Nr. 224 Drittes Blatt
siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)
Samstag, 24. September (927
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Fröstelnd kleiden wir rnrs an. Sterne knistern bereits über den schwarzen Fronten der Walder. Unten am Wasser gibt es alte Kneipen, wo wir uns zur Feier ein Bier kaufen. Lichter flammen aus und ertrinken im Wasser gleich silbernen Säulen. Unser Venedig! Zur Rechten überquert die Heerstraße als gewaltige Brücke die ganze Rächt und den See. Was ist das? Aus der Ferne bricht ratternd mit glühenden Augen ein Flugzeug vorn Land über uns dahin, noch eind und wieder eins, ganze Geschwader fegen in die Sterne... bis ich begreife, daß es die Autos der anderen sind, die bis in die Rocht arbeiteten und rechneten und jetzt ihren Wochenend- Palästen mit Jazz und Radio zueilen.
vom Betrieb zu erholen.
Wo der Kaffee wächst.
Kaffeeplantagen gedeihen, wie uns das neue „Daheim" (Delhagen & Klasing, Leipzig) in einem reich illustrierten Aufsatz sagt, am besten in Mittelgebirgslage. „Die Urheimat des Zaubertrankes, der selbst von unseren bescheidensten Volksgenossen, die ihn nur als ,Bliemchentasfee^ kennen, noch leidenschaftlich geschätzt wird, liegt im dunkelsten Afrika. Die abesshnische Landschaft K a f f a, wo er wild wächst, hat ihm den Ramcn gegeben, lieber die Handelsstadt Mokka am Noten Meer nahm er dann seinen Siegeszug über die ganze Welt. Die Hausfrau, die im Kolonialwarenladen am Samstag ein halbes Pfund Kaffee einkauft, fragt nach dem Preis der Bohnen, nicht nach dem Ursprungsland. Der Kleinhändler würde wahrscheinlich auch gar nicht imstande fein, es anzugeben oder gar nachzu- weiseru Man ist auf .Mischungen' abgekommen, die — nach der Meinung der Großhändler — dem Geschmack der Verbraucher am besten entsprechen. Der Kaffeebaum wächst heute in Asien und Amerika so gut und gedeihlich wie in Afrika. Es gibt Kenner, die der Bohne von Java den Vorzug geben, aridere begeistern sich für die von Brasilien, wieder andere für die von Mittel- amerika, besonders Guatemala, Mexiko und Salvador, von Westindien. Kuba lieferte früher hochgeschätzte Sorten: aber als Santos die Füh- rung auf dem Weltmarkt übernahm, wandte sich Kuba mehr und mehr der Zuckerpflanzung zu. Der Weltkrieg hat noch weitere Verschiebungen verursacht. Und welche Schäden auf diesem Gebiet! Als die europäischen Mittelmächte als Hauptbezieher ausschieden, hat man die ungeheuerlich anwachsenden Kaffeelager in Brasilien als Brennstoff verbrauchen müssen! Die Hauptausfuhr aus Guatemala ging schon immer nach Deutschland. Etwa vierzig vom Hundert der ganzen Produktion. Da mag ein Zusammenhang erkennbar sein mit der Tatsache, dah es gerade deutsche Ansiedler waren, die den Kaffeebau in Guatemala auf wissenschaftlicher Grundlage praktisch zu allerhöchster Blüte entwickelt haben."
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Ist die Erde übervölkert?
Ein Kapitel internationaler Bevölkerungspotttik.
Von Dr. jur. Carl Cremer, M. d. R.
schon die deutsche Bevölkerungszisfer als eine gewaltige Uebervölkerung erschienen, und doch hat die kraftvolle Entwicklung der
Eine antike Schneiderrechnung.
Sn einem Museum zu Paris wird eine Echneiderrechnung aufbewahrt, die wohl als die älteste bezeichnet werden darf. Ihr Alter kann auf 4700 Jahre geschäht werden. Sie entstammt dem Tempel von Rippur und besteht aus einer Tontasel mit eingeritzten Schriftzeichen.
