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Rr 272 vierter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für (Vberhefsen) Samstag, (7. November (928

Oberheffen.

Kreis Schotten.

* Schotten. 16. Rov. Die Kulturfilm» stelle bei dem hiesizen Kreisfchulamt bringt im Laufe der kommenden Woche chren Dter» tenLebrfilm.DieerwachendeSphrnx Aufnahmen au-'dem Erdteil A rika) im Kreise zur Vorführung. Am Tage treffen sich die Schu» ken in den gröberen, zentral gelegen Orten während an den Abenden dre Vorführung des Film« für die Grwachfenen erfolgt. Die fegens» reiche Einrichtung hat sich schon viel Freunde erworben. Mit besonderer Spannung erwartet man den FilmWeltkrieg" 2. Teil, als Fortsetzung des bereits vorgeführten 1. Teils.

/ Gedern, 16. Rov. Wie alljährlich, so fand auch jetzt wieder die Herbsttaxation beSPferoeversicheruNgsvereins Ge­dern statt. In dem segenreich wirkenden Ver­eine sind zur Zeit 354 Pferde mit einem Ge- samtversicherungskapilal von 300 700 Mk. ver­sichert. Im letzten Halbjahr tpurben 18 Pferde neu ausgenommen. Das pcämienpflichtige Ver­sicherungskapital betrug bei der FrüyiahrStaxa- tion 267 900 Mk. für 336 Pferds. Als Prämie wird eben l/2 Prozent des zuletzt taxierten Ka» pitalwertes entrichtet. Wie brliebt dec Gederner Pferdeversicherungsverein ist. dürfte aus der Tat­sche zu erkennen sein, daß Landwirte aus Burk­hards. VöSgesäb. Durgbracht. Fischborn. Gedern, Glashütten. Hartmannshain, Herchenhain. Hir­zenhain, Hitzkirchen, Illnhausen. Kaulftos, Kirch- bracht, Lichenrod. Merkenfritz, Mauswinkel, Mit- telscemen, Oberseemen, Ortenberg, Raincod, Ei­chenhausen, Steinberg. Dolkartsyain, Völzberg, Wenings. Wettges, Wippenbach und Wüstwil- lenrvd ihre Pferde dort versichert haben. Durch eine Schadenersatzleistung von 75 Prozent konnte schon manchem Landwirte geholfen werden.

S Ulrichstein. 16. Rov. Herrschte auch am Mittwoch auf den Höhen des Vogelsbergs gaiu außerordentlich dichter Aebel, so kormte, doch dem hier abgehaltenenKalten Markt" da­durch kein Eintrag geschehen. Erfreulich zahlreich kamen die wetterfesten Gebirgsbewohner aus allen umliegenden Orten hierhsr zusammen, so daß die Hauptstraße besonders in den frühen Rachmit- togsstunden stark belebt war. Der Versauf an den Ständen, die meist von Auswärtigen errichtet wurden, verlief rege. Die meisten der hiesigen Geschäfte verkauften mit Rabatt. Im ganzen dürften die Geschäftsleute mit dem Ergebnis des Tages recht zufrieden gewesen sein.

)( Ruppertsburg. 16. Rov. Der Jagd- Pachter der Gemeindejagd Ruppertsburg, Hotelbesitzer G a u b aus Gießen, veranstaltete das erste große Treibjagen in diesem Herbste, wo­bei 46 Hasen. 8 Rehe und ein Fuchs zur Strecke gebracht wurden. Die diesjährige Herbstver- fammlung unserer Ortsgruppe des Obst- und Gartenbauvereins fand jetzt statt. Der Obmann erstattete Bericht über die Hauptver­sammlung des Landesverbandes in Büdingen, so­wie über die mit Reichshilfe in unserer Gemar­kung planmäßig durchgesührten Ump'ropfungen. Rachdem noch mancherlei wichtige Winke für Pflege und Düngung unserer Bäume gegeben worden waren, konnte wieder die Verlosung von 22 schönen Däumchen, die der Keeisobstbauverein Schotten in dankenswerter Weise gratis zur Ver­fügung gestellt hatte. statt'inden. so daß die Hälfte aller Mitglieder Bäumchen gewinnen konnte. Dieser Tags wurde in unserer Kirche der Film .Der hillige Born" durch einen Diakonen b?t Inneren Mis ton vorgsführt. Don passenden E emeindegesänaen und Ansprachen des Ortsgeistlichen. Pfarrer D. Frits ch. umrahmt, gaben die einzelnen Teile des Films den An­wesenden ein anschauliches Bild von der Rot in den Krüppelheimen. aber auch von der schweren, reich gesegneten Arbeit der christlichen Liebes­tätigkeit an den armen Krüppeln. Zum Besten derselben gingen mehr als 60 Mk. ein.

