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Mittwoch, 12. Dezember 1928

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhesien)

Nr. 292 Drittes Blatt

Aus dem Reiche der Frau.

Weihnachishandarbeiten.

Don Margret Halm.

Die Wcihnachtshandarbcit ift eine Herzenssache, ist durchaus eine Angelegenheit, mit der sich unser Innerstes verknüpft. Lind jede fein emp­findende Frau fühlt stark den großen Llnter- schied zwischen einer gekauften Gabe, und sei sie noch so sehr mit Liebe überlegt und ausgewählt, und einem selbstgefertigten Geschenk, für dessen Herstellung sie von ihrem eigenen Ich gegeben hat. Lind zumal heute, da wir nur mit äußerster Mühe die Mutzestunden zu einer Handarbeit noch finden, sprechen die tausend feinen Stiche einer Stickerei oder Häkelei doppelt beredte Sprache und erhöhen so die Gabe um ein Viel­faches an Wert.

Don allzu mühsamen, zeitraubenden Hand­arbeiten ist man abgckommen Wir haben keine Verven mehr, große Decken in Madeira-Stickerei, Gobelinwandbehänge, Denise-Spitzen und derglei­chen hervorzuzaubern Wutz auch nicht sein DaS Kunstgetoerte hat uns zahllose Möglichkeiten ge­zeigt. mit kühnem Entwurf und raschem Stich Geschmackvolles zu schaffen das sich dem Zeit- geschxnack da^u noch besser anpatzt als die gar zu feine Stickerei. Geschmack und künstlerisches Auge ersetzen hier ein gut Teil Arbeitszeit, und eS stehen auch hier ungezählte Dorschläge zur Wahl.

Das Sofakissen bleibt nicht nur immer ein gleich beliebtes Geschenk, sondern die Freude daran hat sich zweifellos noch erhöht, seit man erkannt, daß in einem Raum Gemütlichkeit zu verbreiten, gar nkcht genug Riffen auf einem Sofa liegen können, kunterbunt hingeworfen und doch in ihren Farben und in ihrer Ausarbeitung zur ganzen Stimmung fein abg^stuft. Auch in modernstem Möbel wirkt das Kissen auS schönem Drokatstoff, vielleicht aus alten Stücken, die eine Goldborte verbindet, wohnlich und warm. Sehr fein in den Farben: Dlau unZ> rote Malerei in kubischen Mustern, im eckigen Kranz auf silber- grauem oder beigefarbenem Sammet. Richelieu- Arbeit in grauem grobem Leinenstoff zeigt ein Rosenmuster in stark betontem Gitter, das, zur Wirkung mitgehörend, große Flächen der lila­farbenen Llnterfütterung freiläht. Auch Gold- und Silberstickerei in Stil- und Flachstich, wie in Spritzmalerei kommt auf blauem Sammet­oder Tuchgrund hübsch zur Geltung. Daneben zeigt man eine Reihe sehr hübsch gehäkelter Kissenplatten, die, in festen Maschen verarbeitet, wobei in beide Maschen eingestochen wird, durch eingestreute Muster hier in grau, grün und orange im schwarzen Grund ein wenig gobelin- artig wirken

Dreifach begegnet man Heuer bei den Vor­schlägen für Weihnachtshandarbciten der Gabel­arbeit. Wie möchten unsere Llrgrohmütter stau­nen, sähen sie die Dielgestaltigkeil, zu der man diese alte gemütliche Arbeit, die man zu ihrer Zeit nicht anders als zu Decken und Schals ver­band, heute zu verwerrden Weitz.

