Kirchenstaates durch daS Königreich 3t affen, Gouverneur von Rom. Der junge Graf wandte sich namentlich der Mllttärschriftstellerei zu. Er schrieb eine Studie über den deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und veröffentlichte mehrere Studien über di« nördliche LanLesgrenze Italiens. Als ein stiller, trockener mili.arischer Fach- mann konnte er sich vor dem Krieg die Gunst seiner Landsleute nicht erwerben. Er war Gene- ralstabschef. als Italien in den Krieg gegen Oesterreich-^lngarn eintrat. Vom Mai 1915 bis November 1917 leitete er die kriegerischen sinter- nehmungen der Italiener an der Isonzofront. In 11 grohen. blutigen Schlachten gelang es ihm nur, unbedeutendes Gelände zu gewinnen. Als er die 12. Schlacht vorbereitete, traf ihn ein wuchtiger deutschösterr.-ungar. Angriff, der sein ganzes Werk in wenigen Tagen vernichtete und die Italiener bis hinter die Piave zurückwarf. Cadorna wurde abgerufen und durch den General Diaz ersetzt. Im Juli 1918 wurde er nicht nur seines Ranges, sondern auch seines Ruhegehaltes für verlustig erklärt. Im Jahre 1924 jedoch wurde er rehabilitiert und von der Regierung OKuffoIyri zum Feldmarschall ernannt.
Amerika
und die Reparationskonfsrenz.
Washington, 21. Dez. (WTD.) 3m Wei- ßen Hause wurde erklärt, Coolidae habe bisher eine Anfrage nach amerikanischen Sachverständigen für die Reparations rage von den europäischen Regierungen nicht erhalten; wenn aber eine Anfrage komme, werde er sie wohlwollend prüfen. Coolidge halte zwar die Repa- ralionsfra,e für eine reineuropäische Angelegenheit, es scheine- aber, dah Europa die Frage nicht allein lösen könne. Bezüglich des Mandates der Schaverstäirdigen richtete der Präsident die Mahnung an die europäischen Regierungen, daß weder Deutschland seine Sachverständigen beauftrage, zu sagen, „wir können nur so viel zahlen", noch die Alliierten ihre Sachverständigen anweisen, nicht unter eine bestimm le Summe herunterzugehen. Rurbei völlig freier Würdigung aller Faktoren könne eine Lösung gefunden werden.
Bads» und die Michebahn.
Ter geharnischte Protest eines „kleinen Landes".
Karlsruhe, 21. Dez. (WB.) Das badische Staatsministerium hat am Donnerstag, 20. Dezember 1928, nochmals den Versuch gemacht, zu erfahren, ob wegen der Besetzung des Verwaltungsrates der Reichsbahngesellschaft eine vergleichsmäßige Verständigung möglich sei. Die Antwort des Reichskanzlers lautete verneinend. Hierauf hat die Regierung am 21. Dezember beschlossen, folgendes Telegramm an den Reichskanzler abzusenden:
„Dem Lande Baden steht auf Grund der zwischen dem Reich und Baden ausgetauschten Erklärungen vom 26. März und 5. Mai 1924 ein vertraglicher Rechtsanspruch auf Benennung eines Mitglieds zum Verwaltungsrat der Deutschen Reichsbahngesellschaft zu. In der Klagesache Preußen gegen das Reich, in welcher Preußen einen gleichartigen Anspruch geltend machte, wurde der Anspruch mit Urteil des Staatsgerichtshofes vom 7. Mai 1927 grundsätzlich anerkannt. Auch der Reichskanzler ist im Schreiben vom 18. Juli 1927 an die badische Regierung der Auffassung, daß die Reichsregierung zur gleichen Zeit und unter den gleichen Untztänden die gleiche Zusage in bezug auf den 93er» waltungsrat der Reichsbahn an Baden gemacht habe. Die Reichsregierung hat diese Rechte des Landes Baden bei der neuerlichen Ernennung der Verwaltungsratsmitalieder übergangen. Die vom Lande Baden gestern noch versuchte vergleichsmäßige Verständigung hat der Reichskanzler als unmöglich bezeichnet.
