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Nr. NO Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Donnerstag, IO, Mai ;928

Oberheffen. -

Landkreis Gichen.

u. Klein-Linden. S. Mai. Sine günstige Entwicklung zeigt der erst im vorigen Frühjahr gegründete 2 adklub .Germania. Unter Leuung feines rührigen Vorsitzenden. Karl K l i n k l e r. hat sich die Milgiied«zahl im letzten Jahr au, 63 erhöbt. 2m Sonntag veranstaltete btt Klub fein Frühjahrsrennen, bas al­lerdings nur für die Mitglieder offen war. 5he zurückzulegend« Strecke betrug 45 Kilo­meter und führte über Großen-Linden. Lang­göns. Rleder-Klecn. Wetzlar und Dutenhofen. Um 6.30 Uhr vormittags traten 9 Mitglieder zur Schnelligkeitsprüfung an. Das Rennen ver­lief ohne Unfall, jedoch gaben zwei Teilnehmer unterwegs auf. 5Xe erzielten Zeiten müssen als gut bezeichnet werden Ss errang den 1. Sieg Walter Weller mit 765 Win., den 2. Sieg Ernst Jung mit 77 Min., den 3. Karl S <6 o u m II mit 775 Min., den 4. Karl 6 5 a u m I mit 81 Min., den 5. Hermann Müller mit 815 Win., den 6. Richard Lenz mit 84 Min und den 7. Sieg August Speier mit 845 Min. Infolge einer Werilotteri«, die der Verein im März abhielt, konnten 6 Saal- fportmaschlnen angeschafft werden. In nächster Zeit ist die Abhaltung eines öffentlichen Rad­rennens geplant, man rechnet mit einer größeren Beteiligung auch auswärtiger Rennfahrer

v Großen-Linden. 9. Mai. Der Des angvereinHarmonie" hielt am Sonntagnachmittag unter Leitung seines Lhor- meisters Wtlhelm SchSttler (Dreßen) im Saalbau Faber ein Konzert ab. das zu­gleich dem Andenken Franz Schuberts gewidmet war. Unter Blattpflanzen und Blumen stand feierlich vor der Bühne das Bild deS großen Weisters, das der Verein vor drei Jahren bei dem Fest seines 75jährigen Bestehens als Ehren­gabe erhalten hat. der Spitze der Dor- tragsfvlge kam aus Schuberts Trio OpuS 100 Ls-Dur desAllegro" zu einer eindrucksvollen Wiedergabe, während Die übrigen Sähe der Tonschöpsung in zeitlicher Verteilung immer wie­der zu dem Andenken ihres Weisters zurück- lenkten. Die Darstellung des DerleS durch Wil­helm Schüttler (Violine), Frl. Marie Eck­hardt aus Dietzen (Klavier). und Ernst Schneider aus Dietzen (Dello) erzeugte eine andachtsvolle Stimmung. Frl. Eckhardt be­währte sich autzerdem als feinsinnige Beglei­terin zweier Schube rischer Ehör«, insbesondere aber der drei Diolinsoli. mit denen Wilhelm Schättler seine Heimatgemeinde erfreute; ne­ben einem FrühlinaSlied von Wendelssohn und einem Walzer In A-'Shir von Brahms war es unftreirtg die Faust-Fantasie von Sarasate. die den Höhepunkt der instrumentalen Teile des Kon­zertes darstellt«: waS Wilhelm Schä111 er hier an vollendoter Technik und seelenvoller Wieder­gabe bot, rtfc die Zuhörer zu restloser Aner­kennung und begeistertem Beifall hin Die ge­sanglichen Rummern der abwechslungsreich zu­sammengestellten DortragSfolge zeigten den Ge­sangvereinHarmonie" aus der beacht­lichen Höhe, die er sich in der Fachkritik, zuletzt aus dem Wettstreit in Schotten, errungen hat. Wilhelm Schüttler hat sich hier als Chor­meister in langjähriger Schulung einen Klang­körper von fein abgestufter AuSdruckssähigkeit geschossen. Die Chöre nahmen die Stimmung, die die Zuhörer von drautzen auS dem prachtvollen Waiensonntag mit hereinbrachten, in anpassender Weit« auf und gaben sie durch Gesang und Musik, vertieft mit gröberem Reichtum an Gefühls­werten wieder zurück; schon mit dem ersten Lied Sonntag ist'-" von Dreu, wandte sich die in­nere Anteilnahme der Zuhör« den Sängern zu und steigerte sich zu begeistertem Verfall beiFrühlingsgruß" von Schumann.DaS Dörf­chen" und ..Heidenröslein" von Schubert.Durch junges Grün' von Elarus. Das volkstümliche Gepräge dieser Ratur- und Heimatlied« wurde noch der humorvollen Seite ergänzt durch ..Das