Do überrascht ein gegabeltes Kissen in grau und schwarz und zweierlei Rosa ob feiner be­sonders entzückenden Wirkung. Sehr hübsch auch werden gegabelte Wollblumen, die eine Luft- maschenkette aus glänzender Seide bindet. Tee- wärmen wie der molligste Pelz. Originell und in schaumiger Wolle leicht tote ein Flaum und wärme ntote der molligste Pelz. Originell und geschmackvoll für den modernen Tisch ist ein Teewärmer, der in hellblau gegitterter Häkelei über durchgezogenen Strängen von bunter Wolle sich spannt. Dreierlei Lila und zweierlei Gelb: Eidotter, Orange und Linde geben zu Hellblau

ein gutes Bild und mischen sich oben als Abschluß zum lustigen Pummelgriss, den eine gehäkelte Kordel zusammenfaht. Auch überzogene Kleider­bügel, Eiertoärmer und Hutständer bilden hübsche Gcflchenke. Bei letzterem schaut ein hübsches Prippenkövschen aus einer Halskrause von lila Schwcmenpelz hervor und verliert sich in die mit lila Sammet umwickelte Stange, die auf einem sammetbeschwerten Radelkissen, das gleichfalls lila überzogen, ruht.

Statt gestickten Decken werden auch hier antike Stoffe mit Goldborte verbunden und umsäumt und leicht mit Satin unterfüttert. Weiße Decken zeigen breite, in Dogen angefurbeüe Llmsäumung von Klöppelspitzen und sind noch einmal von Klöppeleinsay oder Hohlsaumarbeit hx ihrer Fläche unterbrochen.

Sehr beliebte Geschenke bilden Sachets in allen Großen sowohl für Taschentücher, Handschuhe und Kleinigkeiten, für Leibwäsche, wie neuerdings

auch für Tischwäsche und DettWäsche in hübschen Farben xmb Formen, in Crepe de Chine oder waschbarem Crepe Satin wcichgefüttert, mit hüb­schen Dändern angebunden uni) mit zartfarbigen Dlümchen, auch fexnsädiger Gold-Spitze und Ein­satz geziert. Reisebeutel für Wäsche und Schuhe sowi- für alle Kleinigkeiten in besonders praktisch übcrl.'gten Größen, auch ein Daunenkißchen in bunter Seide glatt bezogen mit Handgriff für Reise und Auto sind heute sehr beliebt.

Lind wer das Kleben gut versteht, kann die entzückendsten Rauchservice, Tabakdosen, Ziga­retten- und Zigarrenkisten, Duchständer auf den Schreibtisch, ja, ganze Schreibtischgarnituren aus Brokat, auch aus antiken Stoffen Herstellen, die ungleich rascher feilig als eine Richelieu- und Lochstickerei oder eine Gobelin- oder Stückarbeit, dem Zeitgeschmack sehr angepaßt in jeden Raum sich einfügen und überall Freude erregen.

auf bewachstes Blech zu backen. Die Plätzchen sind was er zu bestreichen.

setzen, in Mittelhitze noch heiß mit Honig-

Zutaten: P/i Pfund abgezogene Mandeln,

heißem Raum zu einem Weichen Teig, der sich in Keinen Portionen dünn ausrv len läßt. Man sttcht verschiedene Formen auS, runde, längliche, vier­eckige Plätzchen, auch Sterne und Herzen Ebenso kann man Bretzeln, Hörnchen und Kränze davon formen Man backt bei guter Hitze schön hell­gelb. Die Plätzchen kann man mit dicker Marme­lade oder mit Buttercreme von verschiedenem Geschmack, Mokka. Schokolade, Karamel oder Ma­raschino usw. bestreichen und mit verschieden ge­färbter und gewürzter Glasur vor efcen; einige kann man vor dem Backen leicht mit Eigelb bestreichen und mit gehackten Mandeln bestreuen Sobald letztere aus dem Ofen kommen, siebt man etwas mit Vanille gewürzten Puderzucker dar­über.

Weihnachlsbäckerei

Allerlei erprobte Rezepte.

Weihe Lebkuchen:

Zucker, 8 Eier, Vt Pfund ___

50 Gramm Zitronat, 50 Gramm Orangeat, 15 Gramm Zimme!, 15 Gramm Kar a cm 4 eranxm Relken, Mehl nach Bedarf, Obiafeix. Zubereitung: Zucker, Eigelb und Eischnee eine Stunde lang schaumig rühren, die Gewür e danach dazugeben und soviel Mehl, bis der Teig nicht mehr fließt. Der Teig wird dann auf rech eckige (etwa 8 Zenti­meter lange, 6 Zentimeter breite) Oblaten ge­strichen, über Rächt getrocknet und dann bei gelinder Hitze gebacken. 3n die Mitte des Leb­kuchens gibt man Scheiben von Zitronat.

