Einzelbild herunterladen

der Anschluß Oesterreichs an das neugegliederte Reich doch wesentlich erleichtert.

Als nächsten Beitrag zu diesem Thema werden wir einen Aufsatz "profesior Dr. Aubins über Geschichtliche Ueberlegungen zur R e i ch s r e s o cm veröffentlichen.

Gießen und Wieseck.

Nachdem in früheren Jahren zweimalwe Ver­handlungen über bie Wetterführung der Gießener Straßenbahn nach Wieseck mit einem Mißerfolg geenbct hatten, sind nun, wie wir am Samstag nach einer Wi,?secker Gemeindeversammlung be­richteten, auch die erneuten Straßenbahn- Verhandlungen zwischen Gießen und Wieseck gescheitert. Diesen Ausgang der neuen Besprechungen werden mit uns alle die­jenigen Bürger Gießens imb Wiesecks bedauern, die schon seit Jahren eine befriedigende Lösung der für beide Gemeinden wichtigen Straßenbahn- srage erhoffen.

Wir haben von jeher zu denen gehört, die von Gießen aus mit aufrichtigem Wollen und mit Nachdruck für den Straßenbahnbau nach Wieseck eingetreten sind. Diesen Standpunkt haben wir offen und unzweideutig auch zu einer Zett ver­treten, wo in einflußreichen Gießener _ Kreisen noch keine, oder nur geringe Stimmung für dieses Projekt vorhanden war. Ebenso haben wir nach dem Mißlingen der Verhandlungen im Jahre 1925 offen ausgesprochen, daß auf beiden Sei­ten schwere Feßler gemacht wurden, die dcrnnchas Fiasko zur Folge hatten. Unsere bisherige Stel­lungnahme in dieser Angelegenheit berechtigt uns, nach dem erneuten Fehlschlag nun ebenfalls ein offenes Wort zu sprechen, ilnb da müssen wir seststellen, daß man der Stadt Gießen diesmal keinen Vorwurf machen kann. Die Gießener Unterhändler kamen mit dem besten Willen, die mm schon seit Jahren schwebende Angelegenheit zu einem für beide Teile annehmbaren Ende zu bringen, d. h. die Straßenbahn nach Wieseck baw- möglichst zu bauen. Daß Gießen durch seine Be­vollmächtigten von vornherein offen betonte, der Wiesecker Autobetrieb müsse von dem Tage der Betriebsaufnahme der Wiesecker Straßenbayn ab aufhören, lag im Interesse der Klarheit der Der- handlungsführung, war im übrigen aber nur die Hervorhebung einer glatten Selbstverständlichkeit. Die Uebernahme des Wiesecker Wagenparks konnte für Gießen ebenfalls nicht in Betracht kommen, da es für die großen Kraftomnibusse beim besten Willen keine Verwendung hat. Hm- sichtlich des Baukostenzuschusses, den Wieseck zur Straßenbahn zu leisten gehabt hätte, bestanden zwi­schen beiden Verhandlungspartnern keine unüber­brückbaren Gegensätze, ebenso wäre eine Verstän­digung hinsich.lich der Uebernahme des Wiesecker Zweckverbandspersonals in den Gießener Stra­ßenbahndienst zu erzielen gewesen. Daß man Gießen keinen Vorwurf machen kann, ist ja auch von den Sprechern in der Wiesecker Ver­sammlung am Freitag abend, Bürgermeister Schomber und Gemeinderal Benner, zu­gegeben worden. Für Wieseck wurde die Frage der Verwertung der Kraftomnibusse schließlich zum Angelpunkt der ganzen Angelegenheit. Die Oeffentlichkett erfuhr bei dieser Gelegenheit übri­gens zum erstenmal von eingeweihler Wiesecker Seite, daß der Zweckverbandsbetrieb nicht nur keinen Llcberschuß den man erhofft und anfangs auch verkündet hatte erbrächte, son­dern daß er die Gemeinde Wieseck mtt alljähr­lichen Zuschüssen in Höhe von mehreren tausenden Mark belastete, so daß man sich jetzt mit aller Krgft bestrebte, diesen Betrieb abzustoßen. Des der nun getroffenen Regelung ist aber die Ge­meinde Wieseck u. E. schlecht beraten worden. Man hat jetzt ein auswärtiges Unter» nefonen eingeschaltet, das natürlich in erster Linie aus dem Betrieb verdienen, d. h. Neinüberschüsse machen will. Durch die Weiterführung dieses Betriebs hat man es Gießen natürlich unmög­lich gemacht, die Straßen Wiesecks mit der so lange schon erstrebten Straßenbahn auszustatten, obwohl in Wieseck allgemein auch von Bür­germeister Schomber und Gemeinderat Den­ner der hohe Wert der. Straßenbahn aner­kannt wird. Wan hat nun von Wieseck aus auch der Lösung der Eingemeindungs­frage, die ja immer der treibende, wenn auch öffentlich absichtlich nicht genannte Hauptfaktor in den bisherigen Verhandlungen war, auf Jahre hinaus die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt, wie man überhaupt die Geneigtheit Die-

