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Samstag. Dezember (928
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Ur. 285 fünftes Blatt
Aus der Wett des Films.
Deutsche Filmwende.
Don Friedrich von Rähnitz.
Der Film, man mag zu ihm stehen, wie man will, ist eine öffeniliche Angelegenheit von grober und immer noch zunehmender Bedeutung. Jeden Abend sitzen Millionen Deutscher vor der magischen Leinwand und erhalten von ihr bestimmte und unmittelbare Formungen. Filmpvlittsch stehen wir zur Zeit vor einer einschneidenden Wendung des Zustandes: die Kontingentierung, d. h. der gesetzliche Schutz des deutschen Films vor der (fast ausschliehlich amerikanischen) 3n- vasion, hort auf. Mag es nun gelingen, die gesetzliche Beschränkung der Einfuhr von Ausland- filmen durch Eigmton.ingennerung des Verleihs und der Theater zu ersetzen — die Frage nach der Konkurrenzfähigkeit des dsrtschrnFilms im eigenen Lande und im Auslände blerbt bestehen.
Die Entwicklung des deutschen Fillns kennt kaum eine Zeit normaler Verhältnisse. Vor dem Kriege gab es keine nennenswerte deutsche Film- industrie. Während des Krieges entwickelte sie sich im Schutz der Blockade; so durfte sie unwidersprochen behiupten, die beste der Welt zu sein. Dann kam die Scheinblüte der Inflationszeit, die alle möglichen Ansätze zur Solidität verdarb. Die Festwährung zer.igte allenthalben Zusammenbrüche auch der groben Produzenten (erwähnt feien nur Ufa und Dewesti), trotz des Schutzes der Kontingentierung, ohne die es Matthäi am letzten gewesen wäre. Der amerikanische Film, im Ganzen besehen, war stärker, gesünder, besser. Er wurde nicht „auf Krampf" gedreht, hatte große Darsteller, mit denen sich die deutschen nicht vergleichen lassen. Er betrieb eine kluge und rücksichtslose Ausdehnungs- Politik mit HUfe seiner finanziellen Kraft, indem er alle irgendwie bedeutenden Darsteller nach Hollywood zog, weniger, um sie für sich zu verwenden, vielmehr, um die zu erobernden fremden Märkte zu en Blößen. Es gelang ihm, die schwedische, dänische, italienische Industrie völlig zu zerstören, die französische und deutsche entscheidend zu schwächen.
Es kann nicht gleichgültig sein, was aus dem deutschen Film wird. Es geht auch nicht ausschließlich um dir Erh ltung des wirtschaftlichen Instruments und die Ausfuhr sehr belangvoller Mengen deutschen Geldes — es handelt sich um die Gefahr geistiger äleberfremdung. Der Film ist ein Suggestionsmittel ersten Banges, das bei weitem die Formungskraft des Wortes zu überbieten schein.. Der Film erreicht die Massen mit einer Intensität, die alle anderen Ernwirkungs- kräfte weit hinter sich läßt. Tom Mix und Douglas Fairbants, Adolph Wenjou und Duster Keatvn, Mary Pickford und Rorrna Talmagde sind zu Vollsheldm uni) Volksliebtingen geworden; Charlie Chaplin ist der mäch.igste Clown der Welt und entfesselt allabendlich Millionen- gelächtec. Der Film ist der große Trost geworden, absorbiert die Sehnsüchte, mildert die Röte der Dölkermassen.
