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Nr. S9 Drittes Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

Samstag, 16. April 1927

Osterwunder im spanischen Dorf.

iTo4>6ruL* auch mit Quellens gab« verboten!)

w. Madrid

Der Norden ÖpameM. abseits der großen Städte. sieht oh leer und stumm auZ Kahle Malettcn türmen f.ch auf. bi« als einigen Schmuck seltsam aeformte 3*l<bl»de trogen Da- Sulchen liege« brau« Hochebenen, auf denen in Baum wächst und hin Bogel singt uxd die Hellen zum Bisten fehlen T& und «u ragt eine graue Strinhütt«. um die der Dino pfeifi und in der Hane und abevglüub.sche VcnMrute leben. Berstet! hinter steiler Kuppe liegt bann »««ndwv rin Marktflecken der nur aus Maultierpfaden erreicht wird Manche Häuser habe« dort nicht einmal Wannesgröße. andere »eigen stolze Wappenschilder am Portale, aber sie sind verödet und verfallen und durch die kernt H«tsterhö!)leii Nattern am Lage Hühner und in der Nacht du len und Fledermäuse. Die Nachfahren jener H.dalgos die bon >hr Heim hatten und die gegen die Feinde Kästchens und Glaubens kämpften, sind lange m die Haupt­städte überges edelt. 6 t tragen nur noch als Titel den Namen de« Dorfes, das e.nst ihre Nbnr« gründeten Oe gibt Orte, di« die Neu­heit gotu vergessen hat. die aber nicht aus dem Weltarichrhen ausgrmer t werden können, denn um sie hat sich manches Schicksalsdrama ob- gespielt, da» Kaiser. Könige und Konzile m Atem fldbalkn hat. Man soll in jene abseits liegend« Weit nut dringen, wenn man «In ernstes Her» hat und dem Klingen der Geschichte nach- «chören versteht, denn sonst empfindet man die Widomfttt bald als unerrräaliche Last.

Die kalten ötürrn«. Die über d e Berge von Kastilien. Leon und Qlfhinen fegten, sind ver­rauscht und |«Qt, in der Osterzeit. schenkt die spatfam« Natur schon die Blüten und grünen Zweig«, mit denen die Mädchen den Altar der stolzen. aber längst Versalien«« Dorik.rch« schmücken, der vom KorfreitagSslor befreit wurde. 3r Navacerrada erwartet man das Oster- wunder? Denn In Limpias. dort zwischen den zwei gewaltigen Felsblöcken da ist das Bild des Heilandes wahrhaftig erschienen, dort zogen Pilgerscharen hinaus und Shriftus hat ferne Hände segnend erhoben. Das Wunder hat einen weiten Widerhall gefunden auch In der Hauptstadt wird viel davon gesprochen. O'.ne fromme Legende beginnt sich zu bilden. Warum soll nicht auch hier ein Osterwunder geschehen?

In Navacerrada gibt es keine Zweisler und Grübler, so wie zu den Zeiten von Torquemada und Arbues. Niemand wagt es. sich gegen das Dogma Quhulebnen. und olle sind zufrieden da­bei. Der Alcalde. der Arzt, der Lehrer und der Apotheker, der Sekretär der Verwaltung und einige andere Honora timten tragen Palm wedel in der Hand und begeben sich gemessen auf den Kirchgang Die Frauen und Mädchen haben sich gepudt und da die Kunde von der neuesten Mode auch in dies« Hinterwelt gedrungen ist. Io paffen di« Trachten nicht recht zur Montilla, zum Hauptschleier und zu den etwas derben Sbuben. Gs liegt sonnige Oftcrfreud« aus allen Gesich­tern. auch die Landschatt ist sonnig und selbst die grauen Blätter der Oliven haben einen aol- venen Glanz bekommen. Die Kirchenglocken läu­ten. da- Gcho prallt an den Bergen zurück und kündet mit eherner Zunge d e Qhüerftchung des Heilandes «in Zug Soldaten ist unter klingendem Spiel In die Kirche gezogen, und wenn der Priester die Hostie zur Anbetung vor der knienden Menge hebt, so blasen Die Soldaten den Königssalut vor der Maiestät des Königs der Himmel, der im Sakrament vor ihnen erschienen ist. In der Sehn'ucht nach dem greifbaren Wunder glauben chn viel« im von- nenflimmern -u erkennen, fit leben dort aus dem Bilde di« Madonna im blauen c lernen- montel mit dem Ehriftuskind im Arm« sich ihnen gnädig neigen und sie nehmen mit ihren Sinnen teil am Osterwunder.

