Nr. 124 Drittes Statt
Siebener Anzeiger tSeneral-Anzeiger für Gberheffeu)
Dienstag, 29. Mai 1928
Skandale.
3u ben betrüblichsten Erscheinungen der Aach- krieg« zeit gehört zwei ello« die erschreckend grobe 2ln-ahl der Bestechung«-, Unterschlagung«, und Betrug-Ikandale die seit Jahren in noch ständig steigendem Made die deutsche Öff entlichkeit be- fchästigen und beunruhnm. Sie spiegeln eindringlicher und deutlicher al« sonst etwa« da« Bild einer Zeit, die .au« den -rügen" ging, deren altes Gefüge durch die Erschütterungen der Krieg«-. 'Revolution«-. Inflation«- und Desla- tion-wirren sich lockerte. SS ist die« keineswegs eine Erscheinung, die sich allein auf unsere 3eit und aus Deutschland beschränkte: zu allen Zeiten und in allen Ländern haben derartige Katastrophen die moralische und soziale Struktur einer Boltsgemeinscha't durchlöchert und so den Boden für Fäulniserscheinungen jeglicher Art bereitet. Eine« der typischsten und bekanntesten Beispiele ist ja wohl der Dreißigjährige Krieg mit seinen furdftbaren Folgen.
Aber mit der Feststellung, dast wir und unsere Zeit nichl allein stehen in dieser Hinsicht, ist wenig getan. Sie läßt un« zwar den Dingen zuversichtlicher ins Auge sehen, aber Positive« ist damit noch nicht geschehen. SS wäre auch verfehlt, sich der ebenso vagen wie billigen Hoffnung hinzugeben, dast die Zeit auch diese Wunde von selbst heilen würde. Gewiß ist von der Festigung der wirtschaftlichen Verhältnisse viel zu erwarten. Aber die Gefahr. die diese Demoralisierung des öffentlichen Leben» für den Bestand einer Volksgemeinschaft und insbesondere für die Jugend, für die kommende Generation, darstellt, ist so grob, daß eine energische, mit vereinigten Kräften durchgeführte AeinigungSaktion zum Gebot der Stunde und der Selbsterhaltung für da« deutchse Volk wird.
An konkreten Vorschlägen für den Kampf gegen die Korruption fehlt es nicht. ES gibt kaum eine politische Partei, kaum eine kulturelle Organisation, kaum eine bedeutende Persönlichkeit im öffentlichen Geben in Deutschland, die nicht irgendwie brauchbare Vorschläge in dieser Dichtung gemacht hätte Es ist nicht die Ausgabe dieser Zeilen, diese Vorschläge einzeln zu untersuchen und kritisch zu beleuchten. 3m Gegenteil: wir sind der Meinung, dab alles, was bisher geschah, sich nur auf die Propagierung von Vorschlägen und auf die Kritik dieser Vorschläge beschränkte. Aus eine Kritik, die nicht die Sache, sondern nur den politischen Gegner sah. und dessen ehrlichen Sachwillen ebenso wie den eigenen durch unfruchtbare Auseinandersetzung lähmte. ES geschah nichts und konnte nichts geschehen, weil man sich selbst bekämpfte, statt gemeinsam die Korruption zu bekämpfen. Man ging schließ- lich so weit, in jedem Einzelfalle von Korruption alS erstes das politische Glaubensbekenntnis oder die Parteizugehörigkeit der Beteiligten zu untersuchen und darauS die Ursachen der Demoralisierung abzuleiten und dem Gegner einen Strick zu drehen. Man übersah einfach geflissentlich die 'Tatsache, dab Korruption in allen Lagern vorkam. dab Bestechlichkeit und Unehrlichkeit weniger mit dem religiösen oder politischen Glaubensbekenntnis. das oft genug nur ein Lippenbekenntnis ist. al« vielmehr mit der allgemeinen menschlichen Schwäche und mit den materiellen und sozialen Verhältnissen, in denen der Mensch steht, zusammenhängen. ES gab und gibt schwache und amoralische Eristenzen in allen Lagern, die bekanntesten Korruptions-Skandale — vomDarmat- Kutisker-Skandal. über den Sächsischen Volksopferskandal des Dr. Meißner, die Spritwebe» Assäre. die Höfle-Angelegenheit. den Skandal in der Verhandlung, die Phöbus-Lohmann- Afsäre. die Dergmann-Unterschlagung bis zum DeichSbahnskandal — zögen Angehörige aller nur denkbaren Berufe. Schichten. Parteien und Glaubensbekenntnisse in Mitleidenschaft. Damit, daß wir dem politischen Gegner diese Dinge in die Schuhe schieben, lammen wir nicht weiter, reinigen wir die öffentliche Atmosphäre nicht, wir untergraben damit höchstens die Voraussetzungen für eine Besserung. Wir bessern die Verhältnisse und verhindern die völlige Versumpfung der öffentlichen Moral nur. wenn wir uns in der Sache einigen, wenn die sauberen und an-
WM«nWen WA«.
