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Nr. 6 Drittes Blatt

England.

Außenpolitische Umschau.

Don Dr. Otto Hoehsch, o. Pros, der Geschichte an der Universität Äerlin, M. d. Ift

□Denn nach Der Weihnacht-Pause die Parla­mente ihre Arbeit wie^r aufnehmen, so stehen die meisten unter ihnen vor der Frage, wann die Wahlen in dem mm begonnenen Jahre sein werden Damit wird naiurl ch auch die Außenpolitik in bte innenpoliri chen Au-elnander- setzungen he reingezogen. Es ist in verschiedenen Ländern, in denen man sich aus Wah.cn vor­bereitet. oerschteien, aber ganz kann sich keines diesem Zusammenhang entziehen, der an sich un ersreulich ist. Denn unter der Vermischung mit den Fragen uiC Gegensätzen der inneren Politik kann hie Behandlung der Außenpolitik, wie sie notwendig »ft, nur leiden.

dl ist bekannt, daß das am stärksten für Eng­land gilt, wo im Kamps der Parteien die Frage eine große Volle spielt, wie England zum Dölkervund stehe. Darunter ist verstanden die Frage, die der Völkerbund an England richtet nämlich wie weit der Völkerbund aus Mithilfe und Mitarbeit Englands rechnen fönae, wenn er seinen Friedenswillen gegen ein den Frieden gefährdendes Mitglied oder einen Richt- vdlkerbundsstaat durchsetzen wolle. Das ist die Frage, um die sich alle- dreht. Es ist die Kern­frage des Völkerbundes überhaupt, die an die Artikel 15. 16 usw anlnüpft.

England -- wa- heißt das dabei? Ist eS das British empirc, das bei der Abstimmung in Gens so ausgerusen wird und für das der eng­lische Außenminister die Stimme abgibt? Aber Kanada ist jetzt im Dölkerbundsrat und an der Ablehnung der groben, so gut wie selbständigen Glieder bei britischen Wejtre.chs von heute schei­tert ja jede positive Antwort auf jene Völker- bundssrage. Ist es nur das KönigreichEng- land und Schottland mit dem kleinen Slürk Vordirland. das dazu gehört? DaS ist wieder zu wenig und es ist nicht denkbar, dah dieser Teil, obwohl er da» Kernstück ist. über die Flotte verfügt, .vorläufig" auch noch die auswärtige Politik des ganzen Reich- beherrscht, für sich allein die Antwort au* jene Völkcrbundsfrage mit ..ja" gäbe. Eine politisch hochwichtige Frage ist damit gestellt: Die Steilung England- -um Völkerbund überhaupt. Da- erinnert an die ähnliche Situation fast genau vor 100 Jahren, an England- Stellung zur sogenannten Heili­gen Allianz, und der Geschichtskundige wird mit dem Vlick aus die Gegenwart sehr lehrreich dabei versolgen können, wann und woran Eng­land von dieser damaligen Verbindung der euro­päischen Staaten, die dem heutigen Völkerbund vielfach ähnlich war, absprang. Diele Frage be­stimmt die Verhandlungen im Sicherheits- Komitee. Sie wirkt von da weiter aus die Abrüstungsbewegung, die jetzt mit der Sicherheitsfrage unlösbar verknüpft ist. In ihr aber spricht noch ein weitere- Moment der Welt­lage mit.

England und Amerika standen im Kriege »usammen und wuchsen nach dem Kriege immer fester zusammen Die angelsächsische En­tente war mindestens sür die englischen Staatsmänner der erste Punkt ihre- außenpoliti- schen Programms. In diese Veziehungen ist ein Riß gekommen mit dem Scheitern der 6 e e - abrüstungSkonserenz im Sommer in Gent. Auf zwei Gebieten nahm Rordarnerika mit dem Ende de- Jahres 1927 noch eine Wen­dung vor, und von ihnen beiden geht die Rück- Wirkung weithin auf Europa. Das eine ist die Abrüstungsfrage, ander- au-gedrücd der Rüstungswille und RüstungSentschluh Rord- amerllae, zu dem Präsident Loolidge gekommen ist. Da- mag taktisch gemeint sein als Druck aus die stagnierende Aorüstuna-bewegung über­haupt. aber es wirkt gegen diese im ganzen und gegen den Völkerbund, in dem nun an- vererseitS gerade wieder Rußland auf diesem Gebiet mitarbeitet und dem s.ch Rußland im Ergebnis eine- längeren inneren Kampfes immer stärker nähert. Die andere Wendung liegt auf dein zweiten Gebiete der materiellen Rachkrieg--

Cs zogen drei Vurschen wohl über den Mein ....