Die badische Regierung legt gegen die wiederholte Uebcrgehung der Vertragsrechte Badens Verwahrung ein. Desgleichen erhebt sie gegen die etwaige Absicht, Dertragsrechte der Länder durch Reichsgesetz einseitig zu ändern, ebenso nachdrücklich Widerspruch wie gegen die Auffassung, als ob Dertragsrechte eines Landes um so weniger zu beachten seien, wenn das Land klein ist.
Badische Staatsregierung, gez. Dr. S ch m i t t."
Aus aller Welt.
Glückwünsche für Dr. v. Wilämowih-Wöllendorf.
Reichskanzler Müller hat Exzellenz Wilamo- witz-Möllendorf, den berühmten Altphilologen der Berliner älniversität, zur Vollendung seines 80. Lebensjahres in herzlichen Worten die besten Glückwünsche zugleich namens der Reichsregierung telegraphisch übermittelt.
Zwei Tote bei einem Schloßbrand am Riederrhein.
Im Besitz der Familie des Grafen Stolberg- Wernigerode Schloß D i e r s f o r d t bei Wesel brach am Freitagmittag Feuer aus, das sich infolge des starken Wtndes sehr schnell ausbreitete. In den Abendstunden war das ganze Gebäude ein- geäschert. Bei den Loscharbeiten, an denen die freiwillige Feuerwehr von Wesel und die Feuerwehr des Rhein.-Wests. Elektrizitätswerks sich beteiligten, ereigneten sich mehrere schwere Unglücks- falle. Ein Wefeler Feuerwehrmann wurde von einem Mauerstück von der Leiter gerissen und blieb schwerverletzt liegen. Durch herabstürzende Balken wurden ferner zwei Feuerwehrleute zur Erde geschlagen und von Glutmassen verschüttet. Beide erlitten den Flammentod. Der Brand ist vermutlich durch Funkenflug aus einem Df en entstanden. Das Schloß enthielt sehr wertvolle Kunst- gegenstände, Gemälde usw., die nur zum Teil gerettet werden konnten.
Drei Kinder erstickt.
In der Rahe von Arghenta (Wittelitalien) hatte eine Frau beim Schlafengehen ihrer drei Kinder, von denen das älteste sechs Jahre zählte, einen De t t wärmer ins Bett gestellt. G ukande Kohlen sielen auf die Bettdecke und setz en das Bett in Brand. Die Kinder erstickten.
Beim Durchgehen von Pferden tödlich verunglückt.
In Braunschweig scheuten am Hauptbahnhof zwei Pferde eines Möbelwagens und gingen durch. Ein Zutscher versuchte sie aufzuhalten, wurde aber zur Seite geschleudert, geriet unter den Wagen und wurde eine Strecke weit mitgeschleift. Der Möbelwagen stürzte schließlich um, und die Pferde kamen zum Stehen. Dem Kutscher wurde der Brust korb völlig eingedrückt; er war sofort tot
Kessen als Schrittmacher derReichsresorm.
Innenminister Leuschner spricht über die nächsten Aufgaben der hessischen po.iiik.
WSR. Darmstadt. 21. Dez. Nachdem der Arbeits- und Wirtschaftsminister K o r e l l und der Staatspräsident Adelung sich über hessische Staatsaufgaben ausgesprochen hatten, nahm auch der Innenminister Leuschner in einer Versammlung von Vertrauensmännern der Sozialdemokratischen Partei zu verschiedenen Fragen Stellung, die auch die breitere Oeffentlichkeit interessieren dürften. Lieber diese in vertraulichem Kreise abgegebenen Erklärungen berichtet der „Volksfreund" u. a.: Die Politik in den Ländern hat, wie z. D. in Preußen, gezeigt, dah es möglich ist, sich auch unter schwierigen Verhältnissen durchzusetzen, um die Interessen der Arbeiterschaft im Staate wahrzunehmen. Für Hessen hat die Llebernahme des Innenministeriums als der eigentlichen Verwaltungszentrale besondere Bedeutung. Die damit verbundenen grohen Aufgaben müssen von uns unter besonderer Berücksichtigung der Interessen der arbeitenden Bevölkerung gelöst werden. Ihre besondere Rolle spielt dabei die gesetzgeberische Reformarbeit. Ein nach modernsten Gesichtspunkten gestaltetes Gemeindebeamtengesetz harrt der Verabschiedung durch den Landtag. Die neue Städte- und Gemeindeordnung muh zu den nächsten Gemeindewahlen rechtzeitig da sein. Eine Modernisierung des Polizei st rafgesetzbuches zählt ebenso wie die Erneuerung des sehr veralteten Hebammengesetzes zu den dringenden Aufgaben.
