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Nr. 36 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

verewigte Assessorenschaft

Von Dr. Otto Keller.

vberstudienbire.tor in "Bübingen, M. d. L

Mit Rücksicht auf die traurige Tatsache, bah der hessiscye Staat eine übergroße Zahl von Dauerstellen im höheren Schulwesen von Assesso­ren verwalten läßt unb bleie so bis in» hohe Manne-alter hinein trotz voller Verantwortlich- leit in ber unfia^ren Lage des ..Anwärter-" festhält. habe ich im letzten Herbste ben Antrag gestellt, bah bie Zahl bet planmäßigen HtubienratSstellen um 80 vermehrt, bie ber Assessoren st eilen um bie gleiche Zahl oerminbert werden möge. Die RegieeungSantwort vom 6. Januar lautet folgen bermaße i:

..Der Lanbtag hat burch mehrere Beschlüsse die Regierung ersucht, zur Erzielung von Er­sparnissen ben Umfang beS hessischen höheren Schulwesen- zu verringern. Es ist nicht abzu­sehen, wie weit b.esem Ersuchen entsprochen wer­ben kann u. wieviel Siel.en nach Durchführung solcher Maßnahmen noch bleiben. Erst bann kann ba- richtige 2kr';ältmi3 zwischen planmäßigen unb nichtplanmäßigen S ei en sestgestellt werden Diese- Verlältniü ist gegc.itoär.lg zwar nicht 1:3 tote der An rag sagt, sondern 1:3.9. Trohbem ist kein Zweifel, baß b er jetzige Zu - ßanbgcänbett werben muß. ES wirb je­doch richtiger i n Rahmen einer für alle Beamten» kategvrien zu frei enden allgemeiren Rege um ge­schehen. De finanzielle Tragweite tfi größer, al- bie Antragstel er meinen. Die Vermehrung der planmäßigen Stellen um 80 würde bie Ver­mehrung ber Stellen in XI um 32 unb der in XII um 8 bedeuten. ES kommt hinzu, fall- die S^etrvorschrlst gegen da- Aufrück.n der An- warlec bestehen bleibt, daß dann 80 "Beamten, die jetzt al- Anwärter festen Gehalt haben, alle Btoei Jahre auftäden. Die gesamte Mehrausgabe würde sich auf ungefähr 122 000 Mk. belaufen, wovon auf den Staat rund 73 000 Mk. entfallen. Da- kann bet der jetzigen Finanzlage leider nicht getragen werden. I. D. gez. Urstabt."

ES ist für mich eine gewisse Genugtuung, daß in dein oben gesperrt gedruckten Satze bie Un- Haltbarkeit beS gegenwärtigen Zustande- zuge­geben wirb. Im übrigen freilich ist die Antwort so unbefriedigend wie möglich. Ich behalte mit vor, an dieser ©teile demnächst einmal die Frage zu erörtern, ob eine Verringerung des Umfang» unsere- höheren Schulwesens geboten erscheint, und ob vor allem der Staat dabei Aussicht auf Ersparnisse hat. Beides möchte ich vorläufig glatt verneinen. Dagegen sei eS mir gestattet, heute schon die Kostenberechnung meine- Antrags sei­len- der Regierung einer Kritik zu unterziehen, well meine eigene, die ich im folgenden toieber- gebe. ein ganz anderes Ergebnis liefert.

CS muß unterschieden werden zwischen den Kosten ber Assessorenanstellung selber und denen der Au rädungSstellen, die neu hinzukommen, wenn bie Zahl ber planmäßigen Stellen im ganzen steigt. Dec zweite Posten ist babei ber größere, steht aber nur in mittelbarem, nicht In unmittelbarem Zusammenhänge mit dem An­träge. Zunächst errechne ich die Kosten ber neuen Stellen selbst: Vor allem ist zu be­achten, baß biese Stellen alle seit Jahren vor­handen sind, auch von feinem Abbau berührt werden können, weil sie selbst bann noch übrig blieben, wenn eine Reihe hessische höherer Schu­len bildung-seind'.ichen Eingriffen zum Opfer fallen sollte. Denn auch nach dem letzten Abbau von 1926, der schon verwüstend genug gewirkt hat, sind noch 168 Assessoren in Verwendung, also mehr al- doppelt soviel. alS mein Antrag an­gestellt sehen will: andererseits sind an den fünf kleinsten Realschulen des Landes, gegen deren Fortbestehen sich vielleicht trotz ihrer geschicht­lichen und örtlichen Bedeutung künftige Spar­anträge rid'ten könnten, nur 29 akademische Be­amte und Anwärter tätig.