Roman von (Erica Grupe-Lärche r.

11 Fortsetzung Nachdruck verboten

So versunken war sie in ihre Gedanken, io roe- nia interessiert für ihre Umgebung, daß sie die lenen, huschenden Schritte draußen auf dem läufer- bedeckt.',i schmalen Gang, der zum (Eingang der einzelnen Logen führte, nicht beachtete. Der schwarze Serdendomino hatte sich das Caouchon fest um ftaarc und Ohren gezogen. Selbst schwär;, seidene Handschuhe trug er, um nicht an Händen ober Ringen erkannt zu werden. Der schwarze Domino hatte den jungen Baron Mceste vorhin im Stich gelassen, oder oielmdjr nach einer getroffenen Verabredung sich von chm getrennt, als eine der Damen der Straßburger Gesellschaft ihn in ein Gespräch zog. Der Baron hatte dem Domino auf die Frage, warum er denn ständig mit seinen Blicken semand zu suchen schien, geantwortet: es ärgere ihn.' daß seine Kusine, die Baronesse Del- zin, dauernd so völlig verschwunden und im Ge- wühl untergetaucht zu fein schien. Vermutlich fei sie fortwährend von diesen deutschen Offizieren engagiert, von denen immer wieder einige Typs im Maskengewühl auftauchten. So war es dem Domino eine höchst willkommene und interessante Entdeckung, auf der Streife nach der Baronesse (um von Baron Alceste durch ein Geschenk belohnt zu werden!), hier oben in der Stille der noch im- besetzten Loge die Baronesse mit einem deutschen Herrn zu sehen! Es war der Maske gelungen, den letzten Teil der Unterhaltung aufzusangen. Fetzt hielt sie es für klüger und vorsichtiger, wieder aus dem Gang vor den Logen zu verschwinden, bevor der deutsche Herr zurückkam und ihr begegnen konnte. Sie wußte nun genug mit der Verabredung des jungen Paares, hier oben in einem offenbar gesuchten kleinen Detc-a-tek zu soupieren!

Nichtsahnend und in bester Stimmung betrat Dietroart von Schätzer wieder die Loge Er w:cs Melusine lächelnd eine kleine bedruckte Karte, die ihn zum Logeninhaber machte.Dir haben sehr gut daran getan, uns diesen ruhigen Winkel zu

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesse»)

fragen, der finanziellen Liquidierung. Der letzte Vericht des Reparationsagenten, also des darin wichtigsten Manne- stellte die Frage zur Diskussion. Er eröffnete das Gespräch über die endgültige Festsetzung der deutschen Repara­tion-schuld und er ero'tnct damit, wa- Herr Gilben jjenau so gut weih wie wir. die Dis­kussion über die Revision des Dawes- Plans und die Schuldenlraze überhaupt.

Für England wieder ist die letztere Wen­dung ein Vorteil. England hat seine Schul­den an Amerika arrangiert England hat ein Interesse daran, dah Deutschland in der Freiheit. Auslandanleihen auszunehinen, beschränkt werde. England würde eine solche Politik^ die die Fi­nanzfrage der Vereinigung sowohl flcqc.iübcr Deutschland wie auch gegen bet Frankreich zu- führt, unterstützen Dagegen ist die Wendung aus dem ersteren Gebiet zu Eng.and- u n g u n st e n. Denn mit einem amerikanischen Rüstung-Willen in biekm neuen Stil stellen sich für England die größten Fragen seiner Marinepolitik überhaupt: Grad und Stärke seiner Flotte, die da» Meer nicht mehr allein beherrschen kann, und Art und Möglichkeiten eine- VlockaderechteS, da- bisher infolge der englischen Ucbermacht Seeunrecht war.

