ltr.112 viettcz Blatt
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbcrheffen)
Samstag, 2. Mai (928
Geschichten aus aller Welt.
Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.
Da- Verlobungsauto
(r) Wien.
3n her Donau erregen noch immer die Pro- ulf« da» größte Aufseyen. bei denen es sich um Heirat, The. Verlobung, mit einem Wort, um die Drnge handelt, die mit der Liebe in Verbindung stehen, für die die ehemalige Kaiser- ftadt Wien von jeher eines der schönsten Asyle war. So spricht man denn jetzt besonder- viel von der gerichtlichen Sntfcherdung. die ein gewisser Mr. Franc William Gardener gegen Frau Olga Gräfin ®.. die Tochter eines ungarischen Grvhgrundbeliycrs. angestrengt hat. Die ungarisch« Grälin und der Engländer hatten aneinander Gcsallen gesunden und wiederholt gemeinsame Reisen in einem schönen, großen Auto- mobil des Herrn Gardener unternommen. Rach- dem sie u. a. in Paris und In Monte Earlo gewesen waren, kamen sie im Januar 1927 nach Dien, wo offiziell die Verlobung des Paares stattsand. Bald stellte sich ftdoch heraus, dah Herr Gardener verheiratet war und seine Frau die Zustimmung xur Ehescheidung verweigerte. So ging die Verlobung zurück, und Gardener verlangte von seiner ehemaligen Vraut die Wiedergabe des Automobils. Als die Gräsin G. dieser Aufforderung nicht nachkam. kam es zur gerichtlichen Auseinandersetzung. Gardener klagte aus Herausgabe des Automobils, und die Gräfin machte Schadenersatzansprüche in Höh« non 50 000 Schilling geltend, da sie in Dien und in Monte Earlo ihrem Vrüutigam verschiedene höhere Geldbeträge zur Verfügung gestellt haben will. Unter anderem wurde ein Betrag von 15000 Schilling als Zoll für das aus Belgien nach Oesterreich cingcsührte Verlobung-automobil angeführt. Sine Menge Zeugen marschierten aus. ohne dah die Richter bisher zu einer Entscheidung hätten kommen können. Die ganze Geschichte erinnert lebhaft an den bekannten Hinderst reit Gib mir meine Puppenlappen wieder, ich bin auf ewig bös mit dir. — Da die Puppenlappen aber in diesem Falle viele Tausende von Schtllinaen ausmachen, und die Sache eben mit Liebe. Ehe. Verlobung und Scheidung verknüpft ist. brennt Dien vor Reugierde über da» Urteil, dah das Schicksal de» ..Verlvbung»- autos" entscheiden soll.
Bestrafte Neugier.
( — ) PariS.
Herr Rene« Mourat zückte kürzlich in einem Vorort von Pari» die Börse und erwarb für fein ehrlich verdiente» Geld auf dem Geflügel- markt einen lebenden Hahn und zwei prachtvoll« bunte Hennen, da er di« Absicht hatte, sich eine deine Geflügelzucht anzulegen. Seinen flatternden und schreienden Berkaus verfrachtete er in einen mitgebrachten groben Spankorb und machte sich dann kreuzfidel und munter auf den Rach- hauseweg.
Unterwegs kam er an einem Kinvtheatcr vorbei. und die farbenfrohen Plakate zogen ihn unwiderstehlich an. Dar aus ihnen doch in der denkbar realistischsten Darstellung da» ganze Re- pertoir« eine» altrömischen ZirkuS mit Wagenrennen. Gladiator«nkämpsen. Ehristenopfem usw. zu sehen. S» handelte sich um einen der bekannten Quovadis-5ilme. Der Besitzer des Äino» versprach jedoch in metergrohen Buchstaben noch eine aanz besondere Attraktion — einen ausgewachsenen männlichen Löwen nämlich, der einer des Hauptdarsteller des Films gewesen sei. und wie mancher andere Prominente der Fiimmer- wand persönlich den Ausführungen beiwohne. In ciTK'm eisernen Käfig versteht sich.
