Nr. Zweiter Blaff
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbcrhessen)
Mittwoch, 27. Juni <928
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Verschiedenes]
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Chinas wahres Gesicht.
Das alte und das neue (khina. — Die Diktatur der Generale. — Hinter den Kulissen des Bürgerkriegs. Wie man Gouverneur wird. — Der Krieg ein Geschäft.
Don Otto Landgraf
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Der ‘Berf öfter. her eben erst von einer Steife um bk Welt zurückgekehrt ist unb lich noch während bet letzten Phase brt chinesischen IBürgei(n<grt in Peking unb Mukden aulbicii, schildert bie 3u- stände in China auftergewöhnlich pessi- mifttsch unb entwirft vom chinelischen Volk ein nicht gerabe schmeichelhaftes. vom üblichen Klischee in vielem stark abweichendes Bild. Dir möchten bie interessanten Aus- lossungen bei Verfasser« unteren Lesern nicht vorenthalten, obwohl uns manches *u schwarz gef.frm erscheint.
Die Betrachtungen In bar Presse über China unb seine .nationalen Kämpfe" entspringen ban echt beutschen Bestreben, jeder sremben Nation ober Rasse Respekt entaegenzubringen unb hinter ihren Streitereien erhobene Motive zu vermuten. Rur so erflärcn sich tiesschürsenbe Abhandlungen über bie .nationale Vleichbevechtiaung Chinas' ober bte .nationalen 3beate der Chinesen . wobei unentwegt basür eingetreten wirb, bah bie .jeden Chinesen tief verletzenden Ausnahmerechte ber Sremben“ aushören Dieselben Utopisten behaupten bann auch beglückt, bie Deutschen in China würben von ben Chinesen stürmisch geliebt, weil ihnen durch ben Vertrag von Versailles diese Ausnahrnerechte genommen wurden. Dir haben in beutschen Kreisen in China immer gewünscht, ein solcher deutscher Stiebendengel käme einmal in die Gewalt eines chinesischen Richters, wie es mehreren Deutschen schon wledersohren ist, er würde bann urplötzlich den Wert der geschmähten AuSnahmcrechte erkennen unb sie auch für die Deutschen fordern.
3m Rachstehcndcn sei nun versucht, die Dinge in China einmal ungeschminkt fo zu schildern, wie sie wirklich liegen. Verhindere ich damit, dast auch nur ein Deutscher weniger nach China auswandert oder bah ein deutsch^ Mädchen weniger eine Che mit einem Chinesen eingebt. so habe ich nicht umsonst geschrieben.
Das China von ehedem, das kaiserliche, wurde von Peking aus immerhin noch einigermaßen regiert, feine Provinzbehörben folgten den Befehlen der Zentralgewalt, seine Mandarinen erwarben ihren Rana aus Grund langjähriger Studien und vieler ttjamina, nicht durch brutale Gewalt oder Parteiklüngel. Sie stellten eine Geisteselite dar, bie ihren Stolz in der Pflege der altchincsischen Kultur sah. wenngleich ihr meistens da« Verständnis für bie Sorbenmgen der neuen Zeit fehlte, die so urplötzlich über das merrv old China hereingebrochen war. DaS Dak- schischsystem wurde damals nicht so schlimm empfunden. es beschränkte sich auf die .landesüblichen" zehn Prozent, bie jeder Mandarin verlangte. imfr B ihm gern zubilligte, da ja seine legitimen Einkünfte meist nur auf dem Papier ftanN-n.
Das China von heute kennt mir bie nackte Gewalt, wie sie von Uf urpatoren au-geübt wird, die von ber alten Kultur Chinas nicht- mehr aufzuweifen vermögen. 3m Volte aber wurzelt noch der Respekt vor jener entschwundenen Geistesbildung der höheren Kasten, daher kann auch ein Tschangtsolin für fein Streben nach der Kaiferwürde kaum jemals einen Resonnanz- boben im Volke finden, da- chm fein Parvenütum nicht vergibt. Viel eher würde man feine Vergangenheit al- Räuberhauppnann vergessen.
