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Aus -er Pnwinzialhaupistadt.

Gießen, den 26. (Tunt 1928.

60 Zähre Gießener Typographia.

Am Samstagabend vereinigten sich die Mitglieder des Ortsvereins .Typographia' Gießen im Verbände der Deutschen Buchdrucker mit einer Leihe geladener Vaste im ^Saale des PH losophenwald-Aestaurants zur Feier des 60jährigen Bestehens des Gießener Ortsverc.ns der Buchdrucker. Die Veranstaltung hatte einen sehr stattlichen TrilnehmLrkrris zusammengeführt, dem der Vorsitzende des Ortsvereins. Maschinen­setzer W o u t a r d e . den Willkommengruß der Vereins Leitung entbot und im Anschluß daran ein Bild von den Zielen und dem Wirken des Vereins gab. um am Schluß seiner Ansprache allen denen Dank zu sagen, die der Herrichtung der Jubiläumsfeier förderlich gewesen sind. Em von Frl. G. Schneider gesprochener, von Hermann Elle verfaßter Prolog würdigte die Tätigkeit des Verbandes oer Deutschen Buch- drucker im Lahmen der deutschen VolkSgesamt- heit und das Wirken der Gießener Ortsgruppe im engeren Kreile des Gießener Bezirkes. Der Vorsitzende des Bezirksvereins Warburg im Ber- bande der Deutschen Buchdrucker. H. Weber, schilderte in einer längeren Lede in großen Zü­gen die Entwicklungsgeschichte des Verbandes und der Gießener Ortsgruppe und beider Tätigkeit im Interesse ihrer Mitglieder, wobei er tem Wunsche Ausdruck gab. daß der Gedanke des organisatorischen Zusavnnenfchlusses auch weiter­hin in den Reihen der Buchdrucker lebendig bleiben möge. Der Senior der Gießener Orts­gruppe, H. Belz, ein hochbetagter Herr, brachte sinne guten Wünsche für die Typographia in einem Hoch zum Wrsdruck. anschließend hielten folgende Herren BegrühungS- und Glückwunsch­ansprachen: We inert als Vertreter der Prin­zipalsorganisation. Stadtverordneter H a u b a ch als Vertreter des Gießener Ortsgewerbevereins, Traum vom Gauvorstand in Frankfurt a. M.. Vetter vom Ortsverein Wetzlar. Hankel für den Ortsverein Friedberg-Bad-Rauheim- Butzbach, Schneider für den Gesangverein ..Gutenberg" in Gießen, Bartmannn für den Maschinenmeisterverein des Bezirks Gießen. Steinmetz für den Bezirksverein Kassel, K r ix für den Bildungsverband Gießen, Ottilie für den Allgemeinrn Deutschen Dewerkschattsbund, B i l d e ck - Frankfurt a. M. für den Bezirk Frankfurt für Deutschlands Buchdrucker und Schriftgießer. Di« Ledner überbrachten der ..Typographia" zugleich Iubiläumsgefchenkc der verschiedensten Art, ferner ließ noch der Hilfs- arbriterverband in Gießen dem feiernden Ver­ein ein Geschenk zugehen, und eine Leihe ge­ladener. am Erscheinen aber verhinderter Per­sonen hatten ihre Glückwünsche schriftlich über­mittelt. Für 25jahrige Mitglied'chaft im Verbände der Deutschen Buchdrucker wurden folgende Herren geehrt: Ä. Bremer, O. Jahn, K. Körber. B. Wissel. Der ans Iüngern Gutenbergs bestehende GesangvereinGutenberg" unter der Leitung seines Dirigenten Ios. W u r z bu r g e r bereicherte den Abend durch den Vortrag meh­rerer Männerchöre, das Gießener illk-Trio brachte einige humoristische Gaben vor die interessierten Zuschauer, die Kapelle Meyer, Wiefeck, füllte die Feftstunden mit ihren in­strumentalen Darbietungen in schöner Weise aus. Die wohlgelungen« Jubiläumsfeier hielt ihre Teilnehmer bis zum Erwachen des jungen Tage« in bester Harmonie beisammen.

Gtadiv. Moosdorf Bürgermeisterlandidat von Vilbel.

Lin schwerer Konflikt.

DerBad-Lauheimer Zeitung" wird ans V i l- bel, 24. Iunt folgendes berichtet.