3 im mellt er ne: 4 Eitoeih,* 1/. Pfund Staub­zucker. 8 Gramm Zimmel, V, Pfund Mandeln Das Eiweiß zu Schnee schlagen und mit dem geficblen Zucker tüch.ig rühren, 4 Eßlöffel des Gerührten zur Glasur zurücklas en, dann Zimmet und die geriebenen Mandeln dazugeben Den Teig auf ein mit Grießzucker bestreutem Well­blech 3 bis 4 Zentimeter dick ausrollen, Sterne ausstechen im Durchmesser von 6 Zenttmeter. Diese mit der zurückb:h-l enen Glasur sorglälttg bestreichen und in gelinder Hitze langsam backen

FeineSDuttergebäck. 500 Gramm Mehl, 125 Gramm feinen Zucker, 125 Gramm geschälte und fein gemahlene Mandeln, ein rohes Eidotter und 9 hart gelochte, durch ein Sieb gestrichene Eidotter. 330 Gramm frische Süßrahmbutter und nach und nach V« Glas guten Weißwein ver­arbeitet man auf einem Dackbrett in nicht zu

Pfefferkuchen: 3 Pfund Honia, 3V2 Pfund Mehl, */4 Pfund Dufter, ein gehäufter Löffel gestoßene Zitronenschale, ein Tselössel Karda­mom, ein knapper Teel >f,el voll Kr.-ldenelken, etwas geriebener Ingwer, nach De.ieben einige gehackte Mandeln und etwas Kcsiao. Mehl und Gewürze werden mit dem gelösten Honig und Dutter gebrüht. Rach tüchtigem Durchrühren kom­men, nachdem der Teig etwas abgekühll ist. 6 bis c geschlagene Eier dazu. Zuletzt 34 Gramm Pott­asche in warmer Milch gelöst. Der Teig gehl sehr auf, darum nicht zu dick auflegen.

Honiglebkuchen: 3 Pftmd Mchl, 2 Pftmd Honig, 1 Pfund feiner Zucker, 1/z Pfund fein- geschnittene Mandeln, 14 Gramm Zimmel, 4 Gr. Relken, Schale einer Zitrone, 20 Gramm Pott­asche, Rum zum Lösen derselben, 1/4 Pfund Zitro­nat, V4 Pfund Orangeat. Zubereitung: Honig zum Kochen bringen, über das Mehl und den Zucker gießen, dann die Mandeln, das in kleine Würfel geschnittene Zi.ronat unb Orangeat und die Gewürze hinzugeben, zuletzt die in Rum gelöste Pottasche. Den Teig gut durchkneten und über Rächt an einem kühlen Ort ruhen lasten. Am nächsten Tag 1 Zentimeter dick ausrollen. Lebkuchen ausstechen und bei gelinder Hitze backen. Rach Belieben können die Leokuchen mit Wandeln verziert oder mit einer Eiweißzucker- glafur versehen werden. Deckgfasur: 50 Gramm feingt fichten Puderzucker mit einem Eiweiß und 2 bis 3 Tropfen Zitronensaft sehr glatt rühren.

Pfeffernüsse: Zutaien: 1 Pfund Zucker, 5 Eier, Zitronenschale, 15 Gramm Kardamom, 25 Gramm Zitronat, 500 Gramm Mehl, etwas Zimmet und Relken, eine Messerspitze Pottasche, Eier und Zucker eine Stunde schaumig rühren, vorbereitetes Gewürz xmd Mehl dazugeben. Teig verkneten, ausrollen. Pfeffernüsse ausstechen, über Rächt trocknen lassen. Am folgenden Tag auf vorbereitetem Blech backen. Die Rüsse müssen hell bleiben.

