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Zeitungsschau
3m einem Aufsatz .Die L ch i cts a l s ft u n de des deu Ischen Arzte» Hellt Professor Dr. Meirowskd m der .Kölnischen Zeitung' fest Sah die freie Versorgung der Bevölkerung durch den freien Arzt nur noch für eine kleine Ober- chicht des deutschen Volkes besteht .Der Mit- elstand ift durch den Krieg die Inflation und die Deflation so vernichtet, daß heute 83 vom Hundert in der (drohstadt sogar 90 vom Hundert der Bevölkerung den Krankenkassen ange- ■>dren Somit ist jetzt das (8 in kommen aus her 'afsenärzUichen Tätigkeit für die Mehrzahl der Aerzte das wirtschaftliche Rückgrat geworden, jnh hie Beziehungen der Aerzte zu )en Krankenkassen bilden heute das zentrale Problem, dessen vernünftige Lösung allein über die Zukunft des deutschen Aer»testandes entscheiden wird — Bi- zum Jahre 1923 konnte nun der junge Arzt sofort zur Kalsenprarts zugelassen Inerten und in absehbarer .seit fein stillt
' len sich inzwischen entscheidend geändert. 5er Staat hat auf Grund des Ermächtigungsgesetzes »vm 13. Oktober 1923 eine Notverordnung erlassen. die im Reichsauskchuß für Aerzte und Krankenkassen die Beziehu' .:n beider Gruppen nit gesetzlicher Kraft fo regelt, haft bei gleiches tiger Farnlltenbchandlung auf 1300 Kranke ein Arzt kommt. Seit dem 1. April 1924 darf lein weiterer Arzt zugelassen wer- den. wenn diele- Zablenverhiltnis erreicht ift. Aur wenn ein bisheriger Ka.senarzt ausscheidei. barf derngemäß ein neuer zugela sen werden. Mit dieser Notverordnung ift praktisch die freie Zu- l'"ung »ur 5 nit Ausnahme her
.Ersatzkrankenkassen bei denen noch die un- '<'ch ränftc freie Arztwahl befiehl) auf geboten. 3000 Aerzte warten m Deutschland auf Zulassung xur Kassenpraris 4000 Af'iftenten s'nd vorhanden die sich niederlassen wollen und Nüssen Der Abgang durch Tod und Invalidität »trügt jährlich 700 bis 800 Aerzte. Der jet- »ige Bedarf ift also für volle 10 Jahre lebe <ft. Gelingt es nicht, diesen Notstand *r alten und jungen Aerzte zu beseitigen, so hat die Schicksalsstunde des deutschen Arztes zeschlagen. Am einsachften wäre es. die Rot- xrorbnung wieder auszuheben Das bat iud) der Deutsche Aerztctaa in Würzburg gc- erdert Einer solchen Reglung widersehen sich ne Krankenkassen und auch eine Anzahl von Lerztegruppen selbst. Es ift ja freilich klar TnH die Zulassung aller Aerzte zu den Kran- 'enkassen unbedingt dazu fuhren muh. das ohne- l)in nicht grohe Einkommen des Durchschnitts- ^llcnarztes. das in der Rhcnprovniz Schätzung», veile tiWO bis 7503 Mark beträgt, ganz beträchtlich zu verringern Und doch wäre dies daS leinere Möbel gegenüber dem jetzigen Zustand. der es mehreren tausend Aerzten unmöglich macht, ein Eristenzminimum zu erreichen. Zum mindesten ver'angt es die Gerechtigkeit, hast alle diejenigen Aerzte. die im Felde waren, mb die. die ihr Studium begonnen hatten als bte Notverordnung noch nicht erlassen war. so- ‘ort zu den Kassen zugelasscn werden.