Weiter stelle ich fest, daß diejenigen Assesso­ren, denen die Anstellung zuteil werden soll, sämtlich längst die Ausgangsstuse der Gehalts» gruvpe X passiert haben und sich zum größeren Teile in Stuse 4 befinden, wo ihnen bereits der höchste Wohnungsgeldsatz ber Lokalstellen zusteht, zum kleineren Teile in Stufe 3. Wie gestalten sich nun bie Verhältnisse, wenn etwa am 1. April, dem Beginn de- Rechnungsjahres 1927, bie 80 dienstältesten Assessoren angestellt werden? 51 von ihnen bleiben bis -um 1. Januar 1928 in der bisherigen Stufe: iyre Bezüge erhöhen sich erst an diesem Tage, unb -war um ganze I

22 Mk. im Monat. Sie belasten demnach den kommenden S^aatSvoranschlag nut: 3x (für Ja­nuar. Februar. März 28 ) 51 X 22 Mk. = 3366 Mk. insgesamt. Die übrigen 29 wurden am 1. Januar 27 durch bie Sperre am Aufsteigen gehindert: sie kommen sofort nach der Anstellung in die nächste Stufe, unb -war 26 von 4 nach 5. 3 von 3 nach 4 3nfolgebelien verursachen sie an Mehr­kosten: 12 X 29 X 22 Mk. - 7656 Mk., dazu drei­mal erhöhte- Wohnung-gelb von je 240 Mk. (Ort-klasse B) - 720 Mk., insgesamt 8376 Mk. unb zusammen mit den oben errechneten 3366 Mark bie Summe von 1 1 7 42 Mk.. Damit find die unmittelbaren Kosten d«S Antrag -Keller unb Gen. erledigt. Unb nun die Kosten ber Auf- rückung-stelken: Bekanntlich erstreben bie Philologen zwischen den Besoldungsgruppen X. XI und XII das Zahlenverhältnis 3:2:1, die .EechStelung". wie sie die mittleren Beamten zwischen den Gruppen VII, VIII und IX genießen. Zugestanden hat man ihnen nur das Verhältnis 5:4:1, bie sogenannte Zehntelung: aber auch diese steht nur auf dem Papier, solange man 2 Siebentel aller Stellen burch Anwärter ver­walten läßt, bie bei Berechnung der AusrückungS- ftellen nicht mitzählen. Der Antrag Keiler bc- -weckt nur eine Vermehrung der planmäßigen Stellen, aber damit kommt ohne weiteres auch eine solche ber Olufrüdungdfteilen, sofern sich nicht da- Zahlenverhältnis noch weiter verschlech­tern soll. Es rüden, wie ja bic Regierungsant­wort betont, bei 80 neuen Stellen 8 Studienräte von XI nach XII (Oberilubienräte"), 32 weitere von X nach XI auf. Dabei kann in jedem einzelnen

Falle eine Gehaltserhöhung von höchsten- 990 Mark eintreten, wenn nämlich auch in der neuen Gruppe sofort der Höchstgehalt erreicht wird. Ist letzteres nicht der Fall bekanntlich bedeutet Beförderung ein Zurüdstufen um 2 Stufen!, so ist bie Mehrbefolbung jedeSmal nur 330. bzw. 660 Mk. Im benlbar ungünstigsten Falle entstehen folgenbe Kosten, die sich auch künftig nicht erhöhen können: 8mal -s- 32mal 990 Mk. zu'ammen 39600 Mk. Dabei muß auf das entschieden st ebetont toerben.baß diese Ausgabe bisher zu Unrecht. auf Kosten eines schwer benachteiligten Standes, gespart worden ist.

Die Gesamtkosten meine- Antrag- unmittel­barer und mittelbarer Art belaufen sich also auf höchsten- 11 742 Mk. -f* 39 600 Mk. = zusammen 51342 EHL, wovon dem Staate rund 60 Prozent = 30800 M k. zur Last fallen.

