llr. 242 vierter Platt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)Samstag, (5. Tttober (927
Vie Selbstverwaltnng in der Angesteütenverficherung. ()■ den Wahlen der DertrauensmdnneT In der Angestellten verficht rang.)
von Walther Buffe, Dießen.
3m flinblta auf die fetzt ausgeschriebenen und in nächster Lett ftottfinbenben Wahlen der flertrauentmanner und ffrIatzmä 0 - n • r I n der Anaeftelltenoerficherung (ÄB) dürfte es angebracht fein, einige Morte über die KB. und ihre Selbstverwaltung zu jagen.
Nachdem 1889 die Gesetzgebung die Invaliden- yerstcheruna brachte, ging in den späteren Jahren das Bestreben der kauftnännlscken Berufsverbande dahin, eine eigene ^staatliche Pension», und Hin. tewstebenenVersicherung' zu schassen, da die In» elfen der Mngefttüienlcbafi nicht zur Genüge Rech, eäen der Angeftelltenslyaft nicht zur Genüge Rechnung traoen konnte. Durch dav Verstcheru! gsgesetz sür Angestellte nom 20 Dezember 1911 wurde die Standeaoersicherung der Pnoatanaestellten, die An- gestellienoersicherung. geschaffen, die mit Wirkung vom L Januar 1913 in Kraft trat. Eie nahm da- mal» und nu-h m V- In | c nolgezeit durch ihren metterfh Ausbau auf die befänderen Ansprüche ihrer oerstcherungspfiichtigen Berusskreife Rücksicht.
Daß die betontere Art der Gewährung von Leistungen aus der AB möglich ist und damit den Forderungen der Bersicherten mehr und mehr gerecht wird, ist nicht Zuletzt auf dav TI 11 b e (t i m - mungsrecht der versickerten und ihrer Arbeitgeber zurück zuführen Dieses Mitdestimmung»reckt ist gewährleistet durch die Wahl von Arbeitney- mer- und Arbeitgehervertretern, den vertrauens- männern, aus Denen sich wiederum der verwal- tungsrat und zum Teil das Direktorium )uJammen, fefcen.
Für den Bezirk einer unteren Berwaltungsbe- Horde werden aus Der Reihe Der versicherten und ihrer Arbeitgeber je 8 Vertrauensmänner gewählt. Wohnen im Bezirk einer unteren Verwaltungsbehörde mehr als 10(XX) Versicherte, fo kann die obere Verwaltungsbehörde für je angefangene
weitere 10 000 versicherte die Loht der Vertrauensmänner um zwe, erhoben. Für jeden Vertrauen», mann werden In gleicher Seile je 2 Ersatzmänner gewählt; sie erjetzen ihn, wenn er verhindert ist. Die Dahl zeit dauert 5 Jahre Eie endet ohne Rücksicht auf den Leitpunkt Der Wahl jeweils mit dem Schluffe des fünften Kalenderjahres
Die Aufgaben der Vertrauensmänner sind viel- fettigster Art. Eie haben die Mitaiieder des verwal- tungorates Der AB. aus ihren Reiben zu wählen. In erster Linie Jollen sie aber das Bindeglied zrai- schen den Versichert,» und ihren Arbeitgebern einer- feite und her Reichsoersicherungsanftalt auf der anderen Seite fein. Al» Organe der Reichsversiche- rungeanftalt hoben sie Auskünfte zu erteilen. An- träge auf Ruhegehalt und Hinterbliebenenrenten |orale Beitragserstattungen entgegenzunehmen, bei Heiloerfahrensanträgen mltzuwirken, verichterstat- tungen an die Reichsversicherungsanstalt über die von ihnen gemachten Beobachtungen und Ersah- rungen auf allen die AB berührenden Gebieten zu geben und noch viele andere Aufgaben zu erfüllen.