MM Vajarr» t

Roman von 3. Schneider-Foerstl.

Urheberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

11. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Da sind Sie ja, liebes Kindl" Eine muskulös durch gebildete Hand hob ihre Rechte an die Lrppen.Warum ließen Sie mich denn nicht wissen, wo ich Sie finden kann?"

Ein weiches melodisches Lachen rief einen warmen Glanz in seine scharfen Augen:Kaiser­liche Hoheit, ich bin von der Prob gleich her- gfahrnl Hat s meine Garderobenfrau nicht ausgricht? So eine bergeffene Urfchl! Ich Hab s ihr extra aufs Herz glegt!"

Ans Herz, liebes Kindl Nicht wahr?"

Js eh gleich, Hoheit! Also, ich hab ihr auftragn: Bitte, wann seine Kaiserliche Hoheit kommt, wem S' ihm bestelln. daß ich zum ©feil* schaftsabend zum Baron Hettingen gfatyrn bin! Da bin ich doch net schwer zum findn gwesn!"

Aher Sie wußten doch, daß ich bestimmt komme, Sie abzuholen, IsabellaI"

Mein Gott, als wann ich sonst gar nix zum Denkn fjätt! Mir werdn doch kein Gsichterl schneiden, Hoheit? Ein Glaferl Wein und eine gute Zigarre kriegn S' da auch. Geh, fan S' halt wieder liab, Christoph I"

Sie faßte ihn unter und zog ihn unter leise begütigendem Flüstern mit sich fort.

Belustigt sah ihnen Richthofen nach.Geht dir ein Licht auf. Joachim? Mir schon I Von die Dramatischen kriegt jede einen Prinzn. Da helft dir auch beinc fiebn Zackn im Kronerl nix!"

Hettingen umspannte mit feinen Fingern Leo­polds Oberarm.Poldi, ich frag dich auf Ehren­wort!"

Ja? Hast a Maderl gliabt?" kicherte er vergnügt.

Latz das jetzt", fuhr Joachim auf.Dars ich auf eine ehrliche klipp und flare Antwort rechnen?"

ßens zu Verhandlungen mit Wieseck jetzt sehr stark herabgemindert hat. ülnd alle diese Schwre- rigkeiten haben die Wiesecker Beauftragten, wenn auch unbewußt, nur dadurch hervorgerufen daß sie bei der beabsichtigten Liquidierung des Zweck- Verbandes vor der letzten Entscheidrmg nicht alle Möglichkeiten der Verwertung des Wagenparks erscApftcn, sondern sich nur an eine Losung banden: die jetzige, von der zugestandenermaßen von vornherein feststand, daß die Abnahme der Wagen nur erfolge bei gleichzeitiger Wetter­führung des Betriebs un er der neuen Firma, womit aber das Scheiern des Straßenbahn­projekts gegeben war. Glücklich gehandelt war es von Wieseck auch nicht, den neuen Autobus zu einer Zeit noch in Dienst zu stellen, wo die Ver­handlungen mit Gießen im Gange waren: diese Maßnahme hat in Gießen schon recht merk­würdig berührt. Wäre es nicht besser gewesen, man hätte diesen Wagen, wenn man ihn wirk­lich abnehmen mußte, ab Fabrik evtl, auch mit einem kleinen Preisnachlaß verkauft? Dann hätte man doch noch einen guten Preis erzielt, die Wiesecker Kapllalinvestttrung bei dieser Gelegen- heil herabgemindert und die Verhandlungen mit Gießen nicht unnötig belastet. Wie gesagt, unsere Nachbargemcinde Wieseck war in dieser Ange­legenheit jetzt nicht gut beraten, und dort liegt auch die Verantwortung für dieses dritte Fiasko der Sttahenbahnfrage.

