Einzelbild herunterladen

nun ihrerseits entsprechende Verhandlungen, in denen wiederum das Liebelwollen Dschavid Beys manche Hindernisse schuf. Ehe eine Vereinbarung getroffen werden konnte, brach der Welt­krieg aus, der alle diese Fäden zerriß. Man darf annehmen, daß bei längerer Friedensdauer auch Deutschland und die Pforte einen neuen Konzessionsvertrag abgeschlossen -litten und daß damit die Reibungen zwischen Deutschland und Frankreich in Kleinasien und Syrien beendet wor­den wären. Ob daraus, wie in Berlin gewünscht wurde, eine Besserung der allgemeinen französisch-deutschen Beziehungen hervorgegangen wäre? Der französische Botschafter in Berlin. Jules Cambon, war skeptisch: vielleicht, sagte er dein belgischen Gesandten, würden sich die offiziellen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich in gewissem Grade bessern,aber," fuhr er fort,ich glaube' nicht, daß dieses Ab­kommen auf die Gefühle des großen Publikums beiderse^/s der Vogesen von Einfluß sein wird. Wir haben seit der DreyfuSaffäre auch in Frank­reich eine militärische und nationalistische Partei, die um keinen Preis etwas von einer An­näherung an Deutschland wissen will, und die einen großen Teil ihrer Zeitungen in ihrem aggressiven Ton bestärkt."

Die Elektrifizierung der Reichsbahn.

Ein Bortrag Dorpmüllers

In einem im Homburger Lieberseeklub gehal­tenen Vortrag überReichsbahn und Elektri- fuicruiy" stellte der Generaldirektor der Deut­schen Deichsbahngesellschaft, Dr. Dorpmüller, dar, was die Reichsbahn auf dem Gebiet der Elektrifizierung bereits geleistet hat und welche Wege sie einzuschlagen gedenke. Der Vortra­gende gab einen Lieberblick über die Vorzüge und Rachteile, die elektrischen Betrieb und Dampf­betrieb voneinander scheiden. Beim Versagen der Kraftquelle fällt heim Dampfbetrieb nur eine Lokomotive aus, während beim elektrischen Be­trieb alle vom Kraftwerk gespeisten Lokomo­tiven stillstehen. Bedenklich ist die« vom Stand­punkt der Landesverteidigung und bei Streiks. Deshalb wird man auf die Dampflokomotive n i e ganz verzichten können. Wegen der Vor­züge des elektrischen Betriebes ist aber seine weitere Ausdehnung zu erwarten. Die Vorzüge liegen im schnellen Anfahren, in der Möglichkeit, starke Steigungen leicht zu überwinden und in der besseren Ausnutzung der vorhandenen Geleise. Diese bessere Aus­nutzung gestattet auch, mit einer geringeren Zahl von Wagen und Lokomotiven auszukommen. Her­absetzung des Betriebspersonals und vermehrte Reinlichkeit durch Herabsetzung der Bildung von Rauch und Ruh sind weitere Vorteile. Bisher werden 2,2 Prozent der Reichsbahnlinien elek­trisch betrieben.

Die zur Verfügung stehenden Mittel gestatten nur ein langsames Fortschreiten der Elektrifizierung. Auch die technischen Errungen­schaften sind noch nicht so weit vorgeschritten, daß an eine Elektrifizierung des gesamten Bahn- ' netzes herangegangen werden könnte. Die Haupt- fchwierigkeit bei der Elektrifizierung liegt aber Wohl heute in der Beschaffung billigen Geldes. Die Energiequelle des elektrischen Dahnstromes ist in Deutschland: Steinkohle, Dräunkohle, Wasser. Bei Wasserkraftwerken wer­den die Betriebskosten, wenn erst einmal das Kapital abgeschrieben ist. gering. Die Reichsbahn habe sich bei den bayerischen Kraftwerken am Aktienkapital beteiligt, um auf diese Weise Ein­wirkung auf den Stromlieferungspreis zu bekom­men. Was die Elektrifizierung im Ausland betrifft, so waren in der Schweiz mit ihren Gebirgsstrichen und dem Reichtum an Wasserkräften Ende 1927 60 Prozent aller Bah­nen elektrifiziert. Der Vortragende gab dann einen Lieberblick über die künftigen Pläne der Elektrifizierung deutscher Reichsbahn streben. wo­bei ' freilich die G e l d l a g c maßgebend sein werde. Ist billiges Geld erhältlich, dann wür­den zuerst Strecken mit starkem Ver- kehr und dichter Zugfolge, mit billigen Energiequellen und diejenigen Strecken weiter elektrifiziert werden, in denen bereits elektri­fiziert worden ist. Schließlich seien die Gebiete mit starken Steigungen zur Elektrifi­zierung geeignet. Zum Schluß gab Dr. Dorp­müller noch eine Liebersicht über die Fortschritte in der Konstruktion der Dampflokomotive, wobei er darauf hinwieS, daß die Durcharbeitung der Dampflokomotive in der Richtung der Kohlen­ersparnis läuft.