Denn wir R o r d ch i n a betrachten — wo immerhin noch die weitaus gröbere Orbnuna waltet und wo insbesondere der Ausländer noch ruhig leben kann — so befehligte dort bis in die letzten Tage ber Tsckungufe Tschangtso- lin als Diktator, der sich in ber Mandschurei mit eifern er Saust Respekt verschafft und vor
Aus neuen Erinnerungen an Rille
Die in ihrer Eigenart so ergreifende Pev- sönlichteit des proben Lyriker# Rainer Maria Rille, bte uns fetzt nach seinem Tode in immer reineren Umrissen entgegen tritt, wird und durch ferne andere Veröffentlichung so nahe gebracht, wie durch die mit Briefen de- Dichters untermischten (Jriftnerungcix. die soeben Lou An- dteas-SalomH, die seine Psychologin und einstige Freundin DietzfcheS auf Grund einer nahezu drei 3ahrzehnle langen Freundschaft unter ben Titel .Rainer Maria Rilke" im Insel-Verlag zu Leipzig herausgibt. (289). Sie erklärt das Schwankende unb Unsichere seiner Entwicklung aus seiner zarten Gesundheit, die ihn sich scheu vor dem Leben verschliefen lieft. .Sr war wie jemand," schreibt sie, ..der in beiden Händen, vorsichtig unb ehrfürchtig, ein kostbares Gesäft trägt und vermeidet, was es schwanken machen, dran stoften kann: denn von auften her könnte dergleichen ohne fein Zutun geschehene nach auften ist er ungesichert. Genauer ausgedrückt: er ist es letzten Endes in feiner Körperlichkeit — in dem Geschehen, das sich, unabreiftlich, als letzte- Ruhen ihn selbst cin- destet, fest haftet an ihm, auf keinerlei Weise sich restlos in- innige unb innerliche Erlebnis aus heben läftt SS tfl fein Zweifel, dah ihm die Befürchtungen, bezogen auf fein leibliches Bedürsnis. immer zu schwer zu schaffen machten, .ich werde ohnehin bald zu liegen kommen — fei s Herz oder Lunge," war eine seiner frühesten Qfcuftenmgcn an mich obgleich er. und anscheinend durchaus mit Recht, für völlig gesund galt." 3n dieser zarten Körperhülle aber lebte ein glühender, inbrünstiger Geist, der daS Geheimnis seiner überlegenen Wirkung auf andere erklärte.
.Hier binn ich bei dem, waS letztlich allein erklärt, wodurch von Rille eine solche Wirkung ausgehen konnte," schreibt die Verfasserin .Warum er, der so oft Ratlose. Klagende, so vielen Berater, Helfer, ja Führer erschien, ohne den eine ganze Gemeinde sich verwaist vorge- tümmen wäre und ftaÜbcraubL Das war weil, noch aus den Löchern unb Fetzen seiner eigenen Zerrissenheit, eine innere Grandiosität sich ent-
3ahresfeist seine Macht noch fast bis nach Ranting herangeschoben hatte Peking aber wurde fein Capua er umgab sich mit einem orientalischen Hofstaate, widmete sich seinem groben Harem unb der Opiumpfeife unb überlieft die Zügel der Regierung mehr und mehr seinen Satrapen, vor allem dem klugen, auf japanischer Kriegsakademie au*gcbUbclen 3 a n g j u : i n, leider aber auch Verbrechern vom Schlage dos brutalen Schantuntzaouverneurs Changtfung- chang. einem früheren Kuliführer von der Sisen- bahn.
