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Das Problem Persönlichkeit und Masse spielt auch bei dem andern politischen Ereignis dieser Woche eine nicht unbedeutende Rolle, der De­mission des französischen Kabinetts. Dos Kabinett PoincarL,das Kabinett der natio­nalen Einigkeit" ist am Dienstag, dem Tage der amerikanischen Wahlen, zurückgetreten, nachdem die nationale Einigkeit" schon ein gutes halbes Jahr früher sich aus dem Staube gemacht hatte. Nichts­destoweniger bat es den Anschein, als ob der Name PoincarL auch die Zukunft beherrschen werde, sei es schon als Chef der neuzubildenden Regierung, sei es erst als der kommende Mann nach einem von ihm provozierten Interregnum, sei es als Präsident der Republik nach dem 1931 zu erfol­genden Abtritt des derzeitigen Präsidenten Dou- mergue. Die Vorgeschichte dieser Regierungskrisis ist interessant genug, näher erörtert zu werden, wenn es auch dazu nötig sein wird, etwas tiefer in die Geschichte der inneren Politik Frankreichs herabzusteigen, als im allgemeinen üblich ist.

Die Regierung, die Raymond Poincar6 im Juli 1926 nach vergeblichen Versuchen von Politikern verschiedener Richtungen unter dem Schlagwort der nationalen Einigung" mit dem ausgesprochenen Zweck, hie Währung zu retten, zustande gebracht hatte, hatte Männer der republikanischen Rechten, wie Tardieu und Marin, mit republikanischen So» Misten, wie Briand und Painleoö, und Radikalen, wie ijerriot und <5otraut, in sich vereinigt. Der Autorität PoincarLs, dem brutalen Willen des Diktators gelang die Aufgabe, vor der Caillaux' Finanzgenie, von kleineren Geistern ganz zu schweigen, hatte kapitulieren müssen: der Franc wurde stabilisiert, die französischen Staatsfinanzen kamen wieder In Ordnung. Aber mit wachsender Entfernung vom Abgrund des Währungsbankerotts wuchs auch die alte Zanksucht der Parteien des Parlaments. Seit dem Frühjahr war diena- tionale Einigung" nur noch notdürftig überlleiftert, nach der Gehorsamsverweigerung der Radikalen unter Führung Caillaux' ist sie endgültig zerplatzt. Die Süßeren Gründe für diesen Ausbruch der Lin- (en liegen in den ominösen Artikeln 70 und 71 des neuen Staatsbudgets, die in Abände­rung de s Kongregationsgesetz es, ge­wissen katholischen Orden und Missionsgesellschaften, die durch ihre Missionsschulen in den Kolonien auch im staatlichen Interesse Jätig sind, Ansvruch auf Rücker st attung ihres beschlag- nahmten Eigentums gewahren, mit anderen Worten auch Ordensniederlassungen auf französi­schem Boden zulassen wollten. Die radikalen Mit­glieder des Kabinetts, namentlich der zuständige Kultusminister fierriot, hatten sich mit dieser Maßnahme einverstanden erklärt, nachdem Pom- car6 ihnen ausreichende Zusicherungen gegeben hatte, daß von einer Rückkehr der Jesuiten keine Rede sein könne. Dem In Angers zusammengetrete­nen Kongreß der Radikalen Partei ge­nügten indessen diese Garantien nicht. Den vier radikalen Ministern, die in Angers ihren gemä­ßigten Standpunkt vertraten, gelang es zwar, eine vom Kongreß gefaßte Entschließung, die ein Miß- trauenßootum für das Kabinett dernationalen Einigung" bedeutet hätte, umzudiegen. Aber als sie, über ihren Erfolg zufrieden, am Abend nach Paris zurückgeeilt waren, gelang es dem linken Flügel, unter Caillaux' geschickter Führung, der Entschlie- ßung nachträglich eine Form zu geben, bie eine Mitarbeit der radikalen Minister im Kabinett Poin- car6 nicht mehr länger zuließ. In dieser Entschlle- ßung hieß es:Die gegenwärtigen Ereignisse haben den neuen Beweis erbracht, daß unsere Partei die Verpflichtung zur Wachsamkeit hat, da- mit nicht die Unantaftbartelt der Laie n- gesetzgebung gefährdet wird, die den standi- gen Angriffen von Parteien ausgesetzt ist, die weder von der Neutralität noch der Toleranz, noch von der gegenseitigen Achtung vor den Glaubensbekennt- niffen anderer befriedigt sind; aber es genügt nicht, wachsam zu fein. Wir müssen die Laiengesetzgebung in allen ihren Formen ausbauen ... Der Kongreß, Parlamentarier und Parteimitglieder, ist einstim­mig der Ansicht, daß die Existenz dieses Pro­gramms nicht mit der Formel der nationalen Ei­nigkeit sichergestellt werden kann ...

