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Nr. 63 Drittes Blatt

Eießener Anzeiger (General-Anzeiget für Gberheffen)

Mittwoch, (6. März 1927

Aus der Welt des Films.

Berliner Filmpremieren.

VeritaS-Film hat un$ den .0 chwarzcn Zyklon" beschert. DaS Hingt schaurig und viel­versprechend. Aber der .Schwarze Zyklon" ist ein hübschet Pferd, das man liebhaben muh. gleich von Kindesbeinen an, wo besagte Kindesbeine noch lang und unbeholfen einen struppigen Fvhlenkörper durch die weite Steppe tragen .Nüssen, ©an» mutterseelenallein stapft das Pferd­chen bergauf und bergab, nachdem seine treu­sorgende Pferdemama an einem Schlangenbiß verendete. Aber das frühzeitige Angewiesensein aus sich allein macht aus dem kleinen Fohlen einen prächtigen, starken Hengst, der auf Aben­teuer ausztehl und dabei daS Herz einer schönen Schimmelstute .Lady" erobert. Aon nun an ist der Arave nicht mehr allein und gedenkt, diese herrliche Zweisamkeit auch biS an sein Lebens­ende zu geniesten. Doch genau wie bei den Men­schen gibt eS auch unter Den Tieren Rebenbuhler, und als CBertreter dieser unangenehmen Sorte tritt .Totschläger" auf. ein kräftiger gescheckter Hengst, der troy eines zahlreichen' HaremS auch aus Lady fein Aug egeirorfen hat und in erbitter­tem Kamps mit de n Schwarzen Zyklon die schöne Schimmeldame gewinnt. Man muh die traurigen Augen Ladys und die noch viel traurigeren Augen des Zyklon gesehen haben, um die Tragik des Geschehen- miterleben zu lönnen. Der arme schwarze Mustang ist wieder allein, aber er kann Lady nicht vergessen und brütet Rache. Der Hand­lung Im Reiche der Tiere läuft parallel eine Handlung zwischen zwei Männern und einer Frau, Bewohnern einer Ansiedlung am Rande der Steppe Damit der junge Liebhaber, ein Eowboy, die ©.liebte der schwarze Zyklon aber leine Lady wiederbekommt. verguickt der Re­gisseur Fred 3arfmann die Ereignisse so, dast Mensch und Tiere sich gegenseitig Helsen. Zum glücklichen Ende, nachdem der Cowboy <®uinn Williams) seinen gehä.sigen Nebenbuhler (Christian Frank) und der Schwarze Zyklon den gesähr» tichen Totschläger aus dem Felde geschlagen haben, sieht man beide Paare vereint. Ihn und Sie (Kathleen ©ollins) und die beiden Pferde beisammenftehen. und wie die Menschen, so lieb­kosen sich auch die Pferde. Man könnte manche- gegen diesen Film einzuwenden haben Doch wozu? Osts auch Dressur, die aus den Pferden fast menschliches Gehaben und Gefühl heraus- holt, fo hat man doch die Illusion, dast alles ganz gut fo möglich sei, und die prachtvoll ge­lungenen Aufnahme Der Kämpfe zwischen den beiden Hengsten, der über die Steppe hinjagen- den. von Jägern verfolgten Pferderudel. mach­ten den Film lebendig und spannend. Da- Pu­blikum folgte ihm interessiert und spendete reichen BellalL