Lardenbach. 16. Rov. Der diesige Krtegerverein begann seine diesjäh igen Veranstaltungen mit einem Lichtbildvor­trag. Herr Kratz aus Freienseen hielt einen fes elnden Vortrag über das Thema: Unsere Ma­rine in Krieg und Frieden. Besonders über seine Spezialwaf'e. das U.-Boot, sprach er aus­führlich. Dis hochinteressanten Aus ührungen des Schwerkriegsbeschädigten fanden bei der zahl­reichen Zuhörerschaft reichen Beifall. Tie Ge­radelegung des Seenbaches und die damit zusammen? änce° de Feldbereinigung sind soweit gefördert, daß die Reuverteilung der Wiesen und Aecker tm kommenden Frühjahr erfolgen kann. Leider nimmt aber damit auch die Arbeitslosigkeit wieder zu. Dazu kommt, daß demnächst auch die Eisengruben ihre Belegschaft entlassen, eine Folge bsS nord west­deutschen Eisenkonsliktes.

-t- Ober-Schmitten, 16. Rov. Die Woh­nungsnot, die in unferem Dorfe mit seinem stark industäellen Einschlag durch Zuzug von außen ständig vermehrt wird, konnte durch die seither errichteten Wohnungen nicht beseitigt wer­den. Auch Zwangseinmtetungen, in klei­nen Gemeinwesen schwer durchführbar, erwiesen sich als unwirisam, zumal ausgesprochene Miet­wohnungen kaum vorhanden sind. Von den bei­den Papierfabriken wurden Wohl nach dem Kriege insgesamt 12 Arbeiterwohnungen er­baut, aber diese Zahl ist zu gering, eine Ent- spatmung aus dem Wvhnungsmarkte herbsizu- fühcen. .ihn nun wenigstens den dringendsten Wohnungsbedars zu befriedigen, sieht sich die Gemeinde veranlaßt. Wohnungen für vier Familien zu bauen. Die Frage, ob ein Dterfannsienhaus oder zwei Zweifamilien­häuser errichtet werden sollen, ist noch nicht ent­schieden. Da die Gemeinde nicht über geeignetes Baugelände verfügt, mutz dieses erst käuflich er­worben werden. Reben den schon erwähnten 12 Wohnungen wurden in der Rachkriegszeit weitere 14 erbaut. Die Wohnungsnot aber wird erst aufhören, wenn die Wohnungssuchenden stch stärker als seither zum Bauen entschließen. Das Entgegenkommen der Gemeinde wird den Ent­schluß erleichtern.

I Ober-Lais, 16. Rov. Die hiesige Schule veranstaltet in jedem Winter eine An­zahl belehrender Vorträge, meist mit Licht­bildern, die sich eines guten Besuches erfreuen. Die dieswinterliche Reihe wurde am Sonntag eröffnet. Lehrer Sauer sprach über die volks­wirtschaftliche Bedeutung und die Zukunftsauf- flgben der landwirtschaftlichen Tierzucht. In einem zweiten Vortrag behandelte er Fragen der Dränage und machte die Zuhörer mit neuen,

billigeren Methoden der Dränage bekannt, wie I sie in Gestalt der Maulwursdränaye und dec Wasseradsrquerdcänage in letzter Zeit entwickelt | worden sind. Da in unserer Gemeinde das Feld- bereinigungsversahren durchgeführt werden soll, fand gerade dieser Vortrag besonders lebhaftes Interesse. Im Rahmen dieser Vorträge wird am kommenden Sonntag im Saale des Gastwirtes Werner eine Schubectfeier unter Leitung von Lehret Strößinger und unter Mitwir­kung auswärtiger Solisten stattsinden.

Kreis Alsfeld.

