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S-eitag, 29. April 1928

(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfeu)

Schach dem Meere!

Wie etz zu dem Zuiderjccprojekt kam.

Don unserem nach Holland entsandten str.-Gonderberichterstatter.

Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.

Wietingen, im April.

3m letzten Jahrzehnt hat die politische Land­karte Europas so manche Dc.Lnderung erfahren, aber in topographischer Hinsicht ist alles beim Alten geblieben bis auf Holland. daS aus­gerechnet im Jahre 1918, als die übrige Welt sich eben anschickte, auf Kosten Deutschlands und Oesterreichs ein paar fette Länderbrocken zu schlucken, den Sntichluh faßte. sein Gebiet um ein Siebentel seines bisherigen HmfangcS zu ver- gröhern. Auf friedliche Weise versteht sich, sofern man einen schier gigantischen Kampf mit der Ra tut, mit den gewaltigen Fluten des * Meeres, nicht auch als Krieg auffassen will.

Vormals fuhren die Holländer mit ihren Schif­fen über den Ozean und gründeten Kolonien, schüttelten di« spanische Fremdherrschaft abr.u errangen ihre llnadhängigkeit. Dach wechsel­vollen Schicksalen, nachdem 1795 hier französische Jakobiner die batavische Republik ausgerufen hatten, vereinigte der Wiener Kongreß die ge­samten Diederlande nach 25djähriger Trennung wieder zu einem Königreich. Seither nahm Hol­land eine ruhige, ungestörte Entwicklung. Auch das jähe Ausflammen des Weltkrieges änderte an diesem Zustande nichts, obgleich natürlich die Liederlande durch die Kämpfe in den Dachbar­staaten wirtschaftlich ein wenig in Mitleidenschaft gezogen wurden. Diese friedliche, durch keinerlei Wirrnisse ustd llmwälzungen bedrohte Entfal­tung muh ausdrücklich betont werden, wenn man begreiflich machen will, wieso di« Holländer ge­rade in einer Zeit, da die Well aus den Fugen zu gehen schien und nahezu ganz Europa von einer fanatischen Zerstörungswut erfaßt war. durch das Gesetz vom 14.3uni 1918 eines der größten technischen Aufbauwerke der Menschheit

in Angriff nahm. Ss ist dies das Gesetz bezüglich der Abschttehung uni) teilweisen Trocken- legun g der Zuibersee.

Fast zehn 3ahre sind seither verflossen. Manches mußte inzwischen aus dem ursprüng­liche Gesetzentwurf geändert werden, aber der Grundplan blieb bestehen, ja noch mehr, die Arbeiten wurden bereits mit zähem Willen auf­genommen. um nach einer durch finanzielle Schwierigkeiten bedingten Atempause während der 3ahre 1922 biS 1925 jetzt in beschleunigtem Tempo fortgesetzt zu werden.

Fast zwei 3ahrzehnte dürfte eS noch dauern, bis daS große Werk seine Krönung erfahren wird. Aber schon heute bietet sich dem Besucher der Zuiderieeanlagen ein eindrucksvolles Bild. Tag und Dacht brummen die Daggermaschinen, immer neue Dämme und Deiche schichten sich auf. an deren steinernen Wänden grollend die Wogen des MeereS abprallen, Meter auf Meter wird der See abgetrotzt. Mag da und dort Flut oder Sturm den Gebilden aus Menschenhand manchen Heinen Schabernack spielen, manches unerwartete Mißgeschick verursachen, der Enderfolg kann und wird nicht ausbleiben! Die Absicht, das viele hunderttausend Hektar große Decken der Zuider- see auszuschöp'en und urbar zu machen, ja noch mehr, das zwischen den Dord!ee-3nseln und den heutigen Küsten Hollands sich erstreckende Watten­meer iroden zu legen, bestand schon sell langem.

