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Nr. U6 vierte; Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 25. Juni 1928

Llawesplan

und Rheinlandräumung.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoeftsch, o. Prof, der Geschichte an der Uniperfifdt Derlin, M. d. "K

Wit der Tominierung Herbert Llark Hoo­ver- 6um Kandidaten der republitonilchen Par­tei ift der arnerikan,lche Wuhllcldzug in ®ang gefoDimcn. E» ift wohl lein Zweifel, dah die Demokraten den Gouverneur von Rcuyott A Smith, auf stellen werden. Die Dahrscheiilllch- teit spricht für den Sieg Hoover-, aber in diesem Wahlkarnpi sind Faktorei' die ganx un- berechenbar und bisher in amerilanitchen Dahl- kämpfen noch nicht ausgetreten sind Wir meinen damit nicht die Unzufriedenheit der Farmer, um deren Stimmen die beiden Parteien werben Da- Unberechenbare liegt einmal darin, dah in Smith »um ersten Mal ein Katholik oU Wahlbewerber für den Präsidentensitz auftritt. Werden die protestantischen Demokraten für ihn stimmens Diemand kann diese Frage beantworten Södann: Hoover ist , trodcn", Lmich ..nah'. Zum / ersten Mal steht die Prohibition ganz im Vordergrund de- Wahlkampfev Auch da- ift unberechenbar, wie da- Prohrbitton-- geseh auf Stimmung und Dillen der Wähler gewirkt hat

Wit Hoover benennt die republikanische Partei ohne Zweifel eine bedeutende Persönlich­keit, die au» eigener Kraft sich zu dieser Höhe empor gearbeitet und, wie bekannt, glänzende Fähigkeiten zur Organisation an verschiedenen Punkten erwiesen hat. auch im Gegensatz zu den meisten Amerikanern die Welt draußen wirklich und genau kennt. Weniger sicher ist, ob er neue Ideen hat und wenn ja. ob diese den Erwartungen Europa - entsprechen, die diese» auf die Präsidentschast-wahl setzt In dieser Beziehung aber sei doch vor Illu­sionen gewarnt I Hoover hat sich mehrmal- sehr entschieden gegen eine Streichung der Schul­den an Amerika au-gelprvchen und dieoge- nanntc Plattform, da- Programm, da- die Konvention von Kanfa- Litt) für den Wahl­kampf angenommen hat, sagt ausdrücklich: »Wir haben un- ständig der Annullierung der Schulden widersetzt und werden un- weiter dagegen wehren. Denn e- gibt keine Autorität, die die Lasten der fremden Steuer­zahler auf die Schultern unserer eigenen Be­völkerung abwälzen könnte." Diese Plattform hat Hoover angenommen. Wa» er im Innern davon denkt, weih man nicht. Das Programm icbenfalM ist im ganzen nicht ander-, al- wo- Goolidge immer gesagt und gefordert hat. Gin bAiicr Zug ift nicht darin, noch tn?nigcr i(i davon die Rede, dah Amerika eine energischere Europapolitik treiben solle. Don da aber nun die Brücke zu dem Punkt zu finden, auf den e- ankommt, nämlich zu einer Erörterung, das heiht zu einer Aevision de - DaWetz- Plane-, ist, da- Programm und die Perfön- lichkeit des Kandidaten der Republikaner auf den ersten Blick angesehen, «in sehr weiter Schritt!

Man glaubt, etwa- von diesen Schwierigkeiten in der republikanischen Partei und ihrer Führer zu spüren, wenn man die betreffenben Sätze de» neuen Bericht- lieft, den der Repa - ration-agent soeben veröffentlicht hat. Sein erneuter Hinweis auf da- .fundamentale Pro­blem, da» bleibe, die Schlustfestfetzung der deut­schen Reparation-Verpflichtungen". bestätigt wie­der unsere Vermurung, daß er mit der Eröffnung diese- Feldzuge- im vorigen Jahre vor allem auf die amerikanische Innenpolitik zielte und aus die In ihr heute führende Partei, der ja Herr Gilbert auch angehört. Denn so liegen die Dinge nicht, daß er in- Blaue hinein die «Festsetzung der deutschen Gesamtverpflichtung for­dere und der Amerikaner nun sagen solle: .Gut. warum nicht? Unfcrcttoegen dazu eine neue Lachverständigen-Konierenz wie 1923 und 1924." Denn jede Inangriffnahme de- Dawes- planS-ProblemS un Sinne de- Herrn Gilbert führt mit absoluter Sicherheit in die Erörterung der interalliierten Schulden und ihrer Gesamtabrechnung hinein. Da aber ist der Stand­

