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2ir.(99 .Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag, 24. August (928

Znlernaiionale christliche prestekonferekiz.

3n Äöin trat jetzt bie 4 t »1 e iaittaatio* na!< cfrriÜHd)« Prefs«k0nsetenz iu- <amnm. aul bet etwa 15 3u4l.irtf><tacten Dertre- «en uwren Die Äonfertns war von der Inter­nationalen ^rdletommdfion der ötodholmer D.lrkonserenz c / berufen.

3um Prätttenten ter Äonfetrn^ wurde Uni- v«rfitatsprobc''or ai D. Hinderer (Berlin- gewühlt au Bim-.'r äh tarnen ein französlscher. eng­lischer und griechzich-orchodoret jtirttefWertrelfT Aach Beg rüst u.ig-wort en sprach Dr D. Hin - derer iBerl,» über .Der Buf Gottes an die Prelle" Jur die pratr Iche -arbeit enpsaßl Dr. D Htnderer besondere Einrichtungen für die christ­liche Presiearbeit in den verschiedenen Ländern, sowie die organisierte Berichterstattung über christliche EreignM- an tne Presse aller Länder In der Aussprache führte MNächft Pfarrer Muller 1 Zürich, aus: Wrim deute di? Presse sich jun Teil noni christlichen Gedanken entfernt habe, so liege hier eine Desamtschuld des Bolle- vor. Botaussetzung aller evangelischen publizisti- scheu Arbeit fei. bah hinter ihr ein ganzes Dolf hehe lieber da- gleiche Thema sprach der Quaker H. Dl Pc st (dnglanb Dem Journalisten komme eine Ausgabe zu. wie sie in früheren 3cilen den Propheten aiweriraut war. Dach weiteren Di-- kussion-reden und einem Schlußwort von Prof. [> I) Htnderer wurde die Dersammlung ge- fchlofsen. Abend« fand in der Messehalle aus der Presla eine stark besuchte öffentliche Kund­gebung mit dem Thema

rat» Apostolat der Presse"

statt. Der Leiter der Kundgebung. 3>c« beimrat UniverNtätsprosessor D Deihmann (Bcrlim hieß die Dersammlung im Damen der internationalen christlichen Prefsekommission der ötodholmer Meltlirchenkonserenz toillfonuncn und erinnerte u. a. daran, das) bereit- vor zwei Menschenaltern der geniale Scharfblick eines groben rheinischen Kirchcnmannes, de- Dischos- von Mainz, Freiherrn v. Kette le r. den Örn ft de- Probt ein- .Evangelium und Pres e" erkannt habe, wie sein Wort zeige »Wenn der Apostel Paulus heute aufträte würde er zunächst eine detiunq qrünber " Der Hauptredner deS Atend- C r t b i f d> 0 f Dr. D Söderblom aus Upsala, der Primas der schwedischen evan- oelischei, Kirche, und bekannte Borkampfer und Führer der internationalen Ginigungstewegung d-r K.rchcn nannte in seinen Ausführungen die K'rche tau größten und bedeutendsten Dachrich- lcndieiist der Welt. Die wurde, führte er u a. aus. gegründet, um eine Bachricht zu verbreiten. fine .gute Dachricht". ein .Evangelium". öott hehl den Menschen. Darum hat er Uefus Lhristus

lchickt Die Presse mutz eine Beziehung zu dieser .guten Botschaft" haben um ihre doppelte, aber eng »nlamni'.nschtiesiende Aufgabe als ©bieget und als Licht zu erfüllen. Sie soll ein Spiegel der Geschichte der Gelchehnifle fein. Da hat Die Preste eine große Aufgabe schon bei der Wahl des Stoffe* das richtige zu treffen, sich also nicht den schlechten Gew'hnb. >t. > and Wünschen des Pubiikiun- anzupa'fen. sondern im edel­sten Sinne eine Dienerin der Leser und derMenschhelt zu sein, ohne langweilig und daher untnirflam zu werden. Tatsachen wer­den verschwiegen, oder gelinde modifiziert. Die Bernrt lurtfl von Dachlichten darf sich nicht der Unwabrsnit schuldig machen Das verbietet der bl. Desst der Prelle dr heißt: Wahe­be i t s l i e b l. Die Kränkung des hl. Gei­stes gehört zum Weltübel des Krieges, da« wir mit allen Kräften zerstören und ver­nichten müssen. Ss ist daher eine gesegnete Sache, eine Kulturaufgabe ersten Danges, eine Pflicht der Humanität, schleichende, erschreckende Gerüchte zu erfttden und die Menfchhe t mit *1 alten Angaben zu beruhigen. .Darf ich die Prcsie aufforbem, in dieser Hinsicht mit der