©and reizend ist auch der neue Henny Por­en-Film .M eine Tante Deine Tante" Henny-Porten-Froelich-Film der Ufa). Der Re- tiffeur Carl Froelich hat da ein heiteres und eben-würdiges Lustspiel geschaffen, da- Henny Borten reichlich Gelegenheit gibt, sich auSzu- ollen. Mit Humor und überraschenden Einfällen, n der kleinsten Geste wirkungssicher. ohne lleber- reibung. spielt sie ihre Rolle, die sie in das 5chloh eines alten Weiberfeindes führt, dem sie natürlich um nicht gleich zu Beginn herau-- zeworfen zu werden in Männerlleidung be­gegnet und sich als junger Musikant a Sgibt. Sie tat ihre Gründe dafür, denn im Schiost weilt augenblicklich ihr eigener Mann. der. ein Reffe bes alten Herrn, von diesem zum Universalerben oestimmt wurde, aber nur unter der Bedingung. Dast er nicht verheiratet sei. Sv must alles ge­leugnet werden und daS lästt sich auch ein Weilchen durchführen. Aber nicht lange. Dann kommt die Wahrheit heraus. Und wie das nun gelingt, wie Henny Den Schlohherm. Der von R. A. Roberts ausgezeichnet Dargestellt wurde, vom Weiberfeind in einen, wenn auch spät er­wachten Liebhaber verwandelt, wie sie sich not­gedrungen mit ihm verloben muh und es Dann Doch zuwege bringt, ihn abzuschrecken ja. ihn noch dazu bestimmt, seinen Reffen zum Crsay- partner vorzufchlagen. das ist alles entzückend gemacht, ist wiyig und unterhaltend. Man lacht 'ehr viel und findet nichts auszufehen. Etn Bravo Dem Regisseur und den Darstellern für diesen

Die Gesunkenen".

Astoria-Lichispiclc Gietzcn.

Seit einiger Zeit schon sind Der östlichste Cften und der nördlichste Rorden von Berkin als Schauplätze von Filmhandlungen große Mode. DasMilieu" in feiner abstoßendsten Form wurde ein Überaus beliebter Anlaß: die obersten und alleruntersten Stockwerke der hintersten Hinterhäuser (.Dritter Hof) der Acker- und Mulackftraste schienen auf einmal viel interessan­ter als der feine, stille Grünewald oder .feine" und geräuschvolle Kurfürstendamm um die Ge- dächtmSkirche herum. Zum mindesten aber erwies es sich als effektvoll und von lebhafter Kontrast- Wirkung, wenn man beides nebeneinander oder, womöglich und noch besser, mittels einer raffi­nierten Aufnahmetechnik, beides zugleich, auf inem Bilde ineinander übergehend, zeigen konnte.

Der Ruhm Heinrich Zilles. einer erstaunlich iberfchätzten, in Berlin ungemein beliebten Lokalgröße zur Bewertung seines tonftleri- chen Könnens Dient am besten eine kurze ©egen- Iberfiellung der KW>e Kollwitz. Zilles Ruhm ilso hat offenbar Vaul Simmel nicht ruhen assen: und eS entstand der Film »Die ®c- unfenen". nach einem Roman Der Luise We st- ! irch. Das Buch kennen wir nicht, glauben ibrigenS auch. daß seine Lektüre zur Beurtei- ang des Streifens nicht erforderlich ist.

Die Handlung, die Ereignisse. Die Zuständ-e and auch Die große Mehrzahl Der Personen in diesem Film sind äußerst unsympathisch und -nersreulich. Ein Strahenbahnführer begeht, um Die Begräbn.-kosten für sein (vermutlich an Krankheit und Unterernährung zugrunde gegan­genes) Kind aufzubringen, eine Unterschlagung. Die Polizei kommt. Die Frau deS Beamten gibt in ihrer Angst alles zu und verspricht, den Betrag zu ersetzen. Wenn das Geld aber herbeigeschafft wird, soll Der Staatsanwalt nicht bemüht werden. Eie versuchen es beide, Mann und Frau, ehrlich und redsich. Aber es geht

hübschen deutschen Lustspielfilm, Der überall An­klang finden wird.

