Nr 20b Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesseu)
Samstag, September 1928
Wandern und Reisen • Bäder und Sommerfrischen.
Beim Bernkastler Doffer.
Von L v. Havneck.
3d) beschaulich auf einer Stcinbonf unter den 'Bäumen bet (Fplanabc bei uralten lEcdd* stLdrchene Herb' ch lurben sich schon t>ic 'Blätter ©tri (enfen (ich b.c Swänge de« berühmten 'Bem- faftter Doktorberges, ben der arge lEatenfroft auch b.c* Jahr <um (Blüd für alle Wetnkundigen venchonte. zum enatn altertümlichen Marktplatz herab, bet odn schonen alten Häusern umläumt <11. In ber Miete plätschert em Brunnen, btt von bet Gestalt des heil,gen Michael getränt jfr ein besonder« schönes Kunstwerk »olbifl leuchrer. die tkinbeenflen. spätreisenden Dtes- ttuast rauben unter dem dunklen Staub hervor, deren edler Last CEMituf besitzt. Der Trierer Äuriürft Bolmunb war e«. der durch ben „Be r nf o ft le r Doktor'' von 'chwetet Krank, he.t gehellt wurde, und seitdem führt diese Lage ben im Welthandel berühmten Hamen.
,'Bepflanst vom User« Band bi« in die höchsten Grenzen
Sind hier der Berge Höhn mit köstlichen Kreszenzen!"
Vv sang Aufonius. ber erste Wvseldichtcr. In feinet lateinischen ..Mosclla“. Hier und in ber Umgebung w.-.chten die berühmten Gagen von Trittenheim da« feinen Hamen dem gelehrten Öffn von Sponheim. Thtiteniu « . verdankt, hier gedeiht ber Piesporter. Herziger 'Braune- bergvr. ber Lieserer Hiebet- und Schützberg. Graacher Domptobsl. der Zettinger Schlvhberg u. a.
TkrftDÜrb fl,xfo ein stille« Moselstädtchen! Seit Iahrbu.idertcn lebt es in seiner Weltabgeschie- denh: t. nur in ber beute nicht mehr leichten Sorge um den Weinbau. Wenn der Fremde sich behaglich in ber ..Dottvrstube' zu einem Glase Jchillernben (Bolbltopfen« niedergelassen bat ver- nitzl er da« leicht über der landschaftlichen Schönheit, die sich vor seinen Augen ausbreitet. ,.3a." meint ein Winzer mit wetterharten Zü- am, ber sich neben mich auf die Buhe bank gesetzt hat. während die Mosel still zu unseren iSüfttn ihre Strotze zieht. ..eure Leit ba au« Borddeufchland und in demgrotzmächtige Berlin — ihr habt ja keu Mbnung von einem wirklich echte Mo'elweinche! Wenn wir un« geplagt und d'.c steile Berg' erausgeschunbe habe, ba verlangt ihr da brobe gezuckerte« Zeug — u>a« wir nit anrühre möchte — und schaue Eie sich mal unsere Berg' an — ob da« leicht ist, die frevle Wingerte erauszuklettem. — im Frühjahr mit ber schweren Kiep' zum Schiefem, im Sommer mit der Gwskann' und im Herbst, wo wir al« froh (in’, wenn wir wo« in die Körb le habe. Aber feit viele Jahrhundert hoben wir es so geholte, wenn« auch noch so schwer ist!"
Und nun erzählt er mir von der Zeit der Hot in Bernkostel. wo vor ein paar Jahren die sonst so stillen Skube sich in ihrer Verzweiflung hinreitzen liehen, wegen ber hoben Steuern zu demonstrieren. . Unrecht war« ja," meint er kopfschüttelnd. ..aber endlich hoben« die Drohen drinne im Reich gehört und un« die Steuern nachgelassen oder gestundet. Sie haben wohl doch gedacht, dotz ohne em gut « Moselweinche die Wett in die Brüche geht. Und nun kommt aber auch ber und besucht« un« in unseren schönen Städtchen! und er zeigt auf die trotzige Burg und da« jenseits der Mosel gelegene Hospital.
