Nr. 48 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Samstag, 26. Zebruar 1927
Der kleine Franz.
Sine Geschichte au# dem alten Schwabing.
Don Friedrich F r e k s a.
Einst faßen in einer bekannten Kneipe von Schwabing, deren Wirt vor Jahren selbst Künstler war. drei Männer, ein Bildhauer, ein Maler und ein Schriftsteller, traurig beisammen, denn der Monat war noch nicht zur Mitte gelangt, das Geld aber bereits bis zum neunundzwanzigsten vorauSgelaufen.
ÄIS der joviale, mäcenatische Wirt die traurigen Gesichter der jungen Leute erkannte, schritt er auf sie zu. nahm an ihrem Tische Platz und erkundigte sich teilnehmend nach dem Grunde ihrer Traurigkeit.
Den aber so einfach angeben mochten sie nicht, da sie alle bei dem wackeren Manne bereits hoch in der Kreide sahen. Dem Bildhauer kam eine Idee, er deutete auf den Maler und sagte abrupt: „Heute lst der Arme Bater eines prächtigen Knaben von zehn Pfund Gewicht geworden und weih nicht aus noch ein, wie er für das Kind sorgen soll!"
Die Tränen traten dem Wirt bei diesen schlichten Worten in die Augen, er fühlte den ganzen Jammer der jungen Leute: .Ich kenne das," meinte er. .aber Kopf hoch, das werden wir bald im Lot haben!" — And er ging fori, holte eine Flasche deutschen Sekt, lieh das Kind, die Mutter und den Bater leben und legte noch zwanzig Mark auf den Tisch für die .Mutter" deS Kindes. Bald hatte sich unter den Kassiererinnen die Märe verbreitet. Eine nach der andern kam zu dem so plötzlich Bater gewordenen Maler und gratulierte ihm. Sie steuerten für daS Kind zusammen und versprachen. Hemdchen zu nähen. Jäckchen zu klöppeln und die Ausstattung 5u besorgen.
Der Maler sah wie auf Kohlen, der Schriftsteller hatte tausend Flöhe der Nervosität in den Hosen, nur das Diech. der Bildhauer, sah ruhig
Island, das Salpeterland der Zukunft.
Don unserem O.-Mltarbeiter.
Kopenhagen, Ende Februar 1927.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) I-lanb als Industrieland ist eine Erscheinung.
die sich im Lause der letzten Jahrzehnte entwickelt hat. Die gewerbliche Betärigung auf Island Hal bisher handwerksmäßigen Lharakter gehabt und neben den HauplerwerbSzweigen. Landwirtschaft und Fischerei, eine Rolle zweiten GradeS gespielt. Nichtsdestoweniger ist stets mit der Möglichkeit gerechnet worden, durch intensive Ausnutzung der isländischen Wasserfälle die industriellen Produktion»- möglichkeiten deS Landes erheblich zu steigern.
Die Wasserfälle werden nun tatsächlich zu Kraftanlagen auSgekxrut. und auf diese Weise wird billige Energie getpormen. Bei der Ausnutzung dieser Energie hat man an die in Norwegen ebenfalls auf Grundlage von Wasserkraft erfolgreich betriebene Gewinnung von Stickstoffdüngernitteln aus der Luft gedacht. Ähnliche Pläne sind schon vor zirka zwanzig Jahren erwogen worden, einerseits aber Daran gescheitert, dah eine zu diesem Zweck gegründete dänisch-norwegisch-i-ländische Gesellschaft die notwendige Konzession nicht erhielt, andererseits an dem Hmstand, dah die Stickstoffproduktion sich lange an einem Scheibepunkte befunden und sich noch nicht endgültig entweder für die ursprüngliche Methode oder für eine neue billigere Fabrikationsmethode hatte entscheiden können.
