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Aus her Provinzialhaupistaht.

Gießen, den 23. 3anuar 1928.

Dir SevStterung-bew gung OberHeffenS im Verlause von 15 Zasren.

Die Zentralstelle für die Landesstatistik hat vor kurzem unter dem TitelGemeindeverzeichnis für den Volksstaat Hessen" eine Broschüre her- ausgegeben, die auch die Ergebnisse der Volkszählungen vom 1. Dezember 1910 und vom 16. Juni 1925 einander gegenüberstellt. Hierbei stellt sich die über­raschende Tatsache heraus, daß in O b e r h e s s e n nicht weniger als 121 Gemeinden in der Zeit zwischen 1910 und 1925 an Einwohner- zahl abgenommen h^.ben, und zwar aus dem Kreise Gießen 19, aus dem Kreise Als­feld 36. aus dem Kreise Büdingen 10. aus dem Kreise Friedberg 2, aus dem Kreise Lauterbach 31 und aus dem Kreise Schotten 23 Gemeinden. Allerdings ist die Abnahme zumeist sehr gering, aber sie ist doch da.

Sie beträgt, was den Kreis Gießen be­trifft. für Bettenhausen 5, Beuern 8. Durk- hardsselden 75. Eberstadt 1. Grünberg 44. Langd 29, Lich 9. Lindenstruth 3. Muschenheim 30, Rieder-Bessingen 14, Aonnenroth 24, Ober- Hörgern 27, Odenhausen 10, Ruttershausen 12, Trais-Horloff 82, Utphe 25, Villingen 20, Weickartshain 13. Winnerod 7.

Im Kreise Alsfeld beträgt die Abnahme für Angenrod 21. Appenrod 24. Arnshain 37, Bernsburg 10. Bleidenrod 22. Brauerschwend 22, Dannenrod 58. Dectenbach 52. Eifa 2. Elben­rod 3. Erbenhausen 11. Hoarhau^en 2. Heidel­bach 36, Hergersdorf 18. Hopfgarten 15. Kestrich 24 Kirtorf 81. Münch-Leusel 9. Rieder-Gemün- den 24. Ober-Breidenbach 51, Ober-Gleen 42. Ober-Ohmen 37. Ohmes 36. Reibertenrod 4. Ruhlkirchen 33. Ruppertenrod 49. Schwaben- rod 9. Seibelsdorf 22, Storndorf 74, Udenhausen 7. Vadenrod 7. Vockenrode 27. Wahlen 6. Wett- faasen 1. Windhausen 2, Zell 2.

Im Kreise Büdingen betragen die Zahlen für Bisses 2, Babenhausen I 9, BvS-Gesaß 1. Diebach am -Haag 22, Dudenrod 7, Himbach 14, Leidhecken 3, Ober-Mockstadt 15, Schwickerts- hausen 2, Wenings 26.

Im Kreise Friedberg beziffert sich die Bevölkerungsabnahme für Maibach auf 14. Oes auf 1.

Im Kreise Lauterbach haben obgenommen die Gemeinden Allmenrod um 3. Altenschlirf 32. Angersbach 8. Crainfeld 31. Dirlammen 13. Gichenrod 1, Freien-Steinau 55. Frischborn 3. Grebenhain 57, Gunzenau 9, Heblos 8, Heisters 8, Herbstein 38, Hörgenou 23, Hutzdorf 19, Maar 19, Mehlos 4, Ober-Moos 6, Ober- Wegsurth 2, Pfordt 5, Reuters 8, Rimbach 21, Rixfeld 60, Sandlofs 9, Stockhausen 68, Ueh- hausen 10, Unter-Schwarz 9, Unter-Wegfurth 4, Weid-Moos 2, Wernges 24, Zahmen 28.

Die Bevölkerungsabnahme im Kreise Schot­ten beträgt für Altenhain 9, Bobenhausen II 6, Eichelsachsen 2, Einartshaufen 24. Freienseen 46, Gonterskirchen 37, Groß-Eichen 22, Helpershain 29, Herchenhain 13, Höckersdorf 46, Ilsdorf- Solms ! 4, Köddingen 4, Kölzenhain 8, Meiches 18, Rieder-Seemen 3, Rainrod 6. Rebgeshain 22, Sellnrod 47, Stumpertenrod 8, Ulrichstein 56, Unter-Seibertenrod 21, Wetterfeld 17, Wingers­hausen 5.

