Nr. 13 Zweiter Blatt
Sietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 16. Mai (92t
Die beiden Mussolini.
Boa loHrrrei rtortfGrn V.» Ä orrd ponbrr.i < r
TS a 11 a n b. Mai
3* großen TRatlnnb gibt es ein kleines 3un®rr bas seine Bebeutung bat Bon einem *u sprechen Hl e«geerttch etnr über» mebrnr -Stlichte'« benn es Hal »»ar eine «• rahetu politi'ch rote labet< aber keine jr: flUdre. Biell richt tt bas 'eine Seele Unb Wie nun Weib, farm eine 3ün»et1eeU ben ttbarafier seines tnrrn beftünrtri ober wengtzens bc- tteunenb in «ein Veben rteare.len. GroHe Hon- kor.tr erbffr.ft tat schie'e stämmerchen ja nicht bet Bild fällt aus Pater, auf lauter winzige, morsche Schtnbeibächer die um einen Lulr'chach« br* M. wenn man gönnerhaft sein »UL einen alnnobtschen Beigen b Iben Briütet es ben Be- »ebner ein Stückchen rotn Italienischen Himmel |M leben I» mutz er dicht ans Sen fier heran- treten unb ben Kob« te ben Baden legen. Hat er bie normale menlchllcht Stellung «urud* gewönne- so befindet er sich mitten im Bolle Kenn es bangt auch ein . Balten" in den Luft- schacht hinunter unb Aeinalte Büglerinnen unb Wäscherinnen n.ujur.ge Binder dazWilchen die sich für die rach»titchen Pflanzen m ben Bon« feroenbuchten - den Blumeiwalen. wenn man ■ÜHli* bleiben will interessieren, trippeln auf laturbubne bin u bei Ju-
schauerlchal! nach Tenorsitte dicht an die Aampe.
Jn diesem Hinterhausz immer wurde bas neue Italien geboren.
Hier hemmte ein von der Polizei bebrängter Bebafleur die Fäuste auf den falsch »um Licht Hegenden Schrrito'lch und knetete fetn Sch cklal bas Schicksal eines B,er-zimn.lltonenvo!k<s Dieser hochfahrende Bfann hietz Benito TRulf o- II ni
Tlachdem es sich der junge Wann in den Kops grient hatte von seiner Bude aus den Spa 4« er gang nach Born zu unternehmen, wo man ihn aus Dem stapttol zum rtatifen Bürger ausnes blieb leine Hülle, bas rote 3hnmer*en. als Sehenswürdigkeit zurück Jetzt steht Arnaldo HuHoIml vor dem Schrelbttlch. der vor Schreck unb Stolz frun.m geworden ift und erzählt
.Das Haus war ein einziges BeTf4Mrbretmeh Heber all waren Waffen versteckt, aber die Polizei bat niemals was gefunden Archt die Pi- holen die mein Bruder bei der Hand hatte, unb nicht einmal bie beiden Maschinengewehre .
Arnaldo hebt Benito nicht unähnlich, nur datz er beleibter iS und einen Kneifer trägt Da er infolgedessen die be* rühmten kreisrunden Augen der Mussolini eher zusammen zwickt, als rollen lätzt. könnte man Ihn manchmal IQr Ma, Beger ansprechen Das Haar wedelt ihm auch so seldSändig um die Shrnr Sr bat angeboren ober angenommen, bie Gebärdensprache hines groben Bruders, wirst das Btan hoch und schiebt bie Unterlippe bock) wenn er eine Paule des Hebers egens macht, ist trocken. leldSdewutzt in seiner Bebe scheinbar unempsänglich für Anerkennung ober Kritik Wenn bie Sprache auf den Duee kommt lagt er immer II mm fratrllo Mmsohm .Da» Gewehr hat mein Bruder Mussolini mitgenommen"'.