Diesen Derheihungen konnte Monsieur Mourat nicht widerstehen und er löste sich, immer noch den Spankorb mit seinem lebendigen Inhalt am Arm. an der Kasse eine Karte und trat ein. Die Vorführung hatte bereit- begonnen, eine packende GastmahlSszene mit verführerisch wenig- belleideten trunkenen Bacchantinnen am Hose Reros rollte ab. und Herr Mourat war in diese Bilder bald so vertieft, dah er nicht mehr acht- gab auf feinen Korb und daher nicht merkte.
wie sich der Deckel hob und zuerst der Herr Hahn und dann die beiden Gevatterinnen Hennen ihr Gefängnis verliehen und schnurstracks — in den Käsig spazierten, wo ihnen der mächtige Stopf eine- Löwen entgegenblinzelte. Da» brave Federvieh au» dem gesitteten Semc-De-arte- ment schien nicht die geringste Furcht vor dem unbekannten exotischen Gast zu verspüren. — und so kam es schließlich wie es unweigerlich kommen muhte. Man hörte plötzlich ein jammervolle» dreifaches Auskrähen einen dump.en Prankenschlag und dann da- behagliche Geräusch einer Löwenmahlzeit. Die Vorführung wurde unterbrochen. e- wurde Licht, und der gänzlich fas- sungslose. aus so unzarte Deise aus leinen alt- römischen Träumen geweckte Monsieur Mourat konnte sich die 'Bescherung jetzt ansehen: von keinem mit soviel Zukunftshossnungen gemachten Einkauf war nichts mehr übrig al» ein paar blutgetränkt« Federn.
Ter geplagte Str Walker Scott.
(r) Manchester.
Auch In Old merry England g.bt e» geplagte Berühmtheiten unter den Autor.n. So ft leb Ihnn erst kürzlich in einer hiesigen Gesellschaft der auch jenseits des Kanals bekannte Dals- toorthy «Inen Hilferuf aus. man möge ihn retten aus seiner Rot und ihn mit den vielen Bitten um Kritik oder literarische bzw. finanzielle Hilfe verschonen. Er erbarmte aber auch gleichzeitig an. daß es die Autoren in gewisser Hinsicht heute doch besser Haien al» ihre Kollegen im vorigen Jahrhu. de.t. Insbesondere gedacht« er de» Dichters der schottischen Hochlande, der. wie man wohl wissen dürfte, in finanzieller Hinsicht nicht gerade aus Rosen gebettet war. S i r Walter Scott, so erzählte Galsworthy, erhielt einst ein Paket aus den Vereinigten Staaten, für daS er drei Pfund Rachnahm« zu zahlen hatte. SS enthielt da» Manuskript eines von einer Reuyorker Dame verfaßten Drama», betitelt: .Die Liebhaber von Sherokee". In einem Begleitschreiben wurde Scott von der Verfasserin gebeten, das Manuskript zu lesen, zu verbessern, es mit einem Pro- und einem Dpi log zu versehen, sowie mit Constable und Murray übet die Verlegung bzw. Aufführung deS Stüde» zu verhandeln.
14 Sage später erhielt Scott ein gleiches Paket au» Reuyork. Abermals muhte er fünf Pfund Sterling berappen. Die Se düng enthielt daS flleiche Stück, mit demselben Ersuch.m der Der- afferin, und der Bemerkung, angesichts der Gefahr, dah das Manuskript verlorengehe i könnte, habe die .um ihr geistige» Kind besorgte Mutter" es für gut befunden, noch ein Duplikat zu schicken. — Für den armen Sir Walter war da» «in teurer Spaß, für Dalswvrhy aber ist e» ein wenn auch kleiner Trost, wie man sieht...
Ein Spielzeug für 52 000 Dollars.
(a) Reuyork.