Die Laiengesetzgebung, auf die in dieser wort­reichen Erklärung des radikalen Parteikongresses angespielt wird, geht in ihren Anfängen noch auf Jules Ferry. den mutigen, Willensstärken Republikaner zurück, der als Bürgermeister von Paris nach dem Zusammenbruch des Kaiser­reiches den Aufstand der Kommune nieber- kämpfte und als Ministerpräsident Frankreich sein indisches Kolonialreich, Tunis und das Kon- gvgebiet, gab. Degen die Opposition der Kleri- kalen schuf er die moderne französische Volksschule. Aber die entscheidenden Schritte zur Trennung von Kirche und Staat erfolgten erstnachderDrey- fußassäre, die 1894 mit der wegen Verdachts der Spionage unschu'dig erfolgten Verurteilung des jüdischen Generalstabshauptmanns Dreysuß und seiner Verbannung aus d e Teuselsinsel begann unb erst 1906 mit der völligen Rehabilitation des Beschuldigten endete. Die Dreysußasfäre war gleichsam eine Machtprobe zwischen der bürger­lich-republikanischen Staatsautorität und dem klerikal-monarchistisch eingestellten Offizierkorps. Diese enge Verbundenheit zwischen den klerikalen Strömungen und den monarchistischen Elementen im Kampf gegen die dritte Republik gab dann den Anstoh zu den für die Herbeiführung der Trennung von Staat und Kirche entscheidenden Gesehen. Waldeck-Rousseau verbot 1901 den nicht vom Staat zugelassenen Orden die Er- teilung deS öffentlichen Unterrichts, sein Rach­folger CombeS hob alle Ordensschulen auf, ließ die Klöster schließen und für den Staat ein- ziehen und bereitete noch das Gesetz für die völlige Trennung von Staat und Kirche vor, das dann 1905 von Rouvier durchgeführt wurde. Wie sehr der Rame Eombes durch diese Kulturpolitik zum Symbol des Antiklerikalismus geworden ist, bewies erst vor wenigen Wochen die Tat einiger Fanatiker, die seine, chm in sei­ner Vaterstadt PonS errichtete Büste kurz nach der Enthüllungsfeier zertrümmerten.

Das Erbe EombeS' verwalten die Radi­kalen, während der heutige französische K erb kalismus sich um die Kceie der »Action f r a n $ a t f e gruppiert, d e in Maurras und dem durch seine amüsante Gntführungsgeschichte berühmt gewordenen LSon Daudet ihre Führer sehen. Mit dem Vatikan stehen die e Leute aller­dings nicht mehr auf sonderlich guten Fuße. Die Kurie hat sich ihrer royalistischen Bestrebungen wegen von ihnen losgesagt und es vorgezogen, unter Verzicht auf einen Kulturkampf, durch eine kluge und auch vom Staate geforderte Der- föhnungspoli'sik von der Republik Zugeständnisse auf kulturpolitischem Gebiet zu erlangen. Diese gemäßigte Politik dürften wohl in dem eben zurüagetrctenen Kabinett PoincarS selbst und Marin vertreten haben, während die Führer der antiklerikalen Richtung nicht im Kabinett, fern-

Die elsässischen Autonomisten des Kammermandais beraubt.

Ein Fußtritt für das Elsaß.