Die Berechnung ber Regierungsantwort ist irrig und irreführend, weil sie von der falschen Voraussetzung ausgehl, baß die verwendeten As­sessoren in Stufe 1 ihrer Besoldungsgruppe stün­den und bei Anstellung nach Stufe 4 oder 5 mit gleichzeitiger Wohnungsgelderhöhunq sprängen, diese Annahme findet zwar eine Stütze in den Zahlen des Voranschlags, aber diese entsprechen bei der ^Überalterung ber hessischen Anwärter für die höhere Beamtenlaufbahn wo >1 in keiner Abteilung ben tatsächlichen Verhältnissen und a m wenigsten bei den höheren Schulen. Es ist bedauerlich. baß dieser ausschlaggebende Punkt in ber Regierungsantwort außer Betracht geblieben unb damit ein ganz falscher Eindruck hervorge- rufen worden ist.

Drahtlose Bildtelegraphie.

Von Dr. Arthur Korn, Professor an der Technischen Hochschule Berlin.

Wenn ein technisches Problem derart im Mittelpunkte des aktuellen Interesses steht, wie zur Zeit das Problem ber Bildtelegraphie, ist nicht zu verwundern, baß gelegentlich phantasie- volle Berichterstatter zu ileuertteibungcn ge­neigt sinb, welche bet großen Menge Wohlgefallen, dem Fortschritt aber hinderlich sinb, da die Richterfüllung allzu stark gespannter Erwartungen in der Technik immer zu Rück­schlägen fuhrt. Das gilt im besonderen für das Problem des elektrischen Fernsehens. Die Schwie­rigkeiten. welche einem wirtschaftlich möglichen, elektrischen Fernsehen entgegenstehen. liegen keineswegs in irgendwelchen Trägh.i sersche.nun» gen im Sender oder Empfänger, sondern darin, daß wir bie phantastischen Telegraphiergeschwin­digkeiten, welche für ein praktisches Fernsehen er­forderlich sind, weder auf einer Leitung von einiger Länge, noch drahtlos mit Hilfe einer Trägerwelle erreichen können. Es besteht heute keine wesentliche technische Schwierigkeit, auf ganz kurze Entfernungen, z. B. von einem Zimmer in ein benachbarte-, elektrisch fernzusehen, da man dann mit vielen Leitungen arbeiten kann: die Kosten für einen primitiven Apparat würden sich immerhin auf einige hunderttausend Mark be­laufen, und ein solcher Apparat würde noch keinem praktischen Zwecke bienen können. Die Kosten Steigern sich aber inS Uferlose, sobald man auf einige Entfernung, sagen w.r auf einige hundert Kilometer, fernsehen will, und es bleibt nur die Hoffnung, daß es einmal gelingt, gleich­seitig auf einer größeren Zahl von Träger- wellen ohne allzuhohe Betriebskosten zu arbeiten.

Das elektrische Fernsehen ist somit nur ak­tuell, insoweit es sich um Demonstrationsino delle handelt, dagegen ist die Bildtelegraphie in Ge­stalt der telegraphischen ilebertragung von ruhen­den Bildern und eventuell von Kinofilmen wich­tiger praktischer Anwendungen fähig, und sie ist teilweise schon in da- Stadium der praktischen Anwendungen getreten.

Die Fortschritte ber Bildtelegraphie, im be­sonderen der drahtlosen Bildtelegraphie, stehen völlig im Zeichen bet Verstärkertechnik: der Ver- stärkerröhre sind alle wesentliche Verbesserungen zu verdanken, sowohl in der Abtastung im Sender. alS auch in ber Reproduktion im Empfänger, als auch schließlich tn ben SynchroniSmusanordnungen.

3m Sender behauptet sich die telauto* graphische Methode (Abtastung des in nicht leitender Materie auf einer Metallfolie auf­getragenen Bildes mit Hilfe einer Metallspitze) wegen ihrer außerordentlichen Einfachheit für viele praktischen Anwendungen: die Relief -