Vornan von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig. 18. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Mit raschen Schritten holte er Sydil und ihren Begleiter ein. Es, blitzte unaufhörlich, der Regen brauste, die Wipfel der Baume bogen sich, und die Donner gingen pausenlos ineinander über. Mühsam stolperte Sybil über den unebenen Boden. Raste Zweige schlugen ihr ins Gesicht und zer- zausten ihr Haar. Wortlos übernahm Dick die Führung.
„Wen haben Sie gesehen, auf wen haben Sie geschossen?" fragte Havelock heiser.
„Auf ein Gespenst meiner Einbildung", sagte Dick gelosten.
Endlich lichtete sich der Wald. Sie atmeten auf, obwohl sie jetzt schutzlos dem Regen preisgegeben waren. Dick begleitete Sybil bis zum Herrenhaus. Die Einladung, in die Halle zu kommen und sich an einer Taste Tee zu erwärmen, schlug er dankend ab. Noch war das Wichtigste ungetan. Er wartete, bis sich die Tür hinter Sybil geschlossen hatte, bann ging er denselben Weg noch einmal zurück.
Er mäßigte den Schritt, als er den Wald betrat. Seine Augen spähten nach rechts und nach links. Das Unterholz bot eine ausgezeichnete Deckung für einen heimlich lauernden Gegner. Aber er gelangte ungefährdet bis zu den Gräbern, die er genau so wiederfand, wie er sie verlassen hatte. Er nahm ein paar Handschellen aus der Manteltasche und schnaopte sie um das Schloß, so daß es für seinen unbekannten Verfolger unmöglich war, ihn einzuschließen. Dann ging er die Stufen hinab und beleuchtete mit dem grellen Licht seiner Taschen- lampe die sieben Schlösser der cinundzwanzigsten Tür. In einer Innentasche seiner Weste verbarg er die beiden geheimnisvollen Schlüstel. Er zog sie jetzt hervor und probierte sie an den Schlössern. Ein Schlüstel paßte zum vierten, einer zum legten Schloß. Er drehte an beiden, die Schlösser schnappten zurück, aber die Tür bewegte sich nicht. Unbeweglich hing sie in ihren Angeln. Er begriff, sie würde sich erst öffnen lasten, wenn alle sieben Schlüstel in seinem Besitz waren.
ständigen Elemente de« deutschen Volkes, gleichviel, in welche« politische ober konfessionelle Lager sie gehören, sich hierin zu gemeinsamer Kampffront zulamyienlchließen. denn e« geht hier nicht um eine Parteiangclegenheit. sondern um eine
solche des ganzen deutschen Dolke«. de« Staates, um Treu und Glauben, um Ehrlichkeit und Sauberkeit, um die Grundlagen einer eristenz- fähigen und berechtigten Volksgemeinschaft.
Stirnen, Sport und Spiel.
Deutscher Fußballsieg in Amsterdam.
Das Olympische Fußballturnier. das am Pfingstsonntag begann, brachte folgende Ergebnisse:
Am Psingstsonntag: Portugal — Ehilc 4:2 (2:2). Belgien — Luxemburg 5:3 (3:3).