Rußmännchen" von Schaaf, kraftvolle Töne Han­gen aus ..Sch iis Heldenzug' von Werch. und das lebenslustige Äed der Wo trogen auS der Oper ..Der fliegend« Holländer' von Wagner gab den wirkungsvollen Ab'chluh. Das Kon­zert der Harmonie gehörte trotz des schönen Frühlingstages nicht zu den Veranstaltungen, denen im Hinblick auf ihren wertvollen Inhalt ein besserer Betuch zu wünschen gewesen wäre und die Zuhörer, darunter auch viele von aus­wärts. sanden reichlich, was ihnen «in Chor­lied zugesungc.. hatte ..Senn der Mensch will den Sorgen entrückt sein, die Seele im Liede beglückt sein, im Maien, im Maien."

m. Lang-GönS. 9 Mai. Sonntag unter­nahm der hiesige Geflügelzuchtverein einen wohlgelungenen Ausflug mit Besich­tigung des oberen Hardthofs (Tier­zucht-Instituts) nach Gietzen. Am Eingang des Hoses nahm der Referent für Geflügelzucht. Dr. Lang, die Teilnehmer in Empfang und gab ihnen kurze Erläuterungen über da- Ent­stehen des Institut«. An'chließenb fand ein Rundgang durch sämtliche Anlagen statt, eben­falls bei technischer Belehrung von feiten des Herrn Dr. Lang. Man war allgemein über­rascht über daS. was man h^r zu sehen bekam. Jedem Tierzüchter, insbesondere dem Geflügel­züchter. ist sehr zu empfehlen, eine Besichtigung dieses staatlichen Instituts vvrzunehmen. Auch der Deftügel.;ucht-Ver«in Kirch-Göns betei­ligte sich mit einer großen Anzahl Mitglied« an der Desichtiaung. Am Schluffe der Veran­staltung sprach Der 1. Vorsitzende. Herr Way, des Geflügelzucht-Vereins Lang-Göns Dr. Lana verbindlichsten Dank auS mit dem Wun'ch«. daß jeder Geflügelzüchter sich dieses Unternehmen ansehen mochte, well hier der Beweis erbracht wird, daß Leistungszucht und Rassegeflügel immer noch rationell sind.

D Li ch. 9. Mai. Dieser Tage ist d« mit Kleinpflaster versehene restliche Teil der Ortsdurchfahrt dem Verkehr über­geben worden Die gesamte Pflasterung der Ortsdurchfahrt wurde in 2 Teilen in den Jahren 1927 und 1928 durch die Stadt unter der umsichtigen Leitung des Oberbausekretärs Ka­le t s ch bei der Provinzialverwaltung Ober- besfen. Tiefbau in Dießen, hrrgestellt. Reben der Reupflasterung waren noch mannigfache Vor­arbeiten zu leisten. Hierher gehören der Einbau zweckentsprechender Strahensenklasten. d« Einbau ton zwei Einsteigschächten für eine Anzahl Was- ferleitungSschieb«. Verbesserung der Hofeinfahr­ten und Straheneinmündungen usw. Die alten Großpslasterfteine wurden restlos entfernt und können noch zum großen Teil für Pflasterung von Rebenstrahen. Gossenrinnen usw. Verwen­dung finden. Als Unterbau für das Kleinpflast« dient lediglich eine 10 Zentimeter starke, in Feld« von 3 auf 3 Meter abgeteilte Betondecke. Bau­leitung und Unternehm« haben es sich angelegen sein lassen, die Arbeiten in kürzester Frist fertig- zustellen. Zur Zeit läßt die Stadtverwaltung den freien Platz am E l f en ba hn Ü ber- gang der Straß« nach Hungen in bet gleichen Weise mit Kleinpflaster versehen und be­seitigt damit einen seit langen Jahren bestehen­den Uebelstand. Besonders während der schlechten Jahreszeit besand sich dieser Platz infolge deS ftorfen Verkehrs in einem trostlosen Zustand.