(I) Groß-Felda, 16. Rov. Aehnlich wie an anderen größeren Orten des Kreises wurde auch hier eine Reuvrientierung des Fortbildungsschulunterrichtes vor­genommen. Im ganzen bestehen jetzt hier fünf Klassen, und zwar eine gewerbliche Klasse mit Zeichnen als Hauptfach, eine gewerbliche Klasse mit Bürgerkunde uad Aussatz, eine reine Mäd­chenklasse. eine Kla.se mit Bürgerkunde uad Auf­satz und eine Klasse mit De.u skunde und Rech­nen. In diesen fünf Klassen sind die Mädchen und die Knaben von hier, von Kestrich ued von Windhausen unlergebracht. Am letzten Sams­tag fand im großen Saale der Gastwirtschaft 3irr Traube" die Generalversammlung der alten Sparkasse statt. Weit über 100 Mitglieder aus den Orten Groh-Felda, Kestrich, Windhausen, Storndorf. Vadenrod, Stumpertenrod, Ermenrod, Elpenrod. Hainbach. Ober-Ohmen, Ober- und Unter-Seibertenrod und Dobenhausen waren dazu erschienen Direktor Sattlermeister D ö l z i n g eröffnete die Versamm­lung. Hebet den Hauptpunkt der Tagesordnung: Verteilung des Reingewinns, wurde folgendes bestimmt: 1165,30 Mk. werden zur Verzinsung dec Geschäftsanteile genommen; 1500 Mark für 10 Prvz. Dividende; 1000 Mk. als Zuweisung an den ordentlichen Reservefonds; 1000 Mk. an einen zu gründenden Bausonds; der Rest wird auf neue Rechnung borge tragen. Ferner wurde bestimmt, daß der vor dem Kriege 30 000 Mk. betragende Reservefonds mit 10 Prozent gleich 8000 Mk. aufgewertet werden soll. Dem geschäft­lichen Teil schloß sich das übliche große Kassen- efsen an.

* Nieder-Ohmen, 16. Nov. Am Samstag, Sonntag und Montag findet hier zum erstenmal eine Lokal-Geflügelschau statt. Veranstalter ist der hiesige Geflügelzuchtverein. Zu der Ausstellung sind etwa 150 Nummern gemeldet, ferner werden neuartige Brutapparate gezeigt. Die Leitung der Schau liegt in den Händen des ersten und des zweiten Vorsitzenden. Man erhofft von der Veran­staltung eine Belebung und erfolgreiche Aufwärts- entwicklung der hiesigen Geflügelzucht.

Starkenburg.

Lpd. Darmstadt, 16. Rov. Ein verheirateter stellungsloser Bautechniker aus Darmstadt verstand es ausgezeichnet, sich unter Annahme von Titeln und hochklingenden Ramen in Darm­stadt und Umgebung an Damen verschiedenen Standes heranzumachen und sich in kurzer Zeit öffentlich zu verloben. Es wurden ihm Geld­beträge und G e s che n f e übergeben. Wenn ihm der Boden zu heiß wurde, verschwand er auf Rimmerwiedersehen. Die Geschenke wurden von ihm sofort bei Althändlern verkauft oder anderen Frauen geschenkt. Wegen mehrerer dieser Fälle, sowie wegen Zechbetrugs und Urkunden­fälschung wurde der Schwindler festgenom­men und In Untersuchungshaft gebracht.

Rheinhessen.

WSR. Mainz, 16. Rov. Der verheiratete 32jährige Dureauassistent Phil. M e m p e l von hier, dec in Sänger- und Keglerkreisen eine be­kannte Erscheinung war, wurde gestern vormittag aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft wegen Untreue und schwerer Urkundenfäl­schung zum Rachteil des Reichs verhaftet. Mempel wurde kurz nach dem Kriege als Dureau­assistent für die Verwaltung der Kreisfür­sorgekasse eingestellt. 2m Lause der letzten drei Jahre fälschte er fortgesetzt die Bücher und veruntreute der Kreis,ütiotgefaffe ungefähr 20 000 Mk. Mempel bezog ein Monatsgehalt von 280 Mk. Er war autzerdem Kassierer eines größeren Gesangvereins und eines Kegelklubs, doch sollen diese Kassen in Ordnung sein. Mempel hat bisher Veruntreuungen in Höhe von 8000 bis 10 000 Mk. zugegeben.

