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Kirchenstaates durch daS Königreich 3t affen, Gouverneur von Rom. Der junge Graf wandte sich namentlich der Mllttärschriftstellerei zu. Er schrieb eine Studie über den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und veröffentlichte mehrere Studien über di« nördliche LanLesgrenze Ita­liens. Als ein stiller, trockener mili.arischer Fach- mann konnte er sich vor dem Krieg die Gunst seiner Landsleute nicht erwerben. Er war Gene- ralstabschef. als Italien in den Krieg gegen Oesterreich-^lngarn eintrat. Vom Mai 1915 bis November 1917 leitete er die kriegerischen sinter- nehmungen der Italiener an der Isonzofront. In 11 grohen. blutigen Schlachten gelang es ihm nur, unbedeutendes Gelände zu gewinnen. Als er die 12. Schlacht vorbereitete, traf ihn ein wuch­tiger deutschösterr.-ungar. Angriff, der sein gan­zes Werk in wenigen Tagen vernichtete und die Italiener bis hinter die Piave zurückwarf. Cadorna wurde abgerufen und durch den General Diaz ersetzt. Im Juli 1918 wurde er nicht nur seines Ranges, sondern auch seines Ruhegehaltes für verlustig erklärt. Im Jahre 1924 jedoch wurde er rehabilitiert und von der Regierung OKuffoIyri zum Feldmarschall ernannt.

Amerika

und die Reparationskonfsrenz.

Washington, 21. Dez. (WTD.) 3m Wei- ßen Hause wurde erklärt, Coolidae habe bis­her eine Anfrage nach amerikanischen Sachver­ständigen für die Reparations rage von den euro­päischen Regierungen nicht erhalten; wenn aber eine Anfrage komme, werde er sie wohl­wollend prüfen. Coolidge halte zwar die Repa- ralionsfra,e für eine reineuropäische An­gelegenheit, es scheine- aber, dah Europa die Frage nicht allein lösen könne. Bezüglich des Mandates der Schaverstäirdigen richtete der Präsident die Mahnung an die europäischen Re­gierungen, daß weder Deutschland seine Sach­verständigen beauftrage, zu sagen,wir können nur so viel zahlen", noch die Alliierten ihre Sachverständigen anweisen, nicht unter eine be­stimm le Summe herunterzugehen. Rurbei völ­lig freier Würdigung aller Fakto­ren könne eine Lösung gefunden werden.

Bads» und die Michebahn.

Ter geharnischte Protest eineskleinen Landes".

Karlsruhe, 21. Dez. (WB.) Das badische Staatsministerium hat am Donnerstag, 20. Dezem­ber 1928, nochmals den Versuch gemacht, zu er­fahren, ob wegen der Besetzung des Verwaltungs­rates der Reichsbahngesellschaft eine ver­gleichsmäßige Verständigung möglich sei. Die Antwort des Reichskanzlers lautete ver­neinend. Hierauf hat die Regierung am 21. De­zember beschlossen, folgendes Telegramm an den Reichskanzler abzusenden:

Dem Lande Baden steht auf Grund der zwischen dem Reich und Baden ausgetauschten Erklärungen vom 26. März und 5. Mai 1924 ein vertrag­licher Rechtsanspruch auf Benennung eines Mitglieds zum Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft zu. In der Klagesache Preußen gegen das Reich, in welcher Preußen einen gleichartigen Anspruch geltend machte, wurde der Anspruch mit Urteil des Staatsgerichtshofes vom 7. Mai 1927 grundsätzlich anerkannt. Auch der Reichskanzler ist im Schreiben vom 18. Juli 1927 an die badische Regierung der Auffassung, daß die Reichsregierung zur gleichen Zeit und unter den gleichen Untztänden die gleiche Zusage in bezug auf den 93er» waltungsrat der Reichsbahn an Baden ge­macht habe. Die Reichsregierung hat diese Rechte des Landes Baden bei der neuerlichen Ernennung der Verwaltungsratsmitalieder übergangen. Die vom Lande Baden gestern noch versuchte ver­gleichsmäßige Verständigung hat der Reichskanzler als unmöglich bezeichnet.