m e t h o d e Im Sender dürfte bald aufgegeben werden, trotz ber sehr sorgfältigen Ausarbeitung, welche der französische Ingenieur Belin der­selben hat angedeihen lassen: die w.chtigste Me­thode wird aber stets dieMethode der licht­elektrischen Zellen bleiben. Hier kommen im wesentlichen die Selenzellen unb die Alkalizellen in Betracht; die Selenzellen haben die stärkeren Effekte, die Alkalizellen die geringere Trägheit für sich: beide Arten von Zellen haben ihre besonderen Anwendungögebicte. Die Ansicht, der ich ost begegne, baß t»e Altali- -ellen erst in bet allerjüngsten Zeit für die Bild­telegraphie in Betracht gezogen worden sind, ist durchaus irrig. Schon im Jahre 1907 hat Dr. Rosenthal in München, angeregt durch meine damaligen Versuche -Wischer. Berlin unb München, bildtelegraphische Versuche mit Alkali- zellen gemacht und ein Patent auf diese Methode erhalten: praktisch ist die Verwendung natürlich erst dank den Verstärkerröhren geworden: ich arbeite mit Alkalizellen neben Selenzellen seit etwa drei Jahren: die schönen Uebertragungen ber American Telegraph and Tele­phone E o.. von Ranger unb der TeIe - funken-Gesellschaft wurden mit Alkali­zellen im Geber erreicht.

3m Empfänger streiten mehrere Methoden um die Vorherrschaft. Die alte elektromecha­nische und elektrochemische Methode, wie sie in den ersten Anfängen der Kopiertelegraphen benützt wurden, kommen heute wieder zu Ehren: diese Empfänger, welche für manche Zwecke gan- brauchbare Resultate ergeben, sind wesentlich billiger herzustellen als bie für feinere Alebcr- tragungen erforderlichen photographischen Emp­fänger. und sie kommen daher in erster Linie für den demnächst einzuführenden Bildrundfunk in Betracht, der Amateuren gestatten soll, einfache Bilder, welche von Rundfunksendern aus über­tragen werden, aufzunehmen.

Bon den photographischen Empfängern hatte ich zum ersten Male von 1901 an die Glimm- lichtröhre, von 1906 an da- Saitengal­vanometer in die Bildtelegraphie eingeführt: den Oszillographen hatte ich auch gelegent­lich schon im Jahre 1906 zu einigen Versuchen benützt, doch gab ich auS mancherlei Gründen dem Saitengalvanometer ben Vorzug: feit 1907 ist bet Oszillographenempfänger vorzüglich von B e - 11 n ausgearbeitet worben, unb er hat auch in ben Apparaturen von Petersen unb v. M i - halh Anwendung gefunden. Dank den Ver­stärkungen durch Elektronenröhren sind jetzt auch diejenigen Empfangsmethoden zu praktischer Be-

Antike Kochkunst.

3n jenen homerischen Zeiten, da dergott- Nche Sauhirf noch selbst das Borstenvieh zer- legte und zubereitete, gab es noch keine besonderen Köche: aber als der orientalische Lurus auch in Griechenland Einlaß sand, da erschien bald auch ein Heer von Küchenchefs, Oberkochen unb Munb- schenken, bie nicht nur bei ben Festen ber Fürsten, sondern auch bei ben Opsermahlcn der Tempel eine große Rolle spielten. Seit bem 6. unb 5. vorchristlichen 3ahrhundert s.nb in Griechenland berufsmäßige Köche tätig, unb manche von ihnen erlangten hohen Ruhm, wie Prof. Friedrich B i - label in feinem vortrefflichen, bei Ernst Hei- meran in München erschienenen BüchleinAn­tike Küche" (11. Heft der Tusculum-Schriften. 53 Seiten 8°. 0.65 ML 42) ausführt. Be­sonders gesucht und hoch bezahlt waren die Köche, die aus Lydien und aus den griechischen Kolo­nien in Unteritalien tarnen. Mithallos, ber Zeit­genosse Platons, ein Syrakusaner, ber ein belieb­tes Kochbuch schrieb, bedeutete nach dem Urteil eines Sophisten für die Kochkunst genau dasselbe wie Phidias für die Bildhauerei. Ebenfalls aus Syrakus stammten zwei andere Kochkünstler na­mens Herakleides. die weit verbrellete Werke über Kochkunst hinterließen. Ein anderer Kochkünstler. «Theoretiker unb Praktiker, war GlaukoS rer, ber bei ber Abfassung seines Werkes nach wissenschaftlichen Grundsätzen verfuhr. Auch Sonberschriften über einzelne Gerichte erschienen, so die von Gorion über die Zubereitung ber Fische: eine ganze Literatur gab es über Kuchen unb Backwerk, unb ein feines Fleischgericht, ge­nannt »Matthes', wurde in vielen Abhandlungen behandelt. Wie die Rezepte in jenen Kochbüchern ausgesehen haben mögen, läßt sich aus den An­gaben über ein athenisches Rationalgericht er­nennen, das .Feigenblatt" hieß. Das Rezept lautet: »Mische mit Milch gekochtes Schweinefett mit dicken Graupen, verknete es mit frischem Käse.