# Rabertshausen, 9. Mai. Die Ba­saltindustrie, die durch Pflastermeister Hch Zimmer von Bisses hier einen verheißungs­vollen Anfang genommen hatte, ist nach der Weiterverpachtung an die Gebrüder T r a i s e r- Schotien vollständig zum Stillstand gekom­men. Sämtliche Arbeiter wurden entlasten und haben in dem Hartbasaltwerk zu Ober-Wid­der Shei m Beschäftigung gesunden. Wie man hört, beabsichtigt der frühere Pächter den Betrieb wieder zu eröffnen. Der hiesige Bruch liefert einen vorzüglichen Basalt, der sich ganz be­sonders zu Pflastersteinen eignet, da sog. Son­nenbrandsteine fast nicht vorkommen. Eine Wie­de rinbetriebnahme wäre schon wegen der Fuhr­werksbesitzer sehr zu erwünschen, denen durch

Flüsse.

Von Anton Schnack.

Die Ginn.

Sie hat keine Bedeutung für die große Geographie Es kennen sie nur die, die an ihr wohnens Müller. Dauern, die Lehrer, die in den Dorfschulen den Kindern abhörcn müssen, daß es eine DreiteSinn und eine Schmale Sinn gibt.

Ich bin an ihr geboren, ich habe an ihrem Uferrand gesessen und die Forellen beobachtet und die Gründlinge, die von Stein zu Stein schoflen.

Mein Vater erzählte mit, daß sie aus den Wäldern und ton den Bergen kommt. Die Mönch« vom Kreuzberg in ber Rhön würden aus ihrer Quelle geweihtes Wasser schöpfen. Ich glaubte es und sah schwarze, undurchdring­liche, brausend« Wälder, aud denen die Rauch­säulen der Kohlenmeiler stiegen. Ihr müßt sie sehen, wenn der Uferrand voll gelber Huflattich- blätter steht. DaS wußte auch der Knecht Ki­lian. der zwei Pferde bei dem Bürgermeister des OrteS R'eneck zu betreuen hatte: « war der beste Pflüg« und liebte all« Mägde. Dielen Weg durch die Goldspur des Huflattichs ging er mit den Mägden, untergefaßt wie ein Raub­tier, daS schon die Krallen um feine Opfer gelegt hat. Aber sie küßten ihn' das sah man, wenn man hinter dem Weidenbusche stand.

Ich bin seit ttelen Jahren weg, aber sie floß, sie floß, sie floß. In der Taufe goffen fie wie meine Mutter sagte ihre Wasser üb« mich, das grün gct'umelt war von den Wald­schatten. daS kühl war von der undurchsonnten Luft in der Schlucht der Hügel: das mit schnellem und unruhigem Laufe durch die Wiesen schoß, mit kleinen kreiselnden Wirbeln und weißem Schaum an den Rändern: alles das goß der Pfarrer über meine Kinderstirne.

Ich hab« fie feit vielen Jahre i nicht mehr gesehen, ab« fie wird die gleiche geblieben fein, unruhig, ungehemmt, schnell und eilfertig, mit reißendem Drang über Steine und Wurzeln hinweg, Mühlen treibend. Räder drehend, gur­gelnd. waldgrün und übermütig. Ich aber bin müde.

Draußen bat mir die Welt geweht Draußen haben die Meere gelockt. Draußen haben die Städte getobt Draußen blühte die Liebe. Aber

hier war das Rauschen Tag und Rächt: und der Mülleriohn, dessen Fenster vom dampfen­den Gischt des Wehres tropften, hat eS immer gehört.

Daß ich nicht vergesse zu erwähnen: in dem Dorfe Burgsinn stehl ein altes Wasserschloß. Darüber konnte ich. wenn ich in fahl« Abend­dämmerung davorstand, das Pfeifen zweier Eulen hören. DaS Wasser darum ist braun, alt und unbewegt, Schilf wächst bis an die Mauer heran. Die Steine haben einen glitschigen Aus­satz und verbergen einen seuchtgcrüchigen Garten, ber von vielen blauen Schwertlilien einen Glanz von Stahl hat Der Turm ist quadratisch: er stellt sich wie ein erstarrter Riese gegen die wilden Wälder. Die Pappel daneben trieft im Herbst von Starenschwärmen.