Rach den Feststellungen der Archäologen war diese Rechnung für die Gattin eines hohen chaldäischen Staatsmannes geschrieben. Der Rechnungsbetrag war sehr hoch. Es waren über achtzig Untergewänder und etwa ein Dutzend Oberkleider angefertigt. Aus der Rechnung läht sich u. a. die interessante Feststellung machen, dah die Schneiderinnen in Chaldäa auch die umständliche Parfümierung mit Kassia, Myrrhen und Ambra vornahmen und sich dafür sehr gut bezahlen ließen. Es werden auch noch andere Zutaten aufgeführt, aber die Ausdrücke können leider nicht in unsere Sprache übertragen werden. Rur ein Wort, das auf der Tontafel häufig vorkommt, kann mit Band oder Schleife übersetzt werden, woraus also hervorgeht, dah an den Kleidern der Chaldäerinnen viel Garnierungen angebracht waren.
Die Tontasel ist an beiden Seiten mit Henkeln zum Anfassen versehen, an denen sie von den knienden Sklavinnen oder Sklaven der Gebieterin oder dem Gebieter zum Lesen vorgehalten wurde.
deutschen Wirtschaft von 1870 bis zum Weltkrieg nicht nur die gesamte natürliche Volkszunahme absorbiert, sondern darüber hinaus noch Hun- derttausende und Millionen Ausländer magnetisch angezogen und dem deutschen Volkskörper emtrerleibt. Hätte man in der auf 1815 folgenden Zeit unter dem Gesichtspunkte des Malthusianismus gehandelt und künstlich eine Vermehrung das CBoIfeS verhindert, so würde die ganze folgende Blüte und die heutige Bedeutung des ' deutschen Volkes niemals erreicht worden sein.
AehnllcheS wäre ohne Zweifel auch über die Entwicklung des großen vstasiatischen Kulturvolkes decChinesen zu sagen, dessen Weltanschauung! derjenigen des Malthusianismus geradezu entgegengesetzt ist, und das trotz der Begrmzthnt seines Lebensraumes und der Primitivität seiner Technik sich selbst niemals als übervölkert angesehen hat, vielmehr im wesentlichen durch Intensivierung feiner Bodenkultur und durch feinen Jahrtausende langen Kampf gegen die Wüste sich zum größten Volk der Erde mit mehr als 400 Millionen Köpfen entwickeln konn'e. Schon allein der Hinblick auf die unausgesetzt fortscheitende Ausbreitung der gelben Rasse müßte davor warnen, einer ähnlichen Entwicklung der weihen Rasse künstliche Grenzen zu ziehen. Die Zukunft der weihen Rasse gegenüber der gelben und den übrigen großen Völkern der Welt
Rach den gewaltigen Menschenverlusten des Weltkriegs nimmt es einigermaßen Wunder, wenn sich heute in Europa erneut Stimmen öffentlich melden, die von der Rotwendigkeit sprechen, den Bevölkerungszuwachs aus wirtschaftlichen unb kulturellen Gründen nach Möglichkeit zu beschränken. Es hat sich ein neuer malthusianifcher Weltbund auf getan mit dem Ziel, zur Besserung der Lebensbedingungen der Menschheit den Stand der Bevölkerung mit den sozialen und ökonomischen Verhältnissen in Einklang zu bringen und das Auswachsen einer Ueberzahl von Kindern zu verhüten. Daß diese Bestrebungen ausgeoechnet von Holland ausgehen, wo außerordentlich günstige Umstände, insbesondere ein ausgedehnter Kolonialbesitz, einen besonders breiten Spielraum für die Entwicklung des Volkes schaffen, ist besonders bemerkenswert: viel näljer würde es liegen, wenn von Deutschland oder England, den beiden Ländern, welche am meisten durch die Rachkriegserscheinung der Aröeitslösigkeit geplagt werden, derartige Gedankengänge nach oben drängen. Man wird sich fragen dürfen, wozu die weißen Völker, insbesondere diejenigen, deren Industrialisierung schon vorwärts geschritten ist, noch besonderer Einrichtungen bedürfen, um die Einschränkung der Kinderzahl zu fördern, wenn man in Betracht zieht, dah der Geburtenrückgang durchweg in der Rachkriegszeit einen geradezu beunruhigenden Umfang angenommen Hat, so dah die Geburtenziffern nicht viel mehr als die Hälfte der Vorkriegszeit, insbesondere auch bei uns in Deutschland, betragen.