Die badische Regierung legt gegen die wiederholte Uebcrgehung der Vertragsrechte Badens Ver­wahrung ein. Desgleichen erhebt sie gegen die etwaige Absicht, Dertragsrechte der Länder durch Reichsgesetz einseitig zu ändern, ebenso nachdrücklich Widerspruch wie gegen die Auffassung, als ob Dertragsrechte eines Landes um so weniger zu beachten seien, wenn das Land klein ist.

Badische Staatsregierung, gez. Dr. S ch m i t t."

Aus aller Welt.

Glückwünsche für Dr. v. Wilämowih-Wöllendorf.

Reichskanzler Müller hat Exzellenz Wilamo- witz-Möllendorf, den berühmten Altphilologen der Berliner älniversität, zur Vollendung seines 80. Lebensjahres in herzlichen Worten die besten Glückwünsche zugleich namens der Reichsregie­rung telegraphisch übermittelt.

Zwei Tote bei einem Schloßbrand am Riederrhein.

Im Besitz der Familie des Grafen Stolberg- Wernigerode Schloß D i e r s f o r d t bei Wesel brach am Freitagmittag Feuer aus, das sich infolge des starken Wtndes sehr schnell ausbreitete. In den Abendstunden war das ganze Gebäude ein- geäschert. Bei den Loscharbeiten, an denen die freiwillige Feuerwehr von Wesel und die Feuerwehr des Rhein.-Wests. Elektrizitätswerks sich beteiligten, ereigneten sich mehrere schwere Unglücks- falle. Ein Wefeler Feuerwehrmann wurde von einem Mauerstück von der Leiter gerissen und blieb schwerverletzt liegen. Durch herabstürzende Balken wurden ferner zwei Feuerwehrleute zur Erde ge­schlagen und von Glutmassen verschüttet. Beide erlitten den Flammentod. Der Brand ist vermutlich durch Funkenflug aus einem Df en ent­standen. Das Schloß enthielt sehr wertvolle Kunst- gegenstände, Gemälde usw., die nur zum Teil ge­rettet werden konnten.

Drei Kinder erstickt.

In der Rahe von Arghenta (Wittelitalien) hatte eine Frau beim Schlafengehen ihrer drei Kinder, von denen das älteste sechs Jahre zählte, einen De t t wärmer ins Bett gestellt. G ukande Kohlen sielen auf die Bettdecke und setz en das Bett in Brand. Die Kinder erstickten.

Beim Durchgehen von Pferden tödlich verunglückt.

In Braunschweig scheuten am Hauptbahnhof zwei Pferde eines Möbelwagens und gingen durch. Ein Zutscher versuchte sie aufzuhalten, wurde aber zur Seite geschleudert, geriet unter den Wagen und wurde eine Strecke weit mitgeschleift. Der Möbelwagen stürzte schließlich um, und die Pferde kamen zum Stehen. Dem Kutscher wurde der Brust korb völlig eingedrückt; er war sofort tot

Kessen als Schrittmacher derReichsresorm.

Innenminister Leuschner spricht über die nächsten Aufgaben der hessischen po.iiik.

WSR. Darmstadt. 21. Dez. Nachdem der Arbeits- und Wirtschaftsminister K o r e l l und der Staatspräsident Adelung sich über hessische Staatsaufgaben ausgesprochen hatten, nahm auch der Innenminister Leuschner in einer Ver­sammlung von Vertrauensmännern der Sozial­demokratischen Partei zu verschiedenen Fragen Stellung, die auch die breitere Oeffentlichkeit interessieren dürften. Lieber diese in vertrau­lichem Kreise abgegebenen Erklärungen berichtet derVolksfreund" u. a.: Die Politik in den Ländern hat, wie z. D. in Preußen, gezeigt, dah es möglich ist, sich auch unter schwierigen Ver­hältnissen durchzusetzen, um die Interessen der Arbeiterschaft im Staate wahrzunehmen. Für Hessen hat die Llebernahme des In­nenministeriums als der eigentlichen Ver­waltungszentrale besondere Bedeutung. Die da­mit verbundenen grohen Aufgaben müssen von uns unter besonderer Berücksichti­gung der Interessen der arbeiten­den Bevölkerung gelöst werden. Ihre besondere Rolle spielt dabei die gesetzgeberische Reformarbeit. Ein nach modernsten Gesichtspunk­ten gestaltetes Gemeindebeamtengesetz harrt der Verabschiedung durch den Landtag. Die neue Städte- und Gemeindeord­nung muh zu den nächsten Gemeindewahlen rechtzeitig da sein. Eine Modernisierung des Polizei st rafgesetzbuches zählt ebenso wie die Erneuerung des sehr veralteten Heb­ammengesetzes zu den dringenden Auf­gaben.