Aus der Nrovinzialhauptstadt.

Gießen, den 17. März 1928.

Lleberzählige.

»Es is schad' um däi hibsche Bääm, Wammer däi umhaue losse täte, aich bin dagege", so sagte vor etwa 50 Jahren in der Stadtverord­netensitzung ein von den damals überwiegend von Acker- und Gartenbau treibenden Gießener Bürgern in das Stadtparlament gewählter Ver­treter. Die »hibsche Bääm". denen das Todes­urteil gesprochen wurde, standen zum Teil am Eingang der Ostanlage vor der Schirmerschen Fabrik, zum Teil am Eingang der Nordanlage an der Brauerei Denninghoff. Die neue Führung der Anlage forderte noch mehr solcher alt und schepp" gewordener Bäume, u. a. am Ausgang »Reichensand" (Bahnhofstraße zwischen dem Kubelschen Hause bis zur Löwengasse). Ein Teil des Gebäudes der Privat- und Kommerzbank steht auf dem ehemaligen Schoorgelände, desgleichen das Kochsche Haus an der Westanlage, ferner das Haus des Kaufmännischen Vereins und ein Teil des K ingsporschen Gartens an der Nord­anlage. Le.n alten biederen »Gemeinderat" blieb der Anblick weiterer Bäume erspart, die in der Folge der LImgestaltung der Anlagen der Axt zum Opier sielen: es wurde später noch mächtig geholzt , bevor die Anlagen ihre heutige Ge­staltung erhielten.

Von den Vaumveteranen beschatten heute noch eine Anzahl die Anlagen: die, die die Last der Jahre nicht mehr trag n konnten, wurden in den letzten Monaten gefällt und die. denen nach gärt- necisch-menschlichem Ermes.en noch eine gewisse Lebensdauer zu g mnen ist, ohne längliche Stadt­ratsdebatten bubikopfartig zurechtgeskuht. Der Nachwuchs braucht Licht, und der sonst gern im Schatten wandelnde Anlagebesucher auch. Auch au dem alten Friedhöfe und in der dortigen Anlage legte die Axt einige altgewordene Bäume nieder.

Der Hadamarer Mordprozeß.

WSN. Limburg, 16. März. Die Beweis­aufnahme in dem Mordprozeß gegen den Kraftfahrer Franz Hardt aus Hadamar wurde heute früh fortgesetzt. Nachdem Frau L a n i o nochmals über die Beziehungen der ermordeten Frau B u n k e zu dem Ange­klagten Hardt vernommen worden war. wurde der Freiendiezer An st alts Pfarrer vernommen. Der Angeklagte hat ihm im Laufe der Llntersuchungshaft erklärt, er habe sich den Stich selbst beigebracht. Demgegenüber bleibt Hardt bei seiner gestrigen Aussage, daß die Frau ihn gestochen habe. Der Vormund der Kinder der Frau Dunke erklärte, daß die Ver- mögensverhältnisse der Frau bis April, als sie den Hardt kennen lernte, günstig waren. Dann machte sie jedoch Schulden für Hardt, die am 19. Oktober auf 9-000 Mark angewachsen waren. Es wurden dann die Mitbewohner der Frau Dunke vernommen, die den Angeklagten schwer belasteten. Schon Wochen vor der Tat hat der Angeklagte gegen sein Opfer und die Kinder schwere Drohungen ausgesprochen: Er ginge hier nicht weg. es sei denn auf den Kirchhof oder aufs Schafott. Er mache es wie Angerstein. Bevor er hier weggehe, würde Hadamar etwas erleben. Der Zeuge Horn, der ebenfalls in dem Mordhause wohnte, hat festgestellt, daß der Angeklagte bereits Wochen vor der Tat einen Dolch bei sich trug. Eingehend wurde der Polizeibeamte M e u t h aus Hadamar vernommen, der den Angeklagten nach wilder Jagd auf dem Bahndamm der Strecke HadamarNiederzeuzheim, kurz bevor ein Zug vorbeibrauste, festnahm. Der Zeuge hatte den Eindruck, daß Hardt sich unter den Zug wer­fen wollte, was dieser auch heute bestritt. Sofort nach der Festnahme erklärte Hardt, er und die Bunke hätten gemeinsam in den Tod gehen wol­len. Er habe sich auch einen Stich beigebracht.