»Für daS Kind und für die Frau , da» ist, wie man weih, eine der vielen in Amerika gebrauchten Schlagwörter, deren Summe einen gewissen Ersah für die fehlende bodenständige Lebensphilofophie der Reuen Welt darstellt. Dah di« Frau in der nordamerikanifchen Union ost bis zur anS Groteske ftreifenben ileber- treibung und auch vielfach unverdient vor dem Manne bevorrechtet wird, darf ebenfalls al» bekannt vorausgesetzt werden, ebenso wie die auf Grund von chemifch-physikalifch-psychoanaly- tisch-medizinifchen Versuchen dauernd verbesserte Pfleg« des Kindes. Reu hingegen dürfte es sein, was für Unsummen amerila .ische Dabob» für ihr« Spröhlinge hinau-zuwersen imstande find, und zwar noch auf höchst unsinnige Weise.
Ein gute- Beispiel bieten die soeben erschienenen .Erinnerungen" deS hiesigen Spielwaren- händler» George Lee. Da» teuerste Spielzeug, so erzählt et. das er herstellte, war ein Sch.fs en mmiature, aber den.roch so groß, daß der Spielende al» Steuermann darin Platz hatte. Ss kostete die hübsche Summe von 10 030 Dollar». Al» jedoch die Mutter deS betreffenden Knaben da» Riesenfpielzeug sah. erftärte sie es
DielfirmiiöenfieöeaSWeni.
Roman von Edgar Wallace.
Copyright by Wilhelm Goldmann, Verlag, Leipzig.
6 ßorthflung Nachdruck verboten.
Sie wat cs. Kein Zweifel! Er hätte sie unter Tausenden wicdererkannt. Sie sah ihn nicht, und er machte sich ihr auch nicht bemerkbar. Jetzt, wo er sie so nahe wußte, wo sie ihm eine Gelegenheit der Annäherung bot, wie sie ihm in seinen kühnsten Iräumen nicht oorgegaukelt wäre, hielt ihn eine merkwürdige Scheu zurück. Erft am letzten Reisetage sprach er sie an.
Sie empfing ihn sehr kühl.
„C ja, ich wußte, daß Sie an Bord waren. Ich hab« Ihren Namen In der Pasiagierkiste gefunden", jagte sie.
Die Erregung schlug so hohe Dellen in chm, daß ihn selbst das belustigte Lächeln in ihren Augen nicht zu kränken vermochte.
„Darum haben Sie mich denn so gesllstentlich überfein?* wollte er wissen.
,,3d) dachte, der hohe Herr reifen inkognito', erwiderte fie boshaft. ..Uebrigens werden wir uns in Zukunft häufiger begegnen; denn Sie find ja jEstt im glücklichen Bejist einer Leihkarte.'
"Äa. ich glaube, ich habe eine", räumte Dick verlegen ein.
„3d? weiß es; denn ich felbft habe den Gut- schein ausgestellt", entgegnete sie prompt.
.-Ob. bann sind Sie also —" er wartete darauf, daß fie ihm einhelfen sollte.
„Die Dame, die den Gutschein ausoestellt hat", sagte sie ernsthaft.
Da konnte er nicht mehr an sich halten. Er fragte gerade heraus:
„Und wie beißen Sie, bitte?"
„Sybil Lansdown!"
„Ach ja, jetzt erinnere ich mich'"
„Sie haben meinen Namen auf dem Gutschein gelesen?"
Er nickte.
Jtomifd) — er wurde uns als unbestellbar von der Post retourniert." Si< kannte keine Gnade.
Da lachte er fröhlich und überwunden.
Der innere Kontakt war wieder hergestellt.
Am Abend setzten sie ihre Unterhaltung fort.
Einsamkeit und Finsternis waren um sie her. Zuweilen tauchte ein Blinkfeuer auf, das seine sll- bemen Achsen warnend durch die Nach! sandle.
„Werden Sie Ihre Reise fortsetzen?" fragte sie ihn.
„Nein, ich bleibe in London. Ich sehne mich förmlich danach. Ich habe in (Margate eine kleine gemütliche Wohnung. Man kann zwar, wenn man in der Mitte steht, und die Arme ausreckt, die Wände zu beiden Seiten berühren, aber meinen Ansprüchen genügt sie doch.
Sie seufzte.
„Da müßten Sie erst unsere Wohnung In der Corarnstrahe sehen!"
„Welche Nummer?" fragte Dick rasch.
