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Nr. 14 7 Zweite? Blaff

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Montag, 25. Juni (928

Oie Einheit der deutschen Seele.

Don Dr. Willy Hellpach, Professor an der Universität Heidelberg, ebem. bad. Staatspräsidenten, M. d. X

Licht und Schalten, Glück und Verhängnis, Fluch und e#flfn liegen in allem Menschlichen dicht und urJMbor beieinander Dies eben deinen wir Tragik. Sie i|l auch dem deutschen Welln nicht erfport. dessen Fülle zugleich seine Schwache, teilen Reich- tum seine Armut ist. Den Dingen bi» in» Letzte hinein nachzugehen, jede, in seiner tiefsten Beton. Verheil ergründen zu wollen, dieser unaustilgbare Drang der deutschen Seele hat sie fähig gemacht, dem Mittelalter in ihrer Mystik und tlsrer Gonk, der neuen Zeit in ihrem Barock, ihrer *Bhilo,oph'e und ihrer Poesie höchste Vollendungen irdischer Schöpferkraft zu schenken. Aber das nämliche brachte uber uns die Bloubensspoltung, die duodezstnattichc Zersetzung, die ständige ,-serkaslung. Al» ob ihm die Metaphysik sein,» Leibniz diese» Mtt-Iitanen Io- honn Sebattian Bach» am Ausgang des großen Religionskriege», von jeher im Blute sähe, spürt der Deutsche immer wieder eine kleinste Welt für sich aus, ,ineMonade", die mit keiner nachbarlich n einen Zusammenhang will imb leider noch mit ihr nicht durch eine prastabiliert, Harmonie vereinigt ist, sondern durch prästabillerte Dissonanz sich von ihr abhebt. Ueberspitzung olle» Ethischen loht ihn im religio», politisch, wissenschaftlich Andersmeinen- den den grundsätzlichen Feind erblicken, der auch im PrivaUeben gemieden und geachtet wird: diese lieber- spitzung äußert sich In einem allzu zarten Wirklich­keitsgewissen, dos jeder Nuance Rechnung tragen will und von keinem ihm ebenbürtigen Wirklichkeits­sinn bedient wird. Del den Franzosen ist e», wie so vieles, genau umaekehrt: feinste Bot'ochtungsgabe liefert ihnen ein Material, dos bedenkenlos mit Allerweltsformeln gloltgehobelt und poliert wird. Unsere Unfähigkeit, Formeln zu finden, Hot uns erst da» letzte weltgeschichtliche Geschehen wieder ver­hängnisvoll bescheinigt

Darum blieb die ewige Gefahr dieser Nation ihr Auseinanderfallen. Sie wird nie völlig zu bannen sein. Aber sie hat sich gemildert: die» ist es, was uns hoffnungsvoller in die deutsche Zukunft schauen läßt! Die Deutschen liehen ihr Schicksal da; ganze Mittelalter hindurch vom Wechsel ihrer Maifer ge- stallen, abhangen, mit denen Große und Glanz, Sturz und Ohnmacht kamen und gingen Diese Lethargie, die damals abendländisches Gemeingut war, nahmen sie in die Neuzeit herüber und ver­trauten sich noch immer dem Zufall geborener Auto­ritäten, al» England und Frankreich in großen Re- volutionen sich da» zeitgemähe Maß volkstümlicher Selbstbestimmung schon erkämpft hotten Die Deut- schon ließen den Frciherrn vom Stein wirken und wirkungslos werden; sie nahmen Bismarck und sein Werk hin. Aber erst vor nicht langer Zeit sahen sie sich vor den Zwang gestellt, einmal selber für sich -u sorgen. Do» hoben sie sehr gut gemacht, ohne das Geschenk eine» Genius wuchsen tüchtige und verantworlung»bewußte Männer aus allen Schich­ten empor, und die Mosien blieben im Reich zu­sammen Hält man diese Leistung neben den wirt- schastlichen Aufschwung de» '^orkriegczeitalters, so muß man einräumen, daß die Deutschen alles kön­nen, auch was man ihnen früher nie zuoetraut bat; ihre Gefahr ist keineswegs das Nicht-Können, son- dem da» Nicht-Mögen. Und davor kann nur eine politische Erziehung sie behüten, welche ihnen keine Ruhe läßt, wieder cinzuschlasen. Daß die Deutschen nicht bloß ein Volk seien, mit dem sich Geschichte machen läßt, sondern daß fortan sie selber ihre Ge­schichte zu machen bereit sind und bleiben dies ist eine der wichtigsten Voraussetzungen jener Einheit ihrer Dolksseele, ohne die auf die Dauer keine ge schichlliche Nation bestehen kann.