Die Frage nach der Zukunft des deutschen Films ist die nach seinem heutigen Zustand. Film ist reines Leistungsgeschäft. Schlägt er ein, so verzinst er sich schnell und gut. Die Gewinnspanne ist bei sehr kurzer Frist die denkbar größte. Es ist etwas Vabanque dabei — das lockt nicht immer die solidesten Geldgeber. Zum Filmgeschäft gehört Phantasie — nicht immer ein Vorzug gerade der solidesten Kaufleute. Hier liegt das deutsche Dilemma. Die deutsche Film- produktion, die es sich am wenigsten gestatten kann, haut am meisten daneben. Auf den einzelnen Erfolg kommen zu viele Bieten. Die älfa ist dafür typisch. Technisch ist alles ein- wandfrei, hier sind wir den Amerikanern völlig ebenbürtig, älnfere Operateure sind ausgezeichnet. Doch schon bei den Regisseuren hapert es; die ungesund schnellen Entwicklungen haben ein Gros von älnzulänglichkei'en hochgetragen. Zuerst die Stümper, dann die Prätentiösen („Metropolis"). Die Manuskripte sind ein böses Kapitel.
An Darstellern haben wir weder ausreichenden, hochwertigen Bestand, noch aussichtsvollen, zu größeren Hoffnungen berechtigenden Rachwuchs. Die Komparserie ist mi.leiderweckendes Proletariat; es fehlt an der guten „Type" und völlig an den so wichtigen „Solisten" und „Edelkomparsen". Der deutsche Film bietet eben wegen seiner Leistungsunsicherhnl guten Kräften zu wenig Aussichten und zu wenig Lebrnsgewähr. Mit der Absicht, sich möglichst einmalig „gesund zu stoßen", kann keine gesunde Industrie entstehen, die sich erst einmal auf gute Spielregeln einigen müßte, um den Krampf zu verlieren und auf weite Sicht ernsthafte Arbeit zu unterbauen. Der große Konzern wiederum unterliegt der ©e» fahr, daß die frische und wirlliche Leistung durch Dureaukratie überlastet und erstickt wird; begabte Arbeitstemperamente haben leine Lust, sich am Instanzenzug zu erschöpfen. So kommen die entscheidenden Pole einer einzig möglichen Dauerleistung, der selbstbewußte Künstler und der, solide Kaufmann, höchst selten zueinander. So ist „die Branche" heute das, was der Berliner einen „dollen Laden" nennt: Leerlauf und unsichere De-
(Ort der Hairdlung: Reubabelsberg, älfa-Ate- liers. Zwischen Mitternacht und Morgen. Beste Zeit für ungestörtes Filmen und — Zuschauen. Die Dekoratron steht. Stimmen surren. Signalpfiffe. Buntlebendiges Hin und Her, das dem Laien planlos erscheinen würde.)
„Also, wenn Herr May pfeift, lauft ihr über den Damm, hier herüber zu dem Dankgebäude — aber langsam, wre gesittete Menschen! Wenn da auf der Verkehrsinsel der Sipo den Arm hebt, dann kommt Leben in die Dude und die Autos fahren los — dann rennen noch schnell ein paar von euch rüber, genau so schnell wie ihr lauft, wenn ihr euch eure Gage holt — habt ihr verstanden?" Der Statistenführer fragt mich und ich antworte bejahend, zugleich im Ramen aller meiner neuen „Kollegen", von denen ja keiner weiß, daß ich nur ein „Eingeschmuggelter", einer von der Presse bin, der mal zu seinem Vergnügen „mitmachen" will.
älnd ich laufe los mit den anderen — mit den jungen Erwerbslosen, mit den Mädels in billigen Klerdchcn, mit den alten Leutchen, die sich hier ein paar Groschen verdienen wollen, mit den Hungernden und Frierenden, die einst von Stargagen und Divadasein träumten und heute zufrieden sind, wenn sie als „Komparserie" zwei, drei Tage in der Woche Arbeit und Verdienst finden. Einzelne sind darunter, die adrett gekleidet und nicht ungeschickt geschminkt sind, die sich Mühe geben, aufzufallen, weil ihr Traum von Glück und Ruhm, vom .Entdecktwerden" noch nicht ausgeträumt ist. Fünfhundert Menschen, engagiert zum Spazierengehen zwischen 10 Ühr abends und 6 älhr morgens...