Nunmehr wird Gießen in der Straßen- bahnangelegenheit wohl oder Übel nut an feine Interessen und an die Ver­pflichtungen gegenüber seiner Bür­gerschaft zu denken haben. Schon wiederholt ist an die Stadtverwaltung die Bitte gerichtet worden u. a. auch durch Eingesandt im Gießener Anzeiger", den Bewohnern des Wiesecker Wegs und den jetzt dort noch bauen­den Bürgern die Annehmlichkeit der Straßen­bahn zu schaffen. Bekannt ist auch, daß das Gelände zwischen dem Wiesecker Weg und der Marburger Sttaße jetzt einer großzügigen Be­bauung zugeführt wird. il. a. kommt dort die große Siedlung der Angestellten (das Bauun­ternehmen der Gagfah) hin. Um den immer wie­der auftauchenden Klagen des Verkehrs über schlechte Beschaffenheit des Wiesecker Wegs ab­zuhelfen, ist die gründliche Herrichtung dieser Straße, die bis an die Gießener Gemarkungs­grenze vor Wieseck Eigentum der Stadt Gie­ßen ist und auch in städtischer Unterhaltung steht, für die allernächste Zeit in Aussicht ge- nommen. Bei dieser Gelegenheit soll nun d i e städtische Straß enbahn bis an die Gießener Gemarkungsgrenze wei­tergebaut werden, damit die Stadt einer­seits dem berechtigten und immer dringenderen Verlangen chrer bärtigen Bürger nach Straßen­bahnverbindung endlich entsprechen kann, an­derseits aber bei der durchgreifenden Neuge­staltung der Straße gleichzeitig alle zeitgemäßen und erforderlichen Einbauten vornimmt, damit die Straße nicht nach kurzer Zett even­tuell wieder aufgebrochen werden muh. Die Baupläne und das Konzefsionsgesuch für diese Wetterführung der Straßenbahn von der Ga­belung Marburger StraßeWiesecker Weg bis zur Gießener Gemarkungsgrenze vor Wieseck la­gen schon seit Jahren vor, man hat sie aber zurückgehalten, weil ja die Ausdehnung der Straßenbahn nach Wieseck hinein eine Er­weiterung der Pläne notwendig gemacht hätte. Nachdem die Verhandlungen mit Wieseck nun aber gescheitert sind, hat die Stadtverwaltung die Baupläne und das Kdnzessionsgesuch am Samstag der Aufsichtsbehörde zur Genehmi­gung zugehen lassen. Da unsere Mitbürger im Stadtbezirk Wiesecker Weg leider schon allzu lange auf die Erfüllung chrer berechtigten Straßenbahnforderungen warten und auch die Herrichtung der Straße nicht mehr allzulange verschoben werden kann, soll die Durchführung der Pläne möglichst beschleunigt werden. Man darf wohl hoffen, daß die Sttaßenbahnerweite- rungs- und auch die Straßenarbeiten schon im nächsten Frühjahr beginnen werden.

Daten für Dienstag. 4. Dezember.

Sonnenaufgang 7.46 Uhr, Sonnenuntergang 15.54 Uhr. Mondaufgang 0 Uhr, Monduntergang 13.17 Uhr.

1409: Gründung der Universität Leipzig: 1795: der Geschichtsschreiber Thomas Carlyle in Eccle- fechau geboren: 1875: der Dichter Rainer Maria RUke in Prag geboren.

Das weiß eh! ©flunkert hab ich nie! Also, was möchtest wissen?"

Warum deine Schwester nicht mitgekommen ist!"

Richthofens Gesicht wurde für einen Augen­blick ernst.Ich hab s' nicht gfragt, Joachim! Wirklich nicht! Ich hab s' eingladn zum Mit- sahm, da hat s' gfagt, daß schon vergehn ist heut abend!"

