Ur. (55 Zweites öiatt Siebener Anzeiger (weileral-rinzeiger für ©berljcfjcu)
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Der Randstaatenpanzer im englisch-russischen Konfiift.
Nachdruck, auch mit QucKeirangabc, oertxrtcn.
Von unterem o. U.'6t.,S<rid;!ftftatltt.
(Es war einmal, all bit UWi noch in Ruhe lebte und noch nicht die Segnungen der neuen FriedensdMate tonnte Damals te.jc man sich, roenn man noch dem Dfirn reifte, m Berlin in den Schnell xua, bolle in SirbaUen einen kurzen Huf enthalt und fuhr in bas groß? Äußlant) hinein, ohne sich viel um bw Stabte und Provinzen zu kümmern, die an der Bahnstrecke auf dem Wege nach 'iteter^b.ir? ober Wgo logen. Und heute? Die ehemalige prüf* Aber des Weltverkehrs, die Asien mit Berlin. Bans und London verbindet, wortet oergebeni auf bas (fnöe der Abschnürung. Schon an der neuen litauischen Grenze beginnen die ersten Berrommlun- gen, aber bald hinter Romno ist die Welt mit Brettern oerfchlossen. Denn man nämlich, wie ehedem, die Stricke nach ÜÖ.Ina weitersahren will, yi der man Zwei Stunden brauchte, so sind die Bahn- schienen ausqerisien Schikvwachen stehen in Laufgraben, und man ersöhN. baß dort nochimmer Krieg i ft. Der -Neinkrieg zwischen Polen und Litauen verlaust zwar im ganzen recht unblutig, es gibt alle Wochen nur einen ober zwei loie. aber trotzdem Litauen und Polen sich im Konferenzsaal von (Beni treffen und dort gemeinsam an einem Tisch sitzen, besteht der offizielle Kriegs- xuftanb zwischen den beiden Nachbar- floaten fort, und Vorpostengefechte, in denen man sich ein Gehöft ober eine Scheune streitig macht, sind an der Tagesordnung. Alle Tölferbunb.aborb- nungen und Kommissionen die sich mit dem Konflikt xu befalle n batten, b ' n ihre Tätigkeit stets mit Der len. Das Welt- inlerefie fr.it den Konflikt nicht aus dem Wege zu räume4 vermocht. D.e (fiienbahn muh heute einen Umweg von nieten Stunden machen und hinauf nach Lettland biegen, um erst von dort auf russischen Boden zu gefangen, denn Litauen grenzt nicht an Sowsetruhland. Dazwischen liegt ein durätfchnittlich achtzig Kilometer breiter polnisch-lettischer Korridor mit den beiden Endpunkten Dünaburq und Wilna. In die rm iKr-nzlu! ?. i
Juden, Weihrussen und Litauer. Es ist ein ödes Gebiet mit einer nur wenig von der Rirttur berührten Bevölkerung, das hier den Randstaatenpanzer ab- schließt.
Litauen nimmt unter den neuen Randstaaten dank seinem Streit mit Polen eine Sonderstellung ein, auch seine Beziehungen zu Moskau sind andere als die Lettlands. Litauen besitzt keinen beträchtlichen Iranfitfranbri mit Rußland, dessen Grenze es nicht berührt, und endlich spielt auch die kommunistische Bartei Im Lande keine irqenbinic beunruhigende Rolle. Im Gtegcnfah zu Estland ist die diktatorische Regierung des Professors Woldemaras jorojet- feindlich eingestellt. Nachdem der Ebes des litauischen (Beneralftobs, General Kleschtschinsky, der Spionage für die Sow'ets über*.ibrt uni) hingerichtet worden ist, hat auch 6* Gesandte Srlcjait- drowsky Kowno verlasien. Iidoch hat CI tauen an Ruhland den Rückhalt, bah Moskau weder die pol- nische Annexion von Wilna anerkannt, das es durch den Frieden von Moskau an Litauen abtrat, noch die Konvention bezüglich der Schiffahrt auf dem Momeistrom. Litauen mehrt sich zwar gegen kenn- mimiftische Einflüsie und Propaganda, wird sich aber nicht in einen ausgesprochenen Interessengegensatz zu Sowjetruhland, trotz eventuellen Druckes Eng- Icmbs. elnbejichcn lassen. Es kann in einem ossenen Konflikt mit Moskau nur verlieren und nichts gewinnen. Es ist vollauf durch seine Schwierigkeiten mit Polen und Memel beschäftigt.