Ich schreite über den Damm und gehe rechts den "Bürgersteig herunter. Diszipliniert wie ein braver Staatsbürger. Gehe an hellerleuchteten Schaufenstern vorbei, lese Ramen bekannter Berliner Firmen, bleibe vor einem Strumpfladen stehen, in dem ein hübsches Mädel hauchfeine, seidene Gewebe über seine schlanken Beine zieht, schreite weiter. Mir zur Seite fährt ein drehbarer Turm, auf dem. verstellbar montiert, die Kamera steht, die Günther R i 11 a u bedient. Cs ist dies eine Reukonstruktion, die sich zweifellos — besonders bei weit ausgedehnten Szenen — bewähren wird.
Auf der solide gebauten, langen „Straße", die richtig asphaltiert ist, rattern, fauchen, duften und tuten eine Unmenge Autos: die schweren, aus Sparsamkeitsgründen neuerdings nur mit Puppen besetzten Autobusse, ein- und zweistreifige Taxen und schnittige Privatwagen. Eine reguläre Großstadtstraße mit Feuermeldern, Verkehrs-
triebsamkeit, Kraftvergeudung und Pfennig- fuchscrei, Willkür und Dureaukratie, Angst und Prahlerei. Die Lustbarkeitssteuer, gewiß eine sehr fragwürdige Angelegenheit, wird zum Sündenbock aller Röte ausgeschrien. Daß trotzdem zuweilen Filme herauslommen, die alle Hoffnungen auf deutsche Filmzukunft wieder erquickend beleben, ist fast ein Wunder — das Wunder des deutschen Trotzalledem, das wir ja nicht nur im Film erleben.
Es wird hier nicht zum erstenmal verlangt, daß sich ernsthafte Leute um den deutschen Film zu kümmern haben; meist tun sie es falsch, indem sie den Film von der sogenannten Kulturwarte und der gänzlich unangebrachten „Thea ereinstel- lung" her mit Forderungen belehren wollen, die ahnungslos am Wesen des Films Vorbeigehen. Damit machen sie es den zynischen Routiniers leicht, die alle Misere fortzuwursteln. Die Zukunft liegt ausschließlich im wagnisbewußten Des- sermachen — und der Weg dazu ist nur da, wo Raubbau und Dureaukratie gleichermaßen ausgeschaltet bleiben!
infein, mit plakatbeklebten Bauzäunen und tausend Lichteffekten in den Schaufensterauslagen und an deir Hausfronten ist unter Joe Mays künstlerischer Leitung in dem bis auf das letzte Fleckchen ausgenuhten Riesenatelier der Ufa in Reubabelsberg entstanden, und wenn der Film „Asphalt" fertiggestellt ist, wird niemand ahnen, was Außenausnahme und was Atelierszene ist. Atelierszene, die von 2000 Scheinwerfern beleuchtet wird!
Mit der wohlgemeinten Aufforderung, uns nicht so dämlich anzustellen, werden wir zurück an den Strumpf laden dirigiert. Cs ist dort, offen- gestanden, am nettesten — von wegen der schlanken Mädchenbeine! Eine Anrempelungsszene soll steigen. May erklärt, erklärt mit Lammsgeduld. Ein Megaphon brüllt — ein dufter Berliner Junge, dem keß eine Haarlocke unter der „Bombe" hervorguckt, und ein echter Friedrichstraßenkava- [ier erscheinen, entpuppen sich bei näherem Hinschauen als Paul Hörbiger und Hans Albers. Das kleine Mädel, das Joe May aus der „Masse" hervorzerrt, ist stolz, auf Minuten des großen Albers Freundin zu fein — Hörbiger setzt feine echteste Dreigroschenjungenmiene auf.
Wir müssen weiter — der Kameramann hält uns für echte Komparsen, will loswettern. Curt Despermann, eben — mitten in der Rächt, nach Beendigung feiner Dühnentätigkeit in Berlin — erschienen, begrüßt uns. Rittau ahnt Zusammenhänge, läßt uns lächelnd ziehen.