Zn der Polizei
ist oid vernachlässigt worden. Ihre Reorganisation war und ist erforderlich, weil sich auch die polizellichen Aufgaben von Jahr zu Jahr ändern und schwieriger werden. Auch durch Schaffung des Landeskriminalamtes sott die Polizei schlagkräftiger gemacht werden. Der S o n d e r d i e n st hat die Gemüter lebhaft beschäftigt, aber die Polizei muh — in ihrem eigenen Interesse — nach allen Richtungen den Anforderungen gewachsen sein. Von einer Preisgabe des Achtstundentages kann gar keine Rede sein; man muh doch berücksichtigen, daß die Arbeiterschaft auch bei acht»
ftünbiger Arbeitszeit 8*/r-9 Stunden im Betrieb steht, weil Pausen und Essenszeit nicht wie bei der Polizei eingerechnet werden.
Zn der Frage der Neugestaltung des Reiches
wollen wir Sozialdemokraten i r der hessischen Regierung den Gedanken des Einheitsstaates in praktische Formen bringen. Die Gefahr des Lutherschen Planes ist die Abdrängung Süddeutschlands. Ohne Bayern und Sachsen aber ist der Einheitsstaat nie möglich. Als Land zwischen Rord und Süd hat Hessen die historische Mission, hier zu vermitteln. Ein sang- und klangloses Aufgehen in Preußen brächte die Idee um keinen Schntt weiter. Ich glaube vielmehr, daß es möglich ist, in Hessen und von Hessen ausgehend eine Lösung zu schaffen, die auch den anderen Ländern den Weg zum Einheitsstaat zeigt. Eine ganze Reihe von Aufgaben kann ohne Ge'ahr von einer Stelle im Reich mit ci.iem gemeinsamen Parlament erledigt werden. Bestimmte Gebiete des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens müssen aber der Selbstverwaltung Vorbehalten bleiben. So könnte man sich sehr wohl denken, daß tm rhein- mainischen Wirtschaftsgebiet ein Mustergebilde geschaffen wird, das im Kern die Züge der künftigen Glieder deZ dezentralisierten Einheitsstaates zeigt. In diesem Sinne wollen wir in Hessen unseren Ehrgeiz dareinsehen, die Schrittmacher des neuen Reiches, die Lokomotive zum Einheitsstaat zu sein. Dann müßte sich allerdings auch zeigen, ob Preußen bereit wäre, in di?sem Teil seines »Reiches" im Interesse der Idee einen solchen kühnen Schritt mit uns g emeinf am zu tun. Ich persönlich zweifle nicht daran angesichts einer so bedeutenden staatsmännischen Persönlichkeit wie Otto Braun. Aus solchen Erwägungen ist auch der demokratische Vorschlag, die Justiz dem Reich zu übertragen, abzulehnen, das mißverstandene Wort von dem ,betonten Hessentmn" kann nach alldem nichts anderes bedeuten, als die besondere Verpflichtung zur Wahrung der kulturellen, wirtschaftlichen und auch grsellscha, tlich-poli ischen Werte, die Hessen in den neuen Zustand cinzu- bringen hat.
Gevermgs Schiedsspruch für die uordwefideuische Eisenindustrie.