Die französische Kammer hat in einer recht bewegten Sitzung dem Mandatsraub an den elsässischen Abgeordneten Rick- 1 i n und Rossö ihre Zustimmung erteilt. Es wäre vielleicht anders gekommen, wenn nicht von kommunistischer Seite her in der taktlosesten Weise Dor gegangen und das Gespenst einer elsässi­schen Revolution und einer Loslösung Elsaß- Lothringens vom französischen Staate an die Wand gemalt worden wäre. Das hat den Fein­den der elsässischen Heimatbewegung plötzlich einen starken Zuzug verschafft, hat auch dieRadikal- Sozialisten und die Sozialisten bewogen, sich in der entscheidenden Abstimmung der Stimme zu enthalten, so daß der Antrag auf Abe rkennung des aktiven und des pas­siven Wahlrechts der Abgeordneten Rosse und Ricklin durchging. Sie müssen also die Kammer verlassen und werden vorläufig als parlamen­tarische Vertreter des elsässischen Volkes ihre Rolle ausgespielt haben, da nicht damit zu rech­nen ist. daß die gleichzeitig beschlossene Amnestie ihnen die bürgerlichen l^renrechte wiedergibt. Das schließt natürlich eine politische ^Betätigung in ihrer Heimat nicht aus, in der sie nun erst recht neuen Zulauf finden werden. Wenn es noch eines Beweises dafür bedurft hätte, daß Frankreich seinen nationalen Minderheiten gegenüber eine Politik der brutalen älnter- druckung und Entrechtung betreibt, dann ist er jetzt erbracht worden. Mit diesem Fußtritt, den die Kammer den Elsässern durch den Mandats­raub an Ricköin und Rossä versetzt hat, dürfte Frankreich sich wohl auch um den letzten Rest noch vorhandener Sympathien im Elsaß gebracht haben.

Die Abstimmung in her Kammer.

Paris, 9. November. (2JB.) Bei der gestrigen Abstimmung über die Aberkennung des Mandats ür Ricklin und Rosse haben sich 3 6 0 Abgeord­nete der Stimme enthalten. Für den An­trag stimmten 67 Radikale. 46 Mitglieder der Frak- tion Coudjeur, 13 Sozialrepublikaner. 6 Unabhän­gige Linke, 19 Linksrepublikaner, 21 Mitglieder der demokratischen und sozialen Aktion. 9 Mitglieder der Fraktion Marin und 10 Fraktionslose. Den Antrag abgelehnt haben 11 Kommunisten, 2 Radikale, 2 5o- zialrepubllkaner, 5 unabhängige Linke. 1 Unionist. 2 Mitglieder der Fraktion Marin, 5 katholische Demo­kraten und 2 Fraktionslose. 21 Abgeordnete fehlten. Sine Kundgebung in Straßburg.

Der Autonomist

Dr. Roos stellt dich den Gerichten.

Paris, 10. Rov. (WTB. Funkspruch.) Sn Straßburg fand gestern abend eine von den Autonomisten und Kommunisten organisierte

Protestkundgebung gegen den Beschluß der Kammer, die Wahl Ricklms und Rosses für ungültig zu erklären, statt. Der im Colmarer Pro­zeß verurteilte Dr. Roos, der sich nach Basel geflüchtet hatte, nahm an der Kundgebung teil, er erklärte, daß er sich den französischen Behörden stellen werde, um die Wie­deraufnahme seines Prozesses zu be­antragen. Dr. Roos trat in seinen Ausführungen für den Autvnomismus ein. Er wurde nach Ver­lassen des Saales, wie eine Agenturmeldung besagt, verhaftet und ins Gefängnis ein­geliefert Außer Dr. Roos haben auch zwei Kommunisten sowie der Autonomist Hauh. in der Versammlung gesprochen, nach deren Ende die Versammlungsteilnehmer in zwei Zügen durch die Straßen zum Rathaus marschierten. Diese Züge wurden gegen Mitternacht von Polizei und Gendarmerie aufgelöst. Hierbei wurden mehrere Verhaftungen vorgenommen.

Das Echo in Elsaß-Lothringen.

Pariser Schcrbcnpolitit reinsten Wassers.