Es ist genügend bekannt, daß die Propaganda von Mund zu Mund für die Einschränkung des
Wochenend des kleinen Mannes.
Von Karl Otten.
Samstagmittag... das ist die Zeit, Elle und Federhalter hinzuwersen mit besonderem Schwung lund die Flucht ins Grüne zu ergreifen. Gute Sitte, Gesundheit und die Suggestion verlangen es so vom modernen Menschen. Wer am Samstag weiterschuftet, mit dem ist etwas nicht in Ordnung, der macht Bankerott.
Beklage dein Los, kleiner Mann, das dir immer noch ein Auto vvrenthält. Aber ein Gott gab allen den Autobus. Sei gegrüßt, schaukelnder Mamnntt, Schiff der Asphaltwüste. Wie kühl ist es auf deinem Rücken, welche Illusionen tropischer Seereisen umkribbsln meinen Magen. Für wenig Groschen gondelst du eine Stunde hoch über allem Staub, und des Schaffners Ruf - am Ziel klingt den Zehntausend wie Thalafsal!
Jeder Reisende ins Wochenend trägt unterm Arm die Mtenmappe. Reste des Stenogramm- heftes, Lineale und Kontobücher verkrümeln sich scheu in eine Falte. 2lll.es andere... unvorstellbar lustige Stilleben: Eine Schwimmhose, ein Handtuch, Butterbröte, eine Thermosflasche mit Tee, eine Wolldecke, ein Expmrdor, Springleine oder die bunte Gummihaut eines Balles, all das strafft gottlos die sonst so ernste, magere Tasche zu einem prallen Sack.
Und mm stürzt jeder zu seinem Lieblingsplatz ... auf seinen Flecken Gras, an seinem Baum, zu seinem Quadratmeter Sand. Die Erde verschwindet unter den Kleidern imb Hüten und die Natur unter den Leibern. Allen aber gehört gemeinsam der Blick durch den Dunst der Wochentage über die endlosen Seen, die gescheckt sind von braunen Leibern, umtänzelt von rosablauen Segeln. Wir schwören, daß es sogar Delphine in diesen zarten Fluten gibt.
Aber sehen wir das wirklich? Zunächst liegen alle platt, reglos auf der Erde, betäubt von tiefer, unbezahl er Gedankenlosigkeit. Man atmet alle Welträtsel, alle Börsrngrhrimnisse, Politik und Wohnungsnot zum Halse heraus. Und schluckt Sonne, Staub, Hitze und Feuchtigkeit, bis der gerechte Ausgleich das Vesperbrot noch reizvoller macht als die Ratur ringsum.
Kinderreichtums in den mittel- und westeuropäischen Ländern seit einem Menschenalter derartig tiefgreifende Wirkungen ausgelöst hat, daß heute Familien mit mehr als hrei Kindern sowohl auf dem Lande wie in der Stadt zu den Seltenheiten gehören, so dah die sich hier anbahnende Entwicklung innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem Rückgang der Dolkszahl führen muß, da die Erhöhung des durchschnittlichen Sterbealters natürlich nur bis zu einem gewissen Grade fortschreiten kann.
