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Nr. 289 Drittes Blatt GiHener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag. 8. Dezember 1928

Zur WerbewocheGießen im Licht".

Gießen als Berlehrszenlmm

Die vom Verkehrs-Verein für die 3ett vom 9. bis 16. Dezember in die Wege geleitete Werbewoche »Gießen im Licht" stehl seit Tagen weit über die Grenzen unserer Stadt hinaus int Mittelpunkt des öffentlichen Inter­esses. Durch eine umfangreiche Reklame wurden die weitesten Devölterungskreise in der Provinz Oberhessen und in den angrenzenden preußischen Bezirken auf das bedeutsame Gießener Ereignis aufmerksam gemacht. Daß unsere Geschäftswelt von der Wichtigkeit dieser Veranstaltung über­zeugt ist. wurde nach außen hin schon seil Tagen deutlich sichtbar. 3n zahlreichen Geschäften hat man wiedevholt bis tief in die Rächt hinein an der Herrichtung der Auslagen und der be­sonderen beleuchtungstechnischen Einrichtung ge­arbeitet. In dm Straßen des Stadtkernes, der für den geschäftlichen Fremdenverkehr in Be­tracht kommt, sind allerlei Beleuchlungsesfekte sichtbar, ebenso sind für die Bestrahlung öffent­licher Gebäude eine ganze Anzahl Scheinwerfer bereitgestellt. Cs sind also alle Vorbedingungen gegeben, um den Besuchern unserer Stadt eine Lichtwerbung grohenStiles vor Augen zu führen. Dctzu kommt noch, daß nicht nur in den Geschäftshäusern, sondern auch in den Unter- haltungs- und Crfrischungsstätten weitgehende Maßnahmen zur Erfüllung aller Wünsche der Gäste unserer Stadt getroffen sind. Man kann hiernach wohl mit Sicherheit darauf rechnen, daß die neue Gießener Werbewoche einen großen Fremdenzustrom in unsere Stadt führen wird und daß alle Gäste mit dem Gefühl der Be­friedigung an diese Gießener Veranstaltung zu­rückdenken werden.