Eidottern unb Hirn, umhülle es mit wohlriechen­dem Feigenblatt, koche es in Brühe von Geflügel oder Ziegenfleisch. Dann nimm es heraus, be­seitige das Blatt unb tue es in ein Gefäß voll fiebenben Honigs." Das Küchenlexikon des Elrti- meboros, bas im 1. vorchristlichen 3ahrhunbert erschien, verzeichnete nicht nur die Fachaus­drücke, sondern gab auch zu jedem Stichwort ein genaues Rezept. Leiber sinb uns Kochbücher aus ber klassischen Zeit ber Antike.nicht erhalten, doch bietet einen gewissen Ersatz ein Papyrus der Heidelberger Universitäts-Bibliothek. ben Bilabel aufgefunden hat. Die Handschrift stammt zwar aus dem 3.nachchristlichen3ohrhundert, bietet aber wohl Auszüge aus dem Kochbuch eines Graeco-Aegypters. der beliebte Gerichte für den Bedarf des täglichen Lebens zusammenstellte. Man findet ba Fischbrühe unb Pökelfleisch, Schin­ken und Leber. Cenben und Linsenbrei bunt durcheinander. Das R^ept für Fischbrühe lautet: »Wenn du Graupen, Koriander. Lauch. Zwiebel, feinen AnnesoS zusammengemengt hast, koche dies auf Kohlenfeuer, unb zwar, indem du es mit einer Mischung aus Wasser. Wein und Garum an­feuchtest. Wenn es gekocht ist und du es weg- nehmen willst, tue Pfeffer. Feigensaft unb schar- fen Essig darüber. Man läßt dies ein wenig mitkochen, bann aber nimmt man es vom Feuer weg. Manche gießen Essig daran und kochen alles, nachdem sie das Grünzeug darunter gemengt haben. Auch bie Aerzte beschäftigten sich mit ber Kochkunst unb mit ber Bekömmlichkeit ber ein­zelnen Speisen. So schrieb ber Arzt Akron aus Agrigent ein Buch »über bie Rahrung Gesunber". 'Die Feinschmecker gaben ihrer Begeisterung für bie Genüsse ber Tafel durch poetische Ergüsse Ausdruck, unb wohl ber eifrigste b efer »Küchen- bichter" war Archestrados aus Gela, der die Welt bereiste, um herauszubringen, wo die ein­zelnen Rahrungsmittel in bester Qualität zu finden seien. Heber seine Ergebnisse veröffentlichte er ein Epos mit dem anlockenden Titel »Wohl­leben". das sogar ber ernste Römer Ennius ins

Lateinische übersetzte. Der Koch als ein wichtige- Glied des Haushaltes erscheint immer häufiger in der antiken Komödie, unb immer stolzer werden die Köche auf ihre Kunst: so wirb von einem Kochkünstler gerühmt, daß er »Tunkenbereiter" am Hofe de- Königs Seleukus war unb bei dem sizilianischen Tyrannen Agatholles bie .Tyran­nensoße" einführte: in Athen soll er unter dem Tyrannen Lachares. als »großer Heißhunger alle ergriffen, durch ein Kapemgericht bie Gemüter besänftigt haben. Bei Den Römern waren in der Frühzeit der Republll die Karthager als Koch­künstler maßgebend: von ihnen stammt ber im alten Rom viel gegessene »Punierbrei", ber aus einem Pfunb eingeweichter Graupen, brei Pfund frischem Quarkkäse, einem halben Pfund Honig und einem Ei bereitet wurde. Später übernahm man mit der griechischen Kochkunst auch die grie­chischen Ausdrücke, unb daS einzige uns erhaltene Kochbuch des Altertums, daS des Apitius. ist ganz mit solchen griechischen Ausdrücken durchsetzt und gibt einen guten Begriff von dem außer­ordentlichen Reichtum der seinen Küche in der römischen Kaiserzeit.

