Nachdruck verboten.
8. Fortsetzung.
drängte — — . . - . .
ist nicht an mir, Vorwürfe zu machen. Du hast ge- märtet bis cs über deine Kräfte ging. Und irgendwo roor >2S Leben. Du warst ein Mensch und wolltest leben." Was stieg plötzlich in ihm selber aus? Erne dunkle Erinnerung wie dos Gefühl eines Mit-
Kameraden.
Nomon von Felix M o e s ch l i n. Copyright by Carl Duncker, Berlin W 62.
..Aber dann kann sa noch alles gut werden." nate er und ltand auf. ,Lch begreife olle-, es
schuldigen?
„Es klingt seltsam, aber es ist wohl >o. Wenn du mir gleichgültig gewesen wärest, dann hätte ich auf dich warten können, aber so hatte ich keine andere Wahl mehr, als dich zu toten oder mich selber, oder mich in eine andere Welt zu stellen und cn neues Leben anzufangen."
Er sann ihrem Worte nach. Mich töten, hat sie gesagt. 3ie sah keinen anderen Ausweg, als mich zu töten. Ihre Mütterlichkeit ging unter Schmerzen bis an diese Grenze. „Was muht du gelitten haben," sagte er.
Nun war das Weinen cn ihr. Sie sank in den Stuhl, den er verlassen hatte.
Er nahm das Gespräch wieder aus: „Du kannst dich doch, wenn ich dich recht verstehe, wieder scheiden lassen," sagte er leise.
Sic schaute zu ihm auf. ,Hch habe ein Kind."
„Nun," stammelte er und dachte dabei Das Warten im Schützengraben war schlimm, der Krieg war schlimm und war vielleicht also doch nicht das Schlimmste. „Nun", wiederholte er und nahm seine ganze Straft zusammen, „auch das wird zu ordnen fein."
Sie schüttelte den Stopf. „Dos ist noch nicht olles. Ich erwarte ein Kind."
Er wich zurück. Es war chm auf einmal, von diesem Wort gepeinigt wie von einem körperlichen Schmerz, als sei der andere im Zimmer. Er streckte die Hand nach ihr aus und zog sie zurück. Zum ersten Male erlebte er, was geschehen war.
Sie sah es und sagte: ,Hch begreife dich."
Wenn ich ein geSHerer end torferer Mensch wäre, so hätte ich gewartet bis zu deinem Tode, und dann wäre jetzt alles gut. Aber ich bin kein großer Mensch- ich bin keine Heilige, ich bin eine nne die anderen." „Nein," stieß er hervor, und dann, da er sich immer noch nicht zurecht finden konnte: „Aber du hast doch gesagt, daß du mich immer noch liebst?" .Meinst du, man könne eine Liebe aus dem Her- zen reißen." sagte sie langsam, wie für sich.
8.
Ihr Wort war klar und scharf gewesen, ohne jeden Versuch, etwas zu verhüllen oder zu beschö- nigen. Aber die Verkündigung war so ungeheuerlich, datz er ihr feinen Glauben schenkte. Sprachen ihre Blicke nicht von Leid und Lieb«? Er brachte fein Wort hervor.
„Ich begreife, daß du mir nicht glaubst", ,aglc sie. „Ich weih nicht, full ich mich freuen darüber oder nicht. Aber es ist die Wahrheit. Ich heiße heute nicht mehr Frau Lutz, sondern Frau Dr. Schroder."
Diese Sachlichkeit, dieser unbedeutende^ Hinweis, überzeugte ihn mehr, als wenn sie die Finger gehoben und geschworen hätte. Mit einem letzten Versuche, sich z» wehren, sagte er: „Der Arzt hat doch gesagt, ich lasse Sie mit Ihrer Frau allem?"
„Weil er Angst hatte für dich", sagte sic langsam. „Er hatte auch mich irre gemacht. Aber als ich dir gegenüber stand, habe ich mich wieder gesunden."
Sie nahm feine Hände „Daß du das vorläufig so ruhig erträgst", sagte si« weich, „kommt davon her, weil du noch nicht ersaßt hast, was geschehen ist: n, ich gebe mich keiner Täuschung hin. Die Verzweis- lung wird kommen, aber du wirst sie überwinden, und die Zeit naht, wo du mir fluchen wirst, und auch dar wirst du überwinden. Ober", fugte sic leiser hinzu, „du wirst es nicht überwinden, um leben zu können, dann muß ich es tragen. Siehst du, ich könnte mich entschuldigen und mich daraus berufen, daß ich acht Jahre lang auf dich gewartet habe, reinen Herzens."