Mit einer Heftigkeit ohnegleichen sind die alten Gegensätze zwischen der Bürgerschaft und der Sozialdenrotratie bei den Verhandlungen über die bevorstehende Dürgermeisterwahl wieder auf- geflammt. Der Gemeinderat seht sich aus zehn ..Sozialdemokraten, neun Bürgerlichen und einem Kommunisten zusammen. In der letzten Gemein- deratssihung am Donnerstag legte Bürgermeister L c ch t h i e n, der noch vor äüebernahnr« seines Amtes als Kreisdirektor in Friedberg am 1. Iuli seinen Lachsolger mitwählen will, dem ^Plenum die List« der eingegangenen 122 Be­werbungsschreiben vor und erklärte, daß die

SitliitiOn M5d)löMi.

Roman von (kdqar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig.

40. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Er wandte sich um und verschwand furchtlos im Walde. Die beiden Riefen trabten in seiner Spur wie folgsame Hunde.

Kaum hatte der Wald sie verschluckt, da schnellte sich Eawler aus seinem Versteck empor. Die Zweige oer Bäume schlugen um ihn zusammen. Ihm nach tastete sich Dick mit gespannten Nerven.

Jede Deckung ausnutzend, mit allen Sinnen in die Wirklichkeit verstrickt, hatte er doch das Gefühl für Zeit und Raum verloren. Ihm war, als hatte er die Grenze überschritten, wo Alltagswelt und My­thologie sich begegnen. Mar der Mann, der vor ihm von Baum zu Baum sprang, wirklich Tom Eawler, seine« Zeichens Chauffeur, war er nicht einer jener Rachegeister, die sich an die Fersen des antiken Mörders hefteten und ihn sagten, bi» sie ihn er­eilten und erwürgten?

Dick wußte nicht, wohin di« Verfolgung führte. Al» die Stämme sich lichteten, glaubte er das Tal vor sich liegen zu sehen, aber er stieß auf eine Land- ftrafte.

Da hörte er plötzlich da« aufgeregte Surren eines Motors. Er stürzt« hinaus in» Freie, aber er kam schon zu spät, otaletti hatte sein Auto lange vor ihm erreicht und entfloh mit seinen Opfern. Aber ein anderer war schneller gewesen als er: Tom Eawler. Er hatte sich an den Wagen gehängt und machte die Fahrt als unsichtbarer Passagier mit.

Die Straße stieg plötzlich bergan. Dick, der ein guter Läufer auf weiten -strecken war, sah das Auto wieder vor sich, schwer belastet tarn es nur langsam vorwärts. 3n diesem Moment schwang sich Eawler über da« Verdeck.

Da» Auw war hinter der Anhöhe bereit» ver­schwunden, da hörte Dick einen Schrei be« Ent­setzen», der in ein Schmerzensgebrüll überging. Außer Atem erreichte er die Höhe. Vor ihm zur linsen Hand, lag der Sleinbruch, in seiner ganzen Tiefe mit Waller gefüllt. An dem iahen Absturz

Wahl des neuen Bürgermeisters bereits am Dienstag, 26. 3unt, stattfirrten mülle. Die 'bür­gerlichen verlangten einen Aufschub der Wahl, um aus der Liste einige Kandidaten ihrer Lichtung auszuwählen und diese au nominieren. Das lehnte die sozialdemokratische Mehrheit ohne weiteres ab, zumal auch der Bürgermeister er­klärte. daß nur ein SozialLemokrat die Geschicke Vilbels leiten könne. Bei der Abstimmung wurde dann als Tag der Wahl der nächste Dienstag bestimmt. Dafür stimmten die Sozialdemokraten und der Bürgermeister, dagegen Die Bürgerlichen; der Kommunist enthielt sich der Stimme. Lun- mehr richtete die bürgerliche Fraktion ein offenes Anlchrribon an den Bürgermeister, in dem sie ihm das schärfste Mißtrauen ausspricht und erklärt, niemals wieder an einer Gemeinderats- sihung leilzunehmen, der Bürgermeister Lech- rhien vorsteht. Die Wahl findet am nächsten Dienstag statt, dürfte aber keine Gültigkeit haben, da das Plenum infolge deS Fernbleibens der Bürgerlichen nicht beschlußfähig ist. Lach der hessischen Gemeindeordnung hat dann eine zweite Sitzung, die einige Tage später ftattfinM. ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden Be­schlußfähigkeit. Diele entscheidende Sitzung soll nun zwei Tage später, am 28. 3uni, stattsinden. Die Sozialdemokraten haben den Parteisekretär Moosdorf. Gießen, aufgestellt, der auch zweifellos gewählt wird.