Wo die Dordsee sich nach Süden verschmälert, liegen die bekannten, niedrigen Gebiete der Diederlande, größtenteils sogar tiefer a l S der Meeresspiegel. Durch Dünen und Deiche werden sie vor Lieberschwemmungen ge­schützt. Dun muß man toi ff en, daß die von Dorden nach Osten umbiegende Küstenlin'.e dieses Landes ursprünglich eine fast ununterbrochene Dünenkette war, nur an einzelnen Stellen t>ae den Äusmündungen der großen Ströme Schelde. Maas und Rhein durchschnitten. An mehreren Stellen, vor allem im Dorden. ereigneten sich einst in dieser Dünenreihe verschiedene Durch­brüche. Weite Strecken des dahinter gelegenen Landes wurden weggerisseu oder überschwemmt.

Was man von den französischen Wahlen wissen muß. Don unserem v. l. -Berichterstatter.

Nachdruck auch mit Quellenangabe, verboten Paris. Mitte 2lprll 1928.

ES ist nicht leicht für den Deutschen, sich in den französischen Partcioerhältnilsen zurechtzu inden. Bei der Brdeutung der französischen Wahl er­scheint es aber alS ein Gebot der politischen Klug­heit sich eingehend mit ihnen zu beschäftigen da sie sicherlich auf die bevorstehendrn Wahlen in den anderen europäischen Ländern nicht ohne Einfluß bleiben werden

DaS französische Parteiwesen weicht von dem deutschen und englischen in sehr we entlichen Punkten ab. Frankreich kennt Zeine großen, ft r a f f organisierten Par­teien. Sine Ausnahme machen nur die Grup­pierungen drr äußersten Rech en und der äußersten Qlnfen: die Liga der Action 5ran;aik und die sozialistischen und kommunistischen Parteien. Aber auch ihre Anhungerzahl bleibt hinter ähnlichen Organisot'.onen und Parteien d'S Auslandes weit zurück. Die Ausgabe aller anderen Parteigtup- blerungcn. die auS den Wahlkomitees gebildet werden, besteht in der Aufstellung deS W a h l p r o g t a m m S und der Kandi­daten.

Den Gruppen in den beiden französischen Par­lamenten. dem Senat und der Kammer, entsprechen daher auch keine organisierten Parteigeb.Ide im Lande, wiederum mit Ausnahme der Sozialisten und Kommunisten und den Anhängern der Action Fran^aise. das heißt der Royalisten. Die 2lb- geordnelen der einzelnen Parteien gehören den verschiedensten Gruppen in der Kammer an und umgekehrt. DieS erklärt die sehr lose Zugehörigkeit des Abgeordneten zu der Partei und der parlamentarischen Gruppe, der er sich ange schloffen hat. Eine Parteidi ziplin, etwa nach deutschem oder angli'chem Muster, wird nicht und kann auch gar nicht auSgeübt werden. Die Minderheit ist durch die Beschlüsse der Mehrheit nicht gebunden. Bei der Abstimmung über die wichtigsten Fragen ereignet eS sich ost. daß Ab­geordnete der gleichen Gruppe völlig ver­schieden stimmen. Auch die gleichnamigen Gruppen in Senat unb Kammer nehmen oft abweichende Hallungen ein und stimmen, wie dies während der letzten Sitzungsperiode häufiger vor- kom, die eine für. die andere gegen die Regie­rung. Bezeichnend ist weiterhin, daß die Kam­mer zehn Parteigruppen zählt, während der Senat nur sechs auftoeift.

Die im 3ahre 1924 gewählte Kammer kannte folgende Gruppen, die hier der Reihenfolge nach von recht« nach links aufgeführt seien, wobei wir einige der wichttgsten, auch in Deutsch­land bekannten Abgeordneten nennen wollen. Bei den stets schwanlenden Stärkeverhältnissen hat die Zahl der Abgeordneten der einzelnen Gruppen eine nur schätzungsweise Bedeutung.

1. Republ.-demokr. U n i o n, 98 Abgeord­nete. 3hr gehört der gcgentoärtlgc Pension-- miniftcr Marin und der Abg. Taittinger an.