Aus der Türe tritt ein alter Mann, der be­dächtig einen Angeistecken trägt und auf bad fleischfarbene Schaumkraut b« Wiese nicht achtet. Wir wollten mit ihm gehen. Er ab« brvhte düster mit d« Hand.

Die Fränkische Saale.

In der Schule wußte ich. wo sie entsprang. Jetzt müßte ich. um es wieder aufzufrischen, einen Atlas herauSsuchen und eine Karte von Unterfranken aufschlagen.

Da sähe ich bei dem Dorfe Alsleben, daß fie wie ein Haar aus dem Salzloch ob« wie es auch anb«e Dauern nennen auS bem Saalbrunnen heraus käme.

Da sähe ich. baß fie bei d« kleinen Stadt Gemünden langsam und ohne Eil« bem Main- fluh zur weiteren Reise sich anv« traue. Ganz nahe an ihrem Ufer steht ein Gefängnis. Aus ben Gitterfenstern winkt« manchmal eine braune eingekerkerte Handwerksburschenhanb.

In ihrem Tal liegt das Kloster Schönau. Da sah ich einen alten Mönch durch das Pfört­chen treten. daS daS Wappen der Bischöfe von Würzburg trägt Er trug eine Fischreuse an das User hinunter. Hi« ist auch d« Raine Molfsmünst« in die Karte eingeschrieben. Da wohnte ein Lehr«, ber den Hamen Rotaug hatte. Rotaug. daS war seltsam. Es gab Pfauen­augen. Ich stellte mir darunter einen Schmet­terling vor. Aber « war ein etwaS clown- hafter Mann, mit hüpfenden Bewegungen, auf ber Rase einen Zwick«, von dem eine schwarze Schnur baumelte.

Da- ganze Tal bestand aus Wiesen. In­mitten dieser Diesen, am Abhänge von Wein»

die Beförderung zur Bahnstation ein Verdienst erwuchs.

i. Ettingshausen, 9. Mai. Uns«« Dorf- lind«, die 1784 zur Erinnerung an ben Stie­ben von Münster und OsnabMck. ber den 30- jährigen Krieg beendete, gepflanzt wurde, ist nun gefällt worden. D« Baum war durch ein Unwetter fo beschädigt werden, daß er nicht nur keine Zierde mehr war,onbern. da ber Stamm mehrere Meier lang aufgenHen war. eine ständige Gefahr für den Verkehr bildete Beim Fällen stellte sich auch heraus, daß der ganze Stamm innen faul war ijs wurde deshalb nach Anhörung der Sachverständigen vom Denk- malpf leger die Erlaubnis zum Fällen des Baumes Gegeben, der aber sehr im Dorfbilde fehlt, so daß der Kirchenplah letzt einen ganz ungewohnten Eindruck macht.

s. Trais-Horloff, 9. Mai. Das Ergebnis ein« Haussammlung für ben Gustav- Adolf-Derein betrug tn unserem Kirchspiel 63 Mk. Davon entfallen auf Inheiden 25 Wk. auf Utphe 18 Mk. und auf Trais-Horloff selbst 20 Mk. Dazu kommt eine Konfirmanben- gabe für den Gustav-Adolf-Verein in Höhe von 7 Mk. Da unsere Kirche eine beträcht­liche Schuldenlast hat. hat die Kirch en­ge m e i n de v e r t r e t u n g ben Beschluß gefaßt, die Kollekten für bi« Ortsarme n. sowie bi« Klingelbeutelgelber künftig für kirchliche Zwecke zu verwenden mit ber Begründung, baß bis Armen- und Krankenunter- stüyung durch bie soziale D. e))ebung durchaus zu einer Sache des Staate- geworden sei. Früher befaß die Kirche bedeutende Mittel zur Unter­stützung: die Portsche Stiftung 3000 Mk.. die Mombcrgcrfche 1000 Mk.. bie Henkel'che 103 Mk. und bie Reunobelsche 410 Mk. Zu ben Zinsen dieser Stiftungen kamen noch aus bem Arm en hause zu Laubach auf Grund ein« Urfunbc vom 18. Oktober 1810 jährlich 42.86 Mk. Almosen. Diese Beträge sind burd) die Inflation ver- schwunben. Deshalb wurden In den letzten Jahren nur bie Kollekten am 2. Pfingsttag und Reujahr, b-e Vüchsengeld« bei Taufen und die Halste der Klingelbeutelgelber für die Armen verwandt. waS nun durch ooigen Beschluß in Wegfall kommt mit Ausnahme ber Tausopfer.