Die hier geschilderte Entwicklung liegt durchaus in der Linie, in der sich b i e Politik der Krankenkassen bewegt. Sie sind eine arohe Macht im Staat geworden Ihre ®c- Dnteinnahmen haben im Jahre 1926 nahezu 1,5 Milliarden betragen, eine Summe, die dem ordentlichen RettohauShalt des preuhischen S:aats im Jahre 1925 entspricht. Verausgabt tüurben insgesamt 1.46 Milliarden, darunter für 21c r ä t c f o ft e n für die Versicherten und deren Familienangehörigen nur 258 Millionen Mark, vür Vermögensanlagen der verschiedenen Art iErwerb von Grundbesitz. Bau von grossartigen Verwaltungsgebäuden ulw.) dagegen l einem Jahr 80 Millionen MarkI Die Besohlung der ärztlichen Leistungen erfolgt auch beute noch nach der Gebührenordnung der Vorkriegszeit und ift in keiner Weise der allgemeinen Teurung und Geldentwertung angepaht. Je Krankenkassen haben aber entsprechend ihrer Hzialistifch eingestellten Leitung offenbar das meittre Ziel langsam bic Verbeamtung b r s Arztes in bic Wege zu leiten. Sie
Kuriositäten
aus der Zeitungsgeschichte.
Von Dr. Franz Häusler
46 ist sonderbar, aber jedenfalls eine Tat- *i4>e: Der Mensch weih immer von dem am wenigsten, was ihm das Allervertrautestc fein fällte, weil er täglich damit in Berührung kommt. Kein treffenderes Beispiel gibt es dafür als Mt Zeitung. E» scheint uns Io selbstverständlich '.ob nottoenbig wie unser tägliches Brot, bah ' e uns alltäglich berichte belehre, berate und unterhalte. Aber wissen wir. wie c« zu dieser Selbstverständlichkeit gekommen ist. wie. wo. wann )it Zeitung zu dem geworden ift. was sie uns eben beute gilt? Hur ein paar interessante Daten tu» dieser Entwicklung seien hier wiedergegeben:
Zunächst: feit wann gibt cs überhaupt Zei- tjngen? Kund zweitausend Jahre Und kein jeringcrcr war der erste Zeitungsherausgeber eis Julius 6älar. Dessen Zeitung stellt :6er auch sonst ein Kuriosum sondergleichen dar. 5ie erschien nämlich jeweils nur in einem ein» .gen Eremvlar und Hai dennoch eine Lebensdauer von über 400 Jahren erreicht, womit sie Ule heutigen Zeitungen weil in Schatten stellt. :ic wurde in zwei Ausgaben bcrgcftcllt. Der ^fizielle Teil, die .Acta senatus". brachte einen •urjen Auszug aus den Parlamcntsvcrhanblun- ten. bis ihn Tiberius als lästig empfand und mterbrüdtc. Der allgemeine Rachrichtenteil bin- Men, die .Acta diurna populi Romani“, berich- rtc von Siegen. Auszügen und — mit Vor- iebc — von pikanten Vorfällen aus der (5>e- tÜschaft. Die Zeitung wurde nicht auf Papier. Aiehungsweife Pergament, sondern auf über- lchste Holztafeln geschrieben Davon wurden srtoat Abschriften hergestellt und in die Pro- '‘lyen versandt. Erhalten geblieben ist nichts Xiton.
Die derzeit älteste Zeitung der Welt ist wohl Me .Kingpao" von Peking. Das Blatt soll nach tziiesifchcr Meberlicfcrung im Jahre 911 n. Ehr. ttflrünbet worden sein. Jedenfalls aber erscheint ♦4 seit 1351 regelmäßig. Es stellt die älteste
Siebener Anzeiger (Generalanzeiger für Gberhessen)
5rettag. (5. Zanuar 1<)28
schaffen große Unterfuchungs- und Behandlung»- ambulatoncn, statten sie mit reichen Mitteln aus und unterhöhlen auf diesem Wege den ehemals freien Beruf des Arztes Sie treten in jeder Hinsicht wie ein kapitaltnächtiger Arbeitgeber auf. Das ist um Io bemerkenswerter als nahezu sämtliche größeren Krankenkassen sozialistisch organisiert find Sollte man nicht gerade von ihnen erwarten dürfen, daß fie Verständnis auch für die Vorlage der frei praktizierenden Aerzte hätten und es auffläben. deren Tätigkeit durch Einrichtung von eignen Untersuchungs» und YcbdnMungeR.'ttert einzu- engen? Auch bic Verwaltungen der großen Städte tragen sich mit dem Gedanken. die Gesundheitsfürsorge zu übermannen und Bchandlungsstcllen einzurichten. Entweder gelingt es. zwischen Aerzten und Krankenkassen zu einer Arbeitsgemeinschast zu kommen, die eine Einigung auf einer Mittlern Linie ermöglicht und den Arzt als freien Beruf und Stand erhält, oder die Aerzteschaft fällt der Vev- beamtung durch die Krankenkassen oder den Staat anheim. Sollte sich dieser Zustand entwickeln. fo ist das eine Angelegenheit, bic nicht