Der Aufgobenkrel» de» bon den vertrauens- männern gew-ihlten Berroaltungsrat» ist ein noch weit bedeutenderer und größerer. Der Ber- ivaltungsrot vertritt die Reichsversicherungsanstalt gegenüber dem Direktorium und befchheßt über die Festsetzung de» Voranschlag». Für Ausgaben, die im Laufe des Geschäftsjahre» notwendig werden, ohne daß fk im Voranschlag vorgesehen sind, ist die 3uftimmunfl de» verwaltungsrat» erjorderlich. Der Rechnungsabschluß und die versicherungslech- msehe Bilanz werden von ihm abgenommen; Ein- nahmen, '21 uselben und Belege geprüft Außerdem ist er befugt, durch Beauftragte au» feiner Mitte jederzeit Einblick in die Geschäftsführung zu nehme n. Gemeinsam mit dem Direktorium bestimmt er die Anlegung des Vermögen» der Av. Bei Vorbereitung wichtiger Beschlüsse de» D reftoriums kommt eine gutachtliche Mitwirkung in Frage; und zum Schluß liegt ihm auch die Wahl der B eilig e r ber AB für die Vcrsich rungeSmter, die Lderoersicherungsämter nnh das Reichsversicherungsamt. sowie der ehrenamtlichen Mitglieder des Direktorium» ob.
Da» Direktorium vertritt die Re>ch»oerfiche rungsanftalt gerrchtlich und außergerichtlich. 6» bat die Stellung eine» gesetzlichen Vertreter» ff» fetzt sich au» den beamteten Mitgliedern und den Der- treten» der verstcherten und chrer Arbeitgeber zu- fammen. Die Zahl ber ehrenamtlichen Mitglieder muß jedoch fiel» größer lein al» die der beamteten, bind in einer Sitzung De» Direktorium» nickt sämt- liche edrenamtlichen Mitglieder erschienen, so fchei- den bei der Abstimmung Die beamteten Mitglieder in entsprechender Anzahl au». D«e Belchlüsie werden nach Stimmenrnehrcheit gefaßt Die Geschäftsfüh- rung de» Direktorium» wird durch eine Geschalt»- orbnung geregelt, die ber Verwaltungsrat tm Ein- vernehmen m.t Dem Direktorium rrlajjen hat. Diese Geschäftsordnung bedarf allerdings der Zustim- mung des Reichsarbeitsminister»
Die vorftehenden Ausführungen lassen erkennen, daß die 6 e l b st v e r w a I t u n g in der LV tm weitgehendsten Maße au-jarbaut ist Und durch diese Selbstverwaltung sind die versicherten und ihre Arbeitgeber in der Lage, stet» maßgebenden (Einfluß auf die Gestaltung ihrer Versicherung zu gewinnen ff» ist Deshalb Pflicht eine» jeden Ber- sicherten und Arbeitgeber«, durch Äueübung seines Wahlrecht» für die W-iierr itwicklung und da» wettere Gedeihen der SV. in seinem Sinne Borge zu tragen. Gelegenheit hierzu ist ihm setzt durch die vorgesehene Reuwabl der Vertrauensmänner und der Ersatzmänner In ber AB gegeben.
Amtsgericht Gießen.
• Gießen. 12. Oft. Wegen der tzerausaad« bet Rades eines ÄtnDrrtoagen» gab eS zwischen Bewohnern eines Hauses einen Wortwechsel, der Damit endigte. Daß der ein» von ihnen Dem andern mit einem Setzhvlz Derart auf den Äopf schlug. Daß er zusammendrach, eine Dehirrvrschüt- terung und eint blutend» Wunde von etwa sieben Zentimeter Läng» auf Der 6tim» davontrug, sowie etwa 2*/e Wochen arbeitsunfähig war. Auch soll er noch auf den am Boden Liegenden eingeschlagen haben. Der Itcrtebtc erhob Daraufhin Privalklage, die heute Durch einen Vergleich erledigt wurde. Der Tater sprach sein Bedauern über Den Vorfall au» und verpflichtete fich, zur Abfindung aller Dem Verletzten erwachsenen Rosten für Arzt und Apotheke, für entgangenen Verdienst und für Schmerzensgeld Den Betrag von 12 0 Mark zu zahlen. Außerdem übernahm er sämtliche Kosten De» Verfahrens uni) verzichtete auf Stellung von Strafanträgen gegen Den Verletzten wegen angeblichen Hausiriedens- bruchS und gegen Dessen Mutter wegen angeblicher Veleidlgung.
Wirtschaft.
Die Entwicklung unserer Kapiralneubildung.
Don Dr. St vt»tt»e.