Am Pfingstmontag Deutschland — Schweiz 4:0 (2:0). Aegypten — Türkei 7:1 (5:0).
Der Spielverlauf des Treffen« Deutschland — Schweiz war recht interessant. Deutschland hotte zwar meistens etwas mehr vom Spiel, aber immerhin sorgte die Schweiz durch öftere Vorstöße und zeitweise Sturm- und Drangperioden für andauernde Spannung. Aach den üblichen Tastversuchen kommt Deutschland langsam aber sicher in Front Zunächst gibt es nur Ecken, dann fällt auch bald das erste Tor durch Hofmann (Meerane). Großer Jubel im deutschen Block. Einige Eho cen werden versiebt und einige Angriffe der Schweiz abgeschlagen, als ausgerechnet Hornouer dann der Schütze des zweiten Tores ist. Allerdings erleichterte ihn der schweizerische Torwart dos Tor durch Herauslaufen. Mit 2:0 für Deut chland geht es in die Pause. Aach Seitenwechsel liegen zunächst die Schweizer wieder in Front, bringen aber das deutsche Tor nie ernstlich in Gefahr. Von den vielen Ehancen, die sich den deutschen Stürmern bieten, werden nur zwei ausgenutzt, und zwar wieder durch den 2H er an er Hofmann, der so das Endresultat auf 4:0 stellt. Der Sieg der Deutschen würd' natürlich ganz besonders vom deutschen Block begeistert ausgenommen, unsere Kolonie erhob sich von den Plätzen und singt dos Deutschlandlied.
Deutschland.
Dritter im olympischen Hockeyturnier.
Amsterdam, 26. Mai. (WTD.) Bei prächtigem Sonnenwetter begann heute nachmittag im olympischen Stadion vor annähernd 40 003 Zuschauern der erste Endkampf im olympischen H o ck e D t u r n i e r. die Begegnung Deutschland — Belgien. Dem Kampf wohnten zahlreiche Vertreter der Behörden sowie mehrere Mitglieder des Haager drplomatischen Korps, darunter der deutsche Gesandte Gras v. Zech. bei. Aach lebhaftem, spannendem Verlaus. bei dem die deutsche Mannschaft sich saft stets überlegen zeigte, siegte die deutsche Mannschaft vollkommen verdient 3:0 (1:0). Deutschland belegt somit den dritten Platz im Amsterdamer olympischen Hockeyturnier hinter Indien und Holland.
Der Jußballsport an den Feiertagen.
westdeutsche Gesellschaftsspiele.
Sonntag:
Mülheimer Spv. — F. E Hilversum 4:1.
Iura Kassel — Schwarz-Weiß Barmen 3:2.
Montag:
Kölner D. C. — Hamburger S. D. 1:7. Süddeutschland.
Sonntag:
Rot-Weiß Frankfurt — Borufsia Neunkirchen 8:3.
F. S. V. Frankfurt — Admira Wien (Amateur- elf) 2:3.
Hertha B. S. E. — Duisburger S. D. 5:1.
V. f. L. Neu-Isenburg — 1. F. E. Nürnberg 0:3.
Stuttgarter Kickers — Tennis Borussia Berlin 8:2.
Wormatia Worms — Sp. Vgg. 07 Koln-Sülz 7:1.
Union Frankfurt — F. E. 93 Hanau 3:1.
Sportfreunde Frankfurt — Phönix Mannheim 3:2.
Montag:
Union Niederrad — 1. F. E. Nürnberg 4:1.
Karlsruher F. D. — Tennis Borussia Berlin 1:1.
Nun schob er die Platte zurück und betrachtete die Kammer. Ein langes Fach war in die Seitenwand des Felsens gehauen. Dort hatte wahrscheinlich der Sarg gestanden, der die sterblichen lieber- reft? des großen Sünders barg. Aber er mußte in der Feuchtigkeit der Kruft schnell zerfallen fein. Denn die Felsenlade war leer, nur eine Staubschicht haftete am Boden.