Kreis Friedberg

z£ Dab-Rauheim. 8. Mai Die Anlagen unseres Bades sind ein bekanntes Bogel- e l b o r a b o. Leid« sind auch hier manch« seltene Dogelarten gefährdet. Zu dielen gehört auch die H a d) t i g a l L Diese Sängerkönigin, hie in der Wetterau nabezu ganz verschwunden ist, ist hier noch zu Gast. Zur Zeit hört man an ver­schiedenen Stellen ber Anlagen hier noch drei Rachtigal 1 en schlagen.

'Butzbach, 10. Mai. Bei der weiteren Unter­suchung des Zusammenbruchs des hie­sigen Bankgeschäft- Arnold Lappe, über daS bekanntlich das Konkursverfahren er­öffnet wurde, während gleichzeitig ber Geschäfts­inhaber in Hast kam. wurde gestern auch der Prokurist der Firma, Herbold, von dem Unter­suchungsrichter einem mehrstündigen Derhör unterzogen und nach dessen Abschluß ebenfalls verhaftet. Die Festgenommenen befinden sich im hiesigen Amtsgerichtsgefängnis. Wie man hört, sollen die Verluste b« Einleger außer­ordentlich umfangreich sein, eine Anzahl Einwohner unserer Stadt dürften sogar ihrgan - zeS Derrn ögen bei diesem Bankkrach ver­loren haben.

Krc:c Büdingen.

h. Bad Salzhausen, 9. Mai. Um die hiesige, durch den Tod der Frau 21. Korell freigetoorbene Gemeinberechner st «He hat­ten sich von hier fünf und von Ribba ein Be­werber gemeldet. Der Deme.nbevvrstanb hat von den hiestgen Bewerbern den bei b« Dadedirek- tion beschäftigten Sekretär Jakob gewählt unb ihn bem Kreisamt Bübingen zur Bestätigung vvrgeschlagen. Der 00 a bebet rieb ist be­reits recht rege. In ben Privatpensionen unb im Kurhaus slnb schon eine größere An­

bergen, lag bie kleine Stadt Hammelburw Da­mals. zu meiner Zeit, hieß der Kaplan Martin, ber Lehrer Ungemach, der Bürgermeister hatte einen Eilenladen, es gab einen Kaufmann Schmal, einen Seil« Hahn, einen Bierbrauer Salch. Und bie Kameraden, mit denen ich zum Rohrschneiden ging, hießen Bindrum und Bet- häuser. Ich weiß nichts mehr von ihnen: beide wurden Apotheker.

Qlatb ber ersten Heuernte wurde der Fluß ge­stemmt unb durch viele kleine und große Gräben auf bie Wiese getrieben. DaS nannte man die Wässerung. Rach einer Woche wurde öle Stau­ung aufgehoben: in ben Tümpeln blieben die Fisch« zurück. Grausam fingen wir sie mit der Hand unb bem Messer.

Der Geometer, der es willen mußte, erzählte, daß bie Saale üb« ungeheuere unterirdrsche Holzlager flösse. Tausenb Meter unb noch tiefer lägen Die weißen Schichten. Unb « lieh uns aus ben Salz- unb Stahlbrunnen von Bad Kissingen trinken, von ihm Rakoczi unb Pandur genannt.

Erinnerungswürdig Ist noch: eine Ueberschwem- mung im Jahre 1909. Da kamen durch öle Brücke getrieben eine Hundehütte, ein totes ganz von Wall« aufgetriebenes Schwein und ein Backtrog Am 23. Mai 1907 fing ich als Knabe einen fünfpfündigen Hecht an der Angel. AlS er ausgeschnitten wurde, hatte er einen zweifingergroßen Wcihfisch im Schlund.

ES ist ein heiteres. warmeS Tal. Wald. Wiesen und Weinberg sind ben Ufern nahe. 3m Herbste blitzten auS dem abgeernteten Grase unzählige weiße Champignanhütc Das war auch um lne Zeit, wo ich mich mit ber Dauernmagd Katharina Weiganb aus Pfaffenhausen im Uferfchilf. nahe ber alten Holzbrücke, traf.