Der Reichswirtschaftsminlster bat In seiner vor Dem Reichs verband Der deutschen Industrie gehaltenen Rede mit Recht Die Verflechtung in Dl« Weltwlrtschaf l und die 211- Dung eigenen Kapital» als d.« beiden großen Ausgaben Der deutschen Wirtschaftspolitik bezeichnet. Ä1S wir End« 1923 aus Dem Taumel Der Inflationszeit erwachten, fehlte es zwar n.cht an den bekannten .Sachwerten", den Produktionsmitteln, wohl aber war da» Kap.tal als das zu ihrem Betrieb« nötige Dd fast restlos verbraucht. Sein« Erneuerung wird durch D e vielen öonDerlaftoten. Denen unsere Wirtschaft alS Folge De» Krieges und Fr.edensvertrage» unterworfen ist, stark beschränkt. 3aßr für Jahr werden auf Grund DeS DaaeSplaneS auS Deutschland große Teile seines Dol.se.nlommenS an die reparaUonsberechtigten Staaten abadüßrL S « vermindern naturgemäß Die Skap talbildung, und zwar sicherlich unter daS Maß. das notwendig ist, um unsere Wirtschaft auf dem ihrer Weiterentwicklung und dem Vroo.kcrunaszuwachs ent- Ibrechenden Stande zu erhalten. Die Ab »tzrung dieser Milliarden zwingt uns deshalb, fie im Ausland« als privaten Kredit wieder aufzunehmen.
Daß wir heute nach Drr.rjtbalbidßrtger Spar- tähgfcit auf em unter den obwailenden Umständen als erfreulich zu bezeichnendes örgebn.» Aurü<fbliden C'nnen. spricht «ben’o für bi» wirtschaftliche Gins ich« unteres Volkes tme für fernen, trotz der durch fr.e Geldentwertung bedtngteir Enttäulchunz wtedererftandenen Sparwllen. Aach Den Angaben des Statistischen Re.chsamrs betrug der Vestand Der Reichs'varv-.m rgen End» Juni dreies wahres etwas über 4 M.lliarden Mark. Mein das 3aßr 1928 brachte einen Zuwachs von mehr aU 1.4 TUlliarben, und un laufenden Jahre wird d.e Erhöhung - tme aus Den bisherigen Ergebnissen zu entnehmen ist — fast Di» Zwe-.-Illiard<ngre,t.ze streifen. Von der obigen für das Rerchsgeb.« geltenden Summe hat Preußen allein zwei Drittel aufgebracht, obwr« lein» GinwvhneQaLl nur 61 Prozent der Aeichsbevblkerung umfaßt. Z^eirnzeiche»end für das Veteil.gurrgsverhältnis Der einzelnen preußischen Provinzen ift, daß di« schwer bedrängte Ostmark Die niedrigste Lparbildung aufweist, während Die Rheinprovinz unb Westfalen allein ungefähr 40 Prozent Der preußischen Oiniagen vertreten. Die nieDrigite Durchschnitt »zifter unter den L'änDem weisen Thüringen unD Vapern auf.
Sine nicht ohne ireiteres verständliche Gr- fcheinung bedeutet das stärkere Ansteiaen der ffmlagvn während des Zahres 1926, in Dem Di» Arbeitslosigkeit ungewöhnlich groß war. Der Aeparat.onsagen! hat hieraus günstige Schlüsse auf Di« CfbenAaltung Der beeilen Massen unb Die gestiegene Sparkroft Derjcniaen Schichten ge- zogeit. Die von ber Arbeitsloftgöeit nicht un- mittelbar betroffen wurden. Sicherlich mit Unrecht! A cht Die Sparkraft, sondern der verstärkte Spar will» hat diesen vermeintlichen Widerspruch bervorgerufen. Weiteste Äreife unseres Volkes find in größter 2loU Die Beschäftigten aber hat die wachsende Sorge, ebenfalls arbeitslos au werden, zu einer Einschränkung des Verbrauchs und Damit zu einer verstärkten Spartätigkeit veranlaßt. DI« Furcht vor Der eigenen zukünftigen A 01 angesichts der fremden erhöht Den Sparwillen nicht trotz, sondern gerade Infolge Der allgemeinen Arbeitslosigkeit. Die Einlage des Arbe lerS und Angestellten trägt «inen versiche r ungsähnlichen Sharak er und soll neben den Sozialversicherungen für Den Fall ber Aichtbeschäftigung einen gewissen Rückhalt bilDen.
