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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Samstag, 28. Juli 1928

Rr.176 Zweites Blatt

Turner und Sänger.

Außenpolitische Umschau.

Von Or. Otto Hoetzsch, o. Prof, der Geschichte en der Universität Äerlin, M. d. 5t

Di« groben Feste der Sänger und Turner in Den und in A ö l n sind gewiß teme polln<chen Xfnonen. Aber jedermann wird dabei doch an die Rolle erinnert, die vor Iahwehnten die Teste der Sänger, der Turner, der Schützen ulw. in der grohcn E nheit-bewegung unterer Ration hin zum Reiche gespielt haben. Da- gleiche vollzieht 1 d> mit diesen groben eindrucksvollen Festen auch heute wieder und erhebt sie über den Ü ha rat ter eines Fester- schlechthin Dir freuen uns Ve­na Nonaten Schwunges, Der sich darin ausdruckt und der auch cm« besonder« politische Rote er- hält in Äöfn mit dem Protest gegen die De- tatz.ing und dem Willen zur Frecheit. und in TB.cn mil der Kundgebung für die unttcnnbarc 'ktbunbcnbcit zwilchen dem Deutschen Reich und Deutsch-Oesterreich.

Di« größte Anschlußkundgebung der Deutschen, die jemals stattgefunden habe, wurde in Wien das Fest und der Festzug genannt. TDit über- 'chätzen Festeseindrucke gewtb nicht, aber das ift etwas Dleibendes. wenn der Deutsche aus Pommern oder Sachen dort den Deutschen au« Südtirol. auS dem Memelland, aus Rord- amertfa. aus Drasilten sieht und ihm mit einem- nmrba# Bewußtsein kommt, wie die Ration und ihre Sinhelt al« Volks- und Kulkurgemeinschast weit hlnausreicht über die Grenzen W hcr- stümmelten deutschen Staates, und wie von Jahr ,u Jahr dieses Gefühl der Einheit fester wird. So ordnen sich diese Feste in die grob« Bewegung für da« Auslands- und Grenzlandedeutschtum ein. und so haben sie einen sowohl erzieherischen wie auch ernsthaft demonstrativen Wert.

In Wien spitzte sich dieser Sinn naturgemäß noch konkreter, noch politischer zu in dem Willen, daß diele Einheit der DolkS- und Kulturgemein- tchost auch ,zu einer Einheit des Staa­te « werde. Auch daS ist wertvoll und bedeutend. TI ach innen insofern, als Tausenden von Reichs- deuttchen. denen die Anschlustfrage ferner ge­legen hat. sie nun auf das stärkte in ihrer Be­deutung und Rotwendigkeit vor Augen geführt wurde und als jeder von diesen Tausenden von diesen Eindrücken etwas mit nach Hause nimmt, womit er hoffentlich manch altes Dorurteil re­vidiert und den Boden für die Delamtstimmung im Deutschen Reiche bereitet. Rach außen hin war daS Diener Fest ein« zwar friedliche, aber auch nachdrückliche Demonstration eines Willens, der dauernd gar nicht in Schranken gehalten norden kann Ist sie doch nur zu natürlich, die Gemeinsamkeit und der Wille, zueinander zu kommen, die vollständige Identität des SeinS. des Denkens, des Hossens.und deS Fühlens mit uns im Reicht Dazu die Unmöglichkeit Deutsch- Oesterreichs. als Staat zu leben!

Wir würden unS wundern, wenn gegen bk Wiener Tag? und ihr Srgebnis nicht von ein­zelnen Siegerstaaten Einspruch erhoben würde. Es ist bemerkenswert, daß das am heftigsten an« Paris geschieht, von wo aus man die interessierten Möchte ermahnt, dergleichen aus- merksam zu verfolgen Die Rachbarstaaten Oester­reichs könnten es nicht zulassen, daß Oesterreich auf seine Unabhängigkeit verzichte, um mit

Eine Versuchsfahrt in größere Höhen. Von Professor Or. Bürker, Direktor des physiologischen Instttuts der Landesuniversität Gießen.