Dick steckte die beiden Schlüstel ein und stieg langsam und nachdenklich die von Nässe überronne- nen Stufen hinauf. Aber der erste Blick, den er ins Freie warf, trieb ihm das Blut in jäher Wallung zum Herzen.
Dicht vor dem Eingang zu den Katakomben lag der Zylinder, den er vorhin im Grase des Walddickichts entdeckt hatte. So lauerte sein unmenschlicher Gegner also immer noch zwischen den Büschen, lauerte tückisch wie ein Panther, der imstande ist, sein Opfer stundenlang zu umschleichen, bis er sich zum mörderischen Sprunge entschließt. Dick war tapfer bis in die Wurzeln seines Wesens, jetzt aber kroch ihm ein eisiges Gefühl des Schreckens durch alle Adern.
Er hob den schweren Zylinder mit Anstrengung auf und trug ihn bis zum Waldessaum. Dort warf er ihn keuchend nieder.
Dann stand er einen Moment und blickte starr in das Dickicht. Alle seine Instinkte hetzten ihn zur Flucht. Panik übenoältigte ihn, am liebsten wäre er um sein Leben gerannt. Aber er zwang sich, aus- zuharren, wo er war. Mit eiserner Kraft schulte er feine Nerven, bog mit Händen, in denen aller Tastsinn gestorben schien, die Zweige auseinander, und erst, als fein Blick sich vergewissert hatte, daß fein unsichtbarer Verfolger sich nirgendwo am Waldrand verbarg, schlug er den Weg ein, der zum Herrenhaus hinführie. Er ging sehr ruhig und gemessen. Er drehte sich nichl um. Mer er hatte die Zähne aufeinandergepreßt, die Hände geballt, und feine gesammelte Energie konzentrierte sich darauf, auch nicht das kleinste, knackende Geräusch im Walde zu überhören. Mit einem Gefühl tieffter Erleichterung sah er das flache Tal vor sich liegen, und als das Schloß austauchte, übersah er die falte Strenge feines Stils und fand es beinahe schön.
Die wilde Bosheit feines unheimlichen Gegners, die Hartnäckigkeit, mit der er ihm nachstellte, ohne seiner Verwundung zu achten, der Todesernst feines
D. f R. Heilbronn — Sp Vgg. 07 Köln-Sülz 0:1. Hertha B. S. E. Berlin — Admira Wien 3:0.
F. S. 23. Frankfurt — Duisburger S. 23. 1:5;
23. f. B. Stuttgart — Stuttgarter «portfreunde 3:1.
Der deutsche Meister im Mainqebiet.
B. f. C. Jlcu-3|cnburg — 1. J. C. Nürnberg 0:3 (0:1).
Der 1. F. E. Nürnberg mußte seine Pfingstreise nach Frankfurter Gebiet selbstredend ohne die in Amsterdam weilenden Spieler Stu hl saut, Kalb, Schmidt II. und Reininann ausführen. Dos mag — aber nur teilweise — als Entschuldigung dienen für das sportliche Fiasko, mit dem die Reife des deutschen Meisters nach dem Maingebiet verknüpft war. Uebcr dieses Fiasko täuscht auch der zahlenmäßige Sieg des Klubs über den 23. f. L Neu-Isenburg nicht hinweg, denn dieser Sieg war glücklich errungen und entsprach keineswegs dem Spirioerlauf, der die Isenburger, deren Mannschaft heute in tadelloser Form war, im Feldspiel meistens, überlegen sah. Die Hessen hatten jedoch mit zahlreichen Schüssen sehr viel Pech und muhten somit als Auftakt ihrer Iubi- läumswoche eine durchaus unverdiente Niederlage mit 0:3 Toren hinnehmen.
Union Niederrod — 1. J. C. Nürnberg 4:1 (1:1).