3n S ü d ch i n a wird das brutale Vorgehen der Gouverneure etwas durch die Rücksichtnahme auf die Fremdenstädte aemästigt. während andererseits die meist in Amerika erzogene, unverschämt austretende junge .3ntelligenz", in Verbindung mit dem latenten Bolschewismus Moskauer Provenienz einen nationalen Chauvins sm uS entfacht. der eine immer gefährlichere Situation für die Ausländer schaffen wird.
Ob aber Süd. ob Tlorb: die Gewalt liegt m den fänden der Gouverneur-Generäle, die sich als unbeschränkte Herrscher über Leben und Tod gebärden, vor allem aber die Bevölkerung auf das schamloseste ausräubern. Der oben- erwähnte Gouverneur Changtsungchona von Schantung hat beispielsweise Zehntaufende von Familien zur Flucht nach der Mandschurei getrieben, da sie sich ander- vor seinen Erpressungen unb Folterungen nicht mehr schützen konnten. So sieht das nationale Ideal dieser.Patrioten" au-, wenn sie zur Macht gelangen!
3ft nun im hohen Rate, sei es in Peking oder Banking, beschlossen worden. waS jede Provinz für ben heroischen Krieg um die höchsten Güter ber Ration aufzubringen hat. so besorgen die Gouverneure das Aussaugen der unglücklichen Bevölkerung so gründlich, baft dem Bauer wie Städter nur bleibt, waS er vor den Schergen dieser Blutsauger verbergen kann. Das Erpreßte, soweit eS nicht an den Händen der Unterorgane hängen bleibt, strömt in bie Kasse des Gouverneurs. der in aufopfernder Weise darüber verfügt: die Hauptsumme dient für die fürstliche Haushaltung des Gouverneurs und seiner Frauen, von denen die größten dieser Verbrecher dreiftig und mehr in ihrem Harem halten. Weitere gröbere Beträge dienen dem Ankauf von Ländereien und Häusern, die der vorsichtige Satrap gern in den sicheren Konzessionen der Fremdenstädte erwirbt. — dem Erwerb seltener Juwelen und Kuriositäten, vieler Auto- und abendländischen Kitsch-Komfort-, Der endlich verbleibende Rest wird mit Pomp und Trara in die KriegSkaste abgcliefert, wobei mir von zuverlässiger Seite — einem nordchinesischen General — versichert wurde, baft der erwähnte Schan- tunggouverneur von zehn Millionen Silberdollars. die er den chinesischen Banken und Handelsfirmen abgepreftt hatte, nur noch eine einzige Million herausgab. Den Rest hatte sein Haushalt verschlungen!
So fehlt eS zum Krieg führen hüben und drüben am Gelde, denn es kommt ja immer nur ein Bruchteil des Veranschlagten herein, ob auch die Bevölkerung tausendfach gequält und geplündert wird. Es wimmelt da von Steuern und Zollen aller Art. beim von Provinz zu Provinz werden Zwischenzölle erhoben, von aufrerorbent- lichen Auslagen auf Danken unb Firmen, au herbem werben einfach die Einnahmen auS den Bergwerken gewaltsam weggenommen unb die Erntevorräte gegen wertlose- Lokalgeld „auf- arfauft". Gröfter alS alle Einnahmen aber sind die Raubgelüste ber Gouverneure, in beten Taschen stet- ber Löwenanteil verschwindet, so baft die Kriegsfälle säst leer bleibt.