2lber gleich beginnt das Stiergesecht und bi« Kirchgänger eilen hinaus S- gibt kern«

Märtyrer der Liebe.

Roman von 3. S ch n e i k»« "-F b rst i.

50. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Der Nachtzug donnerte durch bi« Ebene. Mün­chen hatte man gegen zwölf passiert. Finster wie ein Grad lag die Landfchaft. durch welche der Eilzug hastete. Ä

Die lange noch, Herr Doktor? ,

Wohl ein dutzendmal hundertmal, bah jjrau ntoertl die« frug.

«mei Stunden noch, gnabige Frau.

(IUI Seufzen ein kaum hörbare»Dante . Dann wieder lautlofe* Schweigen, da» sogar den Atem der drei Menschen in dem abteil »weiter Klasse hören liest. Elisadeth hatte den Kopf gegen btt Schulter ihre» Manne» gelehnt, der mit uberetnan- bergeprtftten Lippe« in der einen F.nsterecke lehnt«. Hildertt» Mutter war seit München nicht von ihrem Plan« ihm gegenüber geruckt. So oft eine größere Station «inen Aufenthalt bedingte, zeigte sie eine mühsam verhaltene Erregung, die sib erit wieder legte, roenn die Dagenreihe sich in Bewegung fetzte.

JMe nächste Station, gnädige Frau!' Keich- mann sttest e» aufatmend heraus.

Endlich!"

Elisabeth schrak auf. Sie hatte eine halbe Stunde geschlafen und sah nun verwirrt auf ihre Um­gebung. Sie muhte sich erst zurechtfinden. Mein Gott, wenn sie das Schreckli^e doch nur ^geträumt hätte. Aber e» war Wirtlichkeit. Das war Frau Hil- btrti und da» dort ihr Mvnn. und sie fuhren an Hans Jörg» Sterbebett.

Ihre Glieder waren ganz erstarrt. 6» schüttelte fi, vor Frost. Denn sie hatte ausichreien dürfen vor Entsetzen und Derzweistung. Schreien oder meinen. Ader sie konnte nicht meinen. Und di« Frau an ihrer Seite war ruhig wie ein Mensch, der nichts mehr ia hoffen hat und sich in alles ergibt Aber sie hatte ihn gefügt, hatte ihm alle Liebe gegeben, die man nur geben konnte, und sie wußte erst seit gestern, daß er das Kind der Mutter war, die auch sie unter ihrem Herzen getrogen hatte. Nur ein einzigesmal hätte sie ihren Mund auf den feinen legen wollen, ein einzigesmal nur----

Ostern in 1

Arena der S: er wird einfach durch die ab- gesperrte Straste g«b«M. und alles ru­belt und iotztt wenn sich di« Burichen mit ihre« Piken und Bänder illos auf ihn werfen und end­lich das lur zur Strecke bringen. 3« der Po­sada fließt dami der gute Landwern bis sich draußen die Dämmerung «ledersenkt und aus den Bergen Schatten »u den Sternen steigen.

