Einzelbild herunterladen

g J > I

**. 0

«o

i*

I

n - um iel

i Kränkliche, liebens M

163D schnell, )D echte;

igr.31

OUL 1.75

Originaisiaschen feiler: (Engel- 2Ipotljehen.

NtieEuitii- eteine

Vereine

erhalten Intrittskarten Programme iwinnröllchen n Verlosungen Tanzknöpfe iplome ir alle Zwecke großer Auswahl niedrigsten Prei­sen in der "

ch., Verlage- n fidenzdruckerei eibert ierstraße3_

IMer iNStas.de» l7*1 uerhato.

MlME lUtl-

bettv^

Mtz

HM B'

-Jfe W S&Ä*

«»L

Nr.27! Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Freitag, 16. November 1928

JKachttamps um die Ostsee,

«uch ein Beitrag zur Panzerlrcuzcrfrage.

Die bevorstehende Auseinandersetzung über den Panzerkreuzer im Reichstag wird, sicher- ttch mehr noch als dies bereits während der bisherigen innerpolitischen Kampfe um denselben Gegenstand geschah, die Aufmerksamkeit der deut- schen öffentlichen Meinung auf die Ostsee lenken. Die deutschen Wirtschaftspolitiker befassen sich ja auf ihre Art schon seit geraumer Zeit mit dem Ostseeproblcm, dessen Bedeutung für uns im Welt­krieg allein schon zur Genüge hervorgetreten ist. man braucht ja nur an die Tatsache zu erinnern, bah es Deutschland auf Grund seiner Küstenlage an diesem Binnenmeer gelungen war, sich in­folge der Aufrechterhaltung des Handels mit den neutralen Staaten an der Ostsee, namentlich mit Schweden, von dem Zwange der Einfuhr trans­atlantischer Erze zu befreien, älnd heute ist diese Bedeutung der Erzeinfuhr aus Schweden nach dem Verlust deutscher Erzgebiete wahrhaftig nicht gesunken. Aber dies ist nur ein ®ninb von vielen, der uns zwingen mühte, mit größter Energie den Anschluß an die Ostseestaa - len in wirtschaftspolitischem Sinne zu verfolgen. Militärpolitisch gesehen bedeutet das, daß wir an einer Neutralisierung der baltischen See tm höchsten Maße interessiert sein müssen. Daß bet entsprechende, rein platonische Wunsch dabei nicht genügt, das dürften wohl selbst die erbit­tertsten Gegner deutscher Wehrpolitik zugeben, die immer mit dem falschen Argument zur Hand sind, die erstrebte deutsche Küstenschutzflotte im Rahmen des Versailler Diktates könnte uns in einem Kriege gegen England oder Frankreich nichts nützen ..

Sicherlich lenken diese Verfechter einer solchen unrichtigen Beweisführung die öffentliche Auf­merksamkeit wissentlich irre, gehen auch glatt über die Tatsache hinweg, daß die Polen ge­radezu verzweifelte Anstrengungen machen, um den Hafen von Gdingen auszubauen, daß sie eine zweigleisige Dahn von Ost-Oberschlesien da- hinlegen, Reede und Fahrrinne ausbaggern, Ver­trage über Kohlenlieferungen auf Jahrzehnte ab- schließen, Krananlagen von Danzig nach Gdingen verlegen lassen und es jetzt schon erreicht haben, daß dieses ehemalige unscheinbare Fischerdorf gegenwärtig einen täglichen älmschlag von 7500 Tonnen aufwcist. Man verfolge weiterhin das polnische Marine-Dauprogramm, das außer kleinen Fahrzeugen drei Kreuzer, 36 Tor­pedoboote und Zerstörer sowie 32 Unterseeboote des französischen Typs Requin umfaßt, eines Typs, der Größenverhältnisse von 1100 bis 1400 Tonnen aufweist. Diese künstliche Hochzucht Gdin­gens durch Polen wird erleichtert durch die schwache polische Valuta, sowie durch eine Tarif­politik, die Ermäßigungen bis zu 60 Prozent vor­sieht, abgesehen von zahlreichen Subventionen und Dorzugsverträgen zwischen Polen und aus­ländischen Firmen in Rumänien und der Tschecho­slowakei. 3n der deutschen Presse ist bereits kürzlich darauf hingewiesen worden, daß diese polnischen Bemühungen ganz offensichtlich ge­gen Stettin gerichtet sind. Welche Wirkun­gen sie aber auf das Ausland ausüben, das zeigt eine Rede des dänischen Politikers von Jessen, worin er erklärte, es gäbe außer Polen, dessen Wiederaufstehen die Herzen mit Jubel erfüllt habe und das ein herrschender Faktor in dem neuen Stand der Dinge an der Ostsee geworden sei, keine Ostseemacht, die für die Ausfüllung des durch Deutschlands Macht­beschränkung entstandenen leeren Raumes in Frage käme.