Am Pfingstmontag wurde der riesige Formrückgang der deutschen Meisterschaftsol eklatant unter Beweis gestellt. Der 1. F. E. Nürnberg verlor gegen Union Aiederrad mit 1:4 Toren. Aicht einmal der Höhe nach war die Aiederlage unverdient, denn während die Aiederräder ein einheitliches Mannschastsbi d boten und mit Feuereifer spielten, vermochten die Bayern nur ganz selten zu erwärmen. Die 1500 Zuschauer, die den Platz umsäumten, erlebten auf alle Fälle eine riesige Enttäuschung. Bei den Aürnbergernzeigte nur der Verteidiger Popp, daß diese Mannschaft einmal Klassespieler besessen hatte Alle übrigen kamen nie über das Aiveau von Kreis- ligaspiclern hinaus. Die Tore für Union Aiederrad schossen Schneider. Dussek, Sigwart und W i n t e r st e i n. Der einzige Treffer für Aürnberg entstand au« einem unglücklichen Selbsttor des Aiederräder Torwächters.
Deutscher Arbeiter-Jußballsieg in Paris
Im Pariser Pershing-Stadion trafen am Pfingstsonntag eine deutsche und eine französische A r • beiter-Fußballändermannfchaft aufeinander. Die deutsch? Elf erwies sich überraschend hoch überlegen und schlug die Franzosen mit 6:1 (1:0).
Die deutsche OaviSpokalmannschast.
Als Vertreter des Deutschen Tennisbundes in der Davispokalrunde Deutschland — England vom 7. bis 9. Juni in Edgebast bei Bir- rningharn hat der Deutsche Tennisbund Froitzheim, Dr. H. Kleinschroth, Moldenhauer und P r e n n benannt. Dr. Kleinschroth hat bereits die Reise nach England über Paris angetreten, am Mittwoch folgen die übrigen Teilnehmer. Um die Deutschen an Ort und Stelle zu trainieren, begleitet der bekannte Trainer Roman W a j u ch die Spieler. Die Zusammensetzung für das Doppelspiel erfolgt nach dortigen Trainingsergebnissen.
Olympiaausscheidungskämpfe des Deutschen Fechterbundes.
Pfingstsomstag und an den beiden Psingst- seiertagen fanden in Frankfurt im Hause der Fechter die Olympiaausscheidungskämpfe des Deu tschen Fechterbunde« statt. Zu Beginn wurde einstimmig beschlossen, den deutschen Meister in allen drei Fechtarten, Erwin E a « m i r - Frankfurt, von den Ausscheidungskämpfen zu befreien und als ersten Der-
mörderischen Willens, hoben ihn über die menschliche Sphäre hinauf. Es mußte ein Dämon, ein Besessener sein, ein Wesen, für das es Gut und Böse nicht gab.
Der Besuch der Totengruft, die Entdeckung der Tür mit den sieben Schlossern, die doch ganz offenbar nur Staub verborg, hätte ihm um ein Haar sein Leben gekostet, sein Leben und Sybils. Bei diesem Gedanken erschauderte er.
Und doch schien alles unwirklich und jenseitig gleich dem verworrenen Geschlinge eines Haschischtraums. Dick hatte das Gefühl, als müsse er jeden Augenblick erwachen, um kopfschüttelnd die wilden Ausgeburten seines Hirns zu belächeln.
Nur einmal in feinem Leben hatte er sich außerhalb der Welt greifbarer Verbrechern befunden. Das war in Toronto gewesen, wo eine Reihe unbegreiflicher Katastrophen die Stadt bis in ihre Tiefen erschüttert hatte. Damals war er zum ersten Mal dem intelligenten Verbrecher begegnet, der, böse von Grund auf, in seine eigene Bosheit verliebt ist. Er hätte ihn nimmer gefaßt, wenn er sich nicht schließlich aus Lebensüberdruß selbst verraten hätte.
Der gewöhnliche Verbrecher ist gewalttätig oder verschlagen, entnervt oder gefühllos. Genußsucht treibt ihn zum Verbrechen. Zu bequem oder zu unbegabt, sich das Wohlleben, das er ersehnt, durch Talente und Fleiß zu erringen, einer fortgesetzten (Energiefpannung nicht fähig, lebt er als Parasit von dem Erarbeiteten anderer. Er ist schnell in der Bewegung, vielleicht auch gewandt im Erfassen der Situation, aber er ist ohne Phantasie.