Einem Wunsch des Gießener Anzeigers, über ein« 'Versuchsfahrt zu berichten, die am Sonn­tag. dem 15. dTtH. zu wissenschaftlichen Zwecken unternommen wurde, entspreche ich hiermit.

Die physiologischen Wirkungen des Höhenkli­ma- aus den Menschen werden zur Zeit wieder eingehend studiert. Durch die bewundernswür­digen. jahrelangen Untersuchungen Prof Dr. DornoS in DavoS sind die physikalischen Grundlagen gelegt. Es fragt sich mm. welche physiologische Wirkung dieses Klima auf den Menschen ausübt.

Besonders eingehend ist die Wirkung auf das Blut rmterfucht worden, aber mit vielfach wider­sprechenden Resultaten, Während die einen Au- toren schon in mittleren Höhen der ZNpen eine beträchtliche Wirkung auf das Blut (absolute Zunahese der Zahl der roten Blutkörperchen und des roten Blutfarbstoff- in der Volu- menernheit Blut) sanden, nahmen andere nur chic relative Zunahme durch Austritt von Blut­flüssigkeit nu8 den Blutgefässen, also eine Sin- birfxaifl deS Blutes, an.

Ern Fortschritt aus diesem Gebiet war nur durch Verbesserung der Methoden zu erwarten, hafteten doch den dmnaligen Methoden nicht unerhebliche Fehler an. die durch die ertremen klnnatischen Verhältnisse noch vergröbert wurden. In jahrelanger Arbeit ist Verfasser zu Metbo- den gelangt, welche sichere Entscheidungen er» nlöglichen. Mit ihrer Hilfe konnte im Iahre 190° im Sanatorium Schatzalp. 300 Meter ober­halb Davos und 1874 Meter über der, Meer gelegen, durch tägliche qualitative und quantita­tive Bestimmung des roten Blutfar^toffs und durch tägliche Zahlung der roten Blutwrixr- chen im Blute von vier Bersuchspersonen wäh­rend eines Monats gezeigt werden, daß c$ fid) in, Hochgcbrrge um absolute Blutpcrmwe- rungen handelt, die als Anpassung an die ver­dünnte Lust aufzusasscn finb. Besonders auf­fallend war noch die Tatsache, daß nach der Rückkehr ins Tiefland diese erhöhten Blutwerte nicht sofort wieder zurückgingen, sondern noch längere Zeit nachweisbar waren

Zur weiteren Entscheidung sollten weitere ver­suche durchgeführt werden, vor allem war ein Cfalter handlicher Apparat zur Bestimmung des Blutfarbstoffs erforderlich Die Versuche auf der Schahalp waren mit einem großen Spektropho­tometer durchgeführt worden, dessen Aufstellung und Handhabung außerhalb eines Instituts mit Schwierigkeiten verknüpft ist. Als das erftc Erem- plar des neuen Apparates vom Mechaniker ge­liefert wurde, brach der Krieg aus. Rach meiner Uebertiedlung nach GiMen wurde der Apparat von den Optischen Werken S Leih in Wetzlar fertiggestellt.