Plötzlich sind diese Pläne jetzt wieder aktuell geworben. Da» kürzlich zusammengetretene islän- bische Alling wirb sich in nächster Zukunft damit beschäftigen, ob einer norwegischen Gesellschaft die Konzession zum Ausbau des Wasserfalles Hrrldasoy in Südisland erteilt werden soll oder nicht. Cs soll hier eine Energie von 160 000 Dferdekräften gewonnen werben. Zweck der Anlage ist Gewinnung von Salpeter unb Düngemitteln auS der Luft. DaS in 6er Nähe liegende Landgebiet wirb mit Elektrizität versorgt, und die Gesellschaft verpflichtet sich, eine Eisenbahn, die erste auf Island, von Reykjavik bis zur Kraftanlage in etwa 80 Kilometer Länge anzulegen. An 6en Kosten deS EisenbahnbauS (8 Millionen Kronen) soll der isländische Staat mit 2 Millionen teilnehmen. Die gedachte Bahn würde für die isländische Landwirtschaft von grober Bedeutung werden, denn die Bahn soll durch Islands fruchtbarstes Gebiet führen, wo schon jetzt eine großzügige Heberriefelungsanlage gebaut wird. An weiteren interessanten Einzelheiten mag hervorgehoben werden, dah die Bahn ihren höchsten Punkt in 6000 Meter Höhe erreicht. und dah man am Fuhe einer geplanten Brücke eine gang neue Stabt zu errichten beabsichtigt. Die Dahn mühte auch eine grobe Anziehungskraft auf Touristen aus üben. Weil nicht alle gewonnene Kraft in den 5abrifanlagcn angewandt werben könnte, ist vorgesehen, ein Starkstromkabel nach Reykjavik zu leiten, daS mit über 100 000 PS die Möglichkeit zum Betrieb mehrerer Fabriken Dort ergäbe. Die ®roß- Aügigfett deS ganzen PlaneS wird endllch durch da» Aktienkapital von 65 Millionen Kronen und Die für die Ausführung erforderliche Anzahl von 600 Arbeitern beleuchtet.
Island ist durch Personalunion mit Dänemark verbunden. Zwischen Dänemark unb Norwegen herrscht eine gewisse Mißstimmung auf nationalpolitischem Gebiet, und in Dänemark sicht man Norwegens Gewinn an Einfluß auf Island nicht gern, obschon man norwegischerseits Dänemarks Anteilnahme an dem geschilderten Plan wünscht. Man mag freilich annehmen, dah dieses eher der Furcht vor einer möglichen Konkurrenz entstammt als skandinavischen Dru- Dergefüßlcn. Don Islands Seiten redet gegen die norwegischen Pläne die ungemein große Abneigung gegen fremde Arbeitskräfte. Obwohl neben norwegischen Arbeitern auch dänische unb isländische herangezogen werden sollen, wird von den norwegischen Interessenten doch betont, dah vornehmlich Norweger berücksichtigt werden mühten. Dänischer» feit» wird man wohl mit Recht darauf hallen, vor Norwegen den Borzug zu haben. Das wird aber hinfällig, wenn man zu spät kommt. Noch ist Die Konzession Der norwegischen Gesellschaft nicht endgültig übertragen, und Dänemark hat eine
Reihe schwerwicgender ®rünDe für seine Bevorzugung in» Feld zu führen, wie z. B. Die eigene Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise. Bei näherer Hnterfuchung der Folgen, Die entstehen können, wenn Norwegen sich in Den Besitz Der iSlänDischen Wasserkräfte zur Gewinnung von Salpeterdüngemitteln setzt, muh man berücksichtigen, daß Der größte Posten auf der AuSgabenseite der dänischen Landwirtschaft gerade der Posten für Derartige Düngemittel ist. nämlich ca. 25 Millionen Kronen jährlich. Bei einer intensiven Ausnutzung de» Dänischen DodenS. wozu man Durch das Wachsen der Bevölkerung mehr und mehr gezwungen wird, müllen schätzungsweise bald gar viermal so große Mengen verwandt werden. DaS würde heißen: 100 Millionen Kronen!