Zn der Polizei

ist oid vernachlässigt worden. Ihre Reorgani­sation war und ist erforderlich, weil sich auch die polizellichen Aufgaben von Jahr zu Jahr ändern und schwieriger werden. Auch durch Schaffung des Landeskriminalamtes sott die Polizei schlagkräftiger gemacht werden. Der S o n d e r d i e n st hat die Gemüter lebhaft be­schäftigt, aber die Polizei muh in ihrem eigenen Interesse nach allen Richtungen den Anforderungen gewachsen sein. Von einer Preisgabe des Achtstundentages kann gar keine Rede sein; man muh doch berück­sichtigen, daß die Arbeiterschaft auch bei acht»

ftünbiger Arbeitszeit 8*/r-9 Stunden im Betrieb steht, weil Pausen und Essenszeit nicht wie bei der Polizei eingerechnet werden.

Zn der Frage der Neugestaltung des Reiches

wollen wir Sozialdemokraten i r der hessischen Re­gierung den Gedanken des Einheitsstaates in praktische Formen bringen. Die Gefahr des Lutherschen Planes ist die Abdrängung Süddeutschlands. Ohne Bayern und Sach­sen aber ist der Einheitsstaat nie möglich. Als Land zwischen Rord und Süd hat Hessen die historische Mission, hier zu vermitteln. Ein sang- und klangloses Aufgehen in Preußen brächte die Idee um keinen Schntt weiter. Ich glaube vielmehr, daß es möglich ist, in Hessen und von Hessen ausgehend eine Lösung zu schaffen, die auch den anderen Ländern den Weg zum Einheitsstaat zeigt. Eine ganze Reihe von Aufgaben kann ohne Ge'ahr von einer Stelle im Reich mit ci.iem gemeinsamen Parlament er­ledigt werden. Bestimmte Gebiete des wirtschaft­lichen und kulturellen Lebens müssen aber der Selbstverwaltung Vorbehalten bleiben. So könnte man sich sehr wohl denken, daß tm rhein- mainischen Wirtschaftsgebiet ein Musterge­bilde geschaffen wird, das im Kern die Züge der künftigen Glieder deZ dezentralisierten Ein­heitsstaates zeigt. In diesem Sinne wollen wir in Hessen unseren Ehrgeiz dareinsehen, die Schrittmacher des neuen Reiches, die Lokomotive zum Einheitsstaat zu sein. Dann müßte sich allerdings auch zeigen, ob Preußen bereit wäre, in di?sem Teil seines »Reiches" im Interesse der Idee einen solchen kühnen Schritt mit uns g emeinf am zu tun. Ich persönlich zweifle nicht daran angesichts einer so bedeuten­den staatsmännischen Persönlichkeit wie Otto Braun. Aus solchen Erwägungen ist auch der demokratische Vorschlag, die Justiz dem Reich zu übertragen, abzulehnen, das mißverstandene Wort von dem ,betonten Hessentmn" kann nach alldem nichts anderes bedeuten, als die besondere Verpflichtung zur Wahrung der kulturellen, wirt­schaftlichen und auch grsellscha, tlich-poli ischen Werte, die Hessen in den neuen Zustand cinzu- bringen hat.

Gevermgs Schiedsspruch für die uordwefideuische Eisenindustrie.