Der Main.

An feinen Ufern saßen bie Schnack»: die Dauern, die Jäger, die Wild««, die Glas­bläser. bie Beamten, bie Dichter: sein Wall« floß in ihr Blut. Sie waren Weinbauern: ich weiß nicht mehr wo, vielleicht In ben Ding«- ten von Escherndorf: vielleicht auf ben Höhen von Iphofen, mit großen schwermütigsüßen Au­gen. eckigen Stirnen unb verschwielten Härchen.

Der Wein floh in ihr Blut

Sie saßen in ben kleinen Städten: Dettekbach Kitzingen Ochsenfurt, Haßfurt unter bem Schat­ten der großen Giebelhäuser. Zinn an ben sprüngigen Wänben. Teller unb Krüge, Salz­fässer und Becher auf den Bordbrettern, betulich

zahl Kurgäste eingetrollen. 3m Kaufmanns- Erhv'.ungehenn wohnen über 100 Kur'remde Des Kinderheim hat auch schon 16 Kinder auf- genemmrn.

# Ober Didderrh«>m, 0 Mai. Mäh­rend im pcrpnaencn Jahre hier nicht weniger als fünf Wohnhäuser, darunter zwei roppel« Wohnungen errichtet wurden, ft o d t in diesem Jahre hier die Neubautätigkeit voll­ständig 7!cb«n geringfügigen Reparaturen an landwirtschaftlichen (Gebäuden wird nur eine neue Scheuer erbaut, wahrend Metzgermeister ötrbl« nant> Hain eine ^chlachthaueanlage mit Kühl­vorrichtung errichtet. Oas Aushören der Vautätig- teil hak feinen Grund vor allem in der Heran-

bzw Sperrung des sittlichen Bauzu- schustes der Schwierigkeit der Geldbeschaffung und der steigenden Materialpreise und Löhne.

.sirrt* Schotten.

n Laubach. 8. Mai Am Sonntag unter» nahm ber Zweigverein Laubach des Dogeisberger Höhenclubs einen Fa - milienauSflug durch blc herrlichen Wal­dungen auf ber Ttorbfclte unseres Städtchens nach bem Im anmutigen Tale des SeenbachS gele­genen Dorfe Lorbenbach Tk Führung ber zahlreichen Wanber'char hatte Dr. Wachtel übernommen. In Lardenbach gab Prvf Dr. R oeschen einige geschichtliche Mitteilungen über diese- Dors unb das unmittelbar angren­zende alte Gericht Ober-Ohmen. Lardenbach wird bereits (als Larbach) in einer Urkunde des Kloster« Lorsch vom 5. Rov. 776 genannt, wo ein Egllbert unb eine Hiltrubls je acht Morgen Landes jener Abtei vermachen. Wir können also hieraus auf einen verhältnismäßig recht frühen Anbau der Lardenbach« Gemarkung schließen Direkt an das Dors Lardenbach grenzt das Dors Klein-Eichen, nur getrennt durch einen alten Grenzgraben, der hi« daS solmsische und riebesellsche Gebiet scheidet. DaS alte Gericht Ober-Ohmen, bestehend aus Oder Ohmen, Rup­pertenrod. ilnterleibertenrob, Zellbach unb einem Tell von Wettfaasen, gehörte ursprünglich den Dynasten von Eppstein, kam nach deren Aus­sterben 1535 an daS Erzbistum Mainz unb wurde 1612 von dem Freiherrn Riedesel erworben. Rach dem Vortrag besichtigte man noch das kürzlich sehr geschmackvoll wieberhergestellte Kirchlein von Kletn-Eichen das der Kirch« von Groß- Eichen eingepsarri ist.