Die Hälfte der Salpeterdüngemittel wird augenblicklich au 6 Norwegen bezogen. Wenn dieses Land nun neben feinen schon vorhandenen Anlagen ,wch Den iSländis.en Plan verwirklicht, so kann eS zu einem großen Teil Die Salpeter- Wellproduktion beherrschen und Die Preise bestimmen. Wenn Dagegen dänis cheS Kapital statt norwegisches auf Island zur Gewinnung de» wichtigen Düngemittels wirken könnte, fo wäre nicht allein Der Nutzen für Die dänische Landwirtschaft ersichtlich, sondern auch ein Weg
wer Amerika in
Wilsons böser Geist. - Die 1 Botschafters
gewiesen für Beschäftigung der zahlreichen arbeitslosen dänischen Ingenieure. Bezeichnend ist, dah gleichzeitig mit dem Auftauchen der norwegischen Pläne in großen Dersammlungen unb lebhaften ZeitungSaufsätzen in Kopenhagen erörtert wird, wie der katastrophalen Arbeitslosigkeit der dänischen Ingenieure abgeholfen werden könne. Da bei weitem nicht alle gewonnene Kraft in Den Salpeterfabriken fruchtbar gemacht Der überschüssige Teil aber nach Reykjavik geleitet werden kann, so meint man. an diesem Ort auch di« Bedingungen für neue Industrien geschaffen zu haben.
Roch ist unbestimmt, waS toerDen wird. ES entwickelt sich ein dänisch-norwegische» Wettrennen. in Dem Norwegen seine Erfahrungen Im eigenen Lande auf diesem Gebiet und die schon früher auf 2-land zu ähnlichen Zwecken angewandten Kapitalien voraus hat, Dänemark dagegen seine vitalen Interessen und seine nähere Zugehörigkeit zu Island. Ein wesentlicher Faktor ist bei alledem Islands stark ausgeprägte Abneigung gegen alles .Fremde" — auch gegen dänische Arbeitskraft. In ihrer Großzügigkeit aber Dürfen Die plötzlich akut gewordenen Pläne europäisches Interesse beanspruchen.
Öen Krieg führte.
Berichte des amerikanischen . in London.
Eine glänzende Gesellschaft füllte am 3. Juli 1923 den altehrwürdigen Bau der Westminster- Abtei. Im KapitelhauS wurde Dem Andenken Walter H. Pages, des Kriegsbotschafters der Bereinigten Staaten von Amerika am Hofe von St. James eine Tafel geweiht. Nach Der Ge- dächtniSreDe Lord Greys fielen kne Hüllen von dem Marmor und es zeigte sich die Schrift. Die Den Amerikaner als .den Freund 'Britannien» in Dessen bitterster Not" preist. Gin andere» Denkmal war Page schon früher in Dem zwei- bänDigcn Werke .Leben unb Briefe von Walter H. Page" gesetzt worden. Solange Wilson lebte, muhte Diese» Denkmal ein Torso bleiben. Erst nach dem Tode des Präsidenten war es möglich, auch den Briefwechsel deS Botschafters mit Dem Staatsoberhaupte zu veröffentlichen. (.Die Briefe des Botschafters Walter H. Page an Woodrow Wilson", eine von Else Baronin Werkmann besorgte ausgezeichnete deutsche Liebersetzung erscheint soeben im Derlag für Kulturpolitik, Berlin.) Nun erst steht Page in seinem Leben und Wirken, in seinem Tun und Lassen unverhüllt da.