Straßburg, 9. Noo. (TU.) Die elsaß-lothrin­gische Preße zeigt äußerste Erbitterung über die Un­gültigkeitserklärung der Mandate Ricklin und Rosts. Paris fährt auf dem Wege der Mißachtung der elsaß-lothringischen Belange fort", so heißt es in der Lothringer Volkszeitung", dem katholi­schen Metzer Blatt; man werde aber der Unzufrie­denheit im Lande durch solche Entscheidungen, die allzusehr nach der starken Hand riechen, nicht bei­kommen. Das fei allesScherbenpolitik reinsten Wassers". Ehrenpflicht der französi­schen Kammer wäre es, nach Ansicht desElsäs­ser Kurier", des Colmarer Heagy-Blattes, ge­wesen, das Urteil der elsässischen Wähler zu achten. Denn in einem Lande der Dolkssouveräni- tät müsse es gegen gerichtliche Fehlurteile Abhilfe geben. DerElsässer" (Straßburg, katholisch- autonomistisch) spricht von der furchtbaren Derant- wortung, die die Kammer auf sich lade. DerEl­sässer" macht P o i n c a r 4 und den sozialistischen Abgeordneten G r u m b a ch für die Abstimmung in der Kammer verantwortlich. Die Zeitung beschuldigt die Abgeordneten, die sich der Abstimmung ent­halten haben, der Feigheit und erklärt, daß die Ent- scheidung Zornestränen und tiefen Sch merz im elsässischen Volk auslösen werde. Sie schließt ihren Kommentar mit den Worten: Gott schütze das Elsaß!" Beachtlich ist auch der Kommentar der StraßburgerRepublique", eines Blattes, das dem Autonomismus feindlich gegen- übersteht. Es sei zu spät, gute Ratschläge zu er­teilen. Da aber keine bewiesenen Derbreck-en vor­lägen, hätte man die Gewählten des Volkes wider- spruchslos als die Vertreter ihrer Wähler anerkennen sollen. Das Blatt fragt, was gewonnen fei, wenn bei Neuwahlen an die Stelle von Ricklin und Rosts vielleicht Heagy und Stürmei treten würden. Man möge sich in Paris jedenfalls nicht zu sehr über die Scherben be­flogen, die es noch absetzen werde.

dem auf dem linken Flügel der radikalen Partei um Caillaux herum zu suchen sind. Caillaux ist der eigentliche Gegenspieler Poincarös, und damit enthüllt sich der Kampf um die Qaun- gesetzgebung recht eigentlich als ein Kampf dieser beiden ausgeprägten Persönlichkeiten.

Joseph Caillaux, fast so oft Ministerpräsi­dent und Finanzminister als sein Gegner Poin- carS, ist ein erbitterter Feind der Klerikalen und Konservativen, aus deren Reihen er allerdings selbst hervorgegangen ist, dessen Vater einst Fi­nanzminister in dem klerikal-monarchistischen Ka­binett des He.zogs von Brog'ir unter der Prä­sidentschaft Mac Mahons gewesen war. Der jüngere Caillaux schkug sich jedoch auf die andere Seite. Er wurde em Mitarbeiter Waldeck- Rousseaus und zog den ganzen Haß der Kleri­kalen auf sich. Die Hetze des reaktionären Figaro" gegen den damals amtierenden Finanz­minister Caillaux und die rächenden Schüsse der Frau Caillaux auf d:n Figaroredakteur 6 at­met t e im März des Kriegsjahres 1914 sind noch in aller Erinnerung. Während des Krieges wan­derte Caillaux alsDefaitist" und der Verbin­dung mit dem Feinde Verdächtiger ins Gefängnis und in d e Te:bannung. Seine Zuneigung zu Poin- car6, unter dessen Präsidentschaft dieS geschah hat es zweifellos nicht steigern können. Rach seiner Rückkehr in die aktive Politik wurde er Poincarös schärfster ©eg'er, seinem Ein luh ver­dankt der Ministerpräsident die Entschließung des radikalen Kongresses, den Sturz seines Ka­binetts.

Ob dieser Sieg Caillaux' endgültig sein wird, erscheint allerdings höchst zweifelhaft. Die Linke ist weder stark noch in sich einig genug, um ein eigenes Kabinett auf die Deine zu stellen. Und alle anderen Kombinationen dürsien nur mit Poincarö oder einem von ihm präsentierten Platzhalter an der Spitze Aussicht haben, vor den Augen des Parlaments Gnade zu finden. Auf das deutsch-französische Derhält- n i s wird die Entwicklung der Pariser Kabi­nettskrisis kaum irgendwelchen Einslu) haben, auch wenn, was kau n anzunehmen ist, ein Kabi­nett der Linken vorübergehend ans Ruder kom­men würde: Vereinbarungen, die mit Poincarä. sei es über die Reparativnsfrage. sei es über die Rheinlandräumung, geschlossen würden, fielen zweifellos höher im Kurs als Bindungen mit einer schwachen und unbestän­digen Linksregierung, die ein stärkerer Rach- f olger desavouiert oder in seinem Sinne au Siegt Also auch hier nur keine törichten Illusionen, sondern nüchtern und klar der Tatsache ins Auge geschaut, daß wir auch in Zukunft auf der Gegenseite mit einem Staatsmann von zähem, fast eigensinnigem Willen und unermüdlicher Ar­beitskraft zu tun haben, der fest entschlossen ist, aus den Verträgen alles bereu )zuholen, was ihm für Frankreich nützlich erscheinen mag. Stellen wir uns öarcu, ein. werden uns auch hier spätere Enttäuschungen erspart bleiben.