Kirche zus a m. menzuar beiten? Ich meine, bafi eine mit tragifch.nn äm ; verbundene pos'-ttoe Bk.tauffa f/ni b ntcr ter Arb?it der Presse als v runbton heavn 1oll. um damit der GotteSterrfa-att in her sozialen Frage und in allen n enft ichen Derhälnullen zu dienen."

Am zweiten Derhandlungstage der Konferenz wnrd< über die

Mitarbeit her religiösen Presse an her Förderung her ökumenischen Bewegung beraten. Prof Dr. Hinde rer gab in einem «nngchenden Deferat bte grundsätzlichen Gedanken für di? AuSfprache an der sich Beehrtet ter verschiedenen ausländischen protestantischen Kir­chen beteiligten. Der Dehner ging aus von der Tatsache, das) das Echo her ökumenischen Be­wegung in der religiösen Preffe noch keineswegs der wirklichen Beteutun/ dieser Bewegung cni- spreche, und untersuchte dann die Grünte für diese Erscheinung Beben den polnischen Hinder­nissen. so führte er aus. machen such vor allem auch Hemmungen auf kirchlichem Gebiet bemerk­bar ein Gruppenegoismus, der den Bhd nicht über den eigenen Kirchturm zu erheben vermag, ein Kirchenpatriotismus, der für eine Gruppe allein das wahre Christentum in Anfpruch nimmt. Gegenüber dielen der ökumeni­schen Arbeit im Wege stehenden Hemmungen habe die religiöse Preise aller Länder um so verantwortung-vollere Aufgaben. Der Redner gab praltilche Hinweise zur ürfullung dieser Ausgaben An der Aussprache beteiligte sich u. a. der Herau-geber einer groben amerikanischen Kirchenzeitung. S. Richard Lynch iBeuyork). der über da- Thema .Kampf der rdigickn Presse gegen den gen einsamen Feind einer ablehnenden weltlichen Kulturbewegung" sprach.

Die weitere Aussprache drehte sich vor allem um den Ausbau eines internationalen kirchlichen Aachrichtenbtenftes In älebcreinst immung mit dem Leiter der Bersamm- lung empfahl Professor Deistmann, einen An­trag an die Internationale Preffetonunission des Stockholmer Fottsetzungsau-fchuffeS zu richten, und fetzte sich für die Hinrichtung regionaler Pressekonferenzen der leitenden kirchlichen Persönlichkeiten unter Hinzuziehung von nam­haften Bert rot em der Tagespreise ein.

Too Itrqrbnio der Peralungcit

Die Internationale Konferenz legte das Ergeb- n i s ihrer Beratungen in einer einstimmig angenom­menen Entschließung fest, in der zunächst her Dank an den Leiter der Konferenz, Professor Dr. D. Hinderet (Berlin- und an die Referenten zum Ausdruck gebracht und die Wichtigkeit weiterer Internationaler Pressekonferenzen betont wird. An die Internationale Christliche Pressekommission r Stockholmer Weltkonserenz wird die Bitte gerichtet, die weitere Durchführung der besprochenen Ausgaben zu unterstützen. Als weitere praktische Ausgaben für die nächste Zukunft enthielt die Entschließung die Vorbereitung von kleineren Pressekonferenzen, in denen sich Delegierte einander benachbarter Länder tref­fen, ferner die Erleichterung von Stu­dien- und Informationsreisen und vor allem die Schaffung einer oder mehrerer Zentralstellen für christliche Pressearbeit.