Drunten plaudert er über die Kämpfe, die sich in dem L*uftld>ad)t und um den Schindelhol abl vielten dann bittet er den Pressechef seines Bruder» den Grafen Gapallv Tone, in sein Auto Wir folgen. Der Weg von dieser ersten falzistilchen Arbeitsstätte, wo jeht der Verlag Alpes Idee Zelte ausgeschlagen, zu dem neuen, modernen Heim des Popolo d"Italia ist — jetzt — nicht weit Seineryil als brr revolutionäre Avantt-^bcfredakteur von der sozialistischen Partei ausgestotzen wurde. Benito Mussolini mochte er unerreichbar lang erscheinen Hat die journa- listi'che Welt schon jemals einen derart blitz- anigen und meieorhaslen Ausstieg eines Scheilt- leiters. einer Partei, einer Staatsbewegung erlebt? Man mag zur Politik Mussolinis Heben, wie man will, die Art wie er sich als ,ouma- nah sti scher Bämpser aufs ungesattelte P'erd ge-
»orfen hat unb dem phantastisch scheinenden Ziele, das ihm vorichtoedte zustürmte must |tbr- Presfemanrr tm Innersten murr.bm Die*f nichts fürchtende Tatkraft, die eine zwblfmal ge Ge- fängnishaft 'ächt abkühlen forme nicht Hunger unb Betrat die sollten sich so manche unterer Jungen, die nicht erst etwas werden sondern gleich etwas fein wollen, vor Augen halten
Wie vorher Benito, so leitet tetzi Arnaldo Btertohni Nil maßgebende Blatt Ital ens den .Popolo d Italia". Im gleichen unversöh.-..chen. Melllaren vorrnärtsia gerben Deist. 6r hat de Weiche schneidende Diskussionen abfchne dende Sprache wie der frühere Äubm zu der sich eine gute Dosts von jener Wurschtigkeit gesellt. w,e sie den Starken auszeichnet wenn sie ihm auch nicht immer fleh!
Schon die Vorhalle des Gebäudes in heilem Touche btr Tloiatiensmafch^nen donnern atmet nichts mehr von dem die Armut kennenden, die Schächer auf den Ferien wissenden Deist des roten Hofztmmers Da lehnt ein junger Athlet in der Pole der Entspannung, ein gutes Marmorwerk. unb Daneben steht ein mächtiges Belief der Bgennlnenbalbinkl auf der Brenner Triest. Fiume unb Zara angeschraubt lind buchstäblich mit Oilenmunrrn angeschraubte Pfosten. Darüber ein Wort d Annunzios. Was ich umklam- wert habe, das lasse ich nicht!
Es scheint Mulsvlitiis ILahl'pr^ch in der Lutzeren wie in der inneren Politik zu lein Oben zwei Arbeitsrüume. der Saal Bonservlzi unb der Saal des 28. Ott oder Die Bedattions- zimmer Arnaldos unb Benitos. Bonlervizi. dessen Gedächtnis in der Namengebung sortleden soll. War der von Falzistengegnern in Paris ermordete Borrespvnbent be# .Popolo d Italia", unb Arnaldo hat lein bleiches Opserhaupt immer vor Augen Am 29 Oktober begann der Marich aul Born unb Io. wie Benito fein Zimmer verlassen hat. als ihn der Bönig rief, unberührt unb unbenutzt blieb es so Heben. .Hollen wir", lagt Arnaldo, .es möge noch lange verödet bleiben!" So lange sein Herr nicht zurückkehrt. Io lange werden seine Adler über Born kreisen.
Wir haben also Mutze, die Die^e des Faszlsmus zu betrachten Bon den unzähligen Geschenken, die Mussolini täglich aus aller Herren Länder erhält, die in Born bereits eine ansehn- siche Zitier von Quadratmetern bedecken, von den Hultogungsartikeln. die diesem ersten Leitartikler datgebracht werben, die vom Frühlings- «edicht des Backfisches dis zum afrikanischen öWen des Herrschers von Aethiopien nichts vermissen lassen, hat der Liebling der Fortuna iiatürlich nur einige Wenige in seinem Mailänder Arbeitshrim imlerbringen können. Mehr ober minder gelungene Büsten von ihm stehen herum. Zeichnunaen hängen da. Photographien unb Bari- faturen sind an die Wand geheftet .Seco StrelemannT. verfehlt Arnaldo Mussolini nicht hinzudeuten . ein zerschossener Stahlhelm ruht auf einem Tisch unb blutrot leuchtet eine der umstrittensten Bommuniftenfabnen von der Wand.