Niemand weih, namentlich jetzt nach dem aber­maligen ergebnislosen Verlauf der Konferenz von Königsberg, zu sagen, wie lange Litauen sich dem polnischen Machtbestreben wird widersehen können. Für Deutschland ist es jedoch bezeich­nend, daß es nicht einmal d i e Lebens-

Mundartforschung.

Don Dr. Alfred Götze, o. Prof, der deutschen Philologie an der Universität Gießen

Die Erforschung der deutschen Mundarten steht heute in Dlüte wie nie zuvor. Als Forde­rung seit den Anfängen der Wissenschaft, von der deutschen Sprache vo.Händen, auf Teilen des Gebiets, zumal dem bayrischen, schon vor hundert Jahren von Johann Andreas Schmel - ler mustergültig ungebahnt, ist sie als Ganzes doch erst in unseren Tagen planmäßig und m der Tiefe angegriffen worden. Der Grund däzu wurde in den siebziger Jahren des vorigen Jahr­hunderts gelegt, und zwar in dreifachem Sinn. Die junggrammatische Schule hat mit der Fülle bedeutender Forscher, die sie dem Gebiet zu- führte, fprachgeschichtlich auch die Aufnahme und Beurteilung der mundartlichen Erscheinungen er­schlossen. Damals auch wurde, im Zeitalter des Aufstiegs der Naturwissenschaften, die verfei­nerte Beobachtung der Laute, ih.er Bildung und ihr.eS Wand.ls, wissenschaftlich erst möglich. Auf unserem besonderen Gebiet aber gab die Ver­sendung der Fragebogen für den deutschen Sprach­atlas durch Georg Wender 1876 erstmals die Ahnung eines Grundrisses für das mächtige Gebäude, das man sich zu errichten anschickte. ES hat lange gedauert, bis diese Saat der sieb­ziger Jahre aufgegangen ist. Allzulange hat sich daS damals junge Geschlecht mit Laut- und Formenlehren einzelner Dorfmundarten begnügt: von Wittelvorpommern über Buttelstedt und Todtmoos bis an die Alpenpässe ist jahrzehnte­lang das weite Land geradezu gepflastert wor­den mit Doktorschriften dieser Art, nie ganz Verdiensilos und jetzt um keinen Preis zu mis­sen, aber doch selten mit dem Blick auf das Ganze geschrieben und darum nur ausnahmsweise tm Stand, das Ganze der Mundartforschung zu fördern, wie es 1876 Johann Win teler von der Kerenzer Mundart des Kantons Glarus oder zehn Jahre später Ferdinand Holth au- s«n von der Soester Mundart aus getan hat.

Auch Zeitschriften konnten die notwendige Zu­sammenfassung nicht bieten, nachdem es das ein­zige Blatt des Gebiets, »Die deutschen Mund­arten. Eine Zeitschrift für Dichtung, Forschung und Kritik", von 1853 bis 1877 auf sieben .Jahrgänge" gebracht hatte und, bei drei Ver­leg«» Lrünkelnd, eingeqangen war, trotz der vpfervoUen Mühe des als Schmellers Fortsetzer bewährten Georg Karl Frommann. Versuche, die gesunkene Fahne aufzunehmen, haben jüngere Gelehrte, namentlich Oskar Brenner in Würz.