Durch dieses Werbeereignis wird die Auf­merksamkeit der an der kommunalwirtschaftlichen Arbeit interessierten Bevöllerungskrrise wieder einmal mit aller Eindringlichkeit auf Probleme gelenkt, die unsere Stadt und die in Betracht kommenden Rachbarorte schon seil Jahren be­schäftigen, die bis heute aber noch keine Lösung gefunden habm. Es handelt sich dabei insbeson- dere um die Fragen der Verkehrserschlie­ßung desGießenerHinterlandes. Der Interessenkreis der Stadt Gießen in wirtschaft­licher Beziehung ist ja nicht nur auf den polr- ttschen Kreis Gießen und auf Telle der anderen oberhessischm Kreise beschränkt, sondern erstreckt sich auch auf den südlichen und mittleren Teil des Kreises Biedenkopf, das sog. hessische Hin­terland bis über Gladenbach hin­aus. und auf Teile der Kreise Wetzlar und Marburg. Ein besonderes Schmerzenskind ist für uns und die interessierten Hinterlandorte bis heute noch die Verbindung mit dem Bie­bertal und den anschließenden Teilen des Gladenbacher Bezirkes. Dem Biebertal fehlt eine Bahnverbindung mit Gießen, die den berechtigten Anforderungen des modernen Ver­kehrs in ausreichendem Matze genügen könnte. Vor Jahren schon traten in Gießen und in den Orten des Diebertales, darüber hinaus aber auch in Königsberg, Fellingshausen, Crumbach usw. Bestrebungen zutage, die auf einen zeit­gemäßen Ausbau der B i e b e r t a l b a h n ab­zielten. Als großer Rachteil dieser Strecke wird einmal der w.itmaschige Fahrplan, zum andern das Fehlen der Fahrverbindung bis in das Innere der Stadt Gießen hinein empfunden. Die wirksame Beseitigung dieser Mängel kann nur durch einen Umbau der Bahnstrecke auf Rormalspurweite mit gleichzeiti­gem Anschluß an das Gießener Stra­ßenbahnnetz erfolgen. Dabei wäre die Um­stellung des Betriebes von der Dampfkraft auf elektrischen Antrieb vorzunehmen und im Zu­sammenhang damit das ganze Dahnunternehmen als elektrische Ueberlandbahn mit etwa stündlicher Fahrgelegenheit neu zu organisieren. Zur Erreichung dieses Zieles ist die Einschaltung der Stadt Gießen unb der Orte des Dieber- lales, daneben aber auch der Gemeinden Krof­dorf und Fellingshausen in das Dahnunterneh- men erforderlich. In welcher Form diese Ern- schallung der Stadt und der Gemeinden vorzu­nehmen wäre, sei hier nicht näher erörtert; es gibt verschiedene Möglichkeiten, an die man in diesem Zusammenhänge denken taiin, alle aber werden nur im Benehmen mit der jetzigen Dahn- betriebsfirma zu verwirklichen sein. Dringend not­wendig ist. daß man dieser Frage in allen imter- eHierten Gemeinden stärkstes Interesse unb tm gegebenen Augenblick auch die größte Entschlußkraft entgegenbringt, denn nur auf diese Weise könnte für die Be­friedigung der Verkehrsinleressen _ der All­gemeinheit Wirksames geschehen. Gin 3rrtereffe an der zeitgemäßen Umgestaltung der Bieber» talbahn mit gleichzelligem Ausbau eines even­tuellen Abzweiges über Krofdorf nach Fellm gs- Hausen usw. ist aber nicht nur auf feiten der Stadt Gießen und der Diebertalgemeinden vor­handen. Mindestens im gleichen Maße kann man Die gegenwärtige Dahnunternehrnerin als an Die» ser Angelegenheit interessiert ansehen, denn auch für sie wird eine neuzeitliche Detriebse.nrichtung mit gleichzelliger Ausdehnung des Streckennetzes von gewichtigem Vvrtell sein. Deide Telle solllen sich daher einmal die Frage vorlegen, ob es nicht an der Zell wäre, zur Lösung dieses Der» kehrsproblems sich an den Verhandlungstisch zu sehen und em Uebereinkommen anzustreben, das beiden Interessenten in gerechtem Ausmaße ent­spräche und neue Möglichkeiten für die künftige Erschließung des Bieber­tales und der angrenzenden Teile des Kreises Biedenkopf bis hinauf nach Gladenbach eröffnen könnte. Richt nur in Gießen, sondern auch in den Orten des Hinterlandes bis in die Gegend von Gladenbach würde man es begrüßen, wenn in möglichst naher Zell der De- völlerung Gelegenheit gegeben wäre, auf einer Ueberlandbahn GießenBiebertal und weiter mit Anschluß an das Gießener Straßenbahnnetz ohne Umstände bis in die Stadt Gteßen hineinfahren zu können. Die Reigung für ein derartiges Dahn- prvjekt ist in der Bevölkerung vorhanden. Es handelt sich jetzt darum, daß die zu den Ver­handlungen berufenen Stellen dre Wege gehen, die zur Erfüllung der Wünsche der Cinwohner- schast führen.