Am interessantesten aber sind die Familienbilder. die über Benitos Schreibtisch hängen: seine Gltern. deutlich gemalt, wie sie ein Btnb sehen will, n;cht sutunstilch-kubistilch in gcv- melnlchc Grundbegriffe ausgelöst wie Mussolini selber letzt mit Vorliebe von den .Modernen" abacbilbet wirb. Dazwischen etn kleines Gemälde. das eine jener locker aus Steinen gefügten Behausungen grauen Tones zeigt, wie he die Maler so gerne als .echt italienisch' und die ersehnten Käufer als .dirett malerisch" bezeichnen, Bauernhäuser, in denen aber weder Maler noch Säufer wohnen mochten. Mussolini hat dar.n aewohnt. über der steinernen Stiege die ins Innere der Hütte führt, ist er sogar geboren werben Unb wieder, im Angesicht lirier Berm- lichkeit verg tzt man die le dige Politik unb sieht nur staunend die Freitreppe zum Bapitol. den Weg. den em nur auf sich gestellter Mann zu erklimmen imstande ist
Gegenüber Mussolinis Binder: Edda. die
jeht bereits zu einer S-gnoctna Hera »gewachten ist. unb leine beiden Buben mU den kreisrunden Bugen unter den Ponphaapen Der jüngere hat einen auf fall mb germanischen ®.nkblag
Arnaldo weist noch immer intereffanl zu Haubern <1 r lucht feine Jbmv das merkt man übe an. er begKÜat sich mit der Wröste des Bruders Hnb doch wer weist vielleicht wird auch der Aachfvlger des Duce — man spricht ja Io gern unb so vorzeitig davon Muttvlim heisten.
Darmstädter Bries.
Nstkarismus, Lo;ialdcmokr«lie und Btrwalkungsrcform.
3m .Zusammenhang mit der Heistschen Finanz- knse. bw dem Barnen des Landet wenn er tm Brich aenonni wird, nicht gerade den besten Rlar-j in iiadttpohftidxm euin gegeben hat wurde bie und da. insbesondere aber bei dem stampf um den Volksentscheid im Dezember oeroangenen Jahre- der Ae- danke der Lusgadc der staoU'chen c-dbftäntegfeit Hetzen» zugunsten irgendeiner ausgearieten staatsrechtlichen Orgmufahon geöusteri. (F» erscheint daher nickst umnterefkmL zu betracht en wie sich die stärkste vartei de» Lande» die eojialbemofratw zu diesem Gebauten praktisch bisher verhalten hat.
Der unttoristüche Charakter der der Vnd»orr- saftung nach der m Seimar herrschenden staatsrechtlichen Aulsafsung zugrunde heat — bie |a die Verwirklichung des deutichen Einheitsstaates zum Ziel bat — wirb, abgesehen von ben grasten liberalen Parteien, die dabei überwiegend kulturpolitische Tendenzen verfolgen, im Sinne schärfster pohulth- r '!. ri'cher 21 i von b. . I •
bemotratie im Reiche stet» betont unb gepflegt Bei näherer Betrachtung dieser €taat»ibeologie ergibt sich ober rin unverkennbarer Wideripruch zwischen der staatstheoretischen Forderung der Lvzurl- bemofratfn im Beut) unb ihrer realpolitifchen Betätigung in den Landern insbesondere in Hessen, wo sich bei der Analyse dieser Gefamtericheinung rin lolcher Äiderspruch besonder» scharf au »geprägt oor- findet. Die Sozialdemokratie, die in der Volksver- tretung unb der Negierung des Landes die Führung h'! hat hd) in ihrer r gegenüber dem unitanftndxn Gedanken stets ablehnend verhalten.
Dieser Grundzug austeri sich deutlich in der F i • nar zgebarung de» Lande» al» dem stärksten Ausdruck eigener Staatshoheit. 3n Ieinem Land find die auf Grund de» Z-tnanzausgleichgesetzes ben Landern »iberlatzenen wteuerqueOen (Gr inb-, Ge- bau de conbi rgebaube- unb Gewerbesteuer) |o reichlich, »a fast ubennästig ausgefchöoft worden, rme in Hessen, stein Lunder, dast im vergleich mit den anderen Ländern die Steuerquote auf den stopf der Bevölkerung berechnet, in unserem Staat»gebilbe trotz aller gegenteiligen Behauptungen am größten ist. Bei ben ersten Anzeichen einxr GesSyrbung der staatsf man stellen Selbständigkeit hatte gerate au» den Neiden der Sozialdemokratie angrhdx» der an sich steuerschwachen Bevölkerung de» Lande» unb insbesandere au» programmatischen Gründen der Ruf nach Anschtost an einen Grofjftaat de» Reiches im Sinne einer allmählichen umtaristischen Gesamt- entwidlung ertönen müssen. Aber gerade da» Gegenteil davon war der Fall. Die floalitionsparteien suchten unter der Führung der sostaweinokratischen Abgeordneten im Landtag durch immer neue Steuererhohungsbewilllgungen bie Finanzkalamität zu beschworen, unb schufen so bei den breiten La hiermasten des Volks bie Btattform, auf der sich nachmal» bie Parteien de» sogenannten ..Ordnung»- und Wirtschaft^ilock»" zu ihrem gemeinsamen Angriff auf die Regierungskoalition Ian- ben. Rur einmal kurz oor dem Volksentscheid im Dezember vergangenen Jahre» ist der Gedanke der Ausgabe der staatlichen Selbständigkeit Hetzen» von ’R e g i e r u n g • | e i t e . unb zwar von bem Hess«- schen timangninifter. offiziell au »gesprochen worden. doch glich die» im Zusammenhang einer Beratung über Ausgaben für kulturelle Zwecke mehr einem Schreckschust al» einem ernst erwogenen Plan.
