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llk. 18 viertes Blatt

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 25. Februar (928

Geschichten aus aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Die Königin des LachcnS.

(-) Paris.

I Die Jünger kes Pariser Expre siomSmus ha- tei jetz' beschlossen, ke nnächst dieKönigin des L-cchens" zu küren. Gegenwärtig werden alle möglichen Arten von Kön ginr.e , ernannt, argu- m.eatier'e aus der en-scheideuden Sitzung ein Ilvaghrariger Künstler, die Königin der Mode, 5ec Näherinnen. der Marktsrauen, der Filrn- ichauspie.'erinne.i, und der liebe Gott weis) allein, reiche Königinnen un3 die Zukunft noch be- 'cheren wird. Da erhob sich Dr. Jules Lebois, >i n Arzt, und erklär:«, daß die Königin des Selächters, bzw. ihre Wahl eine große Propa­ganda für das Lachen sein werde. Die Mehr» ,«hl der Menschen, sagt er, weih nicht, von welch großem hygienischen Wert das Lachen ist. Es beruhigt die Neeven, erregt ein angenehmes Ge- .s»l und bereitet das Hirn vorzüglich auf die Aübeit vor. Wer gut lachen kann, kann auch gut arbeiten... Lebois erzäyl:e dann, das) mit der :vorstehenden Wahl die französischen Künstler eigentlich einen allen Weg be chreiten. denn in bei Vereinigten Staaten hät.e bereits einmal eineKönigin des Lachens" gelebt. Es wir vor mehreren Jahrzehnten, da wohnte in Neuyork ei ne Frau Helene Harley, die dadurch bc- !a_nnt war, daß sie 35 Minuten lang ununter- braxhen lachen konnte, und zwar immer, wenn |ie gerade dazu ausgesordert wurde. Diese ihre Wissenschaft lehrte sie dann auch anderen. Sie behaupte:^ daß man mit Lachen Krankheiten heilen könne und eröffnete ein Bureau. Die Menschen strömten nur so hin. Nervöse, Melan­choliker, Berzweiselte, Pessimisten und andere b«ellsch-Kranke, die Helene Harley geheilt ver­ließen. Die amerikanischen Aerzle zeigten sie an, und die Gerichte zogen sie zur Verantwortung. Sie bat die Rich er jedoch, einmal ihre Patienten jn hören. 41 Männer und Frauen traten vor die Schranken, und zwar darum, weil mehr nicht In. den Saal hineingingen. Hier sind meine Schüler, sagte Frau Helene Harley, diese wer­de, bezeugen, was ich kann, uni) jetzt: ha ha ha... alle 41 Zeugen begannen plötzlich zu lachen, ci n lautes, alle mitreißendes Gelächter er- schlitterte den Raum. Rach einigen Sekunden lachten auch die Anwälte und die Richter. Es lernte sich keiner des Lachens erwehren. Frau tzarley wurde freigesprochen, und zwar eben- salls unter Geiächlec. Die R ch ec erklärten, daß der, dec so lachen könne, kein Uebeltäter sei. So weit der Bericht Dr. Jules Lebois. Und die Pariser Expressionisten werden in wenigen Togen beschließen, welche Frau oder welches Mädchen der Seine-Stadt die Würde einer Ko- ntflln des Lachens erhalten soll.

Der Photographier-Automat.

(a) Reuyork.