Die deutsche Literatur im heutigen Frankreich.

Die Franzosen, bie überhaupt für fremdes Wesen nie viel Verständnis gehabt haben, sind infolge des Weltkrieges ber deutschen Literatur noch mehr entfremdet worden, als dies früher der Fall war. Rur noch eine Minderheit von Schülern lernt Deutsch. Es machen sich aber jetzt Anzeichen bemerkbar, baß man das deutsche Schrift­tum wieder mll größerer Aufmerksamkeit verfolgt, wie aus den wertvollen Angaben hervorgeht, die ber ßitlet Professor F. Piguet In ber Mo- natsschrift »Das deutsche Buch" macht. Besonders eifrig beschäftigt man sich in Frankreich mit Rietzsche unb Freud. Die Freudlche Theorie hat nicht nur die Aerzte interessiert, sondern auch die

Samstag, 12. zedruar (927

Deutung gelangt, welche sich der Drehung der Polarisation-ebene polarisierter Lichtstrahlen mh Hilfe ber telegraphischen Zeichen bedienen. Der elchromagneti che Zaradav-Efsekt wurde schon vor nahezu 40 Jahren von Ayrton und Perry für den Empfänger In einem Fernseher empfohlen, neuerdings hon Aigner m;t Rücksicht auf ben porlicgcnben Zweck und unter Hinwe.S auf die jetzt möglichen Verstärkungen diskutiert. Der elek­trostatische Kerr-Effekt wurde bereit- 1690 von Sutton für einen Femseher-Empsänger emp­fohlen, aber erst kürzlich von Karol u- durch Hinzunahme geeigneter Verstärkungen zu einem photographischen Empfänger für B.ldlllegraph e ausgenüht.

So stehen sich unter den photographischen Emp'ängcm Saitengalvanometer und Oszillograph cincricitS. und Glimmlichllampe unb Kerrzelle andererseits gegenüber. Die beiden letzteren sind SpannungSempsänger: die Spannung, modulatio- nen, welche durch bie empfangenen telegraphi­schen Zeichen auSzulösen sind, sind ziemlich groß, unb e- sind baßer beträchtliche Verstärkungen im Empfänger notwendig: Saitengalvano? >.c er und Oszillograph reagieren auf ©irommobula- tionen. Die auch für den drahtlosen Fernempfang durch Derstärkerrähren ohne Schwierigkeit zur Beifügung gestellt werden können. G immllcht- lampe und Kerrzelle arbeiten nahezu ohne Träg­heit: Saitcngaloauomcter und Oszillograph be­sitzen wegen ihrer mechanischen Ratur natur­gemäß eine, wenn auch sehr geringe, nicht zu umgehende Tr igbeit. 3n dem Wettstreit: Glimm­lichtlampe unb Kerrzelle contra La. e Galvano­meter unb Oszillograph ist nun yu bedenken, daß Telegraphiergeschwmdigk ilen. irri e durch das Saitengalvanometer und den Oizil ographen nicht bewältigt werden könnten, von uns praktisch noch gar nicht beherrscht werden, wenigstens so­lange man mit einer Leitung oder drahtlos mit einer Trägerwelle arbeite, und Daran Durfte sich auch in absehbarer Zeit nichts ändern. Die zukünftige Entwicklung der B.ldtelegraph e wird voraussichtlich jedem der genannten Gnp'änger seinen besonderen Platz entsprechend den An­wendungsgebieten zuweisen.

Durch meine Zusammenarbeit mit der Lorenz A. D. hat das System Saitengalvanometer Im Empfänger neue, vielversprechende Fortschritte gemacht.