interessen Memels gegenüber diesem schwachen Litauen fpirksam vertreten konnte. Ein Gegengewicht gegen das polnische Macht­streben in der Ostsee gibt es nicht. Zwar erhält diese, weltpolitisch gesehen, ihr eigentliches Ge­präge ebenfalls durch den historischen Gegensatz zwischen England und Rußland. Das hat jedoch vorläufig noch schwerere Sorgen als den Kampf um das baltische Meer. Die skandinavi­schen Staaten hingegen sind ähnlich wie Deutschland durch eine sozialistische Bewegung stärksten Ausmaßes in ihrem nationalpolitischen Wollen behindert. Es wäre falsch, wollte man behaupten, die deutsche Nachkriegspolitik hätte die Bedeutung der Ostsee für unsere Wirtschaft ver­kannt. Man kann ihr jedoch nicht den Vorwurf ersparen, daß sie selbst, in dem engen Raum des Friedensdiktates, jene wenn auch bescheidenen Machtgrundlagen außer A ch t ließ, die eine folgerichtige Wirtschaftspolitik, selbst die fried­lichste, nicht entbehren kann. Der Hinweis darauf, daß ja auch in Polen der Sozialismus der Po­litik den Stempel aufdrückt, kann hier nicht ver­fangen. Während nämlich die marxistische Be­wegung auch in den skandinavischen Staaten eine den Großgrundbesitz zerstörende Agrarreform be­wirkt, die Kapitalbildung abzudrosseln versucht und den Heeresetat am liebsten überhaupt strei­chen möchte, hat der polnische Sozialismus an die Spitze des Staates einen Diktator gesetzt, der wohl über jeden Vorwurf des praktischen Pazifismus erhaben ist.

So wird man denn bei der Behandlung der Frage des deutschen Küstenschutzes in der Ostsee um die geopolitischen, wirtschaftlichen und militäri­schen Probleme, die die Lage rund um das bal­tische Meer zu lösen aufgibt, nicht herumkommen. Man vergesse dabei nicht, daß die an der Ost­see heranreifenden Entscheidungen ein Stück deutsches Schicksal bedeuten.

Michsfilme.

Der Reichsfinanzminister Dr. Hilferding hat sich im Hauptausschuh des Reichstags dafür eingesetzt, daß das Reich sich an der Filmgesell­schaft Emelka beteiligen sollte. Das könnte man zunächst für einen schlechten Witz halten. Erinnern wir uns doch, daß die Ernelka zu der Liquida­tionsmasse des berühmtenPhoebus-Falles" ge­hörte, und daß damals von links her, hauptsäch­lich von den Sozialdemokraten, Angriffe auf das Reichswehrministerium hagelten, daß es sogar so weit gegangen sei, staatliche Gelder bei einer privaten Filmgesellschaft anzulegen. Damals mußte diese Beteiligung liquidiert werden, und jetzt, wo die Sozialdemokraten in der Re­gierung sitzen, kommen sie, um dasselbe vor­zuschlagen, was sie vor einem Jahr noch als un­erträgliche Korruption verurteilt haben.

Freilich, sie haben natürlich ein Mäntelchen gefunden, das sie um diesen Wunsch herum­gruppieren. Es wird angedeutet, daß die Ge­fahr einer ausländischen Lieber- freindung bestehe, und daß es sichn u r" um zwei Millionen handle. Der eigentliche Grund ist natürlich ganz wo anders zu suchen. Den Sozialdemokraten ist es ärgerlich, daß Herr Hugenberg in der Ufa sitzt. Sie haben von An­fang an befürchtet, daß er von hier aus Partei­politik treiben würde, und mochten dieser Ge­fahr vorbeugen, indem sie jetzt Reichsmittel in Anspruch nehmen; nicht so sehr um der Reichs­filme selbst willen, als wegen der parteipolitischen Propaganda, die sich auf diesem Wege insze­nieren läßt, zumal wenn auch noch dafür ge­sorgt wird, daß ein zuverlässiger Sozialdemokrat aus einem der Direktorenposten untergebracht wird.