Der dämonische Verbrecher, der nach den Gütern des Lebens nicht fragt, den das Verbrechen als solches in feinen Bann zieht, den Machthunger ober gar tief gesättigter Menschenhaß treibt, ist überlegen durch seine hochentwickelte Phantasie.
Er versteht sich in die Gedankengänge feiner Häscher zu versetzen und beugt ihren Maßregeln vor. Sehr oft liegen feine Verbrechen außerhalb oller Gesetze ober auf einer Linie, die jeden Erfoh- rungsfreis durchbricht.
Dick wußte jetzt, daß er im Kampf mit gleichwer- tigen Intelligenzen lag und daß er mit gewöhnlichen Mitteln nie zum Ziel kommen würde. Er konnte nur auf die Gerechtigkeit des Schicksals hoffen, die früher oder später jeden Schädling erreicht.
troter für Amsterdam aufzuftellen. Dann wurden die übrigen Teilnehmer für die Fahrt nach Amsterdam ermittelt:
Florett: 1. Gazzcra- Offenbach. 2. Julius Thomson. 3. Löffler. 4. He im. h. Moo «.
Degen: 1. Halberstadt. 2. Gazzera, 3. Fischer. 4. Jack. 5. Berthold.
Säbel: Hans Thomson. 2. Halberstadt, 3. MooS. 4. Sommer. 5. Weidlich.
Domen. 1. Helene M e y e r - O«senbach. 2. Frau Oe Iker«. 3. Frau Sondhe im, 4. Frau Hartmann. 5. Frau Bihlmann.
Heinrich von Opel f.
Der Mitinhaber und Generaldirektor der Opelwerke In Rüsselsheim, Kommerzienrat Dr.-Ing. Heinrich von Opel, ist in der Rocht zum Samstag infolge eines am Vortage erlittenen Schlaganfalles gestorben. Der Verstorbene hatte cud) als aktiver Sportsmann einen Namen von gutem Klang und großer Bedeutung. Besonderes Interesse widmete er dem Pferdesport au. Er unterhielt seit dem Jahre 1912 einen Rennstall und betrieb auch in seinem Gestüt Westerberg bei Ober-Ingel- heim am Rhein die Vollblutzuchte in größerem Maße. Als Deckhengst war dort der frühere Oppen- heimsche Marmor aufgestellt, desien Produkte nicht ganz den Erwartungen entsprachen. Immerhin roa- ren dem passionierten Herrn von Opel auf allen deutschen Rennbahnen zahlreiche Erfolge beschleden.
Radrennen im Frankfurter öfoOicn.
Den Kleinen Stadtwaldpreis im Frankfurter Stadion am Pfingstmontag über 60 Kilometer errang E h r i ft m a n n (Franlsurt) vor Rommel (480 Meter zurück). Im Großen Stadtwaldpreis über 100 Kilometer belegte Saidow den ersten Platz vor M a r o n i e r (1590 Meter zurück).
Vermischtes.
Kamps mit einen Wahnsinnigen In der Luft.