Anders Lettland und iS st l a n d! Sie find von Rußland abhängig, sie liegen als Barriere auf dem Dege nach Moskau vom Meere, sie sind daS Tor. durch das der Transithandel inS Sowjetreich geleitet wird. Der Bruch zwischen England und Moskau hat deshalb nicht geringe Beunruhigung in Aiga hervorgerufen, und eS ist sehr beachtenswert, daß der Außenminister. Herr Zeel en. gerade in Den Tagen des Konfliktes London-Moskau mit Ausiland einen Handelsvertrag abgeschlossen hat. Aun ist die öffentliche Meinung in Lettland bisher ganz auf Frankreich und besonders auf England eingestellt gewesen. So wird denn auch der Außen- minlflcr wegen des Abschlusses des Handelsvertrages mit Moskau, in dem man eine Demonstration zu sehen verbucht ist. von verschiedenen Seiten heftig angegriffen, so daß sogar (Gerüchte
über seinen Rücktritt im Umlauf find Unter- stützt wirb Zeel en vom lettischen Po'itck.-r Kau'.# der en:«a*leben für ane Annäherung Lettlands an Ausiland and Deutschland eintritt, aber das sind nur ver.
Sell e sich der Arr.-.it -wisaxm England und Svwje.ruoland verschär er. sollte cs gar zu einem icvxL .;ten Zusam icnstov kommen so ist die et.ilur.g Lettlands, schon allein durch feine geographische Lage üusierst gefährdet ES f)2t eine breite, ungeschulte Dren;? mit Auß» land, kann ebenso wie aAand ohne grafte Zchwierigkeilen überrannt werden, da de Armeen dcr de den ÄteinWaalcn. wenn auch gut ausgerüstet, so doch nicht in der Lage wären, der russischen Flut einen dauernden Widerstand ent- gegcnzusehen. Der estländ sche Au rnminister Dr. Akel w'eiUc kürzlich in. Aiga und hatte mit ßeelen eine lungere Au. prache über eine gemeinsam c Ausilandpolitik. SS lann mit Sich erhell angenommen tverden. dah beide Minister alles versuchen, ihr? Länder rom engli'ch-rusli- schon Konsliltberetch sernzuhal.cn. aber wie W it ihr guter Mille mahgebend bleiben wird, können erst die nächsten Wochen zeigen.
In wenigen Tagen wirb eine englische Kriegsslot tc da» baltische Meer befahren und zwilchen HelsingiorS und Aeval vor Kronstadt und Petersburg Auslug halten. Sowietrusiland lieht darin eine Drohung und eine Heraus!ordcruna. und es gibt eifrige Sowjet- fanalikec. die bereits von einer russischen
Gegendemonstration in den bal'.i'chen Wofkem reden Gin Spielen mit dem Feuer! Sine Mögltü keil die in den Landstädten Besorgnis erregt und 2"ie in Aeval und Aiga viel bf*r odkn wird Denn beginnen zuerst tn her Ostsee die Kanonen zu fprcd.cn. so wird dos Echo aus dem User ni<tH au blc.ben und Estland und Lei.land können, ohne eS zu wellen. in den 23irbd hin- cmge zogen werden Es ist zu bemerken, bah iid? sowohl in Aeval als auch in Aiga -aylreicv.- russi'che Emigranten aufhaltcn. die ganzen früheren Militärterinattoncn. unter ihnen vor- tresslich geschulte Olsiziere aus bc." Zaren; it. die nichts lehnlicher wünschen. alS sich wieder in den Kamps gegen ihre roten Feinde zu stürzen. Auch die meisten Esten unb Letten haben in ter Zarenarmee gedient, und die bittere GrfaL.ung währ: •> der kurzen roten Herrschaft im Lande, i ie in blutigen Kämpfen niedergeschlagen wurde, bat eus ihnen gewisi feine Low > .iicunde g:riaa t. In einem grosica Staate, w.e Deutschland. Frankreich u'w. ist es den Emigranten versagt, .me politische Aolle zu spielen, anders in den kleinen Grenzländern. die zusammen nur etwa zwei Millionen Einwohner zählen. So ist denn der L. ::N» Panzer der Aandstaaien nicht so sest gefügt, wie er eS sein sollte, doch wird ;id) kaum eine Hani finden die es wagt, ihn willkürlich zu sprengen, aber es wäre auch verkehrt, allzusest aus seine Haltbarkeit zu bauen und ihm einen Ewigkeitswert beizulegen.