Man bezahlt daher einfach den Offizieren wie Mannschaften keinen Pfennig, sondern verweist sie —__■ blbfttc, die ermutigte unb hinrist. Richts wäre sälschenber und beirrender, al- sein Bild sich vorwiegend auS seinen Klagen, feinen Enttäuschungen an fich selber zu formen. Man muh dabei ständig vor Augen behalten, baft das, waS fein Wesen in dessen Stetigkeit und Tüchtigkeit am härtesten bedrängte, eben seines Wesens künstlerische Aufterorbentlichkeit war. Auch war fein Menschentum selbst, noch unter Abstrich des rein Dichterischen, in sehr groben Dimensionen Umrissen. Vor allem war eS .voll Geistes" — in einem geistvollen Durchdrungen- fein, daS Rille auch auf ganz obliegenben Gebieten zur Bedeutung hätte führen müssen. DaS äufterte sich überzeugend bereit- in frühen, beinahe noch Fnabenftaften Jahren, wo fein dichterisches Können noch hie und da in Gefühlsüberschwang aufflog. Wer ihn jemals eingehender sprach, muh den Eindruck davon erfahren haben. 3n ihm selber aber drückte eS sich al- eigenes Alngenügcn. alS ein Srkenntnishunger unb Wissensdrang erster Ordnung aus. Unb zwar war baS in ihm ebensowohl Antrieb zu exakten Bewältigungen ersehnter Spezialftudien wie .faustisch" angetrieben “ Dieses Uebertoiegen ber Geistigkeit über die Leiblichkeit hob ihn immer mehr über das Irdische hinaus unb wirkte sogar aus sein AeuftcreS ein. .In einer unbegreiflichen Weife erschien mir'S wenigstens fo und beunruhigte mich wie eine Bedrohung ber Zukunft," schreibt Frau Andreas-Salom4. .Seinem Antlitz fehlte fast bie Alterung, die natürliche, worauf die Jahre ein Recht geben, und bie nicht nur Verfall, sondern Inschrift ist, aber an Stelle dessen hatten seine Züge aufge» hört, ganz die feinen zu fein. Vergröbert und bang standen darüber die Augen, als wüftten sie, baft diesem Gesicht etwa- zugestoften sei, als Tragten sie, ob jemand, und wer. es sich widerrechtlich zugelegt habe. Rase. Mund. Kinn. Halsansatz, wurden fremder — wenn auch von so schwer saftllchem mit verständlichen Worten nicht zu reden ist und toerm es auch viele Stunden gab, die es völlig wieder verwischten. Wie er selber etwas Aehnliches durchempsand, er weist vielleicht ein kurzes Gespräch, das wir. nach längerer Trennung, vor vielen Jahren hatten Dir gedachten des llnrftanbti. baft ehemals. wenn er, je nach seiner inneren Verfassung
auf bte Quartiere im eigenen wie im eroberten Lande, wo daher diese uniformierten RowdieS — euvhemini'ch Soldaten genannt — wie Räuber Haufen. Während der Gouverneur beim Leute- schinden wenigstens noch Interesse daran hat. dah seine lieben Untertanen einigermasten am Leben bleiben, damit sie weiterzahlen können, kennt die Soldateska solch zarte -Xudticbtnabme nicht, sondern behandelt die unglücklichen Ein- wohner zwar nach Geschlecht. Alter und Wohl- stand etwas reddneben, alle zusammen aber sehr schlecht und ohne Rücksicht auf etwaige Lebensverkürzung.
Die Ausgabe eines jeden wackeren Chinesen in militärischer ober ziviler Stellung ist also, sich selbst bezahlt zu machen, ohne seinen Vorgesetzten unbequem zu werden, indem er sich nicht in dessen finanzielles Jagdgebiet verirrt Sonst must er seinen Raub avgeben und wird vielleicht geköpft, zuvor ein bi heben gefoltert 3eber bestiehlt ober erpreßt alfo seine schutzlosen Schützlinge nach Äräften: der kleine Offizier zahlt die Mannschastslöhnung nicht auS — wenn er sie überhaupt von oben bekommen hat Der Stabsoffizier führt eine mehrfach höhere Vagen- und Löhnungslifte, alS dem tatsächlichen Bestände entspricht. Der General unterschlägt bie Gelder für Ausrüstung unb Bewaffnung. der Armeekommandant aber geht gegen Bezahlung mit seinen ganzen Truppen zum Feinde über. Finden Paraden vor dem Generalissimus statt, so werden Taufende von Riksha-KuliS oder sonstigen Arbeitern für einen Tag in Uniform gesteckt unb als echte Helden dem geliebten Feldherrn vorgeführt. ber bann beruhigt zum opiumduftenden Palaste zurückfährt und dort im Kreise feiner Konkubinen von Siegen über seine Gegner und deren grausamster Hinrichtung träumt
Die Laufbahn eines Gouverneurs oder Generals ist etwa die folgende. heut« noch Küchenboy in einem Europäerhotel, ober Slrahenverkäufer ober Spelunkenwirt in einer Hafenstadt, kommt er morgen durch die Verwandtschaft — die in China alles gilt — vielleicht auch durch eine schöne Freundin, die einem Machthaber nahesteht, zu einem Offizier-Posten, wo er fofort zu ..fqueezen" beginnt. ..Squeeze" gleich quetschen, ist der landesübliche Ausdruck für jede Art von „Untertanenbebanblung", von der einfachen Schröpfung des ausländischen ßiefe- ranten bis zur Folter, mit der dem reichen Chinesen daS Geständnis feiner versteckten Schätze abgepreftt wird.