Svo!"

Ja! Hättst es gern ghabt. daß s' dagwesn wär, d' Mizzerl? Sag, Joachim?"

Hettingen biß für Sekmrdenlänge die Zähne fest in die Lippen und ging bann, ohne eine Antwort zu geben, an Richthofen vorüber dem Gaste entgegen, der als letzter eben die oberste Stufe der Treppe nahm.Endlich, Hans! Ich habe nicht mehr mit deinem Kommen gerechnet. Es geht schon gegen elf Ülhr!"

Feßmann schüttelte ihm unter jagendem Atem die Hand.Ich bin gelaufen, was ich konnte."

Joachims Glicht stand zornig verärgert.Ich bin ein Esel! Es wäre doch so einfach gewesen, dir den Wagen zu schicken. Qtber nun komm, bitte! Wie geht es Schwester Brunhilde?"

Ein dankendesGut", von einem Hellen Blick begleitet, kam als Antwort.

Bon Richthofen und Hettingen flankiert, be­trat Feßmann den Salon. Ein Gewirr von Stimmen, Musik und ve hallenem Lachen schwirrte durch den großen Raun. Lautlos schoben zwei Diener die kleinen rollbaren Jmbißtischchen von Gast zu Gast.

Der Doktor begrüßte erst die Baronin und deren Gatten, um dann zwischen einer Menge Leute unterzutauchem

Nach einer halben Stunde holte ihn Joachim mit einem Wink heraus.Bitte, Hans, nun sei ein wenig nett! Gib dir den Anschein, als hättest du zu Hause eine Riesenpraxis zu be­wältigen ... Es gibt nun einmal Leute, denen das imponiert. Hofrat von Ringler gedenkt seine Praxis auszugeben. Bestes Viertel! Obern ring! Lauter erstklassige jahrelange Kundschaft! Da möchte ich dich hineinlancieren!"

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

£ Wieseck, 3. Dez. Die Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Konsumver­eins, die gestern nachmittag bei Gastwirt Braun stattfand, hatte einen viel stärkeren Besuch aufzu- weisen, als in den letzten Jahren. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Karl R o d e n h a u s e n , er­öffnete die Generalversammlung und erteilte dem Verbandsrevisoren Jolk das Wort zur Berichter­stattung über die stattgehabten Revisionen. Herr Jolk stellte fest, daß die Gesamtgeschäftsführung in besten Händen ist, was auch durch die Steigerung des Umsatzes im letzten Jahre erwiesen sei. Die Er­gänzungswahl zum Vorstand und Aufsichtsrat er­gab die Wiederwal)! der bisherigen Mitglieder. Eine Dienstanweisung für Vorstand und Aufsichts­rat wurde mit einem Zusatz angenommen. Zum Schluß wurden noch Vorschläge zur wirtschaft­licheren Gestaltung des Unternehmens gemacht. Ge­schäftsführer Haack von der Raiffeisen-Hauptge- nvssenschaft konnte mit Befriedigung feststellen, daß der landwirtschaftliche Konsumverein den richtigen genossenschaftlichen Weg beschritten habe, der darin gipfele, auch dem wirtschasllich Schwachen zu hel­fen durch Gewährung angemessener Kredite.

: Beuern, 2. Dez. Unsere im Jahre 1906 erbaute Wasserleitung hat jahrelang die Einwohnerschaft ausreichend mit gutem Wasser versorgt. Da sich nach dem Kriege Wassermangel bemerkbar machte, wurde eine neue Quelle gefaßt und dem bereits bestehen­den Netze angefchlofsen. Trotzdem machte sich in den Sommermonaten der letzten Jahre Wasser- mangel bemerkbar. Dieser Mangel bedeutete nicht etwa Nachlassen der Quellen, sondern war auf Roh rbrüche der Hausanschlüsse zurückzuführen. Der sorgfältigen Aeberwachung des Leitungsnetzes fettens des Wafsermeisters ist es nun gelungen, durch Entdeckung und Re­paratur der Bruchstellen diesem Siebet in wirk­samer Weise entgegenzutreten. Da sich diese Brüche jedoch in wachsendem Matze wiederholen, hat die Gemeinde beschlossen, eine vollstän­dige Neulegung der HauSanschlüsse vorzunehmen, und die schadhaften Zinkrohre durch die jetzt gebräuchlichen und haltbaren Gußrohre zu ersetzen.