Deshalb sollen also Hals über Kops, am lieb­sten innerhalb vierundzwanzig Stunden, zwei Millionen vom Hauptausschuß bereitgestellt wer­den, der allerdings bisher geringe Neigung

bürg, unternommen, immer wieder aber blieb es bei kurzen Anläufen, bis kurz vor der Jahr­hundertwende zwei badische Schulmänner und Gelehrte, Otto Heilig und Philipp Lenz, dieZeitschri.t für hochdeutsche Mundarten" gr-ün- deten und in dem um unsere Wissenschaft hoch­verdienten, opferwilligen Verlag von Karl Winter in Heidelberg von 1900 bis 1905 auf sechs Bände brachten. Der äußere Erfolg blieb auch hier wieder aus. und nur dein großherzigen Eingreifen des Deutschen Sprachvereins war es zu danken, daß in dessen Verlag die Jahrgänge 1906 bis 1922, nun erweitert zurZeitschrift für deutsche Mundarten" erscheinen konnten. Die Gründer behielten die Leitung bis 1912, damals trat, dem auf das ganze Sprachgebiet erweiterten Zuschnitt gemäß, der Niederdeutsche Heranann Teucher t hinzu. Seither ist die Leitung auf einen ganzen Kreis führender Mundartforscher übergegangen.

Erbe und Fortsetzer dieses bänüereichen Un­ternehmens wurde 1924 derTeuthonista, Zeit­schrift für deutsche Dialektforschung und Sprach­geschichte", die Hermann Teuchert leitet, unter­stützt von Mundartforschern aller Landschaften. Die junge Zeitschrift, die vor kurzem ihren fünf­ten Band begonnen hat, ist heute die Sammel­stelle der deutschen wissenschaftlichen Arbeit an der Mundart. Der ganze Bereich unserer Sprache kommt darin zu Wort. Was das heißt, dafür ein Beispiel. Im Jahr 1922 habe ich ein Bänd­chenProben hoch- und niederdeutscher Mund­arten" herausgegeben, in dem 62 Mundarten ver­treten sind. Von diesen werden nur 34 auf heutigem Reichsboden gesprochen, 10 in der Schweiz, 5 in Oesterreich Die übrigen 13 stehen unter französischer, italienischer, südslawischer, tschechoslowakischer, polnischer, rumänischer und russischer Fremdherrschaft. An solchen Ziffern läßt sich so recht eindringlich zeigen, was in Wahrheit das deutsche Voll ist. DerTeutho­nista" aber greift noch weiter, indem er auch die zukunftreiche Arbeit an der Volkssprache der Niederlande und des Nordens umfassen will. In enget Fühlung mit dem Deutschen Sprach­atlas in Marburg pflegt er die Mundartgeo­graphie, die sich unter Führung von Ferdinand Wrede und Theodor Frings von Land­schaft zu Landschaft vorgetastet und an der Auf­arbeitung zumal der rheinischen Mundarten ge­lernt hat, die Schichten und Schollen abzu­decken, die Bewegungen und Bewegungsrichtun­gen in Raum und Zeit zu bestimmen und von dem heutigen Sprachzustand zu den ältesten ge­schichtlichen Sprachvorgängen zurückzugelangen. Die Fragen der Mundartgrenzen und Grenz«

zeigte, auf diesen Vorschlag einzugehen. Wir haben mit dem Eingreifen der öffentlichen Hand in privatwirtfchaftlichc Betriebe doch bisher recht f<hlech te Erfahrungen gemacht, und auch Herr Hilferding kann keine Sicherheiten dafür geben, daß diese zwei Millionen nicht der Anfang einer unendlichen Kette von Zu­schüssen sind, die nachher bewilligt werden müs­sen, damit das erste Geld nicht verloren geht. Genau so ist es seinerzeit ja auch beim Phoe­bus gewesen, und diese Beispiele sollten doch