Diese öntßüllung ist eine» der erschütterndsten Erlebnisse für jeden, der den Weltkrieg und den ihn beenDenben Frieden mit wachen Sinnen erlebt hat. Sie ermöglicht einen Blick in die Werkstätte. In der die Wallen Der Bereinigten Staaten geschmiedet unb geschärft worben sind. Sie berichtigt weiter das Bild, da» man sich von dem Herrn im Weihen Haus gemacht hat. Wilson hat lange Zeit als Der Dämon gegolten, der die Union wohlbedacht (erst nach seiner Wiederwahl I) in den Krieg gesührt, der bann Die Mittelmächte durch Vorspiegelung eine» gerade noch annehmbaren Friedens Programme» äut Einstellung der Feindseligkellen verleitet und die „einfältigen Opfer" dann um Den Frieden der .unparteiischen Gerechtigkeit" geprellt habe. Schon Die verschiedenen Werke über die Pariser Friedenskonferenz haben Den Manen WilsonS insofern Gerechtigkeit widerfahren lallen, alS er uns seither nicht mehr als der raffinierte Rattenfänger, sondern eher al» Der von Den .Assoziierten" hinein- gelegtc Diplomat erscheint. Nach Dem ‘Be- mnnttoerDen Der vertraulichen KorresponDenz zwischen ßonDon unb Washington Darf Wilson auch kaum mehr als Kriegshetzer und -schürer ange* sehen werden, er war vielmehr einer Der wenigen Magistrate deS amerikanischen Bolle», Die, biS nahe dem traurigen Schluß, dem Treiben Der Industriellen unb Danken jenseits De» großen Wassers begegneten. Den Derführungskünsten von Männern wie Lord Dreh widerstanden und den von unneutralen amerikanischen Botschaftern gelegten Fallen auStoicßen.
Page dagegen erscheint uns als der böse Geist. Der Amerika an Die Seite Der Entente
Drängte, Der schon Partei genommen hatte, ehe noch irgendwelche Gegensätze zwischen der Union und Deutschland aufgesprungen touren. Der nunmehr zur Veröffentlichung gelangende Briefwechsel Page-Wllson (bei dem Wilson häufiger Der empfangende, seltener Der gebende Teil ist) beweist von Der ersten bis zur letzten Seite Die völkerrechtswidrige Parteinahme des Londoner Botschafters Der Bereinigten Staaten.
Hier können nur einige wenige Belege geboten werden, aber schon sie Dürften überzeugend wirken. Den ersten großen Dienst leistete Page Der Entente, als er sich in Dem Streit wegen Der Anerkennung der Londoner Deklaration (betreffend die Seekriegführung) entschlossen an Londons Seite stellte unb feine Regierung zwang, ihren Standpunkt zu verlassen. Im wesentlichen handelte es sich bei dieser Kontroverse zwischen Washington und London um die Frage, ob Macht Rckll begründe, CnglanD verfügte über Die Herrschaft zur See: Durfte es Demnach Difti cren, was bei Der Seekriegführung rechtens fei? Unter Dem Drucke Page», Der mit Der Demission drohte, bekannte sich daS Weiße Haus — gegen ferne innere Ueberzeugung — zur Auffassung. Daß Macht Recht sei, toeim — England Die Macht Innehabe.
Einer offenbaren Neutralitätsverletzung machte sich Page im Falle der .Daria" schuldig. Die „Daria" war eine» der zahlreichen deutschen Schiffe, die mit Ausbruch des Krieges in amerikanischen und anderen Häfen Interniert worden waren. Großbritanniens Seeherrschaft hielt alle diese Schiffe in fremden Häfen fest. Aber kaum war der Krieg auSgebrochen, als im Kongresse der Union ein Gesetz durch ging. daS auf fremden Werften gebaute Schiffe zur 'Keglftrierung In Amerika zulieh. (Sine von Mr. S. R. Breitung in Marquette. Michigan, geführte Gruppe kaufte nun die „Dacia", lieh sie in daS amerikanische Register eintregen, installierte auf ihr eine amerikanische Equipage, hißte die amerikanische Flagge, lud Wolle und bereitete die Abreise nach einem deutschen Hafen vor. — Würde die britische Flotte die .,Dacia" aufbringen unb als feindliches Eigentum wegnehmen? — Die amerikanische Regierung stellte sich auf den Standpunkt, daß die Eintragung eine» in Deutschland gebauten, ursprünglich Deutschland gehörigen Schifses in bas amerikanische Register keine Verletzung eines internationalen Gesetzes bedeutete, und schob die Dcr- antworilichkell für Die Anhaltung und Aufbringung eine» solchen Schisses demjenigen zu. der eine solche Maßregel ergriffe. Die Engländer hielten sich Dagegen für berechtigt. Das Schiff aufzubringen. Die Kontroverse nahm recht unangenehme Formen an. Es waren aber nicht Die Vereinigten Staaten, Die einen Bruch „befürchten" mußten. Hnb doch war es ihr Dot-
Dabei und sagte: .Run haben wir schon fünfzig Mark pluS!"