Solche Erziehung kann mancherlei Bersahren wählen, aber ein königlick)es Instrument bedeutet für sie immer Die Sprache. Die Größe Frank­reichs und die Weltherrschaft der Angelsachsen grün­den sich nicht zuletzt auf den Sieg ihrer Einheit»- spräche dem auch der Kleinste in jenen Landen un­terworfen wird. Der kleinste Maire in einem Pro-

oinznest wirst, wenn es nottut. einen Ausruf auf» Papi.r, in dem Geist, Glanz und Pathos der fron- Zosiichen Hochsprache leuchten, und da» Englische schmilzt raich immer wieder alle noch so heterogenen Elemente in die nordomerikonische Ration ein. Der heutige Zustand der deutschen Sprache aber bedeutet eine der ernstesten Sorgen. Wir haben die Mund- orten zwar praktisch überwunden, im großen und ganzen verstehen sich alle Deutschen, so schattiert sie auch jene»Meihnerisch" reden, daß mit der Luther- bibel al» ..Hochdeutsch" den Sieg dooonlrug; aber jehochdeutscher" e» un» entgegen tri st, also vorzüg- lich al» eigentliche Schriftsprache, desto erschrecken- der ist es von einer auszehrenden Schwindsucht htimgesuchl, die stellenweise schon den Grad eine» tödlichen Dersall» erreicht hat. Der Vorgang gehört den letzten fünfzig Jahren an. Noch bis In bic achtziger Jahre hinein aab es ein klassisches Deutsch, das alle großen Schriftsteller schrieben und alle gro­ßen Redner sprachen, natürlich mit persönlicher Note, mochten es Denker. Dichter, Anwälte Par­lamentarier, Prediger, Lehrer fein. Es ist dos Deutsch Rankes, Gustav Freytags, Mommsens. Treitschkes, Simsons. Lollalles, de» jungen Nietzsche, das Deutsch von Helmholtz, Siemens und noch Friedrich Naumanns. Um die Jahrhundertwende sehen wir schon prominente gelehrte Autoren, wie Karl Lamprecht und Max Weber, ein siechendes Deutsch schreiben, dos, mit Verschachtelungen über- packt, von Partikelunkraut durchwuchert, nur noch stellenweise und immer seltener die edle Einfalt und stille Große jenes klassischen Deutsch erreicht. Heute, ein Dierteljahrhunden danach, ist der allgemeine Sprachversall so troftloe, daß die oerantmörUidxn Minister sich bewogen fühlen, einzugreifen: ich sel­ber in Baden bald nach meinem Amtsantritt, Becker in Preußen vor kurzem. Wustmann vor dreißig Jahren, hotte recht, nur packle er feine Kur zu schonlich mit lauter Einzelmedizin an: es sind weder die Fremdwörter noch dieSprachdumm- heilen", die den verfall bezeichnen jene Großen, die wir oben erzählten, waren noch keine Sprach­reiniger und schriebenwelcher" undderselbe" sondern die Krankheit zehrt am Ganzen, gramma­tisch, syntaktisch und stilistisch sind wir auf den Hund gekommen.