AuS Diesen Erwägungen heraus erklärt sich auch die Tatsache. Daß Die jährliche Zunahme Der Einlagen größer als in irgendeinem Jahre vor Dem Kriege und ve.hältniSrnäß g höher als in Den anderen Staaten gewesen ist. Der Spar- zuwack)s betrug z. D. in dem letzten Torfnego- jahve nur 1.1 Milliarde, wobei weiterhin zu berücksichtigen bleibt, daß hiervon «in erheblicher Teil auf Ztnszuschveibungen entfiel. Diese waren bet dem unveralcichlich größeren Einlagekapital von 19.17 Milliarden viel umfangreicher als bei den jetzigen Ziffern. Sicherlich ist Die Sparkrast deS einzelnen viel geringer als m Der Vorkriegszeit. 2«dvch hat sich der Kreis Der Sparer angesichts ber Rot Der Zelt verbreitert, fo Daß ihre erhöhte Zahl trotz Verkleinerung Der einzelnen Rücklage ein höheres Gesamtergebnis ermöglicht hat.
Die auf längere Zeit festgelegten Einlagen haben eS den Sparkaisen ermöglicht, ihr für Die Landwirtschaft fo wichtiges Htzpothekengefchäft in großem Umfang« wieder auftu nehmen. So ftixD 51 Prozen', ber neuen preußischen Spargel- oer deS wahres 1926 von vornherein langfristig im Reai.vedit angelegt worden. 2hn übrigen tourten fie — foweit nicht für Den Ankauf von GHef.en verwandt — Dem Kleingewerbe zugeführt. Don Den <50000 im 3um 1927 laufenden Krediten Der Sparkafen entfallen nur 21 000 ouf ÄreMtbeträge über 10 000 Vlark. Der Durch- fchniüobetvag d«S Snzeldarlehns beträgt 1700 rfRai:. ist also auf Das Konto deS Handwerks und ^kingetoerbe» zu buchen Di« Versorgung dieser mit Den Banken kaum in Verbindung stehen'en WirtschoflSkre.f« stellt e.ne Der Hauptaufgaben Der Spartaffen Dar.
3m Gegensatz zu dieser sichtbaren steht Die innere 5tapitalncub»ldung im Rahmen Der Betriebe durch of ene und versteckte Rücklagen, Rationalisierung Der Produktionsmittel. Ergänzung der Warenvorräte usw. Auch Die Ein
lagen ber Privatbanken lassen nicht ohne weheres erkennen, vb es sich um Srtparn ls«. Betve s- kapital oder ausländische Gelder handelt. Weitere große schwer erfaßbare Beträge find m Hypotheken Pfandbriefen, neuen Akt en und Der'.cherangen angelegt worden. E.ne entsprechende näßere Untersuchung Dt<<»r Posten wurde zu weit ■ ihren, jedoch se erwähnt daß von I".a'npl-. Bankkre.sen die Aapttalnrub'.ldung
der letzten Dreieinhalb Jahne auf 17 dis 20 Milliarden Mark geschätzt wird. Diese Zahl mag groß erscheinen s.e bletbt aber mit einem jährlichen Durch<chn.tt»>etrag von 5 bis 6 Milliarden um ein Drittel hinter den Beträgen der Vor- krtegszeit zurück BerüeAichtigt man den durch
Wochenbericht vom Frankfurter Effektenmarkt.