2. Die Demokraten. 14 Abgeordnete.

3. Die Gruppe der republ.-demokr. Lin­ken. 32 Abg. (Maginot. Reibel, Handelsminister Dokanowfki).

4. Die Gruppe der unabhängigen Lin­ken. 15 Abg. (Le Trocquer).

5. Die Gruppe der republ. Linken. 32 Abg (Marineminister Leygues. Dariac).

6. Gruppe der radikalen Linken. 38 Abg. (Loucheur, Lhappedelaine. Daniel-Dtncett).

7. Die Gruppe der Radikalen und Ra­di k a l - S o z i a l l st e n. 136 Abg. (Dalavier. Hertivt. Ackerbauminister Queuille, Georges Bonnet).

8. Gruppe der republ. S o a i a I i ft c n. 40 Abg. (Driand. Painlevü, Admiral 3auröS).

9. Gruppe der Sozialisten. 95 Abg. (Leon Dlum, Dincenl-Auriol. Duiffon, Renaudel. Paul- Boncvur). ,,

10. Die K ommunlsten. 2 Abg. (Eachin. Dvriot).

Wenn man die einzelnen Gruppen überprüft, so tnirh mnn feststellen können, daß sie alle, auch

die rechteste Gruppe. Parttinamen tragen, die den Unwillen den bg^u verleiten könnten, in ihnen eine LinkSgruppe zu erblicken. Diese Bezeich­nungen der Parteien sind eine Kon,e <ion an die Masse. Die Entwicklung nach dem Kriege hat langsam, aber ständig Die Part.iaerpallnis e in Frankreich verschoben, indem 1: die LinkSpatle en immer stärker aus Kasten der Rechten anwachlen ließ. Am stärksten haben von d der allgemeinen Strömung nach linkS die Radikalen und die Sozialisten pro itiert.

Bevor wir an die Ehara'trrisierunz der ein- Aelncn Gruppen Herangehen, wird eS notwendig sein, sestzustellen, wiche Rolle sie bei den früheren Wahlen fpie'ten. Man unterscheide: am besten drei große Gruppierungen i.incrbalb der Kammer, die eine nach der anderen die Re- gierungSgctnalt innebatten. Die erste, der Ra­tion ule Block, gelangte 1J19 jur Herrschaft. Gr umsa' t: alle rrpubttkanisch-bürerlichen Par­teien und war als ausgesprochene Konzentration im Kampfe gegen brn Sozialismus gedacht. Auch die republikanisch sozialistische Partei, die trotz ihreS DamenS nicht sozialistisch ist. gehörte ihm an. 3e mehr sich jedoch der Rationale Block In seinen politischen Bestrebungen nach rechts ent­wickelte. um so mehr loderte sich sein linker Flüge.', bis in der Wahlkampagne von 1921 die Radikalen und republikanischen Sozialisten ab* fielen. Sie fochten gemeinsam mit den Sozialisten die Wahl von 192! durch und halsen sich vielfach durch die Ausstellung gemeinsamer Wahllisten. Sie brachten durch zhr gemeinsames Borgehen das sogenannte Linkskatt eil zu einer Mehrheit von über 100 Stimmen in der Kammer.

Die Wahlkampagne des Jahres 1924 war von dem Linkskartell im Zeichen des Kampfes gegen den fallen Den Franken, die Teuerung und die ständig wachsenden Steuern geführt, vor allem aber als Protest gegen d ie Außen­politik PoincaröS und die von ihm unter­nommene Ruhrbeschung, mit der er gehofft hatte. Deutschland zur Weiterzahlung zu bewegen. 3hr bedeullamer Sieg gestattete den Radikalen, repu­blikanischen Sozialisten und den Sozialisten, den Rücktritt Millerands zu fordern und durchzusetzen und den beiden erstgenannten Parteien, mit wohl­wollender Unterstützung der Sozialisten, die Re­gierung zu bilden. Die Frucht des Sieges des Linkskartells waren das Ministerium H e r r i o t, und die verschiedenen Kabinette, in denen Driand eine Hauptrolle spielte. Dem fortdauernden Hinabgleiten des Franken ver­mochte aber die Kartellregierang nicht Einhalt zu gebieten. Poincar 6 war eS beschieden, die Situation zu retten, indem er eine neue, dritte Gruppierung innerhalb der Parteien al« Unter­lage für die Bildung seines Ministeriums wählte, wobei er die Klugheit besaß, die namhaftesten Politiker aller Parteien, außer den Sozialisten und Kommunisten, mit der Gruppe Marin be­ginnend, biS zu Herriot, Painlevö und Driand in seine Regierung auszufordern. Diese Regie­rung der nationalen Union geht heute In die neuen Wahlen von 1928. So hat denn Frankreich, wie bereits erwähnt, nach dem Kriege drei verschiedene Patttigruppierungen an der Herrschaft gesehen. Zuerst eine Rechte, den Ra­tionalen Block, dann eine Linke, die Kartellregie­rung, und nun die dritte, die Rationale Union, die Links und Rechts mit Ausnahme der Ex­tremen umfaßt.