Bei dieser Gelegenheit seien noch zwei wellere Wünsche für die Ausgestaltung der Ver- k e h r s ve r b i n d u n g e n im Kreise ®ie- ) e n vor gebracht. Dringend wünschenswert ist, daß die Reichsbahn im Rahverkehr mit Gießen auf den oberhessischen Strecken sich nun endlich zur Einrichtung eines Trieb­wagenverkehrs entschließt, der die ziemlich großen Pausen m der jetzigen Zugfolge in be- riedigender Weise für das Rahverlehrsbedürsnis ausfilllt. Die Einrichtung solcher Verbindungen dürfte auch für die Reichsbahn annehmbar sein. Denn einersells muß die Dahn ati ein der Oeffentlichkeit dienendes Unternehmen den Wün- chen dec Bevölkerung so well wie möglich ent- gegenkommen, andererseits will die Dahnlellung möglichst an Betriebskosten sparen und bei denk­bar niedrigstem Unkostensatz den wirtschafüich wellgehendsten Ertrag erzie.en. Diese Grundsätze der Dahn auf den Rahvirkehr angewandt, weisen mit zwingender Schlußsolg.rung auf den Trieb- Wage nverkehr hin, da Züge, selbst sog. kleine Dampfzüge, den UnfoftenfaLor im Vergleich zum Ertrag zu sehr steigern würden. Die Reichsbahn- direktivn Frank,urt, die sich in den letzten beiden Jahren in anerkennenswerter Weise um den Aus­bau des oberhessischrn Fahrplans bemüht hat, kann sich erneut die volle Zustimmung weiter Devölkerungskreise des Gießener Wirtschafts­bezirks erwerben, wenn sie sich zur baldigsten Einführung der Triebwagen entschließen würde. Der andere Wunsch, den wir an dieser Stelle noch äußern möchten, betrifft den Kraft- omnibus-Verkehr im südlichen Teile des Kreises Gießen. Hier sind neuerdings dem Autobusuntecnehmen GambachGrüningen Gießen, das bisher zur vollen Zufriedenheit der Bevölkerung arbeitete, allerlei Schwierig­keiten bereüet worden zu dem Zwecke, diesen Be­trieb einer Privatfirma stlllzulegen und dafür ein anderes Unternehmen, dem die Reichsbahn nahesteht, in diesen Bezirk hineinzubringen. Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, soll das neue, von der Reichsbahn gestützte Unternehmen auch an anderer Stelle in der Rähe von Gießen .sich ein Feld erobern wollen, wobei ebenfalls ein bisher in befriedigender Weise arbeitender Kraftomnibus-Betrieb ausgeschaltet werden soll.

Verkehrswerbung gar mancher, dec sonst für die Wirklichkeiten des Lebens ein offenes Auge hat, ist versucht, den in diesem Wort lie- ?enden Begriff mit einer gewissen Gleichgültig- ell oder gar Ablehnung zu behandeln. Und doch tut in unserer Zeit des immer stärker werdenden Wettbewerbs nichts so not wie die Entwicklung und Entfaltung des Verkehrs. Ohne Verkehr kein Handel und Wandel, kein Güter­und Menschenaustausch. Daher muh der Ver­kehr zu stärkstmöglichster Entwicklung gebracht werden. Wenn man dies will, so muß man sich dazu entschließen, den Begriff Verkehrs- werbung vorbehaltlos zu bejahen.

Eine möglichst rege Verkehrswerbung ist un­umgänglich notwendig, wenn die Kommunal­wirtschaft gefördert werden soll. Denn eine solche, eine Wirtschaft der Kommune und in der Kommune, ist nur möglich, wenn Verkehr vorhanden ist. Hiernach muh es klar sein, daß Gemeindeverwaltungen, wenn sie ihrer Aufgabe, das Leben in ihrem Wirkungsbereich möglichst breit und tief zu entfalten, gerecht werden wollen, den Fragen der Verkehrs­werbung eine ganz besonders liebe­volle Sorgfalt zuwenden müssen. Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich die Frage er­hoben, ob die zu diesem Zwecke zu schaffenden Einrichtungen besser als gemeindliche Organi­sationen aufzuziehen sind, oder ob nicht besser, den Grundsätzen der Selbstverwaltung entspre­chend, der privaten Initiative Raum zu freier Entfaltung gegeben werden soll. Vielfache Er­fahrungen zeigen immer wieder, dah es falsch wäre, der freien Entwicklung Zügel anlegen zu wollen. Immer wieder kann man allerdings die Klage hören, daß in unserem lieben Vater­land zuviel Vereine bestünden. Dah in dieser großen Anzahl der verschiedenartigen privaten Zusammenschlüsse die Grundlage zu einem be­sonders stark entfalteten wirtschaftlichen und kul­turellen Leben gegeben ist, wird bei solcher meist negativen Kritik übersehen. Eines ist jedenfalls richtig: Auf dem Gebiete der Verkehrs Wer­bung kann auf die unabhängige, nicht von irgendwelchen Hemmungen eingeengte Tätigkeit, wie sie nur in der privaten freien Organisation^» form des Vereins möglich ist, nicht verzichtet werden, wenn man nicht gleichzellig auf die segensreiche Mitwirkung solcher Persönlichkeiten Verzicht leisten will, die um der Sache willen und uneigennützig sich in den Dienst einer Auf­gabe stellen, die sie als besonders wichtig und einer besonderen Förderung würdig erkannt haben.