DaS Letzte de« Letzten auf dem Gebiete der automatischen Bedienung menschlicher Wünsche Ist eine Photographiermaschine, mit der in den Bereinigten Staaten, wo sie selbstverständlich zu­rrst ausgetreten ist. binnen einem Monat 20 Mil­lionen Mark verdient wurden. Die Maschine besteht aus einem 2 Meter im Geviert messenden Nobinett. Dort setzest du dich hin. als ob du telephonieren wolltest. Vor dir befindet sich ein Keloeinwurf. Du steckst eine Mark hinein, und ein weißes Licht flammt auf. Du wirst nämlich photographiert, und du hast 33 Sekunden Zeit, In denen du alle Gesichter schneiden, alle Posen eiimehmen darfst, die dir gerade einfallen und dxrlche du deiner Mitwelt zu überliefern wünschst, o^nc durch die Anwesenheit eines lästigen Men- s-hen gestört zu sein, der dir sagtbitte recht freundlich" oderhalten Sie Ihren Kopf etwas mehr links". Du kannst alles tun und lassen, toc« du willst, kannst aussehen wie Friedrich be-r Große und Napoleon in einer Person, kannst freundlich lächeln oder den Gesichtsausdruck zu Dopier bringen, den du haft, wenn man dir eine Rechnung präsentiert. Du kannst die Zigarre im Munde behalten, du brauchst es auch nicht zu hin. und bist du ein Mädchen, kannst du sehen, toic dein Bubikopf von vorn und von hinten amssieht. Acht Aufnahmen kannst du Herstellen la ssen. Den strahlenden B'ick kannst du probieren, ka nnft versuchen, wie Gloria Swanson auszu- setzen. Du kannst mit dir selber kokettieren. Bist bm fertig mit d eser Zeitlupenaufnahme all deiner Weblingsposen, dann brauchst du nicht stunden- la ng zu warten. Noch ehe du dein leibliches Selbst aus der Konterfeiftellung in normalen Zaistand zurückgebracht hast, sch eßen schon die ledig gedruckten Photographien hervor. Du beuchst nicht zu fürchten, daß dein Verbrecher- auSdruck oder deine völlige Verblödung erst durch bbt Hände suchender Menschen geht, dir ihrerseits ih-ren Niederschlag auf die papierne Ewigkeit -Qu linden trachten. Ist s ein Wunder, daß man in ben Vereinigten Staaten damit 20 Millionen Mark verdient hat?

Der Diamant int Linsengericht

(f) London.

Stau, der erstgeborene Sohn Isaaks, hat. wie m,an weiß, mit Linsen schlechte Erfahrungen ge- -n.ccht. Daran wird man erinnert, wenn man icfljt die absonderliche Geschichte hört, die gegen­wärtig das Interesse der gesamten englischen jiriftentoclt erregt.

Der sehr ehrenwerte Beamte des Foreign Okssice, John Spear, bzw. seine ihm recht­mäßig angetraute Ehegatiin, hakle dem gemein- lauten dreijährigen Söhnchen vor einigen Tagen Lrasen zu essen gegeben, was an sich nicht un° revöhnlich ist und weiter auch nicht erwähnens- Mt wäre. Der K rabe von den Linsen, die zitier Konservenbüchse entnommen waren, ziem­lich viel, was zur Folge hatte, daß er in der A.acht über Uebclfeit zu klagen begann und - vir sagt man doch? - die Speise nicht bei sich behalten konnte. Aber auch das verwtznw nicht be r Mühe, erzählt zu werden, da es nicht ein­mal besonders ästhetisch ist. Nun kommt aber das Wundersame an der ganzen Angelegenheit. 9er Arzt, den die besorgten Eltern ßerbemefen. ga_b dem Jungen ein Bcruhigungs^ulvor. unter­ste die wieder zutage geforderten Linsen inrb fand in ihnen einen Diamanten, dessen Wert ein Juwelier spater auf 153 Psund Sterl. fchLtzte:Es ist einer der reinsten tasmanischen

Diamanten", sagte er. .den ich je gesehen habe"!

Als nun der Konseroenhänd.'er, bei dem die Familie Spear einzukausen p legt, von dem Vor­fall hörte, wollte er den Stein zurückhaben. John Spear", so erklärte er.hat bei mir nur Linsen, nicht aber Diamanten gckaust und be­zahlt, also gehört der Edelstein mir und keinem anderen." Der Händler erreichte eS denn auch, daß der Diamant aus Grund einer einstweiligen Verfügung gerichtlich beschlagnahmt wurde, und nun sollen weise Richter eine end­gültige Entscheidung tref en. Darauf, wie diese auSfclfen wird, ist man nun gespannt. Wern gehört der Stein? Eine Dockorsrage!