C« Ist die Stiftung des Kardinal« Hicolau« u f a n u« , de« berühmte ft en Sohne« ber Mofel au« der Scholastiker zeit. Ich über'chreite die geschwungene Brücke, gelange über c.ncn Hos und betrete die weiten Gänge. Hier lebte der bedeutende Rena ssonce-Philosoph. dessen Werke, von der Heidelberger Akademie der Wissenschaften jetzt gesammelt und zum ersten Wale her- ausgegebe i werden fallen. Wir betreten geführt von einer Honn«. da« ulte stille Studier» stübchen. dos vollständ g unverändert erhalten blieb, die berühmte Bibliothek de« Gufanu«. in ber sich crlelene Werke christlicher ©cifteSarbeit befinden, köstliche Inkunabeln, und schlietzlich ben Kavtelsaal ba« Hcfeftorium und die herrliche ffpätgov.fche Kapelle. An ben alten Dau schlicht
sich «in grobe«, ganz moderne« Kranken^tu«. be*1en Vermögen neben 150 Morgen Acker und W'.esenland au« 70 000 We.nstöcken in guten Lagen besteht Wan fleht, an der Mosel wird noch heute nucht nach Mark irnb Pfennigen, sondern nach Weinftöcken. Maifrost. Schatten und Sonnen.age. der Menge ber Sonnenstrahlen fol* kullert, die der Sv-rnrner brachte, und deshalb ist d'.c vom Deich und dem Kreis Bcrnkastcl-Eue« e.-.gerichtete biologische Unterfuchur.gsonstalt zur Bekämpfung der Äebenfchädlinge mit ihrem Ber-
fuchsweinberg «in Segen für ba« liebliche aber oft schwer heung-cluchte Fleckchen Erde.
Lieb wird uns die« Land m seinem Uneben und wenn der Abschied komm:, findet man sogar den Wut. sich ün Vvnnenglanz auf den He> nen Wofelpafsag erdarnpser einzufch-sfen. ber mit dem Fluh viele Schleifen machen mutz, und einen ganzen Tag braucht. An Schlössern und Burgen vorbei geht« bi« Koblenz, und schwer wird da« Scheiben.
Heise im Spätsommer und Herbst.
Gesundheitliche Vorteile — seelische Entspannung.
Don Or. W. GchtveiSheimer.
Hochdruck verboten.
Einmal im 3abrv mutz jeder Mensch seinen gewohnten Tätigfeit «ablauf umerbrechen und tn längerer Pause Kraft und Leistungsfähigkeit wiedcrgewinnen Die jährliche Unterbrechung, der grötzere Urlaub, ist für Körper und Seele von der gleichen entscheidenden Enifpannungsbedcu- tung wie die sonntägliche Wochenpause. ®« ist daher keineswegs erforderlich, etwa vollkommene Ruhe xu bewahren. Diele Menschen benutzen gerade die Urlaubsxeit zu erhöhter körperlicher oder geistiger Tätigkeit. Don Bedeutung ist e« nur, datz den alleingesahmten Herren* und Gedanken reizen eine neue Bahn gewiesen wird. Die fönst vor allem gebrauchtert Aebenbahnen gewinnen dadurch wieder neue erhöht« Leitfähigkeit.
Aber e« ist nicht notwendig, datz al« Zeit der jährlichen Pause gerade der Hochsommer gewählt wrrd. Man kann nicht behaupten, datz gesundheitliche Uebedegungen etwa diese Iahrcszeit für den beabsichtigten otoed besonders geeignet machen würden Manche Sportarten, wie Schwimmen, können im Hochsommer am meisten gepflegt werden Die Hitze in den Städten lätzt es ratsam erscheinen kühlere Landgegenden aufzusuchen, lWobei allerding« zu beachten ist, datz tn unserem Klima eine längerwährende unerträgliche Hitze in den Städten etwa« Seltenes ist.» In der Hauptsache sind es aber andere Erwägungen die den Hochsommer zur Hauptreisezeit stempeln .Serien der Schulen unb bestimmter Berufszweige, die Ilvlwendiglen des gletchzctligcn AuSseyens verschiedener TätigkeitSzweige, die auseinander in Zusammenarbeit angewiesen sind.