3n dieser Woche ergab sich wieder die schon längere Zeil öfter» zu beobachtende Tatsache, daß trotz der verfchiedenstcn günstigsten Moment« DI« Stimmung an der Börse keine merklich« Besserung erfuhr. Und immer wieder ist es derselbe Grund, der eine Höherentwicklung Der sturse gewaltsam oerblnDert, Die vollkommene Teilnahmslosigkeit de« privaten Publikums. Ommer noch war von einer lk- teiligung der zweiten Hand nichts zu merken; Die Entiäuschungen, Die Den am Börsengeschäft beteiligten privaten Streifen bereitet worden mären. scheinen noch nicht überwunden zu sein, da im Gegenteil Die Provinz etwas höhere Äut'c zu Gluiistellungen noch bestehender Engagements zu benutzen schien. Die Spekulation war aus sich heraus un'äßlg, eine etwas lebhaftere und festere Tendenz Durchzuhalten. und resignierte nach einigen schwachen Versuchen vollständig, so Daß Die Ümjähe aus ein Minimum zusaminen- I (t) r u in 1’ I 1 < r. Ai« 1 in normaleren Zeiten unbedingt eine feile Dürfe verurfacht hätte, ist das QDIeDerlngang- kommen Der Auslandanleihen zu erwähnen. Zunächst war schon bei Den Besprechungen tm Reichokabinett mit Dem Reichsbankdirektorium über Die Richtlinien Der Zukünftigen zum AusDruck gekommen. Daß bei Der momentanen Lage Des Deulfchen Rapitalmarkies die Ausnahme weiterer Auslandanlethen notwendig und irün|d)en»:D«rt fei. Dann kam endlich Die lange sehnsüchtig erwartete Meldung. Daß Di« Schwierigkeiten bei Der Preußenanleihe le- hoben worden waren unD einer Auflegung auch von feiten De» amerikanifchen S aatsdeparieinents nicht» mehr im Wege stand. Ferner bestätigten sich Die schon einige Zeit umgegangenen tfürütbie von Den Verhandlungen Der Eommerzbank über Die Aufnahme einer 20-Million en- Dollar-Anleihe. Die zur Umwandlung kurzfristiger Industriekredite in langfristige, ähnlich wie Die Anleihe Der Deutschen Dank, bestimmt, nunmehr ab ^schlafen und zusammen mit Der Preusrenanlel^e zur Zeichnung au gelegt worden ist. Sin« 10 - Millionen - Dollar - An.e che hat außer Dem Dl« Lanbesbankzentrale abgeschlossen. «benfo t>etI>anDelt Die Rentenbank- kreDitanftalt über Ausnahme einer neuen, Dritten 40-Miilionen-Doflar-Anleihe. All d e» wurde zwar beachtet unD beschprochen, blieb al er ohne nachhaltige Wirkung Mil Besorgnis betrachtete man Dagegen Den GelDmark t, Der zum Medio stark angespaimt war und nur ganz allmählich diu Erleichterung zeigt. Der 'Bh Dio selbst wurde ziemlich glatt überwunden wenn auch natürlich bei Der herrschenden Geschäft»- ftllk Dl« D«rauÄ£ommenhe Prämienware ziemlich auf Da« Aursniveau Drücke. Zeitwefte etiras anregend wirkten Dl« gumtigen Aussuhrungen in dem Sommuniquä über die Aufsichtsra:»sttzung Der 2.-G -Farbenindust.le. ferner für Die C II- fahrt »werte Die Ausführungen De» Senators Borah über d.« F.eigabeangelcge.iheit. Ruc AuL- lanDtoerte wurden e:was lebhalter umgeietz: Im Zu'ammenhang mit Der Festigkeit an den übernationalen Börsen. Oravi-Mlnen und un Frei- verkehr SvenSka- und Thadeakiien waren stsr er verlangt, nach Den Abschwächungen an Der B us- seler Börse aber wieder angeboien und 1 nä J er. Voiat & Haefsner konnten nach der Oppolit.an in Der Generalversammlung bis 200 anziehen, verloren Dann aber toieDcr fast den getarnten Kursgewinn. 3m übrigen überwogen Die kleinen
LlmErsvlgundLiebe.
Roman von Robert Misch
Eopynght dy (Earl Dunker. Berlin SW 62.
17. Fonsevung Nachdruck verboten
^Monatelang?! schrie Zia auf, unb alle» Blut strömte Ihr zum Herzen, „we.hald? 3st ee etwa» Ernsthafte»?*
„vorläufig nicht — ober Sie können nicht sin- gen"Soviel ich mit dem Spiegel sehen konnte, scheint e» eine kleine ßerbiefung unb Lähmung der Stimm- bänder" — Sie tat ihm leib, oh sie ihn mit Augen onfaß, in denen Angft unb Dual schimmerten. — „Mr werden da» natürlich wieder roegrriegen. So- bald Sie au» dem Bett sind, röntge >ch Sie auch Aber nn Singkn ist für die nächste Zeit nicht zu denken; und da» habe ich pfl.chtgemätz der Direktion mitgrteilt."
Ai» er fort war, brach 3sa in fasiungslojcs Schluchzen au». Die erschrockene Frau Perlacher telephonierte die Heimel an, die auch bald kam unb 3fa zu trösten versuchte.
Da» pafpertc doch allen Sängern gelegentlich, auch den stärksten und gesundesten Stimmen. Sie hatte da» in ihrer Theatcrlausbahn so oft erlebt Und sie nannte ihr berühmte Romen, die einige Monate, manche ein Jahr ober noch länger, hätten pausieren müßen.
