i e h e n.
Der öffentliche Abend am Samstag im Großen Hörsaal der ilnibcrjüät brachte nach Begrüßungsansprachen durch den Vorsitzenden des Vereins Volkshochschule Gießen e. D., Oberschulrat Pros. Dr. Messer, dem Vertreter der Regierung, Schulrat H a s s i n g e r, und dem Vertreter des Oberbürgermeisters und der städtischen Schulverwaltung, Stadtschulrat Prof. Dr. Alles ein Referat deS Vorsitzenden des Rhetn-Mainischen Verbandes für Volksbildung, Dr. Carl Gebhardt (Frankfurt a.M) über
^Oas Problem der Masse in der Volksbildung^.
Der Redner vertrat die ^luffaffung, daß die freie Volksbildung sich bisher um das Problem der Masse insofern wenig gekümmert habe, als sie volksbildende Faktoren, wie Kino, Rundfunk, Presse usw. außer acht ließ. Im Zug der mit der Renaissance «infetzen- den Entwicklung trat an die Stelle der gegliederten Volkseinheit der Gegensatz der individualistischen Bildung und der ungebildeten Menge, di« nur gelegentlich durch entsprechende Erlebnisse zu einer vorübergehenden Einheit, d. h. zur Masse wird. Die Meng« ist den Masse bildenden Faktoren hilflos ausgeliefert; der Vortragende zeigte dies an einem instruktiven, von ihm selbst miterlebten Beispiel, einer politischen Versammlung, die zur Frage der Unterzeichnung des Versailler Friedensdiktates Stellung nehmen sollte: der erste Redner sprach mit großer Ueberzeugungskraft und innerer Wärme gegen die Unterzeichnung und die Versammlung spendete ihm einmütig Beifall. Der zweite für die Unter- zeichnung sprechende Redner fand ebenfalls einmütigen Beifall, und der dritte Redner, der mit großer Eindringlichkeit die Versammelten auf den Widerspruch dieser beiden Stellungnahmen hinwies, wurde ebenfalls einmütig applaudiert. Nicht anders ist die Lage der Menge gegenüber Kino, Rundfunk, Presse. Angesichts dieser Tatsache warnte der Vortragende davor, gegenüber diesen übermächtigen Einflüssen, die, sei es auch qualitativ noch so gefestigte Arbeit der Volkshochschule am Individuum zu überschätzen. Bei der Analyse des Verhaltens der Menge wurde festgestellt, daß die Masse einzig durch emotionale Erregung zu der ihr wesenseigenen Verbundenheit gelange. Daraus ergebe sich für den, der emotionale Kräfte auf und in der Menge wirken läßt, die Pflicht höchsten Verantwortungsbewußtseins. Neben der unmittelbaren pädagogischen Arbeit am Individuum ergebe sich so die Notwendigkeit der Kulturpolitik, d. y. die Gesamtheit der mittelbaren Wege der Volksbildung von Staates wegen zu kontrollieren und zu beeinfluflen. Der Schluß des Vortrags gipfelte darin, daß das Problem der Masse zum Dordergrundspro- btem der Volksbildung erklärt und die Forderung nach einem besonderen, der Massenbildung dienenden kulturpolitischen Referat im Reichsministerium des Innern gestellt wurde.
Der Vortrag war umrahmt von der Darbietung einiger Sätze von Haydn und Beethoven durch Frau Fischer (Klavier) und die Herren B. Knaus (Violine) und Dr. Hillenbrand (Cello). Die zahlreich erschienenen Anwesenden dankten für diesen Genuß durch lebhaften Beifall. W. Br.
Musikalischer Volkskunstabend.