Ebenso nett zeigt sich Der Eichberg-Zilm der Ufa ..Der Soldat De t Marie" nach der gl chnamigen Operette von Leo Ascher. Der Umautor Leo Birinski hat mit der Zu­sammenstellung des Manuskriptes viel Geschick bewiesen. Denn die Umarbeitung einer Orcrctte zu einem wirkungsvollen Film glückt nicht immer. Hier ist aber eine luftige flo:te Hand.ung zu­stande gekommen. Der man manche Unmöglich­keiten gern oeaeifjt, sieht man auf das Ganze. Heben Harry Liedtke, der einen forschen, immer verliebten Reichsgrafen sehr liebenswürdig und dezent Darftellt. kommen besonders gut 5mns Al­bert als Bursche desG^aen undS.eg .ieD Qlmo zur Geltung. Arno ze.gt in diesem J.im. daß er auch andere Seiten aufziehen kann. Denn die Rolle des pensionierten Dallettme.sters und ge­genwärtigen Mühlenbefitzers wird von ihm menschlich vertieft und mit seinem Humor ge­geben. Seine drei hübschen Töchter toeriea von Xenia Desni, Grit Haid und Hilde Maroff dargestellt. Margarete Kup'er in Der Rolle ei er Witwe und späteren Stau des ple.temachendcn Müllers, hat einige scM luftige Szenen, über Die man herzlich lacht. Man merkt Dem ganzen Werk Die sichere Hand eines gewandten Reg.sieurs an. Erich Schönselder hat da gerade in Kleinig- keilen charalteriftische Wirkungen erziel,. Rur daß zum Schluß die kleine Marie Reichsgräfin wird, erscheint doch ein wenig gewagt und gar zu operettenhaft. Ader sei- drum! Glauben wir Dem schönen Märchen, das unS zwei frohe Stunden bereitete, Die im Fluge vergingen.

Doch wie lang, wie langweilig lang zwei Stunden Dahinschirichen können, das erlebt: man bei Der Uraufführung des amerikanischen Mach- werksDie hfrige Witwe". Armer Lehar, wie hat man Deine Operette verhunzt! Es war ein Skandal. nicht nur Dem Worte nach. Es wurde auch ein Theaterskandal. Denn das Publikum lachte zuerst, besonders bei Den tragischen Stel­len. und als es ihm schließlich zubunt" wurde (Der Schluß war kitschig, farbig illustr ect) pfiff es mehrstimmig. Auch laute Aeußerungen wie Geschmacklosigkeit" und ..Zumutung" fielen. Schr richtig! Man braucht sich das wirtlich nicht ge­fallen zu lassen, weder Die Tat des ungenannten, doch wohlbekannten Regisseurs von Stroheim, noch Die völlig unbegabte May Murray, Der man nach Diesem Film nicht gern zum zwe tenmal begegnen möchte. Bon derluftigen" Witwe merkt man nichts, im Gegenteil, es ist alles furchtbar tragisch, , und an Leichen mangelt es nicht. Einen Gang über Leichen könnte man demnach Den Weg Der luftigen und Doch fo traurigen Witwe von der Tänzerin Hanna zur Fürsten (denn Die wird sie zum Schluß) nennen. Der Prinz Danilo des Ioyn Gilbert war Der einzige Darsteller, der interessierte Dagegen wirkte Der Thronfolger des Roy D Arc uner­träglich mit seinem fortwährend entblößten Ge­biß. Reden wir nicht länger über dieses uner­freuliche Produkt der Metro-Goldwyn.Maher. von Dem man nur wünschen kann, daß es schleu­nigst aus Deutschland verschwindet und in seine Heimat zurückkehrt, wo es seinem Regisseur ja ein beträchtliches Lob eingetragen haben soll.

E. A.

Der tönende Film.

Bon HanS T i s ch e r t.

(Rachdruck verboten.)

Daslebende Bild", das wir aus Dem Kino kennen, soll unS ein möglichst vollständiges Ab­bild Der Ralur in all ihrer Vielfältigkeit geben. Gewiß ist es nur ein Ersatz aber dennoch gehen begreiflicher Weise Die Bestrebungen Der Tech- nifer Darauf hinaus, diese- Surrogat so natur- wahr wie möglich zu machen. DaS Leben wen- Del sich an alle fünf Sinne des Menschen, das Filmbild hat ursprünglich nur einen einzigen Sinn befriedigen können, daS Gesicht, und auch nur teilweise, denn es gab lediglich Form und Bewegung, nicht aber Körperlichkeit und Farbe. Die letzteren beiden seh.'enden Eigenschaften hat sich Der Film in mühsamer SrfinDerarbeit in­zwischen auch bereits zu schassen gewußt, denn

