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Hr. 199 Erster Blatt

H8. Jahrgang

Zreitag. 24. August 1928

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

»icktz^ch« llit»«ÄI»U.vach. 1*6 Striientdttd B. £any In «tefciL $4rtftkttnng und 6tf$ift$Me Schnlftr-tze I.

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fir Anzeigen von 27 mm A 8, ausoirt»

10 ReichspfrnNtg, flr St« klamean teigen von 70mm Srtttt SS.Reid) »Pfennig, Platz Vorschrift 20*, mehr. (Tbefrtbalrtenr

Dr. Friede Will). Lang«, veranuoonlich für DohtiA Dr. Fr Dill) Longe für Feuilleton Dr H.IHyrlvt, lür den übrigen Teil Ernst Vtemschein; für den An« yigenteil Muri Hillmann, sämtlich in Gietzen

Smndag» und Feiertag» VeUage«:

Diestener FamiNendlLUer rin Vlld tHt Scholle.

* Reichsmark und 20 Reichspftrnriq ftr Trägt» lohn, auch bei Sichrer- scheinen einzelner Summern infolge höherer ®toolL Fernsprechanfchlüss«: 61. 54 exb 112.

Unschrift ftr ^rohv-ach- richten SwydftT tieft««.

v»»sch<«o»te:

Srenffurt ae Kain 11 CM.

Die Eröffnung des Wettparlamenis in Berlin.

Klare Stellungnahme gegen die Aufrüstung.

Mberr morgen .st hn Reichstag bi« 2 5. Ä o n- ftr« n» d«r Interparlamentarischen Union zusammen gt treten Die Beben tu ng bet Zusammentreffens einer solch großen Anzahl hon Parlamentär <*m aus allen Ländern der Welt ist von uns schon gewürdigt worben. Aus ben ersten Beben g-.ng saft einheitlich bet Gedanke hervor, dast sich bi« Mitglieder der Union als $ u t« r des Friedens betrachten und nichts unversucht lasten wollen, um ben Frieden ui '.chern. Somit berührten auch alle Beden mehr oder weniger das Thema der Abrüstung, das im Zusammenhang mit der bevorstehenden Unterzeichnung des K«llogg-Pakt«S ja zur Ze-.t nn Mittelpunkt de« öffentlichen Interesses steht. Reichskanzler Müller wie- deshalb mit npfkin Rechte in seiner Degrüstunasanfprache darauf hm. daß gerade Deutschland im­mer und uneingeschränkt an der Er­haltung des Friedens gearbeitet habe, um bi« Menschheit dem gemeinsamen groben Zi«l des konsolidierten Weltfriedens näher zu bringen. Es war erfreulich, auch von ben anderen Rednern der verschiedenen nationalen Gruppen derartige Bekenntnisse zu hören. Bur kann man dem holländischen Delegierten Dr Trent» da­bei vollkommen zustimnien. daß leider die Par­lamente in dieser Hinsicht in ihrer Mehrheit nicht die Macht haben, oder zum Teil auch nicht einmal die Mach: aufbringen wollen, um die Idee des Friedens und der Berständigung auch restlos durchzuseNen. Wenn nun di« diesmalige Konferenz auch keine konkreten Beschlüfse zei- tiocn wird, so zeigt doch die bereits stattgesundene Aussprache, wie weit die Ideen der Derstän- bigung und der Konsolidierung überall in der Welt schon durchgedrungen sind und in welchem Umfanfl« auch das diesmalige Treffen für die Durchführung dieser Idee wirksam fein wird.