Hal der junge HÄd Glück, d. h.. wird er nicht vorzeitig verdrängt noch hingerichtet, so befehligt er eines Tages einen genügend groben Heer- Haufen, um mit ihm auf eigene Faust sich stabilisieren zu können. Er plüttdert bann Dörfer, Bahnstationen. Eisenbahnzüge, Banken, bis man gegen ihn Truppen entsendet. Ist er Stratege — wozu hlerzulanbe sehr wenig gehört — fo schlägt er diese und vermehrt damit seinen Ruf, ist er aber — wie fast jeder tSftinefe — oortoicgenb kaufmännisch begabt, so besticht er den gegnerischen Truppenführer und nimmt ihn samt seinen Soldaten in seinen Sold. Run wird er allmählich so grob, daft die Zentralgewalt mit ihm paktieren must. Sie gibt ihm einen hohen Rang in der Armee, dazu etwa eine Provinz, versucht ihn aber trotzdem gelegentlich umzubringen. Daher kommt er zum Five-o-dock-tea seines geliebten Dorgefetzten ober Landesvaters nur mit starker, bis an die Zähne bewaffneter Leibwache unb im Panzerauto, bis der Gastgeber einsieht, dast er bem Halunken so nicht beikommt. Dann genieftt ber Held allgemeine Verehrung, fein Harem wird der Reib aller Kenner, seine Tafel das Entzücken aller Gourmet-, feine Rache das Entsetzen aller, die nicht gern gefoltert und
bann langsam erdrosselt werden. Seine Weisheit lllstt ihn rechtzeitig feinen Wohnsitz nach sicheren Gegenden Hongkong. Singapore. Japan. Kalifornien — verlegen, wo er mit fernen ..ersqueezten" Dollarmillionen einen 'onnigen Cebentabenb genieftt unb sicher ist. baft kein Grab von frommen Söhnen traditionsgemäft gepflegt werden wirb.
Der es nicht fo weit bringt ahnt immerhin im Kleinen daS erhabene Beispiel der Hoden Herren nach, er erpresst Geld von allen, die ihm ausgekiesert sind. Er läftt sich insbesondere von ben Lieferanten der Behörden eine Abgabe zahlen, die neuerdings zwischen 10 und 35 Prozent schwankt und ohne die Überhaupt nichts bestellt wird. Gekauft wird daher — besonders von den Militärs — wahllos alle#, vom Unisormknopf biS zum Schieftplay von ber Srdtelephonie bis zur Patronensabrik. Der Zweck ist ja auch ganz nebensächlich, da das Gelieferte kaum jemals richtig Verwendung findet, es kommt nur darauf an. daft die ..Dezernenten" von oben biS unten ihr vorher genau vereinbartes ..Lquce-,e" bekommen Richtmilitärlfches wird seit Jahren so ziemlich überhaupt nicht bestellt, denn alles dreht sich um den ..nationalen“ Krieg, für alle anderen Ressort# des Staatshaushalt# — wenn man dielen Au#druck für die chinesischen Zustände überhaupt noch anwenden kann - - ist einsach kein Geld da. Sogar die zur Tilgung ber Anleihen abzuliefernden Einnahmen au# dem Salzmonopol werden einfach unterschlagen, trotz des Protestes der Mächte.