punkt der amerckanifchen Oefsenlluhkeit. besonder- derjenigen die von diesen verwickelten Zusam­menhängen nicht- versteht, ganz starr: die an­deren sollen eben ihre Schulden an un- bezahlen und damit basta! Für den Amerikaner, der die ganzen Zusammenhänge überfieht. und der Weitz, dah ein Gefamtabschlutz für Deutschland ohne De'amtabschlub über die interalliierten Schulden nicht denkbar ist. also nicht denkbar ist ohne einen beftur.mien amerikanischen Entschluß, kommt es allo darauf an. eine Lösung der Der- zwickten Aufgaben zu finden, daß Rordamerika theoretisch jede Annullierung der Schulden »et- toei ger t und praktisch tatsächlich einen erheb­lichen Teil keiner .Forderungen streicht Wir fürchten, daß hier für die Rominierung Hoovertz und seine Dahl keine besondere Erleichterung sein wird

Da- andere grobe europäische Problem ist in der letzten Woche von polnischer Seite wie­der behandelt worden Gemeint ist d« Zentral- frage für den Völkerbund, die für uns immer stärker auf die Frage hinausläuft, ob und wie der Völkerbund die Rönnen und Wittel findet, die Friedensverträge zur fried­lichen Revision zu^ulaffen. al- Voraus­setzung einer wirklich erfolgreichen und hauet- hakten Organisation de- europäischen Frieden-. Rachdem Poincarö in feiner Regierungs­erklärung jede FrtedenSrevifion fchcvff abge- lehnk hatte, hat jetzt der polnische Austenmini­ster Zaleski sich ihm angeschlosfen und feinen Standpunkt noch mehr verschärft. Rach seiner Rückkehr auS Pari- und Brüssel hat er im War­schauer Regierungsblatt die These ausgestellt: Wer nach einer s riedlichen Revision der Ver­träge ruft, arbeitet ebenso gegen den Frieden wie einer, der mit den Waffen in der Hand die Revision verlangt. AuS dem Munde deS polnischen AustenministerS wundert uns diese Behauptung nicht besonders. Aber ist er sich klar, dah er damit unweigerlich dem Völkerbund da- Tvde-urteil spricht? Und wie faim er behaupten, daß dann Polen- Austenpolitik wirk­lich dem Frieden diene? Et kann nicht bektreiten, dah in Locarno Deutschland und Polen sich gegenseitig versichert haben, Gvenzänderungen nicht ohne Zustimmung des anderen herbeizu- sühren und in diesen Fragen auf die Anwendung der Gewalt zu verzichten. Das heißt also, daß der Pole sicher ist: Deutschland will keine Gewalt in diesen Fragen anwenden, heistt also, sriedlich« Wittel der Verständigung, der Verhandlung und des SchiedSvertrags usw. Aber wenn in der Einleitung des deutsch-pol­nischen Derttagetz dazu getagt ist. beide Regie­rungen seien sich einig darin, dast die R«hte eine- Staate- nur mit feiner Zustimmung ge­ändert werden könnten, fo folgt allerdings für un- daraus logisch, dah wir das Recht in An­spruch nehmen, auf einem friedlichen Wege mit Polen und im Völkerbünde auf die Aende» nmg auch des Rechte- der 5 rieben#Verträge hin- zuarbeiten. Watz Zaleski in jenem Satze sagt und waS er will, ist also mehr. Er will damit nachholen, Watz er in Locarno noch nicht erreicht hat. Deshalb stellt er sich unbedingt an die Seite Frankreich- xmb formuliert feinen Standpunkt in dieser Weise, die rund herauSgesagt sinnlos ist. Er geht dabei noch einen Schritt weiter, indem er den französischen Standpunkt in bezug auf die RheinlandrSumung sich zu eigen macht und Polen- Interesse und Standpimkt damit identifiziert. Er sagt nämlich, dah. wenn jemand Garantien in der Hand halte, mit denen er den Frieden sichern tonnte, es nicht erlaubt sei, diese Garantien aufzugeben, ohne sie durch andere Friedensgarantien zu ersetzen. Gs sei daran erinnert, dah derselbe Minister in ähn­licher Weise vor einiger Zeit auch Polens Inter­esse am DaweSplan festgelegt hat. wie er sich jetzt in die Frage der Rhrinlandräumung schaltet.