Da« neue Wahlsystem, daS in Frank­reich im 3ab re 1927 von der französischen Äam- mer beschlossen wurde, dürfte nicht ohne Einfluß auf die neue Zusammenscchung der Kammer blei­ben. Es erhöht die Zahl der Abgeordneten auf 612, wobei die Gesamtzahl der in Frankreich lebenden Franzosen und Ausländer zugrunde ge­legt wurde. Die Abgeordneten werden i n d e r Einzelwahl gewählt, wobei jeder Wahlzettel nur einen Rainen tragen darf. Für gewählt gilt, wer die absolute Mehrheit der abge­gebenen Stimmen auf sich vereint, wäh­rend bei der acht Tage später vorgenommenen Stichwahl die einfache Mehrheit ent­

scheidet. Die Wählverbindungen zwilchen den ein- uvrtvn nt±! wesentlich Vvn Den früheren abweichen. Bei der ersten Wahl am 22. April wird jede Partei für ihren eigenen Kandidaten stimmen, während bei der Stich­wahl am 29 April dort wo bisher kein Kandi­dat die Mebrhci. erhielt, der Kamps um Oie beiden aus i^tSrcichfien Kandidaten deS Ratio­nalen Blocke« und de« Kartells der Linken ge­führt werden wird. Kommunistische Kandidaten dürften in vereinzelten Füllen sozialistische Stim­men erhallen.

Ebenlowenig wie in Deutschland lassen sich ! auch in Frankreich die Parteien nach ihrem offiziellen Programm genauer cfcatahcrVieren. Man darf im allgemeinen fünf große Grup­pen unterscheiden, und zwar.

1. die Monarchisten. Rationalisten und Faszisten, 2. die Konservativen.

3. die radikale und sozialistische Linke.

4. die Sozialisten.

5 die Kommunisten.

Die erste Gruppe steht der gegentoärtiaen Staatsverfassung feindlich gegenüber. Abgesehen von den Anhängern der Action Fran^aife sind ihre Tendenzen wenig übersichtlich, ihre Bedeu­tung recht gering. Auch den Faszisten gelang es bisher nicht, daS Heine Häuflein ihrer Anhänger zu vermehren. Eine konservative Partei, etwa nach dem gleichen Muster wie in England, gibt es in Frankreich nicht, doch dürfte man alle diejenigen Kammergruppen, die zwischen den RechtSextremen und der radikal-sozialistischen Gruppe stehen, als konservative Parteigruppen zufammensaffcn. Sie sind die eigentliche Seele der hationalcn Union gewesen und gleichzeitig die Hauptstütze der gegenwärtigen A e g i e r u n g s k o a 1 i t i o n der sich ein lin­ker und ein rechter Flügel nur lose ongeschlossen hat, wobei ein Teil der Radikal-Sozialisten unter dem Parteiführer Daladier stets im Begriffe ist, der Regierung die Gefolgschaft zu verweigern und mehrfach bereits gegen Poincars gestimmt hat. 3m großen und ganzen ließe sich sagen, daß alle republikanisch-gemäßigten Elemente der Kammer als Konservative zu bezeichnen sind.