Taten für Mittwoch, 27. Zuni.

Sonnenaufgang 3.45 Uhr, Sonnenuntergang 20.20 Uhr. Mondaufganq 14.45 Uhr, Monduntergang 0.50 Uhr.

1782: die ersten Schwaben au» Baden und Rur- mainz werden in der Bukowina angesiedelt, als Uebersiedler aus dem Banat: 1848: der Schrift­steller Heinrich Zschokke auf BlumenhalLe in der Schweiz gestorben (geboren 1771); 1856: Joseph Meyer, Gründer des Bibliographischen Instituts, in Hildburghausen gestorben (geboren 1796); 1880: Helen Keller, die blinde Schriftstellerin, die sich den Doktortitcl erwarb, in Puscanbia geboren; 1923: der Schriftsteller Paul Schreckenbach in Klitzschen bei Torgau gestorben (geboren 1866).

Giesieuer WochLnurarktpreise

Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170 bis 180; Matte 30 bte 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 12 bis 20; gelbe Lüben 30 bis 40; Spinat 25 bis 30; Römischkohl 15 bis 20; Bohnen 40 bis 50; Spar­gel 120 bis 130; Erbsen 45 bis 50; Wischgemüse 20; Tomaten 50 bis 110; Zwiebeln 18 bis 20: Rhabarber 15 bis 20; Kartoffeln 5 bis 6; Kir­schen 50 bis 70; Heidelbeeren 70; Stachelbeeren 30; Erdbeeren 60 bis 80; junge Hähne 100 bis 120; Suppenhühner 100 bis 120; das Stuck: Eier 12 bis 13; Blumenkohl 50 bis 100; Salat 5 bis 15; Salatgurken 30 bis 60; Ober-Kohlrabi 8 bis 15; Rettich 10 bis 20; das Bund: Radies­chen 10 bis 15 Pfennig.

*

** Evangelisch-kirchliche Persona- lien. Durch die Kirchenregierung wurden über­tragen: dem Pfarrer Paul Decker zu Schwanheim die zweite lutherische Pfarrstelle zu Groß-Umstadt, Dekanat Groß-Umstadt; dem Pfarrer O. Brandau zu Engelstadt die evangelische Pfarrstelle zu Rieder- Ingelheim, Dekanat Mainz; dem Pfarrer Gustav W e i ß g e r b e r zu Messel die evangelische Pfarr­stelle zu Bingenheim, Dekanat Ridda; dem Pfarrer Karl Werner zu Usenborn die evangelische Pfarr- stelle zu Rieder-Wöllstadt, Dekanat Rodheim; dem Pfarrer Paul Lenz zu Hitzkirchcn die evangelische Pfarrstellc zu Wohnbach, Dekanat Hungen.

" Fahrplanverbesserungenbeider Reichsbahn. Vorn 1. Juli ab halten die Pz. 1632 Köln Gießen, Köln ab 14.17, Gießen an 19.36, 1864 Mo. (Siegen)HaigerDillenburg, Haiger ab 5.51, Dillenburg an 6.01 und 1866 nur Sonntags (Siegen >Hai ger Di llenburg, Haiger ab 7.52, Dillenburg an 8.02, in Sechs- Helden.

Reueinteilung desDienstes beim Kreisveterinäramt Gießen. Wie das KreiSamt Gießen im Amtsverkündigungsblatt be­kanntgibt, ist der Dienst bei dem Kreisveterinär- amt Gießen mit sofortiger Wirkung bis auf wei­teres wie folgt neu eingeteilt worden: Gießen! (Veterinärrat Dr. M o n n a r d) die Gemein­den: TreiS, Ruttershausen mit Zriedelhausen, Mainzlar, Staufenberg, Saubringen mit Hei- bertshäuserhvf, Lollar, Annerod, Wiefeck, Stadt Gießen, Heuchelheim, Aliendorf a. d. Lahn, Klein- Linden, Grohen-Linden, Leihgestern, Lang-Göns,

führte die Straße vorbei. Auf der Straße fuhr das Auto, das führerlos ins Schlenkern geriet. Da ver­doppelten, vervielfachten sich die Schreie im Auto. Der Wagen kam jählings ms Gleiten, die Vorder­räder standen plötzlich in feerer Lust über dem Ab­grund. Eine Sekunde der Totenstille trennte die Schreie vom Krachen der Katastrophe. Da» Auto war in die Tiefe gesaust und hatte sich überschlagen. 3m nächsten Moment klatschte es mit voller Wucht ins Walser »nd verschwand in dem hoch aufgewir­belten Teich, der noch einen Atemzug vorher im friedlichen Glanze des vollen Mondes gelegen hatte.