Johnson HickS und dasschwache Geschlecht"

(f) London.

Daß auch der stolzeste Brite vor Frauen zitrern kann, ist zur Genüge bekannt und viel­leicht nicht einmal se.ne schle hteste Eigenschaft, ilebrigenö darf man auch nicht vergessen, daß England die Heimat dec allerdings schon etwas überholten Ou.fragettc ist. Aber was jetzt dem allmächtigen 3nre. m ni er Sir Wil iam John­son Hicks passierte, des en 5)om erteilen selbst sowje.'russische Geheimt.e ors nicht standhiellen. ist imBereinigten Königreich doch nicht ohne Echo geblieben.

Also: besagter Sir William war Ehrengast bei einer Fe erlich:e'.t der be.ühmten Hampton Gram- mar School und sollte dort eine für die Jugend heilsame Rede reden. Das tat er denn auch, und an den Schluß seiner Ausführungen setzte er die Warnung:Hütet eure Zungen I Darunter verstehe ich," so fuhr er fort,daß ihr nicht viel schwatzt. Ein Mann spricht nur dann, wenn er etwas zu sagen hat. Bedenket wohl, was ihr sagen wollt. Seid keine schwatzhaften Frauen!"

Aber, siehe da, bei diesen Worten überzog eine tie e Röte die Züge des Innenministers Seiner britischen Majestät, und man sah, daß er das was eben seinem Munde entschlüpft war, gern zurückgenommen: e.

Seht ihr," fuhr er lächelnd fort,Wasser habe ich gepredigt und Wein getrunken. Auch ich habe jetzt etwas gesagt, was man lieber nicht hätte sagen sollen." ilnö nach einigen Augen­blicken peinlichen Schweige s:Heute kann ich übrigens noch so reden, da das Ehesche dungs- recht noch nicht radikal durchgeführt worden ist. Sollte dies jedoch einst der Fall fein, bann Gnade Gott dem Innenminister, dec von schwah- ha len Frauen spricht!"

Soweit Sir William vor der hoffnungsvollen männlichen Jugend der Hampton Grammar School, die ihn stürmisch nach Jungensart aus- lachle. Hab die liberale Opposition hat ein unbezahlbares Plakat sür den kommenden Wahl­kampf.

Fromme Soldaten.

(r) Amsterdam.

Folgende reizende Anekdote erzählt ein hol­ländisches Blatt:

Bei seiner Sonntagspredigt in ter Dürgerkirche einer kleinen Garnisonstadt erblickt der Pfarrer einen Unteroffizier, der andächtig seinen Aus­führungen auf der Kanzel lauscht. Erfreut über das augenscheinliche Bedürfnis vieler rauhen Kriegerseele. daS Wort Gottes au hören, fängt der Pfarrer den Soldaten nach dem Gottes­dienst vor der Kirche ab, beglückwünscht ihn zu feiner Frömmigkeit und drückt ihm ein ansehn­liches Geldstück in die Hand.

Als er am nächsten Sonntag die Kanzel be­trat, liefen ihm die Augen üler. Sie ganze Kirche war mit uniformierten Zuhörern überfüllt.

Genußreiche Kunst.

(a) Neuyork.

Lee Foaler ist das kommende Genie der Ver­einigten Staaten. Er hat soeben in Evansville (Jndiania) eine private Ausstellung feiner Bil­der veransta ket, die ihrer Eigenart wegen das unerhörteste Aufsehen erregte. Ec malt nicht etwa futuristisch oder kubistisch, nein, was einem in dieser Ausstellung, fein säuberlich numeriert, an Gemälden vor die Augen kommt, sind fast durchweg technisch nicht übel gemalte Blumen- stilleben in impressionistischer Art. Was aber ihre ureigenste, ur-soalerischste Note anbetrifft, so ist das der ilinftanö, daß Lee Foaler diese seine Werke gewissermaßen auch mit der Nase gemalt yat.