Turnen, Sport und Spiel.
Siner unter zwanzigtausend.
Zum Endspiel um die Kutzvall-Vundetzmeiftcrichaft.
Heber 20 000 Mannschaften der etwa 6300 Vereine des Deutschen Fusiboll-Dundes beteiligen sich jährlich an den Meisterichastsspielen. und der Deutsche Meister deS D. F. B soll im Schlusispiel am kommenden Sonntag in Berlin ermittelt werden. Dia Gmngung der Meister- schäften in den einzelnen Landesverbänden, in diesen wiederum in den Bezirken, der Meister- schetslen der zweiten und dritten Klasse, der zweiten unb drillen Mannschaften sind jeweils nur Etappen — zum Teil allerdings sehr, sehr weit entfernte - auf dem Dege zu der Meisterschaft, die nur einmal ün Jahr vergeben wirb, eben der Bundesmeisterschaft. Aur wenige unter den vielen Vereinen und Mannschaften kommen jemals zu dicker höchsten Ehre.
Eine Meistcrlchaft des Deutschen Fußball- Dundes wurde erstmalig im Jahre 1902 03 auS- ßctragen, als der D. F. D. nur etwa 100 Vereine mit wenigen taufend Mitgliedern zählte. Der B. f. B. «Leipzig tourb? erster Fußball- bundeSmeister. derselbe Verein, der in diesem Jahr die mitteldeutsche Meisterschast wiederum gewann. 3m 3ahre 1903.04 wurde die Meisterschaft. zu deren Endfpiel sich D. s. D. Leipzig und Dritannia Berlin durchgekämpft hatten, nicht ausgetragen. 1904 05 gewann Union Berlin den Titel. 1905'06 wieder D. f. D. Leipzig. 1906/07 holte sich der F. E. Freiburg die Meisterschaft im Endspiel gegen Viktoria Berlin, die dann 1907 08 zu dieser höchsten Ehre kam. 3n den beiden nächsten Jahren stellte Karlsruhe tn Phvnik und dem Fusiballverein die Deutschen Meister. 1910 11 holte sich Viktoria Berlin im Endspiel gegen V. f. B. Leipzig den Titel. Holstein Kiel, wieder V. f. B. Leipzig unb 1913/14 die S. Vg. Fürth setzten die Aeihe der Dundes- meister fort. Von 1914 bis 1919 unterblieb dann die Austragung der Meisterschaft, die 191920 gegen S. 2g. Fürih und 1920 21 gegen Vorwärts Berlin der 1. F. E Nürnberg gewann. Er stand auch 1922 im Endfpiel gegen den Hamburger S. V: DaS erste Entfcheidungslpiel endete 2:2. daS zweite 1:1. die Meisterschaft wurde schließlich nicht vergeben, da der Hamburger S. V.. dem dann der Titel zugesprochen wurde, infolge der Hngeklärtheit der Lage verzichtete. 1922 23 wurde der Hamburger S. D. dann Meister. 1923 24 verlor er den Titel im Endspiel an i>m 1. F. E. Nürnberg, der dis Meisterschaft auch 1924 25 behauptete. 3m Endspiel dos vorigen Jahres schlug S. Vg. Fürth
den Berliner Meister Hertha B. S. T. im Tttel- kamps mit 4:1.
Siebzehnmal wurde also bisher die Meisterschaft vergeben, der erfolgreichste Verein war der 1. F. E Nürnberg, der viermal die Deutsche Meisterschaft gewann und in diesem 3ahr wiederum im Endspiel steht. Nürnberg-Fürth stellte, da auch S. Vg. Fürth zweimal Meister wurde, sechsmal den .einen unter zwanzigtauicnd" Vereinen. Süddeutschland überhaupt neunmal den Deutschen Meister. Berlin und Mitteldeutschland je dreimal. Norddeutschland zweimal, der Westen, der Boltcnvcrband und Südvstdeutsch- Iant> konnten bisher noch keinen Deutschen Meister in den Aeihen ihrer Vereine zahlen.