„Eine von Dielen", lächelte fie. „Aber ich muß jetzt hinabgehen. Es ist spät geworden. Gute Nacht, Mr. Martin!
Er geleitete sie nicht zur Sajütentreppe, aber er blickte ihr nach, bis sie im Dunkel verschwunden war.
Das mochte sie nach Madeira geführt haben? Sicher gehörte sie nicht zu den Glücklichen, die ge- wohnheitsgcrnäß den Londoner Nebel mit der Sonne des Süden» vertauschen Sie kam ihm viel hübscher vor, als fie in seinen Vorstellungen gelebt hatte. Sie war von einer bleichen, fast orientalischen Schönheit. Es war bie Schrägstellung ihrer grauen Augen, bie an den Osten gemahnte. Sie war schlank, aber nicht mager, sondern von der geschmeidigen Fülle, die jeder Linie ihren Reiz gibt
Am nächsten Morgen, nach der Landung, wußte es Dick so «inzurichten, baß er mit ihr im gleichen Abteil nach London fuhr.
„Freuen Sie sich auf London?" fragte er sie.
Sie unterdrückte einen Seufzer.
,Lch freue mich daraus, daß ich wieder in meiner Muttersprache reden darf Es war nicht immer leicht, sich auf portugiesisch zu verständigen!"
Er zog erstaunt die Brauen in die Höhe.
„Aber es wirb doch in allen Hotels englisch ge- sprochen?"
„Das wohl, aber ich habe in keinem Hotel gewohnt, sondern in einer kleinen Pension, in den Bergen, wo man nur portugiefijd) verstand. Aber auch sonst scheint meine Reise zwecklos gewesen zu fein!"
für wertlos, wenn ihr Oungt nicht auch Gelegenheit hätte, damit au< dem Walser zu fahren. 3n aller Oefientlichkett hätte das a?rr zu viel Aufsehen erregt, und k> wurde für 24033 Dollar» im Park de» Millionärschlossez ein fünft- licher Lee gelchaf en. AI» endlich alles so weit war. und da» Schifs regeltest vom Stapel lies, fing der kleine Dvllarvrinz au weinen an und beschwert« sich über das .friedliche Gewässer". auf dem e» nicht einmal die kleinsten Stürm« gäbe. Also wurde eine Maschinerie für 18000 Dollars eingebaut. b;e künstlich« Wellen erzeugte. - 3b t inzwischen hatte der MillionärSsproßling für bie Sach« längst jede» Interest« verloren. Seine Sehnsucht toar nunmehr ein Automobil mit zwei Hunde von denen der eine bei der Fahrt immer nach . echt», brr andere nach links leben müßte Un > l» waren die 52000 Dollar» gleich 206 000 Mark zum Fenster hin ausgeworfen.
Wirtschaft.
Öochenberidit
vom Sranffurtcr Effektenmarkt.
Im Gegensatz zur vergangenen Woche war bie Hottung am Frankfurter Effektenmarkt in bieser Woche stiller, und die Umsätze bewegten sich mit Ausnahme verschiedener Speziatwcrte in engen Grenzen. Einen gcofjen Einfluß übten hier bie starken Käufe bes Auslandes aus. Vor- nehmlich von feiten Amerikas und der Schweiz wurden Interesienverkäufe hauptfächltch in Elektrowerten und teilweise auch am Bankenmarkt oorgenommen, so dah das Ge- sck)äft zeitweise einen stürmischen Charakter annehmen konnte und die Spekulation daraufhin ebenfalls größere Deckungen oornahm. Kursstützend wirkte die weitere, wenn auch kleine Entspannung des Reichsbankinstituts, die im Verlaufe der Woche eingetretene Ermäßigung des Berliner Privatdis- kontfatzes unb bie bessere Beurteilung des Reportgelbmarktes. Die optim stischen Ausführungen in ben Generalversammlungen der KaligescUschaften