30.

Mit einem kühnen Sprung setzte Dick dem Auto nach in die liefe. Vergebens suchte sein Fuß im rollenden Gestein einen Halt, aber feine Hand griff in ein« Stand« und hemmte den Sturz. Mehr glei­tend al» steigend landete er schließlich auf einem Vorsprung, der dicht über dem ®ah'erfpiegel hing. Da zerteilte sich die Flut, und eine triefende Gestalt schwamm ans Ufer.

Dick erkannte sofort, wen er vor sich hatte.

Tommy", rief er taut

Eawler starrte ihn an. Sein Gesicht hatte sich verzerrt. Er spie das verschluckte Wasser aus, und seine Brust hob sich in stöhnendem Schluchzen.

Dick packte ihn am Arm.

..Eawler, was ist Ihnen denn? Freuen Sie sich, daß Sie mit dem Leden davongekommen finb!"

Aber Eawler schrie auf, von furchtbarer Angst gefoltert:

Er ist tot! Er ist tot! Und ich wollt« ihn retten!" Wer ist tot?"

Mein Bruder ist tot mein armer Johnny! Oh, Mr. Martin, helfen Sie mir. Da« Auto liegt umgekippi im Wasser, und beide sind sie darunter einge­klemmt."

Dick besann sich nicht einen Augenblick. Er wars seine Jacke ab und watete in den See, während Tom ihm den Weg zeigte.

Da» Aura lag dicht unter der Oberstäche de» Was'ers. iber cs war nicht zu bewegen. Tief in den lehmigen Boden gewühlt, von eurem ooriprin- äenden 5elfen eingeklemmt, gehörten ganz andere Äräftc dazu, es zu heben.

W atzen born-Stemöerg. Grüningen. Holzheim. Dvrf-Gill. Eberstadt. Ober-Hörgern. Gie­ßen kl (Veterinärrat Dr. t ein) die Ge­meinden: Alten-Duseck. Grohen-Duseck. Trohe. Rödgen. Beuern, Reiskirchen, Burkhardsfelden. Oppenrod, Albach. Steinbach. Hausen, Garben­teich mit Kreisabdeckerei, Lich, Langsdorf, Bet­tenhausen, Birklar, Muschenheim. Hos-Gull, Hungen, Inheiden. Bellersheim. Obbornhofen, lltphe. Trais-Horloff. Steinheim, Rodheim, Ra- bertshaule.'.. Langd, Villingen, Bersrod, Ron- nenroth unb Hattenrod. Grünberg (De- terinärrat Dr. Martin) Oie Gemeinden: Grüu- berg. Göbelnrod. Saafeiu Reinhardshain, Bel­tershain. Lumda. Weitershain. Geilshausen. Keslelbach, Londorf, AÜendorf an der Lumda, Rüvdingshausen. Stangenrod, Weickartshain, Queckbom, Lauter. Ober-Bessingen. Rieder- Bessingen. Röthges. Münster. Ettingshausen. Harbach. Lindenftruth und Winnerod.

Sonnenwendseier unserer evan­gelischen Jugendvereinigungen. 3ni 'Verein mit der evangelischen Zugendvereinigung von .'«lein-Linden begingen am Samstagabend unsere Gießener Zugendvereinigungen die Feier der Sonnenwende. Fleißige Hände der Stiem- Lindener Jugend hatten im Laufe des Samstag- nachmittag einen riesigen Holzstoß am Wäldchen bei Allendorf a. d. L. für das Sonnenwendfeuer aufgerichtrt. Dorthinaus zogen am Abend die Burschen und Mädchen der evang. Zugendver- cinigimgcn unserer Kirchengemeinden und die Zug end der Wartburggemeinde wohl mehrere Hundert mögen es gewesen sein, begleitet von vielen Eltern und sonstigen Erwachsenen unter Führung von Pfarrer D o tz e r t, um sich in der nächtlichen Stille um das Feuer zu scharen. Während die Flammen gen Himmel loderten, wurde die Feier mit dem Lied , Flamme empor" eröffnet. Sodann hielt der Ortsgeistliche von Klein-Linden, Pfarrer Göbel, die Feuer- rede. Er sprach davon, wie im Laufe der Ge­schichte viele solcher Feuer entfacht worden seien, oft aber auch tm Kampfe gegen den Protestantis­mus. Auch der versammelten Jugend solle das Feuer ein Mahner fein, für Ehristus zu kämpfen. Rach einem gemeinsam gesungenen Lied und einem Ehorli^ der Kirin-Lindener Mädchen fand unter Hersagung von Feuersprüchen das Feuerspringen statt. Mit Gebet uni> einem Abendlied fand die Feier ihr Ende.