Süddeutschland und Berlin stellen auch in diesem 3ahr die Sndspielgegner. AuS der engeren Aeihe der Anwärter auf die Fußboll- BundeSmeisterichaft. der immerhin noch recht großen Zahl der Liga- bzw. erstklassigen Vereine in den sieben Landesverbänden, qualifizierten sich — nach dem seit 1925 eingeführien neuen Meisterschaftssystem — 16 Vereine für die Meisterfchafts!chlus;fpiele, von denen Süddeutschland und Westdeutschland je drei, der Norden. Berlin, der Baltenverband. Mitteldeutschland und Südostdeutschland je zwei 'Vereine stellten. Die bisherigen Spiele brachten den 1. F. E. Nürnberg uni) Hertha D. S. E als Gegner des am Sonntag im Deutschen Stadion, Derlin-Grünewald, stattfindenden Endspiels an die Spitze. Schiedsrichter deS Spiels ist G u y e n S. Essen: Liniettrichter sind — und zwar erstmalig neutrale — Schulz, Hamburg, und Hille, Leipzig.
Deutsche Hand- und Fußballmeisterschaft der D. T.
Am [ommenben Sonntag wird die Deutsche Turnerschaft auf der 3llgen-Kampsbahn in Dresden ihre Meister im Handball und Fußball ermitteln. Die stärkste Anteilnahme wird sich wieder der Handballmeisterschast zuwenden. in welcher Spielart die Deutsche Turner- schaft mit annähernd 6000 Mannschaften die unbestrittene Führung unter den Verbänden für Leibesübungen hat. Die Handballmeisterschaft wird zum 7. Male ausgetragen. TSV. Spandau 1860. Turu Düsseldorf. Tv. Seckbach, Turngesell- schaft Stuttgart sind bereits in den Vorkämpsen ausgeschieden. 3m Schluhspiel stehen sich der vorjährige deutsche Meister PSD. A a st a t t und Tv. Ehcmnih'Gablenz. der Sachsenmeister, gegenüber. Spielleiter ist L e s z i n s k i - Derlin. der in D. T.-Endspielen noch nicht hervorgetreten ist, in Brandenburg aber den besten Aus genießt.
Johanna Spyri.
Zu ihrem 100. Geburtstag.
Von Sva Landau.
Woran es wohl liegen mag, bah bei dem Namen der Spyri jedes Kindecauge ausleuchtet, ja so- fiar noch mehr: daß auch die Erwachsenen, bc- anders die weiblichen Geschlechts, wieder dasselbe selige Äinbcrglüd empfinden wie beim Lesen ihrer Schriften? Diese Frage sollten w r unS an ihrem 100. Geburtstage einmal vorlegen.
ES ist gar nicht aus^usagen. wie viel die Spyri allen Kindern, die da- Glück hatten, ihre Bücher zu lesen, gegeben. Fand sie doch alS erste den rechten Weg. wirklich echte Kindergeschichten mit erziehenichem Wirken zu vdrbin- den. Die Helden unb Heldinnen ihrer Erzählungen sind Menschen von Fletsch und Butt mit allen Fehlern und Tugenden, keine Musterlinder. Don Anfang bis zu Ende stehen sie leibhaftig vor unS unb lasten unS mit ihren einfachen Kinderschickfalen. ihrer lebhaften Phantasie und treuen Hilfsbereitschaft nicht mehr los. DaS unbewußt Erzieherische biefer Bücher entspringt nicht etwa einet Theorie und Tendenz, sondern ihrer warmen, feinen Menschlichkeit, ihrem starken Empfinden, wie eS uns auS dem gütigen, klugen Altfrauengesicht mit den schönen tlaren Augen aus ihrem Bilde entgegenspricht.