Aus den angegebenen Zahlen ist zu entnehmen, daß die Gemeinden, die weitab von großen Städten und Industriegebieten liegen, an Be- völlerungszahl abgenommen haben. Wenn man auf diese Tatsache das WortLandslucht" an- wendet, so kann dies nicht heißen, daß Dorf­bewohner ohne zwingenden Grund ihre Heimat verlassen haben. Die Ursache, die sie t>on der Heimat wegtreibt, ist darin zu suchen, daß sie vielfach an ihrem Geburtsort keinen hinreichenden Erwerb finden und sich deshalb dorthin begeben, wo bessere Arbeitsgelegenheit zu finden ist. Auch der Krieg mit seinen Verlusten wird zur Be­völkerungsabnahme beigetragen haben. Bemer­kenswert ist. daß im Kreise Friedberg nur zwei Gemeinden eine Abnahme zu verzeichnen haben. Das liegt daran, daß wegen der Rähe der Stadt Frankfurt a. M. dort vielen Bewoh­nern Gelegenheit gegeben ist, Arbeit zu finde... und daß die Bewohner des Kreises Friedberg von ihren Wohnorten aus jeden Tgg die Groß­städte erreichen können. Daß im Kreise Bü­dingen nur 10 Gemeinden an Bevölkerung abgenommen haben, wird an der Rähe des Industriegebietes Hanau Gelnhau'en Frank- furt a. M. liegen. Die Kreise mit rein länd­licher Bevölkerung haben die größte Abnahme zu verzeichnen, so Alsfeld, Lauterbach und Schotten. Auch die Orte des Kreises Gießen, die von der Kreisstadt entfernt liegen, haben ab­genommen.

Daß statistische Ausstellungen oft auf Tatsachen, die der Zufall mit sich bringt, beruhen, ist daraus zu ersehen, daß Bad-Rauyeim eine Bevölkerungszunahme von 7008 und Bad Salzhausen eine solche von 370 hatten. Das liegt nur daran, daß die Volkszählung des Iahres 1910 am 1. Dezember und die Volks­zählung des Iahres 1925 am 16. Iuni, also in der Zeit stattfand, in der an den genannten Orten viele Kurgäste weilten. Einige Gemeinden haben auffallenderweife für die beiden genannten Iahre die gleiche Bevölkerungszahl aufzuweisen, nämlich Ehringshausen 568. Gontershau en 194, Kirlchgarten 47, Renzendorf 108, Kaulstoß 212. Das größte Gemeinwesen in der Pro­vinz O b e r h e s s e n ist die Stadt G i-e ß e n mit 33 517 Einwohnern im Iahre 1925, das kleinste Gemeinwesen ist Oes im Kreise Friedberg, das in dem genannten Iahre 7 Einwohner aufwies.

Daß die Seelenzahl der Gemeinde Trais- Horlosf um 82 abgenommen hat, ist wohl daraus zurückzuführen, daß dort ein industrielles Unternehmen eingegangen ist.

Von Gemeinwesen, die eine Zunahme zu verzeichnen haben, ist in erster Linie die Stadt Gießen zu nennen. Obürohl die Garnison ver­mindert worden ist, beträgt die Zunahme doch 2364. Büdingen hat um 250, Lauterbach um 460, Schotten um 103, Alsfeld um 90. Lollar um 181. Heuchelheim um 99 Einwohner zugenommen. Eine starke Vermehrung der Einwohnerzahl hatte die Gemeinde Fried­berg-Fauerbach. Hier sind in der Zeit von 1910 bis 1925 2576 Einwohner -hinzugekommen, was allerdings auf die Eingemeindung von Fauerbach zurückzuführen ist.

