Einzelbild herunterladen

Nr 286 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Cberhessen) Mittwoch, 5. Dezember 1928

Dom Deutschen Schutzbund.

Don Dr. Friedrich König.

Am Donnerstag spricht der Vorsitzende des Deutschen Schutzbundes K. C. von Loesch auf Einladung der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde in der Neuen Aula über Europa von innen heraus".

Als im Jahre 1919 der deutsche Schutzbund ge­gründet wurde, lag die staatliche Organisation so­wohl des deutschen Reichs wie Oesterreich-Ungarns zerschlagen am Boden. Die große Katastrophe drängte die Frage auf, ob nicht doch eine blei­bende Grundlage deutschen Lebens vorhanden sei, von der derNeuaufbau auszugehen habe. DieAnt- wort war von Oesterreich, von den deutschen Grenz- und Außengebieten, von den v o l k l i ch empfin­denden Menschen des deutschen Binnenbereichs her: das deutsche Gesamtvolk so wie es über Europa und die Welt zerstreut ist. Im Zusammen­bruch der Reiche stieg die Vision von dem 100- Millionenvolk der Deutschen in der Welt, von dem 80-Millionenvolk der Deutschen in Europa auf. Man hatte erlebt, wie Polen und Tschechen sich in den vergangenen Jahrzehnten, ohne einen Staat zu besitzen, ihre große Volkstumsorganisation ge­schaffen hatten, so daß sie im Augenblick des Zu­sammenbruchs ihrer Herrschaftsstaaten in voller volklicher Rüstung dastanden und den Griff nach dem Eigenstaat wagen konnten. Sollten die Deut­schen aus der Notzeit des Zusammenbruchs heraus nickt auch die Kraft zum v o l k l i ch e n Zusammen- schlösse finden, um ihren Besitzstand: ihren geschlos­senen Dolksboden sowohl wie ihre Außenposten volklich halten zu können, das war die Frage, die sich im Jahre 1919 der schnell wachsende Kreis um den Schlesier 5)ern von Loesch herum stellte, der in jenen Jahren das Kristallisationszentrum für die Deutscktumsarbeit, die theoretische sowohl wie die praktische, wurde. Daraus ist der d e u t s ch e Schutzbund entstanden, der in den bald zehn Jahren seines Bestandes, ohne viel von sich reden zu machen, segensreichste Arbeit geleistet hat.

Die grundlegenden Gedankengänge waren die folgenden:Absage an die Engstirnig­keit des Nur-Staatsbürgers, der in den staatlichen Derwaltungs- und Erziehungsmaßnahmen sein Heil sieht; die Erkenntnis, daß wir unser Volk wiederfinden und alle unsere Arbeit auf die Vertiefung der Zu­sammenhänge innerhalb des gesamt­deutschen Volkes lenken müssen ohne Rücksicht und Einschränkung durch staatliche Grenzen und Formen, fer­ner die Erkenntnis, daß die Auf­gaben der staatlichen Gestaltung er st aus dieser neuen, viel tieferen Ver­bindung aller Volksgenossen erwach­sen können."

Was aber hat der Schutzbund unter Führung seines Gründers Herrn von Loesch getan?

Er hat sich zunächst 1919 seine organisato­rische Grundlage gegeben. Er hat keinen neuen Verein gegründet, er hat die größten der bestehenden Volkstumsverbände zusammengeschlossen und eine besondere zentrale Geschäftsstelle geschaf­fen. In dieser Geschäftsstelle sollten sowohl die binnendeutschen Organisationen wie die zahlreicken alten und neuen Selbsthilf^organisationen des Grenz- und Außendeutschwms das Zentrum finden, in dem die bisher isoliert arbeitenden Kräfte mit­einander in Verbindung und in Gemeinschaftsarbeit treten könnten. Dies gelang überraschend schnell. Die Folge war, daß zwischen allen Dolksteilen und Siedlungsgruppcn außerhalb der politischen Gren­zen und dem Reichsdeutschtum geistige Derbindun- gen hergestellt wurden, die so bisher nicht bestanden hatten. Daraus erwuchs eine Stärkung des Ab­wehrwillens der Grenz- und Außendeutschen, die sich nun von der Gesamtheit des deutschen Volkes getragen fühlten. Während sich damals die Deut­schen tnnerpolitsch zu zerfleischen drohten, entstand so hier ein großer geistig-seelischer Zusammenschluß von Führern und Organisationen abseits von allem staats- und parteip olitischen Streit,

Das Ohnvaschl.