In der Nachmitagsfitzung wurden mehrere Kinder der Frau Bunke vernommen. Der ISjätjrige Hel­muts) erklärte, daß mit Hordt das Unglück ins Haus gekommen sei. Wiederholt habe er die Mutter, ihn und seine jüngeren Geschwister getreten und ge­schlagen. Am Mordtage habe ihm seine Mutter noch erzählt, Horch habe gesagt, er wolle mit ihnen Anger st ein spielen: er mache alle kaputt, bevor noch jemand schreien könne. Der Zeuge war während der Tat in einem Nachbardorf. Als er zu­rückkehrte, traf er Hardt im Hofe. Hardt sagte zu ihm, er solle sich einmal bücken und sehen, ob der Amboß einen Sprung habe. Als er sich darauf bückte, machte Hardt "eine eigenartige Handbewe­gung, die dem Zeugen verdächtig oorkcrm. Er bückte sich nochmals: do griff Hardt schnell nach einer Axt und holte nach dem Zeugen aus. Der Junge sprang jedoch weg und lief ins Haus, wo er dann die Tat entdeckte. Der Zeuge kennt auch den Dolch, den der Angeklagte bei sich trug. Wenn Hardt Streit mit seiner Mutter hatte, hat er, wie der Zeug« meint, das Messer öfter geschärft, um ihr Angst zu machen.

Nun wurde der 14jährige Alfred vernommen. Dabei kam es zu einem tragischen Zwischen­fall. Nachdem er ungefähr dasselbe wie Helmuth und die 13jährige Else bekundet hatte, frug ihn der Vorsitzende:Hast du deine Mutter lieb gehabt?" Bei diesen Worten brach der kleine Junge ohn­mächtig zusammen. Im selben Augenblick fangen die im Saal sitzenden Kinder zu schreien und zu weinen an, und während sich die medizinischen Sachverstän­digen um ihrs längere Zeit ohnmächtige Kind be­mühten, sprang der 18jährige Helmuth' schluchzend gegen die Anklagebank und stieß erregte Drohungen gegen Hardt aus, so daß er durch einen Gerichts­diener aus dem Saal gebracht werden mußte. Kurz vor Beendigung der Sitzung kam es nochmals zu einem Zwischenfall. Der kleine Alfred hatte sich miete re r holt und sollte erneut vernommen werden. Der Angeklagte wandte sich an den Dorsjpen- ten mit den Worten:Schonen Sie bitte die Kin­der." In höchster Erregung sagte dieser zu dem An- geklagten:Seien Sie ruhig. Angeklagter, bas haben Sie auf dem Gewissen. Wir schonen die Kin­der: Sie hätten die Kinder früher schonen sollen und sollten sich jetzt nicht als Schützling der armen Klei­nen aufspielen, denen Sie die Mutter getötet haben. Schämen Sie sich!" Der Vollziehungsbeamte Braun, der kurz nach der Tat in das f)au5 kam, um ein Auto zu pfänden, hat an Hardt nichts Ver­dächtiges wahrgenommen. Wohl habe er beim Ein­tritt in das Haus ein umheimliches Geräusch gehört.

Die Sitzung wurde darauf auf morgen früh ver­tagt. Das Urteil ist für Samstagabend zu er­warten.

Doch ein Morö.