Deutschland einen gewaltigen deutschen Block zu I begründen. Es ist kein Zufall, dah d,eser scharfe I Sallpruch gerade aus Paris kommt. Denn man weih dort, dah weder im Deutschen Reutz noch in Oesterreich irgend jemand daran dentt, die jetzige Situation mit Gewalt zu verändern. Man kennt ebensowohl Frankreichs Inieresse an der Zerstümmelung des srüheren Habsburger Rc.chs und an der Dafallenherrschäft, in der die ein­zelnen österreichischen 2! .chbarstaaten zu Frank- re ch stehen und erhalten bleiben sollen, wie an der Fesselung, m der die beiden Rest- und Rumpsstaaten. Oesterreich und Ungarn. durch die bekannten Pariser Verträge gehalten werden. Aber w ? m bezug auf Ungarn die aus England emgeleitete. von Mussolini aufgcnommcnc soge­nannte Ariebens-Revisions-Debatte Frankreich nachdrücklich daran erinnerte, das, das Leben der Staaten weitergeht und keine vertrags- sestsetzung für Die Ewigkeit ist. fo sübll man wohl auch in bezug auf den anderen Teil, dah s,ch da mancherlei wenigstens wandeln kann Man weh m Frankreich, dah der Anschluh Oester­reichs an daS Reich nicht Iwlechthin durch den Friedens vertrag verboten ist. Man weih, dah m Deutschland und Oesterreich darüber Klarheit besteht, dah deser Anschluß gegen den Willen Itai.ens und der Tschechoslowakei nicht durch­zusetzen ist Aber steht unbedingt fest, dah Ita­lien und die T'chechoflowakei immer und ewig gegen eine Verbindung Oesterreichs mit Deutsch­land sein mühten? Ausdrücklich sagen wir: die Tschechoslowakei, dem, die Kleine Entente im ganzen und in ihr (Jugoslawien und Rumänien, sind weniger an der österreichischen Frage und ihrer Erhaltung im jetzigen Zustand interesslert. Für di« Tschechoslowakei aber traf In der Rede des deutschen Rexhstagspräsidenten Löbe im be­sonderen der Hinweis auf eine sehr Wunde Stelle, dah. wenn die Staatsmänner der anderen Seite. Herr Denesch und seine Kollegen, auf die Dauer den Anschluß verbieten wollen. 1k? damit die Magna charta des eigenen Staates verletzen, der doch auf dem Selöstbestimmungsrecht der Ration beruht.

Richt heute und morgen wird diese Frage akut oder gar gelöst. Aber sie ist in Be­wegung. Zufällig, zum Gebrauch der Stur, treffen an chr interessierte Staatsmänner jetzt in Karlsbad zusammen, der deutsche Außenminister und der Präsident der Tschechoslowakei, deren Außenminister und der Außenminister Rumä­niens. Es ift keine politische Hochsaison in diesem Bade, das die genannten Männer alle für ihre Kur brauchen, aber sie sehen einander und sprechen einander. Dr. Benesch bat in Berlin 'Dr. Strese- mann nicht getroffen vnd nun sieht er ihn in Karlsbad. Die Herren werden Veranlassung haben und nehmen müssen, über die Frage: Mittel­und Südostcuropa miteinander zu sprechen, über die Wege einer konstruktiven ^iedenspolitik im Südosten, auf denen niemals Deutschland umgan­gen oder ignoriert werden kann, auf denen m i t Deutschland unft In einer verständnisvollen Stellung zu Italien aber wohl Lösungen des Friedens, auch des Friedens der Rationalitäten, angebabnt werden können. Und es ist sehr gut, wenn hinter den Gesprächen der Staatsmänner immer steht die Erinnerung an die gewaltigen Voltsdemonstrationen die wir dieser Tage erlebt haben. Die politische Aktion wird sicherlich nicht durch Feste dieser Art dargestellt oder hergestellt. Aber die politische Aktion bedarf dieses Hinter­grundes. bedarf solcher Resonanz und dieses Aus-

Do und auch noch in manch anderer Hinsicht besser ausgerüstet, und auf der internationalen klimatologischen Tagung in DavoS im Iahre 1925 mit den brennenden Fragen der Klimato­logie des Hochgebirges bekannt gemacht, sollen nunmehr im August und September dieses Iah- reS die Versuche auf der Schatzalp. auf Wuottas Muraigl im Engadin (2500 Meter) und am Iunglraujoch (3357 Meter) fortgeführt werden. Dabei sollen auch noch VerfruAresultäte ver­wertet werden, die eine auffallend gleichmäßige Verteilung des Blutfarbstoffs auf die Ober­fläche von roten Blutkörperchen ergeben haben.

Als Auftakt für die Verfuche im Hochgebirge war hier in Gießen eine DersuchSsahr t mit Flugzeug auf die Höhe des Iungfrau- jochs geplant. Diese Fahrt konnte nicht lange dauern. war uns aber durch andere Ver­suche bekannt, daß die dlutbereitenden Organe über Reserven verfügen, die sie relativ rasch ata Reaktion aus die Verdüimnng der Luft oder auf erschwerte Atmung bin in die Blutbahn schicken können, so datz also auch bei kurzem Aufenthalt in größerer Höhe eine Blutverände­rung zu erwarten war. GS schien bedeutsam, sie mit der Reaktion au vergleichen, die wir später bei mehrtägigem «Aufenthalt auf dem Iung- fraufvch erwarten.