mehr die Ae»te allein, sondern bic gesamte Oeffentl ichkeit angeht Die Erhaltung eine# freien und hochstehenden Aer»..-standes ist notwendig, wenn nicht die Gefahr beraufbe- ichworen werden fotl, daß der Arzt ichematllch und ohne individuelle» Eingehen auf den Kranken (einen Beruf ausübt und eine weitere Mechanisierung der ärztlichen Tätigkeit Platz greif: Ein Kassenarzt im reinen Beamten Verhältnis wird nie und nimmer bic Brücke zur Seele des Kranken finden können Die Reglung der Beziehungen der Aerzteschaft zu den Krankenkassen mit dem Ziel, den Aerzteftand ale freien Beruf zu erhalten lowie bic Aushebung oder wenigsten» bic Milderung bet Notverordnung find allo die Forderungen der Gegenwart Da st die Gebühren fäye entsprechend der Teurung erbebt werden daß Kranke " taffen und Stadtverwaltungen es aufgeben müssen. eigne Bchandlungsstcllen cnzurtcbten bae find dringende Gebote, um bic jetzige, durch die ilcberfbannung der sozialen Gefcngcbung und durch die llcberfüllung des Berufe geschaffene Anklage der Aerzte zu beseitigen >
Sestmeichs Handelsbeziehungen zum Reich.
Von Or. Hans Schürst österreichischem Äunbesminister für handel und Verkehr.
Die herzlichen Ävnbgeb tagen, deren Gegenstand gelegentlich ihres Vovemberoesuches in Wien der deutlche Reichetanzler und der Rcichsaußen- miniiter geint en sind, haben dermal» die außer- ordentlich freundschaftlichen und aufrichtigen Beziehungen zu unserem deutschen Brudcrvvlkc tunb- getan. Sic bewtesen die Festigkeit der ge - meinfamen kulturellen und nationalen Interessen bet beiden Völker und ihren festen Willen, die bereits bestehenden Beziehungen weiter auszugcstaUen, fie durch Schaffung neuer Gemeinsamkeiten auf rechtlichem. ocr- tehrvpoliti chem, sozialem und wirtschasllichem Gebiete zu ncrtie.cn. Dieser Entschluß kam vor allem in den an btc Vertreter der In- und Aus» landpreslc gcrichicten Worten deS Rcichsauhcn- miniftcre Dr. Strescmann zum Ausdruck, in denen dieser rückhaltlos erklärte, niemand habe das Recht, aus der Abschaffung der Paßvisa, auS der Rechtsangleichung ober aus ähnlichen Abmachungen, die den schon getätigten hoffenllich noch folgen würben, falsche Schlüsse zu ziehen. Auch Ich hege die feste Zuversicht, baß ben Ver- Handlungen, die in den letzten Monaten zwischen den Vertretern der deutschen und der österreichischen Regierung, insbesondere in der Frage der Rechtsangleichung und der Eisenbahnverkehrs- ordnung in erfolgreicher Weise gepflogen wurden, nunmehr Verhandlungen über die Ausgestaltung unserer gegenseitigen wirtschaftlichen, namentlich unserer handelspolitischen Beziehungen folgen werden
Unsere Handelsbeziehungen au Deutschland in der RachkriegSzeit haben zunächst durch den Abschluß eines Wirtschaftsabkommens zu München im Jahre 1920 eine Regelung erfahren, die durch den am 12. Juli 1924 in Prag unterzeichneten Tarifvertrag wesentlich aus gestaltet wurde. Obgleich in § 4 dieses Tarifvertrages bereits bic Absicht auf balbige Erweiterung dieses als Provisorium gedachten Abkommens ausgesprochen wurde, ift es bisher dennoch zu keiner durchgreifenden Ausgestaltung biefeS Vertrages gekommen. Wohl aber ist es gelungen, in mehreren Zusatzverträgen über einzelne S p e z i a l s r a g e n zu weiteren Vereinbarungen zu gelangen, in denen namentlich Deutschland den Bedürfnissen unserer Viehzucht treibenden Grenzländer in der Frage der Erleichterung der Einfuhr von Vieh und Pferden cntgcgc.igefommen ift. Derartige Zusatzverträge, die immerhin eine wertvolle Ergänzung un'eres handelspolitischen Uebereinkommens mit Deutschland enthalten, wurden im Oktober 1925 und im Mai 1926 vereinbart.