Rürnberger Dusserln: Hierzu gehören

1 Pfund feiner Zucker, 3 Eßlöffel Honig, 4 Eier, 20 Gramm Zimmet, 50 Gramm Mandeln, 50 Gramm Zitronat, etwas Relken xmd Muskat, V, Päckchen Backpulver, 1 Pfund Mehl. Zucker, (Ster und Honig werden schaumig gerührt: Ge­würz, Mehl und Mandeln dazugetan, zuletzt das Backpulver. Der Teig muß einige Dttmden ruhen, dann sind kleine Kügelchen zu drehen.

Rationelle Verwertung der Gans

Von Klara Balser.

Der Gänsebraten im Winter ist wohl allgemein beliebt, und manche Hausfrau, manche Allein­stehende bedauert, daß er für ihren Geldbeutel zu kostspielig ist und deshalb vom Wunlchzettel verschwinden muß. Denn nur durch das zwangs» weise allzu rasche Verarbeiten deS Bratens wird bic Gans unrentabel, man schwelgt einige Tage in Fleisch, in Gänsebraten hintereinander, um dann in den folgenden durch größte Zurückhaltung hn Fleischeinkauf das Gleichgewicht der durch die Gans stark belasteten Wirlschastskasse wieder hev- zustellen, auf die siebet; fetten Tage folgen die sieben mageren. 3n dem Bestreben, die Gans so zu verwerten, daß ihr Genuß sich über eine Reihe von Wochen praktisch txrteüen laßt, seien hier eine Anzahl erprobter, vorzüglicher Rezepte der Gans-Verarbeitung gegeben.

Folgende Speisen können wir aus einer Gans gewinnen: 1. Gänseleberpastete (lange haltbar). 2. gefüllter Gänsehals, geräuchert (lange hall­bar), oder 3. geräucherte Spickgans, Gänsebrust (Dauerware), 4. Gansteile in Gelee (haltbar). 5. Gänsesetl, 6. gefüllter Gänsebra.en, 7. Suppe vom Gerippe und weihen Bohnen.

Die Gänseleber wird halbiert, die eine Hälfte zurückgelegt, die antere Hälfte roh durch die Fleischhackmaschine getrieben mit etwa einem viertel Pfund durchwachsenem, gekochtem frischen Schweinefleisch. Dies alles wird zweimal ge­mahlen, reich ich gewürzt mit Salz, Pfeffer, Rla- joran, Thymian, Muskatblüte und Zwiebel. Ein irdenes Pastetenförmchen oder niedriges Weck­glas mit sehr dünnen Speckscheiben auslegen und in folgender Weise füllen: eine Lage Farce, eene Lage der anderen in Scheiben geschnittenen Leber hälfte, wieder eine Lage Farce, obenauf dünne Speckscheibchen. Pasteten form oder Weck­glas geschlossen und im Wasserbade etwa drei viertel bis eine Stunde gelocht.

Der GänsehaLS. Ein Schweinelendchcn schiebt sich mühcklos in die abgezogene fette Hals- Haut. Der Hals wird nun mit Salz xmd Salpeter tüchtig eingerieben, so viel, daß er Lake zieht, und bleibt fünf Sage in einem fest schließenden Ge äh stehen, ost mit Lake begossen. Dann her­ausnehmen, in Kleie gründlich wälzen oder dick in Zeitungspapier Wickeln xmd etwa acht Sage in nicht zu flauen Rauch hängen. Dor dem ersten Gebrauch wird der Hals rasch ringsum gebraten (in etwa 10 bis 15 Minuten) xmd ergibt dann einen sehr guten kalten Ausschnitt.

'Oder man füllt die Halshaut mit folgender vorzüglichen Füllung: Leber (nicht Gänseleber), Speck, fettes, frisches Schweinefleisch, etwas Ma­joran, sehr wenig Thymian, zwei bis drei Dar- dckllen, Salz. Alles muh fein gewiegt fein. Der Hals wird oben xmd unten zugenäht, etwas ge­pökelt xmd In ebx Gazetuch gehüllt geräuchert.

Derzichtet man auf den gefüllten Hals, xmd ist die Gans schön fleischig, so ist es sehr praktisch und eine große Delikatesse, Spickgans, ge­räucherte Gänsebrust zu bereiten. Dazu schneidet man zu beiden Seiten des Drxtftknochens die Drusttelle heraus, füllt die Lücke mit beliebiger Fülle xmd näht die Fett haut des Halses dar­über, so daß die Gans wieder völlig geschlossen und ihre gute Form hat, fertig zum Braten.