nicht. Der Mann gerät in Die unrechten Hande und sinkt .von Stufe zu Stufe". Er fängt an zu trinken, in Der Gesellschaft der untersten Zehntausend, bei Dirnen, Zuhältern, Eckenstehern und Tagdieben. Treibt sich in Den übelsten Destillationen umher und verkommt. Es bleibt einem nichts erspart, acht Akte lang. Auch die Menschen auf Der anderen Seite des Lebens, im Fabrikbefitzershaus, taugen nichts, find Schie­ber. Scheckathlethen, getoiffenfofe Spekulanten. Der einzig Anständige in der Geselsichaft wird durch Die unsauberen Treibereien dieser Leute und durch die Machenschaften einer leichtfertigen Tänzerin ins Zuchthaus gebracht. AIS er wieder draußen ist. kommt er nicht mehr hoch, nicht mehr insVorderhaus" hinein, gerät ebenfalls, nur viel schneller. Schritt um Schritt, in Die Riederungen des Daseins, kommt in dieselbe Destille, zu Den Gestrandeten und Verluderten, und auch zu jener Frau, Die sich vor Den Bru­talitäten ihres sinnlos betrunkenen Mannes zu ihm flüchtet...

So. ungefähr, läuft Die Handlung- Das übrige ist Zustand, ist Die in mehr als einem Sinne peinliche Ausmalung deS Milieus, der Lumpen­quartiere und der wurmstichigen Gefeilscht ts- schichten. Die da- Publikum auSmachen. Kritik an diefem Film bedeutet Kritik an einer Kunst- form, über die, in jeder Hinsicht, feit etlichen Jahrzehnten Die Akten geschlossen sind. Was am Raturalismus gut und orauchbar war. hat sich längst durchgeseht. Gegen Die Glendsschilde­rung und ©rauingraumalerei ist ebenfalls schon lange alles vorgebracht worden, was zu tagen war. Dah es dergleichen, Zug um Zug in der Wirklichkeitgibt', braucht nicht bewiesen zu werden- ein Bsick In die Zeitung genügt. Des­wegen wird aber ein Film nicht besser und nicht erfreulicher, wenn er sich einen solchen Stoll, und nur einen solchen, zum Vorwurf nimmt.

An dieser Einstellung ändert nichts, daß er geschickt gestellt und gekurbelt ist. und daß sehr gute Schauspieler Mitwirken. Zum Beispiel

es gibt bereits plastische und tarbiae Film«. Dun aber kommt noch eine weitere außerordent­lich wesentliche Eigenschaft hinzu. Die dem Film seine a uhcrortent ich störend empfundene Stumm­heit nimmt, er kann jetzt reden fingen, muti­geren

Schon als Die ersten Filme in den Kino- tHeatern auftauchen, hat man gemerkt, daß es unmöglich ist, lediglich Den Gesichtssinn des Du- blikumö zu besä ästigen, und machte aus Dem Zuschauer auch einen Zuhörer, indem man eine meljr oder weniger gelungene Klavierbegleitung einsührte. Wenn auch inzwischen auS diesen pri- mi Iven Anfängen großartige Symplonicorchester am Fuße der Zlimm'rwLnd cniftanDen lind, so ist DaS doch nur e n )lolbehelf. Es hat sich allmählich eingebürgert, nicht nur Den Hand- lunasvorgang Durch geeignete musika.ifche Illu­stration mit bekannten Melodien zu un.ermalen, sondern auch Direkt in Das Spiel einzugreifen, z. B. inDcm ein dumpfer Paukenschlag ertönt, wem- Der Komiker unsanft seine vol e Körperlich­keit auf Den Boden setzt oder dergleichen.

Die moderne Technik geht weiter, sie kann zwar auch lediglich Untermalung und Begleit­musik liefern, sie setzt jedoch ihren Ehrgeiz darein, die auftretcnden Personen wirklich sprechen zu machen, aus Den auf der Leinwand sichtbaren Instrumenten ihre volle Melodik und Älangkhor- beit ertönen zu lassen

Cine ganz R ihe von Verfahren tönender und sprechend, r Filme wurden von ausländischen Erfindern im Lause Der letzten Iahre auSgear- beiiet. In Deutschland kennt man bisher nur Die praktische Dcr.ührung zw ier Me holen. Um Die Jahreswende hat Die Phöbus - Film - A -G. imCapitol" einen Kabarett-Tonfilm nach dem Verfahren Der. ischen Ingenieure Poul en unD Petersen laufen lassen, unD in Diesen Tagen brachte Die Ufa einen nach DemTriergon"- Versahren Der Deu:(d en Techni ec Vogt, Massolle unD Engi hergestellten Bildton Um heraus.