Berlin, 21. Dez. (DTB.) Dem vom Reichs- rninister des Innern S e o e r in g ergangenen Schiedsspruch für die nordmestliche Cifeu- und Stahlindustrie geht als Einleitung eine von den beteiligten Arbeitgebern und Arbeitnehmer- organisaiionen unterzeichnete Erklärung voraus, wonach der Schiedsspruch für den In ihm angegebenen Zeitraum und in dem in ihm bestimmten Umfange als Tarifvertrag zwischen den beteiligten verbanden gilt, hinsichtlich der Lohnregelung sicht der Schiedsspruch zunächst vor, daß für die Zeit von der Dlederauf- nohme der Arbeit bis zum 31. Dezember 1928 sich die Entlohnung nach dem für verbindlich erklärten Schiedsspruch vom 27. Oktober 1928 regelt. Mit Hortung vom 1. Januar 1929 erhalten die in reinem Zeitlohn beschäftigten Arbeiter über 21 Jahre eine nichtakkordfähige Zulage. Die sozialen und sonstigen tariflichen Zulagen werden durch diese Regelung nicht berührt. Die Ecklöhne bleiben unverändert. Die Regelung der Zeitlöhne gilt nur für die Geltungs- dauer der vorliegenden Entscheidung. Die A k k o r d e sind so anzusehen, daß der Durchschnittsarbeiker bei gefieigcrler Leistung unter normalen Vetriebsoer- hällnifsen 15 Prozent über den Tariflohn der entsprechenden Gruppe hinaus verdienen muß.
Mit Wirkung vom 1. Januar 1929 wird die A r- beitszelt in folgender Weise verkürzt: für alle Arbeiter, die 60 Stunden arbeiten, allgemein auf 57 Stunden je Woche, in den Gießereien, Radiatorenbetrieben, den Wassergasschweißereien u. a. auf 52 Stunden in den sechs Wochentagen in den Sand- stra ■! «afereien de One c , Ze enl- febrifen, den Thomasschlackenmühlen auf 48 Stunden in sechs Wochentagen, Betriebe, die zur Zell kürzere Arbeitszeit haben, behalten diese bei. Maßregelungen aus Anlaß des Lohnlarifes sind unzulässig. L ne Unterbrechung des Arbeltsverhältnisses hat nicht stattgefunden. Die Betriebsräte bleiben bis zuw. Ablauf ihrer Wahlperiode im Amt. Der beim Rcichsarbeitsgericht schwebende grundsätzliche Rechtsstreit über das Zustandekommen eines rechtszüitigen Tar foertrages durch den Sch edsspmch vom 27. Oktober 1928 wird durch die vorliegende Entscheidung nicht berührt. Andererseits bleibt ohne Rücksicht auf den Ausgang des Verfahrens die in dieser Entscheidung getroffene Regelung bestehen Die Aendemngen des Rahmentarifes, der im übrigen unverändert rociter- befleht, treten mit dem 1. Januar 1929 iu Kraft. Der Rahmeniarif ist erstmalig am 1. Mai 1930 mit zweimonatiger Frist, die In der vorliegenden Entscheidung getroffene Regelung der Löhne und der Arbeitszeit erstmalig am 1. August 1930 mit zweimonatiger Frist kündbar. Linen Monat vor dem Termin muß jedoch die Absicht der Kündigung der anderen Vertragspartei an
gezeigt werden. Werden die Vereinbarungen nicht gekündigt, so verlängert sich ihre Gültigkeit automatisch um ein Jahr.
Die Begründung.
In der Begründung des Schiedsspruches des Reichsinnenministers heißt es, daß bis zum 31. Dezember 1928 die Lohnerhöhungen des verbindlich erklärten Schiedsspruches gelten sollen, um dem Schlichtungsverfahren Achtung zu verschaffen. Weist das Schlichtungsverfahren auch Mängel auf, die eine Abstellung erfordern, so darf sich doch eine Partei über einen rechisverbindlich erttärten Schiedsspruch nicht mit einem Akt wirtschaftlicher Selbsthilfe Hinwegsehen, der für das ganze Wirtschaftsleben die schwersten Folgen haben müßte. Andererseits ist die Wirtschaftslage in der nordwestlichen Eisenindustrie zur Zeit keineswegs besonders günstig. Die allgemeine Konjunktur ist, gemessen am Beschäftigungsgrad von 1927, zurückgegangen, uhb die Ertragsmöglichleit hat besonders in der erzeugenden Industrie eine nicht unbeträchtliche Einbuße erfahren. D i ch t s deutet auf eine erhebliche Besserung in kurzer Zeit hin. Dies muhte bei Prüfung der Lohnerhöhungen berücksichtigt werden. Bei Bemessung der Lohnzulagen war zu berück- sichtigen, dah von jeder