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Ur. (56 Zwntes Blatt

Gietzenor Anzeiger (Seneral-Anzeiger sür Gderhessen)

Dienstag, U. Juni 1927

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Die Ditifelöorjer Tagung des Deutschen Cebreroereins.

über 154 OCX) 2!iitg. c er zichlnbe Deutlche Leycerverria hielt am d. 3unt in SüHel# ->orf leine 35 Vertreterverfammlmz und vo -. 7. bi» 3. 3um eine Deutsche V11;: rlammlung

ab. (34 waren 40 Zweigvereine mit runb 3SS0 Orrsvereinen durch runb Sti) Delrgierle verirrten. Der GelchäflSberich'. kennzeichnet in schaden Strichen die 3erein*atbeil de» oerfloUcnen Jahres auf dem Gebiete der Schulpolitik und der Molbung. 21» eine erfreuliche Erscheinung ver­zeichnet der Bericht, bah wieder eine Annähe­rung an andere europäisch.' 'Jebrcn>erein* ftatt- grsunben hat die voraus ichtlich zur Bildung einer internationale:! Lehrervereinigung lührni wird. Die Grünbungsver'ummlung toll 192. in London abgebalten werden. 3n der Au»'p.:che über den Geschäft »bericht wurde der einm.:::gr Munfch zum Ausdruck gebracht, eine Bereini­gung der vorhandenen öeamtenverbände zu einer groben Spidencrganisation herb izusühren Dann machte Herr Botin, der Borsitende der Schul- politischen Hauptstelle des Herein», längere Aus­führungen über Konkordat und Reich»- schulgesetz Folgende Entschließung wurde einmütig dnaeiwmr::er .Der D L »B. spricht sich mit aller Sntschiedenhei' dagegen au», bah Konkordate oder Kirchen vertrage abgc- schlossen werden in denen staatliche Bindungen bezüglich der Schule enthalten find oder auch nur angedeutet werden Mit der staatlichen SchulhoheU. ohne die die deutsche Volksschule ihre Kulturausgaben nicht läsen kann, sind solche Konkordate und Kirchenverträge unvereinbar. Be­züglich des Retchsgefetze» ,u Art. 14«. 2 der Beichsversaffung ferberf der Deutsch? Lehrer- verein, das) die in Art. 146. 1 anerkannte gemein­same Schule unter allen Um ränben ihre durch die Herfa,Jung gegeben? Stellung behält, und Dafi in ben Gebieten de» Reiche», in denen eine nach Bekenniniffen nicht getrennte Schule gesetzlich be­steht (An. 174). eine Aenderung dieses gesetz­lichen Zustande» nur durch Lande-geseh erfolgen bars. Die nach Art. 146. 2 -ugelassenen Bekennt­nisschulen unb weltlichen Schulen find nur auf Antrag von Erziehungsberechtigten zu errichten unb bürfen weder zu einer Schädigung bes SchulausbaueS noch zu einer Herabsetzung her Schulleistungen führen.'' Erne weitere einmütig angenommene ®nt- schliehung lautet:Die schwere wirtschaftliche und pädagogische Bedrängnis von 40 000 Hellen- und erwerbslosen jungen deutschen Lehrern und Lehrerinnen ist auefchliefilich e.ne Folg- deS Krieges, für die vor allem da» Reich verantwort!.ch und zur Hilfe verpflichtet ist. Der Retchstaa hat DaS anerkannt, indem er 1926 6 Millionen als Reich-junglehrerhilse auswars und 1927 wenig­stens noch 2,5 Millionen in Anschlag brachte. Der D. L-B. drückt seine Empörung darüber au», das) der Reichstag auch diese unzulängliche Summe wieder gestrichen hat und damit die äußerst dürftige Lebenshaltung von taufenden lunger Lehrer und Lehrerinnen nod) tiefer hinab- brückt unb ihrer BerufSentfremdung Vorschub leistet. Der D. L.-D. fordert vom Reichstag, bah er in den RachtragShauShalt 1927 einen Betrag einsetzt, der der Lage der Junglehrer und der Verantwortlichkeit des Reiches an- gemeffen ist." - Sine ausgedehnte Besprechung verursachte die Defoldungsangelegen- heil. Die im Anschluß daran einmütig an­genommene Entschließung lautet: ..Der D. L -V. wendet sich mit Empörung gegen die dauernde Verschleppung der dringend notwendigen und seit Jahren versprochenen Erhöhung Der De- amtcnbefolbung burch Reichsregierung. ReichSrat und Reichstag. Die Richteinhaltung gegebener Versprechungen von Vertretern der Regierung und der Parteien muß als eine Mißachtung ber Beamtenschaft und ihrer Arbeit betrachtet werden. DaS völlige Versagen der verantwort- lieben Stellen in der materiellen Fürsorge sur die Beamten unb Lehrer hat diese immer tiefer in Rot. Verschuldung und Vodchußwirtfchaft ge-