Diesem sehr heterogenen Gebilde der konser­vativen Gruppen steht eine sehr viel st ras­ier organisierte Linke gegenüber, in der sehr häufig um Parteidifziplin unb Partei- grcnzen gekämpft wird. Die Kämpfe innerhalb dieser Gruppen, insbesondere der radikalen Partei, find bekannt. Man rechnet allgemein damit, daß letztere die Wahlen nicht über­leben und in zwei etwa gleich starke Gruppen zerfallen wird, wobei die Rechte unter der Füh­rung Franklin-Bouillons sich nach rechts wenden, die Linke unter Führung DaladierS nach links Anschluß suchen dürfte. Die sozia­listischen unb kommunistischen Parteien entsprechen etwa den gleichen Parteien in Deutschland.

Wenn wir im Laufe unserer Ausführungen vvn zehn Kammergruppen gesprochen haben, so darf man nicht vergessen, daß diese Einteilung nur für d i e Kammer Geltung hat, während die Parteien im Lande draußen sich von Wahl zu Wahl unter anderen Parteibenennungen zu- fammenfinben. Die Flagge, unter der die Par­teien von 1928 in den Wahlkampf ziehen, ent­spricht nur zum Teil den Parteibenennungen von 1924. Wir sehen so beispielsweise, daß außerhalb der sozialistischen Partei der Kammer gleich­zeitig unter dem Ramen S. F. 3.0. eine sozia­listische Arbeiterpartei ihre eigenen Kandidaten aufstellt. Auch sonst spielt diese S. F. 3.0. eine nicht zu unterschätzende Rolle im sozialistischen Parteileben.

Man ist im allgemeinen gewöhnt, die fran­zösischen Dahlverhältnisse als vorbildlich zu be­trachten. da der französische Parlamentarismus sehr viel weiter alS der deutsche entwickelt ist. Untere Untersuchung hat uns aber das D e - g e n t e i l gezeigt. Wir sehen, daß die Parteien im Lande und bte Parteigruppen in Kammer und Senat keineswegs übereinstimmen, und daß diese Zwiespältigkeit eine Unübersichtlichkeit in den französischen Parlamentarismus hinein­trägt. die es jedem Fernstehenden schwer macht, sich in den französischen Parteiverhällniffen zurechtzusinden.

^diuhbunDtatung 1928.

Der Deutsche Schutzbund hüll, der Trabition gen. in der Woche vor Pfingsten, feine bies- lährige DundeStagung in Glien ab. Zum ersten Male tagen ß die im Schutzbund zur Verein­heitlichung der Bolk^umarbeit zufammengefchlol- fenen grenz- und auslanddeutfchen Ki rperfchaften im deutschen Westen. Im ehemalig besetzten Ge­biet Das gibt die'cr 9 Tagung, auf der sich, wie in früheren Jahren, die Dertreter au« allen deutschen.Grenz- und Außengebie'.en zusammen- sindcn. um gemeinsam die wesentlichen Fragen zur Erhaltung des deutschen Tolk tum« zu er­örtern. daS Gepräge entsprechend der Grund- aufgabe der Swutzbunbarbeit will sie daS Ter- ftanbnU' sür die Dolkltumüsragen de« OstenS im Westen vertiefen und umgekehrt die Ter- trc:cr de« östlicven Deutlch:um« mit den Lei­stungen und Fragen bc« beutfchen Westen!- be­kannt machen. 3m Rahmen de« reichen Ara.- programms spricht unter anberen ObeiDutgcr- meister Bracht über. Wen im Ruhrkamps Frau Ministerialrat Weber. M. d.R über: die bcujc.'c Frau im deutschen Dolkskampft der Dorfitzende bc« Schutzbunbe« Dr. K. L von Loelch über: Ziel und Wege deutscher DolßtumSarbeit: Freiherr von Gatzl über: die Bedeutung des Osten« in der deutschen Dolttpolittl; Dr. Friedrich König, über die Bedeutung deS Westen« für die deutsche TolUbcliiit; unt Hosrat Giannoni Wien über: die Grundlage deutscher Kulturarbeit.

Oberheffen.