wirkten sich zeitweise recht günstia aus. Doch machte sich im Verlaufe der Woche größere Zurückhaltung bei der Spekulation bemerkbar, da sie bestrebt ist, den Markt vor der Medioabwicklung nicht zu sehr zu belasten, obwohl von dieser Seite zwecks lieber- Windung der Medioliquidation keine besondere Schwierigkeiten erwartet werden. Don einer Beteiligung der Prioatkundschaft war im allgemeinen nur wenig zu bemerken, e» sollen sogar von dieser Seite meist größere Abgaben auf Gewinnsicherung oorgenommen worden fein. Die chinesisch japanischen Differenzen, in deren Zusammenhang größere Schwierigkeiten auf die allgemeine internationale Wirtschaft befürchtet werden, lösten größere Besorg- nisie an der Börse aus. Die Spckualtivn schritt daher verschiedentlich zu größeren Abgaben, was eine uneinheitliche Kursentwicklung zur Folge hatte. Das herauskommende Material wurde oft nur mit Schwierigkeiten ausgenommen Auf dem ermäßigten Kursniveau machte sich jedoch, auch angeregt durch wieder stärker in Erscheinung tretende Interessen- käufe des Auslandes, größerer Deckungsbegehr bemerkbar. Die Herabsetzung des Satzes für lagesgelb trug ebenfalls bazu bei, daß der Grunbton der Börse eine gewiße Festigkeit zeigte. Die Der- Handlungen zwecks einer weiteren Kohlen- preis ft eiaerung lösten zwar yn Montan- markt größere Zurückhaltung au^ doch war bei verschiedenen Werten, aus den schon oben erwähnten Gründen, lebhaftes Geschäft zu verzeichnen. Rheinische Braunkohlen standen mit einem Kurs- gewinn von 5 Proz. an der Spitze. Auch die Kali- werte blieben bei Abgang der Dividende, in Nachwirkung des gesteigerten Kaliabsatzes, stärker beachtet. Sonst waren hier meist kleine Kursbesierun- gen zu verzeichnen Am Bankenmarkt konnte Reichsmark mit plus 10 5 Proz., sogar fast an einem lag, kräftig anziehen, ein Grund hierfür war nicht bekannt Auch Danatbanf hatten plus 13 Proz, hauptsächlich auf Käufe des Auslandes, firöfcere Umsätze. Discontogesellschaft hatten eben- alls etwas lebhaftere Umsätze zu verzeichnen. Die sonstigen Werte waren kaum verändert. Der Elektromarkt war größeren Schwankungen unterworfen, doch überwogen auch hier im Verlause der Woche ganz beträchtliche Kursbesierungen,
„Nun," sagte er, „da können wir uns die Hand reichen. E» geht mir genau so."
Sie lächelte.
„Ader ich komme nicht mit ganz leeren Händen zurück."
Sie nahm eine kleine Schachtel aus ihrer Hand- lasche heraus. Sie schob den Deckel beiseite unb hielt sie ihm geöffnet hin.
Er erblickte einen flachen Schlüssel von sellsamer, bisher nie gesehener Form, ber an beiben Setten gezahnt war.
„Was für ein merfroürbiger Schlüssel", sagte er. „Und deswegen sind Sie nach Madeira gereift?"
Sie nickte.
„Aber ich hatte mir bas Ergebnis meiner Reife natürlich ganz anbers oorgefteUt. Cs ist eine feit- same Geschichte, bie auch wieder mit Lord Selforb zusammenhängt. Wie sieht übrigens mein Vetter aus?"
„Wie ber Kaiser von China. Das heißt, ich kenne sie beide nicht. Ich habe Ihren Vetter nie zu Gesicht bekommen!"
Sie stellte eine rasche Frage nach seinen Erlebnissen, die er beantworten mußte. Dann erst erzählte sie ihm ihre Geschichte.