Schon durch diese Maßnahmen ist eine erfreu» liche Belebung unserer wechselseitigen Han- delsbeziehunaen herbeigeführt worben, die auch in den Ergebnissen der österreichischen AandelSstati- stik zum Ausdruck kommt. Sie bestätigen eine
von Jahr zu Jahr sich günstiger gestaltende Entwicklung des gegenseitigen Handelsverkehrs. Während uns Deutsch.and im ersten Halbjahre 1926 Waren im Werte von 87 Millionen Schilling abnahm, hat sich unsere Ausfuhr dahin im ersten Halbjahr 1927 nahezu ve rdoppelt. indem während dieses Halbjahres um 160 Millionen Schilling Waren nach Deutschland auSgeführ! werden konnten. Für die ersten zehn Monate de» Jahres 1927 beträgt der Wert der nach Deutschland ausgelührten Waren fast 300 Millionen Schilling gegenüber 162 Millionen Schilling im gleichen Zeitraum de» Vorjahre» Es ergibt sich damit für unsere Ausfuhr nach Deutschland eine saft hundertprozentige Zunahme.
Aber auch Deutschland hat nach Oesterreich einen großen Warenab'ah zu verzeichnen, der sich im Jahre 1926 dem Werte nach auf nicht weniger als 472 Millionen Schilling bc- liei und im laufenden Jahre ebenfalls eine Erhöhung erfahren dürfte, da in den ersten zehn Monaten diele» Jahre» eine Einfuhr im Werte von 403 Millionen Schilling einer solchen von 372 Millionen Schilling im gleichen Zeitraum dc» VorjahrcS gegenübersteht DaS Deutsche Reich hat damit in unterer AuSfuhr d i c erste, in unterer Einfuhr bic zweite Stelle unter allen mit un» im Handelsverkehre stehen- ben Staaten inne.
Trotz dieser erfreulichen Zunahme untere» wechselseitigen Handelsverkehre» muh eine weitere Ausgestaltung unterer handelsver- traulichen Beziehungen überaus wünfchenSwcrt erscheinen. Wenn eS bisher zum Abschluß eine» den tatsächlichen wirtschaftlichen Beziehungen entsprechenden Handelsvertrages mit Deutschland noch nicht gekommen ist. so liegt der Hauptgrund hierfür in dem Umstande, daß einerseits das handelspolitische Verhältnis zu den West stauten lange Zeit ungeklärt blieb und anderseits auch Oesterreich damit beschäftigt war, zunächst mit anderen Vertragspartnern in» reine zu kommen. Oesterreich hatte vor allem die überaus schwierigen und langwierigen Verhandlungen mit der Tschechoslowakei und mit Ungarn durchzusühren, zu denen die Han- delsvertragsverhantlungen mit Öübflatoien und anderen Staaten hinzukamen, liniere bisher igen Vereinbarungen mit Deutschland aus wirtschaftlichem Gebiete mußten sich daher i n engerem Rahmen halten Die Beendigung der Hande.sve.tragsrerhandlungen zwischen Deutsch.and und Frank reich hat ben Weg für die von beiden Regierungen seit langem gewünschten HandelsvertragSocrhanblungen zwilchen Oesterreich und Deutschland geebnet Ich hoffe, daß diese Verhandlungen, sobald die im Zuge befindlichen handelspolitischen Verhandlungen der beiden Staaten zum Abschluß gelangt fein werben, aufgenommen werden 'tinr.cn
