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Nr. 1Z6 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 28. Juli 1928

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Wandern und Reisen Bäder und Sommerfrischen.

Oie unbekannte 2Rt)ön.

In der Werkstatt des Ikarus.

Don Ellis (L ZranN.

Anfang August beginnen auf her Wasser» kuppe in ber Rhön Die ©egdflüge.

Roch vor toenigen 3a6ren galt die abseits der «rohen Verkehrswege -wischen Thurmgarwmid und Spessart in beschaulicher Ruhe liegende Rhon als ungastlich und rcijloJ. Wenige nur verirrten ,ich in diesen Winkel, aber dicke Wenigen kamen innner wieder und -ogen andere nach sich in die elgenartige. herbe und stille Schönheit dieses Debivges.

Drohe Strecken liegen noch heute in tiefem romantischen Dornröschenschlaf aus dem sie nur crwachen wenn über ihnen Vogelinen'cyen an blauen Aether ihre Steife ziehen. Die 900 Meter hohe Daiscrkuppe. an deren südlichen Harrg die 3ruU>a entspringt sowie eine ganze Reihe auf» strebender Städtchen und Ortschasten am Fiche de« Berge« sind erst durch die Segelflüge weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt» geworden. 3m August, wenn konstante westliche Winde günstige Austriebsmöglichkeiten schaffen, herrscht auf der Wasserluppe ein reges Treiben. Aus allen Ländern lammen Sportfreunde und Flugtechniker, um -u schauen, was das Jahr an stiller Arbeit auf dem Gebiet« des Menschen- kluges gebracht hat.

Ausgangspunkt der Wasserkuppe ist der am Fuhe des HöhenzugeS gelegene Luftkurort Gers­feld, mit Fulda verbunden durch eine Reben- babn. Von Gersfeld aus unterhält die Reichs» poft efnc Kraftwagenlinie nach Wüstenfach» fen und Fladungen, die an der Wasser­suppe vorüberführt. Durch einsame, teilweise un­bewohnte. idyllische Täler schlängelt sich die Strohe an vereinzelten Gehöften vorbei, durch Mksch» und Radelwald hinauf zur Höhe. Der Wald reicht nur bi« zu einer gewissen Grenze, darüber hinaus sind die Dergkuppen kahl, nur bcheckt mit einer dünnen Schicht von Gros unb Moos. Diese sogenanntenHüten" sind das Gha- tafteriltifum der Rhön, sie waren eS. die zu- «anrmen mit den gerade hier auftretenden Winden dem Segelflug die besten Vorbedingungen stellten.

Auf dem breiten Rücken der Wasferkuppe. wo noch vor nicht allzu langer Zeit einige Zelte von der Anwesenheit menschlicher Wesen zeugten.

erstreckt sich jetzt eine Stadt im Sie inen, das Fliegerlager mit seinen umfangreichen Bau­lichkeiten. der Wetterwarte und den Gebäuden der Rhön-RoNtten-Gesellschaft.