„Mein Vater hat früher einmal einen portugiesischen Gärtner namens Silva gehabt, ben er, als er seine Dienste nicht mehr brauchte, an Lorb Sei- fort* empfahl Nach dem Tobe bes alten Corbs liebelte dieser Silva nach Madeira über. Es mag ungefähr drei Monate her sein, da erhielt meine Mut- ter einen Brief von einem Priester, der uns antün- bigte, daß Silva auf Madeira gestorben sei. Noch in der Todesstunde habe ihn bas Unrecht gequält, das er uns angetan habe Mit ber flehentlichen Bitte um Vergebung seiner Sünden habe er seine Hinter- lassenjchaft für uns dem Priester anoenraut unb sein Versprechen verlangt, sie nur einem Mitglieb unserer Familie persönlich euszuhändigen. Weder meine Mutter noch ich konnten daran denken, nach Madeira zu reisen. Dazu fehsten uns jegliche Mittel. Aber mit ber nächsten Poft traf ein zweiter Brief ein, der m London aufgegeben worden war. Er enthielt hundert Pfund in Banknoten und eine Schiffskarte nach Madeira.
„Wer war der Absender?" fragte Dick schnell.
„Er war nicht genannt. Aber ich entschloß mich zur Reise. Der ölte Priester war sehr froh über
an deren Spitze Siemens & Halske mu plus 30 Proz die Führung hatten. Hier sollen auch von B e I a 11 n größere Käufe doigenommen worden fein. Auch Schuckert, die anfangs eher vernachlöfstgt waren, konnten 6 Pro) gewinnen. I.-D.-F arben waren irn allgemeinen vernachlässigt Die Kurroer- lüfte und gewinne hielten sich h er die Waage Nur Scheideanstatt waren zum Wochenschluß recht lebhaft gehandelt, so dah eine Kursdesiervng von du.ch. schnittlich R Proz. zu verzeichnen war Schiss- sahrtswerte hatten durchweg gleichmäß g lebhaftes Geschäft bei Kursbesierungen bis zu R Proz. Autowerke waren aus Fusionsgeruchle oft lebhaft gehandelt und bis 14 Proz erholt Am Rente n in a r 11 bestand bei stark anziehendem Kurs für 21bli iu- g ohne Option lebhaftes Interesie Von Ausländern waren Ungarn auf Stab l sierung.Verhandlungen fest. Tagesgeld wurde auf 6 Proz ermäßigt In ben sonstigen Werten war das Geschäft Mein.
Wochenbericht
vom Frankfurter Produttenmarkt.
Der Frankfurter Produ.tenmarkk eröffnete Me neue Wvche in sehr Rillet Haltung schwächer«.» Au-landnotierungen und die rur- günstiger lautenden amertkani chen Bericht« veranlaßten di« Händler zur größeren Zurückhaltung Da auf der anderen Seite immer noch wenig Ware an den Markt kam. blieben die schwachen Auslandnotierungen ohne besonderen Einfluß auf di« Preisgestaltung Doch trat im Verlaus der Woche, veranlaßt durch die wieder höher lautenden amerikani chen Roti.rungen, ein« kleine Erholung ein. Die Grundstimmung tour c etwa» freundlicher. Die Händler verhielten sich ««doch nach wie vor weiter reserviert, da sich dem Markte weiter feine Anregung boL Verstimmend wirkte, daß sich der Erpork und da» Ausland kaum am Geschäft beteiligten und bte Mühlen nur in ben dringendsten Fällen Dek- kungsbegehr bekundeten. Der immer noch herrschend« Mangel an 3nlanbtoare machte sich im Laufe der Woche immer störender bem bar. Dem günstig lautenden preußischen Saa- tenstandsb«richt wurde nur toenii Dichtung bri- gemessen. Für Weizen unb Roggen bestand nur wenig Interesse, da bie Hänoter mit ein in weiteren Rückgang der Preise rechnen. In Mai» für Futter^weckc machte sich auf Det- kungen der Landwirtschaft, bei zeitweise recht lebhaftem De.cyäft unb anziehendem Preis, größere Kausneiguna bemerkbar. 3m Einklang damit bekundete bte Industrie für besseren Mai» ettoa» stärkeres Interesse Da» Mehlgeschäft erfuhr nur rorübergehend eine kleine Beleoung. Messie geringerer Qualität waren durchweg billiger angeboten. Am Futtermlttelmarkt war die Tendenz fest, und daS Geschäft blieb während ber ganzen Woche ziemlich lebhaft. Bei größerer Rachsrage konnten am Karts f f e l m a rk t bie Preise auf 435 Mk. je 50 Kilogramm erhöht toerben. Zum Wochen- schluß blieb da» Geschäft still. Die zweite Hand kam mit größeren Abgaben an den Markt, so bah bie allgemeine Haltung lustlo» wurde. Roggen bleibt jedoch weiter knapp angeboten. Rur in Kleie werden weiter einige Umsätze getätigt. Mai» für Industrieawecke war stärker angeboten und vernachlässigt.