110 Jahre Denkmalschutz in Hessen.

Am geftrigen 2 2. Januar waren 110 Jahre verflossen, seit unter der Regierung Lud­wigs I. eine Verordnung in Kraft trat, die die Erhaltung der vorhandenen Denk­mäler der Baukunst vorschrieb. Die bedeut- |ame Verordnung forderte u. a. die Aufstellung von Denkmäler -Verzeichnissen, die von den Baubehörden in den Jahren 182426 angefertigt wurden, von den Kirchen- und Schulbehörden 1828 bis 1830. Eine Frucht dieser Erhebungen war ein GesamtverzeichnisDer Werke des Mittelalters im Großherzogtum Hessen, welche erhalten zu werden verdienen", das den Lokalbaubehörden mit entspre­chender Anweisung wegen Erhaltung der Baudenk­mäler zur Beachtung empfohlen wurde. Im weiteren Verlauf der Jahre widmete man der Revision und Ergänzung der bestehenden Verzeichnisse, in die auch nachmittelalterliche Baudenkmäler Aufnahme fanden, vollste Aufmerksamkeit, und 1882 konnte mit der Her­ausgabe des ausführlichen DenkmalwerkcsKunst­denkmäler im Großherzogtum Hessen" begonnen werden. Weiter schrieb die Verordnung von 1818 die zeichnerische Aufnahme der Bauwerke vor. In dieser Richtung setzte aber erst verhältnismäßig spät die Sammeltätigkeit ein. Auch für die Behandlung der B o d e n f u n d e ent­hält die Verordnung bereits wichtige Ausführungs- beftimmungen, wie sie auch den Urkunden- s ch u tz anregte. Unter Hinweis auf die Bedeutung für die Landes- und Ortsgeschichte wur­den besonders seit den 50er Jahren wiederholt wich­tige Bestimmungen für die Verzeichnung, Ordnung und Sicherung der Gemeindearchive erlassen. Besondere Erwähnung verdient, daß der Ober- hessische Geschichts- und Altertums­verein in Gießen sich seit 1892 mit der Durch­forschung und Inventarisation der bedeutenderen Gemeindearchive in Oberhessen befaßt.

Die eigentliche g e s e tz l i ch e Regelung des Denkmalschutzes erfolgte aber erst nach Ein­führung des hessischen Denkmalschutz- ge setz es vom 16. Juli 1 902, des ersten der­artigen Gesetzes in Deutschland, dessen Grundge­danken denn auch allenthalben Beachtung fanden. Das Gesetz behandelt in vorbildlicher Gründlichkeit in sieben Abschnitten: Denkmäler im Besitz juristi­scher Personen des öffentlichen Rechts: Baudenk­mäler im Besitz von Privatpersonen: besondere Vor­schriften für einzelne Fälle; Ausgrabungen und' Funde: Organisation des Denkmalschutzes; Natur­denkmäler; Schlußbestimmungen. Das Gesetz hat, wie wir wissen, in dem Vierteljahrhundert seines Be­stehens die Denkmalpflege in Hessen tatkräftig ge­fördert, nicht zuletzt auch durch die Mithilfe der Geschichts- und Altertumsvereine und der beauftrag­ten amtlichen Denkmalpfleger (für Ober­hessen jetzt Prof. Helmke in Gießen). Erfreulich ist, daß das Gesetz auch die geeigneten Unterlagen für einen wirksamen Naturschutz bietet, der dank der neuzeitlichen Pflege des Heimatgedankens in neuerer Zeit in Hessen mehr Beachtung findet. Daß man das Moorgebiet des Hengsters bei Offenbach am Main unter gesetzliche Bestimmungen gestellt hat, ist begrüßenswert. Auch in Oberhessen madet manches Stückchen ursprünglicher Heimat- natur des verdienten Schutzes. Für di- eigenartige Pflanzenwelt des Oberwaldes hat bei­spielsweise in jüngster Zeit der Vogelsberger Höhen-Club die Ergreifung von zweckmäßigen Schutzmaßnahmen ins Auge gefaßt, bei deren Durch­führung das Denkmalschutzgesetz eine willkommene Handhabe sein kann.s

Daten für Dienstag, 24 Januar

Sonnenaufgang 7.51 Uhr, Sonnenuntergang 16.34 Uhr. Mondaufgang 9.14 Uhr, Monduntergang 18.23 Uhr.

76 n. Ehr.: Hadrianus Publius Aelius, römischer Kaiser in Rom geboren (gestorben 138 n. Ehr.), 1712: Friedrich der Große in Berlin geboren (ge­storben 1786); 1798: der Dichter Karl von Holtei in Breslau geboren (gestorben 1880); 1880: der Ozeano- graph Aifred Merz in Perchtelsdors bei Wien ge­boren (gestorben 1925); 1915: deutsch-englische See­schlacht an der Doggerbank; 1921: Pariser Konferenz (24. bis 29. Januar).