Ein deutsches Kolonialprogramm
Die Koloniale Reichsarbeitsgemeinschaft veranstaltete Im fiongreftlaal der Kölner Pressa eine Kolo- niale Kundgebung. Nach einer Begrüftunasansprache des Borsitzenden, Gouverneur a. D. Dr. Weitz hielt Regicrungsrat Zache (Weltwirtschaftsarchiv Hamburg) ein Referat über Wesen und Ziele der deutschen kolonialen Bewegung. 3m Anschluß hieran wurde ein „Allgemeines Deutsches Kolo- nialprogramm" verkündet, das von dem Boden der gegenroärtigen politischen und wirtschaftlichen Tatsachen aus die deutschen kolonialen Nechtsansprüchc und die deutschen kolonialen Notwendigkeiten entwickelt. Cs besagt u. a.: „Die gegen die frühere deutsche Kolonialpolitik erhobenen B e - schuldtgungen von Deutschlands Unfähigkeit zu kolonialer Betätigung dienten lediglich dazu, die Deutschland aufgezwungene Verzicht le ist ung auf feine Kolonien rechtlich und moralisch zu begründen. Nachdem die völlige Haltlosigkeit dieser Beschuldigungen einwandfrei erwiesen, find die Voraussetzungen für diese Verzichtleistung hinfällig geworden. Ab- gesehen von dieser veränderten Rechtslage ersteht Deutschland allein schon aus der Mitgliedschaft im Völkerbunde zum mindesten ein Rechtsanspruch auf Uebertragung der mandatarischen Verwaltung seiner Kolonien. Diese au» den gegenwärtig rechtskräftigen Verträgen sich ergebenden deutschen Rechtsansprüche zur Anerkennung und praktischen Geltung zu bringen, ist ein unuin- gängliches Erfordernis zur Erhaltung der nationalen Wirtschaft, der Erfüllung der internationalen Verträge und Wahrung des Weltfriedens, fo- wie der Verwirklichung Äner wahrhaften Zusammenarbeit der Völker an den gemeinsamen Aufgaben der Weltwirtschaft und Weltkullur. Deutsch- land kann nicht in alle Zukunft darauf verzichten, den aus der Heimat stetig abströ- menden Bevölkerungsüberfchust ber eigenen Wirtfchasts- und Kulturgemeinschaft zu erhalten. Daher ist die rechtzeitige Schaffung eigener großer Siedlungsgebiete in noch freien Crdräumen eine Pflicht der nationalen
als der Beschwingte oder als der Erloschene auf trat, wir diese Doppelung betitelt batten mit .Rainer" und mit „der Andere.' Als ich nun aufrichtig versicherte, mir käme der Eindruck von Zweicrler viel seltener, der des Eindeutigen viel öfter als damals, da blickte er mich unbeschreiblich gramvoll an; und nichts kann den Blick der groften Augen wiedergeben, noch auch den Ton der stillen Stimme, womit er stockend die Antwort bergab: .Ja. eindeutig —; bin eben — der . Andere."
Wie groß ist die Welt?
Don Professor Dr. Küstermann.
Nachdruck verboten.
GS Dingt immer ein biftchen komisch, wenn wir die paar tausend Jahre der Menschheitsgeschichte, die wir überblicken können, al# We11- geschichte bezeichnen, ober wenn wir einen kleinen Ausflug in andere Erdteile alS Weltreise anfeften; denn die Erde ist doch ein gar winziger Teil der Welt, fo winzig, daft es unendliche Schwierigkeiten macht, von den Llliputverhält- nissen unserer Heimat auS einen Maftstab für die Gröfte der wirllichen Welt zu gewinnen. Aber beinahe ebenso schwer fällt es. sich die Zahlen anschaulich vorzustellen, die die Wissenschaft mit größerer ober geringerer Sicherheit festgestellt hat.