(htibfang durch die Stadt Köln.

Zu Ehren der Konferenzteilnehmer oeranftaltele die Stadt Köln am Abend einen Empfang im festlich geschmückten großen Saal des Gürzenich. Unter den Anwesenden bemerkte man Erzbischof D. Soederblom (Upsala), Reichsminister a. D. Külz, Regierungspräsident Elf gen, sowie zahl­reiche Vertreter der kirchlichen und weltlichen Be­hörden des In- und Auslandes. Bürgermeister Matzerath begrüßte die Gäste in Vertretung des beurlaubten Oberbürgermeisters Dr. Adenauer im

Ramm der Stadt und verband bannt ben Wunsch, dost die erste Internationale Christliche Pr< e!on seren; die okumenuche Bewegung einen guten Schritt vorwärts gebracht haben m. .ie Rach ihm ergrifi Erzbilchei D Soederblom bat Wori und hantle zunächst im Romen der Christlichen Prelle- konferen; unti z, gleich her Presse!01 Mission der Stockholmer Wettk.rchentonseren; dem Burgerm. .feer für |eme Legrüstu gsworte. wobei er die prächtige und gastfreie Aufnahme der nonserenzmitgliede. durch die Stadt 1 nin rühmend ''ervorhob Die Prefso, lo fuhr der Erzbischof fort, in deren Rahnu 1 diese Konferenz ^ottgesunden habe, sei ein gewaltiaes Unternehmen, und es sei zu hoffen, daß diese» Unternehmen für das Wohl der Völker legen bringend wirken und dazu beitragen möge, daß bie Menschen über bie Rationen hinweg s 1 ch die f) ä n 6 e reichten im Bewußtsein der heiligen Aufgaben, die sie zum Segen der ganten Menschheit zu erfüllen haben. Der Redner wandte sich lobann den Aufgaben der Tagesprefle im allgemeinen und der kirchlichen Preise im be­sonderen zu und gab der lleberzeugung Aus­druck. daß eS nicht richtig sei, hier einen Unter­schied zu machen Die ganze Presse müsse von der Wahrheitsliebe, von der Ge- r e ch 11 g k e i t von dem ßtnr für ihre hohe Bestimmung, von der schweren Berant- w or tun g der Menfchhe : und von der G0ttesherrsch a f t durchdrungen fein. De- genfeitigeS Bertraucn und Zusam- menarbc 1 t zwischen Kirche undPref se sei oberstes Gebot Das Hoch deS Erz­bischof- galt der gastfreien Stadt Köln, ihrem Oberhaupt und ihren Bewohnern.

Der holländische 3rbeu*m indlcr, Pro'ellor Dr C i 0 t e nt a f c r d e Bruine sprach a ifchliestcnd e.i.gehend über die Bef-eutung einer engen Zu­sammenarbeit zwilchen Regierung und Prelle.

Obetlonliftorialral Zilcher- Berlin ta.Jtc als Bertwtcr des evangelische? KirchenauSschuNes und im Auftrag,' des Präsidenten b e'c# Aus- schu 'eS. Kapier, i isbesondete d?n Sch p'em der evangelischen Sonterschau aa« d.r .Prella für tre eriolgrcichen Bemühu' '.en um das Zustande­kommen bieder Sandersch-:u

Sür die f ranzöst I che Kirche sprach Pastor 2 ö zs ue I - Pan» den Dank für den überaus freundlichen Emp'üng aus und würdigte eingehend das große Äuiturwert der .Prella". Aranfretd) könne es nur heb sein, in friedlichen Wettbewerb mit Deutfchiai.b zu tra.n

DlcLpnch - Deutzork erinnerte daran dast zur gleichen Zeit her amerikanische Stoats'clretar Kellogg sich auf dem Ozean auf dem Wege nach Europa befinde, um den Bcrtrag zur Aech- tung des Krieges zu unterzeichnen Der Redner sprach die Aofhuing aus. dast her Kellogg-Pakt eine neue Beta für die Welt Ix-bcjten würde und dast er den ewigen Frieden zwilchen Deutsch­land und Frankreich und den übrigen Nationen der Erde einleiten werde

Weitere Ansprachen hielten Präses D Wolf- Aachen und llnivcnitatsproie sor Dr Ste'an Z a n k 0 w » Sofia, der aul die Bedeutung des Ostens in der Geschichte des Ehriftentums hin­wies. Er bezeichnete die friedliche Zusammen­arbeit zwischeii Osten und Westen als eine Lebensnotwendigkeit

Dingen um das Baltikum.

polniiu,cs Liebeswerben. Oie lettisch-estnische Zollunion. Deutsch-baltische Zugendprobleme.