Beides geht Polen di rett durchaus nichts an! Es ist am DaweSplan nicht beteiligt und an der Rheinlandbesetzuny desgleichen nicht. Aber ge­rade deshalb bleibt dieser Schritt und Stand­punkt des polnischen AuftemninisterS sehr be­merkenswert. Er sieht natürlich, und mehr als das deutsche Volk und seine Parteien, die jetzt über der inneren Politik die großen auhenpoli- tischen Ausgaben einfach vergess en. dah im Zu-

MMMhellWenSWsim

Vornan von (kdgar Wallace.

Copyright by Wilhelm Goldmann. Verlag. Leipzig.

38. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Sie machten sich auf dcn Weg. Al» sie den Gutshos erreichten, bliib Dick stehen, um den Hund zu streicheln, der Sybil so graste Dienste geleistet hatte.

Sie kamen ins Tal. Eine Totenstille umfing sie. Noch eben hatte ein Heimchen im Grafe gezirpt, nun hörte auch da» auf.

Wissen Sie. warum Lew Pheeney eigentlich sterben mußte?" fragte Dick den Anwalt.

Havelock sah ihn verwundett an.

,^kew Pheeney?" fragte er langsam. Er muhte fidji erst besinnen.

Nun lüstete Dick das Geheimnis, das zu seinem gewaltsamen Tode geführt hatte. Havelock war sehr überrascht und konnte sich sichtbar nicht fasten.

Ich wünschte, ich hätte es vorher gewußt," sagte er endlich,ich hatte vielleicht schon damals erraten, was es für ein Grabmal war, an dem er seine sinnst versucht hatte. Hat Lew Pheeney den Namen des Mannes genannt, für den er die Schlöstcr aufbrechen sollte?"

Lew Pheeney war keiner von denen, die aus der ^Schule schwatzen. Aber wer sollte dafür anders in Frage kommen als"

Staletti?" warf Havelock rasch ein.

Dick nickte.

Havelock nahm den Hut ab und strich sich über sein feucht gewordenes Haar.

Ich glaube, wer mit Staletti anbindet, tut gut daran, sein Testament zu machen."

?lls sie den Hügel erklommen hatten, blieb Dick einen Augenblick stehen.

Was ist denn das?" Er deutete auf eine meiste Narbe, die in der Feme die glatte Fläche des Ge­ländes unterbrach.

Das sind die Steinbrüche von Selford", er­widerte der Anwalt.Sie sind schon längst außer Betrieb. Die Sttaße, die daran vorbeifuhrt, ift jetzt gesperrt Sic ist selbst für einen Fußgänger jährlich."

Sie durchkreuzen den Wald und betraten er­wartungsvoll die Lichtung, aber der Felsen, der sich über den Gräbern wölbte, lag in schweigender Nutze da.

E» war Havelock anzumerken, daß er mit leich­terem Herzen den Weg zum Herrenhause einschlug.

Zwei Polizeibeamte bewachten das Portal. Sie berichteten, dast Mrs. Lansdown vor einiger Zeit das Fenster geöffnet und gebeten Hobe, sie um sechs Uhr zu wecken.

Gehen wir ins Haus", schlug der Anwalt vor. Untere Stimmen könnten die Damen wecken!"