Berlin, 21. Dez. (DTB.) Dem vom Reichs- rninister des Innern S e o e r in g ergangenen Schiedsspruch für die nordmestliche Cifeu- und Stahlindustrie geht als Einleitung eine von den beteiligten Arbeitgebern und Arbeitnehmer- organisaiionen unterzeichnete Erklärung vor­aus, wonach der Schiedsspruch für den In ihm an­gegebenen Zeitraum und in dem in ihm bestimm­ten Umfange als Tarifvertrag zwischen den beteiligten verbanden gilt, hinsicht­lich der Lohnregelung sicht der Schiedsspruch zunächst vor, daß für die Zeit von der Dlederauf- nohme der Arbeit bis zum 31. Dezember 1928 sich die Entlohnung nach dem für verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 27. Oktober 1928 regelt. Mit Hortung vom 1. Januar 1929 erhalten die in reinem Zeitlohn beschäftigten Arbeiter über 21 Jahre eine nichtakkordfähige Zulage. Die sozialen und sonstigen tariflichen Zulagen werden durch diese Regelung nicht berührt. Die Ecklöhne bleiben unverändert. Die Regelung der Zeitlöhne gilt nur für die Geltungs- dauer der vorliegenden Entscheidung. Die A k k o r d e sind so anzusehen, daß der Durchschnittsarbeiker bei gefieigcrler Leistung unter normalen Vetriebsoer- hällnifsen 15 Prozent über den Tariflohn der ent­sprechenden Gruppe hinaus verdienen muß.

Mit Wirkung vom 1. Januar 1929 wird die A r- beitszelt in folgender Weise verkürzt: für alle Arbeiter, die 60 Stunden arbeiten, allgemein auf 57 Stunden je Woche, in den Gießereien, Radia­torenbetrieben, den Wassergasschweißereien u. a. auf 52 Stunden in den sechs Wochentagen in den Sand- stra! «afereien de One c , Ze enl- febrifen, den Thomasschlackenmühlen auf 48 Stun­den in sechs Wochentagen, Betriebe, die zur Zell kürzere Arbeitszeit haben, behalten diese bei. Maß­regelungen aus Anlaß des Lohnlarifes sind unzu­lässig. L ne Unterbrechung des Arbeltsverhältnisses hat nicht stattgefunden. Die Betriebsräte bleiben bis zuw. Ablauf ihrer Wahlperiode im Amt. Der beim Rcichsarbeitsgericht schwebende grundsätzliche Rechtsstreit über das Zustandekommen eines rechtszüitigen Tar foertrages durch den Sch edsspmch vom 27. Oktober 1928 wird durch die vorliegende Entscheidung nicht berührt. Andererseits bleibt ohne Rücksicht auf den Ausgang des Verfahrens die in dieser Entscheidung getrof­fene Regelung bestehen Die Aendemngen des Rahmentarifes, der im übrigen unverändert rociter- befleht, treten mit dem 1. Januar 1929 iu Kraft. Der Rahmeniarif ist erstmalig am 1. Mai 1930 mit zwei­monatiger Frist, die In der vorliegenden Entschei­dung getroffene Regelung der Löhne und der Ar­beitszeit erstmalig am 1. August 1930 mit zwei­monatiger Frist kündbar. Linen Monat vor dem Termin muß jedoch die Absicht der Kündi­gung der anderen Vertragspartei an­

gezeigt werden. Werden die Vereinbarungen nicht gekündigt, so verlängert sich ihre Gültigkeit automatisch um ein Jahr.

Die Begründung.