9* •«»■**. bw Ne Soziatdemokvttie m Hetzen bewogen haben mögen mit aller 0nvch»edenheil ;f- Itchen Geben#n-, einer Aufhohung der fu. :u!x SrivstänNgkeu oon sich z, we «en. swd wohl nicht allzu schwer ju erraten wenn man bedentt dast gerade von '.L'zwldemotranscher Seile au» eine grundlegende Verwaltungsreform mit dem 3*t einer Vereinfachung de» grämten Staaioarp.' rat» bi» vor kurzem noch stritt abgelebnt wurde. Das gibt um so mehr zu henken al» In der Lnwenduna u:n«cf|enbcr Lpar-mastna^.en in de. gesamt«! klaatswtrtzchasl Sie gerade br: Sozial Demokratie besonder» erwünschte Gewahr geboten wäre, ui abfehbarer Zeit nitfct rrs < ■ dende stoatllche Zakanftsfraoe-i gestellt zu ir.r.Vr- Unter dem Zwang der fvt Si.tr.. ife und - u A..» sicht auf b* Neuwahlen im Herbst mustte Ne Bmk rung Ne Durchführung einer ver waltongsre'. rm in Angriff nehmen Über schon hegen von sazialbem kratischer Seile dem Landtage Anträge cor. nach denen die Belormpläne. sofern sie auch nur zum les fertl-gestellt sind alsbald dem Landtag vur Überprüfung zu gehen sollen. Inwieweit sich bi Ke Mastnodmen in bem Ltuat»hau»balt für 1W7 au, wirken, werden Ne Beratungen tm Plenum be» des- lischen Ikmbtog» zum Swatsoorarstchlag in ben kom- n-enben Wochen erweisen.
Stenographische vezirtrtagung in Stehen.
• Gieren. 15. Mai
Die Tatsache, datz einer der leitzungssähitz- ff en und rühngsten dezirksvereine. die .S r st c Aeichskurzschriftgesellschaft Babelsberger und Daiiienabteilung \ c • fi e n“, in diesem Jahre die Seiet feine* JO jährigen Bestehens begehen konnte gab Ber- anlattung den dlesiährigen Sruhjahrs- be»irkstag des Bezirks G l e tz e n tm Hefsilch-Valsauischen Burzlchriftvetda'd .Babelsberger" «Verband für Ainheitskurzschrilt) in Verbindung mit dem Jubiläum der Gietzener Bunstgenosten hier in Bietzen abzuhalten Aus allen Teilen des Bezirksgebietes waren Stenographen in großer 3ahl nach der Provinzial- Hauptstadt gekommen, nicht nur um an dem Bezirkstag und an dem damit verbundenen Wett- Ichreiben. sondern auch an der Jubelfeier der lyteftcner (defelllchast teilzunehmen Der gut beschickte
verirr irriag
fand am Samstagabend Im iDasthaus . Zur Stadt Lich" in anregendem Verlauf statt Aach Begrüßung der Delegierten durch den Vorsitzenden der 1. Aeichskurzichriltgesellschast. OberMretär Ba mb ad>. und den Bezirksvorfttzenden Prokurist Bubi iViefteni, erstattete der letztere den Jahresbericht, der im allgemeinen eine rege Tätigkeit der 16 Bezirksvereine feststes!en konnte hon denen zur Zell nur der Verein In Lich sch läse. Insgesamt zählt der Bezirk 1277 Mit- glteber <darunter 401 weid' hej. was gegenüber bem Vorjahre ein Mehr von 116 bedeutet Hnterricht et wurden 507 Personen, darunter 131 weibliche Die staatliche Stenographiriehrerprufung bestanden zwei Bt Airf<angebi>ngf Lehrer Schä - bei In Lollar und Georg Wahl von der Dietz ener Gesellschaft Als rin beachtenswerter Qrfolg wurde von dem Berichterstatter das erste Stenotypisten- Wef tschreiben gebucht, das der Bezirk am 3 April d. I bei einer Beteiligung von 18 Bewerbern in Dietzen mit guten Grgcbnillcn ab hatten konnte. Gin »- rireuliches Bild bot auch die von Kaufmann G r a v e l i u s «Dietzen- vorgeiegte Aech- nung. die an Einnahmen 1535.58 Mk. an Ausgaben 1420 Mk und ein Vermögen in Höhe von 418.42 Mk. aulweist
2kachdem Bankbeamter Aachtigall, Dietzen. die Verhandlungslchrift vom Herbstbez.rks- tag 1926 in Wiefcck verlesen batte, gaben bie kurzen Tätigkeitsberichte der Vereine zu Bad-Vauheim, Butzbach. Friedberg. Dietzen tDefelklchast. Verein von 1861, 'Dement ercin i.