Johanna Haustet kam am 12. 3uni 1827 in einem Dörfchen in det Nähe von Zürich als viertes Kind des dortigen ArtteS zur Welt. Die poetische Anlage war ein Erbteil ihrer Mutter, einer bekannten Dichterin frommet Lieder. Eine im wahrsten Sinne des Worte- sinnige Kindheit verlebte sic in dem weihen Doktvrhaute zusammen mit ihren Geschwistern, mit denen sie innige Liebe verband und die wir noch alle in den verschiedensten Verkleidungen in ihren Düchetn wiederfinden können. Ein besonders schönes Denkmal hat sie ihrer Gtohmuttet und deren unverheirateten Tochter gesetzt, dielen 3beaö>ilbcm einer Großmutter und Tante. Das Stübchen der beiden bot beit Kindern manchmal einen will
kommenen Zufluchtsort: das war dann, wenn ein düsterer Schatten in das trauliche Familienleben fiel, wenn der Vater, durch seinen Berus gezwungen, DemütSkraicke mit ins Haus brachte. 3n diesem Großmutterstübchen wurde auch „Das Hanni", wie sie nach Schweizer Sitte hieß, mit det deutschen Poesie belannt. Die Tante konnte viele Schillersche und Hhlandsche Balladen auswendig. die sie der begeisterten kleinen Zuhörerin gar nicht oft genug auffagen konnte. Geistige Anregung bot det wißbegierigen Kleinen auch der Hnterricht im Pfarrhaus, der bald dem in det allgemeinen Dorfschule Platz machte. Der alte Dorfschullehrer sprach einst eine düstere Prophezeiung auS, die durch das unverwüstlich heilere Temperament der Kleinen Herrotgerufen wurde. AlS Johanna nämlich über eine durchgeriebene Stelle in ihrer Zeichnung laut und herzlich lachte, sagte der alle Mann kopsschüttelnd: „Hanneli, du gibst eine Närrin!" 3hr heitere- Temperament. daS ihre Bücher so hell und warm durchleuchtet, hat sie bis ins Alter nie verloren, obwohl es auch schon in ihrer Kindheit einen Moment gab. der deutlich bewies, daß Kinder echte Trauet ernpsinden können. DaS war. als ihre geliebte Großmutter starb. Johannas Mutter hat in einem warmherzigen Gedicht ihren Kindern für ewig den Verlust vor Augen gestellt:
Vergiß eS nicht, du Enkelschat, Welch Kleinod dir gegeben wat. Am frühen Morgen tat sich hier Die HimmelSpfvtte auf vot Mr.
Die liefe Frömmigkeit, die Johanna recht eigentlich von dieser Großmutter ins Hetz gepflanzt war. blieb ihr Stab und Stütze durchs ganze Leben. Hni) ebenso ging noch etwas anderes mit ihr mit: eine Kinderliebe zu einem Freunde .hres Bruders, ^u Bernhard Spyri. die so fest und innig war. daß sie auch bei den erwachsenen Menschen noch standhielt: ihm reichte 3ohanna ihre Hand fürs Leben. Spyri wat ein ebenso guter Freund Gottfried Kellers wie Johanna eine Freundin E. F. Meyers. Sv steht
ihre Gestalt auch mit diesen beiden größten Dichtern ihres Landes in enger Verbindung.
Erst sehr spät, als reife Frau erst, begann 3ohanna Spyri ihre segensreiche schriftstellerische Tätigkeit. Aus einem erfahrungsreichen Leben und aus einem von den Schönheiten dieser Welt gesättigten Herzen heraus entstanden ihre ersten Bücher, die wohl ihre besten geblieben sind. Am unverfälschtesten zeigte sich ihr klares Erfassen det Kinderseele, ihre Liebe zu det schönen Schweizer Landschaft, ihr sonniger Humor, ihr tiefer Lebensernst und ihre Frömmigteit in den entzückenden ..Heidi"-Büchern. die. wie alle ihre Schriften, bei Friedrich Andreas PertheS erschienen sind. Jedem wächst das Heidi mir seinem mitleidigen Gemüt und seinem warmen Natutempsinden sest ans Herz. Ein in den Sphrischen Schriften immer wieder hervortretender Zug ist die Tierliebe, bei der auch 3ugcnberinncrungen der Dichterin eine wichtige Aolle spielen. Solch« innige Beziehungen zu den Geißen, die seiner Obhut anvertraut sind, hat das Heidi im höchsten Maße. Di« Spyri sagt von ihm: „Heidi sprang von