In der Begründung des Schiedsspruches des Reichsinnenministers heißt es, daß bis zum 31. Dezember 1928 die Lohnerhöhungen des ver­bindlich erklärten Schiedsspruches gelten sollen, um dem Schlichtungsverfahren Achtung zu verschaffen. Weist das Schlichtungsverfahren auch Mängel auf, die eine Abstellung erfor­dern, so darf sich doch eine Partei über einen rechisverbindlich erttärten Schiedsspruch nicht mit einem Akt wirtschaftlicher Selbsthilfe Hinwegsehen, der für das ganze Wirtschaftsleben die schwersten Folgen haben müßte. Andererseits ist die Wirtschaftslage in der nordwestlichen Eisenindustrie zur Zeit keineswegs beson­ders günstig. Die allgemeine Konjunktur ist, gemessen am Beschäftigungsgrad von 1927, zu­rückgegangen, uhb die Ertragsmöglichleit hat besonders in der erzeugenden Industrie eine nicht unbeträchtliche Einbuße erfah­ren. D i ch t s deutet auf eine erhebliche Bes­serung in kurzer Zeit hin. Dies muhte bei Prü­fung der Lohnerhöhungen berücksichtigt werden. Bei Bemessung der Lohnzulagen war zu berück- sichtigen, dah von jeder Teuerungswelle im deut­schen Wirtschaftsleben die Angehörigen der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie sowohl als Konsumenten als auch als Produzenten erfaßt werden. Der Lebensunterhalt ist im Westen ver­hältnismäßig teuer. Eine planmäßige Lohnauf­besserung muhte deswegen in erster Linie d i e niedrigsten Lohn- und Akkordsätze berücksichtigen. Die finanzielle Auswirkung dieser Aufbesserungen hält sich in den Grenzen des Erträglichen. Die Leistungsfähigkeit der deut­schen Industrie seht nicht nur eine Erleich­terung der Ausfuhrbedingungen vor­aus, sondern vor allem eine gesunde und leistungsfähige Arbeiterschaft. Wäre die Schlußbcstimmung, dah das Recht zur Kün­digung für jede Vertragspartei davon abhängt, daß sie die Kündigungsabsicht den an­deren Virlrags'parteien wenigstens einen Mo­nat vor dem Kündigungstermin a n z e i g t, um gemeinsam die wirtschaftliche und soziale Lage zu klären, bereits in früheren Tarifbestim­mungen enthalten gewesen, so wäre der Lohn­streit in der beklagen Form wa^rscheinl'<b ver­mied ' n w r'):r. Ei eauenegegenseirge ll. nt e r rich tu ng der Par.eien uver be­triebliche und soziale Mängel durch beiderseitige Fühlungnahme wäre ein wirksames Mittel, Miß­verständnissen vorzubeugen und Erschütterungen des Wirtschaftslebens zu verhüten. Die festgesetzte Geltungsdauer der getroffenen Entscheidung ist diktiert von dem Wunsche, im Hinblick auf die wirtschaftliche und außenpolitische Situation Deutschlands eine längere Periode der Klärung und Festigung zu schaffen.

Tie Gasexplosion in London.

In dem Explosionsgebiet in Zentral-London schlugen an einer Straßenkreuzung um Mitter­nacht noch immer b is zwei Meter hohe Flammen aus einem der vielen Krater, die in den Asphalt gerissen worden sind. Ver­schiedentlich sind noch kleinere unterirdi­sche Explosionen von ..Gaslaschen" ver­nehmbar. die sich unter dem Straßenpflaster ge­bildet haben. Die Gefahrenzone ist von der Po­lizei streng abgesperrt. An ihren Zugängen Hai en noch eine Anzahl Feuerspritzen mit aus- gelegten Schlauchleitungen, um im Rot fall bei erneuten Explosionen gleich eingreifen zu können. In der Luft ist noch starker Gasgeruch

wahrnehmbar. An den Straßenlaternen hängen Schilder mit der Aufschrift:Rauchen ver­boten!" Ungefähr 400 Familien sind zum Räumen ihrer Häuser ausgefordert worden und haben dies größtenteils getan. Die wenigen Zurückgebliebenen bleiben auf eigene Gefahr. Bis nach Mitternacht standen dichte Menschen- massen an den Zufahrtsstraßen des Viertels, das in Ermangelung des Gaslichtes von ttans- porlablen elektrischen Campen erleuchtet ist. Die Störungen des Straßenverkehrs wa­ren sehr groß, befon-rrs zur Zell des Theater­schlusses. Es herrscht große Genugtuung darüber, daß die Verlustliste im Verhältnis zu der Ge­walt der Explosion und dem Umfang des Ma­terialschadens so gering ist. Von den 15 mit

I Verletzungen oder wegen Gasvergiftung in» K.ankenhaus gebrachten Personen konnten sieben nach der Behandlung wieder ent taffen werden. Ter den Ladeninhabern durch die Störung des Weihnachtsgeschäftes zuge ügte Schaden ist sehr groß. Der den S.raßen selbst zugeiügle Schaden wird auf etwa eine Million Mark geschätzt. Die Beschädigungen der Häuser sind noch nicht abgeschätzt worden.

Die Abfindung eines vom Versicherungsbetrug Freigesprocheneu.

Kernmacher Heinrich Kühr, der von der An- Flage, daß er sich absichtlich ein Bern habe abfahren lassen, um die Versiche­rn ngssumme zu erhalten, freigesprochen wurde, sollte jetzt der Mittelpunkt eines Ulm« dramas weiden. Eine ausländische Filmte fall- schaft hatte ihm die Hauptrolle in einer Iustiztragödie angebo en. Kühr hat dieses Angebot abgelehnt. Er hat vielmehr ein Zigarrengeschäft eröffnet, nachdem fein Rechts­anwall ihm im Dergleichswege von der Versiche­rungsgesellschaft 15 000 Mark und von der Reichs­bahn eine einmalige Abfindungssumme von 14 000 Mark erwirkt hat.