Sie begaben sich wieder in die Bibliothek, wo Havelock sie mit eisgekühltem Ehampagner über­raschte. Seine Hand zittette, als er das Glas erhob:

Trinken wir auf die glückliche Heimkehr Lord Selfords!"

Die anderen gaben ihm Bescheid.

Havelock setzte sein Glas geleert nieder.

Denn Lord Selford wirklich sein Versprechen hält." sagte er,so werde ich als erstes die Ver- waltung seiner Güter in seine Hand zurücklegen. Die Nuffe, die er mir zu knacken aufgibt, liegen mir wie Bleikugeln im Magen."

(Fr lächelte dünn über den versuchten Scherz.

.Käme er nur", sagte er ernster.

Wo schloßen Sie denn?" fragte Dick.Wo können wir Sie suchen, wenn etwas Unoorfter- gesehenes eintrifft?"

-Ich schlafe im Wohnflügel des verstorbenen Lord Selford. (Fs ist dort sehr gemütlich, wenn mein Zimmer auch etwas abseits liegt. Aber was soll mir geschehen? Ein Beamter wacht auf dem Korridor vor meiner Tür."

Eneed ließ den Ehampagner feinschmeckerisch über seine Zunge rollen.Ein ausgezeichnetes Deinchen", sagte er anerkennend.

-Wie wär's, wenn wir einer zweiten Flasche den Hals brachen?" fragte Havelock.

-Ich sage nicht nein", lachte Sneed.

Unter dem Einfluß der zweiten Flasche gewann der Anwalt seinen Gleichmut wieder.

.Ich bin doch sonst nicht auf den Stopf gefallen," sagte er,aber wie ich auch die ganze Sache drehe und wende, sie bleibt mir schleierhaft. Wie kam Lorb Selford zu Eody, und was hat um Himmels

I am menfrung von Locarno, der Abrüstung-- erörterung tm Völkerbünde und Kellogg- Vor­schlag. eine große internationale D i -- kufsivn betauvebt, in der Deutschland und Rvrdamertta zusommenftehen. Frankreich mit feinen Vasallen auf der anderen geile. England mehr auf Seiten F.ankreichs. Italien noch nicht sicher und bestimmt. Er sieht da^- wenn biefc Erörterung enttchlofsen weiter geführt wird, fte unweigerlich bei dem Artikel 19 des Völker- bundsrakte» ankommen muh. Derrn Lchted--- gericht im Völkerbundsfinne und Ablage an den Krieg im Sinne Kellogg- haben keinen Smn. keine reelle Bedeutung für die Friedmssicheiung. wenn man nicht die Krieg-urfachen ein» bezieht und auf ihre Beseitigung sinnt Zu den Krieg-ursachen aber werden eben*» b. st mimt solche Regelungen der Frieden-verttage gehören, die keine Regelungen eine- dauerhaften Friedens sind. Das sieht der Minister Zaleski ganz deut­lich und so hat er mit einer erstaunlichen Schärfe das Problem und Polens Standpunkt dazu for­muliert. mit einer Schärfe die über alle bis­herigen Formeln von Frankreich und Belgien hinausgeht und bcSbalb im Augenblick vielleicht auch in Paris keine besondere Zustimmung erregt

Wir wissen allo, woran wir sind, und die deutsche Regierung weist das auch. Auf diele Weise ift es schlechterdings unmöglich, eine Verständigung mit Polen zu finden, und da- was konkret auf der anderen Seite als notwendiges GrgebnüS dieser Diskussion erwartet wird, in ihrem Verlauf gleichfalls unweigerlich an die deutsche Regierung herantreten wird, da- ist - das Oftlocarnol Rach dessen Annahme würde Polen bereit fein mit sich über eine Räumung des Rheinlande- 'prechen zu lassen, die Polen nicht- an gebt, auf die Polen feinen Einfluß hat und die nach unserer Uederzeugung nach An­nahme eines Ostlocarno durch eine deutsche Re­gierung. Frankreich dann auch nicht vollziehen würde. Wir tonnen un- nicht denken, daß eine deutsche Regierung sich auf den Weg locken ließe, den so Herr Zaleski zeigt. Täte sie es. so würde fit sich selber in kürzester Zeit den Kopf cin- stvhen!