Eine Riesenbettugsaffäre.

Eine Wechsekb trugsassäre ganz großen Stlls ist gegenwärtig Gegenstand von Erhebungen der Berliner und Pariser Polizei. 3n diese Ange­legenheit spielen zwei Ramen hinein die in der Oessentsichkett allgemein bekannt sind. Litwi­

now und Holzmanm Bei Litwinow handelt es sich um einen Bruder des russischen Volkskommissars. Der groß angelegte Wechselschwindel, dem man anscheinend zu­erst in Paris auf die Spur gekommen ist, hatte sich zum Leidtragenden die russische Han­delsvertretung in Berlin auserwählt, doch ist, bevor ihr ein materieller Schaden zu­gefügt werden konnte, der Betrug auf gebe ckt worden. Bei den Wechselbetrügereien sind falsche Wechsel Im Betrage von vier Millionen Gold­mark in Umlauf. Der Bruder des russischen Volkskommissars Litwinoff hatte bis zum 1. 3uli 1926 Vollmacht für die Sowvelhandelsvertretung in Berlin. Holzmann hatte 1918 für die Ernäh­rungsabteilung der Sowjeiregierung umfangreiche Geschäfte getätigt und u. a. aus Deutschland die Einfuhr von Zucker vermittelt. Es muß befürchtet werden, daß die Wechsel, die nach außen hin den Stempel der Echiheit trugen, in die Hände Gutgläubiger gelangt sind, bie aus diesem Besitz Ansprüche an die Solch ^Handels­vertretung herleiten tonnten. Anscheinend sind die Wechsel in Deutschland nicht aufgetaucht, sondern vorzugsweise in Frankreich prä­sentiert wordem

füweränberte Lage im Eisenkonfliki.

Die Gegenklage der Gewerkschaften.

Essen, 9. Rov. (WTB.) Die drei Metall­arbeiterverbände haben beim Arbeitsgericht Duisburg eine Klage gegen den Arbeitgeber­verband Rordwest eingereicht. 3n der Klage wird beantragt, das Gericht wolle den Dellagten verurteilen:

1. In Erfüllung der tariflichen Erfüllungs­pflicht

a) die Aussperrungsanwersung zurückzuzie^-en, b) cs zu unterlas en, die im Kampfe befind­lichen Werke in direkten ober indirekten Maß­nahmen finanzieller, ideeller oder sonstiger Art zu unterstützen,

c) die hrrausgegebene namentliche Liste der ausgefperrten Arbeitnehmer zurückzuziehen und die Weitergabe dieser oder neuer Listen zu unterlas en,

d) die Mitglieder mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mi tein anzuha t .n, die getrof enen Kampfmaß nahmen rückgängig zu machen und neue zu unterlas en,

2. an die Kläger Schadenersatz zu zahlen.

Rückwirkungen

auf die hessische Wirtschaft.

Darmstadt, 9. Roo. (Landespresiediensl.) So­weit sich übersehen läßt, bleibt von der Metall­arbeiter-Aussperrung im rheinischen Industriegebiet auch Hessen nicht verschont, von einigen am Kamps beteiligten werken ist der oberhcfsischen Brauneifenfleingrube Gewerkschaft Luise in Weickartshain mitgeleilt worden, daß keine Abnahme von Brauneisenstein mehr erfolgt Die GewerkschaftLuise" hat daraufhin ihren Arbeitern bekanntgegeben, daß der Betrieb in vierzehn Tagen ft tilge (egt wird.

Falls es nicht gelingt, den Konflikt In der ®fen- Industrie alsbald zu beseitigen, werden auch die Opetwerke in Rüsselsheim, die in erheblichem Maße von der Rohstoff belief erung durch die nord- westdeutsche Eisenindustrie abhängig sind, in abseh­barer Zeit der Frage der Stillegung ihrer ge­samten Anlagen nähertreten müssen, falls nicht bald eine Beilegung im Lohnstreil der Rordwest- gruppe erfolgt.

Eine Kundgebung der Evangelischen Kirche.