Bon unserem ri-Sonderberichterstatter.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Reval, August 1928.

Der lange und viel erörterte Baltische Bund ist in diesen Tagen im Werden begriffen. Es wird vorerst einkleiner Bund" fein, eine Allian­zwischen Lettland und Estland. Litauen soll auS wirtschaftlichen unb politischen Gründen nicht ein­bezogen worden. Eine Allianz, keine Union wird die beiden baltischen Dachbarstaaten ver­binden Gegen eine vollständige Berichrnelzung sträubt sich da» absolute Unabhängigkeitsbedürf­nis, das den fungen Staaten eigen ist. Und ihre recht kleinliche Vtserluchtelei. In camcra caritatis kann man von lettischen und estländischen Po­litikern m gleicher Weife hören, wie turmhoch die einen über die anderen sich erhoben fühlen. Diese wie jene betrachten sich al« die alleinigen Träger baltischer Kultur. Und wenn sie nun im Begrifk sind, sich miteinander zu verbunden, geschieht dies vor allem aus wirtschasttlcher Bot» Wendigkeit, noch stärker aber aus dem Ge­fühl von Sch u tz b e d ü rf t ig k e i t gegen­über D u st 1 a n d. Der erste Schritt zum Bal­tischen Bund wird die lettifch-estnische Zollunion fein, die nun, nach längerem Zö­gern der estnischen WirtschaftSkreise, vor dem Abschluh steht. Wichtiger noch ist das Mili­tärbündnis der beiden Staaten. Bierhundert- tauscnd Mann, meinen sie, können sie im Ernst­fall auf die Beine stellen. 3m Ernstfall d h. für den Fall eines russischen Angriffe-, Obwohl augenblicklich im Baltikum Ruhe herrsch!, wird täglich und stündlich mit dieser Möglichkeit ge­rechnet. ..Wir dürfen eine Balkanifie- rung unterer Berhältnisse nicht zu- l a f f c n", erklärte mir der lettische Außenminister B a 1 0 d i S, als unser Gespräch auf bie Dvt- wendigkeik diese- baltischen Bunde- kam. Und auf btt Gefahre,', die den Banbftaatc.i von ihren Dachbarn drohen.

Diese Gefahren können nicht nur kriegerischer, sondern auch friedlicher, fremidfchaltlicher. gar zu freundschaftlicher Datur fein. Zweifellos ift die ärgste Gefahr, die der Souveränität der Rand­staaten droht, die tödliche Umarmung durch Polen Man setzt in 'Warschau alle Hebel in Bewegung, um die baltischen Staaten in die eigene Interessensphäre einzubeziehen Ge­nau so wie Litauen getoaltfam von der polnischen Wirtschaft und der polnischen .Kultur" au|ge­logen werden soll, möchte man Lettland und Estland auf friedlichem freundschaftlichem W«g zu Tode küssen. Dun ist die Hinneigung zu Polen namentlich in Estland ziemlich stark. Zweilellos ist die unversöhnlichc Haltung des Auhenministers Reba ne, der sich im diplomati­schen Berkehr genau so wenig wie im persönlichen durch besondere Konzilianz auszeichnet. in der Frage der Entschädigung reich-deutscher, durch die Bodenreform enteigneter Grundbesitzer vor allem aus polnische Einslüsse und Emslusterungen zurückzuführen. Das Warschauer Außenministe­rium Hai mehr als einpial den Bersuch gemacht, Estland als brillanten Sekundanten im Han­delskrieg mit Deutschland zu gewinnen. Daß dieser Mrsuch mißlang, liegt an der unab­änderlichen Tatsache, daß etwa die Hälfte des estnischen Wirtschatt-verkehr- sich mit Deutschland abspiett. und daß ein Handelskrieg, her für Deutschland unbeauem gewesen wäre, für Estland sicheren wirtschaftlichen Selbstmord bedeutet hätte. DeuerdinaS ist man in Warschau nun am Werk, auch Lettland in bie heimliche Front gegen da« Deutsche Reich elnzubeziehen. Herr H o - lowkv. der Direktor der Oftabteilung des pol­nischen Außenministeriums, nebenbei einer der ge­fährlichsten und zweifello« agilsten pvlnilchen Diplomaten, hat sich zu einer Stoatsvistte in Riga aufgehalten, bei der sicherlich nicht nur vom 'Detter die Rede war. Erfreulicherweise ift aber