Einen erfreulicherweise recht gut besuchten VolkLkunstabend bot am Sonntag die Volkshochschule. Konzertmeister Gustav Lenzewski, Frankfurt a. M., sprach über „We f en und De- deutung der Violine mit Beispielen aus ihrer Geschichte". Zunächst erwähnte er di« (vermutliche) Abstammung der Violine von dem Ravanastron der Inder, einen Standpunkt,
I c ro u 61 und planmäßig in weiteste Kreise Körungen sind und heute einen ungleich stärkeren kinfluß als früher auf die Wirtschaft ausüben. Der süc danke der Rationalisierung ist aber nicht auf die-
16 engere Gebiet beschränkt geblieben, man hat bald ni Recht erkannt, daß eine solche Einstellung des Menschen: nämlich Planmäßigkeit und Ueberlcgung ii allem und Erreichung der Ziele mit dem ge- tngsten Aufwand an Kraft, Zeit und Geld, ein un- kläßlicher Grundsatz für feine ganze Lebensführung Derben mußte. So ist denn unter dem Einfluß dieser Strömungen unversehens auch wieder ein Wort in ba Gesichtsfeld des Gegenwartsmenschen getreten, bs eine Zeitlang unberechtigterweise den Beige- sh mack etwas Veralteten und nicht mehr Zeitge- hä tjen hatte: das Sparen. Sparen bedeutet ra- iomelles Handeln in jeder Hinsicht. Das Zurücklegen ton Geld ist hierbei zunächst nicht einmal das Wich- fyfte, sondern ergibt sich Aroangsläuftg als Erfolg tner umsichtigen, vorausschauenden Wirtschaftsfüh- hng. Der Sparer holt ohne große Mühe aus dem deinen Einkommen durch fein wirtschaftliches 23er- bden viel mehr heraus als der, der in den Tag (inein lebt. Der Sparer von heute ist alles andere ds ein unfroher oder auch gelbgieriger Mensch, bem « nur barauf ankommt, möglichst viel „Gelb auf fce hohe Kante zu legen", fonbern ein lebensfroher tnb kluger Mensch, ber seinen Vorteil erkannt hat tnb danach handelt. So verstanden ist der Svarge- bnke ein durchaus moderner, ein durchaus frucht- brtr Gedanke. Man hört oft den Einwand gegen las Sparen, daß die soziale Gesetzgebung ja die lufcabc habe, die Menschen gegen die dringendsten vechselfälle des Lebens zu schützen. Wer so denkt, kr verfällt in den Fehler, von ber Allgemeinheit zu- M([ zu erwarten. Ihre Hilfe kann immer nur er- |5njenb gewährt werben, während die gesunde delvsthilfe des einzelnen im Vordergrund zu stehen (ot, und zu ihr ist in erster Linie das Sparen zu rtdjnen. Keinem Menschen kann auf die Dauer und h größerem Umfang die Sorge und Verantwortung fir sich selbst und seine Angehörigen von ber All- ssirieinheit ab genommen werben. In biefem Zwang liegt gleichzeitig ein tiefer Sinn, ba er ben ständigen fcntrieb zu wirtschaftlichem und gleichzeitig tultu-
ttd tm Fortschritt in sich birgt.
Das Sparen hat aber noch eine allgemeinwirt- shciftliche Seite. Es ist die Vorbedingung und Orembtage jeder Kapitalbildung. Der Auf- und üu-bau der Wirtschaft und damit der Stand imf-erer Güterversorgung find schlechthin abhängig ton einer ausreichenden Kapitalbildung, dem ge- fcinerten Zufluß ausreichenden und billigen Kre- lilg. Kredit kann aber nur gegeben werden, wenn ps-vr Kapital gebildet ist, d. h. wenn gespart blrb. Falsch ist es, dabei zu denken, daß kleine Geldbeträge hierbei keine Rolle spielen könnten. Pfanne sie zersplittert in der Hand des einzelnen peitschen sind, ist dies richtig. „WaS können tafru beispielsweise schon meine 50 Mk. beitragen?" mag mancher denken. Auch diese kleinen Md kleinsten Sparbeträge werden zu einer un- ocheuren wirtschaftlichen Macht, wenn sie sich toreinigen. So sind bis jetzt nahezu 1 Milliarden 8l>orkapitalien bei den öffentlichen Sparkassen c»s gebracht worden, die der Kl.inwirtschaft, dem Dcchnungsbau als dringend verlangte Kredite «ixeführt wurden.