3m August beginnt das Leben hier oben in her Werkstatt der Vogelmenschen. Wenn um die Mittagszeit der Titanenkampf mit einem Siege der Sonne endet und hic graue Rebel wand plötz­lich tote ein Vorhang hintoeggerisfen wird dann ist die Zeit der 3karuffe gelammtn. Schillernde ^ugapparale schaukeln leise hu Winde. Dort schwingt sich eine jugendliche Gestalt hx den Sitz des zitternden Vogels, lautlos erhebt sich die Maschine in die Lull von den O.immiftrür.cen des Startseiles in die Höhe gerissen. Wiegt sich und gleitet, steigt, fällt, schwebt über Täler und Höhen der Sonnt entgegen. Setzt lick nach ge­raumer Zeit in das Gras am Wie*enhang tote ein ermüdeter Vogel Von nimmermüden Händen wird der Apvarat immer wieder den Hang bin- ausgezogen und das Spiel beginnt von neuem. Es ist wirllich, als sei alle« nur Kinderspiel und nicht ein Ringen des Menschen um die Erfüllung eines tausendjährigen Wunsches Edelster Sport ist es. wo körperliche Gewandtheit und Entschlos­senheit. gepaart mit Kenntnissen und feinem Ge­fühl für die Raturgesetze, dem Menschen ohne weitere Kraft, al« die in der Luft enthaltene, die Nügel verleiht, nach Crencn sich Menschenge­schlechter 3ahrtausende gesehnt haben. Ilnd weiter bringen fit gerade im Scgclflug forschend in viele Gebiete vor. die bann auch ber Motorsliegerei und Derkehrslultsahrt zugute kommen. Ohne bie Rhön wären die Leichtflugzeuge nicht entstauben, die mit Motoren von ganz geringen Pferbe­stärken erstaunliche Leistungen vollbracht haben. 3m Mittelpunkt des 3nteresse« steht augenblick­lich das R a k e t e n s l u g ; e n g. Auch auf die­sem Gebiete ist die Röhn sieghaft vorangegangen. Roch ehe die angelündigten Versuche mit be­mannten Flugzeugen mittels Raketenantriebs von verschiedenen Olniernebmuugen angtkündigt wur­den, arbeitete man hier oben im stillen an ber Vervollkommnung dieser neuen 3bec. Vor kurzer Zeit wurden auf der Wasserkuppe bie ersten Flugversuche mit einem Raketenflugzeug erfolg­reich durchgeführt. Die kommenden Wettbewerbe im August Dürften 'eine Fülle von Reuigdeiten Iauf dem Gebiete der Segelfliegerei bringen, bie neue Wege zeigen zur vollkommenen Eroberung her Luft durch den menschlichen Geist. 3n An­betracht ber zukünftigen vergröberten Verkehrs­flugzeuge sind Versuche mit einem .Rur- Flü­

gel"-Modell zu gröhter Zufriedenheit ausge­führt worden. Auch mit einem neuen Ententyp sind sehr gute Flüge gemacht worben, bei welchen eine vollkommen neuartige Steuerung bis »ur Sicherheit ausgebildet worden ist. Eine ganjc Reihe neuer»deile wird der diesjährige Wett­bewerb auf der WaNertuppe zeigen.

Auster der WaNertuppe. von wo sich die Rhön dem Besucher am ausdruckvol'sten offenbart, gibt es noch viel Reuland, das dem Touristen eine ungeahnte Fülle von Sehenswertem bietet. So erfreut eine Kammwanderung zwischen Kreuz­berg mit dem alten Kloster und Engelsburg durch herrliche Aussichten daS Auge. Besonder» schöne Punkte sind der E i r h a u d und der teils bewaldete, teils felsige Phonolitb'egel der M i l - seburg. An ihrem nordwestlichen Hange liegt der Materwrnkel K 1 einsasfen. unb in kurzer Entfernung thront daS von der Dahn Fulda Tann fast ganz umfahrene Schlost Bieber­stein.

3hre Entstehung verdankt die Rhön den vul­kanischen Umwälzungen der Tertiärzeit. Mit den tiefgehenden Druchspalten. aus welchen bie vul­kanischen Masken hervorkamen, hängt ursächlich auch das Werben und Heraufkomn-en der T h e r - ma (quellen und salz reichen Sprubel zusam­men. welche am Rhönsockel unb vor allem im Saaletale bei Bodlet. Kissingen unbQl e u- stadt, sowie im Sinntal in Bad Brückenau zutage kommen. Von diesen weltbekannten Heil­quellen sind das Solbad Salzungen und R e u h a u s. Äiflmgen unb Brückenau hinlänglich bekannt, währenb Wüstenfüchsen. wo man neuerdingS eine Heilquelle erbohrte. noch seiner eigentlichen Entdedung harrt. Für den Erholung­suchenden unb Raturliebenben werben bk kleinen fränkischen Stäbtcken Tann. Hilbers. Be­schoss heim mit ihrer prächtigen Umgebung, ihren mittelalterlichen Türmen und Toren un- vergestliche Bilder sein. Tann ist eines der ältesten und interessantesten Rhönstäb.chen. Es war Stammsitz ber ehemaligen bayerischen Freiherren von der Tann, und drei Schlösser erinnern daran, bah ihr Geschleckt schon im 3ahre 963 bie Gegend bewohnte. Wahrscheinlich verdanken auch die beiden Burgen. Auersbach bei HiDerS und die Burg bei Geisa dieser Zeit ihre Ent- stehung.