In c.nrtn Hinterzimmer aber legt em krankes Kind, von dem. wie viele Leute glauben, ein böser Dämon Besitz ergriffen hat. Anstatt nach dem Arzt haben d.e Eltern nach dem Priester geschickt der Gebete spricht und da» Müdch.n m.t Weihwasser besprengt. D e Weiber zünden in einem Becken wohlriechende Kräuter an und legen dem Kind« «in Herl gen- b.Ib auf die Brust Im Schlot flackert em r t- siges Feuer, und beleuchtet die Umgebung mit unstätem L.cht Das Kmd wimmert und f.ebert unb breitet sein« Aermchen nach dem älnlichtbaren aus. aus dem ihm der Tod als liebender Gnge! entgegenlächelt. Die Umstehenden weinen und der Prester steht da mit gefalteten Händen und olle flehen um ein Wunder das Kind au retten. Da bittet di« Hei ne Kranke plöhlich. fie möchte den auferstandenen Iefus sehen, und immer wie­der ruft sie mit brennenden Augen nach dem Heiland, bi» sie sich jubelnd aus den Kiffen er­hebt und jauchzt: »Da ist erl" Unb Ehristu» nahm das Kind aus seinen Arm in den Himmel. Das war das erwartet« Osterwun­der im Bergstädtchen Asturiens. Die Welt horchte nicht auf. aber die Leut« von Nava­cerrada wissen es. D.« Bcwohger errich­teten im Gärtchen vor dem Fenster, an dem Iefus Ehr.ftuS dem sterbenden Kinde er'chienen. «in Kruzifi» und fchmückten es jetzt gerade wieder mit frischen Blumen.

Rumänische Osternächte.

h». Bukarest.

Sechs lange, schwere Fastenwochen gebietet die orthvdore Kirche ihren Gläubigen vor Ostern und di« Karwoche ist die strengst« von ihnen. Da bleiben alle Theater geschlossen, keine Dergnü- gungsstätte tut ihre Pforten auf. Selbst die gebildeten Rumänen, bi« es nicht gar so streng nehmen mit btn religiösen Gebräuchen, befolgen wenigstens in dieser lebten Woche gewissenhaft alle Vorschriften ihrer Kirche

Veilchen und Krokus blühen in den ver­wilderten Kirchgärien die tr ersten Blütenkronen von Faulbaum und wilder Kirsche schwanken im Wind, wenn am Karfreitag-Abend bei Anbruch der Dunkelheit di« ®laubigen den Leib des Herrn begraben In langem Zug umgehen Prozessionen jede einzelne der vielen Kirchen dieses Landes. Klagend erhebt sich die Stimm« des Popen bann in die laue Frühlings nacht und dumpf respondieren die Anwesenden Blumen wer­den unter den Füßen der Andächtigen zertreten und Blumen knicken an der Stell«, di« der Priester zum 6nmbol des heiligen Grabes macht. Die brennenden Wachskerzen in den Händen der Beter erlöschen, und nun liegt di« tiefe Dunkelheit der p!östlichen Rächt Über dem Friedhos unb den Gassen durch die sich di« weinende Menge zum Heimweg zerstreut.

Um Mitternacht am Osterfamstag aber steht der Herr auf. Von ergreifender Innig­keit ist dieser mitternächtige Öfter gölte» bien ft auch für alle Andersgläubigen Alle Kirchen strahlen im Glanz« Hunderter und Taufender von Lich­tern. Vor den Ikonostas schwenken Priester in (ilberüberricf eitern Festornat schwere goldene Wcibrauchkesfel jubelnder Gesang gut ge­schulter Bkännerchöre schwebt über der betenden Menge, die in dichtem Gedränge alle Kirchen füllt unb noch in die Gärten unb auf die Gassen überquillt

Dort draußen, am höchsten Punkte der Stadt liegt die Residenz deS Patriarchen mit der Hvf- kirche Hier wohnt der königliche Hos und bie königliche Familie mit allen Ministern dem Oster- gottesdienst bei. Die Insassen der anrvllenden glänzeiiden Wagen halten dicke, brennende Kerzen In den Händen, auf beiden Seiten ist der Weg

iMach^bichUecht. Elisabeth?* hörte sie ihren Mann sagen.

(Ein Rütteln, «in Schütteln über verzweigten Schienensträngen. Zahle», bleigraue» Morgendam- nur über den Dächern Eisendach». Hanna stand auf dem zugigen Gangsteig brr Einfahrt. Friedrich war mit ihr gekommen. Wortlo» nahm er den Gepäck- schein au» Reichmanns Hand.

J)an# 38rg?*

Hanna wußte nicht, von wem dir Frag« kam.

£S _ _ e» 6ie meinte auf.Drei

Aerzte sind bei ihm--es will ihn keiner ope­rieren --weil alle», alle» umsonst sei--man

wartet auf Sie. Herr Doktor, wenn Sir die Berent- wortung auf sich nehmen*

3a.*

Zwei zitternd« Hände prüfen nach den teirun. Er streifte sie mechanisch ab. Er war in Gedanken schon nicht mehr da.