sührt. Aus allen Xe i.n dr» Reiche» kommen erschüttern e Rotru e über Ikr.Liibuag unb Ter- zwe.fl.:r.g der Beamtin u-b L-Hr ? 3n b.:[cr Zeit schwer :cr Rrt erhebt die zkrt;. :erccda:n;n- lung bev D L -B. mit b.r gesamten beul .en Beamte.rscha i 1 entfd) eben; Forderung aus sofortige ausreichende Erhöhung der Beamten- belüge :. t .Hüdtr:: .ung auf den 1 2t?r! 1*327.' 3n ber grv-' rn Halle des planetar.u:n» begann dann d.e rutsche L e h r e r o e r f a m m l u n g.

ron falt 6203 Männc-, und grauen belach: war Der erste Vor« »ende Wol ' begrübt? mit h.r>i .) irrten 2 Srlchienenen beoudece- bie Ehr - -^le un. r Denen sich auch Tertr? ter mehrerer Schulverwaltungen der deutlchen Län­der unb der deutschen Städte 'ow < Schul- männer au» S allanb änglanb Luxemburg. Schwe­den. Polen und der Tchchoflowake Manben. Frau 2Htniftc:iul a: Dr. Säumer fprach übet 3uqendwohlfatrtSpslege im Rahmen der Schi.! niefcung" Die Iugendwohllahrt muh über die Schule hinausgehen auch Pestalozzi hat die Volks schul nur als einen Beil der Vc llScrziehi ng angese! e i. Darum muß eine stän- hige Derb nDung -w fchen 3ugendwohlfahrt und Schule be leben b.eiben, und die 3ugcnbt»fkge muh lid) al» pädagogisches System entwickeln. Die Sigengesetzlichkei: der IugendwobllahrtS- pflege darf nicht verloren gehen durch die Sin- -rbnung m die allgemeine Wohlfahrtspflege. Die 3ugendwohl'ahrtspflege ist nicht bloß Rot- Hilfe jeder Art, sondern ist da» Recht der 3u- gend. wie e» schon einleitend erwähnt ist. Die­ter Gedanke muh immer mehr in die Lehrerschaft hineingetragen werden, und dahin führen, daß eine methodische Ausbildung der 3ugendpfleger erfolgt, Kinderschicksale dürfen nicht durch die Akten gehen wie Müllabfuhr unb dergleichen. Die fachliche Verlegung der Arbeit bars hier nicht zu Schädigungen für bie 3ugend dienen.

Am *toJtcn Tage fprach Lehrer Barth. Leipzig, über den Gedanken der Selbstver­waltung in reiner Auswirkung auf das Schul­wesen. Der Lehrer wird zur Selbständigkeit nur dann erziehen können, wenn man ihm auch Die Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit zufpricht. Der Lehrer unterstehe einer Aufsicht. Sie soll von einem tüchtigen, praktischen Schul­mann ausgeübt werden, dem die Lehrer eines Kreise» zugewiesen sind. Für alle inneren An- §elegenbeiten der einzelnen Schule aber muh ie Lehrerversammlung das Recht der Selbst­verwaltung ausüben. Durch nichts leidet die Schule sckworer Schaden, als durch eine büro­kratische Aufsicht, die den Lehrer zur Ver­äußerlichung drängt und die Entwicklung freier Gemeinfchastsarbeit verhindert. Das Verhältnis der Schüler untereinander unb die Stellung zum Lehrer soll sich zu einem erziehenden Gemein- schastsleben gestalten. Die VolkSerziehung sei die systematische Führung und Organisation des Volkes zu gemeinsamer Schaffensfreude. Schule unb Elternhaus sollen auf der Grundlage der Klassenelternschasten zu verständnisvollem Zu­sammenarbeiten in ber Erziehung bet 3ugenb gelangen. AuS den Klassenelternschaften ent­wickelt sich die Schulgemeinde, die vor allem in pflegerischem Sinne tätig wird.