Preußen.

Maingau.

WER. Frankfurt a. M., 16. Rov. Rach einer Mitteilung des Magistrats an die Stadt­verordnetenversammlung wurden im Rechnungs­jahr 1926 576, im Rechnungsjahr 1927 525 und im ersten Vierteljahr 1923 565 Wohnungen, zu­sammen also 1666 Wohnungen fertig- gestellt. Dec Magistrat hat beschlossen, den über ein volles Jahr arbeitslosen Angestellten und Arbeitern (auch weiblichen), soweit sie über 45 Jahre alt sind, eine einmalige Rotstands- beihilfe in Höhe von 50 Mk. für Allein­stehende und 75 Mk. für Verheiratete zu ge­währen.

Spielplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 18. Rov., von 19V2 Obis nach 23 Uhr: Aida. Montag, 19., von 20 bis nach 22/2: Turandot. Dienstag, 20., von 20 bis nach 22V«: Mignon. Mittwoch, 21., von 18 bis gegen 23: Der Ring des Ribelungen. Zweiter Tag: Siegfried. Donnerstag, 22., von 20 bis gegen 22: Die toten Augen. Freitag, 23., von 20 bis gegen 22V2: Der Diktator. Das geheime Königreich. Schwergewicht, oder: Die Ehre der Ration. Samstag, 24., von 19Vr bis gegen 23: Die Zauberflöte. Sonntag, 25., von 19 bis nach 22V2: Aida. Montag, 26., von 19V2 bis nach 22V2: Figaros Hochzeit.

Schauspielhaus. Sonntag, 18. Rov., von 15Va bis 18 Uhr: Alt-Heidelberg; von 20 bis gegen 22V?: Dec brave Soldat Schwejk. Montag, 19., von 19Vz bis nach 21Vrt Dantons Tod. Dienstag, 20., von 20 bis gegen 22: Ehen werden im Himmel geschlossen. Mittwoch, 21., von 20 bis nach 22: Dantons Tod. Donnerstag, 22., von 20 bis gegen 22 Vr-' Der brave Soldat Schwejk. Freitag, 23., von 20 bis nach 22: Dantons Tod. Samstag, 24., von 20 bis gegen 22: Ehen werden im Himmel geschlossen. Sonntag, 25., von 15V2 bis 17Z/4: Jugend; von 20 bis 23: Reidhardi von Gneisenau. Montag, 26., von 19V, bis 23: Don Carlos.

Wohlfahrtsbriefmarken.

Roch immer kämpfen Millionen deutscher Volks­genossen schwer um ihren Unterhalt. Die Er­werbslosigkeit steigert die Rot ins Unerträgliche. Viele Angehörige des Mittelstandes diese einstmals eine dec stärksten Stützen des Staa­tes müssen aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden. Die Zahl der Rotleidenden ist unge­heuer groß, und es werden in erster Linie Frauen und Kinder hart betroffen. Die ver­fügbaren öffentlichen Mittel reichen bei weitem nicht aus, die Rot einigermaßen zu beheben. Auch die darnisdecliegende Wirtschaft kann wirksame Hilfe nicht leisten. Hier muh die Hilfe der Allgemeinheit einsetzen. Jeder, der noch Arbeit und Verdienst hat, muß beisteuern und mithslfen, die Rot zu lindern.

3m ganzen Deutschen Reiche findet zur Linderung der in vielen Kreisen deutscher Volksgenossen herr­schenden Not in der Zeit vom 15. November 1928 bis 31. Januar 1929 ein Wohlfahrtsbrief­marken.Verkauf statt. Die neuen Marken etzen die im Jahre 1925 begonnene Serie mehr- arbiger Wohlfahrtsbriefmarken mit den Wappen >er deutschen Länder fort. Die postalische Gültigkeit der Marken erlischt am 30. April 1929. Es werden ausgegeben:

eine 5-Pfennigmarke zum Verkaufspreise von 10 Pf. mit dem Wappen von Hamburg;

eine 8-Pfennigmarke zum Verkaufspreise von 15 Pf. mit dem Wappen Mecklenburg-Schwerin;

eine 15-Pfennigmarke zum Verkaufspreise von 30 Pf. mit dem Wappen von Oldenburg;

eine 25-Psennigmarke zum Verkaufspreise von 50 Pf. mit dem Wappen von Braunschweig;

eine 50-Psennigmarke zum Verkaufspreise von 1 Mk. mit dem Wappen von Anhalt;

eine künstlerisch ausgestattcte amtliche Bildpoftkarte (Glückspostkarte) mit eingedruckter 8-Pfennig- marke zum Verkaufspreis von 15 Pf.