Vortrag im Englischen Seminar. Der englische Vortragsabend, den Frl. Evelyn Heepe aus London am Freitag auf Einladung des Englischen Seminars der Landesuniversität in der Reuen Aula der Universität veranstaltete, hatte sich eineS regen Zuspruchs zu erfreuen, an dem besonders die Schüler und Schülerinnen der Höheren Schulen unserer Stadt beteiligt waren. Die Vortragende verstand es. in klarer, deut­licher Aussprache und mit dramattschen Akzenten ihrer Zuhörerschaft das fremde Idiom nahezu- bringen und in einer abwechselnngsreichen Aus­wahl, in der ernste und heitere Stücke, klassische und moderne englische Autoren verirrten waren, ein lebendiges Bild des englischen Deklamattons- und Konrersationsstiles zu vermitteln. Aus der Fülle des Programms sei hervorgehvben die ein­drucksvolle Wiedergabe der großen Monolog­szene aus .Hamlet', die prächtigen Klangmale­reien von E. A. PoerThe BellS" und zwei heitere Stücke von Kipling unb Rooke.

* Die Regelung deutscher An­sprüche an Italien. Von zuständiger Stelle wird mt (geteilt: Reichsdeutsche Eigentümer be­schlagnahmter Güter in den neuen italienischen Provinzen, oder reichsdeustche Gläubiger von fequeftierten Forderungen gegen Schuldner in diesen Provinzen werden erneut aufgefordert, falls sie bisher ihre Anträge auf vergleichsweise Regelung noch nicht bei den zuständigen italieni­sch^ Behörden eingedracht haben, sich spätestens bis zum 1. August 1928 unter Beigabe etwaigen Beweismaterials unmittelbar an den deutschen Staatsvertt eter beim deutsch-italienischen Gemisch­ten Schiedsgericht in Rom, Dia Denti Settern- bre 11, zu wenden. Spätere Anttäge können nicht mehr berücksichtigt werden.

Oberheffen.

Landesausschuh des Hessischen Jtofen Kreuzes.

WSR. Darmstadt, 25. 3uni. Gestern hiel­ten der hessische Landesverein vom Roten Kreuz und der Alice-Irauen-

verein, die lich seit einer Reihe von Jahren zu einer Arbeitsgemeinschatt im Hessischen Roten Kreuz zusammengeschlossen haben, ihre dies­jährige .Hauptversammlung ab. Aus dem von Geh. Regierungsrat v. .z? a hn erstatteten Ge­schäftsbericht sei u. a. erwähnt, daß die Aus- bildungskurle für Helferinnen weiter abgehalten wurden. Die Mittelstandsfürsorge wurde mit den immerhin begrenzten Mitteln sortgeführi. Die Studentenhilse ermöglichte in jedem Semester, etwa 50 Studenten Unterstützungen und monat­lich 203 Freitische in Gasthäusern zu gewähren. Die Gesangeners. rsorge im besetzten Gebiet wurde ebenfalls sorrgrietzt, wobei die von einem Teil der Presse etbobenen Beanstandungen nach dem Bericht des Kreisvereins als ttnbcclegt erachtet werden konnten. 3m Kinderheim Bingen­heim wurden 122 Kinder je vier bis sechs Wochen ganz oder größtenteils umsonst auf» genommen. Auch die Bahnhofsmisiion hatte gute Erfolge zu verzeichnen. Die Ergänzungswahlen brachten neu in den Vorstand: Frau Sanitäts- rat Bachhold (Offenbach), Frau Kreisdirek­tor Reinhart (Bensheim). Frau Kveisdnek- tor Draubt (Alzey). Regierungsrat Walter (Dieburg) und Medizinalrat Baiser (Alsjeld). Mit einer regen Aussprache über stnr einzelnen Arbeitsgebiete schloß der Vorsitzende Geheimrat v. Hahn die Tagung.