Zuchthausstrafe für einen herzlofeu Betrüger.

Das Schöffengericht Berlin verurteilte den wie­derholt vorbestraften sogenannten Recht-beistand Simon, gegm den noch die Bewährungsfrist; für eine Restzuchthausstrafe lief, wegen Bcttugs zu einem Jahr Zuchthaus bei sofortiger Verhaf­tung und 500 Mark Geldstrafe oder weiteren 50 Tagen Zuchthaus. Simon hatte, kurz nach­dem er im vergangenen Frühjahr wegen neuer Betrügereien in Anbettacht seiner Rotlage eine milde Gefängnisstrafe erhalten hatte, einer armen Frau, für die er die Herabsetzung ihrer Friedensmiete um 2 Mark monatlich be­wirken sollte, 516 Mark abgenommen unter der Vorspiegelung, daß die Summe hin­terlegt werden müßte. Dieses Geld hatte er sofort durchgebracht.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Reuerdings haben wärmere Lufttnos'en der im Rordwescen vorüb Z iehenden Druckstöru. g so­wohl über den britischen In ein als auch ü er Rordfranfreich und W:st. euttch and T.mpera.u.- anfkieg verursacht. In Aachen si.l heute morgen bei Plus 1 Grad ©ejium Reg n. Die wärmeren Luftwaffen dürften in unserem Gebiet die kal.e Dodenluft nicht verdrängen, wohl aber eine vor­übergehende Abschwächung des Frostes verur­sachen. 5-i? Temperaturen werden sich abn: t.otz- dem um Rull und darunter halten. Dabei führt ihr Aufgleiten $u stellenweisrn Rieder ch agen, die bei uns meist in Form von Schnee niedergehen.

Wettervoraussage für Sonntag. Vorübergehend wolliges Wetter mit Tempera­turen um Rull und darunter, vereinzelte Schnee­fälle.

Witterungsausfichten für Mon­tag: Bei überwiegend wolkigem Wetter keine größeren Temperaturschwankungen und gelegent­lich nur Vereinzelle Schneefälle.

Lufttemperaturen am 21. Dezember: mittags4,3 Grad Celsius, abends5 Grad Celsius; am 22. De­zember: morgens2,2 Grad Celsius. Maximum 4,3 Grad Celsius, Minimum6 Grad Celsius. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 21. Dezember: abends 0,5 Grad Celsius; am 22. De. zember: morgens 0,4 Grad Celsius.

Wnlerfporlnachrichten der hesi. Wetterdienststelle.

Vogelsberg (Hoherodskopf): Nebel, minus 9 Grad Celsius, Schnee 30 Zentimeter, gekörnt, Sportmöglichkeit für Ski gut.

Odenwald (Tronun). Schnee 20 Zentimeter, minus 8 Grad Celsius, gekörnt, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. (Neuenkirchener Höhe): Schnee 14 Zentimeter, gekörnt, minus 6 Grad Cel­sius, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.

Sauerland (Winterberg): Leichter Schneefall, minus 5 Grad Celsius, Schnee 25 Zentimeter, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmög­lichkeit für Ski und Rodel gut.

Taunus (Kleiner Feldberg): Bewölkt, minus 6 Grad Celsius, 21 Zentimeter Schnee, Pulver­schnee. Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut

Schwarzwald (Feldberg): Nebel, minus 8 Grad Celsius, 78 Zentfmeter Schnee, verharscht Sportmöglichkeit, Ski und Rodel gut. Furttoangen: Heller, minus 7 Grad Celsius, 63 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut

Alpen (Garm.sch - Partenkirchen): Bewöltt, minus 7 Grad Celsius, 40 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. Berchtesgaden: Heiter, minus 15 Grad Celsius, 25 Zentimeter Schnee, Pul­verschnee, Sportm gllchkell für Ski und Rodel gut Hirfchberg: Bewölkt, minus 6 Grad Celsius, 210 Zent Meter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski gut, Rodel mäßig.