Die Selbstverwaltung kann zu einem mäch­tigen Hebel für den Schulfortschritt werden, wenn die Lehrerschaft ihre Aufgabe dabei klar fieht und tatkräftig anfaht. Die Schule vermag fo die stärkere, innere Teilnahme aller beteiligten Kteife zu gewinnen.

Ausland-Deutschtum.

Die Tagung des Vereins für daS Deutschtum im Ausl ande, die während der Pfingsttage in Goslar statlfand. verdient ein Rachwort als eine Veranstaltung, die einen liefen Eindruck über die Leistungen des Aus- lanb-Deutschtums. vor allem a uf kultu­rellem Gebiet, hinterlieh. Durch kirchliche Feiern stimmungsvoll eingeleitet, bei denen zwei Vertreter ber deutschen Kirche im Auslanb au Herzen gehende Wort? fanden, durch einen Fcst- xug von übet 20 000 Personen, zum Teil in Landestracht nach außen hin sichtbar gemacht,

traten hier dir .ichrn JoUii-.'.e teutlchrr Zunge mii- nanber unb mit t<m . ulsche Sol, in ber He at a:: einer se i r ältesten l.ftori-

Sänger au» L aenbürge Redner au- bem Ball kum. aus Cdietr. j> unb au.» Ungar <c..g- ten von Der engen Serbinbung die «wi­schen den Auslaut deutschen und der Heimat be­steht unb bie Wünsche sur ein. enge Zusamm.u- arbeit, bie habet ausgetauichl wurden unb (ün>- rightn sichtbaren Ausdruck m ber Berleg.ing ber Tagungei. be» Greins nach einem Mitt.lpunkl be» Reiches fan?r.t waren echt und tief emp­funden

Gleichzeitig ober saft gleichet:.g fanden auch anderwärts Verunstaltungen statt bie im Gründe demselben Gedanken bien er lo in Regensburg die Tagung be» Deutschen Sch u n - bunbe». ber ja auch bas Grenz- unb Aus­land-Deutschtum betreut und in Königsberg bie Haupt'agung der Kolonialen Reichs- arbeits-Gemei nschast Kor c Ter leg­ieren hat der Reichsminister be» Auswar g ;i Dr Strelcmann in ihrem Dla'i. ? :r Kolo­nial ^Deutsche" Begrüßungsworte b i^efteucrt. in benc;i er DouI'chlanbS koloniale Tätigkeit al» vorbildlich bezeichnet unb feststellt daß das mitt­lerweile auch von unteren Gegnern anerkannt worden sei. Er erhebt bah r bc Anspruch auf gleichberechtigte Mitarbeit Deutsch­lau b S an ber koloni'atonschen Tätigkeit in fernen Cänbcm. im Rahmen des Völkerbundes.

Klafft zwilchen der Kolonialarbeit in den Tropen unb berjenigen in Europa. aus ber die

dhen heutig .. 21 .land' -diu ... v *d>» tuir» erwachsen sind, immerhin ein g.Ddfcr gründ ayl.. .r Abstand 'o ' ? . !'e .edung'n

oeunbev unb biejc n des r.i's hit das Deut'chtum int Ausland *.> -. e t ,fi)cnb über- e <imnienb. da st man e» eigentlich b duern barf. tah derartige .in sich degrühensu rte und ein» fließen und durch ihre ge lein i? Dirkung auf die Welt zu einer Ikrftc:':: i bc 1 r >*i G.rads t- Auelaud-Deutlchtum ? ich In ben Fragen ber Entschädigung für d Ätugei rrluftc 'chiver benachteiligt fühl! bebar h. m ^1:^* b.r Vereinheitlichung !einer Bestrebungen: wir haben dem Machtauswand eai.-c Rk cklelini nichts entgegenzuftellen. wenn wir nich! eine f'vlze. k u 11 u r b e w u ß t e ir i n 6 el t »ront all der enigen Äreife auszeigen können, bi.* lich der kulture. cn 3n.e: J en des Auelanddeai'ch- :ums annehmen Da» Wort des -talienischen Diktators von ber Gleichgültigkeit gegen bi? An­wesenden auch Hunberttau! nider von Deutschen südlich der Brenner grenze, unb die geradezu naiv selbstgefälligen Festiiellungen d r italienischen Be­hörden. wonach bat, Deutsche nunmehr eine Fremdsprache in Südtirol geworden sei. füllten