gedruckte Zeitung bar. und zwar wurde fie auf Dünne Holztafeln gedruckt Die älteste un» erhaltene deutsche Zeitung, die schon einigermaßen unteren Vorstellungen entspricht, datiert aus dem Jahre 1609 und nennt sich vornehm: .Relation aller fümemmen und gedenckwürdigen Historien so sich .. inn bicfcm 1609. Jahr ver- lauffen." Sie war auch schon illustriert. Mit dieser in Straßburg erschienenen Zeitung konkurriert eine zweite, vermutlich in Augsburg erschienene, von der man annehmen möchte. daN sic die direkte Aachsah rin der alten, handschriftlichen Fuggerzeitungen sei. Ucbrigcn» war zu jener Zeit daS Zeitungmachen noch fein reinlich von anderen geschiedenes Gewerbe Im 17. Jahrhundert richteten beispiel»- wcisc bic Friseure einen durchaus ernstgemeinten Ausruf an die Zeitungsherausgeber, sic möchten fich mit ihnen verbinden und organisieren, weil den Nachrichten doch erst in den Barbierttuben der richtige Schliff gegeben werde
Da» erste Telegramm erschien am 5. Oktober 1849 in der.Kölnischen Zeitung' nebenbei bemerkt, brauchte dazumal eine Depefchc von London nach Berlin zwei, von Wien nach Berlin drei Tage. Der spannenden täglichen Romansortsehung dürfen sich bic Leser erst etwa hundert Jahre erfreuen Der erste Feuilletonroman erschien nämlich 1836 in der französischen .Presse Indes war schon über hundert Jahre früher in der .London Post" ein Fortsetzungsroman erschienen, und zwar Robinson Crusoe" von Dcfoc -- Und daS erste Heiratsgesuch? Da» ist schon beinahe 200 Jahre her Es erschien im Jahre 1738. und zwar im Frankfurter .Intelligenzblatt" Ob es Erfolg gehabt hat, ist nicht bekannt.
Zum Schluß: die größte Ente? Um die Ehre werden sich vielleicht viele Blätter streiten. Anscheinend aber haben die Berliner Zeitungen den Vogel abgescholsen. Al» men sich im Frühjahr 1767 zu Berlin arg beunruhigte über bic Gerüchte von neuen Kriegsoperationen, die nicht schweigen wollten trotz alkir Edikte gegen bas unnütze Reden, die Friedrich II. erlassen hatte, erschien plötzlich in allen Zeitungen eine furchtbare ilnglütf»nad)rid)t Ein entsetzliches ilntoettcr
hatte das flache Land heimgesucht. Sch recken- erregende Einzelheiten wurden bekannt Gan; Berlin sprach von dieser Katastrophe bi» am nächsten Tag Reisende kamen und erzählten, daß alle» crloaen war. Friedrich selbst hatte die Rachricht lanciert, um die Berliner von etwa» anderem reden zu machen al» vom Krieg
Goethe-Bund.
^ortrafleobrnb Jakob Schaffner
Des schweizerischen Dxfrter» Jakob Schass- ner Gefcabenb. den der Goethe-Bund gestern veranstaltete, und dem man einen besseren Besuch recht sehr hätte wünschen können, war. mancher gar ernsten und ernsthaft gemeinten Dinge ungeachtet, die im Vortrage berührt und behandelt wurden im ganzen auf einen heiteren Ton gestimmt.
Der Dichter begann mit einer Berliner Ro- ixllc au» der Sammlung Der Kreifellpieier' : ’ic heißt ..Der Luftballon" und hebt an mit einer S.tuahon, die der minder bekannte tunb : ‘reihab auch mm der bedeutende» norddeutsche Erzähler Heinrich Seidel zum Ausgangspunkt einet Episode von ähnlicher Phantastik aber von handgreiflicher und weniger fein pointierter Komik genommen hat einem kleinen Jungen ift. mitten auf einer belebten Berliner Straße, em bunter K.nderluftballon entflogen und unter einem Balkon, in schier unerreichbarer Höhe, hängen geblieben.