Durch Zuwendung von Mitteln der ® t e - steuer Hochschulgesellschaft und durch die Bemühung, n von Herrn Banidirektvr Grieß bauer kamen mir in die Lage, mit dem Flugzeug .tiismöve" der Deutschen Luft­hansa die Höhe von rund 3400 Meter zu erreichen und dort etwa 50 Minuten zu ver­weilen. Dieser Flug fand am Sonntag. 15. Iuli. statt. .

Bei einer Vorbesprechung mil bau Lecker der Franksurter Zweigstelle der Lufthansa. Herrn Hauptmann Felmv. am Freitag, 13. 3uH, ergab sich, daß die bestehende gute Weckerlage auSgenüht und der Flug so bald wie möglich unternommen werden sollte. Rasch enllchlosiLi wir unS und setzten den Flug auf Sonntag. 15. Iuli fest, je nach den Luftverhältnissen sollte er morgen» oder mittags statt finden

Wir benutzten den Samstag zur Vorbereitung der Blutunterfuchungen Bei diesen muß das Blut genau 100- b^w. 200-fach verdünnt wer­den, oder, wenn eS unverdünnt zur Unter­suchung gelangen soll, muß die Gerinnung Deä BluteS verhindert werden. Die Kölbchen, welche das verdünnte oder unverdünnte Blut aufzu­nehmen hatten, und die Pipetten, in welchen die Verdünnung vvrgenommen wurde, mutzten to befestigt werden, daß sie bei den Bewegungen des Flugzeugs nicht Schaden litten. Wir hatten w dem Zweck schon besondere Standvorrichlungen bctgcfrcllt. die sich sehr gut bewährt haben.

In dem Flugzeug, das sechs Personen cm- schließlich Pilot Platz gewährt, mußten zwei cir-rläne treggenommen und durch einen 5f- pertmentiertisch ersetzt werden. Dazu war eine Tischplatte vorbereitet und uns von der Luft­hansa '-gesandt worden. Bor der Tischplatte sollten zwei Untersucher, die zugleich Verfuchs-

drucks des Willen» großer Mas en und Scharen, die In einem bestimmten Ziele eins sind in der Einheit ihrer Ration und im Willen zur Freiheit dieser Action. Ginsrmals ist aus der Stimmung solcher Feste, über die die sogenannten Realpoli­tiker lächelten, de gewaltige Welle geworden, auf der Bismarck daS Schlls des Reichs in den Hafen steuern konnte Unft Bismarck hat solch« Imponderabilien nie gering geschäht Sr hat siebenutzt. So toll auch der deutsche Staats­mann. trenn er in Karlsbad mit den Politikern des Südvsten» lufammcnfommt. den Mut haben, Hinz uweisen auf diese Strö­mung, auf diesen Willen, auf das Elementare und auf die Dauer nicht Aufzubaltmte um da­durch sich und seinen Gedanken ein Schwergewicht au verschallen, das ihnen bei den anderen Rach­druck verleiht.

BiSmarck der Rome kam uns von selbst in die Feder, der unsterbliche Rame. dessen Träger

jetzt genau vor einem Menschenalter von uns ging. Tot? Vergangen. Vergällen? Wir brauchen fcin Wort darüber zu verlieren, wie lebendig er heute ift. von Liebe und Sehnsucht Wehmut und Willen gesucht und getragen und auch noch vielleicht das stärkste Zeichen des Lebens!

von Feindschaft. Atarciguna. Kritik, ja Haß ver­folgt! Lind sein Wert, fein Reich? Furchtbar ist es niederg.stürck haben seine tiri'le.izformen sich ge- wändett. Ader die am 18. 3atuiai von Bismarck begründete Schicksaiscerbundenl^eit der deutschen Ration im Gleich hat die Probe, die schwerstc. bestanden, blieb erhalten und zusammen als Kern und Rahmen und Grundlage für alles fernere staatliche Sein. Begreift man wirklich nicht, am 30. Todestage deS Reichsgründer«, den tiefen geschichtlichen und den Zukunstssinn zugleich, der Forderung, den Gründungstag des Bismarck-Reichs, den 18. Ianuar zum nationalen Feiertag heute zu erheben?