Teuerungswelle im deutschen Wirtschaftsleben die Angehörigen der rheinisch-westfälischen Eisenindustrie sowohl als Konsumenten als auch als Produzenten erfaßt werden. Der Lebensunterhalt ist im Westen verhältnismäßig teuer. Eine planmäßige Lohnaufbesserung muhte deswegen in erster Linie d i e niedrigsten Lohn- und Akkordsätze berücksichtigen. Die finanzielle Auswirkung dieser Aufbesserungen hält sich in den Grenzen des Erträglichen. Die Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie seht nicht nur eine Erleichterung der Ausfuhrbedingungen voraus, sondern vor allem eine gesunde und leistungsfähige Arbeiterschaft. Wäre die Schlußbcstimmung, dah das Recht zur Kündigung für jede Vertragspartei davon abhängt, daß sie die Kündigungsabsicht den anderen Virlrags'parteien wenigstens einen Monat vor dem Kündigungstermin a n z e i g t, um gemeinsam die wirtschaftliche und soziale Lage zu klären, bereits in früheren Tarifbestimmungen enthalten gewesen, so wäre der Lohnstreit in der beklagen Form wa^rscheinl'<b vermied ' n w r'):r. Ei eauenegegenseirge ll. nt e r rich tu ng der Par.eien uver betriebliche und soziale Mängel durch beiderseitige Fühlungnahme wäre ein wirksames Mittel, Mißverständnissen vorzubeugen und Erschütterungen des Wirtschaftslebens zu verhüten. Die festgesetzte Geltungsdauer der getroffenen Entscheidung ist diktiert von dem Wunsche, im Hinblick auf die wirtschaftliche und außenpolitische Situation Deutschlands eine längere Periode der Klärung und Festigung zu schaffen.
Tie Gasexplosion in London.
In dem Explosionsgebiet in Zentral-London schlugen an einer Straßenkreuzung um Mitternacht noch immer b is zwei Meter hohe Flammen aus einem der vielen Krater, die in den Asphalt gerissen worden sind. Verschiedentlich sind noch kleinere unterirdische Explosionen von ..Gaslaschen" vernehmbar. die sich unter dem Straßenpflaster gebildet haben. Die Gefahrenzone ist von der Polizei streng abgesperrt. An ihren Zugängen Hai en noch eine Anzahl Feuerspritzen mit aus- gelegten Schlauchleitungen, um im Rot fall bei erneuten Explosionen gleich eingreifen zu können. In der Luft ist noch starker Gasgeruch
wahrnehmbar. An den Straßenlaternen hängen Schilder mit der Aufschrift: „Rauchen verboten!" Ungefähr 400 Familien sind zum Räumen ihrer Häuser ausgefordert worden und haben dies größtenteils getan. Die wenigen Zurückgebliebenen bleiben auf eigene Gefahr. Bis nach Mitternacht standen dichte Menschen- massen an den Zufahrtsstraßen des Viertels, das in Ermangelung des Gaslichtes von ttans- porlablen elektrischen Campen erleuchtet ist. Die Störungen des Straßenverkehrs waren sehr groß, befon-rrs zur Zell des Theaterschlusses. Es herrscht große Genugtuung darüber, daß die Verlustliste im Verhältnis zu der Gewalt der Explosion und dem Umfang des Materialschadens so gering ist. Von den 15 mit
I Verletzungen oder wegen Gasvergiftung in» K.ankenhaus gebrachten Personen konnten sieben nach der Behandlung wieder ent taffen werden. Ter den Ladeninhabern durch die Störung des Weihnachtsgeschäftes zuge ügte Schaden ist sehr groß. Der den S.raßen selbst zugeiügle Schaden wird auf etwa eine Million Mark geschätzt. Die Beschädigungen der Häuser sind noch nicht abgeschätzt worden.
Die Abfindung eines vom Versicherungsbetrug Freigesprocheneu.
Kernmacher Heinrich Kühr, der von der An- Flage, daß er sich absichtlich ein Bern habe abfahren lassen, um die Versichern ngssumme zu erhalten, freigesprochen wurde, sollte jetzt der Mittelpunkt eines Ulm« dramas weiden. Eine ausländische Filmte fall- schaft hatte ihm die Hauptrolle in einer Iustiztragödie angebo en. Kühr hat dieses Angebot abgelehnt. Er hat vielmehr ein Zigarrengeschäft eröffnet, nachdem fein Rechtsanwall ihm im Dergleichswege von der Versicherungsgesellschaft 15 000 Mark und von der Reichsbahn eine einmalige Abfindungssumme von 14 000 Mark erwirkt hat.