Er hat sich, wie in einer kleinen Berteidigungs- schri t ausgesührt wird, die man beim Eintritt in die Ausstellung gratis erhält, schon seit Jahren mit der schwerwiegenden Frage beschäf­tigt, ob die malerische Ausdrucksmöglichkeit den ganzen sinnlichen Zauber einer Blume erschöpfen könne, und hat die Frage aufrichtig verneinen müffen. Die neue Kunst sucht allenthalben nach neuen Ausdrucksmitleln: in der Musik z. B. greift man jetzt schon zu Lärminstrumenten, Kinderklappern und Nebelsirenen, um das mo­derne Leben auch in der Tonwelt so intensiv wie nur möglich nachgestalten zu können. Warum solle also auch nicht der Ma'er sich nach neuen, bisher in Indolenz noch nicht in Anspruch ge­nommenen Mög ichkeiten umschen, um die von ihm darzustellenben Schönheiten der Welt im umfassendsten, lebendigsten Sinne auf die Lein­wand zu zaubern? Er. Lee Foaler, habe den Mut gehabt, die Konsequenz aus dieser Be­trachtung zu ziehen, und deshalb auf den von ihm gema'ten Blumenstücken die Farben mit den entsprechenden Essenzen und Parfüms durch etzt wobei er Bedacht darauf genommen habe, sich der feinsten und ha töarsten Essenzen der kos­metischen Industrie zu bedienen. und so seien seine Bilder, wovon sich jeder Besucher über­zeugen könne, nicht nur Farben, sondern Duft- Symphonien.

Und in der Tat. die Veilchen auf seinen Bildern haben einen schwachen Du t nach Veil­chen und die Rosen riechen ent ernt so wie wirkliche. Ist das nicht fabelhaft? Aber leider zeigt sich auch im Falle Lee Foa'ers die Wahr­heit des alten Satzes, daß der Prophet nichts gilt in feinem Vaterlande. Die böse Kritik der Presse doch las en wir sie selbst sprechen.

Unserer kosmetischen Industrie dürfte dem­nach ein ungeahnter, getra tiger Au schwung be- vorstehen. Das Prinzip Herrn Lee Foalers, uns

nur .umfassende" Abbilder bet Natur vorzu- sehen, ist höchst anerkennenswert, aber er müßte dann auch so ehrlich konsequent sein, «eine Blumen so zu malen, daß sie wie ihre Vorbilder allmäh­lich welken und eingeben, was ja auch kein großer Verlust wäre. Schön, seine Fliedecdolden geben sich die größte Mühe, so zu duften wie richtiger Flieder: wir können aber nicht ein­sehen. was damit gewonnen worden ist. Dann hätte das Herrchen sich doch lieber einen Strauß echten Flieders kaufen sollen, das wäre eine einmalige und nicht so exorbitante Ausgabe ge­

wesen wie die Erwerbung und Verschwendung kostspieliger Parfüms am untauglichen Objekt!"

Man hat das Gefühl, daß diese Kritik einen rauhen, aber aufrichtigen Ton liebt. Man stelle sich einmal vor, auch das Kunstgewerbe würde sich dieser neuenRichtung" bemächtigen: dann würde der Welt eines Tages von einem unter­nehmungslustigen Hotelier die künstlerisch aus­geführte Speisekarte geschenkt, aus der der Name jedes Gerichts den ihm eigenen Duft ausströmte. Eine Zukunftsmöglichkeit, die ja gar nicht auszudenken ist!

Wann ist eine Steuerschuld rechtzeitig entrichtet?

fRegierunggrat Dr. ploch, Schotten.

Jede Steuerschuld ist spätestens am Fällig­keitstage zu entrichten. Wann eine Steuer fällig ist, ergibt sich entweder aus den gesetzlichen Be­stimmungen (z. D. die Lohnsteuer! oder aus dem Steuerbescheid. Ist z. B. als Fälligkeitstag der 15. Februar bestimmt, so bedeutet dies, daß als letzter Tag der Einzahlung der 15. Februar gilt und daß nach Ablauf dieses Tages die nicht ge­zahlte Steuerschuld zu verzinsen ist.