WaS sind da- für gigantische Schwierigkeiten und Probleme der englischen Außenpolitik! Man versteht, da- darum im Wahlkampf gekämpft wird, auch wenn das heule erst nur zum Teil ersaht und formuliert ist. Und man begreift, dah diese Auseinandersetzungen an die Grund­festen deS englischen Weltreichs rühren, diese- irn großen Spiel der europäischen Gegensätze und Verhandlungen bann aber immer aktion-unfähi­ger machen. Gewiß, wenn England will, wird keine der europäischen Spannungen zur Ge­fahr. Aber ebenso gewiß: wird eine solche Span­nung unter englischer Mithilfe oder Mitschuld zur Gefahr, so wird England dem darin De- iangenen ganz gewiß nicht VundeSgenosse und Hilfe fein, weil eS das gar nicht kann.

Die Situation für England heute ist ganz an­ders. als sie Im Juli 1914 war mit dein Snt- sch'uh Sir Edward ©reb$. in den Krieg einzu» treten Die Welt weih, w.e sehr diese- England von heute durch seine inneren Auseinander­setzungen und durch seine rie'enhaften aiHenpoli- tischen Schwierigkeiten gehemmt, gelähmt, ge­fesselt ist ES ist ein Lebensgebot für das eng­lische Reich von beute daß eine längere Zeit in Europa Frieden blc.be. und das Rezept da- manches englische Kabinett in der Vergangenheit befolgte, zieht heute nicht mehr die anderen auf­einander zu Hetzen, selbst im Trüben ftkfrm und die anderen die Kastanien aus dem FeiZrr holen zu lassen.

Wir sind infolge der gewaUigen Traditionen der englischen Politik zu sehr gewöhnt, diele Formeln, diese Schlagworte zu gebrauchst Wir sollen sie ansehen auf da-, wa- jie in de, Reali­täten von heute bedeuten und bedeuten können. Da- aber heiht, um nun au- all dem zu Deginn deS Jahre- da- Fazit zu ziehen, daß die Fragen des kontinentalen Europas, die im Westen und Osten heute immer enger mit einander verwachsen, nur durch Verständigung inner ha ld dieses fontinentalen Europas wirklich vorwärts ge­bracht werden können. Europa kann für feinen Wiederauibau. für feine dauerhafte Rechts- und FriedenSordnung England ganz ohne Zweifel niemals entbehren, aber kein Teil de- konti­nentalen Europas kann eine solche m i t England gegen den anderen Teil des Kontinent!- schaf­fen oder durchsetzen. AuS diesen allgemeinen ©äsen ergibt sich sehr Bestimmtes für das Ver­hältnis zwischen Deutschland und Franlaeich und ebenso für die Politik im Osten und schließlich auch für die Frage, von der wir ausgirgen. in­wieweit die Innenwahlpolitik auf die Außen­politik bei uns und in Frankreich einwirken wird oder kann oder darf. Die Lage ist wohl so, dah dieser Zusammenhang für England sehr viel stärker sein wird, als in der Wadi» bewegung Frankreichs oder Deutschlands!

Das Gesetz über die Umlegung von Bauland.

Die weittragende wirtschaftliche Bedeutung dieses hessischen Gesetzes ist in der Oefsentlichkeit bis jetzt noch wenig bekannt geworden. Man darf das Ge'etz als eine Ergänzung z u dem Hessischen F e l d b e r e i n i g u n g s g e s e y bezeichnen. Während bas Gesetz über die Feld­bereinigung eine Zusammenlegung und Reuauf­teilung der Grundstücke zur Forderung der Land- wirllchaft erstrebt, geht der x;tocd des Gesetzes über die Umlegung von Bauland da­hin, eine Zusammenlegung und Reuzuteilung von Grundstücken vorzunehmen, um Bauland z u erschließen und geeignete Baugrundstücke, sowie daS für Straßen erforderliche Gelände zu gewinnen. Die große Bedeutung des Gesetzes über die Umlegung von Bauland bestehl darin, dah Gemeinden uno Grundeigentümern die Mög­lichkeit gegeben ist. auch ohne dah eine Feld­bereinigung in der Gemarkung ftattfinbet. im Wege dieses Gesetze- eine zweckmäßige Einteilung von Baugelände zu erhalten, die sie sonst nicht erreichen würden, da erfahrungsgemäß dieses Ziel im Wege freiwilliger Verhandlungen mit den be­teiligten Grundeigentümern kaum und nur in seltenen Fällen erreicht wird. Die weitere Be­deutung des Gesetze- liegt darin, dah diese- die Schaffung von geeignetem Baugelände überall da ermöglicht, wo die Feldbereinigung Halt­machen muh. d. h. im Gelände innerhalb deS Ortsbauplans. DaS Gesetz bildet also eine wert­volle Ergänzung zur Feldbereinigung in den da­von ausgeschlossenen Geländereiten.