Dem Fassadenkletterer Lemke wird die» zum Anlaß, nicht allein den Knaben durch die kühne Wieberherbeischaffung de» entkommenen Wun- der» zu besänftigen. 'andern auch — mit dem Händedruck mit dem Blick- und Wvrtwechl l, bet ihn mit der Mutter des Knaben flüchtig verbindet —. zur Begegnung mit einer zuvor fremden Welt und mancherlei tiefsinniger Betrachtung Zum Anlaß aber ferner was nie mand vvrauskehcn konnte einer fehr plötzlichen unb wenigsten» in diesem Zu'amrnenhang un- verdienten Verhaftung Herrn Lemkes, au» der ihn jedoch wiederum fede Flucht und behende Verwandlung rettet
und zu einer vollkommenen Neuregelung unterer Handelsbeziehungen auf Grund eine» auf breite- fter Grundlage ausgebauten Handelsvertrages führen werden Dabei wirb auch Gelegenheit gegeben sein, den inzwi'chen cinget:eten<n Aende- nrnaen unsere» autonomen Zolltarife» bei Festsetzung der reuen Bertragszollfätze Rechnung zu trage
Oberheffen.
Landkreis Wirftcn
• Daubrinacn. 12. Ian Der hiesige Klcinticrzuchtvercin veranstaltete eine Kaninchen- und ®cflügclau»ftel- I u n g. Als Preisrichter waren tätig für Kaninchen 1111 r i 4) lGießen, für Geflügel Pfei - f e r «Marburgs Das ausgestellte Tiermaterial war gut Ganz besonders bot die Kaninchenzucht durch planmäßige Arbeit unb Aufklärung sich eine hervorragende Stellung errungen. Selbst PrciSrichtcr 1111 r i d> fand nut Sorte bei Anerkennung. Den Gcflügestiebhebem wäre zu wünschen, daß fie sich mehr der Rassezucht widmeten damit auch diele Zucht die Stellung ein- nimmt bic ihr gebührt E» konnten folgende Preise vergeben werden: I. Kaninchen Belgische Riefen. Züchter IBilb Walter XII Sbrcnprci». 2. und 3. Preis. Hch Kraushaar Ehrenpreis. 1 2., 3 Preis Wilh Oppcr zwei Ehrenpreise. 1.. zwei 2.. 3 Preis Deutsche Widder: Emil Walther 1. Preis. Blaue Wiener Wild. Albach drei 2 . zwei 3 Preise: Heinrich Wagenbach 3. Preis Hascntaninchcn Wilh Walter XI Ehrenpreis. Hch Stestet Ehrenpreis Graulilbcr L Klingclhöfer 1 . 2 Preis. W Bittendorf iWißmar) 3 PretS: Wild. Oppci 2. Preis: Gclbfilbcr Karl Oppcr Ehrenpreis 3. Preis: Schwarzloh. W Bittendorf lWißmar zwei 1. Preise: Hcrntelin Wild Juchs Ehrenpreis. 1.. 2. Prci». Fritz Mahr Ehrenpreis 2. Preiv Meerschweinchen zeigte Emil Walther und erhielt den 3. Preis Als 1. Gesamtleistung erhielt Wilh. Oppcr den Bundespokal, gestiftet von, Bund Dcutfchcr Kaninchenzüchter. Die 2 Gesamtleistung erhielt Hch. Kraushaar, die 3 Wild Albach. II. Geflügel: Schwarz-Italiener Ludwig Klingelböser Ehrenpreis. 1.. 2. Preis Hamburger Silberlack Hch Schäfer V. Ehren - prci». 1.. 2., 3 Preis Gelbe Italiener Hch Walther V. Ehrenpreis. 1. Preis Rebhubn- Zwcrgwtzandotles: Heinrich Fuchs 3. Preis Schwarze Zwcrgbanlam Hch Hofmann Ehrenpreis 1. Prci». Brieftauben Ludw. Schäfer Ehrenpreis. Hch Fuch» 1. zwei 3 Preise Die 1. Gesamtleistung Hch. Schäfer V., die 2. Ludwig Klingclhöfer.