Zuchthausstrafe für einen herzlofeu Betrüger.
Das Schöffengericht Berlin verurteilte den wiederholt vorbestraften sogenannten Recht-beistand Simon, gegm den noch die Bewährungsfrist; für eine Restzuchthausstrafe lief, wegen Bcttugs zu einem Jahr Zuchthaus bei sofortiger Verhaftung und 500 Mark Geldstrafe oder weiteren 50 Tagen Zuchthaus. Simon hatte, kurz nachdem er im vergangenen Frühjahr wegen neuer Betrügereien in Anbettacht seiner Rotlage eine milde Gefängnisstrafe erhalten hatte, einer armen Frau, für die er die Herabsetzung ihrer Friedensmiete um 2 Mark monatlich bewirken sollte, 516 Mark abgenommen unter der Vorspiegelung, daß die Summe hinterlegt werden müßte. Dieses Geld hatte er sofort durchgebracht.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Reuerdings haben wärmere Lufttnos'en der im Rordwescen vorüb Z iehenden Druckstöru. g sowohl über den britischen In ein als auch ü er Rordfranfreich und W:st. euttch and T.mpera.u.- anfkieg verursacht. In Aachen si.l heute morgen bei Plus 1 Grad ©ejium Reg n. Die wärmeren Luftwaffen dürften in unserem Gebiet die kal.e Dodenluft nicht verdrängen, wohl aber eine vorübergehende Abschwächung des Frostes verursachen. 5-i? Temperaturen werden sich abn: t.otz- dem um Rull und darunter halten. Dabei führt ihr Aufgleiten $u stellenweisrn Rieder ch agen, die bei uns meist in Form von Schnee niedergehen.
Wettervoraussage für Sonntag. Vorübergehend wolliges Wetter mit Temperaturen um Rull und darunter, vereinzelte Schneefälle.
Witterungsausfichten für Montag: Bei überwiegend wolkigem Wetter keine größeren Temperaturschwankungen und gelegentlich nur Vereinzelle Schneefälle.
Lufttemperaturen am 21. Dezember: mittags —4,3 Grad Celsius, abends —5 Grad Celsius; am 22. Dezember: morgens —2,2 Grad Celsius. Maximum — 4,3 Grad Celsius, Minimum —6 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 21. Dezember: abends 0,5 Grad Celsius; am 22. De. zember: morgens 0,4 Grad Celsius.
Wnlerfporlnachrichten der hesi. Wetterdienststelle.
Vogelsberg (Hoherodskopf): Nebel, minus 9 Grad Celsius, Schnee 30 Zentimeter, gekörnt, Sportmöglichkeit für Ski gut.
Odenwald (Tronun). Schnee 20 Zentimeter, minus 8 Grad Celsius, gekörnt, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut. — (Neuenkirchener Höhe): Schnee 14 Zentimeter, gekörnt, minus 6 Grad Celsius, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.
Sauerland (Winterberg): Leichter Schneefall, minus 5 Grad Celsius, Schnee 25 Zentimeter, 1 bis 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.
Taunus (Kleiner Feldberg): Bewölkt, minus 6 Grad Celsius, 21 Zentimeter Schnee, Pulverschnee. Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut
Schwarzwald (Feldberg): Nebel, minus 8 Grad Celsius, 78 Zentfmeter Schnee, verharscht Sportmöglichkeit, Ski und Rodel gut. Furttoangen: Heller, minus 7 Grad Celsius, 63 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut
Alpen (Garm.sch - Partenkirchen): Bewöltt, minus 7 Grad Celsius, 40 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel sehr gut. Berchtesgaden: Heiter, minus 15 Grad Celsius, 25 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Sportm gllchkell für Ski und Rodel gut Hirfchberg: Bewölkt, minus 6 Grad Celsius, 210 Zent Meter Schnee, Pulverschnee, Sportmöglichkeit für Ski gut, Rodel mäßig.