Der Mordprozeß Wichmann.

WSR. Frankfurt a. M., 22. Juni. Dor dem Schwurgericht beginnt am kommenden Montag die Verhandlung gegen den 1898 in Spießen, im Kreise Ottweiler, geborenen Kaufmann Fried- rich Wichmann, der des Mordes in drei Fällen und der Tötung auf Verlangen beschuldigt wird. Dem Falle liegen die bekannten Vorgänge im Hause Bischofsheimer Sttaße 22 Augrunbc, wo am Rachmittag des 1. März die Frau und die drei Kinder des Ange­klagten erwürgt aufgefunden wurden

Wichmann hatte bis zum Jahre 1925 eine tadel­lose Vergangenheit. Man weiß, daß er der Sohn eine- Dendarmeriewachtmeisters ist, der etwas darauf hiell, seinem Jungen eine gute Schul­bildung zuteil werden zu lassen. Wtchmmm be­suchte da- Gymnasium in Reunttrchen, rückte, als der Welkbrand au-brach, al- Kriegsfreiwilliger em. Da war feine Führung so gut, dah er mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet und zum Unteroffizier ernannt wurde. Verwundet brachte man ihn in die Heimat, wo er nach Kriegsende alsbald in den Dienst der Reichsbahn ein trat. ®r wurde im Frankfurter Hauptgü terbahnhvf Obergütervorsteher. dann wirkte er als Vorsteher der Düterabfertigungsstelle Höchst. Hier vergriff er sich hn Februar 1925 am Kassengeld. Die große Dienstwohnung stand teer, e- mußte Mobiliar herbei, da- Geld zur Beschaffung holte sich Wichmann cigenfcänbig auS der Kasse und damit verdarb er sich Karriere und Zukunft. Der Abstieg begann. Die Amt-Unterschlagung brachte ihm eine Gefängnisstrafe von neun Monaten ein, er brauchte sie aber dank der Fürsorge der Dahnbehördc nicht abzusitzen und revanchierte sich damit, daß er den Schaden ersetzte, daS Geld hierzu verschasfte er sich vom Vater Einige Tausend Mark blieben noch übrig, die steckte er in eine Fabrik, um eine Position zu erhalten, aber die Fabrik verkrachte und nun sah Wich­mann mit Frau und Kindern da und war zum Teil auf Unterstützung angewiesen. Die Familie mietete im Frühjahr 1927 in Mörselden ein Zimmerchen, für das er 15 Mark Monatsmiete

zahlte Aus dem Lande war nicht viel für ihn zu holen, in der Stadt versprach er sich mehr, man zieht im Herbst nach brr Vlichos-Heimer Sttaße zu einem Arbeiter der vierzig Marl Miete für ein Zimmer forderte, dem man aber zuguterletzt die M.ete schuldig bleiben mußte. An, 1. März war wieder Mieiezu zahlen aber ht der Ka"e war nach irte vor Ebbe und so reifte der Enttchlust gemeinsam aus dem Leben zu scheiben. Rachdem die brei Kinder erwürgt worden waren, ging das Ehepaar morgens m Me Küche zur Frau des Vermieters beruntrr und erklärte dort, daß der Batt: Wichmanns alle Schuld begleichen werde Bis 4 llh. mittags lei alles erledigt. Dann verschwand das Paar Wichmann soll nun seine Frau erdrosselt haben Die Frau hatte ihr befKÄ Kleid angezogen Gegen 11 Uhr verlief Wichmann das Haus Al» nachmittag- nicht ge­öffnet wurde, holte der Vermieter die Poltert, die die vier Leichen Vorland. Wichmann war inzwischen durch die Rheinpsalz nach der fvinzö- fiicken Grenze gefab en. die ei auf Grund erne- faftchen Paffes ungehindert ixiflicren konnte, und versuchte bei der französischen Fremdenlegion unterzutauchen doch wurde er wegen feines schwächlichen Körper zu ft an des nicht angeworben. Er lehrte dann auf deutschen Boden zurück und wurde verhaftet.