Quer durch Albanien.

Von unserem L dl -Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten. Tirana. Iuli 1928.

Der Seewey über Italien und Durazzo oder Dalona wtrd wohl noch lange der einzige Zugang nach Albanien bleiben, denn ee ift nicht Strafte leicht, von der Sanft,eite her. durch Jugoslawien oder Griechenland bi» in diesen Winkel Europas vorzudringen. Ich begegnete im Laufe meiner Reise in Pogradey zwei deutschen Touristen, die über Monastir nach Albanien hereingekommen waren, aber man muß schon eine ziemliche Ausdauer besitzen und besonders gut zu Fuße sein, um diese Tour aushalten zu können. Ich jedensallv nahm meinen Weg über Bari, von wo man mit einem früher österreichi­schen Dampfer in einer Rächt nach Durazzo kommen kann. Durazzo selbst hat keinen Hasen Man ist gerade Dabei, einen zu bauen. Aber nach dem gegenwärtigen Stand der Arbeiten Dürfte noch manches Iahr Vorbeigehen, bevor ein Schiss in diesem Hasen ankern kann. Zwischen den Unternehmern und Den Pächtern gibt eS dauernden Streit und augenblicklich ruhen die talenarbeiten ebenso wie Die Arbeiten an Der isenbohnstrecke. die Durazzo mit Tirana ver­binden und dann quer durch Albanien den An­schluß an die Bahn von Monastir nach Saloniki finden soll, um damit daS kleine Albanien an daS kontinentale Eisenbahnnetz heranzubringen

Unfer Schiss wirst also einige Kilo­meter von der Küste Anker und nun fühlen wir uns schon vor Durazzo mit­ten im Orient. Gs geht alles hübsch lang­sam. über eine Stunde warten wir auf das Boot. daS un8 an Land bringen soll. Aber schließlich sind wir Drüben. Die Paß- und Zollformalitäten spielen sich in einfacher und patriarchalischer Form ab Wir kommen in eine Baracke, wo em Beamter in schöner Uniform und mit schwarzem

auf dem Kopf würdig unsere Pässe betrachtet und mit allerlei Stempeln versiebt Heber Hau­sen von Eisenbahnschienen, über Bretter. Zement­blöcke und anderes Baumaterial krabbelt man Dann in eine andere Baracke, wo ein junger Mensch geheimnisvolle Zeichen auf das Gepäck malt, das man vorsorglich auf einer ®dc DeS

Personen waren, Platz nehmen. Rach vorne, außerhalb der Kabine, befand sich der Sitz des Piloten, ein Platz daneben blieb frei. Roch am Samstagabend wurden die gesamten Appa­rate nach dem Flughafen transportiert und tn einem freundlichst zur Verfügung gestellten Raum aufgebaut.

Am Sonntag bald nach 8 Alhr trafen wir im Flughafen ein. Herr Dr. Co Hab. der mit mir die Fahrt mitmachen sollte. Fräulein TT ü Iber gor und Fräulein Schmoll, die uns bei Den Alntersuchungen unterstützen sollten. Die Alntersuchung war derart gedacht, daß kurz vor dem Flug im Flughafen, nach Ankunft auf der Höhe von 3400 Meter, 50 Minuten nach weiterem Verweilen daselbst und unmittelbar nach der Rückkehr zum Flughafen daS Blut ent­zogen und für die Untersuchung vorbereitet wer­den sollte.