Die Befürworter einer bewußten Geburtenbeschränkung in Europa verweisen auf die an» gebfidj viel günstigere Lage der Bevölkerung in den Vereinigten Staaten von Amerika und glauben der europäischen Bevölkerung eine erhebliche Verbesserung ihrer sozialen unö ökonomischen Verhältnisse Voraussagen zu können, trenn fie dem Bei spiel Amerikas folgt. In der Tat haben die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten nicht nur eine Beschränkung der Einwanderung, sondern in noch oid größerem Umfange auch eine Verminderung der Geburtenzahl getrieben. Es ist keine Frage, daß die Armut an Menschen in den Vereinigten Staaten die wesentlichste Triebfeder für den schnellen und unaufhaltsamen Fortschritt der Technisierung und Rationalisierung, aller Lebensgebiete gewesen ist: der Mangel an menschlicher Arbeitskraft hat zur Benutzung der Maschinen gezwungen. Der natürliche Reichtum des Landes gestattet drüben eine verschwenderische Inanspruchnahme der Raturschähe, die Weite des Raumes, die schnelle Lösung des Einwanderers aus der Gebundenheit ungelernter Lohnarbeit. Trotzdem aber ist der Tiefstand der
den gegenwärtig bestehenden Verhältnissen ab- finden müssen
Der Gang der wirtschaftlichen Entwicklung und die technischen Erfordernisse drängen immer stärker daraus hin, die Frage der Erbauung des neuen Gaswerkes nun baldmöglichst der Lösung zuzuführen Bedauerlicherweise ist man trotz monatelanger Beratungen bisher noch zu keinem Uebcreinlommen in der Plahfrage gelangt. Wir wollen die verschiedenen Vorschläge, die in diesem Zusammenhänge aufgetaucht sind, hier keiner Erörterung unterziehen, da diese Dinge zu heikel sind, um in der Öffentlichkeit besprochen werden zu können Aber wir möchten doch sagen, daß mts nachgerade die Zeit gekommen zu sein scheint, in der man nach den langwierigen Beratungen endlich einen Entschluß fassen sollte. Bei der Prüftmg dieses großen Projektes sind allerdings auch die FeriwersorgungsPläne der Kohlen Industrie des Ruhrgebietes mit inS Auge zu fassen Obwohl in dieser Hinsicht bis heute noch alles in der Schwebe ist, glauben wir nach dem jetzigen Stand der Dinge nicht fehl zu gehen in der Meinung, daß man diese Pläne als Abschreckungsmittel gegenüber dem Gießener Gas- werkprojelt nicht gelten lassen kann Nachdem Frankfurt a. M. durch seinen bekannten Gruben- kauf und durch den Bau einer neuen großen Kokerei deutlich genug bekundet hat, daß es nicht gewillt ist, mit den Ruhrprojekten gemeinsam die Fahrt in die Zukunft anzutreten, und nachdem auch im hessischen Rheingebiet usw. die Stimmung gegenüber den Plänen der Kohlenindustrie außerordentlich flau geworden ist, dürfte die Situation auch für uns soweit klar geworden sein, daß wir in den nächsten Jahren auf eine Aenderung unserer Gasversorgungsverhältnisse durch das Erscheinen der Fernversorgung aus dem Ruhrgebiet Wohl nicht zu rechnen brauchen Auf einen unsicheren Zukunftswechsel hin sckllte man aber die Entscheidung in der Gaswerk frage nicht noch weiter zurückstellen Wenn später einmal wider Erwarten das Ruhrprojekt auch für unsere Gegend Geltung bekommen soltte, so wird sich für die neuen Gießener Gaswerkeinrichtungen sicherlich eine Verwendung finben, die zur weiteren Rutzbarmachung der hiesigen Anlagen führen wird.