Er begann zu meinen. Sie stand auf, drückte seinen Stopf gegen ihre Brust und fuhr fort, während sie durchs Fenster in den Himmel starrte: „Und ich könnte mich entschuldigen und sagen, daß sie dich für unheilbar erklärten im vierten Jahr deiner Stronfhcit, und cs mir bewiesen und ein Gutachten ausfertigten, von drei Doktoren unterschrieben und einer Da non war ein Professor: sie mußten es also wohl wissen. Aber ich will mich nicht entschuldigen.
Er fAänrte *16 ferner Ne-gung. War das Kameradschaft? Sie batte acht Jahre auf ihn gewartet und er
Marianne", begann er von neuen, „es muß doch einen Weg geben. Dir können doch warten, bi- . es aur der Wett ist." Er konnte bas Dort K nd nicht aussprechen. „3a", fuhr er lebhafter fort, denn dann war ja der Fremde beseitigt, „man wird es begreifen, daß du dich scheiden läßt."
Sie lächelte schwach. „Nein, Georg, es geht nicht." -
Er wehrte sich: „Darum soll es nicht geben? Wer kann etwas dagegen haben* Jedermann muß doch einfehen. daß das falsche Gutachten daran schuld ift Wenn man dir nur eine teile Hoffnung gelassen hätte, dann warft du ..."
,Zch weih nicht." sagte sie. ,,3d) will den Doktoren keine Schuld geben. Meine Straft war zu Ende. Ja, wenn ich dich hätte pflegen dürfen ... ober das liehen sie nicht zu. Denn du hattest Zeiten . . darum ließen sie es nicht zu. Man will etwas pflegen, wenn man eine Frau ist."
Aber wenn du den Doktoren auch keine Schuld geben willst, fo hast du doch jedenfalls das Recht, dich auf dieses Gutachten zu berufen, nicht wahr?"
..Wenn ich aber nicht will?"
Er starrte fie an. ohne sie zu verstehen.
„Wenn ich mich von ihm nicht scheiden lassen will?"
„Warum solltest du dich von ihm nicht scheiden lassen wollen, wenn du mich lieb hast?" Wenn ich es darauf ankommen ließe, dachte er wenn ich sie in die Arme nehme ... Etwas hielt chn zurück. Eine Unjichcrheit, irgend ein Zweifel, oder mors bloß der Gedanke an das Kind?
Sie erriet seinen Gedanken .Ha, du bist der Stärkere, wenn du es darauf an kommen läßt. Vielleicht ist dir das ein Trost ... seit zweieinhalb fahren bin ich mit ihm verbunden, auch darin ist wohl Liebe." Sie sagte es leise. „Und ohne mich hat er keine Augen."
„Wie meinst du das?"
„Er ift blind. Etn Kriegsblinder."
Georg biß die Zähne zusammen. Da war also etwas, das ertragen werden mußte. Raum im Leben, fiel das Leden schon über chn her. Er hatte doch Schlimmeres erlebt, er war in der Todesgefahr gestanden, tausend Tage. Er hatte Freunde begraben.
Er batte die *ürch!ertichen Wunden gesehen in jun gen. frischen Leibern. Er hatte Kameraden gesehen, lehmgrau. beschmutzt, in lobesangft. Er hatte ihre rtanö gehalten, bis sie starben. Er batte den Hunger triebt unb den Durst, den m ordern chen Durst, und bie Angst vor dem unheimlich drohenden Verborgenen. und die Drohung der wohlberechneten Bahn eines Geschosses. Er war doch oben in einem Baum gesellen, zwei läge lang, im Feuerregen. Das alles war noch schlimmer gewesen ...
Rein, es war nidjt schlimmer gewesen .
Sie saß vornüber gebeugt da. den Kopf m den Händen, wie zuiarnenengeballt von einer unerbittlichen Faust in die Form einer Leidenden.