-j- Lang-Göns. 12. Ian Am Dienstagabend hielt bic Freiwillige Feuerwehr ihre diesjährige Generalversammlung ab. Erster Kommandant K Kd. Schäfer begrüßte bic Kameraden und den Bürgermeister Rompf. Kommandant Schäfer berichtete bann über bic Tätigkeit ber Wehr im verflossenen Jahre und brachte dabei feine volle Zufriedenheit zum Ausdruck. Bürgermeister RomVf über reichte dem Ehrenkommandanten K Kd. Qt c t n da» von ber Regierung gestiftete Ehrenzeichen für 40jährige Mitgliedschaft Der Rechner W Keßler erstattete den Kassenbericht In den Vorstand wurden wiedergewählt: K Kd. Schä - fer erster Kommandant, Albert Schmidt zweiter Kommandant. Karl Heidt als Obmann der Spielleute. Wilh Lang und Wilh Rcusch zu Obleuten de» Steiaerzuges. Jul Keßler unb W Dcrn al» Obleute Im Hy- drar.ienzug: A RomPf und W Keßler vom Sprihenzug. Die Beisitzer bes Vorstände» Wilh Velten. Wilh Fuchs unb K Velten blic ben durch Wiederwahl auf ihren Posten Kamerad Zimmermeifter Job Thorn wurde in Würdi gung seiner 25:ähr gen Zugehörigkeit zum Korps zum Ehrenmitglied ernannt. Im Jahre 192 7 hatten wir in unterem Orte 27 Geburten 14 Trauungen und 11 Sterbefällc
th Holzheim. 12 Ian Morgen, am 13 Januar, begeht der Landwirt und Kolonial- warcnhänblcr K. Reuhl IX.. Eichftraße u seinen 80. Geburtstag. Der rüstige und geistig frische alte Herr, der in Holzheim geboren ift unb fein Leben von Jugend an hier
Gut. gedrängt unb übersichtlich erzählt, fre lich auch mit einer, zwar sicher durchaus gewollten psychologischen Verticlung der Ereignisse und geistigen Verbrämung ber im Mittel punkt stehenden Gestalt, btc lebenfall» im ft et» flüchtigen Etndrull des Vorträge» nicht recht mit dem Gesamtbilde eben dicker Mittel- figur in Einklang zu bringen war.
Wir wären übrigen» was eine unverbind lichs unb jeder ästhetischen Wertung fcrnliegenbc Hebenbemertung fein soll ~ nicht erstaunt gc weken. wenn diele Novelle im zweiten Teil des 2lbend» eine Fortsetzung gefunden hätte: statt dessen hörte mar. etliche Kapitel au» dem Roman „3obannfe' Da-* ist die Geschichte einer Kind beit, ber autobiographisch getönte, mit Erlebnis unb Erinnerung befrachtete schlichte Bericht vom Knaben Johanne», pon feinem Leben, seinen Taten und Meinungen in ber Armcnkinder- anftalt „Demutt". In leibenfchasiSlofer oft fast nüchterner Prosa wurde erzählt von Kindern unb Lehrern nem AuSflug von ber Lesestunbe "om Konzert, von Ber Sternkunbe unb von den inr: derl'chcn Widerwärtigkeiten die ber. Kleinen aut dem grotesker. LiebeSverhältn » ihrc^ Erziehers mit ber schönen Jungfer Rosalie ungeahnter- tt>eik erwachsen, hier gab ee Szenen bic der Bericht au» mehrfachen Gründen nicht nach zu- zeichnen vermag. Schllberungen. bic von einer nben und herzlichen aue
©cfilben fommenben Heiterkeit anmutig überstrahlt waren.
Aber auch von dunkelverschatteten und tiefein- aeprägten Ä.iabcncrlebniffcn war zu vernehmen Die mit der ersten Reife in die rauhe Welt unb ins wirkliche Leben verbunden gewesen find von freudloser Heimkehr unb bitter getäuschten Hoffnungen . unb endlich auch zum vertrauensvoll ausolickenden Beschluß von einer wacker auf- genommener Wanderung über die Grenzen de» Kinderlanbes hinem in tre große Stadt c nee neuen MenfchscinG. da» ganz auf eigene Äraft gestellt ist unb ganz aus Eigenem heraus «ich entfalten soll.
Die Zuhörerschaft bankte mit herzlichem Beifall. -v -