Das Gesetz über die Umlegung von Bauland wurde im Jahre 1920 durch den hessischen Land­tag geschaffen, und -war in erster Linie im Interesse der Wohnung-furforge zum Wohle der Allgemeinheit. Durch das 2lbänderungSge!ey vom 6. Oktober 1927 erfuhr es eine Revision, welche die mit dem Gesetz in der praktischen Durch­führung gemachten Erfahrungen berücksichtigte. Die ursprüngliche Bestimmung des Gesetzes vom 6. Rovember 1920, wonach dieses nur in Ge­meinden mit über 10 000 Einwohnern mit Städte­ordnung galt und in anderen Gemeinden nur auf jedesmaligen besonderen Antrag durch eine dem

Landtage vorzulegende Verordnung für anwend­bar erklärt werden konnte, erwies sich in der Praxis als zu eng. da sich in vielen größeren Landgemeinden, besonders in industr ellen Vor­orten, das Bedürfnis zur Anwendung des Ge­setzes herausftellte. Durch daS AbänderungS- gefetz vom 6. Oktober 1927 ist da- GSfetz nun­mehr für alle Gemeinden anwendbar und zu- läsfig. Als eine wesentliche Verbesserung deS Gesetze- muh ferner die neu geschaffene Be­stimmung angesehen werden, bah bei bvr Durch­führung des Umlegungsverfahren- nuwmehr auch in Anlehnung an das Feldbereinigungssgeseh die Bildung von Massegrund stücken vorge­schrieben ist. und dah die Kosten deS Verfahrens, wie bei der Felbbereinigung. auch durch Veräuße­rung von Massegrundstücken aufgebracht werden können.

Der grundlegende Art. 1 deS DeseweS in der Fassung der Bekanntmachung vom 10. Oktober 1927 stellt die Tendenz deS ganzen Gesetzes auf, indem er bestimmt, daß Grundstücke -um Wohle der Allgemeinheit auch gegen den Willen der Grundeigentümer gufanonengelegt und neu aufgeteilt werden können, um Bauland erschließen und geeignete BaupVtze, sowie für Straßen erforderliche Land zu. gewinnen.

Die Ausführungsvorschriften zu dem Gesetz er­klären auch andere Gründe als 3nHereffen der Wohnungsfürsorge für zulässig, so z.D. Gründe des Verkehr-, der öffentlichen Gesunkcheitspflege, vor allem auch Gründe rein privater wirtschaft­licher Art. Eine Umlegung kann auch veranlaßt werden, wenn infolge Zerstörungen durch Brand oder andere Ereignisse die Wiederbebckuung eines größeren Ortsgebietes erforderlich toirfb. Wichtig ift, dah einzelne bebaute, oder aus anderer Ur­sache besonders wertvolle Grundstücke. b;c im Umlegungsgebiet gelegen sind, von der Umlegung ganz oder teilweise ausgenommen weichen können. Als besonder- wertvoll können auhar bebauten Grundstücken z. B. angesehen werden: Fabrik­gelände, Gärtnereien. Baumschulen usw. Vor­aussetzung sür ein Daulandumle - gung-verfahren ist ein genehmigter

sichern, Baronesse, denn unten schwillt das Ge­dränge immer mehr an. Ich habe noch nie einen Armcnball hier mitgemacht, der so stark besucht war, wie der heutige!"

Ilm so besser!" dachte Melusine,desto schwerer findet mich Alceste. Und desto eher kann ich diese Ausrede haben!'