BornoLizen.

Tageskalender für Montag. Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Die Iugend der Kronprinzessin Louise." Astoria-Lichtspiele: Iim, der Gaunerkönig."

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: In Vorbereitung stehen zwei Ausführungen, die in weiteren Kreisen In­teresse erwecken dürften: Am Dienstag, 31. Ja­nuar, findet die Erstaufführung von Ibsens Peer G y n t" unter Benutzung eines Teils der Griegschen Musik statt, und zwar in einer von Intendant ©teingoettcr für die hiesige Bühne geschaffenen ^Einrichtung. Am Dienstag, 7. Februar, wird alsEhrenabend" zum 40jähri- gen Bühnen- und 25jährigen Gießener Direktions-- jubiläum des Intendanten Hofrat Stein- goetter ShakespearesSommernachts­

traum" gegeben. Da Intendant Steingoetter, auf sein Ersuchen hin, in Kürze von seinem Posten scheidet, bedeutet diese Vorstellung zugleich einen Abschied für unfern bisherigen Bühnenleiter. Der Sommernachtstrau m" wird keinesfalls im Abonnement wiederholt werden.

** Evangelisch-kirchliche Personalie. Durch die Kirchenregierung wurde dem Pfarrer Her­mann Kahn zu Ortenberg die erste evangelische Pfarrstelle zu L i ch (Dekanat Hungen) übertragen.

** Qiin Unterrichtslehrgang für städ- tische und g e m e i n b l i d) e Beamten - An- rn ä r t e r , welchen die erste bzw. zweite Verwal­tungsprüfung ablegen wollen, ist von der Gewerk­schaft hessischer Gemeindebeamten in unserer Stadt eingerichtet worden. Der Unterricht findet jeden Samstagnachmittag im Stadthaus, Bergstraße, statt. Der gegenwärtige Kursus endet am 1. April, das zweite Lehrjahr beginnt im August d. I.

Eine Erweiterung der Fahr­preis-Ermäßigung zugunsten der Iugendpslege ist dadurch erfolgt, daß das Reichsministerium des Inneren jetzt auch Reichs- verbänden zur Förderung der körperlichen, gei­stigen oder sittlichen Erziehung der Iugend. die sich den anerkannten Reichsorganisationen nicht anschließen, oder von ihnen nicht ausgenommen werden können, ausnahmsweise die Berechtigung zur Inanspruchnahme der Fahrpreisermäßigung gewähren kann. Das Reichsministerium des In­neren seht sich vorher mit den Regierungen der Länder, dem Reichsverkehrsministerium, sowie der Reichsbahngesellschaft ins Benehmen.

" Besichtigungsfahrt nach Frank­furt. Das obere Semester der Dauabteilung an der Gewerbe- und Maschinenbauschule Gießen unternahm in diesen Tagen unter Führung des Klassenlehrers, Architekten Leich um, eine Ex­kursion nach Frankfurt a. M. zur Besichtigung der Nachbauten der Siedlung Praunheim, die auf städtischem Gelände durch die Stadt Frankfurt errichtet wurde. Die örtliche Führung hatte Stadtbaumeister Würfel! vom Frankfurter Hochbauamt. Man nahm sämtliche Typen in Augenschein, in jedem Gebäude wurden die Grundrißanordnungen, die verschiedenen Kon­struktionen und baulichen Reuerungen besprochen. Besonderes Interesse erweckten außer der sog. Frankfurter Küche die konstruktive Durchbildung der flachen Dächer und Dachgärten, sowie die typisierten Türen und Oefen. Die Besichtigung erstreckte sich auf den fertigen, wie auch auf den noch nicht ganz vollendeten Teil der Siedlung.