Ein Sagen. Hanno? Mein Wab? Gut!*

Er sah nicht mehr nach seiner Frau und Hildertt» Mutier zurück. Mit ein paar raschen Sprüngen über­querte er den Schirncnkörper. Da» mattrileuchtete Stationsgebäude verschlang seine Gestalt.

Die drei Frauen hasteten nach dem kleine« Perron. Al» sie auf die Strohe traten, war von Deichmann nicht» mehr zu sehen, nur eine frische Xabipur lief gradlinig zur Stadt.

Dollen wir gleich zu ihm?* *

Hanna horchte entsetzt aus. Denn da» die Liese war. di« eben gefragt hatte, bann konnte e» gut werden. Die brachte ja keinen verständlichen Ton mehr au» der stehle.

..Bitte. Elisabeth ... Ich ertrage e» nicht mehr länger. Kur sehen . . . nur einmal sehe« möchte ich ,hnl* _

Ein« Schwester lief eilig die Treppe zum ersten Stockwerk hinauf.

..Schwester Paula'.* Elisabeth und Frau fnIberti luchten sie einzuholen.

E» war umsonst. Sie verschwand hinter einer flt- 8silierten Doppeltür. Ein Arzt im weihen Kittel, die lerrntt aufgefrämpeU. kam aus seinem Zunmer, Srftaunen hinter den glänzenden Lrillenglä'ern.

«Doktor Hildertt?--nicht möglich, meine Da­

men. Er wurde soeben ta den Opera::ros-aal ge­braut. Kollege Aeichmann will da» Aeufterfte

>er Ferne.

griü^m: von bt-i 2icugter.g«n. bte ebent aM in andächtiger Ctü'.e idr Licht lern halte«. Noch im vorigen Iahre lor.i der König irr' feinet Krank- hrir. Wird er aap in biriem Iah re zum Hügel I der Metropoli hmautgetragen werden?

Geduldig wartet bie Menge, die di« Nrinen Fkänrmchen vor dem FruhUngswinb schützt P!^- l»ch sinke« Ne all« in Mc Än.e D-r Glocken er.onen und laut finge« sie über die Stadl, was drinnen in der Hosstrche der Patriarch feiner Gemeind« laut ruf ent» verkündet. .Christus ift a 1er laitf cnT Unb drunten antworiet es aus jeder £ träfe zwe - drermal Unaufhörlich ruh die Taoka, dic neben der Kirche srriyängende Eifenlchiene. an die m.t einem Holzhammer grichlogrn wird und voller tönend fallen die Glocken der neuen Prachtbauten ein. deren goldene Kuppeln in der Ofternacht geheimnisvoll schimmern

.Ehnftus 'it auferftanben Bruderherz. EhristuS ift aulcrftanben", pflanzt sich der Aus fort, von Mund zu Mund, jubelt es rechts und links. In frommem Taumel küsse« sich fröhliche Menschen. Freunde Fremde und Verwandte aus beide Wangen. Gänzlich Unbekannt« falle« ein­ander m di« Arme

Und dann beginnt der Ofterfchmaus Hat man nicht sechs lange Wochen gefastet und gebetet! Har nicht der QLrmfte gespart unb ge­darbt für das Öfter lamm!

B ruber bet j. Christus ist auferftanben!

Ostern ohne Ehnftus.

Sin tirlcbttiö im rotrn -lustland von v. U.-St ......