Die 37 Stantensahnen. Ne in der Wandelhalle des Reichstags gehistt wovdcn find, sollten ein Symbol für Ne Völkerverständigung sein. So gut H möglich ist, diese Fahnen friedlich nebeneinan­der zu hängen, so gut sollte es möglich sein, die Böller zu gemeinsamer Arbeit zusammenzu- sühren und jebe Störung in dieser Hinsicht zu permeiben Alles bleibt «wist im '2lugenblick wenigstens noch Utopie. Aber trotzdem ist das Ressenttment nicht am Plaste. Wenn cs möglich ist, bah sich 600 Parlamentarier aus 37 Starrten der Welt zu einer Sitzung zusammensetzen können und einträchtig über die wichtigsten Probleme zu beraten vermögen. Io must es auch in Zu­kunft möglich sein, daß die Staaten selbst sich immer wieder in friedlicher Weise zusammenfin- den können. Unter diesem Gesichtspunkt must man Ne Eröffnung der Interparlamentarischen Konfe­renz betrachten, und unter diesem Gesichtspunkt kann man nur hoffen, dah sie auch weiterhin im Interesse des Freden- und der Konsolidie­rung arbeiten wird!

Die Eröffnungssitzung.

Berlin. 23. Bug. (WTB.) f)cutc vormittag wurde im Plenarsaal de» Reichstages die erste Lollsitzung der Interparlamentari­schen Konferenz eröffnet Al» Dertreter der Reichsregieruna mären mit dem Reichskanz­ler Müller die Reichsminister Dr. Strese - mann, o. (Butrarb, Koch Weser und Diet- r i d) erschienen

An Stelle de» erkrankten Vorsitzenden, de» Barons ?l bei,mürb, eröffnete der stellvertretende Dor- sitzende Brad ec (Tschechoslowakei ) die stanserenz. Ur teilte mit, dost der Rat der Union Vorschläge, den Präsidenten der deutschen (9nippe, den flbgeorbne- ten Schü^tng, zum Vorsitzenden de» Kongresses zu roohlen. Die Versammlung stimmte diesem Vorschläge mit lebhaftem Beifall zu. Hierauf ergriff der

Abg. Schücking

da» Wort zu einer Begrüßungsansprache, in der er u. a. ausführte Die Interparlamentarische Union ,st heute in aller Welt die vornehmste Repräsentantin einer neuen politischen Ideenwelt, (strotz sind die Leistungen, die sie zu ihrer Verwirklichung in der Vergangenheit gemacht bat, gröber noch sind ihre Ausgaben für die Zukunft. Der Kellogg Pakt, der in diesen Tagen in Pari» unter^ichnet werden soll, spiegelt nur eine Resolution wider, die wir schon aus der Plenarkonferenz de» Jahres 192-S in Bern gefaßt haben. Aber Größeres und Schwie­rigere» ist noch zu tun.

Wir müssen auch die soziologischen Ursachen der Kriege bekämpfen, indem wir dem natürlichen Hecht aller Völker in allen Beziehungen auf der aanjen Linie in einem rechtlich geordneten Der- ° ,am friedlichen Durchbruch verhelfen und Mittel und Dege finden, da» Ideal der Gerechtigkeit zu verwirklichen.

Möchte auch die gegenwärtige Tagung, die fo wich- tige Dinge umfam, von dem Geiste des Fortschrittes Gottes in der Welt- geschuhte ist!