WSN. Limburg. 16. März. Wie wir bereits berichteten, wurde Mittwocha'.-e d in Nieder­zeuzheim die Ehefrau Ludwig im Stall tot aufgefunden. Von Anfang an vermutete die Staatsanwaltschaft Limburg, die sofort be­nachrichtigt worden war, -in Verbrechen, und stellte den ganzen gestrigen Tag über eingehende Ermittlungen an. Auch se't heute früh befinden sich Staatsanwalt Dr. Hofmann rmd der Limburger Llntersuchungsrichter an der Fund­stelle der Leiche. Der Frankfurter Gerichtschemiker Dr. Povp wurde aus dem Hadamarer Mord- Prozeß, in dem er als Sachverstä d':ger'tritt, schon kurz nach Beginn der heutigen Sitzung nach Niederzeuzheim abberu'en. Die bisherigen Ermittlungen und die heute mittag vo-genom- mene Leichensezierung haben nunmehr die un­bedingte Gewißheit ergeben daß t e F-au nicht bei einem Unfall (man nahm anfänglich an, sie fei von einer Kuh aulgespie'.t worden) zu Tode gekommen ist, daß vielmehr eine ge­waltsame Tötung vorliegt. Die Staats- anwa'tschaU verV'gt auch eine bestimmte Svur, über die natürlich einstweilen noch nichts be- fanntge geben werden kann.

Lieber die Zweckmäßigkeit der Entfernung der Bäume am Selterstor (sie wurden allerdings durch einige Baumjünnlinge ersetzt) ist die öfsentlicheMei- mmg ebenso geteilt wie über die durch schwere Ket­ten miteinander verbundenen Abweissteine, die ersteren laden kurzsichtige Personen zum Stolpern (Tatsachen liegen vor), die letzteren zum Anstoßen ein. Am Ausgang der Diezstrahe in die Ost­anlage stehen ebenfalls zwei Steine des An­stoßes, die nicht nur entbehrlich, sondern an der unbeleuchteten Stelle gefährlich sind, genau wie die an manchen Straßen mitten auf dem Fuß­steige stehenden Lieberflurhydranten.

Linser Stadtwald steht glücklicherweise noch »voll von dunklen Tannen". Allwinterlich tritt der Forstmann an diesen und jenen der Daumriesen heran, prüft mit Kenneraugen seine Fällig- und Verwendungsmöglichkeit und bald liegt der Stamm am Boden. Der Waldbesucher findet jetzt Hunderte solcher entästeter und entrindeter dunk­ler Tannen hingestreckt auf dem mosigen Wald- boden zwischen den Kameraden, denen noch Gna­denfrist bis zu einem späterenHolzverstrich" bewilligt wurde.

Ganz nahe an der Stadt, hinter und neben dem Schützenhaus hat die Axt vollständig mit dem Baumbestand aufgeräumt und eine größere Fläche vollständig freigelegt, gewiß zum Leidwesen derer, die gleichen Sinnes sind, wie der alte Herr Stadtrat von anno dazumal. Hoffentlich füllt eine planmäßige Aufforstung die entstandenen Lücken nach Möglichkeit wieder aus, so daß die Ein­wohnerschaft Gießens auch fernerhin unter »hibsche Bääm" in Wald und Anlagen wandeln kann.

Oer neue Reichsbahn-Zahrplan.

Der neue I a hre S f a h r p l a n der Reichsbahn, gültig ab 25. Mal d. I., der etzt im Entwurf vorliegt, bringt keine Ver­schlechterungen, sondern außer einer An­zahl Verbesserungen bezüglich günstiger AnschlüsU auch verschiedene neue Züge.

Nachstehend sind für die einzelnen Strecken die besonders nermenStoerten Aenderungen ausge­führt.

Strecke GießenFrankfurt a. 211.

Pz. Gießen ab 4.12, bisher 3,59;

D , 7.02 (von Berlin), bisher 7.50;

D 7.53 (von Hamburg), bisher 8.00;

B.Pz. 9.44. bisher 9.42;

P. , » 14,35, bisher 14.45;

D Gießen ab 15.09, neuer O-Zug von Bremen, vom 15. Juni bis 31. August 1928;

D Giezen ab 21.33 (v. Hamburg), bisher ab 22.02;

D Gießen ab 22.00 (von M.-Gladbach). bisher ab 22.02.

Strecke Frankfurt a. 2N.Gießen.