Gießener GasWerkfragen
In Rr. 212 vom 10. September haben wir einem Bericht aus Wieseck Raum gegeben, in dem interessante Mitteilungen über eine bemerkenswerte Expansion des Gießener Gaswerkes gemacht wurden Danach hat sich unser Gaswerk durch einen auf 25 Jahre laufenden Vertrag zur Gaslieferung an Wieseck verpflichtet. Gleichzeitig hat sich Gießen in diesem Vertrage das Recht gesichert, „das Gas nach auswärts durch die Gemarkung Wieseck weiterzuleiten" Diesen Gaslieserungsvertrag in Verbindung mit der eben erwähnten Rechtssicherung über die Gasweiterleitung durch die Gemarkung Wreseck hindurch kann man als den ersten und verheißungsvollen Schritt zu einer Gasfernver- soraung vom Gießener Gaswerk aus ansehen Man darf diesen Vertrag mit der weitgesteckten Zielsetzung begrüßen, und das umso mehr, als man jetzt schon mancherlei verlauten hört über weitere DaSvers orgungspläne, die auch noch andere Gemeinden einbeziehen Ra- türlich ist es gegenwärtig inopportun, auf diese Angelegenheit näher einzugehrn, aber soviel kann wohl schon heute gesagt werden, daß die glückliche Durchführung der jetzigen Erwägungen von großem Vorteil für alle Beteiligten wäre. Die räumliche Ausdehnung einer Fernversorgung mit GaS würde in unserer Gegend natürlich nicht so groß fein wie etwa die Ueberland-Gasver- sorgung im Ruhrgebiet rm unmittelbaren Anschluß an die Zechen, immerhin aber würde sich das Ausmaß des Versorgungsnetzes doch erheblich über den unmittelbaren Wrrtschaftsbereich Gießens hinaus erstrecken
Mancher Gießener Mitbürger wird den Bericht übet den Vertragsabschluß mit Wieseck mit etwas gemischten Gefühlen auf genommen haben. Er hat dabei wohl an die Gasiröte gedacht, die in manchen Häusern Gießens leider zu verzeichnen sind, und er wird vielleicht von diesem Ge- sichtspunkt aus sich die Meinung gebildet haben, daß es doch notwendig sei, zunächst den Gießener Gasbeschwerden gründlich abzuhelfen und dann erst hcnauSzugehen in die Umgegend, um auch dort Gas avzugeben. Derartige Erwägungen sind aber bei näherer Prüfung der Dinge unbegründet Es soll nicht verkannt werden, daß in manchen Haushaltungen mit Recht über die geringe Stärke der Gasflammen geklagt wird. Aber die Der- hältnisse liegen doch so, dah diese Erscheinungen nicht etwa auf mangelnde Leistungsfähigkeit unseres Gaswerkes zurückzusühren sind, sondern dah die Ursache des Mangels in den in Betracht kommenden Häusern selbst zu suchen ist. Die meisten unserer Gießener Häuser sind nämlich bei ihrer Erbauung mit einer Gasinstallation versehen worden, bei der von vornherein keine Rücksicht auf künftige Entwicklungsmöglichkeiten genommen worden war, damals vielleicht auch nicht genommen werden konnte. Man installierte seinerzeit nur für die Versorgung mit Licht, für die Rohre mit geringer lichter Weite ausreichten, die man meist auch für die Zuleitung von der Straße her benutzte. Seitdem hat die Gasverwendung aber allerlei Entwicklungsstufen durchschritten. Zu dem Licht kam der Gaskocher, dann der Gasbadeofen, weiter der Gasbackofen, die Zimmerheizung mit GaS, neuerdings der Gas- Kühlschrank, alles Dinge, die das Dasein angenehm zu machen geeignet sind bei deren Anschaffung aber nur eins übersehen wurde, nämlich die Weite des Zuleitungsrohres. Dieselbe Rohrweite, die beim Einbau in daS Haus nur auf den Lichtbedarf berechnet war, sollte nun auch dem erheblich erweiterten Gaskonsum die entsprechende Zufuhr gestatten. Daß dies nicht möglich ist, daß da Mängel auftreten müssen, weil eben fein Ding über seine Bestimmung hinaus zu leisten vermag, das liegt klar auf der Hand. In den neueren Häusern, die in ihrer Gasrohrinstallation auf die heutige umfangreiche Ver- wendung des Gases eingestellt sind, werden Be- anftanbungen über mangelnde Stärke der Gas- ftaurmen nicht Vorkommen, ebensowenig auch in älteren Häusern, in denen eine dem erweiterten Gaskonsum angepaßte Umänderung der Zuleitungsrohre vorgenommen wurde. Anderseits ist aber auch em gewisses Störungsmoment im Gas- rohmetz nicht unbeachtet zu lassen. Es ist dies das Naphthalin, ein Ausscheidungsprodukt des Gases,
Diele allerdings müssen sich damit begnügen, Halme zu kauen oder an Kienäpfeln zu knabbern. Beginnt das Tier in rrns so schnäl lebendig zu werden, das ewig schlummern muß, weil es Schreibmaschinen und Rechenschieber für unverdaulich erkannte? Oder ist es ein symbolischer Akt inniger Verschmelzung, Vermählung mit der Statur, um sie ganz innen, bitter, roh und unverfälscht zu schmecken, ästhetische Rohköstler, die nur an Samstagen ihren Gelüsten fronen können.