Gerade als Melusine und Dietmart sich einan­der gegenüber an dem schmucken, kleinen, Humen- verzierten Tische niedergesetzt, betrat ein Kellner die Loge. Er ließ einen schnelle Blick über bas junge Paar gleiten, und legte sofort möglichste Diskretion in sein Benehmen.

..Was wünschen Sie zu wählen?" fragte Diet­mar! und reichte ihr die Speisekarte, die der Kell­ner auf den Tisch gelegt. Er vermied absichtlich die AnredeBaronesse .

Alles! Es ist mir Keich," lachte sie,nur nicht bas Starnmcffen aller Restaurants: nur nicht 'Jtoft- beef garniert! Schlagen Sie vor!"

Er überflog die Seite.Als Entröe: kaltes pain von Gänsefeder, ober lieber Languste mit Mayonnaise-'

Lch bevorzuge ben Hummer mit Mayonnaise!'

Dann schlug er ihr mehrere Platten vor, die man als zweiten Gang nehmen konnte. Sie ent­schied sich für Kalbskotelette mit Champignon- gemüle. Zum Nachtisch einen Savarin mit Vanille- creme, eine der föftiidtften Sahnenspeisen. wie die Straßburger Ronbitorcien sie so herrlich herzustel- len verstanden.

Nachdem sich der Kellner mit feinen Aufträgen wieder entfernt und die Weinsorte ebenfalls He- wählt worden war, sprachen sie über den ffl.-tn, den jeder von ihnen bevorzugte.Ahmannshäu- l'er!* rühmte Dietroart,roten Äßmannshäuser, der auf der Schieferglut nahe dem Niedcrwalddenkmal gewachsen ist!'

Weißer Burgunder ist mein Lieblmgsweink Kennen Sie ben9 Der ist im Glase wie Helles Gold. Und gleitet einem wie Steuer durch den Kör­per! Meine Großmutter hat einen Vorrat im Kel­ler! Wenn wir ben Geburtstag von Raymond bei ihr draußen feiern, läßt Großmutter chn jedesmal servieren! Dann müßten Sie auch einmal dabei fein, Herr von Schölzer!'

Dann brach sie plötzlich ab. in dem Gedanken, daß ihre Großmutter wohl nie den Sohn einer deutschen Seamtmfamifie als Gast zu sich bitten

würde. Vielleicht dachte Dietroart In diesem Mo­ment dasselbe. Die starre Haltung der greifen 'Ba­ronin oon Hammerschlag, die gegen die einstige Einverleibung von El saß-Loch rin gen mit Deutsch- land Opposition machte, war stadtbekannt. Und um die plötzlich auffteigenbe peinliche Pa He schnell zu überbrüden, erzählte er nun: .Ich habe kürzlich Gelegenheit genommen, Ihre Frau Großmutter ausxusuchen. Um offiziell meinen Danf für all die Gastlichkeit und Hilfe auszufprechen, die ich neu- lich in ihrem Schlosse gesunden habe. Zu meinem Bedauern konnte ich meinen Dank nicht persönlich Vorbringen, denn ich erhielt ben Btttchcrd, Ihre 3rau Großmutter sei unpäßlich. So hinterließ ich meine Visitenkarte und habe mich schri'ttich be- banftl'

Eine kleine Pause entstand. Melusine sann über den Bericht nach. Vielleicht war itjre Großmutter an jenem Tage tatsächlich unpäßlich. Vielleicht aber vermochte sie es nicht über sich au gewinnen, den jungen deutschen Beamtensohn offiziell bei sich zu empfangen?

Sonderbar, die Strahlen jenes C&lebniffes reck­ten sich immer wieder stoischen sie beide herein! Gerade jetzt, wo ihre jungen Herzen sich hoben, wo fie pochten vor Lebenslust und Freude, trat jene schicksalsschwere Stunde des dämmernden Wintertages draußen auf dem Schlosse Hammer- schlag mit seiner Wende zwischen ßeben und Tod vor fie hin!