Don Peter von Haus.

Bartholomäus Hopfinger aus Heuern in Ober- ba ern wurde wegen Körperverletzung un'er Zu­billigung mi dernder älmstände zu vierzehn Tagen Haft verurteilt.

Der Verurteilung lag der folgende Tatbestand zugrunde: Am 12. Februar wollte der Jäger Andreas Zach im Wirt haus zu Heuern, das, da Sonntag war. starken Besuch hatte, feine Zeche bezahlen. Hierbei fiel einiges Kleingeld auf den Fußboden. Der Wirt und der Jäger bückten sich gleichzeitig und stieben heftig mit den Kuppen aneinander. Der Wirt verlor das G eichgewrcht, fiel hin, geriet mit einem Fuß unter den Stuhl, auf dem der Jäger sah und rih beim Versuch, aufzustehen, ein Stuhlbein mit. Der Stuhl frei um und der Jäger auf den Wirt. Beide brüllten und schimpften. Die anderen Gäste, die, wenigstens der Mehrzahl pach, in Gespräche und Bier ver­tieft, den Vorgang nicht beachtet hatten, waren durch das Geschrei aufmerk,am geworden und hielten das Ganze für eine im besten Gange befindliche Rauferei, insonderlich, da Wirt und Jäger als ebenso kräftig wie streitlustig bekannt waren. Run haben die Heuerner als echte Bayern kein so mildes Gemüt, daß sie einer vermeintlichen Rauferei untätig zusehen könnten, ohne sich zu be­teiligen und zwei Parteien zu bilden. Da in unserem Falle Entstehung, Sinn und Zweck der scheinbaren Rauferei unbekannt waren, so konn­ten sich auch die leidenschaft ichsten Anhänger der Gerechtigkeit kein Urteil bilden, wem Hilfe und wem Züchtigung gebührte. So kam es. daß die Parteibildung nach einem mehr äußerlichen Merkmal erfolgte. Die Gäste von drr einen Seite des Gastzimmers stürm ten sich zu den beiden in der Mitte auf dem Boden liegenden Verunglückten und sahen sich da jenen Gästen gegenüber, die von der anderen Seite gekommen waren.

Bevor irgendeiner Klarheit über die Sachlage hätte gewinnen können, waren die zwei Parteien längst in einen gewaltigen Kampf verwickelt. Alles Erdenklich« flog durch die Luft: Bierfilze, Schimpfworie, Tischbeine, 'Beleidigungen, Maß- krüge. volkstümliche Zitate aus Goethes Götz, Sa^fäf er. wi d Grobheiten, Bierflaschen, fürch­terliche Drohungen, Stühle und anderes mehr.

allein und ausschließlich der Erhaltung, der Ver­lebendigung der Gesamtoolkheit dienend.