Pz. Gießen an 7.25, neu (von Butzbach);

Pz. . 7.57, bisher 8.03;

» . 8.16 nach Hagen (ab 8.23);

u 8.53 nach Hamburg (ab 857,

bisher Gießen ab 8.40);

D Gießen an 13.17 nach Berlin (ab 13.28, bisher 13.22);

D Gießen an 15.41 nach Bremen (neu ab 15. Juni bis 31. August 1928).

Strecke GießenKoblenz.

Bschl.P -. Gießen ab S.09, neu al i bsch' Pz. bis Kob e:.z vom 15. Mai bis 6. Oltobrr, bisher ab Limburg a'.s Pz.:

Pz. Gießen ab 10.34, bisher ab 10.25;

. 12.30, bisher 12.32;

P- » . 16.02, bisher 1558.

Strecke KoblenzGießen.

Pz Gießen an 18.06, bisher 17.56;

Pz. , , 20.14, bisher 20.25;

Pz. . . 21.27, bisher 21.33.

Strecke GießenKöln (Hagen).

Pz. Gießen ab 6.36, bisher 6.38,

Pz. bisher Gießen ab 653, fällt bis 6. Oft au8;

D Gießen ab 8.23, bisher 8.24;

D . . 18.47, bisher 18.48.

Strecke Köln (Hagen)Gießen.

D Gießen an 21.52, bisher 21.49.

Strecke GießenFulda.

Pz nach Fulda 8.31, bisher 8.24;

Pz. von Grünberg an 7.10, ab 1. April 1928 (bisher 7.35);

Pz. von Fulda, Gießen an 9.33, bisher 9.50;

Pz. von Fulda, Gießen an 12.20, bisher 12.05.

Strecke GießenGelnhausen.

Pz nach Nidda (Schotten), Gießen ab 6.45, nur Sonntags bei gutem Wintersportwetter nach vorheriger De.'anntgabe.

Strecke GießenLollarGrünberg.

Pz. W von Grünberg, Gießen an 9.37 (neu);

Pz. von Grünberg, Gießen an 14.33, bisher 14.39;

Pz. nach Grünberg, Gießen ab 9.50 täglich, bisher nur Soi.ttags (9.48);

Pz. nach Londorf, Gießen ab 20.41, nur Sonn­tags vom 7. Ort. 1928 bis 31. März 1929;

Pz. nach Londorf, Gießen ab 22.54, nur (Sonn­tags vom 15. Mai 1928 bis 6. Oft. 1928.

Verbot gewöhnlicher Vollgummireifen für Kraftfahrzeuge.

WTB. Die vom Reichöverkehrsministerium aus der Braunschweigischen Bersuchsstraße angestell­ten Versuche ergaben, daß durch Die gewöhn­lichen Vollgummireifen eine besonders starke Weg- abnuhung hervorgerufen wird. Der Reichs- verkehrsminister beabsichtigt daher, in den näch­sten Tagen durch eine Verordnung die gewöhn­lichen Vollgummireifen, von unbedeu­tenden Ausnahmen abgesehen, zu verbieten. Das Verbot soll für die am 1. April zuzulassen­den Kraftfahrzeuge sofort, für früher zugelassene Kraftfahrzeuge zwecks Ermöglichung des all- mählichen Reifenaufbrauchs ab 1. Juli 1929 und für Anhängewagen ab 1. Januar 1930 wirksam werden. Grundsätzlich hat an Stelle der Voll­gummibereifung Luftbereifung zu treten. Nur für zweiachsige Lastfahrzeuge über 3 Ton­nen sollen neben Luftreifen auch hoch­elastische Vollgummireifen (sogenannte Kissenreifen) zugelassen sein. Eine Ausnahme von dem Verbot der gewöhnlichen Vollgummireifen bilden lediglich gewisse in landwirtschaftlichen ober forstwirtschaftlichen Betrüben verwandte Zugmaschinen von geringer Höchstgeschwindigkeit und leichterem Gewicht, die, ebenso wie ihre Anhängewagen, noch gewöhnliche Vollgummi­reifen ober sogar Eisenreifen führen können. Es steht zu hoffen, baß burch bie in Aussicht ge­nommene Neuregelung die Inanspruchnahme der Straßen durch schwere Kraftfahrzeuge wesentlich gemindert wird.