Wer unabhängig von solchen zwingenden Ueber- legungen ist, tut in mehrfacher Dichtung gut daran, nicht den Hochsommer für seine Urlaubern fe zu benützen. Spätsommer und Herbst bieten ferner Heise ungeahnte gesundheitliche Forderung. Mancher Mensch, der abgespannt und nervös von der Reife im Hochsommer zurückkehrt, hätte auf der gleichen Helfe zu späterer Iahrcszeit den gewünschten Erfolg erzielt. Ds ist nicht jedem gegeben, m der hochsommerlichen UebetfüIIunfl der Züge und der Hauptkurorte nervöse Entspannung xu finden. E« ist für viele Menschen wichtig, solchen Grund zu Hei düngen und Heizungen zu Dcrmct freit
Dicht toenite Erholungsuchende wundern sich, datz sie von der Here saft minder erholt heim» kchrten als sie fortgingen. Sie übersehen, datz eine Heise nach Ort. Zeit und äutzercn Umständen frem entsprechen mutz, was ihr Körper braucht. Helfen find ein Dledilament. das wie jedes andere für den einzelnen in bestimmter Art und Zufammen'etzung verschrieben werden mutz. Allein die Hbnafrne der Hitze in den späteren Monaten deS Iahres lätzt für hiyeempsindliche Menschen eine Heile förderlicher werden. Der Wärmeemp indliche feiltet unter dcm Anstrvm von Hitze, der tbn am Tag zur Hnhe zwingt, schlaff macht und in der Dacht den Schlds raubt oder verkürzt. Die kühlere Temperatur in Spätsommer und Herbst gibt vtelen Wensthen erst die Wog- lichkert körperftärkender Spazergänge und Wanderungen. die sichere Abkühlung während der Dacht gestaltet den Schlaf - den wichtigsten Gr- holungsbringer — tief und traumlos. Aus allen
Heilen ist das Wetter der Haupttonstand, der über Wohl und Wehe entscherdet. Im Spätsommer und Herbst gilt da« Wetter im allgemeinen al« schöner und beständiger Die unangenehmen Srimmungsschwankungen. d.e bei nerveireinpfind- lichen Leuten mit dem häufigen Barometerwechfel verbunden sind, der Wechsel von Depression und Hochstimmung, kommen bei dem beständigeren Wetter der Herbstmonate in Fortfall. G« ist bekannt. datz im Frühling und Frühsommer die Stimmung bei nervösen Dletstchen besonders her- abgedrückt ist. Die gletchmätzigere Abgeglichenheit in der Witterung und in der landschaftlichen Stimmung tn Spätsommer und Herbst wirkt al« rechtes CEkrubigung«nntleI auf die Seele Dervöfe Daturen finden hier oftmals Kräftigung ihrer Derven und Entspannung der Seele, die sie tm Hochsommer am gleichen Ort vergeblich suchen würden.
Die kürzer werdenden Abenhe hindern Wanderungen nicht, zumal die reinere, durchsichtigere Luft erhöhten Fernblick und da-ntt gröberen Genutz verspricht, da« beständigere Wetter für numdx Hochgebirgstouren bekanntlich erst die Bvraussetzun^ten schafft. Auch sie tragen zur Verlängerung deS Schlafes bet Dur allzu begreiflich ist es. datz der Heisende in den nicht so überfüllten Kurorten im Spätsommer und Herbst höher geschätzt und .pfleglicher" behandelt wird al« in der hochsommerlichen Ueberfüllungszeit. Dem einen macht das nicht« aus. fo wenig ihn da« Gedränge in überfüllten Eisenbahnwagen stört: für den anderen wird durch solche Begleiterscheinungen ein wichtiges Stimmung«Moment geschaffen. Schlietzlich ist noch ein Puickt xu beachten, der praktisch eine grobe Dolle spielt. Der Arzt, der eine Erholungsreise anrät. bekommt begreiflicherweise nicht selten-die Hnltoort: Dicht möglich, zu teuer! Wer durch wirtschaftliche Enge befcinbert ist. wird eS aber noch eher ermöglichen können im Spätsommer und Herbst sortzugehen. wo die während der UeberfüllungSz<it höheren Preise viellach wesenllich b^rabgelebt sind. Aus diese Weis« lassen sich wirtschaftliche Möglichkeiten mit gesundheitlichen Dotweridigk eiten oft noch nachträglich in Uebereinfttrmnung bringen.
Spätsommer und Herbst bringen einen aesund- beitluhen Dorteil mit sich, der dem Hochiommer noch ün allgemeinen fehlt: die Durchführbarkeit von O b st k u r e n. Die moderne Medizin nimmt aus Eigenheiten der Ernährungsbehandlung besondere Hücksicht unb so kommen auch Obstkuren wicder zu dem Hecht, das sie eine Zeitlang vielleicht verloren hatten. Don altersher habest sich Traubenkuren einer wechsel irden Beli btheit erfreut. je nachdem gerade Diät unb Ernährung im Mittelpunkt der ärztlichen Bemühungen standen Heute ist durch Die Entdeckung der Dita- mine. der ErgänzungSnährstoffe, der Ernährungsforschung ein neuer Antrieb gegeben worden Obst ist reich an Hitaminen wie auch an mineralischer, Bestandteilen, die für den D rrvenstoff wechsel wichtig sind. Eine vernünftig geleitete Obftfur kann sich für das ganze Iahr von nachhaltigem Dprieil erweisen Die Möglichkeit dazu sollte von den Klugen, die im Spätsommer und Herbst ihre Erholungsreisen unternehmen nach Kräften ausgenützt werden.
Wissen (Sie das?
Allerlei Merkwürdigkeiten auöTentfchland.