Er schaute sie an. Seine Sehnsucht malte Bilder, die ihn peinigten. Das war Dürft ... Auf einmal rühr es durch ihn: Du bist der Stärkere, wenn dir das ein Trost ist ... Brauchte er solchen verächtlichen Troff
Wieder schaute er fie an und nun si»h er nur noch die Leidende. Ein Genihl. das er noch nie gespürt barte, sprang in ihm auf. Roch nie? Hatte er es nicht schon im Schützengraben erlebt? Dieses Ge fühl des Vaters? Es gab eine MütterUchkesi es gab auch eine Väterlichkeit. In ihr lag die Ertötung. Man konnte doch Gutes tun. Man konnte doch «argen und hcl'en wenn sie auch beim andern blieb. In diesem Gefühl, das stärker und stärker in ihm aufwuchs. das ihn mit Lust erfüllte das ihn weit über Kleinliches und Erbärmliches hinoushob. lag die «-tewißheit. bafj er diese Frau ans Herz nehmen durste wie ein Vater. D. nicht nur dirfe Frau durfte er ans Herz nehmen, dkaußen warctz die Menschen alle konnte er ans Herz nehmen
Georg ging aus sie zu und hob fie auf. Als ne seinem leuchtenden Blick begegnete, erbleichte sie. Es traf sie ein solcher Strahl von Liebe, dntz sie Schwäche und Schwindel spürte. Er aber hielt sie aufrecht. Er erlebte feine Straft, wie einer, der von einer Krankheit genesen ist Und auch Marianne vernahm sie :md raub sich in ihr seiber wieder.
„Was ift das?" fragte sie.
Er wußte keine Antwort?
„Bringst du das aus dem Schützengraben?", sagte sie verwirrt. „D. nun begreife Ich do» vermessene Dort, das du einmal geschrieben hast. Der Mensch fei die Offenbarung Gottes Ja. der Memch ift Ne Offenbarung Gottes." (Fortsetzung folgt.)
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Oer Evangelische Bund hält in diesem Jahr seine 40. Landes-Versammlung in den Mauern unserer Stadt. Wir heißen ihn willkommen! Am schönsten aber grüßen■ wir ihn, wenn wir uns zahlreich an seinen Veranstaltungen beteiligen:
(Sonntag, 43. November, vormittags 9' Llhr: Festgvttesdienst in der Stadtkirche und Zohanneskirche.
(Sonntag, 13. November, vormittags 10 . Llhr: Zugendfeier auf dem Land- graf-philipp-plah.
(Sonntag, 13. November, vormittags 11 Llhr: Festversammlung in der Neuen Aula der Llniversitäl.
(Sonntag, 13. November, nachmittags 3 Llhr: (Evangelische Volksversammlungen in der Stadtkirche, ZohanneSkirche und Turnhalle am OswaldSgarten.;
Sonntag, 13. November, abends 8 Llhr: Begrüßungs-Versammlung in der Turnhalle.
Wohlan! Deutsch-evangelische Manner und Jraucn, und du, deutsch-evangelische Zugend! kommet zu Haus!
Oer Festausschuß.
Sitldicnrat Privatdozent Lic. Dr. Adolph, Frau Helene Albach, Zugführer i. 9i. AllhauS, Pfarrer Au4- seid, Froti Vtihia Balke, SteNwerkörncister Bechtold, Pfarrer Be ctxtolSheimer, Pfarrer Becker, Boi: Unternehmer Becker, Obcrpostfcbaffner Becker, Umversitätavroseffor D. Bertram, '• encrohnajot Dr. Bethcke, Kaufmann Adalbert Bindetvald, Oberpostsekretär Bock, Hausmeister Börner, Buchdruckerei- besitzer Christ, UniversitätSprofefsor D. Dr. Cordier, Hatiömeister Tcchert, Früulcin Mathilde Dingei de in, Lehrerin । N . Vifcubaljnamtmann Toerr, Pfarrverivalter Dotzcrt, Prosesior Dr. Ebel, Direktor der Uni- t'criildtebibliethcl. Univerfitäteprosesfor Dr. Engel, Fran Marie Euler, Buchdruckermcister Fischer, Uni- versitütsprosesior D Dr. Frick, Oberstleutnant Fritz, BaiatllonSkommandenr und LandeSkommandant, Universität-vrosesfor D. Dr. Freiherr von (Ball, Frau Anna Georgi, Bolemtrcister । H. Göbel, ehtbirn- aiiessor Dr. i“tuncivalo, Lelircr und Organist Habicht, Frati Luise Happel, Frau Eugcnie Heck, Dbet-
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