«Ä.^lns «dluh^an die Begrüßungsansprache des Präsidenten. Abg. Schücking. führte

Reichskanzler Müller

erste Willkommen, gru®. den ich A» Sie richte, ist der des Ober­

Hauptes des Deutschen Reiches, unseres Belchs- präsidenten, Herrn v. Hindenburg. Gr bedauert, nicht in Berlin anwesend zu fehl, um Ihnen selbst Worte der Begrüßung auszu- lprechen. Ich hie dies hier in seinem Auftrage. Dem Grütze des deutschen Reichspräsidenten reiht sich an drr Ausdruck der Freud« der deut­schen Reichsregierung, die Sie in der Reich-Hauptstadt und an der Stätte des deut­schen Parlamentes ebensall» herzlich willkommen heiht. Als internationale Einrichtung blickt die Union erst auf dreißig Jahre zurück 3n dieser Zeitspanne lag die .st a t a st r o p h « d e S Welt­krieges. dessen pfnchologische Rachwirkungen noch Jahre hindurch die Aufnahme freundschaft- licher und vertrauensvoller Beziehungen unter den Rationen erschwerte? Diejenigen, die in den ersten Jahren nach der Beendigung des Delt- krieaes auf den Tagungen der Interparlamen­tarischen Union waren, werden sich mit Denug- tuuiiß daran erinnern, datz auf ihren Tagungen zuerst die 'Bande wieder angeknüpst wurden, die nie mehr zerreißen dürfen, wenn Europa nicht doch noch zu einem Trümmerhaufen wer­den soll. Die Abgründe, bi« zwischen den einzelnen Dölkcrn sich auf getan, beginnen sich mehr und mehr zu schließen. Die Bar­rieren zwischen ben einzelnen Staaten sind gefallen, und von hüben und drüben reichen sich die Menschen, die guten Willens sind, die Hände zur gemeinsamen Arbeit.

kein Volk, so groß und stark es sich dünken mag. kann auf die Dauer für sich allein bestehen. bedarf der Hilfe und Unterstützung der anderen Mitglieder der großen Völkerfamilie

In dieser Arbeit für den gemeinsamen Fortschritt der Böller ist die Interparlamentarische llnivn ein besonders wirstames Instrument. Au- einer Organisation, die in erster Pinie für den Schieds- gerichtsaedanken und damit für die Beseitigung bewaffneter .stonslikte eintrat, hat diese Organi­sation sich zu einem Weltparlament ent­wickelt. daS in voller Freiheit und in geistiger Unabhängigkeit im Sinne der allen Böllern ge­meinsamen Interessen an die Lösung der großen Probleme herantrat, welche untere Zeit bewegen Die Stimmen aller Rationen, die in diesem gro­ßen Parlament vertreten sind. Hingen auS in dem einen Wunsch, das Reich deS Frie­den« auf Erden zu sichern. Schwierig­keiten und Kämpfe zwischen den Böllern wird eS immer geben. Diese Kämpfe aber auszutragen auf dem Boden de« geistigen Kampfes ift das Ziel Ihrer Arbeit. Wir find unS alle darüber klar, daß dieses große Ziel noch in der Ferne liegt und daß es noch vieler heißer An­strengungen bedarf, um endgültig in daS gelobte Land des Friedens zu gelangen. Die deutsche ReichSregierung wünscht von Herren, daß Ihre Arbeit dazu beitragen möge, die Mensch­heit unserem gemeinsamen großen Ziele näher­zubringen und daß die diesjährige Tagung in Berlin eine Quelle des Segens für die Menschheit sein möge!

Rach kurzen geschäftlichen Mitteilungen widmete der Borsihende. Prof. Schücking. während sich die Berfammelten von ihren Plätzen erhoben, den verstorbenen Mitgliedern der Union einen Rach­ruf. AIS erster Redner ergriff dann der Dor­sitzende der Kommistion für Wirtschafts- und Finanzfragen,

Dr. Treub-Holland

daS Dort, der u. a. sagte Habe sich nach dem Kriege bei fast allen Staaten zunächst bad Be­streben ae.ze.gt. möglichst unabhängig voneinander C werden, so sei doch rasch die Erkenntnis

r gegenseitigen Abhängigkeit der Dölker voneinander durchgedrungen, so auf dem Gebiete der militärischen und wirtschaftlichen Abrüstung. Die Interparlamentarische Union habe bereits im Jahre 1920 eine Kommistion für Wirtschaft-fragen eingesetzt. alS deren Ergebnis immer wieder die Rotwendigkeit der wirt­schaftlichen Abrüstung betont wurde. Leider müll« aber festgestellt werden, daß trotz aller Bemühungen um biefc wirtschaftliche Ab­rüstung die Zollsätze in die Höhe gegangen wären. Ein Lichtblick sei frcJüfc vorhanden, so fei vor allem der deutsch-französische Handelsvertrag zu nennen, der. wenn er auch noch nicht genüge, sich doch von dem neuen Geiste der Wrirwirttcbaflskonferenz inspirieren laste und der die gegenseitige Abhängigkeit der Staaten voneinander durch praktische Maßnahmen im Intereste beider Teile dokumentiere.