Die Ursache müssen wir in dem Geschehen suchen, da» auch unser jüngstes politisches Unheil ausgelöst Hal: in der überstürzten, uns überfallenden Oeko- nomisierung und Technisierung des Daseins, die das humanistische Kulturbesitztum eines ländlich und kleinstädlisch dahinlcbenden Volkes schier er­stickte. Wirtschaft und Technik, Fabrik, Telegramm und Automobil haben unsere Sprache ruiniert, die ja schon immer von den Gefahren des Kontors und Bureaus umlauert gewesen war. Höhere Stunden- zahlen fürDeutsch in den Schulen haben daran nichts zu ändern vermocht; so seltsam es klingt, die Generation, die während der Hälfte ihrer Schul­zeit in den Konstruktionen .toter' Sprachen, deS Latein und Griechisch, denken muhte, meisterte den deutschen Stil am vollkommensten. Zwischen der zweiten Renaissance und dem Zerfall deS Gymnasiums, zwischen 1780 und 1880 steht das Zeitaller, das eine Hochblüte muttersprachlichen ÄedenS und Schreibens bedeutet.

Sprache aber ist der menfchentümlichste Aus­druck der Seele; auch Tiere singen, Tiere bauen, Tiere haben eine Fülle von Mimik, Geste und Haltung; der Mensch allein spricht. Alle wahr­haft großen Menschen, mochten sie sonst Staaten lenken. Schlachten schlagen. Religionen stiften, sind Meister der Sprache gewesen; Mofes und die Propheten. ZesuS und Paulus. Augustinus und Luther. Eälar und Napoleon, Bismarck und Moltte. Karl der Große und Friedrich der Große. 3ean Jacques Rousseau und Ferdinand Lassalle. Ein Volk, in dem die Sprache verkommt, kann nicht auf die Dauer eine große Ration vorstellen; Siechtum seiner Sprache ist Siechtum seiner Seele.

Amaryllis.

Don Anion Schnack.

Dame, der mir unbekannt ist. alter bezaubernder Rame. wer hat ihn genannt leise und geheimnis­voll. daß ich ihn fröre mitten auf Straße, mitten im verwirrendsten und lautesten Gewühl?

Lähmend ergreift mich sein Klang, mir scheint eS. alS wäre er aus weiter Welt in mein Dlut pebrungen: eS ist ein schwermütiger verhauchen­der Duft mit ihm gekommen, der Dust einet auf- oeaangenen Haares, der Duft einer unsäglich seidenen Locke, einer schimmernden Blüte über einer demütig geneigten Stirne.

Bist du Musik? Du mußt mehr sein als Musik. Du mußt Klang einer Seele fein, einer schmerz­lichen zarten Taubenseele. Du mußt Leben sein. Ottern eineS Lebens, daS sich ferne von mir wie ein Gewächs voUendet. Du mußt Schicksal sein. Kunde von einem Schicksal, über das auch die Gnade der Sinfamfeit sich wölbt wie über meinem Scheitel, das aufgebrochen ist wie ein Kelch auS Sehnsucht unb Güte.

Amaryllis: Du bist eine Geliebte von mir, ich weiß es du bist eine Geliebte, die ich nie er­reichen werde, nie werde ich deine kühle Hand nehmen, deine leichtgewogene, blumenhafte Hand, die mit glücklicher Trost wäre über der Munde des Herzens.

Rie werde ich neben dir gehen im verglimmen­den Lternschein hinein in die Seide eine» hoch- blauen semmersüßen Tages, nie werde ich mit dir die blaue Melancholie des Herbstes ver­träumen und mit Lichtern in alten Zimmern verdämmern.

Silber ist dein Rame, Amaryllis. Mondgrün und Perlmutter. Alles Windverhauchte. zur Ruhe Gekommene liegt in ihm.

möchte Dir eS sagen, verschollene Geliebte, von Mund zu Mund, ich möchte dir das Herz erbeben machen mit der Stimme meiner Zärtlich­keit. aber du bist mir verloren in der Grenzen­losigkeit deS ilnfrefannten.

Amaryllis: alle meine Demut gehört dir. Mein ganzes inneres Herz gehört dir. All mein frerr- lich«s Blut gehört dir.

Doch wem sage ich die'es Heimllche? Ich sage es dem Wind. Dem Richts sage ich es. Zn den Raum verflüstere ich begehrlich meine Stimme, und aus dem Raume, aus dem Nichts tönt mir feine andere Stimme wieder als Amaryllis.

RichlS anderes als AmarylliS. immer wieder klingt niir dieser kostbare Harne an daS bebende Herz mit einer halb traurigen, halb lockenden Melodie.