.trrebenta. aber auf die Erhaltung deut­scher Sprache. Kultur unb Sitte in ben Gebieten außerhalb ber heutigen Reichs» renzcn gerichtet sind, die stärkste moralische und. soweit möglich, auch materielle Unterstützung zu gewähren.

Turnen, Sport und Spiet.

Fechten imTurnc;auHessentD.T.)

= Die Fechterriegen bes Turngaues Hessen, die die 3, Gaugruppe deS Mittelrb.inkreises ber D. T. bilden, hatten am Sonntag ihre besten Kräfte nach Gießen entsandt, wo in ber Turn­halle bes Tv. 1846 Da» Ausscheidungs­sech t e n für das Kreisturnfest in Darmstadt stattfand. Die vom T v. Gießen 1 8 4 6 zu aller Zufriedenheit getroffenen Vorberei­tungen ermöglichten unter Leitung des Gau- fechtwarts GrooS (Marburg) eine flotte Ab­wicklung der spannenden Kämpfe, an denen auch eine größere Zahl von Zuschauern ein lebhaskes 3ntereffe bekundete.

3n Florett stellten sich 12. im leichten Säbel 10 ber besten Fechter be» Gaues ben Kampfrichtern, die aus dem 2. KreiSbezirk (Offen­bach-Frankfurt), der Hochburg des Fechtens, ent­sandt waren und unter ber erfahrenen Leitung von 3. Thomson (Offenbach a. M.) streng, aber eintoanbfrel und gerecht werteten. 3n beiden Waffen waren die Kämpfe äußerst interessant. Die Fechter boten zum Teil sehr schönen Sport, besonders in den Endrunden, und zeigten in guter Klingenführung unb Stellung, daß man im Gau Hessen eifrig bemüht ist, Meister ber schönen Waffe zu werden. Besondere Erwähnung verdient bie Leistung beS ersten Siegers in Florett, ber seine Waffe linkShänbig führt unb es mit ber Linken zu einer anerkennenswerten Fertig­keit gebracht hat.

Die brei ersten Sieger in jeder Waffe sind zu dem Fechten im Kreis zugelassen und haben unseren Gau als Gaubeste bei den Wettkämpfen gelegentlich des Kreist umfest es in Darmstadt zu vertreten. Rachstehend bringen wir die Ramen der Sieger:

Florett: 1. Pfeffer, Tv. 1860 Bad» Rauheim: 2. Hahn, Tv. 1860 Bad-Rauheim: 3. Mulch. Tv. Wetzlar: 4. S ch u ch h a r d t, T. u. Spv. Marburg: 5. Kühn, Tgm. Friedberg: 6. Hoffmann, Tv. 1860 Bad-Rauheim.

Leichter Säbel: 1. Hahn, Tv. 1860 Dad-Rauheim: 2. Gerhardt. Tv. 1846 Gießen: 3. Hergenröther, Tv. 1846 Gießen: 4. Kühn, Tgm. Friedberg: 5. Ehr. Ziegler, Tv. 1846 Gießen.

Reit-, Spring- unb Fnhrturnier in Dad-Rauheim.

Bad-Rauheim. 12. 3uni.

3m vergangenen 3ahr ist auch unsere hessische Badestadt. die mit bem herrlich zwischen Tcich unb Golsplatz gelegenen .Roten Heil" einen vor­züglichen Sportplatz hat, in die Reihe der großen Turnierplätze eingetreten. Der Erfolg des ersten Turnier» hat dazu ermutigt, bie Veranstaltung alljährlich zu übernehmen.

Das gestern unb heute veranstaltete zweite Turnier bot besten Sport: etwa 200 Pferbe ber renommiertesten Ställe waren am Platz. Die Veranstaltung belebte außerordentlich ben Ver­kehr Waren heute doch runb 5000 Zuschauer erschienen, barunter viel ländliches Publikum. 3n anerkennenswerter Opferwilligkeit waren wert­volle Preise gestiftet worden. Als Stifter sind zu nennen: Der hessische Staat, die Bad- unb Kurverwaltung, die Stabt Bad-Rauheim, 3eschke» Grand-Hotel, Die Hoti na, Die Vereini­gung ber Bad-Rauhelmer Kurinteressenten.