In diesem Sinne hat es sich denn im Laufe der Entwicklung als eine nicht widerlegbare Tat­sache erwiesen, daß freie Verkehrsorganisatiönen notwendig sind. Hierbei hat e8_ sich als zweck­mäßig herausgestellt, auf die örtliche Instanz der Verkehrsvereine. Verkehrsausschüsse, oder wie immer diese Organisationen genannt werden, regionale Verbände aufzubauen, die möglichst genau abzugrenzende Gebiete zu» sammenfassen. Einen solchen vortrefflich arbei­tenden Verband stellt beispielsweise der D e r - keh rsbund Oberhefsen dar, der in der kurzen Zeit seines Bestehens bereits häufig beste Beweise rühriger Tatkraft und Schaffensfreude gegeben hat. Die regionalen Verbände sind meist wiederum in Landesverbänden zusammen- gefaht, welche die Spitzenorganisation in ihrem Lande darstellen und deren Aufgabe es nament­lich ist, den Verkehr mit den Amtsstellen in den zahlreichen Fragen zu vermitteln, die für die Derkehrssörderung des ganzen Landes Be­deutung haben. In diesem Sinne arbeitet in Hessen der Hessische Derkehrsverband, dem der Verkehrsbund Oberhessen, andere re-

Ohne uns in die Auseinandersetzungen zwischen den Deteiligten über die Bearbeitung des strilli- gen Verkehrsfeldes einmijchen zu wollen, möchten wir hier doch dec bestimmten Erwartung Aus­druck geben, daß bei diesem Ringen nicht etwa die Devöllecung und ihr Verkehr^bedürsnis ver- lachläfjigt und vielleicht gar zum Objekt einer Monopolbildung gemacht wird. Man wird von Gießen aus sowohl im Interesse unserer Stadt, wie auch zum Schutze der berechtigten Belange der Landbevölkerung im südlichen Teile unseres Kreises diese Bestrebungen genau im Auge behalten und unter Umständen bereit sein müssen, sein Schwergewicht zum Schuhe öffent­licher Belange mit Rach druck zur Geltung zu bringen.

Die städtischen Körperschaften von Gießen haben sich bisher, in klarer Erkenntnis der Wichtigkeit der Verkehrsfragen für dre wirtschaftliche Ent­wicklung der Stadt und ihres Hinterlandes, stets zu großzügiger Mitwirkung bei der Lösung dieser Fragen bereitgesunden. Alljährlich werden im Gießener Haushalt erhebliche Geldmittel zur Ver­fügung gestellt, die der Stützung von Kraft­omnibuslinien und der Förderung der regen Tätigkeit des Verkehrsvereins dienen. Aber nicht nur in materieller Hinsicht ist unsere Stadt an den Verkehrsunternehmungen beteiligt, auch in der geistigen Mitarbeit hat sie bei dem Qlufbau und der Ausgestaltung der wichtigsten Verlehrs- oetriebe mit in vorderster Linie gestanden, älnfere Stadtverwaltung und das Stadtverordneten- Kollegium sind also das darf in dieser Be­trachtung mit Anerkennung sestgestellt werden ihren Ausgaben auf diesem Gebiete neuzeitlicher städtischer Wirtschaft in vollem Maße gerecht geworden. Die nächsten Jahre werden in der Verkehrsarbeit voraussichtlich noch größere An­forderungen an die berufenen städtischen Stellen bringen, und zwar sowohl in geistiger wie in materieller Beziehung. Man darf gewiß fein, daß auch hierbei von der Stadtverwaltung und ihren Beratern und Mitarbeitern mit bestem Wlllen zu aufbauender, gedechlicher Arbeit im wohl- ertoogenen Interesse der Gesamtheit Gießens und seines wirtschaftlichen Hinterlandes an die Pro­bleme herangegangen wird.