Ach Amaryllis, nie werde ich dich sinden. unter den Töchtern dieser Erde nicht, du Gc-'chapf aus Kristall und Seele. Wenn ich ausschweife von Stadt za Stadt, wenn ich alle Dörfer aller Land­striche mit dem singenden Hamen von Amaryllis durchziehe, wenn sich die Fenster offnen und die Türen, wenn sie mir entgegen kommen auf den Straßen und Wegen, keine würde mir entgegen­gehen wie von einem erleuchtenden Licht über» flammt, keine würde an mein Herz kommen und tagen: .Ich bin Amarvllis. Zch bin die Gesuchte und die Suchende. Zch frabe meinen von Sehnsucht erfüllten Ramen hinausgeschickt, damit er dich trifft, wo du auch seist, un tiefsten Schlaf ober im lautesten Lachen, bei der Rovemberlampe sitzend und büchervergrübelt, bei zischender Kaffee- Hausmusik oder mitten im Gewühl von Maske­raden ...

Trotzdem weih ich. daß du lebst. AmarylliS. und sei eS zwischen Himmel und (Srbe, und sei es an einem meerentlegenen Gestade, wo Hecken von Blumen um deine Füße wuchern und die Muscheln wie Feuer im Sande blitzen. Zch weiß es aus der ungeschwächten Sehnsucht meines inneren HerzenS heraus, aus dem immerwähren­den tiefen Angerührtsein. aus dem Widerklang meiner zitternden Seele weih ich es. daß du lebst, daß du da bist, dah du atmest und in ver­schleierter, ungehemmter Sehnsucht gleich mir dich verglühst.

Bist du in Sevilla. AmarylliS. bist du dort in der seltsamen wilden und kochenden Stadt, hinter einem Gitter aus Rost und Visen, unter dem rötlichsten Rachtgestirn eine verworrene Träu­merin; ich höre es die schwarze rauschende Valle frerauflärmen mit einer klirrenden Musik, die schnell einherhüpft und heih ins Blut zischt.

Dein Haar ist wie ein müder, veralteter Samt vielleicht. Amaryllis. deine Stirne ist einsam und von gelbem Dein. Deine Wimper?! sind wie ein nicbcrfrängenber flüchtiger Schatten. Dein Auge ist in die Rächt gerichtet bein schwer­mütiges. traumgenährtes Auge, aber in ber Tiefe ist alles an ihm schmerzliche Tierheit und grund­loses Dunkel...

Oder bist du Tochter eines Bauern im Rord- land. Amaryllis; wie die Bögel singen, bas

Doch wer frtHt un#. wie Helsen wir un#? Rach großen Heimsuchungen haben btc Böller immer viel von Erziehungsmaßnahmen ermattet, und die Deutschen sind besonders gcfiimm: auf btc Schule zu Hollen - und zu schelten. C# ist kein Zufall, bah nach unserem Zusammenbruch die Schlagworte .SinhcllSschule". Einheit des Lehrer- standes' und ähnliche an der Tagesordnung waren, denen doch rechtverstanden die stillschwei­gende Forderung einer Bildungseinheit zu­grunde l egt Verlorene und neu zu erobernbe Bildungseinheit gibt es so etwas? Zn den neuzeittlchen Zahrhunderten jedenfalls haben wir keine deuftche Dlldungseinheit mehr gehabt, noch um die Mitte des 19. ZahrhunderlS standen sich das VollSbilbungs ideal «samt der T-vtkS- schulrealllät), un Kerne ein schlichtes, praktisches Christentum, und die höhere Bildung, die den humanistischen Menschen anstrebte, recht unver­mittelt gegenüber. Dieser BiidungsdualiSmus stellte einen liefen Riß durch die deutsche Seele vor. Kann er ausgeheilt werden? Wir erleben im größten deutschen Staate soeben eine Bil­dungsreform. welche die Einheitlichkeit auch nur der höheren Bildung bewußt verneint und eine vierfache Mchrfäliigkeit an ihre Stelle setzt Zn ber Tat. von stofflichen Gesichtspuickten her gibt eS keine Bildungseinheit mehr. Der humanistische Mensch ist heute ein Z-ui-erö rzphantom geworden unb eine neue Einheit hat ihn noch nicht zu ersetzen vermocht. Sr selber aber war aus einem bestimm len Lebensinhalt erwachsen, unb nur ein Lebensinhalt, der allen gemeinsam ist. vermöchte eine neue DildungSeinheit zu begründen. Zft er da?