einem zum arideren und machte mit jedem ganz persönliche Bckanntschast, beim jedes wat eine ganz besondere Erscheinung sür sich und hatte feine eigenen Manieren." Ebenso wie die Eigenart det Tiere, die es zu hüten hat, erfaßt das kleine Heidi auch die Natur um sich: mit ganz einfachen Mitteln wird hier selbst in den ®roß- ftabifinbern das Verständnis für die erhabene Lieblichkeit der Natur unb ün besonderen der herrlichen Schweizer wachgerusen, die zu genießen für die Menschen dieser Dichterwell zusammen mit einem guten Gewissen daS Lebensglück au»macht. So sagt sie: ..Dem Heidi wat es so schön zumute wie in seinem ßeben noch nie. Es tränt das goldene Sonnenlicht, die frischen Lüste, den zarten Dlumenduft in sich ein und begehrte gar nichts mehr, als so da zu bleiben immerzu." Da gibt eS Wohl kaum ein Kind, das nicht gleich sein ganzes Spielzeug hergeben würde, um mit dem Heidi, all diese Freuden zu kosten! Daß eine solch« ®lüdf«ligl«it
oicudijf 10. jüiii 1927
Anfchl csiend an das Handball'p.cl bc Iteilen Turnverein Mann beim 1846 unb T v. 3 o r (t 186 1 das Ent'cheidungSspiel um di« Deutsche Fußballmeister schast d e t D T. D e Dcul'che Turner'cha!: legt weniger Wert darau! mit den Fußball spie e iden Verbänden in Wettbewerb zu treten sie will vielm.br den ihren Vereinen trcjgeblicb.:i n xuiiballfpieknx Gelegenheit zur toeicren Beifügung geben. Schiedsrichter bei Fußballspiel» .'t Dr x i 1 d)cr» Altenburg
Aus dem Turngau Hessen (D T ).
Die turnerische Arbeit irirb nach der gründlichen Vorbereitung m . c >. Win.'ermonatcn jeweils zunächst von den 6 Vez.rlen des Gaues au'-euoi-men. Vor Ostern gaben zu: ächtt die Vezirl. ®crätdD:i;Qmb c ®.l;g:nbcit zur turne- ri - en Wrttkampfbe.ätigun ' Hm bictelt e Zeit irurben die Veziri-mei.e. cha len tm tang- hr.-deniauf geh’ e.ttlich der J.-üh a': iwalbläufe aui .'.etragen ES schkolsen sich bald die De- zirlv'piele in ben Sommeripic.cn an. die die Meister sür die inzwischen auch Icbon stattgefundenen Gausvmmcrspielc fett'teilten.
Den Al'ld.lusi bet üintlid'cn IViirUvcrcn- fl al jungen bilben die volkstümlichen Bezirks- tur nieste, nach deren Erledigung sich die Arbeit der Gauvereine ganz auf die bevorstehende.i Gauvetanstaljungen, vor allem aus daS Gaulurnfest in Heuchelheim, cinflclkn kann
Der 3. Vczitk war am ftu eilen cu* dem Plan und hat wie beteil# au»iuhrli-r berichte:. sein Dczirlsjutnfest schon am 29. Mai in Hitzenhain veranstalte: Der nächste Sonntag (12.3uni) wird den 2. und 4. Bezirk bei her Arbeit sehen: für den ersteren hat Burgsolms. sür den anderen Grebenau die Veranstaltung übernommen. Am 19.3uni finden nicht weniger als drei DerirtStumcn statt. Der 1. Vezirt versammelt sich in Nicdcr-Wal- gern, der 6. Vczitk in S r n st h a u I e n . der 5. Vezitk im Vad-Nauheimet Hochwald
Vci den VezirkSlurnen ist auch den Schülern Gelegenheit geboten, ihre Kräfte zu messen. Zu dem Fünfkampf sür Turner und 3u- flcnMurner tvn.nit in einigen Bezirken audi noch ein volkstümlicher Dreikamps für Turnerinnen.
V. s. D.
Die Liga rmD vor der Sperre noch eine alte Rückjpieloerpfkichtuna einlöfen unb fährt zu dicfein Zweck am tommenoen Sonntag nach ö p r e n b • li ngen. Db ihr in dem letzten Spiel biefer Saison ein sieg gelingen wird, erjeheint bei der derzeitig fchlechten norm der Mannschaft nrinbeftens zweifelhaft. Im besten Falle sollte ihr mir «in knapper Sieg über ben Gastgeber, der in der letzten Zeit ebenfalls sehr viel von feiner früheren Spielstarke verloren bat, gelingen. Um einen möglichst günstigen Abschluß zu erzielen, wirb D. f. B. mit seiner besten Besetzung die Reise nntreien müssen, anbernfalls ihm eint Niederlage kaum erspart bleiben dürfte.