Die beiden Teile Gänsebrust legt man, Fetthaut nach oben, nebeneinander in ein flaches Gesäß, nachdem man sie gründlich mit Salz und Salpeter eingerieben und überstreut hat (etwa ein halbes Pfund Salz und 1 Gramm Salpeter). Es bildet sich eine Pökellake, mit welcher die Brustte.le häufig übergossen werden. Rach vier

Die Kinderstube im Winter.

Äon E Isolani.

3lad)brutf verboten.

Der Kinderstube ist hn Winter eine weit grö­ßere Aufmerksamkeit zu schenken als im Sommer. Sollen die Kinder auch Im Winter, außerhalb der Schulzeit, sich soweit die Witterung es, nur irgend erlaubt, im Freien tummeln, so müssen sie sich doch in den Wohnräumen naturgemäß länger aushalten als im Sommer.

3a, so höre ich fragen, mutz denn überhaupt ein Kinterzimmer fein ? Können die Kinder nicht im Wohnzimmer oei der Mutter bzw. bei den El­tern bleiben? Das Kind ist doch am besten auf- aehobcn bei der Mutter, so lautet ein alter Er- stxhrungssatz unserer Eltern.

Run, ich meine, das Kind ist am besten auf­gehoben in einer gesunden Atmosphäre bxe letztere Bezeichnung geistig tote physisch genom­men. Befinde! sich die Mutter in einer solchen Atmosphäre, die für die körperliche und geVjttge Entwicklung des Kindes gesund ist, so i|t das Kind freillch bei ihr gut ausaehoben. In den meisten Fällen befindet sich Die Mutter aber nicht in einer derartigen Atmosphäre, tote ich meinen gewitz sehr erstaunten Leserinnen gletch beweisen werde.

Ich Halle die Atmosphäre für die geistige Ent­wicklung des Kindes für ungesund, wenn die Kin­der Gelegenheit finden, Dinge zu hören, die sie nicht hören sollen. Klatschereien über Derwantee und Bekannte, Zant zwischen den Eltern und dergleichen. Hören sie von Dienstboten Dinge, die ihren Ohren besser verborgen bleiben, so ist's lange nicht so schlimm als von den Eltern, die sie als eine Autorität verehren sollen, deren Worte und Aeutzerungen nicht leicht £urü<fgenom­men werden können. Lind ich Halle ferner den Aufettthallsraum für ein Kind für ungesund, wo es nicht völlige Bewegungsfreiheit hat, denn ein Kind, das sich noch nicht geistig betätigen kann, nicht über das Gelesene nachzudenken ver­mag, muh spielen: uixd Spielen verursacht ein Geräusch» das unserem nervösen Geschlecht zu­wider ist.

Richls ist pädagogisch falscher und verwerflicher, als diesen Täligkei.strieb des Kindes einzu- schränken und zu unterdrücken, was in dem Raum, in dem sich die Erwachsenen mit den Kindern zugleich befinden, no wendigerweise ge­schieht, tenn wer vermöchte das Toben der Kinder vertragen?! Also werden die Kinder zum Stillfitzen verurteilt, was weder ihrer geistigen noch ihrer körperlichen Entwicklung gut tut

3m Kinderzimmer aber mögen sie xmd sollen sie herum toben. Da sollen sie ganz nach Herzens­lust spielen können. Lind daher muß vor allem tm Kinderzimmer auf diese öebenßbebiiigung deS Kindes Rücksicht genommen fein.

Die Schularbeiten sollen gemacht werden, sobald hie Kinder aus der Schule kommen und solange es noch hell ist. Dann kann das Spiel in seine Rechte treten. Ist es Indessen notwendig, daß auch bei Beleuchtung Schularbeiten gemacht teer­ten, zwn Beispiel, wenn die Kinder Gelegenheit haben, spazieren zu gehen, so ist natürlich die Lampe dem Kerzenlichi vorzuziehen, und ter kör- perlichcn Sicherheit halber die Hängelampe der Stehlampe. «...