Der schiefe Turm.

13on Gustav W. überfein, Rom.

.Bcr your papdon. Mister, können Sie mir oielloicht lagen, wann der krumme Turm da jnrfäntr

.Volontieri, Signonna! Das Tann ich Ihnen 'aflen. preasamente Und au« der galanten Bet» ?.ugung heraus wirst sich der gute PUaner m >ic der Wichtigkeit des fallet angemessene amt- iche Haltung und doziert'

.Der schiefe Turm von Pisa fällt am 15. De- .ember 2128 um!

Da kaim man nichts machen

.Oh. so lange noch T" Und tne blonde Miß entfernt sich mit jenem Unterton des Bedauerns, her uns. als wir noch Lausbuben waren, und dem Seiltänzer ungeduldig ben Rücken kehrten, fo gut fcanb: Gehen wir. der fälU ja doch nicht runter!

Zweihundert Jahre noch, das haben bie von der Obrigieit soeben zur Beruhigung einer auf- ccrcgbcn Welt verkündet. Sonderbarer weif e gibt es nämlich Dienfchen. denen das Problem eines vberhängenden Turme« bei weitem interessanter unb gruseliger erscheint alS die Gefahr eines ttberttängenhen Krieges Sogar in Frankreich be­schäftigen sie sich intensiv mit der Frage, wie nan die Katastrophe deS Zusaminenbruchs oer- toten tonnte. Die Akademie ber 'Wissenschaften in Danctz hat ein geradezu ideales Projekt zur Sicherung des Friedens - Pardon, des Turmes, wollte ich sagen auSgearbeitet

Wie Sic wissen, fand Galilei die Haltung 1« Eampanile praktisch, um mcht zu lagen iweckmähig. erleichterte sie ihm doch seine Ber» 'uche über die Gesetze des Falles Es tauchten cber auch Borgtet aus. bte versicherten, bie Bau- neiü« buhen es ursprünglich gar nicht so ge- neint, der Turm sei ihnen vielmehr unter ben ?>änbtn übgtwichen wie ein ungeratener Schlingel, xnh «1 sich alle Betsuche. ,hn zu einer anständigen -Haltung zu bewegen alS boffmmgdlo« erwiesen, yaben sie schließlich nach, indem kc vom obersten ohxnoert ab einrüdien. Der Stockwerke oder ^änlengUenen hat er tm ganzen sieben

tc D0771 auch sei. ob er nun schief gedacht war cder erst wurde. ledenfallS nafmt feine Bngung. rom geraden Weg abzuweichen immer mchir zu.

^?6länder hat das vor gerade yimdert Jahren, lo daß wir also Heuer ein Hänge» :^btlaum feiern können, gemerft unb den ersten -:?anTr^f «tfgeftohen. Seither grübelt die Welt aber das Phonemen nach, unb jeden Tag läuft in

Pisa eine neue AbweichungSberechnung. eine neue Sinsturzberrchnung. eine neue Stützungsberechnung ein, so daß daS Archiv gestern 26 475 2Dtenftude registrierte. Bon den offiziellen Tatbestandsauf­nahmen und polizeilichen Lokalterminen nicht zu «ben.