Landkreis Giesien.

OO Klein. Linden. 25. Juni Unter großer Beteiliguirg der evang. Kttchengemeinde zogen gestern die Besucher unseres Kindergottes dienftes in den Bergwerkswald zu einer schönen Wa 1 dseier. Helle Freude strahlte aus den Augen der mit Blumenkränzen geschmückten Kinder, als sich der Zu^ unter Vorantritt des hiesigen Posawreitchores in Bewegung setzte. 3m schattigen Walde leitete der Ortsgei st liche die Frier mit einem Kindergottesdienst ein. der Po s aunencho r begleitete die gemrinschasttich gelungenen Lieder. Alsdann erfreuten sich die Kleinen unter Führung ihrer Helferinnen an Spiel und Reigen. Gegen Abend zog die frohe Schar unter den Klangen des Posaruvachores wieder ins Dorf zurück. Bei der heuttgen Versteigerung des Heu gras es der Ge­meindewiesen und einiger Privatwiesen wurden verhältnismäßig hohe Preise erzielt. Wiesen bester Qualität galt der Morgen (2500 Quadrat­meter) 60 bis 80 Mk.. nur Die Heuernte, nicht auch der Drunnnetertrag. Bei Wiesen mittlerer Qualität betrugen die Preise 50 bis 60 Mk. pro Morgen.

" Leihgestern, 25. 3uni. Am SamSta^« nachmittag fand hier durch den KreiSseuerwehir- Znspektor D i ck o r 6 - Gießen d:e Inspektion der Feuerwehr statt. Rach einer eingehenden Besichtigung der Feuerlöschgeräte ging die Frei­willige Feuerwehr zu einem Brandangrifs über. Von dem 1. Kommandanten der FreiwiüiciTN Feuerwehr Gg. Held war ein sehr schvieri b*< Objekt zur Brandidee ausgewählt. GS war eint Freude, zu sehen, mit welchem Schneid unb Energie die Wehr die schweren Ausgaben löste. Unter dem Kommando des 1. Kommandanten der Pslichtseuenvehr Karl Seipp war auch diese zu dem erwähnten Brarrdangriff hinzugezogen. Auch sie löste ihre Aufgabe zur allgemeinen Zufriedenheit. Bemerkenswert ist noch, daß di« Freiwillige Sanitätskolonne vorn Roten Kreuz Gießen eine Hebung mit der Inspektion verbunden hatte, die als glänzend zu f-ezeichnen war, und sogar der Wunsch geäuß-rt wurde, hier einen Zweigverein au gründen und diesen der FreiwUIigen Feuerwehr anzus<^ießen. Die Gemeinde Leihgestern kann stolz auf ihre junge, aber schlagfertige Wehr sein, deren Mtt- gliederzahl in stetem Aufwärtssteigen sich be­findet. Trotzdem die Heuernte in vollem Gange ist, war es sehr lobenswert, daß die gesamte Freiwillige Feuerwehr vollzählig zur Stelle war, ein Zeichen dafür, daß großes Interesse vor­handen ist. Rach Beendigung der Hebung sand sich die Wehr bei Kamerad Schröder zu einem Glas Bier zusammen.

Lich, 26. Inni. Der Licher Sommer- mar k t, einer der beliebtesten und besuchtesten Märkte unserer Stadt, der alljährlich am Tage nach dem Licher Zuaendsest, tm laufenden Jahre also am Montag, 16 Juli, stattfindet, wird in diesem Jahre wieder in hergebrachter Weise be­gangen. Außer dem üblichen Rindvieh-,Schwerne- und Krämermarkt ist Prämiierung von Hessischem Fleckvieh und Vogelsberger Vieh mit dem Markt I verbunden. Am gleichen Tage erfolgt auch die

Trotzdem gab Dick den Versuch noch nicht auf, Staletti« unglückliche Opfer zu bergen. Er tauchte mit Tom Eawler hinab, bekam auch einen der beiden Riesen zu fasten, aber der Arme war be- wußtlos ober tot; es war unmöglich, ihn unter dem Verdeck heroorzuziehen.

Schweren Herzens begab er sich ans Ufer zurück.