<5p Großen-Linden, 2. Dez. Eine rege Tätigkeit entfaltet gegenwärtig unser Turnver- e i n. Sämtliche Abteilungen des Vereins wollen am 15. Dezember mit turnerischen Vorführungen verschiedenster Art an die Oefsentlichkeit treten. Zu diesem Werbeabend haben die besten Turner des Gaues Hessen ihre Mitwirkung zugesagt. Da sich auch die hervorragendsten Kunstturner der TurngemeindeEintracht" (Frankfurt a. M.) zur Verfügung gestellt haben, so dürste der Abend einen selten gebotenen turnerischen Genuß bringen.

! Lang-Göns, 2. Dez. Nachdem heute nach­mittag schon eine Vorstellung für die Kinder statt- gesunden hatte, wurden am Wend von Mitgliedern des GesangvereinsFrohsinn" in der hiesigen Turnhalle zwei Theater st ücke aufge» führt, die allgemein gefielen. Besonders das längere StückMein Land Tirol", in dem die Darsteller vor schwierigen Aufgaben standen, sie aber glän­zend lösten, sand reichen Beifall. Das darauf fol­gende LustspielDer gewitzte Polizeikommissar", löste allgemeine Heiterkeit aus.

> Holzheim, 1. Dez. Die Arbeiten an der Umschaltung des hiesigen Ortsnetzes durch :'as Ueberlandwerk Oberhessen sind in vollem Gange. Durch die vermehrte Anschaffung von Mo­toren in hiesigen gewerblichen und landwirtschaft­lichen Betrieben war eine Erhöhung der Spannung unbedingt notwendig, um weitere Motoren an= schließen zu können. Für manche Sttomempsänger entstehen insofern unliebsame Kosten, da vieles Material, das während des Krieges verbraucht wurde, den Anforderungen der neuen Spannung nicht entspricht und dadurch vollwettiges Material (Kupfer) ersetzt werden muß. Man ist bestrebt, die Umstellung auf schnellstem Wege zu vollenden, da während dieser Arbeit kleine Störungen nicht aus- beschlossen sind. Eine gründliche äußere und innere Ausbessrung des Transformatorenhäuschens ging den Arbeiten an dem Ortsnetz voraus. Bei einer von der hiesigen Jagdgesellschaft abgehaltenen Treibjagd wurden 105 Hasen zur Strecke gebracht. Man kann dies als ein sehr gutes Ergebnis bezeichnen, da auf diesen Jagdbezirk nur die Hälfte unserer Gemarkung entfällt, während die andere Hälfte einem auswärtigen Pächter gehört.

Kreis Friedberg.

WSN. Friedberg, 2. Drz. Nach einer Be­kanntmachung im Amtsverkündigungsblatt des

KreiSamtes werden Aenderungen an älte­ren Bauten innerhalb der Stadl Friedberg nur bann gestattet, wenn hierdurch die Erhal­tung der Schönheit und Eigenart die­ser Bauten nicht gefährdet wird. Die Stadt kann nach Anhörung des Bürgermeisters und des Denkmalspflcgers Qlenberungen, die sich nicht im Rahmen der Vorschriften halten, ver­bieten.

o Friedberg, 30. Nov. Um mit den Ar­beitsmethoden bekannt zu werden, die die unter Leitung von Prof. Dr. Blecher stehende hei­matkundliche Arbeitsgemeinschaft des Kreises Friedberg anwendet, be­suchte der preußische DezirkslehrervereinSaal- burgf unsere Stadt. Nach einer Besichtigung des hiesigen Museums, dessen Sammlungen Prof. Dr. Blecher unter dem Gesichtspunkt ihrer unlerrichtlichen Verwendbarkett erläuterte, fand eine Sitzung statt. In einem Referat be­handelte Dr. Blecher zunächst grundsätzliche Fragen der Heimatforfchung und anschließend die Arbeitsmethode, die in der Friedberger Ar­beitsgemeinschaft bezüglich der Stoffbeschasfung für die Zwecke des Unterrichts schon erste Er­folge gezeitigt haben. Die vom hessischen Kullus- ministerium an die Arbeitsgemeinschaften der einzelnen Kreise ausgegebenen Fragebogen stehen im Dienste der Materialfammlung, ihre Beantwortung kann aber nicht Endziel der Tätig­keit der Arbeitsgemeinschaften fein, vielmehr müsse für jeden Bezirk das lebensvolle Hei­mat b u ch geschaffen werden. In der Aus­sprache erwärmten sich die preußischen Lehrer sehr für die hessische amtliche Einrichtung der Arbeitsgemeinschaften und zogen in Erwägung, ob nicht auch für Preußen eine ähnliche Or­ganisation zu schäften sei.