gionale Verkehrsverbände, kommunale Körper­schaften der verschiedensten Art und zahlreiche Verkehrsorganisatiönen als Mitglieder ange­hören. Durch einträchtiges, verständnisvolles Zu­sammenarbeiten konnten gerade auch für Ober­hessen in Fragen der Derkehrsgestaltung wesent­liche Fortschritte erzielt werden.

In welcher Weise werden die Kommunen die Bestrebungen der Derkehrswerbung am besten fördern? In erster Reihe dadurch, daß sie den auf der Grundlage freiwilliger, ehrenamtlicher Tätigkeit auf gebauten Derkehrsvereinen und -verbänden bei ihrer Tätigkeit hilfreich an die Hand gehen, daß sie in ihre Arbeiten fördern und erleichtern, wo immer dies möglich ist, dah sie da tatkräftige Unterstützung leihen, wo es, wie in so vielen Fällen, ohne den starken Arm der Behörde nicht möglich ist, das eine oder andere Ziel zu erreichen. Tatkräftige Mit­arbeit der leitenden Persönlichkei­ten der Gemeindeverwaltungen in den freien Verkehrsorganisationen hat sich hierbei noch immer als besonders förder­lich erwiesen, ilnb so ist es stets zweckmäßig, daß biejeiligen Beamten, denen in ihrem Wir­kungskreis die Fragen der Verkehrsförderung anvertraut sind, in den Vorständen der Ver­kehrsorganisationen Sitz und S.imme haben, wie dies gerade auch an zahlreichen Stellen in Ober- Hessen (Auch in Gießen. D. Red.) und nament­lich int Vorstand des Hessischen Verkehrsver- bandes in, man kann wohl sagen, vorbildlicher Weise der Fall ist, in dessen Vorstand neben den Vertretern freier Berufe maßgebende Beamte der Landes-, der Provinzial-, der Kreis- sowie der Stadt- und Gemeindeverwaltungen vertreten sind, die in gemeinsamer Arbeit an der Er- teidjung der gemeinsamen Ziele Mitwirken.

Don besonderer Bedeutung ist es, daß die Verkehrsvereine enge Fühlung halten mit den Industrie- und Handelskammern, zu deren gesetzlichen Aufgabenkreis es gehört, für die Forderung des Verkehrs sich einzusetzen, "wo immer dies möglich ist, aus der richtigen Erkenntnis heraus, daß der Verkehr es ist, der allein Handel und Industrie zur Blüte bringen kann. Ilnb so hat es sich als zweckmäßig erwiesen, daß gerabe auch in weiterem Umfange eine P e r- fonalunion zwischen maßgebenden Männern der Industrie- und Handelskammern und der Verkehrsorganisatiönen Platz greift, wodurch die Gewähr zu verständnisvollem Hand-in-Hand- Arbeiten, wie es in Heften zwischen Industrie- und Handelskammern und Derkehrsverbänden dec Fall ist, geboten wird.