Der Drang des Tages zwang aber gleich zur Inangriffnahme entscheidender praktischer Auf­gaben: der Schutzbund wurde die große Zen­trale für die Abstimmungsarbeit der Jahre 1919/20. Da die amtlichen Stellen des Reichs durch die Abstimmungsstatute auf bestimmte technische Fragen der Abstimmungen beschränkt worden waren, ohne selbst Abstimmungsbewegun­gen herbeiführen zu können, so trat Herr von Loesch mit seinem Schutzbund in die Bresche, der nun alle ihm angeschlossenen Organisationen als Kanäle ins Volk hineinbenutzcn konnte. Großzügige Aufklärung des gesamtdeutschen Volkes und auch der Neutralen war zu leisten, eine ganz große Pressetätigkeit zu entfalten; die Abstimmungsstatute mußten erläutert und verarbeitet werden; in den Abstimmungsgebieten selbst mußten die lo­kalen Hilfsorganisationen aufgebaut werden, vor allem mußten die außerhalb des Gebietes wohnen­den Abstimmungsberechtigten aefammelt und zum Tage der Abstimmung in die Heimat gebracht wer­den; in der Heimat selbst mußten besondere Ein­richtungen zur Aufnahme und Sicherung der .Hei­mattreuen" geschaffen werden. Zugleich aber mußte das Volk zu großen Geldsammlungen aufgerufen werden, um die Durchführung des Abstimmungs- werks finanziell zu sichern. In den Abstimmungs- gebieten entstanden damals die vielen .Heimat­dienste" und .Heimatoereine", die die lokale Arbeit zu leisten hatten, im Reiche ober entstanden mehr als tausend Arbeitsgemeinschaften desDeutschen Schutzbundes für das Grenz- und Auslanddeutsch­tum". Wenn das gesamtdeutsche Volk in jenen Tagen einen gewaltigen Auftrieb in der Richtung volklichen Gemeinschaftserlebens erhielt, es hat es dem deutschen Schutzbund zu danken.

Aber die Zeit der Abstimmungen ging vorüber. Die Dolkstumsarbeit mußte auf lange Sicht ein­gestellt werden. Es schält sich die Tatsache heraus, daß das deutsche Volk in 21 von 31 Staaten Europas zu leben gezwungen ist, es ward offensicht­lich, daß auch Teile anderer europäischer Völker Minderheiten in fremden Staaten bilden würden. So ward denn, gefördert durch Wilsons abstrakte Lehre vom Selbstbestimmungsrecht der Völker, da» Problem von Volk und Staat so grund­sätzlich durch die Ereignisse gestellt, wie noch nie zuvor. Wenn irgendwo, so ist diese Problematik in den Kreisen des deutschen Schutzbundes erörtert und weitergetrieben worden. Der Gedanke der Kulturautonomie der Minderheiten gewann Gestalt, wobei diese selbst die Verantwortung für ihre kul­turellen Aufgaben und deren Erfüluing zu tragen hätten, der Staat aber sich auf ein Aufsichtsrecht zurückzuziehen habe. Ein neues Ideal volklicher Freiheit steigt hier auf. vor dem sich der Staat zu beugen habe, wenn er ein Staat mehrerer Dolks- tümer ist. Insbesondere in Ostmitteleuropa. dem Gebiet der Gemengelage der Völker vom Finni­schen Meerbusen bis zum Schwarzen Meer sind die Freunde und Mitarbeiter des Schutzbundes hierin führend und tragend gewesen und haben durch ihre Gedankenarbeit neues Geistesgut geschaffen, über das auch unsere Gegner nicht mehr hinweg­gehen können. Schon im Herbst 1926 wurde im Verein mit derDeutschen Liga für den Völker­bund" ein ständigerAusschuß für Minderheiten­recht" geschaffen, der sich durch die theoretische Klä­rung und Wetterführung des Minderheitenproblems außerordentliche Verdienste erworben hat. Wenn in Estland feit 1925 die nationalkulturelle Kultur­autonomie Wirklichkeit geworden ist, wenn sich die deutschen Minderheiten in demKongreß der orga­nisierten deutschen Volksgruppen Europas", wenn sich die europäische Minderheitenbewegung in dem Kongreß der organisierten Volksgruppen Euro­pas" zusammengefunden haben, so ist das Geist vom Geiste des Schutzbunds und seines Führers, dem sich das deutsche Volksproblem immer mehr zu einem europäischen Völkerproblem weitet, das zu einem Neuaufbau Europas unter volklichen Gesichts­punkten früher oder später führen müsse, wenn der alte Kontinent genesen soll.