Den Vorsitz in der Verhandlung wird Land- gerichtsdiriktor Börner führen, die Anklage wird Sta.tt>?>inwaltscha't-rat Rei ze rt vertreten, die Verteidigung wird von den Rechtsanwälten Dr. Fürst und Steinschneider ausgeübt. Unter den 30 Zeugen befindet sich der betagte Vater, Angehörige der Ehefrau eine Reihe Leumundszeugen und Geistliche.

Wirtschaft.

Weitere Besserung der deutschen Außenhandelsbilanz.

Der deutsche Außenhandel jjetgi im reinen Warenverkehr un Ma i einen Sinfuhrüb er­schuft von 192 gegen 251 Millionen Mark im April. Sie rückläufige Bewegung Hal sich sowohl bei der Einfuhr, wie bei der Aus­fuhr fortgesetzt. Die Einfuhr ist um 88,9 und die Ausfuhr um 29,5 Millionen Mark zurück­gegangen.

An dem Rückgang der Einfuhr find hauptsäch­lich beteiligt Lebensmittel und Getränke mit 34,8. Rohstoffe und halbsertige Waren mit 43,1 und fertige Waren mit 11 Millionen Rlark. Sie Abnahme der Ausfuhr entfällt mit 26,8 Mil­lionen Watt auf Rohstoffe und halbferttgo Waren und mit 5,9 Millionen Matt auf fertige Waren Dagegen ist die Ausfuhr von leben ben Tieren und Lebensrnitteln um in-gesamt 3,2 Mil­lionen Mark gestiegen.

Da sich die Volbeinfuhr im April um 120,7 Millionen Matt vermindert hat. ergibt sich für die im April gestiegene Einfuhr ein Rückgang ün Mai von insgesamt 209,4 Mil­lionen Matt

Wochenbericht

vom $ronffurter Sffeltenmartt.

Auch in dieser Woche war Me Stimmung am Frankfurter Effektenmarkt uns icher und ner­vös, da eS sich immer mehr zeigt, daß der deutsche Marti in großem Maß« von bet Ge­staltung der Auslandbörsen abhängig ist. Haupt­sächlich verstimmte die schwache Haltung an der Reuhotter Börse und der langsame Fortgang in der RegierungSbrldung, fo dah eine größere Unlust zutage trat. Da von einer Beteiligung de- Auslandes und der Bankkundschaft am Börsengeschäft kaum etwa- zu verspüren war, war die Kulisse im wesentlichen auf sich selbst angewiesen, und das Geschäft konnte daher fein größere- Ausmaß annehmen. Da der Zahltag ohne Schwierigkeiten überwunden wurde, war eine gewisse Widerstandsfähigkeit im Grundton der Börse nicht zu vettennen. Schon auS biefem Grunde konnte sich im Verkaufe der Woche die Tendenz etwa» freundlicher geflohen, das Geschäft blieb jedoch weiter Hein und beschränkte sich im wesentlichen nur auf Svezialwerte. die auch zeitweise recht leb haft gefragt waren und durchuBg ganz erhebliche Kurs­gewinne zu verzeichnen hatten. Die zuvetticht^

willen dieser Abruzzen raub er in den Selfordschen Gräbern zu suchen?

Dick stützte die Anne auf den Tisch und beugte sich zu ihm hin.

Diese Fragen lassen sich vielleicht beantworten. Haben Sie jemals den Nomen Bertram gehört?"

Berttorn ...?" Havelock furchte nachdenklich die «tim.So hieß, glaube ich, der Vorsteher der Privatschule, die Lord Selford nach dem Tode fei­nes Vater besuchte."

.2lh!" sagte Dick befriedigt.Da haben wir also die Zusammenhänge! Als «Bertram Ursache Halle, sich feines Balernamens zu schämen, machte er ihn zum Vornamen und hängte Cody an '

Der Anwalt lehnte sich in feinen Stuhl zurück.

Bertram und Eody ein und dieselbe Person Unmögllch!"