Jeden lieben Tag wurden nun die drei nach dem Kinde gefragt Jeden Tag mußten sie Geschichten erzählen. Hm sich Dem guten Wirte erkenntlich zu erweisen, nannten sie das Kleine nach ihm Franzl.
Der Maler bekam jeden Tag ein Henkeltöpfchen mit Bouillon und Fleisch für Die Wöchnerin mit beim. Auf Die Dauer aber wurde e» für alle Drei ein Kreuz, Denn jcDen Tag Säuglings- geschichten zu erzählen, ist nicht leicht, einem vierten Durften sie es Doch nicht gestehen. Endlich kam Die eine Der Kassiererinnen Darauf, das Kind zu besuchen. Da mußte sich daS Modell de» MalerS ins Dell legen, und ein Kind wurde schnell gepumpt. Damit Die Kassiererin ihre Freude hätte.
Es entwickelte sich wirklich eine sehr rührende Szene in dem Atelier, und am nächsten Tage waren in dem Restaurant Wunderdinge über das prächtige, kluge und überaus große und starke Kind verbreitet! In der Eile hatte man sich nämlich ein zweijährige» pumpen müssen.
Endlich wurde e» den dreien zu bunt! Vierzehn Tage gingen sie schnöde nicht mehr in da» Stammlokal und kamen dann mit betrübten Mienen toiebet. Sogleich wurden sie na eß Dem Kinde gefragt Da erzählten sie. es wäre gestorben und begraben. Diphtheritis wäre es gewesen! HnD sie sahen sich melancholisch an. Doch wurde es ihnen scchr übel genommen, daß sie Den Tag und Die Stunde De» Begräbnisse» nicht mh- geteiü hätten.
Die Kassiererinnen erkundigten sich Dann wenigstens nach Dem Grabe. Der Bildhauer gab auf dem Schwabinger Kirchhof einen frei erfundenen Platz an. Daran. Daß die Mädchen hinauSgehen würden, dachten sie nicht
Aber die Mädchen hingen an Dan Heinen Franz, und zwei suchten an einem stillen Wochentage. als sie Ausgang Hattert Das Grab auf und fanden auch eines, das Der Beschreibung Des Bildhauers entsprach Das schmückten sie still
mit Blumen und wiederholten es vier Wochen lang.
Da aber trafen sie eines Nachmittags auf eine Frau, Die mit ihnen auf Das Grab zuschritt und patzig fragte: „Was sie da zu suchen hätten?" .Wirschmücken nur das Grab des kleinen Franzl I" gab Die ältere Kassiererin zur Antwort. Da kamen sie aber bei der Frau schön an — die schimpfte auf sie los und verbat sich das. — Es gab eine MordSszene auf Dem Friedhof.
Die Kassiererinnen kamen aufgeregt in das Lokal zurück und erzählten: .Es wäre doch für den Herrn Kunstmaler und auch für den Heinen Franz gut, daß der Heine Franz gestorben wäre, Denn die Mutter de» kleinen Franz wäre so viel böS!" —
Danach war der Heine Franz endgültig begraben.
Frankfurter Theater.