E» gibt «in Land, wo es keinen (Bott unb keinen Heiland geben darf, an ihrer Stelle hat man den tttomtanz Dergütteri unb derSeit ihre Seele ge­raubt. Da» !Xeoolulion»tribunal hat einst in feier­lichem Manifest verkündet, dah e» keinen Gott gebe, wenn aber doch ein Gon leben sollte, so fei er al» Burshui zu erfchieszen Luch Frankreich hatte Gott entthront unb an |einer Stelle ber Göttin ber menichlichen Vernunft einen Altor errichtet. Kun, die Sonne fuhr in ihrem erhabenen Kreislauf fort, sich ,i drehen, bie Sphären sanaen nach wie vor ihren hehren Choral, unb alle», Leben, Welten unb Seelen, blieb im Logos de» Lichte». Die Feier des christlichen Osterfeste» konnte im Reiche ber russi- Idjen Sowjet» verboten werben, man konnte Chri- tu» wieder die Dornenkrone auf» Haupt brücken unb ihn verschmähen unb verspotten. Man konnte seine Kirchen schliesicn und bie Dpfergaben ber Frommen, Stiftungen unb Schäfte an Händler losschlagen, bie den weisen Ausspruch be» Kaiser» Tiberiu»non ölet kannten, unb bie ben Blutgeruch, ber ihnen anhaftete, nicht merken wollten. Aber man konnte nicht da» Ostern ber Herzen verbieten unb in ben Ihre» Schmucke» beraubten Kirchen knien heute schon roieber Millionen von Menschen. Sie bekreuzigen sich fromm unb begrüßen sich mit dem OsterkutzChri­sto» Wo»kre»!* Christus ist auferftanben unb bie Ewigkeiten wissen e» unb bie Liebe unb bie Gnabe burchleuchten bie Finsterni».

Aber ein Ostern wari», ba» ich nie vergessen werbe: in ben Gelassen berAußerordentlichen Kommission! In einem weitem Raume waren Hunderte von Gefangenen zusammengepfercht. Aus ben hölzernen Pritschen himmelten sichWanzen unb Läuse, auf ben Holztischen in ber Mitte ftanben kärgliche Neste einer ungenießbaren Speise Am Ausgang räkeln sich ftumpf blitfenbe Sol baten unb schultern bie gtlabenen Gewehr«. Draußen rattern Auto», bic bie heute au»erkbenen Opfer hinau» nach ber Pettowkä zum Erschießen führen werben. Dort roerben sich bie Verurteilten ihr eigene» Grab schaufeln, unb bann werben bezahlte Chinesen unb lettische Freiwillige auf sie ein Scheibenschießen eröffnen, bi» sie von vielen Kugeln burchbohrt in die Grube fallen. Die noch Ledenben werben zu ben Leichen ber Gefallenen geworfen unb halb ihren Wunden erliegen. Unb boch herrscht Ostersreube Im Gefängnis. Der nahe Tob flöht nur den Schwachen Furcht ein, bie meisten erwarten ihn wie einen treuen Bruber, ber sie an ber Hanb nehmen unb aus den liefen ber Greuel in» Lonb be» Lich­te» entführen wirb. Wer bem Bruder Tod oft in» wagen--so ober so Er hat alle Stimmen

gegen sich gehabt!*

In der nachfteii Sekunde schloß sich bie gleiche Tür hinter ihm, burch bie auch Schwester Paula geschlüpft war.

Die beiben Frauen ftanben an ba» Treppen gelänöer gelehnt. Kein Ion klang burch bie 6tiQe. Ein kleine» winzige» Silderstimmchen bimmelte ängstlich in ba» Schweigen. Vie Glocke ber Kranken- bau»fapfQe, bie zur Frühmesse rief. .Komm, Mutter*

Elisabeth riß bie alle Dame mit sich fort. Au» dem Öpfration»|aal war ein Arzt getreten. Der weiße Kittel blutbefprifct, die Hände dunkel gerötet von bem Blute, da» au» Han» Jorgs Körper ge­quollen war.

Er achtele gar nicht auf bie beiden. lief nach einem Zimmer unb im nächsten Augenblick wieder zurück.

Noch einmal, Schwester Paula.--9a--

so ist e» recht. Nun nicht mehr, nein, e» genügt.*

Keichmann beugte sich über rjilbertts Körper. Seme ^hne lagen wie Eisenkiefer ouleinonber. Kein Nero tn seinem Organismus bebte. Seine Hand war so ruhig, al» ob er zu Hause einen Leicht- kranken umersuchtc-

Sie laste» nicht» mehr an chm übrig!* entsetzte sich einer ber assistierenden Serzte.

Ein Blick nur.--

Ein Achselzucken de» Sprecher» unb bann nicht» mehr al» Schweigen.