(Siebener Wochenmarktpreise

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt. Butter 160 bis 170, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück- 60 bis 140, Wirsing 40 bis 45, Weiß­kraut 20 bis 25, Rotkraut 35 bis 40. gelbe Ruben 15 bis 20, rote Rüben 12 bis 20, Spinat 45 bis 60, Unter Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 45, Rosenkohl 65 bis 80, Feldsalat 150, Endivien

100 bis 120, Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 100, Schwarzwurzeln 50 bis 83, Kartoffeln 5 bis 5V», Nepfel 10 bis 23, Birnen 10 bis 15, Suppenhühner 100 bis 123 Pf. das Pfund; Eier 11 bis 12, Blumenkohl 63 bis 180, Salat 20 bis 40. Lauch 10 bis 25, Sellerie 10 bis 50 Pf. baß Stück, Radieschen Bd. 30 Pf.

" Personalien. Ernannt wurden der Schul­amtsanwärter Oskar A ch a r d aus Lich, Kreis Gießen, zum Lehrer an der Volksschule zu Rei­chelsheim, Kreis Erbach: der Kanzleigehilfe Karl Streb aus Steinheim, Kreis Gießen, zum Kanz­listen bei der Direktion der Landes-Heil- und Pflegeansttilt bei Gießen mit Wirkung vom 15. März 1928 ab.

Städtische Brennholzversteige- i rung. Bei der gestrigen BrennbolzverstcLgerung der Stadt Gießen (am Flugplatz) wurden im Durchschnitt folgende Preise erlieft: Kiefern- schetter je Raummeter 13 Mk., Cichenscheiter 11,20 Mk., Fi^tenschetter 13,40 Mk., Hainbuchen­knüppel 13,20 Mk., Cichenknüppel 11 Mk., Ktejernknüppel 11 Mk., Ficytenknüppel 8,80 Mk., Fia-tenknüppelrcisig 7 Mk., Kiefernstöcke 7 Mk., Fichtenstöcke 4 Ml. je Raummeter, Cichenreisig je 100 Wellen 15 Ml., Fichtenderbstangen 1. Ktt je Stück 4,20 Mk., 2. Kl. je Stück 2,60 Mk., 3. Kl. je Stück 1,40 Mk.

Das amtliche Fernsprechbuch für denOberpo st dir ektionöbezirkDar rn- stad t wird demnächst neu aufgelegt. Die Vor­arbeiten hierzu werden am 10. April abgeschlos- fen. Bis dahin sind Aenderungen der Eintra­gungen bei der zuständigen Fernsprech-Vermitt- lungsstelle anzu.meldcn. Sollen gebührenpflichtige Eintragungen der jetzigen Auflage nicht in das neue Buch übergehen, so ist ihr Wegfall oder ihre Aenderung bis spätestens zum 10. April zu beantragen.

'*DerSternstafettenrittnachSchot- t e n. Am morgigen Sonntag finden in allen deut­schen Gauen seitens der reiterlich interessierten Ver­bänden zugunsten des Fonds für die Vertretung der deutschen Farben auf der im Sommer in Amsterdam stattfindenden Olympiade Stafettenritte statt. Auch der Verband hessischer Reiter- und Fahreroereinigun­gen, Abteilung Oberhessen, veranstaltet an diesem Tage wie gestern schon berichtet einen Sta­fettenritt nach Schotten. Neben dem allgemeinen, werdenden Zweck, den die Veranstaltung bezweckt, wird ein von jedem beteiligten Verein es sind in Oberhessen deren 13 beizusteuernder Betrag dem Olympiadekomitee zur Vorbereitung des Turniers überwiesen. Der Reit- und Fabrklub Gießen und I .mgebung übernimmt die Streife (Biegen bis Hungen; Abritt des ersten Reiters erfolgt am Ausgang Gie­ßen auf der Licher Straße vormittags 8.30 Uhr, die Uebergabe der Stafette durch den letzten Reiter an ben ablösenden Verein in Hungen gegen 9.45 Uhr. Die Ankunft sämtlicher Stafetten in Schotten wird gegen 12 Uhr statlstnden.