Der Anstieg sollte, um den blutbereitenden Or­ganen Zeit für die Reaktion zu lassen, nicht zu rasch vor sich gehen, vielmehr etwa 25 Minuten dauern, ebcrtfolang? der Abstieg. und 50 Minuten wollten wir oben, im garnen also 100 Flugmi­nuten. in der Luft verweilen. (Sine getridc Be­schränkung war der erheblichen Kosten wegen

Der 5lug ist programmgßig verlaufen Roch während wir Die Vorbereitungen für die erste Blutcntziehung im Flughafen trafen, landete daS Flugzeug von 'ranffurt kommend und von dem sehr bewährten Piloten der IunkerSwerke. Herrn Arthur S. B re Mer, gesteuert. Hern Brev­ier hat schon mehrfach Flugzeuge in große Höhen, sogar bis zu 8000 Bieter geführt, und zwar in verschiedenen Erdteilen, in den füftameri- konischen Anden, in Bolivien, in Kleinasien. Afghanistan. Persien und Indien DaS Flug­zeug. die Ltamöve. Ligentiun der Deutschen Luft- yanla Berlin, von den Iun'ecswerlen 1924 ganz aus Metall her gefüllt, hat 1350 Kilogramm Eigengewicht, Der Motor entwickelt 280 Ps.

Der Pilot hielt es nach dm Wettermeldungen für am besten, wenn wir in etwa einer Stunde, gegen 10 llbr. auf steigen: den Dement­sprechend ttaren wir unsere Borbereitimgen. Kurz vor 10 Uhr wurde aut einem Tragbrett die ganze Apparatur in daS Flugz-Tug ge­schafft, auf der schon eingebauten Tllchplatie ver­staut. worauf wir Platz nahmen und uns Punkt 10 Uhr in die Luft erhoben.

Ietzt erst begannen wir mit dm Vorberei­tungen zur zweiten Blutenlziehuna, waS sich als richtig erwies, denn beim Abflug hnben erhebliche Erschütterungen statt, welche den ge­füllten Trögch-en gefährlich werden können. Mit aller Evrgfclt konnten wir während des Auf­stiegs arbeiten, das Flugzeug lag ruhig in der Luft, ein Absacken tarn kaum vor. Den ZurücDleibendrn entschwand das Flugzeug bald enta den Augen, hörbar war aber immer wieder das Propellergeräufch Leider konnten wir Den Blick immer nur zeitweise auf die Erde ruhten, es war ein hcrrllcycr Ausblick, der sich uns bot Städte und Dörfer -- toir kreuzten zwischen Marburg. Wetzlar und Gießen wurden immer

TischeS geöffnet hat. dellen I'.chall nby gar nicht untersucht wird Roch ein scharfer Buck auf Die Gesichter der Reuankömmlinge und wir können unS frei tn Albanien bewegen.

Durazzo. daS alte Dhrrachium. hat einjt bellete Tage geicften 6» war Die Residenz deS Proton- lule der römischen Provinz Illyrien es spielte emc große Rolle in Venedigs großen Tagen, ata die feudale Republik der Kaufleute ihre Befestigungen schuf und Die Stadt zu einem Eckpfeiler ihrer Herrschaft in der Adria machte Ietzt ist Durazzo ein orientalisch aus setzender Flecken, mit krummen, stinkenden und schlecht ge pslasterten Gäßchen DaS einzige nette HauS der ganzen Sladi ist die Villa deS Präsidenten Der albanischen Republik. Achmed Zogu. Die auf einem Hügel weit über daS Meer schaut. Zwischen ihr und Dem Ort liegen Die Ruinen die letzten Spuren der venezianischen Herrlichkeit time ganz ausgezeichnete Gyaufsee verbindet Durazzo mit Der Hauptstadt Tirana. 40 Kilomater fmh es bis dahin und man kann in einer knappen Stunde für die bescheidene Summe von 8 Mart per Automobil nach Tirana kommen. Der seltsam­sten Hauptstadt ganz Europas

Roch vor wenigen Iahren kannte ich Tirana als kleines orientalisches Rest von 5000 tiinwoh- nem, mil ungepflasicrten Sttaßen. in denen Bäche rieselten. Tatsächlich besitzt Mtzanien eigent­lich nur zwei Städte die diesen Ramen verdienen: Skutari im Rorden und Koriha im Saften, aber beide liegen zu nahe an Der Grenze. Mit Durazgo ist für die Albaner die Erinnerung an die Tage der Herrschaft des Prinzen von Wied verbunden, und so wählte man. als sich Albanien gegen den Willen seiner Rachbam und nach Nenig rubrnlichen Umwälzimgen zur selbständigen Re­publik erklärte, eben Tirana als Hauptstadt Diese Hauptstadt aber mußte angefangen von den Straßen bis zu den Häusern erst einmal ge­baut werden. GS gab dort kein einziges Hotel, fein einziges europäisches HauS. Man muß an­erkennen daß im Laufe der letzten vier bis fünf Iahre allerhand geleistet wurde. Man hat zwei oder Drei breite schöne Sttaßen angelegt einige Häuser oder vielmehr Dillen wurden gebaut, u. a.