Eröffnung der DeutschenTheater- aurftellung Magdeburg 1927.
(Bon unserem nach Vandeburg entsandten -y-Bebaf- nonemitglieb.)
Magdeburg 14. Mai
■1» eir am Honage brr .4 iruhmorgen» hier antomen. ba hatte bie ceftftabt Magdri.-rg »hr allerunfroheste» gnesgrämigste» und risheititzstes Gesicht aufgesetzt Da» Setter war kühl trüb unb windig der Maitag rme ein verspäteter flpnL Pan- frai schmollte, unb bie schlimme Sophie", bie im Botksnnwbe minder oerbreuef ist. aber meist hinter ben brri Geftrmain herkommr unb auch allerlei zu britellen bat. liest heute vormittag |ur Einweihung»- Jeter batb wieder graue Wolkenfahnen über den an- ang» Mau au»gcNarren Ä »stellungshlmmri fliegen unb war sogar so unfreundlich, in bte lewen Beben binnn|urtgncn Immerhin war da» äusterttch unb bat bem grasten Wert nicht gelchabet.
3oxDob<: bem grosten Werke: es ist etwas Erstaunliche» was bie rt.:<N Magdeburg teer in oer- hältniomästig kurzer Zeit au» bem Boden geftamp't bat unb sw» nun heute her Oeftentlichkett westlich unb würdig überantwortet wurde der deutschen, unb man kann wohl sagen der eurvooi'chen Deffent- licht eit übergeben. Mu dieser Ausstellung hat sich Deutfchlanb tür die kommenden Monate em neue» Tbeatervntrum gd«hohen, eine Drganijanon unb eine Schau, tee w. über unsere Grenzen hinaus anerkannt unb gewürthat werden wirb.
Den unfreundinhen ersten Empfang, für ben niemand auster den hockpncgenden ftalenbergcpen verantwortlich zu machen ist. hat man sogleich oer- gellen, wenn der imponierend hochragende, al» Blick- puntt und architektomiche vertikale ruirkende Turm — rme bie meisten 9u»tteUunp»gebäub< ein Werk von Prvfellor A I b i n m ü 11 e r (?armftabt) — ror bem Äuge auftau«ht. unb wenn man im weiten Ehrcnhof. am Eingang zum '.Rotebornparf auf her Sldinfel liebt, die ba» weitläufige Ausstellung»- gelänge trägt. Der ehren bei wird in breiter Front durch d e in fünf Maralen boehaefübrte Stadthalle nach der Eide hin adgefchlollen. Die grostzugig modernen. fachlickren Baugruppen der Lurstellung»- hallen und Wandelgänge schaffen eine klare, über, sichtliche Platzwirkung
3m Ehrenhof sammeln sich 300 Journalisten — aus Magded. ra au» ganz Deutschlanb. aus dem Auslande: fast alle mc^ebenben Blatter stnd oer- treten —, und es beginnt ein erster Rundgmg. 6:r Pressevorschau. Uebrigens war die Ausstel
lung noch nicht ganz und in allen Teilen fertig, auch heute am Eröffnungstage, nicht. fWai eine richtige Ausstellung ist. die wird nie am 'e'tgesetzten Tage fertig.) Gestern wurde noch allenthalben eintzg gebaut gelegt, gehämmert, gestampft, geputzt und rotiert Man überiah ba». man hotte feine Zeit, darauf ockstzugeden. dieweil die hundert und tausend bunten. wechselnden Eindrücke aus bieler ersten ifüh- rung die Sinne über unb über beschäftigten. Wo» hier zu sehen war. davon soll an anderer cteDe die Bede fein; auch der 'tüchtigste Bericht würde den heute verfügbaren Rahmen sprengen.