Ss ist rührend zu sehen, wie die hohen und höchsten Abotdnungeii sich zwischen Würde und Ratlosigkeit auf pflanzen und. den Singer an der Bafe. zu dem steinernen Riesen hinauf starren wie die Zwerge zu Gulliver. Der Mensch wirtt ja immer ein ticm wenig lächerlich neben einem Turm, gar nun mit einem Zylinder auf dem Kopf und einer gelehrten Aktenmappe unlerm Arm. Unb trenn man am Fuße des 54 Meter hohen Gamparüe fteht. vier Bieter von feiner Sttefelspitze entfernt, lo wuchtet feine 6tim gerate auf die des Beobachters herunter, dann vier Meter bereit- hängt sie über. G- ift zum AuS» reihen. DaS unheimliche Gefühl, plötzlicherschlagen zu werten, vermag kein Polizeiotteft zu ver­treiben ist nicht auch ter Campanile auf dem MarkuSplatz in Bencfrg eingestürzt. ohne eS vor­her anzumelten und die Erlaubnis dafür ein­zuholen?

So unartig soll ja nun ter in Pifa nicht fein. Man kennt leine Gepl logen beiten - den Ausdruck .Schliche' wollen wir daher vermeiden ganz genau. Eine Rechenaufgabe, nicht mehr, für BZa- turitätlfanhitaten empfehlenswert. Also Ein 54L Meter hoher Turm hatte im Jahre 1828 eine Deigung von 5.5 Millimeter auf den Bieter, die leither lährlich um 2 Millimeter zunahm, wann und bei welchem Bcigung«minfci vertiert ter Turm daS Gleichgewicht?

DaS eine Refultat. fo weit eS den Fremten- vertehr interessiert, war gestern noch, wie aus den, Euigangsdialog ersichtlich, in aller Mund. Die Stadt Väter von Pisa haben natürlrch alle Betanlaffunfl. bie schiefe Stellung ihrer Haupt- fchenswürdigteit so lange wie möglich zu erhalten. Sie find daher in nicht geringe Aufregung ge­raten, alS die übliche S^mneneauf gäbe von an­deren Mathematikern heute auf andere Weile gelöst oder vielmehr schon ter Fragestellung nach angefochten wurde. In der ftarif<5cn Gleichung. Io behaupten diese Reuerer. befände sich ein zwei­felhafter Faktor, nämlich die Senkungszunahme um die berühmten zwei Bllllimetcr. In Wirklich­keit feien es drei Millimeter, während anderer­seits auch bte geringere Senkung des eingerückt en Stodnxrie in Betracht gezogen werten mülle, da cS die GefamtabweichuTig zum Teil auSgleiche. llni> drittens forme die Unbekannte, taS x ter

Funtamentsverhältnisse, überhaupt niemals genau bewertet werten, da der Boten unter dem Turm und um ihn herum fortgesetzten Beränterungcn unterworsen, beweglich, von Wasser durchsetzt, von Erdbeben erschüttert sei.

Bitt anderen Worten, der Turn» könne jeden Tag um kippen.

Auf diesen BombeneinschLaa hin stülpten die Stabtväter "«i Pisa den Zylinder auf, stopften die Aktenmappe unter den Arm und pflanzten sich, den Zeigefinder in ter Bafe, vor dem steinernen Riesen auf wie die Zwerge vor Gulliver. Der Turm verzog feine Miene.

Darauf ordnete taS Ministerium für öffent­liche Arbeiten in Rom eine llnter<uchung-tom- mMion ab, bie ben Zylinder aulftülpte. bie Aktenmappe unter den Arm stopfte und sich, den Zeigefinger an tat Bäte, vor tarn steinernen Riesen aufpflanzte. Der machte feinen Mucks

Bicht faul, sandte nun auch die Provmzial- regierung eine ^lntersuchungSlommillion au-, die den Ztstintar aufstülpte, die Aktenmappe ... Der Turm blieb unbeweglich

Die römische Kommillion befahl die sofortige Einstellung aller Erd- imd Berschönerungsarbei- ten tm llmkreis. D e Provinzfommllsion wider­setzte füh. Die Stadtväter von Plla starrten un­entwegt m die Höhe