Wir kommen zur Straßenkreuzung, die der Sipomann beherrscht. Mit seinen rhythmischen Armbewegungen. „Das ist doch...?" — „älnsinn — das ist ein echter...!"— ?— ? — I —
Cs ist aber wirklich Gustav Fröhlich, der hier den gewaltigen Auto-- und Passantenverkehr regelt Rach den Vorschriften ferner „echten" Kollegen, die ihm Stunden zuvor Unterricht erteilten. Seit sechs llhr nachmittags toinft er „Halt!" und „Weitergehen!" — Jetzt ist es ein lllhr nachts! — Er lächelt grüßend zu uns herüber, wir denken sekundenlang an seinen eleganten Sportwagen, der draußen vor der Aufnahmehalle „parkt".
Berlin ist imposairt — aber im Film ein wenig zusammengedrängt. Dreißig, vierzig Schritte bringen uns durch den Schwibbogen von „Cords" aus der Gegend der Leipziger Straße nach dem Halenfeer Westen, vor das „Universum", das jünaste Großkino der Ufa.
plnd da gerade wieder die Signalpfeife der Regie ertönt und der Atelierhimmel sein gleißendes Licht erstrahlen läßt, mimen wir schnell noch
ein bißchen Kinobesucher, die auf die Freundin! warten.
Auf dem Rückweg befuchen wir noch einmal Dee Amann, den neuen weiblichen Ufa-Star^ der feit Stunden bei einem Juwelier (Karl P l a t e n) seine Auswahl trifft und auf seine „Szene" wartet. Sie begrüßt uns mit schönstem Divalächeln und spricht sehr gut Deutsch. Im Hintergrund probt man auf einem Autobusverdeck eine kleine, solide Keilerei.
Film ist Bewegung, ist Stiinmungsmalerci, ist Arbeit. Anstrengende, aufreibende Arbeit und Mühe. In vielen Stunden, in ungezählten Proben werden Szenen aufgebaut, ausgeleuchtet und geschaffen die dann in ein. zwei, drei Minuten im Lichtspielhaus vorüberhuschen. Das bewies uns erneut diese interessante, von fünf Operateuren aufgenommene Rachtaufnahme zu dem neuen 3oe- May-Film der Erich-Pommer-Produktion.
Sie werden sich natürlich den Film „Asphalt" ansehen, nicht wahr? Dann dmken Sie bitte an mein Filmdebüt vor dem Strumpfladen. Der am wurschtigsten aussieht — das bin ich Hoffentlich wird nicht gerade diese mehrmals geprobte und gedrehte Szene — als unbrauchbar herausge- schnitten...
„Johanna von Orleans."
Der Film der ungeschminkten Köpfe.
Aus Derlin wird uns geschrieben:
Als die französische Socitie Generale de Filme den Film „Johanna von Orleans" m jahrelanger Arbeit drehen lieh, kann sie — und das ist ihr nicht hcch genug anzurechnen — an den Kassen- und Publlkumserfolg kaum gedacht haben. Sie ließ ihrem Regisseur Carl Th. Dreyer weiteste Vollmacht, die er in seinem Sinne brauchte, ebenfalls ohne Rücksicht auf ?3ublihim und Kasse. — Also, das zuvor, dieser ranzösische repräsentative Film wird kein internationales Geschäft, vielleicht nicht einmal nationales, obwohl die französische Heldin in seiner Mitte steht.
Es fehlt ihm alles, was das Publikum fordert: die Spannung, die äußere, das Massenaufgebot der reisigen Knappen und Ritter, die schimmernden Panzer, die tobenden Schlachten, die Sentimentalität und das „Kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude". Denn das Manuskript hält sich streng an die vorhandenen Akten deS Hexenprozesses, den man der Jungfrau machte, nur, daß das Verfahren, das einige Wochen dauerte, m eine Handlung von etwa eineinhalb' Stunden zusammengedrängt wurde. So besteht denn der ganze Film eigentlich nur aus Fragen und Antworten juristischer oder theologischer Art. Zum Schluß der Scheiterhaufen. Roch einmal ein wütender Kampf zwischen den empörten Franzosen („Ihr habt eine Heilige verbrannt!") und der englischen Desatzung. Ende.