gürtet sind angegriffen und zum Teil gelöst, für eine Mundart nach der andern wird der Raum abgesteckt, in dem sich ihr Leben abspielt, das sie (meist unter der Nachwirkung spätmittel­alterlich w Herrschaftsgrenzen) zur Einheit in sich, zum Abschluß nach außen gelangen läßt Die sprachliche Füllung dieser Lebens räume wird mit Hilfe geschichtlichen und volcskundlichen Wissens gedeutet und so die Sprachlandschaft als Kultur­landschaft begriffen. Auch die Lücke im Befund oder der Widerspruch im sonst gleichartigen Bild wird lehrreich: beide können gebliebene Restfor­men aus früheren Sprachstufen oder vordringende Spitzen aus Nachbargebieten fein, aus der Art ihres Auftretens so ober so zu verstehen, wie die entsprechenden Erscheinungen yr Tier- und Pflan­zenwelt. Die vielberufene Grenzform kommt zu ihrem Recht, ein Drittes, bas ba entsteht, wo zwei Erscheinungen sich berühren, etwa bas rheinische essen an ber Grenze von hochdeut­schem essen und niederdeutschem e t e n. Aus räumlichem Nebeneinander entwickelt sich dem denkenden und geschulten Beschauer ein zeit­liches Nacheinan^r viel tiefer in den Befund hinein, als wir je mit Hilfe überlieferter Texte gelangen könnten, denn muirdartliche Texte sind selten alt Der heutige Stand der Mundart zeigt, was unsere alten Denkmäler nie so klar erkennen lassen, Bauern- und Herrensprache in stetigem Fluß nebeneinander. Gemeinschaftsgüt ber Llrzeit und gesunkenes Kulturgut der letzten Jahrhunderte wirken sich gegeneinander und nebeneinander aus. Dabei kann Raumfüllung aus dem Bereich einer Herrenschicht weit über die staatlichen Grenzen hinauswirken: gerade die Mundartforschung verspricht uns hier die Lösung uralter Rätsel zu bringen. Was danken die Bayern ihren gotischen Nachbarn, mit denen sie sich jahrhundertelang in offener Landgrenze be­rührt hoben? Wie weit wirken sprachliche Ein­flüsse des Donaugebiets nach Norden und Nord­westen? Was haben Alemannen, Schwaben und Bayern aus ihrer nördlicher gelegenen Heimat für die Ausbildung des späteren Oberdeutschen bereits mitgebracht?

Aus dem Verständnis des scheinbar so star­ren, an die Scholle gebundenen Lebens unserer Mundarten baut sich so ein sprachgeschichtliches Werk auf: auch das liegt völlig im Rahmen der durchaus nicht auf die Gegenwart beschränkten Mundartforschung, insbesondere im Rahmen einer Zeitschrift, die mit Bedacht den Namen des altenTeuthonista of Duytschlender" erneuert, mit dem einst Gerhard van der Schueren in Eleve 1477, darin seiner Zeit weit voraus, den Sprachschatz einer deutschen Landschaft um

schrecken. Ganz abgesehen von den Erfahrungen, die man fönst mit dem Versuch derkalten So­zialisierung" gemacht hat.

Mag sein, daß schließlich doch für das Reich irgendein Vorteil dabei herausspringt, so rasch sind die Dinge natürlich nicht zu übersehen, aber genau geprüft und abgewogen müssen Vorteile und Nachteile gegeneinander werden. Die verdäch­tige Eile, die der Reichsfinanzminister dabei an den Tag legt, macht doch mißtrauisch.

seiner selbst teilten zum Wörterbuch gestaltete. Der Sprachgeschichte dient diese Zeitschrift, in­dem sie die lebenden Mundarten erforscht. Diese Zweiseitigkeit gibt der Beschäftigung mit unseren Mundarten erst den Stempel der Wissenschast- lidtfeit.

Mit alledem ist der Bereich der Mundartfor­schung nur angedeutet, noch längst nicht er­schöpft. Phonetische und lautgeschichtliche Fra­gen drängen zur Erörterung, Gangart und Fluh der Mundart und ihre Betonung, ihre Satz- und Bedeutungslehre verlangen ihr Recht. Vor allem aber will der Wortschatz erforscht und dargestellt fein. Zwischen Zürich und Königs­berg sind heute mehr Mundartwöpterbücher auf Kiel gelegt, als je in einem früheren Zeitraum der deutschen Wissenschaft. In unserer Nachbar­schaft entstehen vier: in Gießen selbst bereitet Priv.-Doz. Dr. Friedrich Maurer das Süd- hessische Wörterbuch vor: in Ar bei ts gemein schaft mit ihm ist Studienrat Ernst Christ mann in Kaiserslautern in der Sammlung des rhein- pfälzischen Wortschatzes schon weit fortgeschrit­ten. Fräulein Dr. Luise Berthold in War­burg hat vom Hessen-Nassauischeir Volkswörter­buch das auch unser Oberhessisch mit umfaßt, bereits zwei inhilireiche Hefte erscheinen las­sen, noch viel weiter ist das Rheinische Wörter­buch unter Leitung von Prof. Josef Müller in Bonn vorgerückt. Für diese Mundartwörter- bücher und viele andere ist derTeuthonista" die große gemeinsame Werft. Mit der mund­artlichen Wortforschung wieder geht Hand in Hand die Sachgeographie bodenständiger Er­scheinungen, der Trachten, Hausformen usw., der vor allem Wilhelm Petzler tatkräftig vor­gearbeitet hat und die in unfern Tagen in einem das ganze deutsche Sprachgebiet umspannenden Volkskundlichen Atlas, als dessen treibende Kraft unser Gießener Historiker Hermann Aubin gel­ten darf, die große Zusammenfassung finden soll.