Und so steht es fest: Kommunen und Ver­kehrsvereine und als Dritte im Bunde die gesetzlichen Wirtschaftsvertretun­gen gehören in ihrer verkehrsfor­dernden Arbeit aufs engste zusam­men, sie sind untrennbar, sie müssen von allen, die es angeht, als auss engste miteinander ver­bunden betrachtet werden, namentlich auch von den maßgebenden Persönlichkeiten in der Ver­waltung in Land, Provinz, Kreis, Stadt und Gemeinde, von den Wirtschaftsführern, von allen denen, die aus freier Wahl und aus Liebe zur Sache sich der Arbeit an der Förderung des Verkehrs widmen. Gerade auf dem volkswirt­schaftlich so wichtigen Gebi.te der bestmöglichen Ausgestaltung des Verkehrs ist es notwendig, den Begriff der Selbstverwaltung im guten allen Sinne zu blühendem Leben zu er­wecken, einer Selbstverwaltung, in der die Arbeit des freien Mannes aufs engste Hand-in-Hand geht mit dem berufenen Wirken derer, die durch bas Vertrauen ihrer Mitbürger auf leitende Stellen der öffentlichen Verwaltung berufen sind.

Derkehrswerbung tut not!

Von Dr. jur. Jtoefener, stellv. Vorsitzenden des Hessischen Verlehrsvcrbandes.

Städte und Einzelhandel.

Von Or. A. Moeßner, Syndikus des Landes- Verbundes des Hessischen ckinzelhandels e. V.

Städte und Einzelhandel haben gar mannig­fache Berührungspunkte und gleichlaufende Intel - offen. Die Prosperität des Einzelhandels ist von dem Wohlergehen der städtischen Gemein­schaft abhängig, und ein großer Teil der Maß­nahmen einer Stadt greift lief in die wirtschaft­lichen und Lebensintereften des Einzelhandels ein. Cs wird daher von jedem einsichtigen Cinzet- händler eine gedeihliche Zus ammen - arbeit mit den übrigen Faktoren des öffentlichen Lebens einer Stadt drin­gend gewünscht, es muh aber auch andererseits bei der Öffentlichkeit das nötige Verständnis für die Eigenart des Einzelhandels, für seine Sorgen und Röte geweckt werden. Es wird daher notwendig sein, daß auch die Oeffent- lichkeit mehr über das Wesen und die Art des Einzelhandels erfährt, als dies durch gelegent­liche Zeitungsnotizen, die Tagesinserate und das tägliche Zusammenkommen bei der Tätigung von Einkäufen geschieht.

Die wirtschaslliche Mission des Einzelhandels besteht in dec Verteilung der Waren direkt an die Konsumenten, und es liegt daher auf dec Hand, daß kaum ein Wirtschaftszweig als Ganzes so auf Gedeih und Verderb mit Aufstieg und Riedergang dec gesamten Wirtschaft und mit der Kaufkraft der Konsumenten unmittelbar ü?r- knüpst ist, wie der Einzelhandel in allen seinen Zweigen. Daher auch das Bestreben des Einzel­händlers, lebendigen Anteil zu nehmen an den großen Fragen semes Gemeinwesens, seines Vol­kes, dec gesamten Volkswirtschaft. Der Einzel­handel ist ejn unmittelbarer Diener der Allgemeinheit, der das eine Ziel Hai und haben muh, den Konsum möglichst zweckmäßig und preiswert zu bedienen. Wenn er das tut, dann dient er der breiten Masse des Volkes, und ich glaube, man wird dabei daran denken müssen, daß jedes Mehr von irgendwie entbehrlichen Belastungen, sei es auf steuerlichem, sei es auf sozalpolllischem Gebiet, sich doch irgendwie in der Preisgestaltung aus­wirken muh. Durch die Hand des deutschen Einzelhandels find im Jahre 1926 schätzungsweise 28 bis 29 Milliarden geflossen, davon Lebens- mlltel und Getränke (ohne Handwerkerabfah in Fleisch und Brot) etwa 13,5 Milliarden, Tex­tilien 8. Möbel und Ein richtungsgegenstände 2,25 Milliarden. Dec gesamte Einzelhandels­umsatz für 1927 Dürfte mit 33 bis 34 Milliarden zu beziffern sein, der Umsatz des Jahres 1928 wird wohl auch diese Ziffer noch etwas über­bieten. Demgegenüber dürfte der Warenumsatz dec Konsumvereine im Jahre 1926 mit etwa 1 Milliarde zu beziffern sein. Trotz diesem Miß­verhältnis wollte man in dem Gesetzentwurf über den endgültigen Reichswirtschastsrat den Kon­sumvereinen vier Vertreter, dem Deutschen Einzel­handel nur drei Vertreter zusprechen. Auch die cafcl Der im Einzelhandel beschäftigten Per­sonen ist in ständigem Zunehmen begriffen. Rach der Betriebszählung von 1925 dürften im eigent­lichen Einzelhandel über 1,5 Millionen Personen lbeschäftigt gewesen sein, eine Zahl, die sich in­zwischen um mindestens 10 bis 15 Prozent weiter vermehrt hat.