Lanrl.ri- (4icf;cti.

tj. Ruttershausen, 19. April. Während im verflossenen Jahre nur insgesamt drei ö t e r be­falle in unserer kleinen Gemeinde oorlamen, sind es im ersten Vierteljahr diese» Jahres bereits vier. Grippe mit darauffolgender Lungenentzün­dung ist die Todesuisuche. 'Betroffen sind besonder» ältere Leute. Auch in dem nahen preuß schen Belin- Hausen hat dieselbe Krankheit bereit» eine Reihe von Opfern gefordert.

^Staufenberg, 19. April. Lehrer Schädel, dem anfangs dieses Jahre» eine Schulstelle in I r e i » (Lumda) übertragen wurde, ist nunmehr dorthin übergcsiedelt, um mit Beginn de» neuen Schuljahr» seinen Dienst dort anzutreten. Nahezu vier Jahre hat er hier gewirkt, und man sieht ihn ungern scheiden.

Oppenrod, 19. April. Gelegentlich der Einsegnung unserer Äonfirmanben am vorigen Sonntag versammelten sich bie im 3ahre 1 8 8 2 Konfirmierten, jetzt 60 3ahre allen Män­ner unb Frauen, und zwar drei Männer unb drei Frauen, zu einer Gedenkfeier in der Kirche. Der Ortsgeistliche, Psarrer K a l b h e n n, richtete an die Konfirmanden-3ubtlare eine herzliche Ansprache, anschließend nahmen sie gemeinsam daS Heilige Abendmahl. Am Rach- mitlag waren die alten Herrschaften Gast eines im Orte ansässigen AlierSkameraden, der auch die Dorbereitungen zu dieser schönen Feier getroffen hatte.

ch Grünberg, 19. April. Der heute morgen hier abgehaltene Schweinemarkt war mit 351 Fer­keln und 28 Läufern beschickt. Der Geschäftsgang war mäßig und schleppend, so daß ein erheblicher lieber- tand etwa 60 o. f). zu verzeichnen war. Für echs Wochen alte Ferkel zahlte man 14 bis 18 Mark, ür sechs bis acht Wochen alte Ferkel 20 bis 24 Mark, ür acht bis dreizehn Wochen alte Ferkel 24 bis 30 Kart, für Läufer 30 bis 35 Mark und mehr.

<l> ©rüningen, 19. April. 3n einer außer­ordentlichen Generalversammlung deS M ä n - nergesangvereinS .Eintracht" wurde befchwsfen, am Sonntag, 29. April, einen Aus­flug nach L i ch und am 8. 3uli gemeinsam mit dem Gesangverein .Heiterkeit" Dors-Gill eine Rheinfahrt zu unternehmen. Schon heute liegt hierzu eine große Zahl Anmeldungen vor. Man rechnet damit, daß sich allein auS unserem Dorfe etwa 100 Personen beteiligen werden.

df. LangSdors, 19. April. Eine Sache, bie schon seit Wochen die Gemüter bewegt, ist die PfarrhauSsrage und bie bannt zusam­menhängende Besetzung der schon fast 2 3ahve verwaisten P f a r r st e 11 e. Sie hat nun. Hollen wird endgültig, ihre Lösung gefunöen. GS lagen zwei Projekte vor. Entweder sollte daS Pfarr­haus renoviert werden, wofür 8000 Mark vor­gesehen waren, oder aber bie kurz vor dem

Don bem ursprünglichen Küstengebiet blieben bie Rorbseeinseln als einsame Pfeiler zurück.

Wann dieS geschah, ist nicht genau bekannt. Man nimmt einen allmählichen Prozeß an. Ende deS 12.3ahrhunderts dürfte bie Zuibersee bei einer Sturmflut ihren noch heute bestehen­den Umfang erhallen haben.

Zwischen dem eigenttichen Becken der Zuider- fee, dem früheren Flevosee, (ungefähr südlich der Linie SnkhuizenStavoren) und dem nörd­lichen Teil, dem Wattenmeer, daS sich von Wieringen-Harlingen gegen Horben erstreckt, be­steht ein bemerkenswerter Unterschied, der dazu führte, daß man wohl bie Zuibersee, nicht aber das Wattenmeer entwässert. .