Während der Kellner ab und zu ging, servierte und die Teller wechselte, unterhielt man sich in ungejungenem Gespräch über femertiegenbe Themata. Man sprach vom Reiien. Melufine er- S'hlte von Paris, von der Lorrrühlmgsreise, die im vergangenen Jahre mit Mutter und Vetter ceste nach Nizza und Mentone unternommen. Dann berichtete er noch von seinen Fahrten mit ihrem Bruder Raymond, die jdbesmal über den Rhein hinüber ins Herz von Deutschland gegangen waren. Mit Vorliebe nach ThlLringen. wo D?et- wort nahe Verwandte auf eurem großen Gute hatte. Dort nahm man jedesmal die beiden Freunde aus Straßburg aufs gastlichste aaf. Fast mit etwas leisem Neid h?tte Melusine ben Bruder von die­sen kösttichen Fahnen nach Weimar und der Wart- bürg, dem liebreizenden Fricdrichsroda nach seiner Rückkehr erzählen hören.

Samstag, 7. Januar 1928

Bebauungsplan Das Verfahren wtrd ein» geleitet durch Antrag entweder von der Gemeinde, oder von mehr al- einem Fünftel der beteiligten Grundeigentümer, die mehr al# ein Drittel der Fläche des UrnlegungSgebieteS besitzen. Ob ein rechtSgültraer Antrag der Gemeinde vorliegt, ist nach den Vorschriften der Städteordnung oder der Landgemeindeordnung zu entscheiden. Als Be­teiligte gelten außer den Grundeigentümern auch die Gemeinden und selbständigen Gemarkungen, in deren Bezirk Grundstücke liegen, die von der Umlegung ersaßt werden.

DaS das Umlegungsverfahren betrifft, fo gliedert sich dieses in folaende Abfchnitte Fest­stellung der Flächen. Feststellung und Zuteilung der neuen Daugrunbftüdc einschließlich der zu leistenden Entschädigungen. Festltellung und Verteilung der Kosten. Verfahren über bte wei­tere AuSiührung der Umlegung, zu letzterem gehört die Einweisung in den neuen Besitz, die Auszahlung der Entschädigungen. Berichtigung deS Grundouchs, Zusertigung Der neuen digen- tumSurkunden. WaS die Umlegungsgrundfätze anbelangt, fo find biefe fast analog dem Felb- bereinigungSversahren. Alle von der Bouland- umlegung erfaßten Grundstücke werden in einer Masse vereinigt. AuS dieser wird zunächst daS Land ausgeschieden. daS nach dem Bedauung-- plan für die künftigen Straßen bestimmt ist und der Gemeinde überwiefen. Das für die künftigen Straßen erforderliche Gelände geht unentgeltlich in das Eigentum der Gemeinde über, soweit es 35 Prozent der von den Eigen­tümern in die Masse eingeworfenen Grundflächen nicht übersteigt. AuS der Masse wird weiter daS für die Bildung etwaiger 2Uasfegrundstucke erforderliche Gelände, sowie daS für Erfüllung unmittelbarer oder mittelbarer Aufgaben des Reichs, der Länder oder kommunaler Verbände erforderliche Land auf deren Verlangen auS- geschieden und gegen Entgelt überwiefen. Die Reftmasse wird in bebauungSjähige Grundstücke aufgeteilt und auf die Grundeigentümer ver­teilt. Die Grundstücke sollen, wenn möglich, in gleicher öaqc wie die eingeworfenen Grundstücke den Eigentümern zugeteilt werden. Eigentümer von Kleinstücken, d h. solchen Grundstücken, deren Flächeninhalt für sich allein zur Bebauung nicht auSreicht. haben keinen Anspruch auf Zuteilung von Bauland, die Stücke können aber im Ein­verständnis mit den Eigentümern durch Zu­teilung von Bauland bebauung-fähig gemacht werden. Soweit Beteiligte einen Rechtsverlust ober sonstigen Rachteil erleiden, der nicht In anderer Weise bei der Zuteilung ausgeglichen ist, wird aus der Masse Ersatz in Geld geleistet. Die den Eigentümern und sonstigen Beteiligten Auftebentxm Entschädigungen hat die Gemeinde zu leisten. Sie werden auf die zugeteilten Grund­stücke nach deren Flächeninhalt auSgeschlagen. ober fall- dies eine unbillige Harte bedeuten würde, nach dem Wert der Grundstücke. Wäh­rend deS Umlegungsverfahrens kann die Errich­tung von baulichen Anlagen jeder Art in dem Umlegungsgebiet baupolizeilich untersagt, oder an Bedingungen geknüpft werden.