„Dann — bin ich — bann bin ich eben er- lebigt wenn ich — wenn ich nicht mehr singen kann*, weinte 9|a leise, verzweifelt, als brächen Brunnen der Dual aus ihrem Innersten.
Isa blieb tagelang verzweifelt, aß unb sprach fast nichts mehr. Einige Male, wenn sie allein war. versuchte sie, Läufe unb .ßabenzen zu singen. Aber es klang matt, verschleiert, unb die Kehle schmerzte sie Dabet. Da gab sie es auf. Sie blieb fast vierzehn Tage im Bett, ehe sie aufttetzen konnte.
An einem Sonntag ging- sie zum ersten Mal wieder ins Theater, in die für die Darsteller reservierte Loge. Man umarmte und küßte sie, unb auch die Kahlenberg war eitel Liebe und Freundlichkeit.
„Natürl'tch — weil ick jetzt nicht mehr auf- treten Darf*, sagte Isa sPvmfch zur Heimel.
C» war die .letzte Ritouche-Auftührung. 2m anderen Abend verabschiedete sich der Berliner Gast al» Boccaccio.
Jede dieser Operetten mar einige Male bei vollen Häusern gegeben worden, unb noch zweimal die Fledermauc-. 6te Zeitungen hatten die Okft.n gelobt Aber einige Blatter hatten nach der „Fledermaus" geschrieben, baß „unsere einheimische Soubrette", Fräulein Wengers, zwar nicht soviel Routine in dieser Partie geze-gt, aber an Jugend und Schönheit, wenn auch n cht stimmlich. Die berühmte Berlinerin wohl noch übertroffen hätte." — Die Heimel hatte Ihr diese Blätter damalc- gleich an» Bett gebracht unb barrvt da» erste Lächeln (eit ihrer Krankheit hervorgelockt
ff» war gegen Mitte März unb schon fing es zu lenzen an. Mit seinem milden Anhauch zauberte der Frühling den ersten grünen schimmer auf Sträucher und Hecken Die Menschen machten lächelnde Gesichter. Der Rhein brauste unb stieg an, von der Schneeschmelze weit im Süden genährt. Wolken jagten über den tiefblauen Himmel — aber ; ber Märzwind war so sind unb warm, da st man merkte, er hatte sich vorher in südlichen Ländern herumgetrieben.
Isa ging fleißig spazieren Straft und Genesung pochten wieder in ihren Adern, frohe Stimmung unb Hoffnung. Sie fühlte wieder, baß sie jung war — und auch beim Sprechen empfand sie keinen Druck unb Schmerz mehr. Sie hütete sich freilich noch, laut zu singen unb viel zu sprechen.
Bon Lenz waren zwei oergnügte, bursch kose Brieflein gekommen, aus der Schweiz, wo er eben in Zürich, St. Gallen unb Bern gastierte.
„ffin schöne» Land, in dem die Phil ster wohnen und die Portier» und Kellner für die Frem- den machen, trotzdem sie diese eigenttich n.cht aus- flehen könnten", schrieb er. — „Anfang April spiele ich dcn Romeo, den Hamlct unb den Carlos in Frankfurt. Wie freue ich mich. Sie wiederzusehen, Madonna! Das macht die voce?"
Sie hatte ganz kurz unb zu rückhalte nb geantwortet, von ihrem Stimmleiden nichts erwähnt und ibn gebeten, wenn er nach Main; käme, n chts von ihrer früheren Bekanntschaft zu erwähnen. „Sie kennen ja di«ft bösen «latichmäuler beim Thea- ter ..."
Daraus antwortete er mit einer Ansichtskarte als Ham'kt „Gelesen, genehm.gt unb einverstanden. Hamlet: Akt III, Szene 1.
Ihr Freund
Joseph Lenz."
Sie schlug nach und fand bas bekannte Zitat: „Sei so keusch wie ffi», so rein wie Schnee, du wirst der Verleumdung n.cht entgehen."