Er ist da und heißt Arbeit. Die Arbeit macht freute daS Lebensproblem der abendländischen Kultur auS. Sie erfüllt, bis zum Bersten, unter aller Dasein, neben ihr unb ihren Fragen hat alle- andere -weiten Rang angenommen, üb wir tie sittlich bewältigen, davon wirb es ab­hängen. ob wir mit unterer Kultur weiter­leben können. Die deullche Seele ringt hiermit am heißesten Sie weist die Einstellungen ab. welche Arbeit unb Muße auseinanderschneiben und jeder eine Lebenshälfte zuteilen: die Iran- zösiswe Schnittrichtung, die in der ersten DascinS- Hälfte Arbeit, in der -weiten Rente sucht, aber auch die amerikanische, die 'Tag für Tag von

Muße radikal kennt unb jene nur noch als mechanisches Mittel zum Zwecke des Gelder­werbs für die Znhalte der Muß« bewertet. Für un» bleibt Arbeit etwas Lel»e.-Erfüllendes, da» .CrtüLlcn" im tiefsten Doppel inn genommen, bleibt das Zdeol. tie als Beruf -u erleben. Alle Erziehung trifft sich konvergent in dem einen Mittelpunkt des Arbeitserlebnisse» Don hier aus allem ist eine Blldungeeinheit für morgen zu gewinnen und .Arbeitsschule" be­deutet darum das wichtigste aller Schlagworte, mit denen die pädagogische Bewegung unserer Tage sich ausgerüstet hat Skxfr für alle, vom Höchsten biS zum Niedrigsten. Arbeit wieder seelischer Sinn unb sittlicher Seg.n des Lebens zu werden rermöac in dieser Sehnsucht schmel­zen alle ständischen, beruflichen. WirtschaftllcheiA Unterschiede zu einer Einheit von brennender Gegenwärtigkeit Automaten.

Erst trenn diese bewußt gewonnen ist. werden neue geistige Forderungen. Maßstabe und Schöpfungen mögl.ch sein DaS Mechanische und An.malische, die Skylla und die Sharybdls un­seres heutigen Daseins, können nur in ber Sinn­gebung und Durchs ittllchung der Arbeit der Heute-Menschen ungefäfrrbe: durch steuert werden. Hier bat die deutsche Seele für lich unb für die Dell Rettendes zu geben - hier vermag vielleicht überhaupt nur sie die Lösungen unb Erlösungen zu bringen, welche einst Dostojewski von ihr erwartete Roch ruhen die letzten Ant­worten im Dunkel der Zukunft: Tagesrezepte betäuben, aber heilen nicht Unb doch sehen wir das eine, daß die Ausgabe auf allen Seiten immer besser erkannt unb immer entschiedener ergriffen wird. Selbst jene, die noch vor einem Halden Menschenalter pure Geldverdiener waren unb .Herren ün Hause' zu sein beanspruchten, sehen sich freute vor die seelische Seite ihres Daseins gestellt, spürend, daß Zmponderabilien, psychische Fluida, Menschentümlichkeiten aS Maßgel>ende in ihren Werken, die Urteertc aller Zeitwerte sind. Gewiß bestehen noch grobe Ge­gensätze in der Meinung von den Lösungen. Aber an solchen Gegensätzen entzündet sich ber Eifer um die Lösungen seiber, unb eine Qlation, eine Epoche besah, wenn je. die Einheit ber Seele immer viel woniger durch das. waS sie fand. alS in dem, was sie suchte.

Die Vermögensteuerveranlagung und Emheiisbewertung 1928.

Don (BteuerinfpcHor Hrees, Gießen.

II.