Wir sind ein ganzes Volk von Wilden mit unsichtbaren Stehkragen und liegen im Sande unb pfeifen auf das Bambusrohr des Chefs. Wir sind alle nackt bis auf den Lendenschurz, den viele wie einen Smoking tragen. Das ist schon so wie Abenteuer. Kleidung bedeutet ja Bureau, Wochendienst, Etikette. Wie komisch wirkt so ein nackter Wochenendler, der sich verbeugt. Man sieht die Mechanik der Höflichkeit vom Skelett produziert und ist abgestoßen von» der Häßlichkeit solcher Onanieren, die lediglich ein Zivilist besitzen^ kann. Wir aber sind die hellenische Garde! Andächtig versinken wir in unsere schweigende Leere, die Spannung und Verlegenheit zugleich ist. Was sollen wir jetzt beginnen, ohne Taschen, ohne Tische, ohne Telephon und Kino? Dielen von uns wird die Ratur unerträglich. Sie beginnen umherzutraben wie Pferde oder klettern auf die Bäume. Wie sie die Zähne fletschen und mit den langen Armen von Ast zu Ast greifen, unartikulierte Laute aus stoßend.
Und ehe das Auge die schier unermeßliche Ferne ganz austransi trübt sich der Himmel orangen, grün, und preußischblaue Rächt kriecht mit gerunzelten Brauen über die Wipfel, die plötzlich Bajonetten gleichen. Die Hügel beginnen zu zittern unter den Füßen der Sportler, die jetzt trainieren müssen, den Expandor reißen, springen und radschlagen.
„Wir müssen noch die Uebung fünfzehn durchnehmen, mein Schah," sagt eine Frau mit ernster Stimme zu einem Mann. Hurtig legt er sich auf den Rücken und beginnt die Füße langsam zu heben, bis sie hinter dem Kopf den Boden berühren. Kritischen Blicks verfolgt sie das Tempo und hart erschallen chre Kommandos durch den von Menschen gelichteten Wald. Die Ratur macht Feierabend.
amerikanischen Geburtenziffer etn Gegenstand ernstester Sorge für alle Denkenden drüben: man konstatiert insbesondere das schnelle Aus sterben der wertvollen Elemente, die ursprünglich den Hauptkern der europäischen Einwanderer bildeten, vor allem also des englischen und deutschen Elements. Auf der andern Seite beobachtet man mit Beunruhigung das relative Anwachsen der Regerbevölkerung und das Hin- einströmen wachsender Ziffern von Einwanderern aus den europäischen Ostgebieten, die der ursprünglichen Kultur des Landes fremd sind und deren Aussaugung durch das alttingettxmberte Element den größten Schwierigkeiten begegnet. Amerika bietet naturgemäß der lebenden ©ene- ratton eben wegen seines Reichtums an Raturschätzen und seines durch die Rot erzeugten technischen Fortschritte eine wett günstigere Lebens- mögllchkeit als Europa, aber seiner Ausgabe, die ungeheuren Räume zwischen den beiden Ozeanen wirllich zu einem Lande des weihen Mannes zu machen, rückt es nicht näher, so lange es diesen Lebens - raum nicht auch mit lebenden Menschen zu erfüllen vermag und eine wachsende Bevölkerung für die nächsten Generationen sicherstellt. Den schweren Zukunftssorgen der amerikanischen Sachkenner muß man daher in vollem Umfange beipflichten, man kann es insofern nur als eine sehr egoistische Kurzsichtigkeit der am'ii- lanischen Gegenwart bezeichnen, wenn die gün- ftige Gelegenheit, aus dem durch den Weltkrieg wirtschaftlich erschöpften Europa eine große Zahl wertvoller Auswanderer herüberzuholen, versäumt wird, während man nach Jahrzehnten sich vielleicht entschließen muß, wahllos den Bodensatz der europäischen Devöllerung aufzunehmen.