Der Deutsche Schutzbund hat keine Einzelmitglie­der, er ist keine Organisation gewöhnlichen Stils, er ist zwar ein Verband von Verbänden, er ist aber

in der Hauptsache ein Kreis, der durch eine Idee zusammengehalten wird, die aus gemeinsamem Dolkstumserleben und gemeinsamer Volkstums­arbeit erwachsen ist. Was das Wort:Wir vom Schutzbund" bedeutet, das kann man vor allem auf den großen Schutzbundtagungen erleben, die doch wohl ihresgleichen in der deutschen Geschichte noch nicht hatten.Es ist eines der größten Erlebnisse, das einem Grenz- oder Auslanddeutschen zuteil werden kann, mit zahlreichen Vertretern der ver­schiedenartigsten deutschen Außenschicksale zusam­men vor das Ganze und Gemeinsame dieser Schick- salslage gestellt zu werden", so schrieb Emil Leh­mann, der bekannte sudetendeutsche Kulturpolitiker im Hinblick auf die Tagung vom Jahre 1924. Wenn irgendwo, so wurden auf diesen großen Pfingst- tagungen (sie müßen von den V. 2. A.-Tagungen unterschieden werden) Menschen des gesamtdeut­schen Bereichs zur Erkenntnis ihrer wesensmäßigen Einheit, zum Bewußtsein der Verpflichtung zum Opfer, zur Freude an der geistig-seelischen Gemein­schaft aller deutschen, geführt. Diese Menschen aber sind auch die besten Brückenbauer zur lieber- Windung der schweren inneren Gegensätze. Neben den großen Bundestagungen ging aber in den vergangenen neun Jahren eine Fülle kleiner Ar­beitstagungen für engere, sei es territoriale, sei es

sachliche Mitarbeiterkreise, her. Hier wurden di« Probleme geklärt und die Formulierungen für die deutsche Volkspolitik im ganzen, für Einzelfragen deutscher Volkspolitik, für eine deutsche Europa­politik (von den Völkern her) gefunden, über die der Deutsche Schutzbund wie keine andere Stelle heute verfügt. Nicht minder wichtig war die Der- oindung, die der Schutzbund in den letzten Jahren zwischen der praktischen Schutzarbeit und der Wissenschaft herzustellen verstanden hat.

Wir Deutsche leben heute schon in einer anderen Atmosphäre wie vor zehn Jahren. Der Blick hat sich geweitet, wir haben sowohl ein anderes Ver­hältnis zu unserer großen gesamtdeutschen Ver­gangenheit wie zu dem Gcsamtraum gewonnen, über den sich in Europa deutsche Siedlung erstreckt: wir sind auf dem Wege, deutsche Volksbürger zu werden, Verständnis für die Notwendigkeiten äußerer und innerer Volkspolitik zu gewinnen. Wir verdanken dies, vor allem andern, der stillen, liefen und nachhaltigen Arbeit des deutschen Schutzbundes und insbesondere feines Gründers und Leiters, Herrn von Loesch. Seinen Vortrag über: Europa von innen heraus" im Verein für Völker« und Erdkunde mitanzuhören, sollte niemand ver­fehlen.

Die neue Gießener Verkehrssrdnung.

Auf Grund der einschlägigen gesetzlichen Be­stimmungen ist vom Polizeiamt Gießen nach An­hörung der Stadtverordnetenversammlung und mit Genehmigung des Hessischen Ministers des Innern die nachstehende Polizeiverord­nung über die neue Verkehrsrege­lung in der Stadt Gießen festgelegt wor­den. Die neuen Bestimmungen werden im dies­wöchigen Amtsverkündigungsblatt vom Polizei­amt veröffentlicht und treten damit sofort in Kraft. Vom gleichen Zeitpunkt ab werden alle bisherigen Polizeiverordnungen auf diesem Gebiete außer Kraft gesetzt. Die neue Verkehrs­ordnung schreibt vor:

Den IDeifungen der Polizeibeamken ist zu folgen.

Den Anordnungen des Polizei amts, sowie den Weisungen und Zeichen der Polizeibeamten zur Regelung des Fahrzeug- und Fußgängerverkehrs ist Folge zu leisten.

Die allgemeine Derbolsoorschrift.