Der ehemalige dänische Wehrminister und Dor- fitzende der Interparlamentarischen Abrüstungs­konferenz.

Dr. Munch-Kopenhagen bedauerte zunächst, daß die letzte Abrüstungs­konferenz in Genf keine erheblichen Fortschritt« gebracht habe. In allen Böllern sei eine ft a r ke Ungeduld über die lang­same Arbeit in Eens zu bemerken. D:eS müsse abgeftellt werden, beim fonst befreie d.e große Gefahr. daß die Autorität der Genfer Ab- rüftungskommiffion gemindert werde. Entscheidend fei aber vor allem die moralische Abrüstung der Böller. Zwar wollten alle Böller den Frieden, aber jedes Bolk betone immer wieder es niste

nur. um sich vor seinem Rachbar zu schützen. Angesichts diese- absurden Zustandes sollte man alle Mittel anwenden, um diele Begründung un­möglich zu machen. Dazu müßten

In steigendem Matze Schiedsgerichts- und Rich! angrissspakte

abgeschlossen werden. Der Redner empfahl die Schaffung einer Organisation beim Böllerbund, bi« eine Gesamtaktion in dieser Richtung ermög­lichen solle. Für Europa, fo betonte er zum Schluß, sei die Abrüftungsfrage von besonder- entscheidender Bedeutung, eine Frage au Leben und Tod: denn ein Krieg zwischen den europäischen Rationen werde fürchterliche und gar nicht auszudenkende Berwüstungen auf dem Fest lande anrichten. (Beifall.)

Im Anschluß cm di« Ausführungen Dr. Munchs ergriff der

frühere Heichsminister Or. David

da- Wort, wobei er au-führte, tr sei wohl über­zeugt von dem guten Willen der maßgebenden Kreise, der Staatsmänner, die ehrlich den Frieden wollten, die gern ad rüsten wollten, die aber doch mimer wieder fürchteten, daß eine rasche Ab­rüstung ihrem Lande gesährllch werden würde. Selbst die Lvearno-Verträge imd der Kelogg- Pakt genügten ihnen noch nicht, weil einer dem anderen nicht trauen würde. Als Grund für dieses Mißtrauen würden die Rüstun­gen des Rachbars angegeben. Der Grund für die Rüstungen sei also da» Mißtrauen, der Grund für dieses Mißtrauen seien bk Rüstungen 'Dieser rirculus vituosu« wäre aber nur zu sprengen, wenn man aufhören würde, Sicherungen zu ver­langen. Die Sicherungen kämen mit der Ab­rüstung ganz von selbst. (Verfall)

Deutschland habe abgerüstet. Ihm |d die Ab rüffunq aber nur auserlegt zu dem Zwecke einer nachfolgenden allgemeinen Abrüstung auch der Siegerfiaalen. Deutschland habe ein Recht, die Erfüllung dieser vestimmung zu verlangen. (Lebhafte allgemeine Zustimmung.) wenn sie nicht erfüllt würde, würde dem Versailler Ver­trag der Loden entzogen.

«Erneute Zustimmung.) Hinzu komme die psycho­logische Unmöglichkeit dieser Lage al- Dauer­zustand. Die Rüstung der ehemaligen Gegner be­deute neben der Rheinlandbefetzung das schwerste Hindernis für die deutsch-französisch« Berständigung. Mit der gleichen Logik wie di« Franzosen könnten auch die Deutschen chre Aufrüstung propagieren. Eine solche deutsche Aufrüstung würde aber nicht dem Frieden dienen und den Krieg verhindern, sondern nur die Ge­fahr vergrößern. Sine dauernde Derstän- bigung zwischen Fran kre ich und Deutsch­land sei der Schlüssel zur Befriedung Europas überhaupt. DaS deutsche Volk wolle in feiner großen Mehrheit diese Berständigung. Da- Kriegsbeil zwischen diesen beiden gro­ßen Kultumationen solle und muffe für all« Zeiten begraben werden. (Lebhafter Bei­fall.) Er sei persönlich aber auch fest davon überzeugt, daß da- französische Doll ebenfalls in seiner großen Mehrheit die Berständigung mit dem deutschen Botte wolle. (Beifall.) Darauf trat emc Mittag-Paule «in.