* Fröhlicher Fritz -Müller - Abend. Die hiesige Ortsgruppe des Deutschnationalen Hand- lungsgehilfen-Verbandes hatte für Donnerstagabend zu ihrer siebenten diesjährigen Winteroeranstaltung eingeladen. Herr Max Kehrig-Korn (Berlin), wollteNachdenkliches in heiterem Gewände" aus den Werken des Dichters Fritz Müller (Parten- kirchen) vortragen. Die Veranstaltung, die unter der Leitung des Prokuristen Hirsch stand, war für die Ortsgruppe ein voller Erfolg. Das lag einmal an der Wahl des Dichters, den man zu. Wort kommen ließ, zum andern an der ausgezeichneten Vortrags- funft des Herrn Kehrig-Korn. Daß die Ortsgruppe gerade Werke von Fritz Muller (Partenkirchen) vor­tragen ließ, soll ganz besonders anerkannt werden; sind doch die literarischen Erzeugnisse dieses süd­deutschen Poeten bei uns v« zu wen>g bekannt. Die meisten Menschen, auch die Gebildeten, haben außer kleinen Erzählungen, die ob und zu von der Tagespresse gebracht werden, kaum etwas von Fritz Müller gehört. Und er ist es wert, in weiten Kreisen beachtet zu werden. Er pflegt in seinem Schassen die Kunstsovm der sogenanntenKurzgeschichte". Eduard Engel bezeichnet ihn in seinem neuesten literaturgeschichtlichen Werk als denGroßmeister der Kurzgeschichte". Rosegger sagt von Muller, daß er ein Reicher sei, der jedem etwas zu geben habe. In seinen Kleingeschichten versteht es der Dichter, die Erfahrungen und Beobachtungen, die ihn das Loden machen läßt, in feinsinniger, nie ermüdender Form zu schildern. Der sehr besinnliche und gemüts- tiefe Erzähler weih in seinen Geschichten selbst aus dem Unbedeutenden und Unscheinbaren, aus den kleinen Dingen und Begebenheiten des Lebens das Wesentliche herauszuschälen und es in feiner ihm eigenen Form uns nahe zu bringen. Der Vor­tragende, Kehrig-Korn, verstand es vortreff­lich. feine Zuhörer mit den Werken Fritz Müllers bekannt zu machen. Er verfügt über ein sehr klares, ansprechendes Organ, und weiß sich gut in den Geist des Kunstwerks einzufühlen, so daß alle von ihm vorgetragenen Stücke ohne Ausnahme starken und nachhaltigen Eindruck machten. Ernste und heitere Geschichten waren es, die er feinen Zuhörern bot. Er wußte ebensosehr den tiefen Ernst als auch die Heiterkeit, die frische Unbekümmertheit und den ur­wüchsigen bayrischen Humor zur Geltung zu brin­gen. Reicher Beifall dankte dem Vortragenden am Schlüsse seiner etwa zweieinhalbstündigen Dar­bietungen.

"DerVereinsiirMotorradsport 1926 hielt im Saale derKarlsruhe" feine dieswinter­liche Weihnachtsfeier ab. Der Vereinsoorsikende feierte in seiner Begrüßungsansprache die Vielseitig­keit und Schönheit des Motorradsports. Die Damen des Vereins überreichten als Geschenk dem Verein eine Tischstandarte. Seitens des Vereins wurden sie ebenfalls mit allerlei Geschenkgaben erfreut. Im übrigen wurde die Veranstaltung durch Gesangsvor­träge, gesellige Darbietungen der verschiedensten Art und flotte Musik in schöner Weise ausgefüllt.

**Austriebaufdemheutigen Frank­furter Schlachtvieh markt: 292 Ochsen, 59 Bullen, 542 Kühe, 230 Färsen, 492 Kälber, 172 Schafe und 5541 Schweine.

Briefkasten der ^ebattion.

h. c. p. Ila. Andere Adressen als die bereits ge­nannten konnten wir nicht ermitteln.

Starkenburg.

Lpd. Darmstadt, 21. Jan. Ein angeblicher indischer Hohepriester" namens Agni- h o t r i machte hier eine große Reklame, wobei er versprach, sich mehrere Tage lang in der Erde begraben zu lassen und andere F a k i r k u n st - st ü ck e zu zeigen. Nichts von alledem wurde gehalten. DerHohepriester", der ebensowenig wie seine Gehilfen aus Indien stammen dürste, be­schrankte seine Darbietungen auf einen Vortrag, dessen Weisheit über den Inhalt eines Lexikons nicht hinausging. Das einzige, was geboten wurde, waren die akrobatischen Darbietungen seiner Ge­hilfen, die aber alles andere als Fakirkünste zeig- ten. Es ist anzunehmen, daß der Gaukler feine Manöver in der Umgegend fortfetzen wird.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