Das Zuiberbecken besitzt nämlich ein sehr gleichmäßiges Dobenrelies. Don den Küsten nach der Mitte nimmt die Tiese von 0 biS 4,50 Meter unter bem normalen Amster­damer Wasserstand (b. i. ungefähr der mittlere Wasserstand des Meeres) zu. Rur im Westen der 3nsel Urf, die sich in zehn bis fünfzehn 3obren mit dem Festland vermählen wird, liegt zur Zeit noch eine 6 Meter tiefe Rinne. Die Gezeitenbewegung in diesem Gebiet ist ganz unbeträchtlich, auch die S.romgefchw.ndigreit kaum der Rede wert, dazu verspricht der schlammige Seegrund Fruchtbarkeit.

Dagegen weist das Bvdenrelief des Watten­meeres große Unregelmäßigkeiten auf. Hohe Eandvlatten, die bei ebbe natürlich trocken lie­gen. werden durch viele Hefe Rinnen getrennt. Auch Ebbe und Flut machen sich bier_ in weit höherem Maße bemerkbar. Alles Umstände, die einer Trockenlegung im Wege stehen. Somit be­gnügte man sich mit der Zuidersee. Der älteste Plan zu ihrer Entwässerung datiert aus dem 17. 3ahrhundert. Es hätte wenig Zweck, die einzelnen Phasen anzusühren, die schließlich den langgehegten, oft verworfenen oder zurückgestell- ten Plan zur Tat reifen ließen. Genug als 1918 das Gesetz zur Errichtung der Zuidersee- toerfe angenommen war. begann man ein 3ahr später mit den Vorbereitungen unb 1920 mit der Arbeit. Mit der sogenannten »Einschränkung deS AmsteldiepS" fing man an. Der Abstand zwi­

schen der nordholländischen Küste und der 3nfel HJieringen, in der Richtung deS entworfe­nen Abschlußdeiches gemessen, beträgt ungefähr 2500 Meter. BiS 1200 Meter von bet nord- hottändifchen Küste erstreckt sich eine auf Riedrig- wasser gelegene Watte, ber Balgsand. Die rest­lichen 1300 Meter werden vom Amsteldiev ein­genommen, das aus zwei Rinnen besteht.

DieEinschränkung" würbe nun in bet Weise durchgesührt, daß man den Boden dieser beiden Rinnen die bisher eine Tiese von 12 biS 7 Meter unter Amsterdamer Wasserstand belaßen, durch einen Deich biS auf 4,50 Meter unter Rormal- wasserstand erhöhte, und zwar mit einer der­artigen Kronenbreite, daß der weitere Oberbau deS Deiches zweckmäßig daraus anschließcn kann. Selbstverständlich hätte man auch höher bauen können. Aber dies lag vorläufig weder im 3nter» esse der Schiffahrt noch in bem bet Entwässerung.

3m folgenden 3ahre. 1921, errichtete man am Oftpunkt der 3nsel Wietingen, und zwar in der Rähe des Dorfes Den Oe Der, einen Be­triebshalen großen Stils, um hier das riesige Baumaterial einzulagern, das für bie Errichtung des großen Anschluhdeiches zwischen Wietingen und Friesland erforderlich ist.

Wenn dieser 30 Kilometer lange und 90 Meter breite Abschlußdeich fix unb fertig dasteht, dann ist die schwerste Etappe deS gewaltigen Werkes überwunden, bie endgültige Abschnürung der Zuidersee von der Rordsee. gewisfermahen eine Trennung von Tisch und Bett, vollzogen. 3ch erwähnte im Anfang, daß Holland jetzt in topographischer Hinsicht manche Deränderung auszuweisen hat. die in den meisten Landkarten noch gar nicht ausgezeichnet ist. DaS soll heißen: die 3nfel Wietingen ist heute keine 3 n f e l mehr. Denn der Abschlußdeich zwischen Rordhvlland und Wietingen wurde bereits voll­endet. Wietingen gehört jetzt gewissermaßen dem Festlande an. Die Rordsee kann sich grau, blau ober weiß ärgern. eS hilft ihr alles nichts. Hier ist ihr für die Zukunft ein Damm gesetzt. BiS hierher unb nicht weiter! Dahinter wird bereits fleißig gepoldert.