Daß Direktor Meinert fie wieder engagieren würde, glaubte Isa nicht met)r. Hätte sie nicht ihre Gage bezogen, von der sie sogar noch einige Schulten bezahlen mußte, so wäre sie fortgeqongen, trotz der Heimel, die chr Freundin, fast eine Mutter war
Aber wohin? — Rach Berlin zog e» sie nicht, so gern sie ihre Eltern einmal wiebergesehen hätte. Bor dem Hinterhaus unb Dem Berliner Sommer graute ihr. Auch konnte sie nicht gut dorthin. Der Kommerzienrat hatte chr einen Äheck auf eine ainzer Bank über 1200 Mark geschickt, m.t einem sehr licbcnsroürb gen Brief, ffr hatte gehört, daß sic rrkrankt sei und daher vielleicht im Sommer .cki fingen könne. Sie solle sich in irgendeinem südlichen P.urort erholen — er schlüge ihr Bozen vor, wo man in Gries z. B. recht billig leben ti nne. Da er für ihre Karriere mit verantwortlich fei, Die ja auch recht verheißungsvoll begonnen halte, so sei bas ganz selbstverständlich Wenn sie mit dem Gelb fertig sei, auch noch loilettegetbir brauchte, würbe er mehr schicken.
Natürlich hatte fie aus ben Zellen feinen Wunsch herousgelesen, baß sie nicht noch Ber'in kommen m:ckte. Vermutlich würde ffberhard feine Ferien bei feinen Eltern verleben — auch em Grund mehr für sie, nicht dorthin zu gehen.
Bozen — gar nicht übel, um dort ihre Stimme ou»nbellen! Man könnte auch nach dem Gardasee gehen. Der nahe Süden lockte fie mächtig.
Da kam eine Depesche. „Bin cb heute auf zwei Tag« vor Frankfurter Gastspiel in Königstein, Taunus. Ich flehe die öotema an, mir wenigstens auf einen Tag Gesell'chaft zu leisten. Dollen Ratur kneioen. Drahtantwort erbeten. Joseph " — Sein Hotel mar angegeben, Rückantwort befahlt Sie schwankte einen Moment, bann depeschierte sie zurück, nachdem fie bas Kursbuch zu Rat gezogen:
^Komm« morgen früh zehn llhr an, Madonna."
Den beiden Frauen teilte fk mit, daß sie für einige Stunden eine Freundin besuchen würbe, die auf ber Durchreise in Frankfurt sei.
Arn anderen Morgen reifte sie in bet Frühe ohne Gepäck ab., Rur eine kleine Handtasche mit elroas Geld, Stamm und Brennschere nahm sie m.t. Zn Frankfurt hatte sie eine halbe Stunde Zeit, die sie zu einem kleinen Anlauf benutzte Sie kannte die Stadt übrigen» flüchtig von ber Her-
Lenz erwartete sie am Königsteiner Bahnhof, streckte chr beibe Hande entgegen unb fußte bann die ihren. Seine klugen, braunen Augen blitzten sie srendestrahlend an.
„Ich banke Ihnen, Madonna? Sie sehen etwa» bleich aus — bas verdammte Theater 2Xbrr ich n wie da» lockende Leben. Wo haben Sie ihr Gep^"t?“
„Gepäck? — Ich reise heute Abend wieder zurück?"
„Schade! — Also bann nehmen wir einen Wagen unb fahren ein wenig spazieren."
„Ich würde lieber zu Fuß gehen."
„Also gehen wir auf die Burg Dort oben, wenn Sie klettcrn wollen."
Aus einer bewaldeten Luppe sah man die Ruinen massig und zackig in den tiefblauen Him- mel flößen. Auf,engen, verschwiegenen Salbpfu en fliegen sie langsam hinan. Bon Ze>i zu Zett faßte er im Gespräch ihre Hand und drückte sie mit einem freundlichen Lächeln, da» sein noch immer knabenhaftes Gesicht verschonte. Den Hut trug er in ber Hand — seine braunen Locken rachten im Winde, ffr sprach rasch, lebhaft und heiter. Auf ihre Fragen erzählte er von seinen neuen Rollen, von feinen Gastspielen unb Plänen. Plötzlity stockte er.
„Ach was' Der oerbammte Theakerkram' Wenn es Frühling wird, habe ich bas so latt ... Hinaus, nur hinaus, wo die wirNiche Sonne scheint, keine Lampen, und wo wirkliche Bäume rauschen! Welch
. r ' - j t'f 'Zurren ber Menschheit — und es ist doch nur ein Hohlspiegel wie im Lach- fflbinett, in dem wir Menschen unb Dinge auf- fangen, bald zu breit, bald zu groß, bald zu dünn! — Zerrbilderl"
(Fortsetzung folgt)