Wann ist nun eine Steuerschuld recht­zeitig gezahlt? Nach § 26j DGB sind Schulden grundsätzlich Holschulden. d. h. der Gläubiger muß holen. Dieser Grundsatz er'eidet jedoch eine wichtige Ausnahme Geldschulden sind nach 8 2i0 DGB. in der Regel Bringschulden. Aus die Aus­nahmen feil hier nicht näher eingeqangen werden. Das Rechtsfprichwort lautet: Geld reist auf Schuldners Kosten und Gefahr. Also eine Geld­schuld hat der Schuldner auf seine Gefahr und Kosten dem Gläubiger an dessen Wohnsitz zu übermitteln.

Was folgert hieraus für die Steuerschulden? Die Steuer müßte grundsätzlich am Fällig­keitstage schon tm Besitz des Steuer- gläubigers fein und eine Übersendung, welche durch ein Verschulden oder eine Verzöge­rung der Uebcr endcanstalt später eintrifft, müßte von dem Schuldner vertreten werden.

Dieser Grundsatz wird jedoch nicht in seiner ganzen Strenge durchgeführt. Während im all­gemeinen eine Schuld erst dann beglichen ist, wenn die Zahlung bei dem Gläubiger cincegangen ist und er darüber verfügen kann, zeigt das Reich hierin seinen Schuldnern gegenüber großes @ntg:genfomm.n. Die n:ue R.i :s a'sen-rdnung, welche am 1. April L 3. in Kraft tritt, sich aber in diesem Fall mit den bereits seither in Geltung befindlichen Bestimmungen im wesentlichen deckt, gibt in § 37 eine Begriffsbestimmung über den Einzahlungstag. Unter Einzahlungsiag versteht man den Tag, an dem die Einzahlung entrichtet, also die Forderung wirklich be­glichen ist.

Wann die Einzahlung tolrffam entrichtet ist, entscheidet sich danach, oo sie:

1. durch Ilebergabe oder Uebersendung von Zah­lungsmitteln an die Kasse unmittelbar,

2. durch Ucberweisung aus das Postscheckkonto der Kasse oder durch Einzahlung mittels Post­schecks,

3. durch sonstige üe&ertoclrunq (Bank usw.),

4. durch Einzahlung mit Zählkarte oder Post­anweisung erfolgt ist.

Zu 1.

Uebcrglbt bet Steuerschuldner den Einzah- lungsbetrag in Geld oder sonstigen Zahlungs­mitteln (Schecke. Postscheck- und Reichsbanküber- toeifungfcatfträge, ausnahmsweise euch Wech'el) an der Kasse unmittelbar ab, so gut selbstver­ständlich der Tag der Uebergabe als Zahlungs­tag. Dem Vorgang der Bareinzahlung steht es gleich, wenn etwa die Zahlungsmittel in einen Dries eingelegt und durch die Post oder sonstige Vermck lungsanstalt an die Kasse eingeschickt wer­den. In diesem Fall gilt die Zahlung erst als bewirkt, wenn das Geld usw. bei der Kasse ein­gebt.

An und für sich kann bei Postscheck- und Reichs- barMbertoeifungdauftrigen und bei Schecken die Kasse erst über den 'Betrag verfügen, wenn er ihr gutgeschrieben worden ist. Trotzdem werden sie hier der Ilebergabe von Bargeld gleich- gefteft, was eine wesentliche Vergünstigung für den Zahlungspflichtigen bedeutet, da hier der Zinsverlust von dem Reich getragen wird.

Zu 2.

Besitzt der Zahlungspflichtige ein Postscheck­konto und bedient er sich der Einzahlung durch Postscheck oder W Ucberweisung auf das Post­scheckkonto der Kasse, so gilt als Einzahlungs­tag der Tag, welcher sich aus dem Tagesstemvel- abdruck des Postscheckamtes ergibt. Die Über­weisung muß also hier so rechtzeitig an das Post­scheckamt abgesandt werden. daß fie bei die'em mit dem Tagesstemp l'bdruck des Fäl'iqkeitltaees versehen to:rb. Ein we't res ®"tgeccn!omnmn. das darin besteht, hier schon den Tag gelten zu faf'en, an dem der PostsHeck oder der Ueberweisungs- auftrag an die Poft zwecks Weiter'ührun-g an das Postscheckamt übergeben worden ist, wurde ab- gelehnt.