So schwerwiegende Fragen wie diejenige einer willkürlichen Geburtenbeschränkung dürfen und formen nicht nach dem scheinbaren Bedürfnis eines einzelnen Landes oder eines kurzen Zeitabschnittes beurteilt werden, sondern sie müssen durchaus unter dem Gesichtswinkel der säkularen allgemeinen Entwicklung der Menschheit treten. Die industriellen Länder Europas leiden zwar heute unter mangelnder Auswirkungsmöglichkeit ihrer hoch gesteigerten Arbeitskraft, das ist aber nicht gleichbedeutend mit Uebervölkcrung, sondern nur der Ausdruck der gewaltigen wirtschaftlichen Kraftver- fchiebungen, die sich während des Weltkrieges und in seinem Gefolge entwickelt haben, und deren Ausgleich in dem Augenblick sich ziemlich schnell vollziehen wird, wo das Wirtschaftsleben unb die Initiative der europäischen Völker sich genügend gekräftigt haben, um die der weißen Rasse im Blute liegende Expan- s i v n s k r a f t neuerdings entfalten zu können. Unter dem Gesichtswinkel des Jahres 1815 wäre
daS sich in den Leitungen absetzt und diese von Zeit zu Zeit so verdichtet, daß in den engen Rohren der Hauszuleitungen mehr oder minder starke Verstopfungen entstehen können. Um diesem liebelstand in wirksamer Weise zu begegnen, hat das Gaswerk vor einiger Zeit einen Naphthalinwascher in Betrieb genommen, durch den das Gas vor seinem Austritt aus dem Werk in den Konsmn- bereich zwecks Entfernung des Naphthalins „gewaschen' wird. Die Auswirkung dieses Apparates auf das jetzt in den Leitungen steckende, in der vorhergehenden _ Zeit abgesetzte Naphthalin wird sich jetzt allmählich geltend machen. Im übrigen ist auch noch die Tatsache im Auge zu behalten, daß unsere Stadt innerhalb ihres Bereichs einen Höhenunterschied von etwa 40 Metern aufweist, wodurch zwischen den hochgelegenen Straßen und den tiefersiegenden Stadttellen immer eine aewisse Druckschwankung bestehen bleiben wird, Die man namentlich in der Hauptkonsumzeit, beim mittäglichen Kochen, wird bemerken formen. Hierbei ist daran zu erinnern, daß eben auch unser zum Teil schon im Jahre 1856 verlegtes Gasrohrnetz nicht mehr ganz den stark in die Höhe geschnellten Anforderungen in den Stunden des Haupttonsumes Genüge leisten kann. Wir haben eben nicht nur in vielen Gebäuden zu enge HauSleitungsrohre, sondern auch ein zum Teil nicht mehr ganz auf der heutigen Konsumhöhe stehendes Sttahenzuleitungsnetz. In dieser Hinsicht hätten die zuständigen Stellen schon längst Abhilfe geschaffen, wenn nicht die dringende Rotwendigkett bestände, den GaSwerks- betrieb aus der Stadtmitte hinaus zu verlegen und bei dieser Gelegenheit gleich ein neues Gaswerk zu erbauen, daS auch den Anforderungen vieler kommender Jahre Entsprechen kann. Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus ist es natürlich nicht möglich, heute neue und größere Rohre zu verlegen, wenn man noch nicht mit Bestimmtheit weih, an welcher Stelle des Stadtgebiets das neue Gasweick errichtet wird. Würä man anders verfahren, so liefe man Gefahr, in Kürze unter Umständen teure Rohre eingebaut zu haben, die nach der Inbetriebnahme des neuen Werks ganz oder zum großen Teil am unpassenden Platze sich befänden Bei dieser Sachlage wird man sich also noch eine geraume Zett mit
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