Die dritte Mannf chaf t vertnüvsl einen Ausflug noch Weilburg mit einem GeseUschasls- spiel, indem sie einer Einladung des dortigen Sport» Vereins folgt und gegen dessen zweite Mannschaft antritt. Nur in stärkster Ausstellung wird ihr gegen ben spielstarken Gegner ein Ersolg btschieden sein. Spieloereinigung 1900 Gießen.
Der Kehraus her Fuhballsaisoa 1926 27.
ö. Für die zum ^Westdeutschen Spielverband gehörenden Herein« schließt mit dem kommenden Sonntag das Fuhball-Spieljahr 1926/27. Eine ereignisreiche Saison ist damit beendet. Mit Freude konnte man feststellen, daß daS Interesse des Gießener Publikum# am Fuhballsport wieder stark zugenommen hat, in erster Linie beeinflußt durch die durchweg gehobenen Leistungen der Einheimisclxn in sämtlichen Klassen, sowie durch daS Vorhandensein herrlich gelegener guter Sportplätze.
Die Spiclvcreimgung 1900 tritt am nächsten Sonntag nochmal- mit ihrem reichlichen Spielermaterial auf den Plan. Zunächst die Liaa- Mannschaft, die die Klassisizierung bei Vereins repräsentiert, trägt in Franks urt a. M. ein Freundschaftsspiel gegen ben dortigen Fußballverein „Borussia" auS. Die Franksurier. die Ostern hier in Gießen gegen 1900 ein Hnentschie- den (22) erzielten, genießen den Aus einer fairen, sympathischen und zur Zeit auch wieder sehr spielstarken Elf. Das Gastspiel an Ostern, das Gießen mit mehrfachem Ersatz durchführen mußte.
ober nicht ewig dauern kann, daS lernen die Kinder auch vom Heidi, und wie es nun fort muß aus seinen Bergen, da wird auS der säst ein wenig neidischen Sympathie eine mitleidige. Wenn aber das Heidi in seinem Heimweh so manchen dummen Streich begeht, mit dem ei sich dos Mißfallen deS strengen Fräulein Betten- meier zuzieht, dann wird nur ein recht verstocktes Kinderherz nicht mit dem Heidi den schweren Druck der Brust, die Sehnsucht nach der Heimat fühlen.
Noch mehr als mit dem braunen Dergkinde empfinden die meisten Kinder mit denen mit, die ihrer Sphäre etwas näher gerückt sind. DaS sind die Geschichten, die in dem k'nderreidöen House einer Psarrcr- oder Doktorsomilie spielen. Das schönste Beispiel für dies« Art ihrer Bücher sind die beiden „Gritli"-Bände, die do# Leben zweier Waisenkinder schildern, di« in dem lustigen Doktorhause ein- und auSgehen. Don den vier Doktorstindern stellt jedes einen ganz besonderen Typ dar. Da gibt es den wißbegierigen Fred, der jeden im Hause, vor allem aber die mit besonderer Liebe geschilderte Tante, mit seinen naturwissenschaftlichen Errungenschaften verfolgt: dann die lebba'te Srni, die immer eine große, hochwichtige Unternehmung im Sinne hat und wenn möglich, damit allen Menschen der Welt zu gleicher Zeit Helsen möchte: der rauflustige Oskar ist der Anführer aller Schulschlachten. der besonders gern Vereine gründet und Feste feiert, und zuguterletzt kommt das Heine Aikli. das von den Geschwistern ob seiner Kleinheit etwas über die Schulter angesehen wird und ihnen allen in gleicher Weise nachzu- eifern strebt. Das sind die Gestalten, die untere Kinder so gefangennehmen, daß viele von ihnen auf die Frage nach ihrer Lieblingsbeschäftigung, antworten: „Epyribücher lesen!"
Doch nicht nur die Kinder kennen feine größere Freude: auch die Mütter greifen immer wieder gern nach den Lieblingsbüchem ihrer eigenen Kinderzeit und ihrer Kinder, nach diesen Büchern, die den bezeichnenden Untertitel führen; ,Für Kinder uni) solche, die Kinder lieb habest