Jules Romain- erste» in deutscher Sprache erschienene» Schauspiel .Der Diktator" gelangte im Schauspielhau» zur Ausführung. Diese» Schauspiel ist unbedingt interessant: Der Dichter Hal Der Menschhell viel Dachdenlliches und Wertvolle» zu sagen, aber er sagt es im theatralischen Sinne nicht Dramatisch genug. Sein .Diktator" ist Kampf zwischen staatlich reformierendem Wollen (Denis. Der Diktator) und Der Shaos schaffenden Willkür (Fereol. der Re- Dolutionär). Die Tendenz spricht für Die Ordnung und staatSerhaltende Herrschaft, Die allein fähig ist. das Volk höheren Zielen entgegenzuführen. So siegt Denis, nachdem er das alte Parlament gestürzt hat, als Diktator über Fereol, den wilden, das Land mit Streiks und ®etoalttätigleiten mtterminietenDen Revolutionär. Höhepunkte des Schauspiels sind die Unterredung zwischen Denis und dem König, sowie Die beiden letzten Akte: hier wird Die Handlung blutvoller und beschwingter: trotzdem bleibt zu befürchten. Daß das Publikum Den Dichter nicht recht verstand und gegen Schluß Dem Spiel ein wenig hilflos
schaster. Der ebensosehr einer Zuspitzung der Beziehungen zwischen den beiden Staaten al» einer diplomatischen Niederlage ®rrßbri:annicn6 (I) entgegenarbeitete! Er gab den Briten Den Wink, daß eine Aufbringung Der .Dacia" durch ein französische» Schiff wahrscheinlich keinen .diplomatischen Zwischenfall" verursachen würde. Die Tat wäre ganz dieselbe, doch Die „Atmosphäre" würde eine andere sein. Da» Gefühl spiele bei Den Amerikanern eine große Rolle: Die Erinnerung an Die Revolution wäre noch sehr lebhaft und Die traditionelle Freundschaft für Frankreich noch immer eine treibende Kraft: so würde e» unmöglich sein, die öffentliche Meinung gegen einen von Der französischen Flotte begangenen .Raub" aufzuhetzen. Pages Rat wurde befolgt. AIS Die .Dacia" im Kanal erschien, brachte sie ein französischer Kreuzer auf. nahm sie mit sich in einen französischen Hasen und stellte sie vor ein französische» Prifengericht. Keine .Dacia" segelte mehr von amerikanischen Häsen ab. und eine große deutsche HandelSslotte blieb in den Vereinigten Staaten interniert, bis Die Regierung der Union nach ihrer eigenen Kriegserklärung davon Belitz ergriff.
Am 7. Mai 1915 wurde Die .Lusit ania" torpcDiert Page sah seine Stunde gekommen. Nun würden Die Bereinigten Staaten an Der Seite Der Entente in Den Krieg ein treten! Alle seine Meldungen au5 dieser Zeit versuchten, dem Präsidenten Den Gedanken an eine Kriegserklärung zu suggerieren. So am 8. Mai: .Ich habe heute in gutinformierten Kreisen die Ansicht gehört. daß eine kriegerische Aktion der Vereinigten Staaten da» Signal für andere neutrale Nationen sein mürbe, deren Rechte Deutschland mißachtet hat, insbesondere für Die skandinavischen Staaten und tneUcidit auch für Holland." — Unb auf die Mentalität Wilson» abgeftimmt, dichtete er am 11. Mai: .DaS aristokratische Element in England. daS sich sozialer Privilegien erfreut, hofft bewußt ober unbewußt auf ein Untätigbleiben Amerikas, um fein Mißtrauen vor demokratischen Einrichtungen gerechtfertigt zu sehen. Dem Gefühle Der Aristokraten nach wird Großbritannien auS Dem Kriege mächtiger Denn je hervorgehen. und es würde ihnen sehr passen, wenn den Vereinigten Staaten in Der Welt ein möglichst gerin.ger Einfluß bliebe. Die Bemerkungen, daß die Bereinigten Staaten neutral bleiben werden, stammen von diesem Element der englischen Gesellschaft und unoffi- ziell auch von Regierungskreisen her."