Denn diese vertiefte Auffassung des Sparens mb die Erkenntnis seiner Bedeutung für die ITaemcinheit immer mehr zum Allgemeingut bi cd — und das ist der Zweck deS W e l t s p a r- lagje» — dann wird auch der diesjährige vierte Dsltspartag am 30. Oktober Erfolg zu verzeichnen laben.
Daten für Dienstag, 30. Oktober 1928.
Sonnenaufgang 6.49 Uhr, Sonnenuntergang 16.38 IHjc. — TOonbaufgang 17.33 Uhr, Tlonbuntcrgang 839 Uhr. Mond in Erbnähe.
1.859: ber Schauspieler Konrab Dreher in München !bioren; — 1868 ber Maler Angelo Jank in Mün- m geboren; — 1923: ber englische Politiker Bonar « in London gefterben (geboren 1858).
Borirotize».
— Tageskalenber für Mo n t a g. Die j’rttinbe der Ehristengemeinschaft: Dortraa „Das rMitz des kommenden Christentums", 8.15 Uhr, im iimzsaal ber Oberrealschule (Eingang Bisrnarck- Me). — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Hei- Ige und ihr Narr . — Astoria-Lichtspiele: „Der Edyeden von Colorado".
— Stadttheater Gießen. Aus dem Stabt« htacterbureau wird uns geschrieben: Das Lustspiel rDi? Ballerina des Königs", bas zur Feier bes 6). Geburtstags von Rudolf Presber aufgeführt Buribe, hat feine vorzügliche Zugkraft auch bei uns Mesen. Das Stabtttjeater hat auf diesen großen sMikumserfolg hin das Stück für Dienstag, den 31. ). M., wieder angesetzt. Das Lustspiel wirb burch h; ganze Abonnement gehen. Die Vorstellung be= ßtnt 19 30 Uhr. — Als weiteres Gastspiel des Neuen Lpsrettentbcaters Frankfurt a. M. findet am Mitt- todj, 31. b. M., 19.30 Uhr, die erste Wieberholung tr Operette „Gräfin Eva" statt. Die Rolle bes Achilles" wirb biesmal von Norbert Fels oerkör- pri, währenb ber „Bonhaby" von Karl Reul bar tibUt wirb.
— Frauen-Misslonsverein. Die regel- hägigen Zusammenkünfte bes Frauen-Mlssionsoer- en« eines ber ältesten Frauenvereine unserer Stabt, h innen Diensta^30. Oktober, nachmittags von 4 h 6 Uhr im Matthäussaal. Die evangelischen Frauen ber Gesamtgemeinbe sind herzlich eingclaben. ' We Anzeige.)
— Di« V o r t ra g s - D« r« i n i g un g ließen hat für ihren -weiten bieswinterlichen itragsabend den bekannten Physiker Wilhelm dauck, Berlin, zu einem Experimentalvortvag tier das Thema „Die Musll im Lichte der neu» Mchen physikalischen Forschung" gewonnen.