Das Feld ist groß und die Ernte überreif. Gewartet darf nicht werden, wenn nicht die wertvollsten Früchte ungenutzt welken sollen. Das große Feld verlangt, über den naturgemäß engen Kreis sachkundiger und tatbereiter Helfer weit hinaus, freudige Aufnahme bei einer großen Schar williger Freunde deutscher Sprache und Art, bereit, die reichen Schätze des deutschen Volkstums in seiner erdgebundenen Sprache auf­zunehmen, sich deren Art innerlichst lebendig zu machen und in ihr Bild des deutschen Wesens einzubauen. Wenn einmal die Ernte geborgen ist, wird der beste Dank dieser Helferschar ge­bühren, um deren älnterstützung bisher noch niq vergebens gebeten worden ist. _ /

Das wollene Winterkleid der Welt.

500 Millionen Schafe müssen geschoren werden. - Eine wichtige internationale Konferenz. - 25 Millionen Spindeln. - Deutschlands Schafzucht geht zurück.

Von Herbert Ruland.

In aller Stille vollzieht sich auf einem der wichtigsten Wirtschaftsgebiete eine Aenderung, die für die Versorgung der Menschheit mit halt­barer, warmer Bekleidung von größter Bedeu­tung fein kann. Trotz Baumwolle und Kunst­seide ist die natürliche Schafwolle noch im­mer der wichtigste Textilrohstoff, von dem die Welt besonders in den Wintermonaten gewaltige Mengen verbraucht. Nach schwierigen Verhand­lungen, bei denen es erbitterte Kämpfe gegeben hat, haben nun die Männer, In deren Händen die Verteilung der Wolle unter die Völker der Erde liegt, kürzlich den Beschluß gefaßt, eine internationale Wollvereinigung zu gründen, um gemeinsam den Handel mit diesem Rohstoff rationeller zu gestalten und dafür zu sorgen, daß künftig die Menschheit mit besserer Wolle als bisher versorgt wird. In diesen Tagen wird in Paris der entsprechende Vertrag unterzeichnet und damit der Schluhpuntt unter eine große Zahl mühevoller und langwieriger Verhandlungen gesetzt werden, in denen es vor allen Dingen gelungen ist, den Widerst and Großbritanniens gegen die geforderten Rationalisierungsmaßnahmen zu brechen. Die Engländer, die heute noch den internationalen Wollmartt beherrschen, aber mit dem zähen und erfolgreichen Wettbewerb der Amerikaner zu rechnen haben, waren zunächst für internationale Vereinbarungen überhaupt nicht zu haben. Nun ist beschlossen worden, gemeinsame Lieferbedin­gungen aufzustellen, Statistiken anzufertigen, die die genaue Beobachtung aller dieses Rohstoff­gebiet betreffenden Angelegmh iten möglich ma­chen, und ein internationales Zo li­sch e m a für die wichtigsten Fabrikate auszu­arbeiten.