'Beide Verfahren sind na.ürlich noch nicht auf Der Stufe der Vollkommenheit angelangt, aber man wird sich wohl erinnern, daß auch Edisons Wvchswalzenpho.wgraph. als er vor manchen Jahrzehnten zum ersten Mal gezeigt wurde, noch eine recht llägli e Angelegenheit war und weit entfernt von der Klangschönheil moderner Grammophone. Man soll Darum nicht an Den noch vorhandenen Mängeln der tönen­den Filme bcrummäleln, sondern lieber mit Freude Die ungeahnten Illusionen vermerken, die uns Der tonende Film zu vermitteln in Der Lage ist.

Der Unterschied zwischen Dem dänischen und deutschen Verfahren liegt, abgesehen von einer ganzen R.ihe technischer Einzelne.en vor allein darin. Daß die Deutschen Ton und Bild neben­einander au, den gleichen Filmstreifen aufzeich- nen. der zu diesem Zwecke allerdings über Die Rormaldreitc von 35 Millimeter auf 42 Milli­meter verbreitert ist. Die Dänen Dagegen den Ton unD da- Bild zwar gleichzeitig, aber auf je einem .a^rionteren normolbt«. en 5i mfticifen photographieren. Außerdem zeichnet sich daS Tonbild bei Poulson-Petersen in eigenartigen zickzackförmigen Kurvenlinien ab. während es bei Triergon. in Der unterschiedlichen Helligkeit eng aneinander liegender haarfeiner Horizontal- linien zum Ausdruck kommt.

Bei beiden Derfahren erfolgt Die Aufnahme von Ton unD Bild Derart, daß Der darstellende Künstler nicht nur vor dem Objektiv der Kino- farnera spielt, sondern auch vor einem geeigneten Mikrophon. Letzteres ist mit der entsprechenden sinnreich erdachten Ausnahme-Apparatur cecbun- den, Die Die Tonschwingungen mit Hilfe eines feinen von den elektrischen Strome., deS Mikro­phons exa t gesteuerten Lichtstrahls auf den Film nieberfd)reibt. Würde man nun das Mikrophon und den Tonaufnahme-Apparat einfach in einem gewöhnlichen Filmatelier inftallatleren, so kä­men natürlich alle bei einer Kinoaufnahme aus­tretenden Rebengeräusche, das Rattern des Kur- belkastens se.bst, das Zischen der Bogenlampen, die Bemerkungen des Regisseurs usw. mitaufs Bild". Deshalb muß beim Tonfilm eine ganz besondere Aufnahmetechnil beobachtet werden, die al e Nebengeräusche auSschließt, die Szenen sind peinlichst durchzuprobieren, damit alles ohne jede

Einflußnahme des Retzrsieurs (außer etwa panto­mimischen Zeichen) vor sich geht, und cs muß auch durch entsprechende akufnlche Vorrichtungen unD Dämpfungen. ähnlich wie in Den Sende- räumen Des Rundfunks, für Reinheit unD Voll­kommenheit der Wiekeegabe geborgt werden

Im Laufe Der langjährigen Versuche, Die bei Der Ufa Der Regisicur Dr Guido Vagrer im Verein mit Professor Letthäuler vom Xe» iegraphenttchnischen Reichen nt tu ch,e ührt hat. gelang es auch bereits, so weit zu lammen, daß man beim Tonfilm wie beim gewöhnlichem Spielfilm abblenDen. mit bewegter Kamera Die Bildgröße verändern und Großaufnahmen Da- -wischen schalten kann. Wohl gemerkt all Die», ohne daß in der akustischen Vorführung Lücken und Sprünge entstehen, DH. man kann z. B. beim Vortrag eine# Geigenvirtuosen, ohne daß Da6 Spiel im geringsten unterbrochen wird, eine be­sonders interesiante Stelle in ganz großer Ein­stellung der Grifftechnik zeigen, wobei übrigens auch *dte Lautstärke der Tonvorsührung im Ver­hältnis zu Der größeren Bilddimension an- schwiltt