3 reibtra in Sachsen wird ron einem unter- irdifchen Rraftroerf mit Elektrizität versorgt, die Maschinensäle befinden sich in ber liefe von .XX) m unter lagt.
Der grofue Teich im Ober harz rft der bekannte D b e r t e i d) ; er wurde vor mehr al» 200 Ja tuen al» Staubecken angelegt, da» damai» dem Bergbau von St Andrea »berg ba» Lastet sicherte Niemand vermutet, datz dieser Teich künstlich angelegt wurde
Am Bergsrted der alten Burgruine flmtbousberg bei BIottzo (Leser) ist ein 800iabrtg<r Efeu ft o m m , der in 1,5 m Höhe einen Umfang von saft 1 m hat
Die älteste Darstellung de» Tode», die auf deutfchem Boden bekannt ist. ist noch heute tm Dom zu j)ilbe»beim zu fetzen. 3m nördlichen streuz gattg de» Dome» xu Hildesheim sind Beste de» au» dem 12. Jahrhundert ftammenben Gip»sutzboden» aufgeftedt; in ben Gip» ist ein steischlofer stopf ein» geritzt, der den Tob barfteDt.
Die „Rose ohne Jom*, bie von Laster von der Vogelweibe und Karl lsierock besungene staiferin Irene (gestorben 1208), ist hn Kloster Lorch in Württemberg beigesetzt In ber Klosterkirche erinnern ber Irenenring und die Irenentasel an sie.
In ber Burgruine Homberg wirb noch heute bie Ritterrüstung «ötzen»oonBerlichingen gezeigt .
Ein kleine» Gegenstück zu ben imposanten Anlagen de» Salzbergwerk» Wiliczka in Polen sind die aufrgebebnten Salzbergwerke bei dem Städtchen stochendors a. Neckar. Auch In diesem Bergwerk finden sich interesiante, in ba» 6a(3 gehauene Gonge und Säle mit kunstvollen Säulen. Bogen usw.
In ganz Deutschland gibt e» nur vier weibliche (Exemplare der Pnromidenpappel. Sie stehen bei Frankfurt (Oder), bei Braunschweig. bei Karl»- ruhe unb bei Freiburg l Br.
Wanderfahrten.
Alsfeld — Schlotz Herzberg — Grebenau — Schlitz.
Diese Wanderung fuhrt un» in ben norbüsllichen Teil unterer Provinz. Don Alsfeld, besten prächtige altertümliche Bauten stet» ba» Entzücken eine» richtigen Wanderer» sind, gehen wir auf gut gebauter Strotze über Eifa unb Lingelbach nach dem 505 m hoch gelegenen Schloh Herzberg, einer breit angelegten, noch ziemlich gut erhaltenen Bur^anlage. Unter der Führung be» dort wohnenben Forster» besichtigen mir die Zeugen ehemaliger Rister!)crr- lichkeit. die Schlotzko pelle, ben Rittersaal, da» Burg- verkietz usw Der Ausblick von der Höhe auffra# nahe Knüllgebirge, den fernen Bogeleberg, die Rhon unb den Kellerwold ist Überraschend schon Weitze Striche führen un» nun auf Feldwegen durch Felder und über Wiesen nach Grebenau, hinter welchem un» ber Wald alsbald aufnimmt unb bl» kurz vor Schlitz begleitet. Nach etwa sechsstündiger Wanderung erreichen wir ba» landschaftlich reizvoll gelegene Städtchen Schlitz, besten fünf Burgen un» schon ron weitem grutzen. Eine Besichtigung de» interessant» n asten Städtchen» ist überau» lohnend. Heber Bad Salzschlirf erfolgt die Heimfahrt.
Jileber-Walgern — Jrauenberg — Elisabethen- b rannen — Marburg.
Wir fahren mit Sonntagskarte Marburg nach Nieder-Dolgern, gehen durch Wenkbach und Virgen- stein, wo wir die Lahn überschreiten, um bei der Nehmühle auf blaue Kreu;e zu stotzen, denen wir vorerst folgen. An einem Sägewerk vorbei kommen wir bunt) Nonhausen, hinter bem wir a(»bafb den Wald erreichen, ber uns bi» zum Frauenberg begleitet. Auf ber Ruine haben wir einen herrlichen Rundblick (zwei gute tliasimitllchosten). Dem blauen Kreuz folgen wir. bi» wir an bie Strotze nach Koppel kommen. Hier verlosten wir bas Wegzeichen unb gehen In nordöstlicher Richtung emen Waldweg, brr uns, nachdem wir noch eine gelbe streu»,Markierung
Bei Nieren-, Blasen- und Frauenleiden, Harnsäure, Eiweiß, Zucker
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