Auf alles, womit man gemeinhin das Publikum bewegen und reizen kann, ist verzichtet worden. Cs gibt keine „Darrten", keine Spannung. Auch die Sprache der Körper, der Arme und Hände ist nahezu ausgeschaltet, der Film besteht — ein gewagter Versuch — fast nur aus den Groß- aufnahmen der Köpfe. Die Kamera gleitet immer nur an den Gesichtern Johannas oder iljrer Richter entlang, zeigt die Gestalten nur als Brustbilder, meidet Hintergründe und Architektur, ilnb alle diese Köpfe sind mrgeschminkt und perückenlos. llnd die Handlung so unromantisch — wie soll das Publikum an diesem Frage- uird Antwortspiel Gefallen finden?
Aber dieser Versuch, in seiner Art der erste, ist geglückt. Wo der ganze Film sich so stark auf die Köpfe konzentriert, brauchte es um so hervorragenderer Darsteller. Das ist die Spielerin der Johanna, Fräülein Falconetti, ein männliches, unschönes Filmgesicht mit kurzgeschorenem Kops, aber sehr sprechenden Augen und unendlicher Wandlungsfähigkeit; nur, daß sie nach dem Willen des Manuskripts keine Steigerungen hervorbringen kann und sich alles vor- ----.----- I !>■
Achtung — Aufnahme!
Von Erich (Wer, Äerlin.
mal wirlliche Menschen sehen.
um unsere blühenden Schönheiten, unsere technische Forlschrittlich.eit, um a leZ daZ, was jedem einen tiefen Eindruck gibt von unferm Volk und seinen Sühnen, von dem Land, das in jahrhundertelangem zähen Kampfe dem Meere ab» gerungen ist, das, obwohl man es heute für fast unmöglich hält, noch jetzt mit dem Was ec im Streit liegt Unter Land in all seiner Zerrissenheit und all seiner Vielseitigkeit in einem großen Film vereinigt — dieser Gedanke muß unsere Sympathie erwecken, und wir hoffen, daß diese drei Deutschen Erfolg haben und uns ein Bild unseres Landes geben, das die Karikatur Hollands verdrängt, die so oft aus unterem Lande gemacht wurde. B. D.
Dr. L. K, ' y' > 1
Was wir im Film nicht mehr sehen wollen.
Wie oft noch müssen wir das Landhäuschen sehen, in dem nachher eine ausgewachsene Vierzimmerwohnung verborgen ist. wie oft noch mutet man uns den Grafen mit dem Dienertroß eines regierenden Fürsten und dem Residenzschloß eines mittleren Königreiches zu. Auch die Komtesse, die sich benimmt, als ob sie früher einen anderen Beruf ausgeübt habe, wollen wir nicht mehr sehen, wir lassen uns nicht gern täuschen und die halbe Welt für die ganze vorsetzen. Erheiternd wirkt auf uns nicht nur der Apache, der selbst im trauten Kreise der Genossen höchst sittsam mit Messer und Gabel umgeht, sondern auch her hochvornehme Kavalier, der immer noch nicht weih, daß man bei uns jungen unverheirateten Damen nicht "die Hand küßt und daß man ihnen auch nicht, selbst wenn man sich später in sie verlieben soll, schon bei der Vorstellung minutenlang mit beleidigender Eindeutigkeit ins nicht einmal errötende Antlitz stiert. Wir toi'F?en immerhin, daß sich die Liebe selbst in ernsteren Fällen nicht ganz so rapide auswirkt. Auch die Diva rn der Badewanne ist uns peinlich, Liebe zur Reinlichkeit glauben wir ihr gern auch so und daß sie nur hinter einem Laken verborgen heraussteigt, wissen wir vorher; schöne Badewannen können wir uns außerdem im Schaufenster viel besser