Zu 3.

Ueberweift der Schuldner den Ein-aßl'mgs- betran auf sonstige Weise, atTo auf das Konto der Kasse bei Geldanstacken (Reichsbank u. dgl.), so liegt an und für sich die Möglichkeit nahe, auch hier als Einzahlung-tag den Tag ge'ten zu lassen, an welchem der Ueberweifungsauftrag bei der Geldanstalt cinqeßt, ähnlich wie beim Postscheckamt. Da es sich jedoch bei den Geld- anftaltcn im wesentlichen um Privatinstitute han­delt. welche in einem anderen Verhältnis zum Reiche stehen, wie die Reichspost, und welche vor­wiegend auf ihr Privatinteresse bedacht find, so besteht natürlich die Gefahr, daß der Betrag der Kasse zu spät gutgeschrieben wird und das Reich dadurch Zinsverluste erleidet. Deshalb ist hier beftiT-mt worden, daß bei ilebcrttrifungcn auf das Konto der Kasse bei Geldanstalten der Taq gilt, an welchem der Betrag der Kasse tatsächlich gutgeschrieben wird. Es ist auch ohne Bedcn'tung. daß die Bank etwa die Gutschrift zurückdatiert, denn maßgebend allein ist der?eit- pun't. an welchem sie tatsach'ich au3gcrübrt worden ist. Der Zahlun-ispflichtige muß sich also bei derarügen Ueberwrisungen vorher ve sichern, daß die Gutschrift rechtzeitig erfoW. um nicht Gefahr zu lau'en. doch noch Der uaszinsen zahlen >u müssen. Immerhin wird in die'em Fall die Kasse den Zahlungspflichtigen darauf aufmerksam

machen, daß seine Zahlung u. U. durch Ver­schulden der Dank zu spät erfolgt ist.

Zu 4.

ES bleibt noch der Fall zu betrachten, daß die Schuld mit Zählkarte oder durch Postanweisung entrichtet wird. Wenn auch hier derBetrag bei der Kasse erst einige Tage später eingeht, so soll trotzdem die Zahlung schon an dem Tage als bewirkt angesehen werden, der sich aus dem Tagesstempelabdruck der Aufgale.-o'ian' a t er­gibt. Die Schuld ist also hier rechtzeitig getilgt, wenn derBetrag so entrichtet wird, daß er am Fälligkeitstage bei irgendeiner Postanstalt ein­gezahlt wird.

Alle diese Bestimmungen über den Ginzah- lungstag bedeuten zum Teil die vorzeitige Aner­kennung einer Einzahlung, die oft schon dann als entrichtet angesehen wird, wenn die K isse über den Betrag noch nicht verfügen kann, der Ein­zahlende sich aber seiner schon entäußert hat, um ihn der Kasse zur Verfügung zu stellen. Das Reich verzichtet damit unter den angebenen Vor­aussetzungen auf den durch das bürgerliche Recht begründeten Anspruch, einen gefd)urö.ten Betrag bereits am Fälligkeitstag zu erhalten.