Diese wenigen Zahlen mögen einen kurzen ilebcrbtid über die wirtschaftliche Bedeutung des Einzelhandels geben, sie können noch durch die Mitteilung ergänzt werden, daß die Vorstellun­gen dec Öffentlichkeit bezüglich der äle£er* sehung des Einzelhandels irrig sind. Reuere Zahlen, die auch im Statistischen Reichsamt an­erkannt werden, lassen erkennen, daß eine äleber- setzung des Einzelhandels gegen 1907 durchaus nicht erwiesen ist, daß sogar Gruppen, wie z. B. der Lebensmittelhandel, zahlenmäßig zurückge- gangen sind. Zu genommen hat, es ist dies zum Teil eine Folge neu ausgetretener Bedürfnisse, Der Handel mit technischen Artikeln, sowie mit Chemikalien und Tabakroacen. Es hat sich auch die Art des Konkurrenzkampfes zwischen den einzelnen Unternehmungen und Detriebsformen des Einzelhandels, hauptsächlich zwischen Waren­häusern und Spezialgeschäften, insbesondere aber auch durch das Hinzutreten neuartiger Handels­formen, wie z. B. der Einheitspreisläden zu- gespiht. Dieser Kampf um den Kunden ist in den letzten Jahren immer ausgeprägter und schär er geworden und hat auch un öffentlichen Leben einen gewissen Widerhall gesunden, z. D. auf steuerlichem Gebiet. Immer mehr wird von dem octsansäftigen Einzelhandel die Forderung auf­gestellt, daß die ortsfremden Betriebe mit einer Filialsteuer belegt toerben, um die verschiedene Höhe dec Besteuerung auszugleichen. Die in Hessen ansässigen Betriebe sind gegenüber den in Preußen beheimateten Filialbetrieben insofern mr Nachteil, als die preußische Gewerbesteuer ge­ringer ist und bei der Verrechnung zwischen Preußen imb Hessen, bzw. mit den hessischen Städten für die letzteren nicht so viel an Steuer herauskommt, als dies einem ortsansässigen Be­triebe gleichen Umfangs entsprechen würde. Ich halte es daher für dringend wünschenswert, daß sich die heftischen Städte gerade dieser Sorge des hessischen Einzelhandels annehmen, denn es ist ein unerträglicher Gedanke, daß zwei gleich- gerichiete Betriebe verschieden behandelt werden. Darüber hinaus vertreten wir auch generell die Meinung, daß jede Art des gewerblichen Be­triebes zur Gewerbesteuer herangezogen werden muß. Es verstößt gegen das Fundament der staatlichen Gerechtigkeit, wenn irgendwelche ge­werblich Tätigen außerhalb Der Gewerbesteuer bleiben. Wenn wir schon eine Gewerbe­besteuerung haben, die an sich eine Sonder- steuec ist, Dann soll sie auch alle Diejenigen fassen, die von Rechts wegen Dar­unter gehören. Gewiß, der Staat gibt nicht mir Rechte, er gibt auch Pflichten, und wir sind durchaus Der Meinung, dah eine Wiederher­stellung der so oft gelobten Steuerverhältniffe dec Vorkriegszeit niemals möglich ist, daß aber Die Ausgaben aller öffentlichen Körperschaften an sich in einem Derartigen Maße vermehrt worden finD, Daß keinem BerufsstanD das Recht der Kritik verwehrt werden Darf, insbesondere