Verboten ist der Verkehr von Fahrzeugen aller Art. sowie das Radjahren in allen als polizeilich gesperrt bezeichneten Straßen ober Straßenteibm.

Das Gleiche gilt für den Fußgängerverkehr, so­weit sich die Sperrung auch auf ihn bezieht.

Gesperrte Straßen.

Für den Verkehr von Fahrzeugen aller Art, auch mit Fahrrädern, sind ge­sperrt: 1. Mäusburg, 2. Marktstrahe, 3. Marktplatz, ausgenommen zwischen Kirchenplatz und Schulstraße, 4. Oswaldsgarten, 5. Erlen- gaff«, 6. der enge Teil der Dammstraße zwischen Walltvrstoaße und Haus Rr. 22, 7. Linden­platz, soweit er als Marktplatz benutzt wird, Marktlaubenstraße, Drandplatz, Kanzleiberg und Schlotzgasse wähnend der Marktzeit (s. § 12), 8. Boolshausstraße.

Den Anliegern ist die Zu- und Abfahrt ge­stattet, desgleichen die Anfahrt an die an der Straße gelegenen Grundstücke.

Die Sperrung ist gekennzeichnet durch ein weißes Schild in Pfeilform mit totem Rand mit der Aufschrift:Gesperrt für Fahrzeuge aller Art"; in der Mitte fünf schwarze Punkte. Die Spitze des Pfeiles zeigt nach unten.

Der Verkehr In den Einbahnstraßen.

In Einbahnstraßen ist der Verkehr von Fahrzeugen aller Art einschließlich des Rad- fahrverkehrs und des Verkehrs marschierender Abteilungen (Umzüge usw.) nur in einer Richtung gestattet.

Kraftfahrzeuge dürfen sich in Ein­bahnstraßen nicht überholen. Rad­fahrer dürfen nur einzeln hinterein­ander und nicht nebeneinander fahren.

Die Einbahnstraßen sind wie folgt gekenn­zeichnet: 1. An dem Ende, an dem die Ein­fahrt verboten ist: Ein weißes Schild in Pseil- form mit rotem Rand und der Aufschrift:Ge­sperrt für Fahrzeuge aller Act"; in der Mitte des Schildes fünf schwarze Punkte; die Spitze des Pfeiles zeigt nach unten. 2. An den Ein- nflinbungen anderer Straßen auf die Einbahn­straße: Ein weißes Schild in Pfeilform mit rotem Rand; im Innern der roten Umrahmung die schwarze Aufschrift:Einbahnstraße''; der Pfeil zeigt in die für den Verkehr freigegebene Richtung.

Einbahnstraßen find der Seltersweg und die Kaplansgaffe.

Das Umwenden mit Fahrzeugen in den Einbahnstraßen ist verboten.

Für Radler und Kraftfahrer gesperrt.

Für den Radfahr- und Kraftradverkehr find gesperrt: 1. die Auffahrtswege zum Slad-t- theater, 2. Rittergasse, 3. Dreihäusergasie, 4. Sandgasse (enger Teil zwischen Marktstraße und Haus Rr. 5), 5. Durggraben, 6. Weg von der Lahnbrücke über Bleiche zur Schühenstraße. Die Sperrung ist gekennzeichnet durch ein weißes Schild in Pfeilform mit rotem Rand und der Aufschrift:Gesperrt für Fahrräder und Motor­räder". Im unteren Teil des Schildes ein schwarzer Punkt. Die Spitze des Pfeiles zeigt nach unten.

. Parkplätze für Fahrzeuge.

Parkplätze sind Plätze, die zum Warten und Halten von Fahrzeugen dienen.

Sie sind kenntlich gemacht durch ein rundes Schild, das auf weißem Grund mit roter Um­randung ein großes schwarzes ,P trägt.

Soweit Straßen und Plätze durch weiße, rot* umränderte, runde Schilder mit der Aufschrift »Parken verboten" kenntlich gemacht sind, dürfen Fahrzeuge aller Art nicht länger halten als bei Personenwagen zmn Ein- und Aus st eigen von Personen und bei Lastfahr­zeugen zum Ent- oder Beladen erforder­lich ist.