Aber schon Die ersten Tage Der Krise zeigten Har, Daß Wilson nicht in daS von Page aufgelegte Reh gehen wollte. Daß der Präsident sich einige Tage nach der .Lusitania"-Katastrophe sorgfältig von Der allgemeinen Erregung abschloß, verdient vermerkt zu werden. Er sah keine Mitglieder seine» Kabinetts, selbst den Herrn nicht, dessen Departement die Angelegen- fclt zu bearbeiten hatte. Mehrere Tage lang wartete Mr. Bryan auf deS Präsidenten Ruf, doch Wilson ließ ihn nickt zu sich kommen. Soviel man weiß, bestand Wilsons einziger Gedankens austausch mü seinem Staatssekretär vor Der Kabinettsitzung am 12. Mai tu Dem ebenso kurzen al» lehrreichen Brief, den er ihm auf Pages dringendes Telegramm vom' 8. Mai gefcbricben hatte. (Nach diesem Telegramm rechnete England auf eine amerikanische Kriegserklärung.) Dieser Dries, Der wahrscheinlich auch Der einzige Beleg für des Präsidcmten Geiftesversassimg während dieser Krise ist, lautet.wie folgt:
.Mein lieber Herr StaatSsekvetär! — Rach allem gibt dieses (Page» Telegramm) nicht PageS eigene Meinwng wieder, sondern das, was er für die öffentliche Meinung Großbritanniens in diesem Augenblicke hält. Es ist eine sehr ernste Sache, daß.solche Dinge gedacht werden, weil alles, was die Meinung der Welt übet uns beeinträchtigt, auch unseren auf das
Anfang Mär, werden trtrHmfer dem Titel:
Zweites Vaterland mit der Veröffentlichung einer »Skiz^nfolge beginnen, in der
Albert H. Rausch
der Verfasser der „Güdlichen-^reise", die Ergebnisse seines letzten Ztattenaufenthctzts niedergelegt hat.
gegenüberflanD. (Ser Diktator selbst erinnert an Die politischen Verhältnisse eines nicht sehr fernen europäischen Staates^) Fritz Peter Buch bemühte sich. Die Aufführr^ig so prägnant und bühnenwirksam wie möglich »zu gestalten Prachtvoll war Die Verkörperung des Diktators durch Taube, sein Gegenspieler, finiter, wühlend, unzufrieden Emst Sattlers Fereol. dazwischen Odemar in der nicht leichten Rolle des jungen Königs. Beifall tropfte vereinzelt nach den Aktschlüssen: das Werk und dstr Darstellung hätten eine verständnisvollere Abnahme verdient. — Ejn musikalische» Ereiwrls. durch die kraftvolle Interpretation von Klemens Krauß zu stärkster Eindruckskraft geftfcigert. geadelt durch den künstlerischen Emst und« Die Kraft der Aufführung, war Die Heueinfti#>ierung Der „Elek - t r a“ von Richard 61 r a u,ß. Die Frankfurt für das diesjährige große QHuRffeft benötigt. Denn dessen Rückgrat bilden Die Auffühmngen Der Straußschen Opern Hebet? die musikalische Bedeutung der Partitur ist Ächts mehr zu sagen Die Wiedergabe durch den Leiter Der Frankfurter Oper, Krauß, verdient grbßte Beachtung, denn hier gesellte sich zu der schöpferischen Kraft des Komponisten Die schöpferische Reproduktionskunst des Dirigenten HnD diese Zoar geleitet von einer fast stürmischen LeidenschaskKchkeit. ohne jedoch Die künstlerische Form zu spwngen So entstand eine faszinierende Aufführung. beherrscht durch Die Dämonie des tragischen Geschehens. Sehr eindringlich wirkten Die stimmgewaltige Elektra der Frau Sutter-Kottlar, Die Klytäm- nestra Magda S p i e g e les. Die Chrysothemis Diorica Hrsuleacs, Den Aegysth Otto Fänger- und der Oreft Robewt von Scheidts. Die besten künstlerischen Kräfte der Oper, das größte und beste Gtimmatdrial ward erfolgreich eingesetzt. Von düsterer Wwsht waren Die Bühnen- bilDer De» Malers Ludwig «Sievert, in welchem die deuffche Theaterkunst baute einen ihrer besten Szenengestalter besitzt: von elementarer Einfachheit und Größe war die IiPzenierung Dr. W a l- lersteinS, Der leider Framkfurt verläßt. L.