Die Bestimmungen für die Bewertung der­jenigen Gegenstände, die von Amts wegen vor­genommen wird, sind für die Einheitswertfest­stellung 1928 hinsichtlich deS Grundvermögens wesentlich geändert. Die Bewertung des land- wirtschaftlichen. deS forstwittschaftliä-en unb des gärtnerischen Vermögens, des Betriebsvermögens sowie deS sonstigen Vermögens ist mit gering­fügigen Aenderungen dieselbe wie früher. Die nachfolgenden Ausführungen können sich somit auf Die Bewertung des Grundvermögens be­schränken.

Ebenso wie in ben Durchführungsbestimmungen für 1925 wirb für 1928 bei der Bewertung von bebauten Grundstücken zwischen zwangSbewitt- schasteten und nicht zwangsbewittschafteten Grund­stücken untertrieben. Als zwangsbewirtschaftete Grundstücke im Sinne ber Durchsührungsbest im- mungen gelten alle bebauten Grundstücke (auch Detriebsgrundstücke), die am 1. 3anuar 1928 ganz ober teilweise entweder dem Reichsmietengesetz, dem Gesetz über Mieterschutz unb MielcinigungS- ämter oder bem Wohnungsmangelge etz unter­liegen. Der Ausgangspunkt für Die Bewertung derartiger Grundstücke blldet Der Wert, der bei ber letzten Einheitsbewertung als WehrbeitragS- wert zu Grunde gelegt worden ist Man hat demnach Die Dewertungsmethode für 1925 bei»

weiht du. unb beine gute betörenbe Liebe gehört einem Reh. das Abend für Abend auS den Bir­kengehölzen des Waldes kommt, ein schönes ein­sames Reh. das über die Lichtung späht, wenn du an den Zäunen deines Gartens mit Hellem Kattunröckchen stehst.

Du bist eS vielleicht, die mich sucht und die ich suche, weil du eine große kristallklare Seele hast, die alles Wunderbare, alles Einfache unb Selt­same ^begreift. Die ich suche, weil ich bis Sprache ber Seele aus dem Unendlichen acfrört habe. Sturmwinde im Winter, weiße Rächte im Som­mer. ach dein Gesicht. Amaryllis, trägt sie unter den Wimpernbogen. Dor deinen Fenstern rauscht der Wald biS tief in Die Schluchten hinein, wunderbar verzauberter Wald mit Dunflen und scheuen Tierrudeln, deren Augen im Abendauf­gang der Gestirne glänzen.

Wenn du an mir vorübergehen würbest, leicht unb verschlossen, mit einem Lächeln, bas eine Dlutwelle ist, würde ich bas Rauschen der Wälder hören, bas Rauschen, das wie der große zeitlose Atem des Meeres ist. Zch würde die Erde noch an dir spüren, aus der du gewachsen bist, herr­lich riechende und fruchtbare Erde. Du bist das Geheimnis der Ratur in einem Fleische. Erde und Gras, Meer unb Tier bist du, irbisch unb selbstverständlich wie die Rächt, ber Wind über ben Häusern und die Sprache des Waldes.

Aber du kommst mir nie nahe, und ich werbe ohne beine erbfraften Umarmungen sterben müssen. Zch werbe niemals dich küssen unb nach bem ersten Kasse schon niederstürzen mit berauschtem

Du wirst deine einsamen Rächte vergehen lassen wie das gelbe Licht deiner Trankerze vergeht.

Der Morgen nimmt ben Honighaften Geruch deines aufgelösten Haares entgegen unb treibt ihn in bic Winbe. Da habe ich bich gespürt, meemafre Amaryllis, diesen Duft aus einem Kammerfenster, mitten in bet vernichtenden Stadt, unb mein Hetz Hieb stehen. Dreimal blieb mein Her; stehen wie eine Uhr. in die ein rätsel­haftes Geheimnis gefahren ist.

So fÖTuiteft du fein. Amaryllis.

Tausendfach könntest du sein; beim du bist heimatlos wie die Erde, wie ber Wind, wie bas Spiel ber Sterne durch das Gesträuch.

Werbe ich bich finden, namenlos Geliebte. Ama­ryllis. Geheimnisvolle? Rie werde ich dich finden.