Als Tom Eawler sah, daß keine Hoffnung mehr war, warf er sich auf die Erde und rauft« schluch zend das Gras. Dazwischen stieß er halb erstickte öelbstanklagen hervor:

,^Hätt' ich den Schurken doch schon gestern getötet Herrgott hätf ich es doch getan al» ich meinen Bruder wiedererkannte!"

,Lhren Bruder?"

3a, Mr. Martin meinen unseligen Bruder! Ich sah ihn daherkommen ein Ungetüm, und ich wußte, er wollte mir ans Leben. Aber daß er mein Bruder war, das wußte ich nicht. Ich pack' den Schraubenschlüssel fester und spring' ihm auf den Racken und da" Tom Eawler hielt inne, ein Schluchzen erstickte seine Stimme, da fühle ich ein sonderbare» Hautläppchen, das er als st nabe schon gehabt und über das wir so nie! gescherzt hatten. Gan^ plötzlich kommt mir die Erleuchmng. Ich schreie: Johnm,. Da steht er ganz still wie versteinert unb lauscht. Ick» gleite auf den Boden, sehe ihm in» Gesicht und ruf ihn noch einmal beim Rainen. Da bricht er plötzlich in die Knie und wirft sich ins Gras und beult und heult rote ein verwundetes Tier. O mein Gott, o mein Gott es war Johnny, und otaletti hatte aus ihm einen Unhold gemacht, einen ©flauen, der automo- tisch jeden seiner Befehle ausführen muß einen Mörder, Mr. Martin, einen Mörder!"

Tom Eawler trommelte, rasend vor Schmerz, mit den Fäusten auf den Boden.

Df) dieser Teufel, dieser Staletti, ich ahnte es schon lange, daß er ein Unmensch war vor ein paar lagen habe ich ihn und Eody in seinem Studierzimmer belauscht. Da brüstete er sich (rech er sei Lew Pheeneps Mörder. Auch dazu hatte er fernen Sttaoen mißbraucht. Ei, Ar Hunde, denk' ich, euch werd' ich da» Handwerk legen, bald hab' ich euch alle in meiner Hand! Ob. ich Dummkopü Durchs Fenster hätte ich schießen losten, mitten hin­ein in sein tückische« schwarze» Vesichf"

(Fortfetzung folgt.)

Er wühlte die Stirn in den Boden.

Dann richtete er sich halb auf und drohte mit bet gebauten Faust über den Teich hin:

Du Satan! Du SatanT

Sa tan--Sa lan", wiederholt»

ein rollendes Echo.

Eawler horchte grimmig bem Echo nach, dann öffnete er feine Faust und starrte in sein« Hand.

Ein wahnwitziges Gelachter des Triumphs er­schütterte seinen Körper.

.Ein Gutes hat diese Diebeshand in ihrem Leben vollbracht", jagte er mit wilder Genugtuung.Eie hat dem Schuft die Schädeldecke zertrümmert! Ha­ben Sie ihn schreien gehört, Mr. Martin? Mit dem Schraubenschlüssel hab' ich ihn erschlagen, so wie er Eody von meinem Bruder erschlagen ließ!"

Wer von den beiden Unglücklichen war ihr Bru­der?" fragte Dick schaudernd.

Der Kahlgeschorene war e». Staletti rieb ihn immer mit Oel ein, benot er ihm den Befehl zum Töten gab. Er sollte schlüpfrig fein und geschmei­dig wie ein Aal!"

Und wer war der andere? Staletti hat ihn doch offenbar stets versteckt gehalten?"

Der andere--da» wissen Sie nicht?"

Ich ahne e» vielleicht", versetzte Dick mtt schwan­kender Stimme.

Staletti hatte guten Grund, ihn so versteckt tt hasten", sagte Tom Eawler, und seine Hände krampften sich zusammen.

Es war Lord Selford", stieß er faft schreiend hervor.

Und wieder antwortete das unheimlich« Echo: Sei ford--Sei forb!"

Tom Eawler» irrsinniges Gelächter übertönte e«.

Lord Selford Schloßh^rr. Großgrundbesitzer, vielfacher Millionär und hat nichts als ein paar Lumpen auf dem Leib und einen Schrank voll öfter Spiellachen!"

Dick sagte nichts. Er hatte seine beiden geballten Fauste auf die Stirn gepreßt und verdeckte die Augen. Was ist Erbe was ist Geschlecht was ist Ahnenstolz hallt« es durch seine Seele. Der ieyte Sproß eines großen Hause» endet trotz der Pracht feiner Glieder al» ein armer hilfloser Idiot!