Trotz bes schlechten Wetters am SamStag würbe vor etwa 1000 Zuschauern schon am ersten Turniertage nach bem Urteile Sachverständiger ganz hervorraaenber Sport geboten. DaS Große Springen brachte einen heißen Kampf zwischen Graf W. Hohenau unb Paul Heil, ba> ersterer auf W. DechsteinS .Imperator" gewann. 3m Amazonenjagdspringen (Dainen- fattel) war Baron E. Oppenheims .Heim" mit Baronin Oppenheim im Sattel Erster. Die Eignungsprüfung für Gespanne (Zweispänner) sah auch den bekannten Gieße­ner SportSmann E. Bieler am Start. Mit feiner sechsjährigen braunen Stute .Heide" unb bem sechsjährigen braunen Wallach .Harri" (beide Holsteiner Zucht) mußte er sich als Dritter hinter Major a. D. L. Schäfer, Marburg, ber mit seinen sechsjährigen Stuten .(Senta" unb .Vickh" fuhr, und W. BrückmannS Hengsten .Barde" und .Hochtourist" (vom Besitzer W. Drückmann. Groß-Karbcn. gefahren! Plazieren.

Bel der am heutigen Sonntag stattgehabten Eignungsprüfung für Gespanne (Ein­spänner) setzte sich E. Bieler mit .Harri" als erster Sieger aber an d'.e Spitze, während

Oberhessischer Kunstverein.

-luhfttllttng obcrßcssischcr Künstler im Uunstverein.

Die jetzige Ausstellung im Äunftrerein ist in doppelter Beziehung eine Heimatausstellung. Denn oberhessifche Künstler zeigen, wie sie ober- hessische Landschaft sehen. Landschaft ist nun wohl an sich etwas Feststehendes. Llbsolutes. Tiber da jeder Künstler au» dem Gegebenen daS herausstellt, was ihm konform und wesent­lich ist. es betont und ihm alle- andere unter- ordnet, so entsteht er ft durch Die Zusammenfassung verschiedener Landschastsimprefsionen eine umsas- sendeS Gesamtbild solcher künstlerischer Betrach« tungsmöglichkeiten.

Da ist es nun auch wieder an dieser Aus­stellung sehr interessant, zu sehen, wie ber ob- lektive Stoff durch das menschliche Medium seine subjektive Gestaltung erfährt, wie Farbe und Form auf da» Temperament deS Künstlers wir­ken. und in ihm sich zu dem Reuen, dem sub­jektiven Werk verfestigen. Vier Ramen sind da zu nennen und vier verschiedene Mikrokosmen spiegeln sich farbig wieder. K. Fries. K. Getft, G. Heil und E. V. Reuter. <H. Will ist leider nut mit einer Radierung ver­treten.)

Wenn man die Sachen von K. FrieS be­trachtet. fällt einem zuerst ein kleines Stirn- inungsbild in» Auge. daS durch harmonische Farbigkeit überrascht: ..Schneeschmelze". ZarteS Violett und bläuliches Weiß find durch einen feinen rötlichen Ton glücklich zusammengehalten. Gesättigt und ineinander überfliehend ist hier die Farbe, aufgelöst wie Schnee, der in Wasser übergeht. Malerisch, farbig getönt ist daS per- speknvtsch gefchickt aufgebaute Schloß Orten­berg". Lebendig und kräftig wirkt die farbige Zeichnung Dorfstraße". DaS Charakteristische ist gut getroffen und einheitlich gesehen. Don ähn­licher Geschlossenheit deS Sehen» ist die Kohle­zeichnung ..Feldweg", die Den Beschauer stark mitreibt nach Dem Hintergrund, in die Ferne. Fries' Oelbilder ..Feldweg". ..Abend an der Bibber" unb ..Herbstmorgen sind in ihrem Wech­sel von Herbigkeit und milder Süße wpische oberhestische Landschaften. Die ganze Weite des Dvgelsberges ist erfaßt in der Kohlezeichnung ..Bei Schotten", wo die Höhen deS Hinter­grundes :n sanftem Schwung sich loSreihen, zart

unb duftig, von Der Wiesenfläche im Vorder­gründe. Auch der LinoleumschnittGleiberg" fei hier erwähnt.