Parkverbot« bestehen in Gießen: a) für den Teil der Südanlage von der Ecke Frank­furter Straße bis 100 Meter in südlicher Rich­tung; /

b) für den Teil der Bahnhofstraße zwi­schen Alicenstraße und Westanlage.

Auf diese mehr vorbereitenden Handlungen folgte die erste Etappe des Rahkampfes, in welcher Fäuste und Ellbogen auf Köpfe und Brüste, Füße und Knie, auf Schenkel und Bäuche klatschten, hierauf der Kampf Leib an Leib. Jeder kämpfte gegen jeden, jeder suchte den Rächsten zu Fall zu bringen, jeder bemühte sich nach bestem Können, mit den gerade noch beweglichen Gliedmaßen zu schlagen, zu prügeln, zu drücken, zu stoßen, zu zwicken, zu quetschen, zu reißen. Einige fielen hin. andere stolperten über sie, fielen auf sie oder neben sie. schließlich stand keiner auf den Deinen, alle lagen kreuz und quer, nebeneinander und übereinander, ausgestreckt oder gekrümmt, auf dem Bauch oder auf dem Rücken, in einem dichten wilden, wirren Kniuel. Kein artikuliertes Wort war mehr zu hören, sondern bloß wilde Schreie und Aechzen, Stöhnen, Röcheln und Schimpfen, nur unterbrochen durch Gebrüll, das wie Jubel und Frohlocken klang und ein Aus­druck der Kampfeslreude war.

Als nach einer geraumen Welle die gewaltige Schlacht infolge allgemeiner Erschöpfung ein Ende gefunden hatte, zeigte es sich, daß die gesunde Konstitution der De ei igten die Entstehung ernster Körperschäden verhindert hatte. Rur dem Kor­binian Lockl fehlte das lin.e Ohrläppchen. Da er stark blutete und die Wunde beschmutzt schien, wurde er in das Spital der benachbarten Markt- gemeinde gebracht. Durch diesen betrüblichm Um­stand kam die Verletzung zur Kenntnis des Ober­arztes, welcher von seinen Derllner älniversitäts- japren her eine ausgeprägt preußische Aufsa sung von Ordnung und staatsbürgerlichen Pflichten hatte und gerichtliche Anzeige erstattete.

Dei der Verhandlung, die vor kurzem ftattfanb, entspann sich die folgende Zwiesprache zwischen dem gut bayerischen Amtsrichter und dem in­zwischen als Täler festgestellten und auch gestän­digen Dartholomäus Hopfinger.

Warum hab'n S' denn dem Lockl das Ohr ausg'rissn? War 'n 6 mit ihm oerfeinEet?"

Ra, Herr Amtsgericht, dös gar net. Söll war mir schon recht."

Oder hab'n Sie sich damals mit dem Lockl gftritten g'habt?"

2Iber wia denn? Mir toarn ja an ganz ver­schiedene Ti,ch' gesessen. Und ieberhaupts, Herr Amtsgericht, ich hab' doch gar net g'wußt, wem

das Ohrwaschl g'hört, ja bei dem Durchanand, wie's da war, hätt' ich s ja gar net wissen linna."

Oder waren Sie betrunken gewesen?"

Ich 6fufia? I war ja erst beim dritten Maß."

Oder sind Sie bösartig und hab'n a Freid, wenn S' an andern recht Weh tun fenna?'

»I bin net bös. Alle Zeig'n wer'n sicher sag'n, daß i a guter Kerl bin."

-3a, warum haben Sie dann dem Lockl das Ohrwaschl auseinandergerßsen?"

Alsdern, Herr Amtsgericht, Sie wissen ja, wie's zur Rauferei kemma is und wia selbige sich abg spult hatr'

,3a.