Vortragende führt u. a. die A« tHertel l« n» M us ik („Töne aus der Luft"), nach wt Theremin, und ihre physikalischen Grund-
den viele Historiker (Fätis, Rühlmann u.a.) unter dem Einftuß einet Geschichtsauffassung, die alle arische Kultur vom Morgenland her- leitet, ebenfalls vertreten. Heber Spanien gelangt das Ravanastron unter dem Namen Rebec und unter weiterer Veränderung seiner Form, nach Europa. Noch hat eS einen birnenförmigen Körper, wie die heutige Laut«, also keine Zargen. Zu welcher Zeit es m Europa zuerst auftaucht«, ist in Dunkel gehüllt. Der erste unzweiselhafte Beleg für das Vorhandensein eines Streichinstruments ist ein ältrechler Psalter um 860. Mit dem Auftreten des Instruments eröffnen sich der Instrumentalmusik, soweit man um diese Zeit vom Vorhandensein einer solchen reden kann, neu« Wege. Zwar erkennt die Kirche nur die Dokalmuf.k als zu religiösen Zwecken brauchbar an, und das hindert die Entwicklung^ aber im 11. Jahrhundert bedienen sich die Mmnesänger der Begleitung durch Streicher und fördern dadurch wiederum. Im 14. Jahrhundert setzen sich die Instrumentalisten in den Städten fest. Es entsteht die Zunft der Stadtpfeifer. Inzwischen hat sich di« Form des Instruments äußerlich weiter verändert. An Stelle des birnenförmigen tritt ein lyraartiger Körper mit Zargen und Ausschnitten auf beiden Seiten, zur besseren Verwendung des DogenS. Verschiedene Gattungen entstehen, so z. B. Sopran-, All-, Tenor- und Daß-Vivlen, wie sie bereits heißen.
Der Vortragende sprach dann über den Geigenbau und erwähnte die hervorragenden Vertrete« dieser Zunft: Gaspar da Salo und Tiefsen- brugger, deren Instrumente aber noch nicht die Form der heutigen Geige hatten, vielmehr noch Soprangamben mit Diolinurnriß waren, fernen Amati, Stradivari, Guavueri in Italien und Stainer und Klotz in Deutschland. 2m weiteren Verlaufe wurde in durchaus fesselnder Weise die Entwicklung der Diolinmusik gewürdigt. Das älteste Jnstrumentalstückchen ist eine Estampida aus dem Jahre 1200, während die Violine unter ihrem heutigen Namen zuerst bei Monteverdi (1567—1643) an der Spitze eines Diolenchores austaucht, und zwar in der Oper „Oofeo". Weitere Marksteine der Entwicklung und Förderung, spezifischer Diolin-Literatur sind: Corellt, Tar- tini, Pugnani u, a. in Italien, Diotti in Frankreich, Stamih, Leopold, Mozart in Deutschland. Von Paganini erwähnte der Vortragende, daß dessen Auftreten der Anlaß zu einer Art Mastensuggestion im Hinblick auf Virtuosität wurde, und in der Tat ist dieser ungünstige Einfluß von Paganinis geigerischen Zauberkunststückchen noch nicht überwunden, unö virtuose Technik wird noch oft in erster, musikalische Ausdeutung erst in zweiter Linie gewürdigt, ilefoer Spohr, Rode, Kreutzer (Beethovens „Kreuhersonate"), Joachim, Ernst kam der Dörtragende dann zu den noch lebenden Meistern des Violinspiels. (Busch, Fleck, Kreisler, Hubermann u. a.) In dem etwa einstündigen Vortrag konnte selbstverständlich das ganze Gebiet nur sehr kurz behandelt werden, aber Herr Lenzewski verstand es, di« wesentlichen Daten herauszuschälen und den Hörern in verständlichster Weise einen umfassendeni äleberblick zu geben.
Im zweiten Teil bes Abends spielte Herr Len- ze w s k i Werke ber vorher von ihm besprochenen Meister und Zeitpoeten. Die Vortragsfolge war sehr geschickt zusammengestellt unb illustrierte die Ausführungen vortrefflich. Es erübrigt sich, zu sagen, baß Herr Lenzewski sich ausgezeichnet dem feroelligen Zeitstil ber gespielten Stücke anzuvassen wußte und seine musikalische unb technische Ausbeutung keinen Wunsch offen lies. Am Flügel begleitete Professor Schmid (Friedberg). Der starke Beifall drückte den Dank ber zahlreichen Zuhörerschaft für den interessanten Abend aus. F. B.
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