Der Dang deS Verfahren- ist ähnlich dem­jenigen einer Felbbereinigung Ist ein rechts­gültiger Antrag auf Daulandumleguna gestellt und zugelasfen. so findet zunächst Offenlcgur.g der Vorarbeiten zur Entgegennahme der Wünsche und Einwendungen statt, über welche zunächst bet Bürgermeister eine Vorentscheidung zu treffen bat. gegen welche Beschwerde an den KreiSauS- fchuß zulässig ist. der ProvinzialauSfchuß ent­scheidet endgültig auf weitere Beschwerde. DaS Umlegungsverfahren wird von einem Um- legungsausfchuß durchgeführt. Diefem entspricht im FeldbereiliigungSverf ähren die Dollzugskvm- misfion. Der Ausschuß besteht au- dem Krei-- direktor. in Städten dem Bürgermeister, einem Vertreter der Gemeinde, einem Vertreter der beteiligten Grundeigentümer, einem höheren Der- mefsungSbeamten. einem Im Städtebau erfahrenen Bausachverständigen und auS einem Sachver­ständigen für die Bewertung der Grundstücke. Für jedes Mitglied ist ein Stellvertreter zu be­stellen. Die Vertreter der Gemeinde werden von der Stadtverordnetenversammlung bzw. dem ®e- meinberat bestimmt, der Sachverständige für die Bewertung der Grundstücke und die Vertreter der beteiligten Grundeigentümer werden von den

,O, ich möchte auch gern einmal das alles fen- nenkmen', meinte fie voller Lebhaftigkeit. ,Fch kenne Deutschland fo gut wie gar nicht. Und habe wenig Aussicht, es kennenzulernen. Meine M il- ter ist zunehmend kränklich und will nicht mehr reisen. Die Verwandten in Deuts Hand von selten meines Dakers find alle verstorben. Und 'ch möchte doch so gern Deutschland einmal kennen- lernen! Ja, Herr von Schölzer, ich muß cs Ihnen aeslehen: wenn mein Bruder mit einigen elsässisch- französischen Chauvins aus unserem B< kannten- kreise hier in Disput gerät, und sie insgesamt auf Deutschland schimpfen, dann sagt er nur in ganz herablassendem Tone zu ihnen:Was wollt ihr? Ihr schimpft auf Deutschland und kennt es dabei gar nicht! Keiner von euch hat je einmal einen Schritt nach Deutschland hineingesetzt. Lernt es erst einmal aus eigener Anschauung kennen! Gründlich kennen! Wenn ihr bann noch wollt, bann könnt ihr schimpfen. Aber ich bin gewiß, das werdet ihr dann nicht mehr tun. Ihr werdet zum minöefttn einen ganz mordsmäßigen Respekt vor Deutschland bekommen. Gerade wie ich!'

Dietroart lochte. Man sah bas Beglückt jein in fei­nen Augen. Es bereitete ihm immer wieder eine brennende Freude, feinem Freund Raymond fo überzeugt zur deutschen Seite hinübertreten zu fthen. Aber vielleicht ebenso groß war im stillen jetzt auch seine Freude darüber, daß er die junge Boro- nefie viel weniger französisch angehaucht fand, als er sie bis jetzt beurteilt hatte. Es war ihm eigentlich zroeifellos erschienen: Melufine würde unter dem Einfluß der starren Großmutter, bei der Neutralität, die sich anscheinend Baronin Helene Welzin - Ham- merschlag zur Vermeidung von Familienreibungen angewöhnt, und dem unvermeidlich häufigen Ver­kehr mit Baron Camille und dessen Sohn Alceste im selben Hause, viel mehr mit ihren Ansichten und (Befühlen im französischen Fahrwasser schwimmen als ihr Bruder Raymond. Jetzt horte er ihren ehr­lichen Wunsch heraus: Deutschlanb kennen und richtig beurteilen zu lernen!

.Lassen Sie sich, wenn Sie sich verheiraten, die Zusicherung geben, daß Ihre Hochzeitsreise nach Deutschiarch hineingehen müßte, Baronesse!', neckte er jetzt, und erschrak dann selbst über seine Kühnheit.

(Fortsetzung folgt)