Wirtschaft.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

Die allgemeine Börsensituation konnte in dieser Woche keine merkliche Aenderung erfahre.!. Die Stimmung blieb außerordentlich lustlos und zurückhaltend, und es machte sich wieder größere Unsicherheit bemerkbar. Die Um­sätze bewegten sich in äußerst engem Rahmen, und zeitweise bot sich an der Börse das Bild einer vollkommenen Geschäftslosigkeit. Aus dieser Erschlasfung konnte die Börse auch nicht durch einige sehr günstige Momente herausgerissen werden. So blieb die Annahme der Frei­gab e b 111 entgegen den meist gehegten Hoff­nungen auf die Gestaltung der Tendenz ohne anregende Wirkung. Im Gegentil schritt die Spekulation daraufhin zu Glattstellungen ihrer Positionen in Freigabewerten, und die Haltung schwächte sich daraufhin allgemein ab. Man verwies in Börsenkreisen daraus, dah die Annahme der Freigabevor'.age bereits ermattet und hinreichend eslomptiert worderi sei. Außer­dem sprach man von der Ungewißheit über die Höhe der zur Auszahlung gelangenden Summen und den einzelnen Klauseln und Bestimmungen deS Gesetzes. Die eigentliche Ursache der Schwäche war jedr^h das vollkommene Versagen der zweit en Hand und die große Ent­täuschung darüber an der Börse. Denn wieder ließ sich das private Publikum aus seiner Jnter- esfe'o.igleit nicht aufrütteln und blieb d?m Mar.te weiter vollkommen fern. Dieser Ordermangel war wieder das Kennzeichen der a'lgemei/.en Lage, und darum blieb auch die zwecke wichtige Tatsache dieser Woche, die Beilegung des Konfliktes in der Metallindustrie durch die Verbind ichkeitser.lärung des Schieds­spruches ohne merklichen Einfluß Auch hier führte man wieder als Grund da ür an, daß diese Verbind.ichfeitser lärung allerseits er­wartet worden sei. Ohne Einfluß aus die Stim­mung blieb auch die Tatsache, dah am Geld­markt endlich eine süh 1 bare Erleichte­rung für Tagesgeld eintrat. Der Satz dafür wurde auf 6 Prozent ermäßigt, doch b.ieb auch dann das Angebot noch groß. Anderseits au ,cr- ordent ich verstimmend mitten mußte die stark gesteigerte Passivität der deutschen Handelsbilanz für Januar, die sowohl auf eine Zunahme der Einfuhr, als auch auf einen Rückgang der Ausfuhr zurückzufiihren ist. wodurch ein im Vorjahre nicht erreichter Ein­fuhrüberschuß von über 500 Millionen Mark hervorgerufen wurde. Gegen die vergangene Woche ergaben sich a u s den mel ft en 211 Ost­gebieten Kursrückgänge r on 2 bis 5 Pro­zent, was in Anbetracht des bereits wi.der stark gesenkten Kursniveaus stär er ins Gewicht fällt. Von Freigabewerten verloren Berliner Hanl:els- gesellschack 4 Prozent, Scheideanstack 6 Prozent und Holzverkohlung 5 Prozent. Nordd. Lloyd gaben 3 Prozent nach, nur Hapag konnten sich gut behaupten. Etwas größere Kurseinbußen gab es am Elektromarkt für Bergmann, Licht & Kraft und Lahmeyer, die bis 8 Prozent nachgaben. Am Renten markt waren deutsche Anleihen vernachlässigt und schwächer, besold-rs Neubesitzanfeihe waren angeboten. In tür ildjen Renten zeigte sich zeitweise etwas regeres Ge­schäft zu erhöhten Kursen, da die Fortschritte in den türkischen Schuldenverhandlungen anregten. Am Devisenmarkt lag die Mark sehr fest.

Wochenbericht

vom Frankfurter Produktenmarkt.

Gegenüber den vergangenen Wochen konnte sich am Frankfurter Produktenmarkt in dieser Woche ein lebhafteres Ge­schäft entwickeln. Stimulierend wirten die festeren amerikanischen Dotierungen und die gün­stig lautenden Berichte des Auslandes, so daß eine merkliche Entspannung der Mark.läge zu bemerken war und die Händler aus ihrer son­stigen Zurückhaltung heraustraten. Das Ange­bot war im allgemeinen nicht sehr groß, so daß der Nachfrage nicht immer Rechnung getragen werden konnte. Haupt ächl.ch wu.de viel Ware von der zweiten Hand ^rückgehalten in der Hoffnung immer noch höhere Preise erzielen zu können. In Weizen beste Qualitäten wur­den größere Deckungen vorgenommen, da aber