St. (Bei ft ist mit Porträts, Architekturbildern, Interieurs und Landschaften vertreten. Seine Man- nerköofe erfassen gut in farbig reizvoller Gestaltung das Persönlich-Wesentliche. Sehr zart ist das ge­dämpfte Licht feiner Interieurs. Fein und Duftig find auch Die PorfbilDer. In ihnen tritt schon klar Die pointillistische Manier Des Künstlers zutage. An­regend und belebend in der zusammengesetzten Farbflächc wirken die scharf akzentuierenden, bunten kleinen Kontraste, Durch Die Das Gegengewicht gegen Den weichen GrunDton gegeben wird. In Der ..Brücke" scheint uns Der Pointillismus etwas zu stark betont. Denn hier in der Landschaft wird die Farbe weniger Durch Die Form zusammengehalten wie bei Der Architektur. Eine eigenartige, ganz un­konventionelle LanDschastsausfassunq verraten Die BilderGleiberg" undVetzberg".Vetzberg" ist auf ein sehr durchdachtes pointillistifches Gleich- gewichtssystem gebracht, das aber noch etwas ein­heitlicher wirken müßte. ImGleiberg" ist die Form wesentlich geschlossener.

G. Heil fuhrt unS mit einem großen Teil feiner Bilder unmittelbar in unsere nächste Um­gebung. Er zeigt uns manches, an dem wir oft achtlos Dorbeigegangen sind, mit dem liebenden Auge des Künstlers. 3n seinen Aquarellen.Hos- reiten in Gießen ' steht farbig-lebendig unb doch ganz heute mit der Last ber 3ahre auf ihrem Rücken, eine Reihe alter Häuser vor und. mit toten Ziegeldächern, graubraunen Mauern, und überall ein bißchen Grün. Aehnlich ist's mit seinem .Malerischen Winkel" und dem .Alten Schloß". Gedämpft unb doch kontrastreich klingen die Far­ben zusammen. Die bläulich-violetten Schatten vertiefen die Räumlichkeit Der Bilder unb ver­stärken die malerische Einheit. Die Sonne erne- leuchtenden SommeNaaeS. die durch saftig-grünes Laub scheint, liegt über ber Architektur seiner Oelbilbcr. Wundervoll ist die Qlbenbftimmung be» HauleS in der Lüneburger Heide. Strahlend in intensiver Farbigkeit durch d.e Konzentration an unb für sich leichter Farben ist bad .Ost- einganastor auf den Schiff en berg", das uns allen bekannte wappengeschmückte große Portal. Dürerhaft liebevolles Eingehen auf vegetabiles Leben und Die belebende Macht der Sonne zeigt .Ein Sonnenstrahl". Sehr gut ist auch der .Blick vom ® lei berg", wo sich ber beschattete Vorder­grund dunkel vom hell und fonnenbefchienen ba-

liegenben Hügelland im Hintergrund abhebt und fo farbig ben Sprung bes dazwischenliegenden TaleS überbrückt. In der Tönung des Horizontes klingt dann die Symphonie au». Don Heils Innenbildern ist am geschlossensten unb stärksten wohl fein .Alter Erker in Burg Schlitz", in rosa-violettem Grunbton. Derselbe Farben- gefchmack tritt in der Blumenauswahl seiner Stilleben hervor, die lebendig und bunt durch den ruhigen Hintergrund zusammengehalten werden.

Stark kontrastierend in den Farben, tem­peramentvoll bewegt in den Linien, empfindet DaS optimistische Raturgefühl C. von ReuterS Die oberhessische Landschaft. Das Typische fesselt sie mehr als daS einmalige an der Erscheinung. Die Welt hat auf ihren Bildern immer ein frisches, farbige» Kleid und selbst im dunkelsten Winterwald leuchtet oben, wie auf denTan­nen im Schnee", der klarste, tiefste blaue Himmel hinein. Lebendig unb breit liegt Die Lan Df chatt von..Oberbimbach" da fruchtbringend undschwe.-, Bauernland. Ganz unproblematisch grünen im ..Maiwald" die Bäume, weil das Raturgetetz es so will. Ganz felbstverstLndlich liegt einem solchen Empfinden das lchärser herausarbeitende Oelbild mehr wie Das Aquarell. daS durch seine Technik schon bedingt sich andere Ziele setzen muh. Am besten von diesen gelungen ist Das kleineAuS Dem Vogelsberg", das die aus­ladenden. fanft geschwungenen Linien des Ge­birges sehr persönlich und selbständig stilisiert.