Die werde ich dich finden, wenn ich auch aus- bräche zur fdig-unfetigen Wanderung durch bk

behalten, obwohl es an sich wünschenswert wäre, wenn man den WehrbeitragSwett als Grund­lage für die Bewertung verlassen würde. Ze Doch schien der Weg noch nicht gangbar, Da auf bem GrunbftückSmarkt sich noch keine normalen Verhältnisse gebildet haben und der Wehrbei- tragswett eine unter normalen Verhältnissen ge­wonnene sichere Grundlage darstellt. Zur Aus­gleichung von etwa noch oestehenden ganz krassen Ungleichmäßigkeiten kann der Wehr beitragswert neu ermittelt werden, unb zwar dann, wenn ber WehrbeitragSwert gleichartiger Grundstücke in derselben Gemeinde in offensichtlichem Mißver­hältnis steht unb wenn außerdem ber neu er­mittelte Wehrbeitragswert um mehr als 25 Pro­zent nach oben oder unten ab weicht.

Die zwangsbewittschafteten bebauten Grund­stücke werden eingeteilt In Villen, Geschäftsgrund­stücke. Mittwohngrundstücke unb Grundstücke, Deren Erhaltung im öffentlichen Znteresfe liegt. Die Einteilung weicht von der früheren Regelung insoweit ab, alS an Stelle des Begriffs«in* samllienhaus" ber BegriffVilla" getreten ist. Die Aenberung war erforderlich, da unter Dem BegriffEinfamilienhaus" auch jedes kleinere ArbeiterhauS fiel, obwohl eS keinen Villen­charakter besaß, während anbererfeii« Villen, weil sie vom Eigentümer vermietet waren, wie Mietwohngrundstücke bewertet werben mußten.

Landstriche b. über Gebirge hinweg und

blühende Flußufer entlang.

Rie werde ich deinen Mund berühren mit zitternder, glühender Lippe, nie werde ich Dir meine Handfläche an Die Stirne legen. Damit Du Den wilden, unruhigen Schlag meines Blutes spüren mögest.

Rie werde ich dir die Geheimnisse meines Herzcns n einer liebrsseligen verschwärmten Rächt zuflüstern.

$enn._ wenn ich dich fände. Amaryllis, würde ich unglücklich werden. Denn Ich verlöre die Sehn- sucht.

ilnD ein Herz ohne Sehnsucht ist Alter.

Zch aber bin jung, ich will dich suchen, Ama­ryllis. unter Hunderten und Tausenden in allen Städten will ich dich suchen, auf allen Gehöften, auf fahrenden Schiffen und einsamen 3nfeln...

Hochschulnachnchten.

Dr. Fritz Eichholtz in Elberfeld hat drn Ruf auf Den Lehrstuhl der Pharmakologie an der Uniterfität Königsberg angenom­men.

Das durch die Emeritierung des Geheimen Regierungsrat G. Störring an Der Universität Bonn erledigt Ordinariat der Phlloso^»ie ist dem ord. Pivsessor Dr. Erich Decher in Mün­chen angeboten worden. Zum Rachfolger von Profcsior Paul Merker auf dem Lehrstuhl Der deutschen unb nordischen Philologie an ber Universität Greifswald wurde Professor Dr. 2. Magon aus Münster aus erleben. Der Privatdvzent Dr iur. Erll Wolf in Heidel- b_c rg hat einen Rus als ordentlicher Professor für Strafrecht. Strofprozehrecht und Zivilprozeh- recht an die Universität Rostock als Rachfolger Dey r erstorben en Geh. IustizrateS Wachenfeld erhalten Der durch die Emeritierung des Geheimrats R Den etc an der Universität Hal- l e erledigte Lehrstuhl Der allgemeinen Patho­logie und pathologischen Anawmle ist Dem or­dentlichen Professor Dr. med. Walther Derb- linger in 3ena angeboten worden. Dec Professor für experimentelle Physik an der Uni­versität Earnbridge Sir Ernest Ruther­ford ist ton der Preußischen Akademie Der Wissenschaften zum korreipondierenden Mitglied ihrer vhyfikalifch-machematischen Klasse gewählt worden.