An die in mehreren grosten Gruppen bewältigte Prellebesichtigung schisst sich nachmittag» ein ofti- zieller Press eempsana im Älofterbergegarten an; die anwesenden deutschen und aurlandischen Journalisten wurden während eines Ellen» von Oberbürgermeister B e i w » Magdeburg namrn» der Stadt und der flus|ieDung»leitung sowie oor. Be- dakteur Feldhau» 'Magdidurgifche Zeitung) namens de» Pnefseaurlchulle» und der hiesigen Prelle auf da» herzlichfie bewillkommnet. 3m warnen der zu Gast erschienenen Prelle dantte Herr Stu- mann-Hoser.
Die für gestern atxnb als Zeftvorstellung angefetzte Oper .Aikobemus" von rimm mutzte abgefetzt r. erben, dafür wurde am Eröffnungstage in einer festlichen Aufführung die neuem- deckte Oper .Die Macht des S-dydiair von Derdi in der Bearbeitung von Werfel, gespielt; wir konnten dieser Vorstellung nicht bei» wohnen hörten dafür an Freitag zwei moderne Werke, die burleske Szenenlolge .Petruschka" von Strobln Hl), dem Schöpfer der .Defchichte vom Soldaten und als Probe der 77-odernen Ipan'.lchen Opernkunst Manuri de Fallas zwei- attiges Spiel „Gin kurzes Leben das sich als ein ausgesprochen nationalfpar.i'ch instrumentiertes lyrifch-choreographifches Intermezzo erwies. Die aus Elementen des tonocnttoneJrr eiten Opernstils und aus ganz ncuzrillich empfundenen, stellenroeise etwas gewalttätig annetenten Älang- trirfurgen zulammengefetzte Mu'ck stritt ziemliche AnfordeTur.gcn an die Qir.fü. ungsgabe des durchschnittlichen deutschen Hörers —
Am Freitag, den 14. Mai. bald nach 11 Hhr vormittags ist die Deutsche Theaterausstellung Magdeburg 1 927 feierlich eröffnet worden. Unter freier- der
anfangs fchön blau ist. aber bald ich bmier graue- AegenWolken versteckt, vor dem Musik
pavillon am Adolf-Mittag-See sammelt sich die Thea ierg rme, nde zur Weihe der Ausstellung. Natürlich ist das ganze offizielle Magdeburg vollzählig zur Stelle; 30D Journalisten aus Deutschland Europa. Amerika, aus aller Herren Ländern; die Staatsminister Prvfellov Dr Becker. Berlin fals Vertreter der preu- bifchen Regierung) BoeliQ. Berlin. Marquardt. Braunschweig. Dr Baifer, Dresden. lehr ahme begreif-
llchcrweile aus den Breiten der Literatur, des Theaters, der W.'lentchaft; man Iah hier u. a. Prof v. Wecus, Prof. Doegen, General* Intendant Tauber Irchn Dlüser, Aickelt und D a l l a u e r. Prof D i t k o w I k v . Leipzig. Dr. Dülel. Dr. Lebe de. Pro! Albin- müller. Dloesser. Generalintendant von H o 11 h o I s. Prof. Schlemmer vom Dellauer Bauhaus. Emil P i r ch a n und Herbert Eule n b e r g. Viel« Damen. Gütige Uniformen.
Lach dem musikalischen Auftakt begannen d.e Veden. Als erster sprach der Präsident der Ausstellung. €tabtt*. Miller Magdeburg der nach ein'.ritenden Begrützungsworten den Gedanken der Ausstellung als das Produkt nicht einer Laune, sondern der solger-.chf.grn Entwicklung des Magdeburger Aussteliungsgebankens kennzeich* neu. er gab der Hoffnung Ausdruck, das hier Deichaffcne möchte nicht nur der künstlerischen, sondern auch der wirtfchattlichen Entwicklung des deutschen Theaters dienen
Coban:, gab Dberbürgermn fttr Belms Magdeburg, einen kurzen Ueberbllck über das allmählich berangereitte und unter mancherlei Lchcterigkc ten und Hemmungen nunmehr glücklich oollenbete Ausstellungswerk. Der Aebner bat dann den Protektor der Ausstellung. Staats- Minister Becker, d.e Ausstellung zu eröffnen.