zierlicher wie Kinderspielzeug. Der Himmel über unS wurde, da wir bei 1500 bi- 1700 Meter Die Dunstfchicht unter uns liehen. Immer blauer. Allmählich sank die Temperatur immer tiefer. Wir sahen, wie der Pilot, der tüchtig em ge­mummt war, während wir Touristenanzuge tru­gen, die Hände abwechselnd schüttelte, ging doch bei ihm draußen die Temperatur auf schließlich 1 Grad TelliuS herunter. Zettel, die hinaus und hereingereicht wurden. Dienten der Verständi­gung. Durch Regulierung mit Hilfe der beweg­lichen Fenster der Kabine konnten ivir eS er­reichen, dah in ihr hie Temperatur nicht unter 17 Grad LelfiuS sank, was für eine einwandfreie Blutentziehung nötig war.

Rachdem die erste BIutcntAiefcung und Ab­messung in 3400 Bieter Höh: erledigt war, kreuzten wir in gleicher Höhe weiter und ge­nossen nun einige Zeit die herrliche Fahrt. Unter unS lag gerade Marburg, der Bahnhof leicht zu erkennen, das Bank» der Lahn durch die Landschaft gezogen. 'Bald darauf schwebten wir über Gleiberg und Vetzberg, Die sich von oben fo bithfd' präsentieren Dann sahen wir Gießen rmter unS liegen, das einen besonders geschlof­fenen Anblick gewährt, die Altstadt, von An­lagen umkränzt. Bald fand das Auge, von der wetthin leuchtenden Gailfchen Tongrube aus­gehend. das Physiologische Institut, dem ein Gruß zugesandt wurde. Wert ausgedehnt lag der etafttro-lft und ftrr Krofdorser Forst unter unS. Lange konnten wir uns der Betrachtung der rasch wechselnden anmutigen Bilder nicht hin- aebrn. c» galt, die Vorbereitung für Die Dritte. Blutentziehung zu treffen. Auch diele gelang ohne besondere Schwierigkeiten.

Um 11.20 Uhr verliehen wir ungern die höheren Regionen, die bei mir nur eure gewiss« Kurzatmigkeit her vorriefen, meinen Mitarbeiter aber in keiner Weise, wa>> die Atmung betnift. beeinfluvten. Der Abst icg machte sich im Ohr bemerkbar, wir mußten öfters schlucken, um dies­seits und jenseits des Trommelfells Druckaus­gleich zu erzielen. Die Temperatur stieg wieder und ata wir unS vom Philosophenwald her Dem Flugplatz näherten, nahmen wir die Kölbchen mit dem Blut federnd in Die Hand, um den S ioh beim Aus setzen auf die Erde zu parieren. Um 11,45 Uhr war der herrliche Flug zu Snde, genau 105 Minuten hatte er gedauert.

Roch aalt es. im Flughafen die vierte und letzte Btutentziehung vorzunehmen, dann erst konnten ton an unS selbst denken und etwas genießen, was nötig war. denn wir waren nüch­tern g blieben, um die Blutzusammensewllmg nicht durch Derdauurrgsprodukt: zu stören. Rach dem Essen wurde die gesamte Apparatur inS Phy­siologische Institut geschafft und dort sofort mit den Untersuchungen begonnen, die zeigten, dah daS Blut leibst bei dem kurzen Aufenthalt in großer Höhe schon bei mir, weniger, bei meinem Mitarbeiter, eine Veränderung erfahren hatte.

Es gilt nun, diesen Versuch in Vergleich zu setzen zu dem, der in gleicher Höhe auf Dem Iungsraujoch durchgeführt wtrb.