In Zimmern, wo noch ganz Heine 5vnter untergebracht sind, ist es nicht selten übllch daß die Dienstboten Windeln, Wäsche und Kinterbett- chen an die Oeien zum Trocknen hinhängen. Richts ist verteerssicher und ungesünder als dies, denn es terun reinigt die Luft, und bet den weniger widerstandsfähigen Kindern ist es noch mehr notwendig, auf Reinhaltung dec Luft zu achten, als in den W oha räumen der Erwachsenen. Jedes Spiel, das irgenwie dazu beiträgt, die Luft im Lsinterzimmer zu verschlechtern, soll pein­lich vermieten werden. In Zeiten einer Kinter- iran'.^eit, wie Diphtheritis, ist ter Staub be­kanntlich ein sehr gefährlicher KrankheitSstofs- Derschlepper.

Es ist wohl selbstverständlich daß der Papa, bevor er ins Kinterzimmer tritt, Zigarre oder Pfeife beiseite legt, schon deshalb, weil die ihm fröhlich en'.g egens bringenden Kinder leicht bei der brennen den Zigarre oder Pfeife zu Schaden kom­men können.

Die Reinhaltung der Luft im Kinderzimmer ist, wenn sämtliche Heinen Bewohner desselben schon zur Schule gehen, so leicht durch fleißiges Offen- Hal'en ter Fenster zu bewerkstelligen, was ja während der Schulzeit geschehen kann. Eine Stunde vor Schluß ter letzteren kann dann noch das Zim­mer aut durchgetoärmt werten, bis die kleinen Bewohner nach Hause kommen. Etwa 18 bis 20 Grad Celsius ist die richtige Temperatur für das Kinterzimmer, die noch etwas geringer sein kann, wenn mehrere Kinder dort Hausen.

Sind dann die Kleinen in die Betten gekrochen, bann decke man sie tüch ig zu und öffne eine Zeitlang das Fenster, selbst wenn das Zimmer auch vollständig auskühlt.

Freilich muß dann von neuem geheizt werden. Für ungch'iz'.e Zimmer während ter Rächt bin ich nicht, denn viele Kinder, insbesondere ganz kleine, strampeln sich ganz frei, klettern auch, wenn sie erwachen, im Bettchen umher und erläüen sich daher tm ungeheizten Zimmer sehr leicht.

Ganz verwerflich ist es, Kinder im Winter mit am Ofen gewärmten Betten zu verwöhnen oder ihnen Wärmflaschen in die Betten zu legen.

Modernes Spielzeug.

Ein vorweihnachtliches Kapitel.

Don Anne-Marie Mampel.

Hurxdertfältig lockt es zur Weihnachtszeit hinter Schaufenstern und in Ausstellungen. Kinder­augen werden bei diesem Anblick leuchtend und rund, staunendesAh" undOh" kommt von ungezählten Kindersippen, und die Erwartung, einiges von dem Geschauten unter dem Christ­baum wiederzuf inten, läßt kleine Herzen höher schlagen.

Dem Erwachsenen aber bleibt die schwere Wahl:Was schenke ich?" Denn es ist keines­wegs einfach, in ter Fülle das Geeignete zu finden. Richt für jedes kleine Mädel ist ter Puppenwagen mit tem Baby darin das Richtige: nicht jeden Jungen entzückt ein Schaukelpferd.

Phantasiebegabte Kinder werden Rohmaterial bevorzugen. Unfertiges, dem sie nach eigenem Gutdünken Form und Gestalt geben, das sie nach eigenem Geschmack zusammenfügen können: andere wieder mit ausgesprochenem Hang zum Exakten, Präzisen werden nach Dorlagen basteln uixd konstruieren wollen, Mädelchen, die nach Art ihres weiblichen Instinkts, am liebsten Pup­pen hegen, wie nähen, kochen, scheuern und plät­ten. Lind wieder andere werden nichts begehen als trgerxtein Tier, das geherzt, gescholten und überaltoin mitgenommen werden darf.