Auch die Wiedergabetechnik erforderte ganz besonders eingehende tc^ni^ 0hiD en. bei De­nen vor allem der ung teure Schatz Der Er­fahrungen der modernen ,^...o-Verstärtungs- technik Den Erfindern außerordentlich zustatten kam. Wan verwendet besonders konstruierte Lautsprecher. Die versteckt in Der Rahe Der Projektionsleinwand angebracht werden, und Die Klangreinheit dieser Instrumente ist so vollkom­men. daß man bei dem absolut gleichzeitigen Austrcten von Bewegungsvorgang unD zugehö­rigem Ton wirklich Den EinDruck hat. als habe DaS BilD auf Der Leinwand Leben gewonnen.

Man könnte nun auf diese Art ohire wei­teres ganze Opern oder Schauspielaufführungen aufnehmen, um sie in Der Provinz zu repro­duzieren. aber man denkt zunächst weniger an diese Auswertung ES soll vielmehr eine ganz neue Art von Stoffen gesucht werden, bei denen Wort und Musik Träger Der Handlung sind, nicht nur Beiwerk zur Erläuterung deSS^tzau"- Spieles. Ratürlich ist auch ein we.tes Feld für kulturelle Archioarbeii bereitet, unD Die Festhaltung von S.tten und Gebräuchen. Tuiizen und Gesängen verschiedener Volksstämme kann auf diese Weise in ungeahnter Vollkommenheit erfolgen.

Milchwirtfchaftliche Filme

Aus Den vielen Anfragen nach geeigneten milchwirtschaftlichen Propaganda- unD Lehr llmen ist zu entnehmen, daß ein gewisses Bedürsnis hierzu vorsiegt. Dies Hal Den ReichsmilchauSlchutz veranlaßt, im Einvernehmen mit de n bayerischen Staatsministerium für Landwirllchaft und dem brandenburgischen ProvinzialmilchauSschuß zwei milchwirischaftliche Filme herauSzubringei'

Der erste Film betitelt sich ..Die Milch eine Quelle der Volkskraft" und ist hergestell auf Veranlassung des bayerischen StaatSmlnisteriiimS für Landwirtschaft durch die Emella-Munchen im Auftrage des ReichsmilchauSschusfes. Sachbear­beiter waren. Der Bayerische LandeSinsp k or für Milchwirtschaft. RegierungSral Pirner-Munchen. sowie Landwirtschastsrat Zeiler und Dr. Kieserle von Der Süddeutschen ForschungSanstalt fürMilch- wirtschaft in Weihenstephan. Der Film unter­scheidet sich insofern von den bisher geschaffenen ähnlichen Werken, als er versucht, in möglichster Kürze dem Beschauer einen Gesamtüberblick über die Bedeutung her Milch in volkswirtschaftlicher. ernährungSphyfiokogifcher und sonstiger Beziehung zu verschaffen. Daneben werden Dem Landwirt wichtige Hinweise auf die Vorteile einer ein­wandfreien Milchgewinnung gegeben und Dem Laien in Der Milchwirtschaft wird ein (3 schlick in Die verschiedenen Verwertungsarten geboten. Denrgemäß ist Der Film in Drei Teile eingekeilt. Der erste Teil gibt Aufklärungen über Den volks­wirtschaftlichen unD privatwirtschasilick-en Wert Der Milch. Dieser Teil wird durch eine Reihe von Trickaufnahmen und -Zeichnungen wirkungs­voll belebt Im zweiten Teil lernt man Die Milchbildung und Milcherzeugung kennen, wäh- renD Der Dritte Teil Die Milchverwertung zu Frischmilch, Butter und Käse vor Augen führt.