Markenhcftchen, enthaltend vier 8- und drei 15-Pf.» marken, zum Preise von 1,50 Mark.

Die Marken sind im gesamten In- und Aus- landverkchr an Stelle dec gewöhnlichen Brief­marken gültig und außer an den Postschaltern auch beim städtischen Wohlfahrts­amt. Garten ft raße 2, Zimmer R r. 8. erhältlich. Ihre Auflage ist beschränkt; etwaige Restbestände werden vernichtet werden.

In erster Linie fließt von dem Abgabepreis der Freimachungswert dec Reichspoft zu. Den Ueberschuh erhält die Deutsche Winternothilfe zur ergänzenden Fürsorge für Kinder, alte Leute und Erwerchsunfähige.

Don den beim Wohlfahrtsamt entnommenen Marken verbleiben 80 Prozent der Gieße­ner Winternothilfe, 10 Prozent erhält der LandssauSschuß und 10 Prozent fließen dem Reichsausgleichsstock für besonders notleidende Gebiete zu.

Jeder verwende zur Frankierung und insbesondere für öle Weih- nachts-, Reujahcs- und Ofterpost n u r W ohlf a h r t s b r i e s m a r k e n. ES wi.d gebeten, sich nur der Vermittlung deS Wohl­fahrtsamts zu bedienen, da nur dann der entsprechende Anteil der Gietzener Winter­no t h i l f e zugute kommt.

Wirtschaft.

Wochenbericht

vom Frankfurter Produktenmarkt.

Am Frankfurter Produktenmarkt war die Hal­tung tn dieser Woche überwiegend lustlos, da An­regungen auch von Auslandseite kaum Vorlagen. Es wurden sogar überwiegend schwächere über­seeische Rotierungen gemeldet, die stark auf die Stimmung drückten. Die Händler zeigten aus diesem Grunde große Zurückhaltung und schritten nur in den dringendsten Fällen zu Deckungen, so daß das Geschäft, mit Ausnahme vereinzelter Getreidesorten, minimal war. Auf der anderen Seite gab dem Markte das wieder geringer ge­wordene Angebot von Inlandgetreide eine kräf­tige Stütze, so daß die Tendenz zeitweise ein etwas freundlicheres Aussehen annehmen konnte. Aber trotzdem erfuhren die meisten Getreide­sorten Preiseinbutzen, da die vorübergehend in Erscheinung getretene freundlichere Stimmung von dem aus Argentinien kommenden sehr schwachen Rotierungen untergraben wurde. Im Gegensatz hierzu bestand im Verlaufe nach Mais für Futterzwecke bei steigendem Preis regeres In­teresse, was sich auch bis gegen Ende der Woche erhalten konnte. Der Grund zu dieser Steigerung ist wohl auf verstärkte Deckungen der Landwirt­schaft, die Vorräte für den Winter ansammelt, zurückzuführen. Einige Rachfrage bestand noch für Sommergerste, hier nahmen die Drauereien vereinzelt Käufe vor. Auch inlän­discher Hafer hatte bei gut behaupteten Preisen etwas vermehrte- Geschäft zu verzeichnen Wei­zen war angeboten und vernachlässigt. Deson- ders Roggen, der immer noch in großen Posten an den Markt kam, fand nur ganz ge­ringen Absatz. Auf ganz beträchtlich ermäßigte Forderungen von feiten der Provinz konnten sich die Händler im Verlaufe dazu bequemen, auch hier einige Käufe vorzunehmen. Roggenmehl lag schwächer, und am Futtermittelmarkt waren bei den übrigen Artikeln überwiegend schwächere Preise zu hören. Es verstimmte all­gemein, daß von einer Beteiligung am Pro­duktengeschäft seitens der Mühlen, des Exports und des Auslandes kaum etwas zu bemerken war. Zum Wochenschluh war die Haltung weiter ruhig, und das Geschäft blieb minimal. Infolge der etwas festeren überseeischen Terminbörsen konnte jedoch ein etwas freundlicheres Aussehen Platz greifen. Auch war verschiedentlich bei den schon obenerwähnten bevorzugten Getreidesorten Ma­terialmangel festzustellen, so datz hierfür bei weiter steigenden Preisen lebhafteres Interesse bestand. Im übrigen erfuhren die Preise keine Veränderungen gegen Anfang der Woche, da das Geschäft zu stark begrenzt ist. und daö große Angebot in Roggen und noch anderen verschie­denen Getreidearten stark auf die Stimmung drückten.