2$. Bad-Nauheim, 2. 'Dez. 'Auf Einla­dung des Heimatvereins fand dieser Tage eine gut besuchte Sitzung statt, die sich mit heimatkundlichen Fragen beschäftigte. Pro­fessor Blecher (Friedberg) sprach zunächst über die vorgeschichtlichen Nauheimer Funde unter besonderer Berücksichtigung der jüngeren Eisenzeit. Fundstücke des letzten Jahres wurden vorgezeigt, erläutert und zeitlich in die durch die Arbetten von Pros. Helmke (Dietzen) gut bekannte, vorgeschichtliche Besied­lungsfolge der alten Salz stücke Nauheims ein­gereiht. In der Aussprache mußte leider von verschiedenen Rednern betätigt werden, daß durch private Sammler die Funde immer noch stark zerstreut würden und dadurch die wissen­schaftliche Auswertung erschwert werde. Ob­wohl gesetzliche Handhaben gegen das Verschlep­pen der Bodenurkunden angewandt werden kön­nen, erwartet man mehr Erfolg doch von er- ziehlicheü Maßnahmen, die darauf hinzielen müh­ten. daß jeder ginöer Anzeige und Ablieferung eines Fundes bei den Behörden als eine Selbst­verständlichkeit im Interesse der Allgemeinheit betrachtet. Bürgermeister Dr. Ahl, der sich auch in diesem Sinne aussprach, machte dazu den be­achtlichen Vorschlag. in den Berufsschulen die an­gehenden ^Bauarbeiter durch Museumsbesichtigun­gen und Aufllärung zu späteren Mitarbeitern auf dem Gebiete der Bodenforschung zu gewinnen. Die Regesten der Nauheimer Kirchenur­kunden sind vom Staatsarchiv in Darmstadt bearbeitet worden und erscheinen demnächst im Bad-Nauheimer Jahrbuch". Dr. Martin, der Vorsitzende des Heimatvereins, zeigte an eini­gen Beispielen, wie sie für die Ortsgeschichte aus­zuwerten sind. Es ergeben sich dabei ganz neue Gesichtspunkte für die Siedlungsgeschichte des alten Nauheims. Die Regestensammlung wird auch über den örtlichen Rahmen hinaus der hessischen Geschichtsforschung wertvolle Dienste leisten. Dor­gezeigt wurden im Verlaufe des anregenden Abends noch' mehrere Neuerwerbungen des staatlichen Museums, barunter auch die verstei­nerten Vogelnester, die wie wir schon berichtet haben beim Niederreißen des Rei- nigungsgradierbaues als feltene Naturwunder gefunden worden sind.

WSN. Ober-Mörlen, 1. Dez. Gestern abend 17,30 plhr überfuhr ein Auto bei Ober- Mörlen die geschlossene Schranke der Strecke Frankfurt Gießen und blieb -auf dem Gleis stehen. Ein gerade die Strecke befahrender Personenzug konnte noch recht- zettig zum Halten gebracht werden. Die Schranke wurde beschädigt.

Kreis Büdingen.

Nidda, 2. Dez. Die h efige Ortsgruppe des Aeichsbundes der Kriegsbeschä­digten. Kr.egerhint.rbliebenen und chnnaliger

Joachim!" Hochrote Flammen schossen in Feh­manns schmales Gesicht.

Es ist dir wohl zu wenig?" frug Hettingen lächelnd.

Ich möchte dich nicht um alles kränken, Achim! Aber das geht nicht!"