* Wetzlar. 22. Ian. In der jüngsten Voll­sitzung der Industrie- und Handels­kammer für den Kreis Wetzlar wurden ge­wählt für das Iahr 1928: als Kammervorsihen- der Kommerzienrat Dr.-Jng. h. c. Adolf Koehler-Wetzlar, als 1. stellv. Vorsitzender Apothckenbesitzer Georg Bahr - Wetzlar und als 2. stellv. Vorsitzender Walzwerksdirektor a. D. Friedrich Schmitt - Wetzlar.

Dutenhofen, 22. Ian. Ein S ch i e - nenbruch auf der Bahnstrecke GießenKöln wurde gestern abend im Gleis. Gießen- Weh l a r am Bahnsteig auf der hiesigen Station nach Durchsahrt des Personenzuges, der 20.35 ilfjr hier passiert, entdeckt. Das Gleis Gießen Wetzlar wurde sofort bis Dutenhofen gesperrt und der Zugverkehr eingleisig betrieben. Die Länge des Schtenenbruches betrug etwa 30 ein. Die sofort alarmierte Rotte der Bahnmeisterei wechselte eine neue Schienenlänge ein. so daß der Schaden gegen 23 tlhr wieder beseitigt war. Die Personen- und Güterzüge erlitten kleinere Verspätungen. Der Schienenbruch wurde durch die Aufmerksamkeit des Assistenten Stein (Du­tenhofen) entdeckt, und so weiteres Unheil, wie Entgleisungen, verhütet.

I Groß-Rechtenbach, 21. Jan. Im hiesigen Gemein de st einbruch schwer vernn- a ck t ist heute nachmittag der Pächter des Bruchs, der Bauunternehmer Karl Ludwig von hier. Ec war mit Sprengarbeiten beschäftigt, wobei unerwartet ein Schuß losging und ihn mit den gesprengten Steinen einige Meter fortschleu­derte. Der Verunglückte hat am ganzen Körper erhebliche Verletzungen davongetragen, die jedoch, soweit sich bis jetzt feststellen ließ, glücklicher weife nicht lebensgefährlicher Natur zu fein scheinen

Dilttrcis.

WER. Herborn, 22. Ian. Hier ist man Kokainschiebungen auf die Spur gekom- ,nen. Ein junger Mann hat in der letzten Zeit ständig in Frankfurt a. M. 5 und 10 Gramm-Päckchen Kokain gekauft und diese dann mit einem Ruhen von 30 Prozent vertrieben. Die polizeiliche llnterfudjung, die noch nicht abge­schlossen ist, richtet sich gegen eine Anzahl hiesiger Bürger.

bl. Herborn, 22. Jan. In dem Betriebe der Adolsshütte wurde ein Arbeiter aus Dons- bach gestern durch glühende Schlacken schwer verbrannt. Der bedauernswerte Mann wurde dem Krankenhaufe zugeführt.

Schönbach, 22. Ian. Die Genieindevertre tung hat beschlossen, im Destrikt Elgersberg, oberhalb des Anschlußgleises der früheren Schönbach-Rother- Basaltwerke, eine große Geländefläche an die Firma WeigantkSohn, Hierselbst, zur Erbauung einer Chamottefabrik abzugeben. Durch diese Anlagen werden zahlreiche Arbeiter Beschäfti­gung finden.

Lpd. H a t g e r, 22. Ian. Am Sonntag brach in dem Sägewerk Freischlad ein verheerendes Schadenfeuer aus, dem trotz des sofortigen Ein­greifens der Feuerwehr das Maschinenhaus z u m O p f e r fiel.

Berliner Börse.

B e r l i n , 23. Jan. (WTB. Funkspruch.) Im heuti­gen Frühoerkehr herrscht Montagsstimmung. Kurse sind noch nicht zu hören. Die Spekulation verhält sich abwartend. Die Tendenz ist unentwickelt. Am De­visenmarkt hört man Paris gegen London 124,03, Mailand 92,20, Madrid 28,40 bis 28,43, London gegen Kabel 4,8745 bis 4,8750 und die Reichsmark gegen Kabel 4,1975.

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