H. WillS RadierungSchlohgasse" ist ma­lerisch gesehen und eigenartig, aber es fehlt leider die Vergleichsmähigkeit mit anderen Wer­ken von ihm. Dr. H. O. V.

Frankfurter Theater.

3m Schauspielhaus gelangte Friedich Wolfs Schauspiel ..Kolonne Hund" in der In­szenierung Fritz Peter Buchs zur Uraufführung. Man lernt in Friedrich Wolf einen interessanten Dramatiker kennen, welcher seinem Werk dich­terischen Schwung unb starke dramatische Spann­kraft zu geben vermag, aber Iciber im letzten Teil durch die Tendenz, die allzu stark her­vorleuchtet. Den rein dichterischen Gedanken in den Hintergrund verdrängen läßt. Zeit nach dem Krieg, allgemeines Elend und Arbeits­losigkeit. Ein ehemaliger Oberleutnant Jost hat

mit wenigen Getreuen eine Siedlungskolonie in­mitten Moorlandes gegründet, und im Schweiße ihrer harten Arbeit wollen diese Menschen dem Moor Fruchtbarkeit abgewinnen. Es ist Die Ko­lonne Hund, welche, mügeriffen von Dem selbst­losen Idealismus ihres Führers sich hier Ar­beit. Brot und Frieden schaffen will. A''er noch ein anderer ist in Da- Moorland ge-» zogen Der Ingenieur Flint Er hat Bohr­türme errichten lassen und gräbt Der armen, kleinen Kolonne Hund, welche mit keinerlei Ma­schinen ausgerüstet ist, das Wasser ab. Flint hat erkannt, daß dies Wasser arsenhaltig ist, er will ein großes Weltbad auf dem Moor erstehen (affen und erkämpft mit allen Mitteln die Vertreibung der SiedlungSkolonie. Jost und Flint find Die Dramatischen Gegensätze DeS Schau­spiels, und zwilchen den beiden Männern stehen zwei Frauen, Schwestern, den Kamps verschär­fend. Es kommt zu Sabotageakten, Kämpfe, Aufruhr, Zuchthaus. Die Kolonne Hund, der sich Taufende angefchlossen haben, zieht zurück ins Moor und Jost, der allePrivatgefühle" hintenangesetzt hat, stirbt für seine Brüder kämp­fend an der Spitze der Kolonne Hund.

Wolf beginnt im zweiten Teil feine» Werke- Die Handlung zu fühlbar zu konstruieren und leitet Konflikte herbe' Deren dramatischer "Not­wendigkeit die dichterische Begründung fehlt. Die Aili^üyrung als solche war von prachtvoller Ein­heitlichkeit, soweit DaS Stück es zulieh, man spürte Die jufammenfaffenbe Hand DeS Regisseurs aus Den Maffenfzenen. Leopold Biberti - ehemaliger Oberleutnant Jost hatte den stür­menden Idealismus de» nach Brüderlichkeit unb Gerechtigkeit Suchenden Al» fein Gegenspieler Flint war Franz Schneider der kühle, stets disziplinierte, berechnende Gegenvol des Dra­mas. Taube. Spanier, Waldis, Ettel, O d e m a r und Lengbach stark in der cha­rakteristischen Zeichnung ihrer einzelnen Typen, desgleichen Konstanze M e n a , Eilen Daub und Leontine Sagan, deren Wiederkehr eine Be­reicherung des Ensembles bedeutet. Ganz aus­gezeichnet voll prächtiger Menschlichkeit zeichnete Theodor Sanegger die Gestalt eines Mi­nisterialdirektors. Der Beifall war anfänglich zurückhaltend, zum Schluß aber äußerst stark, so daß Darsteller, Regisseur unb Dichter wie­derholt auf der Bühne erscheinen konnten.