Vielleicht gelingt dieS besser, wenn wir die nächste Zukunft oortoegneftmen und anneftmen wollen, ein Eifenbahnzug fahre 30 Meter in einer Sekunde, waS 108 Kilometer in der Stunde auSmacht. eine Zahl allo, die — wenn auch nur in Ausnahmefällen — jetzt schon erreicht wird. Wir haben dann eine sehr bequeme Rechnung. Das Licht nämlich, dellen Wege in bestimmten Zeiten durchweg als Maftstab für die Entfernungen im Weltall benutzt werden, legt etwa 300000 Kilometer in der Sekunde zurück. daS ist just zehmnilliorrenmal fo viel wie unser Schnellzug. Wir brauchen allo bloft die von den Sternkundigen ermittelten Lichtzellen mit 10 Millionen zu vervielfachen, bann haben wir die uns vertrauteren Eiseichahnzellen für bte himmlischen Sntferramgen.
Innerhalb unseres Sonnensystems sieht die Sache noch sehr hannlos auS. Von der Sonne bis zur Erde braucht daS Licht nämlich 8>', Minuten. unser Schnellzug allo etwa 83 Millionen Minuten da» sind rund ISO bi# HO Jahre Der äußerlte Wandelstern de» Sonnensystems, der Reptun, ist etwa 30maI so weit von der Sonne entfernt wie die Erde; ein Schnellzug von ber Sonne biS zu ihm braucht allo 5000 Jahre
Der nächste Fitstem ist gut vier Lichtjahre von der Sonne, oder ber Erde entfernt. Ein Ejsen- bahnzug würbe also die für und sehr schwer vorstellbare Zeit von 40 Millionen Jahren brauchen, bi» er endlich bei unferm lieben Freund unb Dachbarn angelangt ist; denn alS unfern Dachbarn können wir diesen Stern getrost bezeichnen, wenn wir bebenfen, baft so geringe Entfernungen unter ben Fixsternen die Ausnahme bilden.
Dun gehören wir zu einer gröberen Stemein- hell, nämlich der Milchstrabe, deren Ausdel)nuna mindestens 100000 Lichtjahre beträgt Unter Schnellzug würde etwa 1 Billion Jahre brauchen, um sie zu durchsausen. Dehmen wir an. eS gäbe auf der Erde 2000 Millionen Menschen. waS jedenfalls zu hoch gegriffen ist. und eS sollte einer nach dem andern Lokomotivführer auf unserer Reise fein, bie immer noch längst keine Weltreise wäre, fo mühte jeber von ihnen die Äleinigtcit von 500 Jahren Tag und Dacht aushalten. bis bas Reiseziel erreicht ist.
Tiber auch mit ber Milchstrafte ist bie Welt längst nicht zu Ende. Die sogenannten Spiralnebel. beren bekanntester der Andromedanebel ist. liegen jedenfalls aufterhalb. Wie viele solcher Gebilde unserem Fernrohr zugänglich firrt», kann man nur abschähen; es find jedenfalls Hunderttaufende. Und vom Andromedanebel wird ange- Twmmen, baft er etwa 1 Million Lichtjahre von uns entfernt fei, b. h. jeder Erdenbürger mühte nun schon 5000 Jahre auf ber Lokomotive auS- halten, wenn wir bis borthin kommen wollten. Aber mit aliebem haben wir nur den Teil ber 'Utelt besprochen, ber unseren Fernrohren zugänglich ist. vielleicht also nur einen feftr flehen Seil; aber wir hoffen, baft auch er schon dem nuftt gar zu unbescheidenen Leser groft genug erscheint!