Das wollen wir eben seihen, ob es nicht gesht! Ich bearbeite den Hoftat bereits seit einer halben Stunde. Er ist nicht abgeneigt. Aber er will dich zuvor sehen und sprechen! Das ist ja selbstverständlich. Soll ich in deiner Nähe bleiben? Oder ist es dir lieber, ganz allein mit ihm zu unterhandeln? Wenn du die Portiere dort rechter Hand zur Seite schiebst, kommst du durch ein Derbindungskabinett nach meinem Zimmer. Du brauchst nur den Schlüssel zu drehen, dann seid ihr völlig ungestört."

Ich möchte dich bitten, dich möglichst in mei­ner allernächsten Nähe zu placieren, Joachim." Feßmanns Hände spielten nervös erregt mit den Quasten der blauen Gobelindecke auf dem ovalen Seitentisch.

Gut! Ich werde also ein halbes Ohr für eure Hnterrebung haben. Du erlaubst doch, daß ich ein Wort dazwischenwerfe, wenn es nötig ist!"

Bitte!"

In der folgenden Minute war die Vorstellung zwischen Feßmann und seinem hofrätlichen Kol­legen bereits vollzogen.

Wie zufällig blieb Hetttngen an einen kühn geschwungenen Marmorsockel gelehnt, der eine Laokoongruppe truj. Der Marineleutnant Din­gelstedt verwickelte ihn in eine ilnterrebung über Die genialen Vorzüge eines von ihm selbst er­fundenen Tauchapparates. Aus der gegenüber* liegenden Ecke kam Isabellas überschäumendes frohes Lachen.

Dazwischen hörte er immer wieder auf die Stimmen der beider: Aerzte.

Wie nett und vernünftig Feßmann Antwort gab! Dann ein Aufhorchen! Nun machte der Hans eine Dummheit!

Ich bin nicht vermögend", hörte er ihn sagen.

Jetzt mußte er u/ibebingt einspringen. Mit einem flehenden Blick rief er Isabella herbei.

Sie verstand sofort und beschlagnahmte den Ma­rineleutnant.

Wie zufällig ging (er an dem Freunde vor­über. Der Hoftat hielt ihn an einem Flügel seines Frackes fest.Lieber Baron, wir sind auf einem toten Punkte angelangt. Bei der finanziellen Regelung unserer Angelegenheit stockt es."

Ist das so schwierig?" Joachim lächelte sorg­los und setzte sich neben Feßmann au, einen breiten Wulst des grünen Klubsessels. Obwohl ihm das Herz fast bis zum Halse schlug, sagte er völlig unbefangen.Ich habe gedacht

Was haben Sie gedacht, lieber Baron?" Der Hofrat steifte die Rückenmuskeln.

Daß eS am besten wäre, mein Freund würde Ihnen eine monatliche Pauschale sagen wir lebenslänglich aussehen. Die Höhe würden Sie am besten selbst bestimmen können, Herr Hofrat, da Sie ja einen sicheren Lieberblick Aben, was Ihre Praxis abwirft."

Das geborene Finanzgenie!" lobte Ringler 'mtt einer Verneigung nach ihm hin.Also, wenn Sie damit einverstanden sind, Herr Kol­lege, dann kommen Sie also morgen nachmit­tag zu mir, bann werden wir's schon kriegen! Eine Bedingung sähe ich allerdings noch gerne erfüllt."

Bitte!" Feßmann fühlte den Boden unter sich bereits wieder schwinden.

Daß Sie sich verheiraten, lieber Kollege."

Hettingens herzliche; Lachen lieh Ringler auf­horche n.Er braucht nur seine Braut zur Frau zu machen. Herr Hoftat, dann ist die Bedingung erfüllt i"

Schön! Dann ist ja alles gut! Ihre Wahl ist jedenfalls eine glückliche gewesen!"

Meine Braut ist die Tochter des verstorbenen Majors Paskin!"

Den hab ich sogar persönlich gut gekannt, Herr Kollege. Seine Frau war eine Puienhein- Langenschmidt. Erste Familie! Also auf Wieder­sehen morgen. Ich will jetzt ein Glas auf das Wohl Ihrer schönen Mutter teeren, lieber Het­tingen!"

(Fortsetzung folgt)