Die Rielsen. Sollte man s glauben? Asta Aielsen ... man denkt an die schüchternen An­fänge des Kinematographen und besinnt sich, daß sie eine der ersten wirklichen Schaufpiele- rinnert vor dem Kurbelkasten war. Man rechnet und schätzt, wie alt sie heute sein mag und kommt Dabei vor Bewunderung nicht zu Rande, ihr Spiel (sie gibt die Schaffnersfrau) ist noch vom gleichen hohen Rang, wie damals- ihre Augen, ihr Mund, ihre Hände, Die ganze dürftige Ge­stalt. jede Bewegung, jeder Schritt- dies alles ist auch heute noch von einer nicht alltäglichen Ausdruckskraft: mag sie auf Der Sprechbühne enttäuschen als Filmdarstellerin leistet sie noch immer Vortreffliches.

Auch sonst keine Fehlbesetzung. Lauter gute Hamen. Da ist Dieterle. Der entgleiste Tram- bahner: eine Rolle, die ihm bei all ihrer Scheuß- lichkeit .liegt": er gibt, ohne Frage, eine starke Leistung. Da ist ferner Albers, ein kalter, glatter, mit üblen Mitteln .arbeitender" Fabri­kant. Da ist Gebühr, die bemttleidenswerte. charaktervollTle Erscheinung im ganzen Stück, die hübsche Tschechowa als Tätrzerin, der dicke Diegelrnann als Kneipenwiri. da sind Äai« ser-Tiy. Winterstein, Biensfeldt und einige mehr, alles tüchtige Leistungen

Es gab leider kein Programm zu kaufen Den Regisieur und den Matmskripthersteller hätten wir gerne genannt UnD wem die Mit spielenden nicht von früher her bekannt und vertraut sind, sindet sich nicht zurecht. -r.

Der Filmliebhabev.

Gestern habe ich zum erstenmal im ftino statt eines heroischen einen amüsanten Liebhaber gesehen.

Es handelt sich nicht um einen Liebhaber. Der amüsiert, weil er lächerlich ist, sondern um einen Liebhaber, der arnüsiett, weil er amüsant ist Das ist eine Seltenheit im Leben, und im Film ab- fohit neu.

Für mich ist der traditionelle Filmliebhaber etwas Gräßliches, dieser wohlpomadisierte f)übld)» sing, dem man eine Stellung als männlicher Mannequin anbieten möchte.

Was kann man von einem Mann hatten. Der keine andere Sorge im Leben kennt als fein Acuße- res, Der vor allem versucht, seine Körperlichkeit zur Geltung zu bringen, der stets daraus bedacht ist. sich in vorteilhaften Posen zu zeigen?

Nun gar der romantische Liebhaber, der die Augen zum Himmel ausichlägt und tiefe Seufzer ausstöht: er wirkt aus mich wie ein Schlafmittel!

Ein Mann muß sehr intelligent fein, um sich er­lauben zu können, verliebt zu fein, er muß sehr enge intellektuelle Beziehungen und die gleichen geistigen Interessen mit der Dame seiner Wahl haben. Und er muß noch viele andere Qualitäten besitzen.

Ader roenn er amüsant ist: Das genügt. Nicht nur. Damit man ihn ertragen kann, sondern sogar, damit man seinem Besuch mit großem Vergnügen entgegensieht.

Man muß wirklich schon sehr geistreich sein, um amüsant sein zu können, wenn man versiebt ist.

Um ein amüsanter Liebhaber zu fein, muß man nicht nur Phantasie, Einbildungskraft, gute Laune haben, sondern e» bedarf Lazu noch tausend anderer Talente, man muß es verstehen, Dummheiten mit Intelligenz vorzubnngcn, man muß über seine eige> nen Enttäuschungen lachen können, man muß durch ein Bonmot einen Eindruck zu verwischen wisten, der dem befriebigenben Verlauf Der Ereignisse scha' Den könnte, man muß es verstehen, ernsthaft zu sein ... ohne es zu sein ... während man es doch ist... . ES möglich, einen so charmanten Mann schlecht zu behandeln? Ist cs möglich, ihm etwas übel zu nehmen, selbst wenn er einmal den Rahmen Des Höflichkeitskodex ein wenig überschreiten sollte?

Dir Frauen lieben n*ii einmal die amüsanten -Jcbhab?r. Aber wie wenig verstehen uns die Film­regisseure, die uns immer den lächerlich Heroischen aufbrängen wollen. i h