Im Vergleich zu den Rotierungen der vergan­genen Woche konnte Mais für Futterzwecke eine halbe Mark anziehen, Sommergerste, Hafer, in­ländischer, und Weizenmehl waren gut behauptet, während Weizen und Weizenlleie je 0,15, Roggen eine halbe und Roggenkleie eine Viertel­mark nachgaben. Die Woche schloß zu folgen­den Rotierungen: Weizen 23,10 bis 23,25, Rog­gen 22, Sommergerste 24 bis 24,25, Hafer, inl., 22,75 bis 23.25, Mais, für Futterzwecke, 22,25 bis 22,50, Weizenmehl 33,50 bis 34,25, Roggen­mehl 29,25 bis 30, Weizenkleie 13,50 bis 13,60, Roggenkleie 13,75 bis 14.

Wochenbericht

vom Frankfurter Effektenmarkt.

In dieser Woche machte sich anfangs eine ver­stärkte Unsicherheit bemerkbar. Die Umsatz- t a t i g t e i t blieb im allgemeinen unverän­dert gering, da das private Publikum in seiner Dörsenrnüdigkeit verharrte. Der fortdau­ernde Kampf in der nordwestdeutschen Eisenindu­strie drückte auf die Stimmung. Dazu kam die schwierige innerpolitische Lage, wobei man in Dörsenkveisen verschiedentlich eine Regierungs­krise befürchtete. Recht ungünstige Einwirkungen gingen von den weitere Kreise ziehenden Schwie­rigkeiten der Züricher Dcmk.irma Wolfensberger & Widmer aus. In ©leftrotoerten, namentlich in AEG., Gesfücel und Chadeaktien, wurden Im Zusammenhang damit Abgaben für Schweizer Rechnung vor genommen, die einen stärkeren Druck auf das Kucsnivsau ausübten. Bald jedoch wurde die Stimmung zuversichtlicher und fester. Die Behebung der französischen Kabinettskrise be­friedigte, man hoffte nunmehr, daß die Bespre­chungen über die Reparatio-nsneuregelung un­behindert ihren Fortgang nehmen können. Gün­stig wirkte sich aud) die relativ flüssige Ver­