wurde, wie es stark und fest, vereint und ehrenhaft im Reich der Völler steht. S. A l l g e i e r — bereits seit sechzehn Jahren Operateur — war Maler in Freiburg im Breisgau und ein bekannter Skiläu.ec, der o tmald fein Land bei in tarne ticn_ len Ski Wet lä.rp en er.o gr ich vertrat. Seiner Liebe zur Ratur. zum Sport und besonders zu seinen Bergen verdankt er seinen Operateurberuf. Bereits als Achtzehnjähriger machte er im Jahre 1913 feinen ersten selbständigen Film „Mit der Kamera im Ewigen Eis", in dein er die verunglückte Schröder-Strantz- Pol-Expedition (Spitzbergen) schi berte. 1914 filmte er den Balkan krieg an der griechischen Front, danach einen Film „Auf Skiern auf den Monte Rosa". In die em Film spielte Dr. Fanck zum erstenmal als Schauspieler mit und kam hierdurch auf den Gedanken des Regis'eurberufs, der ihm später so viele Erfolge brachte. Rach dem Kriege wurde Allgeier der Operateur Faucks. unter des en Regie er die Filme „3m Kampf mit dem Berg", „Wunder des Schneeschuhs",„Fuchsjagd im Engadin", „Der Heilige Berg" und „Das weiße Stadion" drehte. Selbständig machte Allgeier den Film „Die Weiße Kunst, der selbst in Amerika großen Erfolg hatte und lange im dortigen „Capitol" lief. 1926 machte Allgeier für die Ufa auf Hundeschlitten und Robbenfängern eine Expedition nach Spitzbergen, Grönland und Island. In diesem Sommer drehte er den jetzt in Derlin herauskommenden Film „Kampf ums Matterhorn". llnd jetzt ist Holland an der Reihe.
Die Deutsche Filmgesellschaft hat die Absicht, einen Film von Holland zu machen, wie es sich zeigt, wenn abends auf dem Coolsingel in Rotterdam die Lichtreklamen blinken, wenn die Drücke von Koningshafen in die Höhe gebt, wenn die Watten trocken liegen, wenn der Sturm gegen Westkapelle schlägt, wenn Alkmaars Käsemarkt in vollem Sange ist. wie es sich zeigt mit seiner neuen Baukunst, feinem Glockenspiel in seinen schönen Kirchen... auf tau end Weisen wird es sich uns zeigeiu Doch nicht in der Art von Baedekers Reiseführer, nicht als eine Aufzählung von Gebäuden, Städten und Sehenswürdigkeiten. nicht als „Postkartenfilm", der eintönige Bilder leblos aneinander reiht. Es geht hier um das lebendige Bild unseres Landes. Es geht hier
Deutsche Jilmexpedstion in Holland.
HetDaterland, Ende Rovember.
Holland mit seinen Dünen und Deichen, seinem Meer, seinen wunderbaren Wollen, seinem langen weihen Strand... Holland mit seinen großen Ha.enwerken. seinen Schleppkähnen und Bagger- maichinen, jeinen Kranen, Schleusen, Drücken und großen Dauwerken... Holland mit feinen Flughäfen und Radiostationen... Holland mit seinen vielen Merkmalen aus großer Vergangenheit... Hollands stolze Fassaden aus vergangenen Jahrhunderten, das lebende Holland von heute mit feinet kernigen Jugend, seiner starken Devölke- nmg... fürwahr ein lohnender Filmstoff!