.Alsdern, Herr Amtsgericht, beim sölbigen Handgemeng' bin ich zu unlerst zu liegen kemma. A ganz a großes Knäuel war auf mir. Zehne reichen net. die wo auf mir g'leg'n fan. Vüll Epülraurn hab' i da net g habt. Und wie s so hin und her ganga is', da merk i plötzlich, daß ich ein Ohrwaschl in der Hand halt, und dös müssens doch selm zugeben, Herr Amtsgericht, bal man einmal so was in der Hand hat, nacha laßt man's nimma gern aus."

Hochschulnachnchien.

Mit der Vertretung des Lehrstuhls der Psychia­trie an der deutschen Uninerjität in Prag (an Stelle des nach Wien berufenen Pros. O. Pöhl) ist der Privatdozent und erste Qlf.iftent Dr. med. Georg Herrin ann beauftragt worden.

Dem Assistenten am Physikalischen Institut 11 In 2) a r m ft a b t, Dr. Oeorg Reutlinger, ist die venia legendi für technische Physik an der dortigen Technischen Hochschule erteilt worden.

Der Lehrstuhl für Mathematik an der Leip­ziger Universität ist dem ordentlichen Professor Dr. Heinrich T i e tz e an der Universität München angeboten worden. Der zum planmäßigen außer- ordentlichen Professor für Straf- und Prozeßrecht an der Universität Jena berufene Professor Dr. Hellmuth von Weber in Prag ist zum persön- lichen ordentlichen Professor in Jena ernannt wor­den. Professor Dr. Franz Gutmann in Jena hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der wirtschaftlichen Staatswissenschaften an der Uni­versität Breslau von Professor W. Mttscherlich angenommen.

Oie Shakespeare-Ausgabe eines berühmten Dichters.

Ein wertvoller Fund, der in die Entwicklung des großen englischen Lyrikers K e a t s tiefe Einblicke gestattet, ist der Professorin der eng­lischen Literatur an der Universität London, Caroline Spurgeon, gelungen. Sie entdeckte bei einem Düchersammler in Princeton, George Armour, eine unscheinbare Taschenausgabe der Werke Shakespeares aus dem Jahre 1814. die sich nicht nur durch die Inschrift auf dem Titelblatt, sondern auch durch zahllose Randbemerkungen und Aufzeichnungen als früheres Eigentum des Dich­ters Keats heraus st eilte. Shakespeare hat in dem .kurzen und schweren Leben und Schaffen dieses genialen Poeten eine große Rolle gespielt. Wenn er der Verzweiflung nah« war, dann rettete er sich immer wieder in die Welt feinenguten Genius", der ihn über alle Mißgeschicke und älnbequemlichkeiten des Daseins in das Reich der Phantasie einporhob. Man wußte bereits aus seinen Driesen von dieser Taschenausgabe, die er stets mit sich führte, und die er sich an- schaffte, bevor er sich auf die Insel Wight zurück­zog, um dort seine große Dichtung »Cndymion" zu schassen. Auf dieser Reise muß er besonders eifrig denSturm" gelesen haben, denn man kann aus den Randbemerkungen verfolgen, wie sehr die Vergleiche und Ausdrücke dieses Werkes ihn zum eigenen Schaffen anregten. Reben dem Sturm" ist derSommernachtslraum" dasjenige Stück, das Keats am eifrigsten studierte. Außer­dem enthalten nochAntonius und Cleopatra" undMaß für Maß" die meisten Bemerkungen. Die Stellung hes Romantikers zu Shakespeare kommt am schlagendsten zum Ausdruck in der Verachtung, die er dem beigefügten Kommentar von Dr. Johnson angedeihen läßt. Da finden sich am Rande Ausrufe wieHarr und wider .Rarri",Pfui, pfui" usw. Die Verfasserin hat auch ein bisher unbekanntes Dildnis von Keats entdeckt, ein Aquarell von der Hand seines Freundes Severn, der später im De itz der Shake­speare-Ausgabe war; es bietet eine viel natür­lichere Vorstellung von dem Dichter als alle andern Porttäts. Die Ergebnisse ihres Fundes für die Keats-Forschung hat Caroline Spurgeon in einem Buch niedergelegt.