Reisewinke.

Rtisc bargclblo*!

Eine ber gröstten Sorgen bei jeder Reife ist wohl zweifellos die Geldfrage. So manchem wird die Freude an feiner Reite getrübt wenn er fort­während an die Möglichkeit denken muh. hast ihm das oft lauer ersparte Grid gestohlen werden oder hast e» ihm vielleicht durch irgendeine Un­achtsamkeit in Verlust geraten konnte. Alle Ferien- rcikplänc wären dann mit einem Male durch­kreuzt und vernichtet Datei ist d'.efe Beunruhi­gung. die den Zweck einer Erholungsreise Ulu- sori'ch macht, ganz unnötig. Wan must nur recht­zeitig vor ber Abreise daran denken, dast es für den modernen Reifenden eine Möglichkeit gibt, ganz ohne Bargeld die Fahrt mit ber Bahn anzutreten. Auf jedem Reifebureau. das eine Vertretung des Mitteleuropäischen Rei'ebureauS besitzt, kann man sich mit log. .Kreditbriefen' verschon, die getoiffermafwn Schecks darstellen, die man auf der Reise statt des Bargeldes in Zahlung gibt

Die Welt-Reisekreditbriefe des Mitteleuropäi­schen Rci'ebureaus (MER.l, die ersten InDeulfch- lanb nach Kriegsende zufammengestellten Zirku­lar-Kreditbriefe. bieten dem Reisenden gröstte Vorteile, da sie die drei Forderungen, die man unbedingt an einen Kreditbrief stellen must, er­füllen: sie sind sicher, billig und bequem. Sicher sind sie. weil auf den Kreditbrief allein kein Unberechtigter Abhebungen vornehmen kann. Billig find sie deshalb, weil sie in jeder Währung ausgestellt werden können und daher WährunyS- verluste auSschliesten. Bequem ist ber Kreditbrief, denn er ist an den hauptsächlichen Plätzen bet Welt, in den wichtigsten HotelS, sowie an Bord der Ueberieebampfer der Hamburg-Amerika- Linie und deS Rorddeutschen Lloyd zahlbar. An den meisten Orten sind die MER.-Weltreife­kreditbriefe anher bei Banken auch noch bei ReiseburcauS zahlbar; der Reifende erhält hier­durch in demselben Bureau, auch nachmittags und Sonntags, die Auszahlung auf feinen Kredit­brief. sowie An-kunft und Fahrkarten. Der Besitz eines MEA.-Welt-ReisekreditbrieseS ermöglicht es dem Reisenden, austerbem seine Reiseroute jeder­zeit zu ändern. Der KreiS der Einlösestellen für MER.-Reisekreditbriefe umfastt zur Zeit etwa 1800 Zahlstellen im 3n- und AuSlande. wirb aber ständig nach Möglichkeit vermehrt.

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Wenn die Hände rüden von des Werktags vast Und ifrouitfunn dn fuchst von slädlifcher Haft. Dann lehnend die Seele zur fverne dringt. Wo Mutter Statur sie erlrtichcnd umichlingt. Wir kennen ein Plätzchen, dos UloiteO Hand 3n unendlicher Güte fetzte in» Land.

Wo Quellen nefchwätzig fvrudeln und fpringen Und Lstfglein dir goldige Lieder sinnen.

Wo bald du vergiftest deS AUtagS Evur 3n gotigeseaneter fei ger Natur.

Wo die Stunden dir stieben in kindlichent Glück Wo dn träumst dich In Märchenländer zurück Wo fröhlich die Angel dn tölrfit vorn Gestade, Wo der Schlitzstust dich lockt zu eraulckendent Bade. Wo Elchen tauschen ein uraltes Lied.

Wo ein Sehnen dich btv in den ktmmel zieht.

Ein betlincS Sehnen.--

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