Die Welt schenkt solchen Konferenzen und den auf ihnen getroffenen Abkommen viel zu wenig Beachtung, weil sie nicht bedenkt, tote bedeu­tungsvoll diese Vereinbarungen für die wirt­schaftliche Entwicklung vieler Länder und das wirtschaftliche Schicksal von Millionen Personen sind. Es sagt manchem Menschen nicht viel, daß jährlich 1380 Millionen Kilogramm Rohwolle erzeugt werden, aber diese Mit­teilung gewinnt an Wichtigkeit, wenn man er­fährt, daß zu diesem Zweck 500 Millionen Schafe geschoren werden müssen. Das ist ein ungeheures Heer von Tieren, die in der Hauptsache in Australien, Südafrika, Argentinien, Uruguay, den Vereinigten Staaten, Großbritan­nien, Rußland und Spanien leben. Natürlich gibt es auch in anderen Ländern, zum Beispiel in Deutschland, große Schafzüchterei en, die aber neben den entsprechenden landwirtschaftlichen iXn- ternehmungen der erwähnten Länder unerheb­lich erscheinen. Deutschland, das z. B. im Jahre 1926 175 Millionen Kilogramm Wolle einführen mußte und dafür in seiner Handelsbilanz einen Posten von 576 Millionen Mark eingesetzt hat, kaufte 56 Millionen Kilogramm Wolle aus

Australien, 39 Millionen aus Argentinien, 22 Millionen aus Südafrika und 31 Millionen auS England, Frankreich und Belgien Das deutsche Doll muß also für seine warme Winterkleidung alljährlich einen nennenswerten Tribut an das Ausland entrichten, und diese Lage verschlim­mert sich noch, da die deutsche Schafzucht in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Während man noch im Jahre 1924 etwa 5,7 Millionen Schafe zählte, sank ihre Zahl im Jahre 1926 auf 4 Millionen. Da die Wolle, die noch immer etwa 40 Prozent mehr als vor dem Krieg kostet, in den letzten Jahren fast ohne Llnterbrechung im Preise gefallen ist, verringert sich der Anreiz, große Schafherden zu halten. Selbstverständlich gibt es noch immer auch in Deutschland Ge­genden, in denen diese Art der Viehzucht loh­nend ist. da die Preise für bessere Wollsorten solchen Unternehmen auch weiter genügende Ver­dienstmöglichkeiten lassen. Schlesische und pom- mersche Schafe liefern eine feine Wolle, während aus dem Rheinland, aus Westfalen und Han­nover nut ein gröberer Rohstoff zum Verkauf gelangt.

Dor dem Krieg gehörte Deutschland neben Großbritannien xu den Ländern mit der größten, toolleterarbeitcnoen Industrie. Äie Umgruppie­rung. die der Krieg und besonders der Friedens­vertrag mit sich gebracht haben, hat auch auf diesem Gebiet Deutschland sehr geschädigt: durch die Abtretung Clsaß-Lothringens hat die deutsche Wollindustrie 503 000 Spindeln und 6500 Web­stühle eingebüht, die in französischen Besitz über­gegangen sind. Noch im Jahre 1925 wurde in Deutschland fast ein Drittel weniger Wollwaren erzeugt als vor dem Krieg, und es war nur ein geringer Trost für die deutsche Industrie, daß auch England einen Rückgang von 20 Prozent zu be­klagen hatte. Derblieben sind in Deutschland etwa 4 Millionen Spindeln, während es in der ganzen Welt zur Verarbeitung der Rohwolle fast 2 5 Millionen Spindeln und 465 000 Webstühle gibt. Mehr als anderthalb Mil­lionen Menschen sind damit beschäftigt, aus den Wvllslocken, die schmutzig und schweißig vom Rücken der Schafe kommen, wärmende Gewe^-e herzustellen. Man kann damit rechnen, daß di.se ungeheure Industrie noch nicht am Ende ihrer Ausdehnungsmöglichkeiten angelangt ist, da ge­waltige Absatzgebiete erst jetzt erschlossen wer­den. Japan und China, die bisher Seide und Baumwolle für Textilien bevorzugt haben, be­ginnen nun, auch die haltbare Wolle zu ver­weben, obwohl sie teuer ist. Noch im Jahre 1913 . hat Japan nur für 12Vr Millionen QJen Roh­wolle eingeführt: aber schon im Jahre 1925 zahlte das östliche Jnselreich für diesen Rohstoff 571/2 Millionen Den. Diese Ziffern geben aller­dings kein ganz zutreffendes Bild, da die Kauf­kraft des japanischen Geldes in den betreten.en 12 Jahren erheblich gesunken ist. Vergleicht man nun statt der Geldsummen die Wollmengen, so

1