Drei Stunden.--Drei Ewigkeiten. Frau

Hildertt saß in einem ber Stühle ber kleinen Kapelle Knien konnte fie nicht mehr Ihre Lippen sanden kein Wort des Gebete». Selbst die Bitten be» Vater- unter, verwirrten sich in ihrem Geiste .Lch bin schuldig. Straf mich, aber nicht so, nicht ihn nimm hinweg, mich. mich, die Schuldige!*

.Rcitbmcnn stand in bem hellen, oroßen Zimmer, in weiche» man Hilbertt gebracht batte. Er neigte sich über ben Freund, ber noch in Narkose lag. 6ins zwei drei vier fünf zählte er unb lieft ben Deckel seiner Uhr aufspringen.

.Am» Iörg--Hon»--3crg.*

Die Lider der Schlafenden hoben sich nicht.

.Retdmann, Finger Hieben reglos auf bem Puls Hilbertts.

Han.--3örgt*

Suae geschaut hat. ber hat r» verlernt ihn zu -Hinten.

Zwei Erzd fchtzie sitzen unter ben Uriangrr.rn ber außerordentliche Komnniston. Um sie herum haben sich viele hohe Otiiziere der 3menyti. i^oueirneuic, e tnHeute Präses oren unb -ionnct von Sebruh ng Vfr'amnuü unb lauschen den fki.>nblichen Sorten de» llrchischof» von Wzatka. ber keinen Has, und keine Klage !mnt Ehristu» ist auferiiohtvn unb er ist ber Gott der Liede unb wir sollen ur.fere flem!* lieben unb für sie beten! Unb hier in, Angesicht der Henker find d,e Worte der Liebe doppelt d- '»g. unb alle diese Männer beugen ihr unb be­greifen Inbem sie dem Tod in» A f.e scka <n wie unendlich viel härter bic Vwbt al» ber Hoß ist. Kommissare betreten ben Baum unb machen etntae höhmlche Bemerkungen, «der sie i» bien sich In der Arlammlung, die trotz der Lumpen, bie sie zum Teil beNciben. doch so vornehm ist. berr.n unb gehen zurück

Sie Zeit schreitet vor unb halb kommt bic 'flad'L bie Zeit ber Hinrichtungen. Ein Zug Soldaten Heilt sich am tftnpüng auf unb ein Junger letti!*er Som- miliar vertieft die Liste dercr.^bie ba» La» heute ge« troflrn unb die binnen einer Stunde erschoßen iu. r- den sollen «em Protest, keine Bitte um Scho mg. wird laut. Kuhtg legen die. bie In den 7od ged.n. ihre tvenif.cn Sod en zusammen die bic 3vn!«i b-.lb als Prämie erhalten werden. De« Lrzbischoi von Wsatka hat e» getroffen. Em Soldat seucri ihn mit einem Kolbenschlage zur Eile an. ber Bischos lachrik unb hebt nur legnenb seine Mnbe. Der 6olba| wird oeriepen noch nie Hai ihm ein Tobgewnhter einen Kolbenstoß mit bem lächelnben Segen beanl- tvorlel! Wie hiliesuchenb schon! er sich um unschlüssig steht er auf den Komtmiiar. ber heute besontzer» un­flätig schintpfi. al» wollte er irgcnbwa» übertön««, unb ber nervo» zur Eiie antreibt. Do acht über da» rohe Gesicht be» Soldaten, der ben Dischos ge­schlagen. plötzlich eine Scrflbnmg Mitten un Schreien und loben kniet er nieder unb bekreuzigt sich, unb wieder segnet ihn der Erzbischos unb er­innerte ,hn an Barnaba», bem e» oerspro.hen wir, zur Rechten be» Heilanbe» zu sitzen Dann komm ein anberer Scherge unb stößt ben Crzbttchof mit bem Kolben zum Ausgang Der Soldat tritt belsrite. snll geht er al» letzter. Draußen fauchen die schwe-cn Auto», immer leiser wird da» Pattern. Drinnen bei un» ist e» aber setzt totenstill. Wohl niemand non un», bie wir bicse Hölle lebenb verließen wird ein Oftersest begehen, ohne an ben Erzbischof von Wjaika zu benfen.

Oberhessen.