Essen, 11. Rov. (Telunion.) Don der Pressestelle der evangelischen Kirche Rh inlands unb Westfalens wirb mitgeteilt: Wenn burch einen Wictschaftskamps, wie dem gegenwärtigen, in der Eisenindustrie für Hunderttausende von Familien große Rot droht, die Grundlagen deut­scher Wirtschaft erschüttert und die innere Befriedung unseres Volkes auf das schwerste gefährdet wirb, kann eine Kirche, will sie wirklich ihre religiössittliche Aufgabe gegenwartsnahe erfüllen, nicht schweigen. Ta.um haben sich die evangelischen Kirchen Rheinlands und Westfalens in einem bedeutsamen ernsten Schre eben an die Reichs regierung gewandt unb deren Einschreiten in den Eisen- kvnflikt als ein Gebot der Stunde 'gefordert. Verhandlungen der Schlichtungsbehörden Emncn. selbst wenn sie noch möglich wären, erst in langem Zeitraum wirksam fein. Direkte Verhandlungen der kämpfenden Gruppen fehlen, wohl aber stehen beide noch in Verhandlungsbereit­schaft da. Darum regt die evangelische Kirche des betroffenen Gebietes an, daß wirtschaft­lich erfahrene das Vertrauen bei­der Parteien besitzende Persönlich­keiten neue Verhandlnngen versu­chen. Allerdings müßten solche Verhandlungen von einer ganz offenen Aussprache über die letzten Gründe des gegentoärtigen Kampfes begleitet fein. Die Kirche muhte sich hüten, in wirtschaftstechnische Fragen oder in die im Kampfe aufgeworfenen Rechtsfragen sich zu verlieren. Wohl aber mußte die evangelische Kirche, die bereits durch weithin wirkende Kund­gebungen ihrer Kirchentage ein soziales Gewissen für unser Voll wurde, doch zum Frieden zu helfen versuchen, wo Friede noch möglich ist. Man darf erwarten, daß bie Reichsregierung versuchen wird, den vorgeschlagenen Verhand­lungsweg zu gehen.

Aus aller Wett.

Brand in kalifornischen Oelfeidern.

Sn den Santafe-Springs-Oelfeldern in der Rahe von Whittier (Californien) ist cme Oel- quelle in Brand geraten. 150 Feuerwehrleute versuchen, den Brand zu löschen, der bisher drei Bohrtürme zerstört hat und viele andere bedroht. Aus der annähernd 2000 Meter tiefen Quelle schoß plötzlich eine 30 Meter hohe Stichflamme hervor. Bald nach der weit- bin hörbarem Explosion griff das Feuer auf die benachbarten Bohranlagen über. Es entstand ein gewaltiges Flammenmeer. Viele andere benachbarten Oelquellen flnb auf« ern­steste gefährdet.

Die Wetterlage.

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Infolge der Kaltluftzufuhr ist das Hochdruckgebiet weiter nach dem Kontinent gewandert. Nächtliches Aufklaren ließ die Temperaturen besonders im nörd­lichen Deutschland unter den Gefrierpunkt sinken. (Hamburg minus 1 Grad, Hannover minus 4 Grad, Nordhorn minus 5 Grad.) Wenn auch im Nord- westen eine neue ozeanische Störung heranrückt, die bereits über Irland und Schottland infolge ihrer aufgleitenden Warmluft ein ausgedehntes Regen- gebiet verursacht hat, so wird unser Gebiet doch noch unter dem Einfluß hohen Druckes bleiben, so daß heiteres und trockenes Wetter für morgen zu erwatten ist. Leichte Nachtfrostgefahr bleibt noch bestehen.

WettervoraussagefürSonntag. Mor­gens stellenweise dunstig, tagsüber aufheiternd, leichte Nachtfrostgefahr, trocken.

Witterungsausfichten für Montag: Zeitweise wolkig, etwas milder, vereinzette Nieder­schlage nicht ausgeschlossen.

Lufttemperaturen am 9. November: mittags 6,2 Grad Celsius, abends 4.9 Grad Celsius-, am 10. Noo.: morgens 0,9 Grad Celsius. Maximum 7,2 Grad Cel­sius, Minimum 0,6 Grad Celsius. Erdtempera- turen in 10 Zentimeter Tiefe am 9. November: abends 8,7 Grad Celsius; am 10. November: morgens 4,2 Grad Celsius.