§ Ulrichstein, 9. Mai. Unter lebhafter Anteilnahme fast der ganzen Einwohnerschaft feierte am Sonntag der hiesig« Männer- gefangoereln fein 30jährlaes Stif­tungsfest. Am Vormittag fand nach kern Gottesdienst, an dem b« Verein geschlossen teil» nahm, in der Kirch« eine schlichte Feier statt zur Weihe ber dem Anbenken an blc fünf Im Weltkrieg gefallenen Mitglieber beS DerclnS gewibmeten Gedenktafel. Zwei vom Derein vorgetragene Lieb« umrahmten bie Frier, die auf die zahlreich« Gemeinde einen Hefen Eindruck macht«. Der Ort-geistliche hielt bie Weiherede unb nahm bie Weihe ber künstlerisch sehr schön auSgesührten Gebenttasel vor. bie er sodann bem DereinSvorsitzenden, Fritz Appel, üb«- reichte: bies« gab sie mit tles empfundenen Worten bem Vereinswiri Behr mann weiter, in bessen Saal fie einen würdigen Platz finben soll. Am Abend sand im Saal des Gastwirts G. Groh zur Feier des Tages ein Konzert mit sehr reichhaltigem Programm statt. Die ein­zelnen Stücke waren vom Dirigenten Wilhelm Daupert technisch glänzend eingeübt und wur­den uni« sein« schwungvollen, zielbewußten Leitung ausgezeichnet vorgetragen, so daß die Stunden biS Mitternacht wie Im Flug ver­gingen. In später Stunde wurden noch einige Begrüßungsansprachen mit den zahlreich erschie­nenen Vertretern der Bruder- und Nachbar­vereine auSgetauscht, u. a. sprachen ber Tor» sitzenb« bes Vogelsberger Sängerbunbe« unb der des Männergesangverein- Schotten, bie beibe bem Iubelverein zu seinen Leistungen sowie zu seinem beutlich erkennbaren Wachstum herzlich Glück wünschten. Nach Verleihung ein« grifh«en

in ihrem Hanbeln. stolz auf ihr bürgerliches Gesicht. Der Main floß an ihren grünen unb blauen Glasscheiben vorbei.

In ben Wäldern, im Steigerwald, im Spes­sart, in ben Hahbergen waren die Wilder«, bie Jäger unb Iagbpirscher. mit Holzgesichtern, sehnigen Beinen, zerzausten Bärten unb heißen Dogelaugen. In den dunklen Wäldern gingen sie zugrunde: auf ihre Grabkreuze hockt sich Im Wmt« der schwermütig: Kolkrabe. 3m Herbst waren sie ton einer fiebrigen Unruh«. Der Wald kam in ihr Blut.

Ich weiß, daß es einen weißen Main unb einen roten Main albt. Rot, wie selt­sam, dachte meine Knabenphai'.tasie. Die Quell« ber we.ßen Ab« ist erbärmlich: sie schießt wie ein Nein« Drunnenstrahl auS einem Wald­berg, ben sie ben Ochsenkopf nennen. Am roten Main, ben ich mir rot wie Blut dachte, war ich noch nie: unter Felsen des sog mannten GottesfelsenS, irgendwo Im fränkischen Jura steigt die Quelle herauf.

Der Main ist ber Fluß ber Flöh« Er ist ber Fluß der alten Steinbrücken, der Brücken­heiligen. der Wallfahrtskirchen, der Rönnen» Höft«, ber süßen Apselalleen. der Kilianstatuen, ber weißen Kalkhügel, ber Weinberge, der trie­fenden Sandschöps« unb d« goldenen Weizen­glut.

Mir ist manchmal, als röchen meine Hände nach Fifchen, denen wir im seicht«, Schilfdickicht mit grausamen Knabenhänben nachgingen. Mir ist manchmal, als hinge in mein« Haut ein Duft ton Wein, vor Menschenaltern haben ihn Hän­de b« Ahnen aus der Kelter gepreßt.

Von Kulmbach hab« ich viel« Bierfässer in ber Erinnerung, von Bamberg bk dunkle Dome glode, von Ochienfuri einen alten verschwärzten Turm, von Kitzingen einen heiteren Garten, von Würzburg eine zarte Riemenschncidergestall, von Gemünden eine verfallene Burg, von Dettelbach den Kttzenschrin um die ©nabenmabonna, von Lr»hr daS Rauschen des Waldes, von Miltenberg einen gnädigen Brunnen, von Klingenberg einen Ärug voll Wein, von Eschemdorf bie goldenen Zeilen der Trauben, von Ddertheim bie blühenden Ufer, von Staffelstein eine rote Wallfahrtsfahne, von Schloß Danz einen unterirdischen Mönch. DaS hat nichts zugedeckt und vergessen ge­macht. kein Meer unb keine südlich« Insel, nicht bie Segel der Adria und nicht die Gondeln Deneblgs, keine Frau unb kein Wald tn Si­birien. Es ist die Heimat. . . .