Holland ist ein Land der weiten Mächen; Wiegen, Weidland, Aecker und Felder. Jeder Bauernhof darin ist ein Monument, in weiter Ebene wuchtig emporragend. Holland ist ein Land, dessen Grenzen — von einem Schnellzug gesehen — fast grotesk wirken, das uns jedoch eine reiche Menge von Eindrücken aller Art bietet: Das blühende Waschern und der Moerdyk, die mittelalterliche Pforte des tausendjährigen Amers- fort, die Philipp-Fabriken, d e einsamen Dünen untVbie Heerengracht Amsterdams.
Holland, das Land — sehenswürdig und interessant — als Zipfel Europas, als starke Ratton... das ist ein Filmstoff, der so gut ist, daß er keinen Heid und keine Heldin braucht, keine Intrigen und kein „happy end“. Holland mit seinem Onde Delft und feinem Giethorn, seinen Ijmuider Schleuscn und seinen EnHnizer Tünnen, seinen Zuidersce Werken, seinem Stadion Amsterdams, seinem Blumenhoof Haags ist es wert, verfilmt zu werden.
Dies sind die Gründe, die Dr. Arnolo Fanck auf den Gedanken brachten, einen Film unseres Landes zu machen. Dr. Fanck ist Regisseur und Autor vieler großer Filmwerke. u. a. von „Der Heilige Berg". Eine kleine Filmexpeditton ist hierher gekommen, um in Holland zu filmen, nicht — wie es der Ausländer so gerne sieht — mit langen Pfeisen, weiten Hosen und Holzschuhen, sondern wie das Land dem Wasser abgerungen
ansehen. Wit können ferner nicht verstehen, weshalb das gefilmte Publikum in einem gefilmten Theater, durch eine Tanznunrmer, die uns höchst mittelmäßig vorkommt, in Raserei und Entzückung versetzt wird, nur weil die betreffende Tänzerin auch die Hauptrolle spielt. Wenn uns schon eine Filmdiva etwas vortanzen soll, dann fehen wir es lieber, wenn sie auch was kann und wenn das filmende Publikum in Begeisterung ausbricht, dann erwarten wir eine außergewöhnliche Ur» fache, sonst kommen wir auf den Gedanken, man habe uns die Klaque gezeigt.
Ferner sind uns unangenehm die Militärs-llme, in denen kein einziger richtiger Soldat vorkommt. Am liebsten sehen wir ja überhaupt fürderhin weder die Köchin uird ihren Ulan oder die Anna mit ihrem Kürassier, noch die Wihblatthpen von Rekruten, noch den Leutnant, der nicht weiß, wie man einen Vorgesetzten grüßt. Da diese Dinge aber doch Konjunktur sind, mögen die Regisseure sich wenigstens militärische Berater zulegen. Wir können auch nicht glauben, daß der Oberst des berühmten und vornehmen Regiments Deutschmeister in einer Portierswohnung gehaust hat und daß seine Töchter die Allüren einer solchen Wohnung an sich hatten, ebensowenig wie wir es für wahrscheinlich hallen, daß das gesamte Offizierkorps dieser feudalen Truppe an chronischem Dalles litt. Lebensecht kommt uns meistens nur der Sergeant vor, offenbar sind Sergeanten leichter zu spielen als Offiziere.
Im übrigen möchten wir im Film das Leben sehen, wie es wirklich ist, wir möchten Damen sehen. die sich wie Damen benehmen, Zofen, die wie 3ofen aussehrn, Verkäuferinnen, die man nicht für verkleidete Filmdiven, und Filmdiven, die man nicht für verkleidete Kokotten hält. Wir wünschen uns ferner Lustspiele, bei denen man auch wirklich lachen kann und Schauspiele, die nicht in einem Wollenpanorama enden, Gerichtsverhandlungen, in denen die Leute auf wirkliche Beweise hin verurtellt werden und jugendliche Helden, die nicht nur bummeln und autofähren sondern auch noch irgendeinen plausiblen Beruf haben. Wir möchten gern vor allem, ja, was möchten wir. — wir mochten am liebsten im Fllm