3n der RachmittagSsltzung der Interparlamen­tarischen Union führte der Präsident der unga­rischen Gruppe, der

frühere Minister Or. v. Äercemczy

aus Um die Reibungen in der Minorität« n- frage zu beseitigen, mülle man entweder die Möglichkeit schaffen. die als unerträglich empfundenen Grenzen aus friedlichem Wege zu beseitigen, oder man müsse die Be­deutung der Grenzen stufenweise aufheben durch «ine den ethnischen Minderheiten gegenüber be­folgte liberale Politik. Zur Frage der Ab­rüstung betonte Dr v Bercetnczy. daß da- eigentliche Hindernis der Abrüstung und der eigentliche Grund der Unfruchtbarkeit der Ar­beiten der DorbereitungSkonunisfion nicht der Mangel an Sicherheit, sondern ein Mangel des Willen« zur Abrüstung seitens Der­jenigen Staaten fc*. die, statt ihre Rüstungen herabzufetzen. sie Wetter vermehren und entfalten.

Richt» gefährde die Sicherheit des Frieden, aber wehr, als der jetzige Zustand, in dem einige voll­kommen entwaffnete Staaten anderen bis an die

Zähne bewaffneten gegen überständen.

Der amerikanische Abg. La Guardia jagte namens der Gruppe der Vereinigten Staaten u. a.: Sein andere» Volk der Erde ist mehr bestrebt, die Verfemung de» Krieges herbeizuführen, als die Bürger der norbamerifani- fchen Republik.

Glicht der milltärisch« Sachverständige sollte in der Abrüstungskonferenz einen Sitz ein nehmen, sondern der Friedens'uhrer. der sich mit den anderen Delegierten aus ein folgerichtige», fort­schrittliche» ilbriHtungsprogramm für die Völ­ker der ganzenrbe ja einigen hätte.

Ein Vertrag zur Verfemung de» Krieges ist nicht das Ieß t e Bort gur Herbeiführung eines dau­ernden Friedens. Uns liegt es ob, die unterzeichne­ten Serträoe zu etwas Greifbarem zu oeft alten, das Ideal m thc Wirklichkeit mnzufetzen. Das tar­

nen wir durch unmittelbare Verminderung her Bewilligungen für Krieg»»« in unseren Ländern btrbeiführen. Betrachten =ie daher, so schloß der Redner unter lebhaftem Bei- fall, di« Bereinigten Staaten nicht al» einen ent­fernten. reichen, kaltherzigen Dnfel, sonder! al» einen der Brüder in dieser Familie non Bo! .in. die nach herzlicher Freundschaft, nach Ruhe und Glückseligkeit streben.

Der frühere holländische Minister Or. Hcemskerk

beurteilte die Lage in der Entwaffnung-- frage ebenfalls autzeror deutlich pessi­mistisch. Di« Beteiligung der 6orojetunlon an der Abrüstungskonferenz brauche man, |o führte er aus, nicht ab ein Zeugnis für ben ehrlichen Ab- rüftungsroillen der 6om|etregierung zu werten. Greifbare Resultate werde man kaum mit der Propagierung der radikalen Abnistiing erreichen: iweckmöhiger wäre es, zunächst für eine herab- setzung der Rüstungen zu wirken.

Vie Ursache der stri^gsgefahr liege In der un­befriedigten Ordnung der europäischen Per- hältnisic durch die Zriedcn»oerträge aon 1919.