Ein wichtiges Teilproblem im Gebiete der Bildtelegraphie ist der Synchronismus zwi­schen Sender unb Empfänger. Auch hier sind sämtliche Grundprinzipien gegeben, man kann mit einfachen Mitteln einen groben Synchronismus herstellen, bei Aufwendung komplizierter Mit:el unb ber hierfür ersorberlichen Kosten ben Syn­chronismus bi- au den größten Präzisionen brin­gen. Da- Problem der praktischen Synchronisie­rung besteht nunmehr darin, mit möglichst ein­fachen Mitteln die für in Betracht kommenden Anwendungen nötige Präzision zu schassen. Für den Bildrundsunk, wie er in ber allerersten Zeit au erwarten ist, bei dem e- sich nur um ver­hältnismäßig grobe Zeichnungen, allenfalls ein­fache Porträts handeln wird, dürfte die Synchro­nisierung mit Hilfe einer Dynchroni-muskorrektur nach jeder Bild-eile au-reichen, obwohl man auch hier danach streben wird, den Synchronismus mlt Hilfe von Shnchronmotoren einzuführen unb billige Shnchronmotoren zu konstruieren, die für diesen Zweck verwendbar sind. 3ch komme hierbei zu einer 3bet, welche einmal vielleicht in einer nicht sehr fernen Zukunft Bedeutung gewinnen muß, ich meine zu ber 3bee eines fehr exakten, universellen Synchronismus. Aus betn Wege der drahtlosen Telegraphie läßt sich zunächst von einer großen Rabiostation zu einer Anzahl zweckmäßig verteilter Relaisstationen durch periodische Zeichen eine sehr genau einge­stellte Frequenz verbreiten, unb von biefen Re­laisstationen kann bie Frequenz burch Leitung als Wechselstrom genügender 3ntensitäl zu ein­fachen bilbtelegraphischen Stationen zum Betriebe von Shnchronmotoren geleitet werben. Man wird also ben Synchronismus einmal sehr billig mieten können, ohne teurer Verstärkungsapparate für diesen Zweck zu bedürfen. Solange solche Einrich­tungen noch nicht getroffen sinb, wird sich der Amateur im allgemeinen mit einem verhältnis­mäßig groben Synchronismus begnügen müssen, und zum Empfang hochwertiger Resultate müssen eben kostspieligere Apparate herangezogen wer­den: die Frequenzen für ben Synchronismus müssen entweder vom Senber zum Empfänger oder umgekehrt besonders übertragen toerben, ober es müssen im Senber unb Empfänger sehr genau abgestimmte Schwingungsorgane vorge'ehen wer-

ßiteraten unb Dramatiker sind von ihr beein­flußt. Fichte wirb burch ein großes Werk von T. L6on bekannt gemacht, von bem bereits zwei Bände erschienen sind. Die Gedankenwelt Speng­lers und des Grafen Keyserling ist in zahlreichen Artikeln behandelt worden: auch über bie Philo- fophie Leopold Ziegler- unb bie wissenschaft­lichen Anschauungen Troeltsch- ist man ein- gehenber unterrichtet. Die Übersetzungen deut­scher Werke, bie vor dem Kriege zahlreich waren, werden erst seit zwei 3ahren wieder häufiger. Goethe steht Im Vordergrund: neue Ausgaben den »Faust'". .Tasso",Wilhelm Meister", des Briefwechsels mit Schiller und eine ausgezeichnete Ilebertragung des .Wertster" sind erschienen. 3ns Französische überseht wurden auch einzelne Teile de- RibelungenliedeS, Stücke des »vimplizifsi- muS" von Grimmelshausen, Werke von Kleist und E. T A Hoffmann. Von neueren Werken der deutschen Erzählungsliteratur sind unter anderen in französischer Sprache Arbeiten von Sudermann (.Katzensteg"), von Stratz, von Schnitzler. Thomas Mann, Heinrich Mann, Clara Diebig, Carl Sternheim, Rene Schickele unb Leonhard Frank erschienen. Es han­delt sich habet aber vorläufig nur um schüchterne Versuche, bie moderne deutsche Erzählungskunst in Frankreich heimisch zu machen. 3m Schul­unterricht spielen deutsche Werke eine gewisse Aolle: so werden neben klassischen Werken aus- gewählte Seiten von Freytag, Storm. Fontane. Gottfried Keller. Liliencron, Thomas Mann ge­lesen. Bei der Ausbildung ber Lehrer des Deut­schen werden neuere Autoren, wie Gerhart Hauptmann, Spitteler, Thomas Mann, George, Hofmannsthal, Rilke, behandelt. Von deutschen wissenschaftlichen Arbeiten hat Gundolfs »Goe he" einen großen Erfolg in Frankreich gehabt: auch sein .Kleist" wirb gelesen. Heine ist sehr beli 5t, Akörike kommt in Aufnahme, unb ebenso be­schäftigt man sich mit Hölderlin. helfen »Hype­ri on" demnächst in französischer Übersetzung er­scheinen sott.