Bultusm-mster Pros. Dr. Bede r füirrte in feinet Ansprache u. a. das Folgende aui
Dreimal ;m Zeitraum der letzten 123 Jahre hat die Deutsch Sur.froerwaltung durch Idee und Tat au‘ die Drtchecke des Deutschen Theaters bestimmend eingewerfL
DaS erftemal nach den Freiheitskriegen, m der Jkr.^e des gr.fügen W ederausdaue-s des Preutzr'chen Staates. Das zweitemal m der Zeit der grollen ku-turvol'.tischen AefvemprogrLMTne des Jahres 1S49 Das britietnal nach der Stoats- unnpä!»ung. die aus den Hof-Theatern Staate- theater mache
Wie hat hdb leit jenen Tagen das Drilche der Weit und des Theaters gewandelt' Was dama!s rrbefft und ersehnt wurde, ist gröhten
triss 'Wirklichkeit geworden. Heute ist der Preu- stifche Staat mit seinen lieben Ssaatsbühnen einer der größten europäischen Theater-Hnternehmer Hns bedeutet das Theater mehr als ein Organ höfischer ober ge'ell<chasttck)er Aepräfentation. ist es doch eins der Wichslglren Bilhungitinhm- mente geworben, und auch der Staatsmann kann und mutz mit dem Theater, feinen Driebnis- unb Wtrkungsmögllchketten rechnen.
Wenn wir bas umfassende Ausftellungsrverk in dieser Stunde feierlich weihen, so dürfen wir schließlich der Tatsache aedenken. datz aus Mcg>- burg der Segenswunsch eines grofn-n deut Ich?n Dichters ruht 3n dem Gnrwutf zu einer Borrebe zu seinem .Aathan dem Weisen" schreibt Lesstng' .Aoch kenne ich feinen Ort in Deutschland. Wo dieses Stück jetzt ausgeführt a ;-rbm könnte Aber Heil und Glück bem. wo es zuerst auf geführt Wirb." Magdeburg. ax> der .Aathan" 1831 zum ersten Male mit (befolg gespielt würbe, darf diesen Drust des Dichters für sich In Anspruch nahmen. Heil und Glück feiner .Theater- Ausstellung"
Er sprachen ferner Siaatoral Dr. Morn München al» Vertreter bet Deutschen Bühnen Vereins, Vrofibrnt 911 d r 11 (in sehr lernperarn«ntvollen Dar- le gangen i namens btt Genellenschoft Deutscher Büh- nen-angehonzen, 6taot»mimft<r a. D. Baake vom Volk »bühnen verband unb Eiaateminifter a. D Dr. Boe11 tz für Öen Buhnenoolksbund
Die Merzge, über deren stopfen rin Flieger seine schtanken streitr zog. teest. prctzente,!» stehend, tapfer au» bi» zuletzt, al» schon wieder Aopenschauer und sogar rin toemg Lchnee vom niedrigen grauen Him tK fielen, unb ein Matfüftchen bei anderer An aj» aller. Eden blies. J/od) rin kurzer musikalischer Schi^tzakkard, barm löste die Iknammlunp sich auf unb strömte, sich schnell verteilend, zum anschliesten- den stundgang den Hallen zu.
Dre ausfteflun> ist eröffnet stoch immer ist n chi alle» fertig. Ader in em paar Tagen wird der letz c fyarnmeritteog getan sein, unb iRogbrirura ift ‘ür ber kommend,71 Sommer gerüstet . . . UrberaO wehen die Stabt^rben rot und grün im Winde. Steil steigt tee schlanke Silhourtte des rassigen Turme; ins Wolkengrau, ein seltsames Gegenbild zur ernften und streng geglichenen M-ib'e brs po' schen Domes, trüben am anderen SUntier; M-tod bürg hat sich dem alten Wahrzeichen ata?nüber ein neues emchiet einen hochgedau'.kn, Michin sicht baren Segmentr in die aratze und bunte Welt alten und neuen Theaters . . .