Fachleute auS aller Bklt wurden gehört, mel­den sich täglich an. Der Referent ter 'Akatamte von Dancy erklärte, eS gebe fein andere« Mittel, als einen 12 Meter tiefen unterirdischen Blauer» rmg um den Turm herum-uziehen und Beton au#jufüllen. Ein deutscher Drosellor soll tarn ^veifel Ausdruck gegeben haben, ob der be­rühmte Bllllimeter nicht vieüe.cht eher auf eine fehlerhafte Berechnung alS auf eine Senkung zutückzuführen lei. Ein Amerikaner fand, am besten wäre e-, den Turm Stuck für Stück ab- zuttogen und taS Ei des Kolumbus schnur­gerade wieder aufzubauen. Davon wollen nun wieder die Stabtväter von Pisa nichts wissen. Do bliebe dann, <3 argumentieren sie, untere sprichwörtliche Sehcn-würdigkcit? Gerade Türme find nicht« Besonderes.

"Der weih, tat Streit tat Gelehrten hätte noch einen schiefen AuSgang genommen, wenn mcht ein gerate von Gent eintreffenter Minister ten genialen Gedanken in die Diskussion ge- worlen hätte, für jede tat beiden Kommissionen eine Reihe von UnterfonunifUrnen inS Leben ?u niien, taten AuSsthülle mit Hilse besontaret llntetauslchülle die unerläßlichen Botarbeilen

vornehmen oder Vorschlägen sotten, wie geolo- gische, geometrische und geognostifche Prüfungen, statifche Konfolibierungsberechnungen und Hh- draulifche Beobachtungen. Em Tstrrfchlag, der einstimmig angenommen wurde.

Der Turm lachte sich nicht schiefer, alt er schon ist.

Dieviel Sorge um mich? philosophierte er. DaS sind die Hoffnungen der Menschen aritarS alA Türme? Wo keine Gefahr besteht, ta suchen und finden Ne eine, nur weil ihnen irgend­etwas nicht gerade genug erscheint Die andere Hoffnung aber, bie kerzengerade, die Himmel- angerichtele. stürzt, wie mein Brüher in Benebig. unerwartet und blitzartig zusammen

Hochschulnachnchien.

Zur Wieterbefetzung teS Lehrstuhls für Altes Testament in tat theologischen Fakultät ter Uni­versität Bonn (an Stelle te« Geh. Kowistorial- ratÄ Ioh. Meinhold- ist ein Ruf an den Ordina­rius D. Dr Gustav Hölscher in Marburg ergangen. Der durch die Emeritierung des Gcb. Bcg'.crungftraks K v Auwers an ter Universität Warburg erledigte Lehrstuhl der Chemie ist dem ortentltchen Profefsor Dr HonS Meerwein in Königsberg angeboten Wor­ten. Dr. Meerwein, der erst kürzlich einen Ruf an die Universität Leipzig erhalten hat. ist 1879 zu Hamburg geboren Er studierte in Wiesbatan bei Prof. <Freleniu- und in Bonn hauptsächlich Chemie unb Physik bei Prof. Anfchütz. Kahfer und Schroeter - TaS durch ben Weggang te« Prof. E. Klostermann nach Halle an ter Uni­versität Königsberg erledigte Ordinariat der neutestamenttichen Theologie ist dem Otdinariu« D. Julius Schniewind in Greifswald Angeboten worden. Professor Dr Jakob Strieder in München hat die Berufung auf ten Lehrstuhl ter Geschichte an tat Universität Freiburg t B. als Bachfolger von Geheim­rat Heinrich Fink abgelehnt. DaS Mitglied ter Russischen Akademie der Wissenschaften in Leningrad Professor Dr. A. 3 0 f f ist von ter Preußischen Akademie der Wissenschaften zum korrelpondierendeii Mitglied ihrer physikattsch- mathematischen Klalle gewählt worden. Dr. 3offe bekleidet eine Professur am Leningrader Poly­technischen 3nftjtut ,W. 3. Kalinin". Sr ist ferner Direktor des Leningrader Phhs'kaNsch- Technischen Laboratoriums.