Im Vergleich zu den Rotterungen der vergangenen Woche blieben Weizen. Roggen unb Hafer gut behauptet. MaiS für Futterzwecke zog 0.75 Mk., Weizenkleie 0.25 Mk. unb Roggenkleie bi» 0.25 Mk. an. Weizen- und Roggenmehl konnten sich gut behaupten Mais für Industriezwecke büßte dagegen 0.25 Mk. ein.
Wochenbericht
vom Frankfurter Gchlaibtviehmarkt.
In der neuen Woche toar da» Geschäft am Frankfurter Lchlachtviehmarkt still. Obwohl der Austrieb in allen Diehgattungen, mit Au»nahme von Kälbern, geringer toar. schritten die Metzger nur langsam zu Käufen, was wohl daraus zu erklären ist, daß der Bedarf des Publikums an Fleisch in den Sommermonaten bedeutend geringer ist. Schafe wurden an beiden Markttagen nicht notiert, da die Händler fai onmäßig wenig Ware an ben Markt bri g n. Der De amtau t le » befand aus 1385 Rindern, darunter 2!K) Ochsen, 62 Bullen, 631 Kühe. 335 Färsen, ferner au»
mein Kommen. Es war im letzten Monat dreimal in seinem Hause eingebrochen worden, und er brachte die Einbrüche mit dem Minen Paket in Verbindung, das er von dem loten übernommen hatte. Natürlich erwartete ich irgend etwas Kostbares, das so viel Mühe lohnte, insbesondere da Silva als sehr reicher Mann bei seinen Nachbarn gegolten hatte. Ich fand den Schlüssel. Meine (Ent- tauschung können Sie sich vorstellen "
Dick drehte ben Schlüssel nachdenklich hin und her.
„Silva war Gärtner bei Lord Selforb, sagten Sie? Merkwürdig! Wo mag er feinen Reichtum herhaben? Hat er etwas Schriftliches hinterlassen?"
Sie schüttelte den Kopf.
„Aber paffen Sie nur auf, es kommt noch merkwürdiger. Ich steckte den Schlüße! in meine Manteltasche. Den Mantel ließ ich in der Stube hängen. Da6 war ein Glück für mich. Denn als ich ins Freie trat, stürzte ein Mann auf mich zu und riß mir die Handtasche fort. Als Leute auf meinen Hilferuf herbeieilten, war er schon verschwunden Die Tasche enthielt nichts von besonderem Wett, mein Geld und meinen Paß hatte ich beponiert, aber bie Einbrüche bei bem Priester kamen mir in ben Sinn, unb von nun an hatte ich keine rechte Ruhe mehr. Sobald ich an Lord bes Schisses war, hinterlegt« ich ben Schlüssel beim Zahlmeister."
„Und man hat Sie in Frieden gelassen?"
Sie lachte leise.
.^Zweimal sind meine Koffer durchwühlt worden, unb einmal lagen meine sämtliche Betten auf dem Boden. Aber man muß wohl dankbar (ein, daß nichts Schlimmeres paffiert ift"
„Allerdings", sagte Dick unb zog den Atem langsam unb tief ein. Er sah sich ben Schlüssel noch einmal an. Dann fragte er beiläufig: „Eoramstraße Nummer ...?"
Sie nannte fie chm, unb bann erst fiel ihr ein, baß fie bie Nummer eigentlich vor ihm verheimlichen wollte.
gab ihr bie geschloffene Schachtel zurück
.„Können Sie sich aus all bem einen Vermachen?" fragte sie ihn.
Er zuckte bie Achseln.
„Nein," gab er zu, „ich müßte erst bas Schloß sehen, in das dieser Schlüsiel hineinpaßt."
(Fortsetzung folgt) "