Üier könne die Interparlamentarische Union mit größerer Kühnheit als der Völkerbund für die Reu- orbnung der Friedensverträge wirken.

Der polnische Delegierte Oembinski

betonte, daß «s feinen Unterschied in dec Sicherheitsfrag« nn Westen wie im Osten gebe. Polen suche feine Derrnittlerrvlle zu er­füllen, rndem es sich allen internationalen Ab­kommen anschlletz«. Der Kellogg-Pakt bilde nur rin« Bestätigung der Bestrebungen des Dölker- dundeS Zu begrüßen sei «S. wenn der Kelloag- Pakt die legitim« Verteidigung zulasse. Dies« sei di« beste Gewähr für den Frieden.

Der französische Senator Merlin

betonte, daß noch intet vtete Kvnsllktmöglich- toten in Europa bestehen. Di« Gefahr für n Frieden könne mrr beseitigt werden durch sie Schäftung der Bereinigten Staaten von Europa. Di« Einheit Europas werde den Staaten durch di« Entwicklung getxibcAu aus- gezwungen. weil Technik. Derkehr und Wirt­schaft immer mehr di« Landesgrenzen überwinden würden. Der glücklichere Kontinent Amerika könne daher den europäischen Bölkern a l s B o r b i I b dienen. Der Redner schloß unter grobem Beifall mit dem Rus. da- Blut der neuen Generation dürfe nicht wieder in krie­gerischen AuSeincmdersetzungen vergeridet werden.

Zum Schluß der heutigen Sitzimg der Inter­parlamentarischen Union sprach

der deutsche Abg.

in der Tschechoslowakei Or. Medinger, der im besonderen darauf hinwies, bafy das Verhältnis zwischen den Abrüstungen der Staatengrupprn und dem Aufbau eines kom­plizierten Sicherheitssystems durch Locarnoveriräg: und Kelloggpakt immer gro­tesker werdc. Man sehe auf der einen Seite De utschland und Oesterreich mit mi­nimaler HeereSmacht auf der andern Seite rin System von Bündnis- und Militärkonventionen, abgesehen von der demütigenden Besetzung fremden Lande» zehn I ahre nach dem Krieg. In diefem Zusammenhang übte Dr Medinger eine scharse Kritik am Dölkerbund. der durch rin storreS Festhalten am Status quo nicht in der Cajp fei. dem entgegenzuwirken Die gleiche Leihsttauschung finde man auch in dcr Ratio- nalitätenpolitik. Solang? es die Gemein­schaft der zivilisierten Staaten nicht erreiche, daß jeder Staat auf bem Dillen aller Regierten beruht, stcche der Frieden Europa- auf tönernen Füßen. (Lebhafter Beifall. )

Präsident Or. Schücking

erklärte hierauf die Aussprache alS beendet. Für die morgige Fortsetzung der Generaldebatte seien noch 24 Redner gemeldet Sodann erklärte der Präsident die Sitzung für geschlossen.

Interparlamentarischer Rat.

Der Interparlamentarische Rat trat beute mittag zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung standen die Dahl des Ratsprasiden- ten und die Ersatzwahl für das Erekuttvkomuee. Zus l'orldjlag d-s Vorsitzenden der deutschen Kruppe, Pros. Schückings, wurde das Mitglird der franznsiichen Delegation, Ferdinand Bouis- l o n, Präsident der sranzösischkn Kammer, unter großem Beifall zum Ratspräsidenten ge­wählt. Pros. Schücking betonte, daß, obschon der ranzösische Kammerpräsident Bouisson erst seit kur- zer Zeit seine Tätigkeit der Interparlamentarischen Union widme, er doch bei der letzten Tagung in Paris einen sehr lebhaften Anteil an ihren Ar­beiten genommen habe.

Im Romen der französischen Gruppe bedauerte der Abg. Merlin die Abwesenheit des durch Krankheit verhinderten Präsidenten Adelswärd. Er gab seiner Freude über die Tatsache Ausdnuk, daß gerade die deutschen Delegierten den