* Eine Filmvorführung bot der Deutschnattonale Handlungsgehilfen-Verband sei­nen Mitgliedern am Donnerstagabend im Ka­tholischen Dereinshaus. Zuerst wurde der Bild­streifenWege zu Kraft und Schönheit" gezeigt, der bereits vor längerer Zeit im hiesigen Licht­spielhaus vorgeführt worden ist. Einem Teil der Besucher dürfte daher der Film schon bekannt gewesen sein. Die zweite Vorführung brachte drei einaktige Bildstreifen, zusammengefaßt unter dem Titel:Mit dem Kraftpostwagen durch Deutsch­land und die österreichische Älpenwelt". Dieser Film totn in erster Linie als moderne Ver­kehrswerbung dienen, er zeigte die Schönheiten des Tiroler Landes und bie Annehmlichkeiten einer Postautofahrt durch die prächtige Alpen- Welt. Die Vorführungen leitete Ingenieur Erte l - Gießen. Die Veranstaltung war außer­ordentlich gut besucht und fand lebhaften Beifall.

Zuchtviehversteigerung.

---Butzbach, 16. Marz. Die 2. Ober- Hef s t sch e Zuchtviehversteigerung, die der La^dwirtscha.ts.a.m. er-Auslchuh für Ober- Hessen gestern hier abhielt, erfreute sich eines sehr starken Austriebs; insgesamt st a r den 105 Dullen der hessischen Fleckviehrasse und 14 Eber vom veredelten Landschwein und Deutschen Edel- schwein zum Verkauf.

Der Durchschnittspreis für einen Bullen betrug 7C0 Mk. Insgesamt wurden 20 Bullen und zwei Zuchteber verkauft: Züchter Wilh. Alles (Rup­pertsburg) für 1010 Mk. an Gemeinde Eich, Züchter K. Wahl (Angersbach) für 940 Mk. an Gemeinde Kleeberg, Züchter Moritz Müller (Oberhörgern) für 330 Mk. an Gemeinde Tiefen­bach, Zücyter Konrad Walther (Tr.-Münzen- berg) für 853 Mk. an Gemeinde Brauerschwend, Züchter Fr. Fauerbach (Eberstadt) für 825 Mark an Gemeinde Oberhörgern, Züchter Ant. Friedr. Bill (Niederweisel) für 850 Mk. an Gemeinde Kefenrod, Züchter K. Walther (Tr.- Münzenbergi für 800 Mk. an Gemeinde Ober- osleiden, Züchter Johs. Schäfer (Fauerbach v. d. H.) für 780 Mk. an Gemeinde Echzell, Züchter Gg. Bender Witwe (Griedel) für 770 2HL an Gemeinde Göbelnrod, Züchter W. N e r n (Pohl- Göns) für 740 Mc. an Gemeinde Ober-Ros lach, Züchter Fr. Wilh. Zi n g (Diebach a. Haags für 730 Mc. an Gemeinde Vadenrod, Züchter Fr. S ch m e l z II. (Allmenrod) für 720M'. an (Le nei de Hainbach, Züchter K. Luft (Allmenrod) für 700 Mk. an Gemeinde Oberbessingen, Züchter Hch. K. H a u b (Tr.-Münzenberg) für 700 Mk. an Gemeinde Lützellinden.

Eber von der Rasse des Deutschen Edel­schweins: Züchter L. Weil (Lang-'.s) für 180 Mk. an Gemeinde Melbach, der Eber t>:8 K. Schultheis (Stangenrod) wurde für 175 Mark verlauft.

Preußen.

Mcnngau.

LPD. Frankfurt a M., 16, März Von der hiesigen Kriminalpolizei wurde der seit un- ge ähr zwei Jahren i.i Frankfurt a M. ansässige Schriftsteller und Redakteur Leo Cohn, aus Breslau gebürtig, fe st genommen und dem Amtsgericht oorgeführt Seit fast 27 Jahren führte er unrechtma ngerwcise den Namen Leo E o l z e. Im Laufe dieser Zeit war es ihm ge­lungen, amtliche Papiere auf diesen fal­schen Namen C o l z e zu erhalten. In der letzten Zeit ging er sogar tx^u über, den Titel eine» Dr. ph.l. zu führen, den er niemals erwor­ben hat. Leo Cohn a'ias Colze ist in weiten Kreisen in seiner Eigenschaft als leitender 2le- ba.tcur bei der Frankfurter Messe und der Stadion Verwaltung begannt ge­worden.