.Es warten Ihrer noch ganz andere Ueber« raschungen, Mr. Havelock!. Der Verwalter sprach heute von einer früheren Haushälterin, der zu Leb- zeiten Lord Selfords auch die Pflege des Knaben oblag. Erinnern Cie sich Ihres Namens'"

Der Anwalt suchte in feinem Gedächtnis.

Genau nicht. Aber der Klang liegt mir noch im Ohr. Ich glaube, es war Crowther "

Vielleicht Cawler?" half Dick fragend ein.

-Eawler?" Der Anwalt fann nach.Ja, bas kann febon stimmen. Der Name kommt mir bekannt vor. Ah, jetzt fällt mir ein hieß nicht (Tobys Chauf­feur Tom Cawler? Sie haben den Namen heute mehttach genannt"

Ganz recht' Mrs. Cawler war feine Tante und --Codys Frau!

(Ein tiefes Schweigen entstand.

Und das wissen Eie sicher?" fragte Havelock.

So sicher wie das Amen in der Kirche. Codys Mörder haben, zwar alle Dokumente aus dem Schreibtisch entfernt, aber sie haben eine kleine Truhe übersehen, die Mrs. Cody unter ihrem Bett verwahrte. In dieser Truhe sand sich ihr Trau­schein. Aus dem Trauschein geht dreierlei hervor. Erstens: daß sie Cody acht Monate nach dem Tode ihres Dienstherrn heiratete, zwettens: daß sie zur Zeit ihrer Heirat noch Haushälterin auf Selford Manor war, drittens: daß sie Staletti schon da­mals kannte^ Denn er war einer der Trauzeugen. Haben Sie übrigens Cody jemals gesehen?"

Havelock schüttelte den Kopf.

Alle Dettaussverhandlungen wurden durch meinen Bureauchef geführt. Ich selber war ba- maß gerabe zur siur in siarlsbab."

-3ft es Ihnen bekannt," forschte Dick,daß Sta- leih mit Lord Selford verkehrte, daß er ihm ver- mutlid) sogar seinen ärztlichen Beistand lieh?"

Sie setzen mich in bas größte Erstaunen," brachte der Anwalt endlich hervor,Selfords Arzt war doch Sir John Finton. Lord Selford hat, das muß ich ausdrücklich betonen, niemals mir gegen­über, auch nur gesprächsweise, den Namen Staletti genannt!"

Und doch war Staletti genau über feinen Zu­stand informiert", erwiderte Dick mit schwerem Nachdruck.

Havelock starrte ihn an.

-Dos klingt ja," sagte er mit schwankender -stimme,als hätte sich ba unter meinen Augen eine ganz groß angelegte Intrige abgespielt, beren Hemm gcmiiiern-.aßen Lord Selford selber war..." Ja, gab Dick unumwunden zu,fo klingt es.

Lesen Sie doch bitte diesen Brief!"

f-rr yab Sneed einen Wink. Der Inspektor zoä seine Brieftasche hervor, entnahm ihr Codns Brief an Mrs. Cawler und schob ihn über den Tisch.

-.Den Brief haben wir auch in der Tnihe gefun- den", sagte Dick.

Havelock beugte sich über den Brief und las ihn, ohne ihn zu berühren.

Das alles ist mir vollkommen rätselhaft", sagte er aufblidcnb.Man hat mich offenbar von allen Sei­ten düpiert. Aber ich muß sagen, je mehr Licht in diese Zusammenhänge fällt, desto verworrener schei­nen sie mir."

^Morgen früh kommt Lord Selford", tröstete ihn Tick.Er wird und muß den Knoten für uns lösen " Es iah nach seiner Uhr.Es ist spät. Ich schlage vor, wir gehen schlafen. Der weiß, was uns noch bevor- sieht."

-need nahm den Brief an sicst Dann stützte er su­chst beiden Händen auf den Tisch und erhob sich ächzend. Doch als er den riefen Sessel am Feuer sah fam er nicht weiter. Die ein steinbeschmetter Sack ins Wasser fällt, fo versank er in ben Sessel.

-Hier schlage ich meine Zelte auf", verkündete er nut zufriedenem Seufzer.Gepriesen sei der Erst» der des Klubsessels!"

(Fortsetzung folgt.)