Es hat also, wenn man die höchst verschiedene Einstellung ter Kinder beachtet, die Auswahl des Spielzeugs tiefe erzieherische und charakter- bildende Bedexttung, und man wird sich dabei einesteils wohl von den geäußerten Wünschen des Kindes leiten lassen, andernteils aber ihm selbst unbewußte Fähigkeiten durch das rechte Spielzeug wecken und fördern müssen: uner­wünschte Deranlagungen durch dieses Abschwä­chen oder Ausgleichen, intern man zum Beispiel ein nervöses, quecksilbriges Kind zur Konzen­tratton bringt, ein denkfaules zu geistiger Reg- famleit.

Ist man sich erst einmal darüber Har, welche Aufgabe die zu erstehenden Sachen e füllen sollen, wird die Wahl selbst nicht mehr schwer fein, hat doch unsere Spielwaren-Industrie den alterprob- ten, Generation um Generation erfreuenden Sin­gen, der Puppenküche, dem Theater und anderem, allerlei Reues zugesellt und hat doch manches Lieberkommene wesenlliche Wandlung erfahren.

So ist die Pxxppe, die wir selbst nur mit einem glatten, kalten und stereotypen Porzellan­gesicht kannten, durch Käthe Kruse zu einem allerliebsten, lebenswahren und Zärtlichkeit hei- schexxden Kinde geworden und außerdem in ver­schiedenster Gestalt als Charakter» und Künstler­puppe aufgetaucht. So hat auch das Stofftier sich trefflich toeiterenttoidelt, und in drolligen Plüfchafsen, rosigen Schweinen, langhalsigen Giraffen vom allbekannten Teddybären ganz zu schweigen eine kaum noch zu überbietende Dollendung erreicht.

Daneben sind für die ganz Kleinen die lackier­ten Holzttere auf Räterbrettchen geschaffen wor­den, Kätzchen, Hasen, Hühner, Hunde, Enten und Lämmer in ausgezeichneter kunstgewerblicher Arbeit, abwaschbar, giftfrei, und somit das Hy­gienischste, was als Kleinkinterspielzeug gedacht werden kann.

Aus lackiertem Holz sind auch die modernen Figurenspiele, die durch ihre schöne, vielfältige Färbung und die mannigfache Gestalt ihrer Be­standteile den Farben« und Formenfirm des Kin­des anregen. Maria Montessoris Zahlen- und Duchstabenspiele, ihr Lotto, ihre farbigen Rechenstäbe, ihre Farbtäfelchen und ähnliches verdienen als Erziehungsfaktoren ebenfalls Be­achtung, desgleichen die alten Fröbelschen Befchäftigungsspiele.

Größeren Knaben wird der Metallbaukasten Freude bereiten, der die Möglichkeit bleiet, einen kleinen Grundkosten später durch Hinzukaufen weiterer Ergänzungskasten zu vervollständigen u,xd durch entsprechende Llhrwerk», Elektro- und Dampfmotoren die selbstgebauten Modelle in De- toegung zu setzen. Auch ein neuer Spiel- und Modellbaukasten, der Bausteinchen in Ziegelform und Farbe nebst Mörtel liefert und auf diese Weise regelrechte Miniaturbauten, ganz nach Wunsch des jungenArchitekten" ermöglicht, wird sich rasch einbürgern, um so mehr, als jedes Ge-- bäxxte ohne Beschädigung ter Ziegel durch Auf­lösen des Mörtels wieder abgetragen werden kann.

Es fehlt also wahrlich nicht an guten Spiel­waren was wir hier aufführten, ist nur ein Ausschnitt dessen, waS geboten wird, und wenn wir zum Schluß noch einen überaus zweck­mäßigen, sarbig-lackierten Spielzeugschrank er­wähnen, der bunte, herausnehmbare Kasten ent­hält, die als Tisch, Stuhl und Wagen benutzt werden können, ter Raum für Spielereien und Bücher enthält und einen Türausschnltt zur Auf­führung des Puppentheaters, glauben wir, allen, die Kindern eine Weihnachtsfreude bereiten wollen und sollen, ein wenig Anregung und Lieber­sicht geboten zu haben.