Landkreis Mienen

Heuchelheim, 14. April Der Turn­verein Heuchelbetm «.B. hielt unter guter Beteiligung feine Frühjahrs-G«7teraloersammluna ab. Zur Tagesordnung ist au erwähnen, hast der erste Borsltz«nd« einen e.n»ebenb«n B incht über den letzten Dautag In Gietzen erstattete, wozu besonders die geringen Verwaltung-koste» des Gaues zu ertoähnen sind. Des writeren ver­las der Schrtttfübrer einen Bericht über die bis jetzt geleisteten Dorarbelten über das Gauscst, woraus zu eriehen war. daß dies« schon l-'hr weit ooranaeschritten sind. Aus Antrag wurde beschlossen. Den Bei tag der Erwerbslosen au er­mäßigen. Der Turnau-schuh stellt einen l'r ng- lichkeitsantrag auf Ernennung von Vorturnern unb wurde von ber lrrfammiuua beschlossen, btt Ernennung dem TurnauSschuh und dem Vvrftonb zu überlassen.

M u s che nh «tm, 14. Apnl. Gestern wurde unter großer Beteiligung die ä 11 e fi c Einwohertn unseres Dorfes. Frau Ma ie Gunther, die Mutter des ly.riiflcn Lehrers Günther, z u Grabe getragen. Frau Günther stand im 83. Lebensjahr Sie war bis in die letzten Monate ihneS Lebens körpersich und ariftig rege unb ftarb ohne längeres Krantete- lager an Altersschwäche.

Ober habt. 14 April. Glimpflich ab- gelaüsen tft rin U n f a I L ben unser Be r ke hrs- aut ob u» (Heften Llch gestern hier erlitt. Auf der Fahrt burch baS Dort rannte ein mit Steinen

Wie eine bämmembe Welle rann ba« Blut burch Reichmann» Körper. Wenn e» mijwludt war? Ihm war, al» ziehe ihn etwas ruckwärt».1« hatten zu brrien gegen ihn gestimmt. Keiner bofüt. Unb unb er hatte getan, n>a» er in tousenb an­deren Fällen nicht getan, nicht aewaot hätte. Er hatte nicht gespielt mit Iörg» Leven. Rein, ba» nicht. Berni, barm hatte er ,hm einen Tag seine» Leben» genommen. Er suhlte feine Reue er würde auch morgen ba» gleiche tun, unb Dieber unb wie­der. Rur an Han» Jorg, an keinem anderen sonst und an seinem Weibe wurde er diese» letzte ver­suchen. Dic» allertetzte.

Er hatte über Han» Iörg binwrogesehen. Ww in ein« mblos unsichtbare Weite. Hilvsrtt» Hand zuckte in ber seinen

Reichmann sah in besten offene Augen. Ruhig, >,anngrnb, jede Frage aurichlietzenb, druckte er ihn zurück.

, E, geht dir gut? Io! Du hast keine Schmer­zen? 9Utn'*

Er brückte auf die Klingel über dem Bette.

.Herr Doktor Hllbertt ist wach. E» geht chm gut*

Die Schwester nickte bejahenb.

.Soll Ich?--*

.jja, eine Taste Flüssigkeit sonst nicht» unb man soll meiner Frau telephonieren, baß man ben Herrn Doktor heute noch nicht besuchen darf. Gehin Sie. Schwester!*

Elisabrch ftanb in einer Rische.Schwester . . / , Er Ht waitz. Es geht ihm orbenllich. Sie dür­fen ihn heute für feinen Fall mehr besuchen, läßt Herr Doktor Reichmann lagen.*

Kann ich meinen Mann nicht für einen Moment sprechen?*

.Lch will ihn fragen.*

Ein tiefe» Rot ouf den sonst so Haften Bongen, kam die junge Schwester zurück

Der Herr Doktor hätte keine Zeit, soll Ich be» stellen. Er läßt grüßen unb Sie mrchikn ihn nicht erwarten, bis morgen, jur Zelt ber Sprechstunde.*

Frau Hllbertt nahm die Rach richt grioftt ent­gegen. ,Bem Mann wird wissen, warum. (Fr will gewiß das Beste.*

(Fortsetzung folgt.)