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anlaßt und sich somit eines Tarifbruches schuldig gemacht. Wir find in der Lage, dem R. d. g. hundertfältigen Tarisbruch nachzuweisen und haben an anderer Stelle bereits genügend darüber geschrieben. Wir beschränken uns heute darauf, in Knappen Sähen darzulegen, welche Vorgänge zu der Generalaussperrung geführt haben.

Die Funktionäre des Deutschen Tabakarbeiterverbandes faßten am 18. September in einer Konferenz in Bremen den Beschluß, bei Ablauf des Tarifvertrages fol­gende Forderungen aufzustellen:

1. Erhöhung der Löhne für die Figarrenarbeiterschaft um den Prozentsatz, welcher ihnen die Möglichkeit gibt, die bescheidensten kulturellen Bedürfnisse zu befriedigen.

2. Verlängerung der Feriendauer, die bisher nur 4 Tage betrug.

3. Festsetzung des Überstundenzuschlags, wie er in der Arbeitszeitnotoerordnung vorgesehen ist.

Also wohlgemerkt: diese Forderungen sollten erst bei den demnächst stattfindenden Tarifverhandlungen unterbreitet werden.

Als dann in Leipzig bei der Firma Haschke 50 Zigarrensortierer selbständig Forderungen ein­reichten und nach Ablehnung derselben durch die Firma die Sortierer die Arbeit einstellten, wurden alle übrigen bei dieserFirma beschäftigten Arbeiter ».Arbeiterinnen ausgesperrt.

Der Gauleiter des Deutschen Tabakarbeiterverbandes für Sachsen hat bei diesem Konflikt sofort eingegriflen und in Gegenwart des Herrn Haschke in einer Betriebsversammlung die gigarrensortierer aufgefordert, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen, offen und frei hat er zum Ausdruck gebracht, daß dieser Streik vom Deutschen Tabakarbeiterverband nicht gutgeheitzen wird und hat ferner darüber keinen Zweifel gelaflen, daß vom Verband keine Streikunterstützung gezahlt wird.

Auf Grund dieses Vorganges beschloß der R. d. Z. zunächst im Freistaat Sachsen die Generalaussperrung vorzunehmen. Aehnliche Vorgänge wie in Leipzig er­eigneten sich in Breslau. Hierauf erfolgte die Generalaussperrung in ganz

verband sowie auch vom Verband christlicher Tabakarbeiter die Forderung einer 15prozentigen Lohnerhöhung eingereicht, und zwar mit vollem Recht.

Rach den Angaben der Tabakberufsgenofienschast beträgt der Durch, schnittslohn eines Vollarbeiters in der Zigarrenindustrie pro Woche für den Bezirk Hefien Mk. 18.30. Dieser Lohn wird aber In den meisten Fällen im Gießener Bezirk nicht erreicht, das beweisen die von der Orlskranken- hafte Gießen-Stadt und Gießen-Land gemachten Angaben, wonach die meisten Iigarrenarbeiter in den beiden untersten Stufen (1012 Mord Wochenoerdienst) gegen Krankheit verfichert find. Wie trostlos die Loge der Zigarrenarbeiter auch im Gießener Bezirk ist, beweisen die Auf. stellungen obiger Krankenkassen. Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse Gießen sind 605 Tabakarbeiter gegen Krankheit versichert. Don diesen 605 Versicherten find 411 Krankheitsfälle zu verzeichnen.

Bei der Allgemeinen Ortskrankenkasse für die Landgemeinden des Kreises Gießen find 1606 Tabakarbeiter gegen Krankheit versichert. In der Zeit vom 1. Januar 1927 bis 20. November 1927 find 945 Krankheitsfälle angegeben. Allein im 1. Vierteljahr 1927 wurden 456 Krankheitsfälle mit zusammen 9156 krankheitstagen gezählt.

Diess Zahlen sprechen für sich sie beweisen, wie furchtbar trostlos die Lage der Tabakarbeiter auch im Gießener Bezirk ist. Es ist kein Wunder, daß bei solchen Hungerlohnen die krankheitszifler in erschreckendem Maße anschwillt.

Die Oeflentlichkeit möge sich nun selbst ein Urteil bilden, was wahr und was unwahr ist.

Die Zigarrenarbeiterinnen und -arbeitet führen heute nicht nur einen Lohnkampf, sondern sie führen einen Kampf ums nackte Leben, genau so, wie ihn die schlesischen Weber Mitte des vorigen Jahrhunderts geführt haben.

Die Zigarrenfabrikanten haben die Abficht, fie noch weiter in das Elend hineinzustürzen, es wird ihnen diesmal nicht gelingen.

Der Reichsoerband deutscher Zigarrenhersteller,Bezirksgruppe Hesien-Untersranken, stellt in dem in Nr. 275 dieser Zeitung erschienenen Inserat die Behauptung auf, der deutsche Tabakarbeiterverband hätte ungesetzliche Lohnforderungen eingereicht, wilde Streiks Der-

Schlesien und Darüber hinaus faßte der R. d. g. den Beschluß, die General- aussperrung im ganzen deutschen Reich durchzuführen. Durch diese Maß. nähme hat der R. d. I. alle tariflichen Bestimmungen über den Haufen geroorfen und sich des gröbsten Tarifbruchs schuldig gemacht. Erst dann, nachdem fich der R. d. g. als Totengräber des Reichstarifvertrages aufgespielt hatte, und die Generalaussperrung perfekt war, ist vom Deutschen Tabakarbeiter-

Die Zigarrenarbeiterfchaft bildet in diesem ihr aufgezwungenen Kampf eine geschlossene Front. Sie führt den Kampf mit voller Einmütigkeit und Entschlossenheit und wird nicht eher ruhen und rasten, bis der R.d.Z. die Forderungen erfüllt hat.

Eine große Anzahl Zigarrenfabrikanten hat die 15 Prozent Lohn- erhohung bereits bewilligt. kxtdd

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