Eine neue Gefahr, die im Flugzeug hoch oben in der Luft drohen kann, wurde durch einen merkwürdigen Vorfall offenbar, der sich vor kurzem in den Vereinigten Staaten ereignete. Ein Flugzeugführer Harry Anderson hatte sich in einer Höhe von 2000 Fuß gegen einen wahnsinnigen Passagier zu verteidigen. Die Bewohnar von Pontiac im Staate Michigan beobachteten in der Abenddämmerung ein Flugzeug, daS sich langsam näherte, sich plötzlich zu drehen begann, herunterstürzte, dann aufgehalten wurde und daraufhin einige 100 Meter tief herabfauste. Die Maschine bohrte sich in den Boden ein und zertrümmerte. Die beiden Männer, die sich in dem Flugzeug befanden, waren ziemlich verletzt, aber nicht tödlich: man hofft, daß sich beide wieder erholen werden. Der Führer Anderson konnte erzählen, was vorgefallen war, bevor er auf den Operattonstisch gelegt wurde, um wegen eines Schädelbruchs operiert zu werden. Er war von einem Mann namens Harry Frechette gemietet worden, um ihn von Avseville im Staate Michigan nach dem Erholungsort Pvntiak, 40 Kilometer von Detroit entfernt, zu bringen. Die Fahrt ging glücklich vonstatten, aber als sie sich der Stadt näherten und gerade über dem IrrenhauS von Ponttak schwebten, bemerkte der Führer plötzlich eine Bewegung hinter sich. EP tn^bte den Kops um und hatte gerade noch Zeit, dem ersten Schlage auszuweichen, den der Wahnsinnige mit einem schweren Hammer gegen ihn führte. Gr versuchte, den Apparat mit einer Hand zu steuern und sich mit der andern gegen die wütenden Hammerschläge zu schützen, die auf ihn niedersausten. „Ich muß wohl wenigstens eine Minute bewußtlos gewesen sein", erzählte er, „denn als ich wieder zu mir kam, befanden wir uns in vollem Absturz. Ich konnte nur noch den Apparat wieder herumreißen und den Aufprall dämpfen, dann stürzten wir nieder." Anderson war mehr durch den Hammer seines gefährlichen Pasiagiers als durch den Fall verletzt, er hatte durch die Hammerschläge einen Schädelbruch erlitten, während ihm beim Sturz nur einige Zähne ausgebrochen waren. Frechette verweigerte jede Auskunft: er wurde in« Gefängnis gebracht, um nach der Heilung von feinen Verletzungen auf feinen Geisteszustand untersucht zu werden.
Er war bis auf die Haut durchnäßt, als er das Haus erreichte. Kleine Bäche rannen an ihm herab. Trotzdem wollte er von einem weiteren Aufenthalt nichts wißen, und Sybil mußte sich ihm fügen.
„Haben Sie nach dem geheimnisvollen Wald- schrat gesucht? Ich denke, er war nur ein Gespenst Ihrer Einbildung?" fragte Havelock, der seinen Gleichmut vollkommen wiedergefunden hatte.
„Nicht ganz", sagte Dick. „Seine Spuren habe ich gefunden, ihn selber nicht."
„Ob er verwundet war?" wollte Sybil wissen, und ihre Stimme war voller Teilnahme.
„Schwer keinesfalls", beruhigte sie Dick. .Höchstens kann ihn meine Kugel gestreift haben."
»hätten Sie ihn doch umgebracht," sagte Havelock mit jäher Vehemenz, „dann gäbe es sicher einen Bösewicht weniger auf der Welt."
Er hatte sich einen Radmantel vom Verwalter geborgt. In feine Ecke gedrückt, schloß er erschöpft die Augen und wachte nicht eher auf, als bis das Auto vor feinem Haufe hielt.
Das Gewitter hatte sich verzogen, aber das Wetter war umgeschlagen. Die Luft war grau und kühl.
Sybil machte sich Gedanken, ihn zu dem mißglückten Ausflug verleitet zu haben und entschuldigte sich lebhaft bei ihm.
Er wehrte gutmütig ab.
„Sehen Sie sich Mr. Martin an," sagte er, „an ihm ist kein trockener Faden. Ich habe es unter diesem Mantel noch verhältnismäßig ganz warm gehabt. Ueberöies ist es ganz gut, daß ich mich mit eigenen Augen von den dunklen Machenschaften überzeugt habe, die augenscheinlich im Gange find: nur fürchte ich, was wir sahen, ist nichts, verglichen mit dem, was unseren Blicken entging."
„Mein Gott," sagte Sybil leise, „Sie machen mir Angst.
Havelock schüttelte den Kopf.
„Das will ich nicht, Miß Lansdown, aber wenn mich nicht alles täuscht, ist unserem gemeinsamen Freunde —" er sah Dick an, der die Hand unbewegt am Steuer hielt — „eine sehr bedenkliche Entdeckung gelungen."
Er nickte ihr zu, reichte beiden die Hand und elfte rasch ins Haus.
(Fortsetzung folgt)