anlagung des Geldmarktes aus. Tages- geld stand zum Sah von 6 Prozent zunächst reich­lich zur Verfügung. Im Zusammenhang mit den «Steuerterminen trat später etwas regere Rach­frage hervor, die ein Anziehen des Satzes auf 6,5 Prozent bewirkte. Der Terrningeldmarkt war jedoch nicht mehr so angespannt, wie seither. Auf die Tatsache, daß der Privatdiskontsatz nach und nach bis auf 6,25 Prozent ermäßigt werden konnte, glaubte man verschiedentlich Hoffnungen auf eine baldige Senkung des Reichsbankdis- kontes hegen zu dürfen. Doch wird vor Beginn des neuen Jahres kaum mit einer Diskontermäßi­gung zu rechnen sein, da die Reichsbank wohl erst die Gestaltung des Iahresultimo, zu dem naturgemäß große Anforderungen gestellt werden, abwarten wird. Trotz des weiteren Kon­junkturrückganges, wie et sich in den un­günstigen Arbeitsmarck- und Lageberichten wider­spiegelt, glaubte man an manchen Stellen nicht, daß eine nachhaltige Erleichterung des Geld­marktes eintreten wird. Zur Besserung der Stimmung trug wesentlich bei die nach der Rich- tigkeitsecklärung des Eisenschiedsspruchs einge­leitete Dermittlungsaktion des Düsseldorfer Re­gierungspräsidenten, wenn auch bei den bisheri­gen Besprechungen der beiden Parteien eine Eini­gung noch nicht erzielt werden konnte. Verstim­mend wirkte dagegen die Aussperrung in der märkischen Eisenindustrie, von der 35 000 Ar­beiter betroffen werden. Lebhafter war das Ge­schäft wieder am Glektromackt. Rachdem hier die Schweizer Verkäufe aufhörten, konnte sich eine neue Aufwäctsbewegung durchsetzen, von der vor allem AEG., Licht und Kraft, Berg­mann und Gesfücel betroffen wurden. Ver­schiedentlich wollte man für diese Werte größere Käufe des Auslandes beobachten. Bei kleinen Umsätzen lag ferner der Montanmarkt relativ fest, ßebbafter war das Interesse wieder für Kupferwerte, namentlich für Otavi, die einen neuen Höchstkurs erreichten. Die Allgemein­tendenz wurde zeitweise wieder ungünstig beein­flußt durch das starke Angebot, das in der Farbenaktie zutage trat. Plötzlich konnte sich der Farbenkurs aber bei lebhaft einsetzender Rach­frage um mehrere Prozent erholen, doch war diese Belebung nur vorübergehend. Kaliwerte waren auf den Antrag auf Ermäßigung der Kali- preise zunächst angeboten und schwäu>er, später trat aber auch hier wieder eine merkliche Den- denzbesserung ein. Bemerkenswert war die feste Haltung von Daimler, die bei fortgesetzten Käufen schließlich über 10 Prozent gewannen. Man wollte von einer ausländischen Inleressennahme, ähnlich dem Fall R. S. U^Fiat, wisien, doch ließ sich eine Bestätigung für diese Gerüchte noch nicht erlangen. Auch Adlerwerke tagen nach anfäng­licher Schwäche etwas fester. R. S. U. dagegen angeboten und bis 21 Prozent ab geschwächt. Deutsche Anleihen waren etwas gefragt und fester. Ausländische Renten lagen still, Rumänen trotz des Abschlusses des AbämmenS schwächer.

Wochenbericht

vom Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Das Geschäft am Frankfurter Schlachtviehmarkt bewegte sich in ruhigen Dahnen. 2ün Hauptmarkt wurden die Märkte fast vollkommen geräumt, nur bei Rindern verblieb Ueberstand. Schweine hatten sogar, gegenüber den anderen Derichts- wochen, etwas lebhafteres Geschäft aufzuweifen, und gute Qualitäten waren gesucht. Am Reben­markt machte sich im Gegensatz hierzu eine größere Lustlosigkeit bemerkbar, so daß das Geschäft einen schleppenden Verlauf nahm. Auch Kälber waren vernachlässigt, was Wohl mit dem ziemlich großen Antrieb gegenüber der Vorwoche in Verbindung zu bringen ist. Rur nach ausgesuchter Ware be­stand lebhaftere Rachfrage, und bevorzugte Tiere wurden über Rotiz bezahlt, während sonst erheb­liche Preisrückgänge zu verzeichnen waren. Die Märkte wurden Im allgemeinen geräumt Der Gesamtauftrieb bestand aus: 1828 Rindern, dar­unter befanden sich 351 Ochsen, 96 Dullen, 744 Kühen und 501 Färsen, ferner aus 2002 Kälbern, 1011 Schafen und 5913 Schweinen. Verglichen mit dem Auftrieb der vergangenen Woche waren 10 Rinder, 410 Kälber und 211 Schafe mehr an- getrieben, während 35 Schweine weniger zum Verkauf standen. Dezahlt wurden pro Zentner Lebendgewicht: Ochsen A I 54 bis 57, II 50 bis 53, B I 45 bis 49. Dullen A 48 bis 52, B 44 bis 47, Kühe A 43 bis 46, B 36 bis 42, C 33 bis 35, D 22 bis 29, Färsen A 54 bis 58, B 49 bis 53, C 43 bis 48, Kälber B 64 bis 69, C 56 bis 63, D 50 bis 55, Schafe AI 40 bis 45. B 35 bis 39, C 26 bis 34, Schweine B 75 biS 77, C 74 bis 77 und v 72 bis 76.