Srettag, 7. Oktober 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Nr. 235 Zweite; Blatt
bin
Ausklang
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iruf
Auf jene sich eri
auch sie toaren nicht mehr getragen vo danken der Sorglosigkeit. Die Jugend
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Zustande, wir können wählen, wir können be- ftümncn. Das ist in den groben Verpflegung«, statten nicht mehr Sitte, obwohl die Italiener an diesem guten Brauche noch festhalten. O. Venn ich einmal dazu gelangen könnte. daS 'Restaurant zu machen, das dem Pariser Schnabel entspricht! Mein Vermögen würde ich hingeben, denn ich Weib, hätte ich all mein Eigen geopfert, ich hätte eine große Tut getan!" —
geordneten desh< Jahren die grvtzk Reihenfolge zur
lung hat doch diese jorben eben deshalb als Farben der Republik e.ngefühtt, weil sie seinerzeit die grohdeutschen Farben gewsien sind. RunmHr die Rückkehr von der unrichtig unb unschön geordneten Zcchn« zu der schön und richtig
när!"
.In Bildern!" erwiderte er. »und wenn du es zahlst, dann wollen wir feiern!"
,Stiem r rief ich. .Denkst du. ein armer
*' <! * amettfim-
Ein Kompromitzvorschlag im Flaggenstreit.
Don Dr. Rudolf Henle, v. Professor der Rechte an der Untoerfüät Rostock.
Nachdem die Denkmalsweihe der hessischen Dragoner in Darmstadt jetzt vorüber ist und die Oberchesien nach Rorden, die Rheinhessen über den Fluh, die aus dem Odenwald in ihre Täler zurückgekehrt sind, da mag es wohl kommen, daß einer, dem der Zufall noch einen Tag oder auch zwei dazu geschenkt bat. mit seinem Koffer auf dem Wege zur Bahn an das Denkmal heran tritt, an dessen Stufen die Kranze gehäuft find.
DaS ist so ein klarer Oktoberhimmel beut' Ein leises Frösteln ist in der Luft, der Qbm deo Herbstes. Aber die Sonne liegt auf dem noch grünen Laub und die goldenen Reiter
Fn ter Tat eignet sich die Frage m besonderem Mähe sür einen Volksentscheid. Denn hier handelt es sich nicht darum, einen Rechts- beuch durch einen Machtspruch der Mehrheit des Volkes als sogenanntes .Recht" auszugeben, sondern eS handelt sich um eine der geschichtlichen Anschauung entspringende Frage des Gefühls. Indessen ob ein Volksentscheid wirklich Frieden bringen würde, bleibt fraglich Es steht zu fürchten, datz dem nicht so sein würde. Die Sache der Sieger würde wohl eine Festigung erfahren, aber die gegenwärtige Erbitterung läßt besorgen, dab ein erheblicher Bruchteil der Unterlegenen die Sieger eines Mangels an nationalem bzw. republikanischem Gewissen beschul- und der Streit aut6 neue entbrennen
kal politisiert.
Am zweiten Tage lief ich in der Rue Drillantine mit dem langen, verrückten Maler zusammen. diesem Unikum von einem Menschen, der die besten Witze in München und Paris machte, der feiten eine Palette in die Hand nahm, sich aber die schönsten Kunstwerke der Impressionisten zusammengekauft hatte. Er breiz tete seine langen Arme aus und rief, franzt sch natürlich, da sich Deutsch trotz seines Affektes nicht empfahl:
.Ich habe fie wieder!"
.Madeleine?" fragte Ich. Dieses rothaarige Mädchen war es. daS ihm die Freunde aus dem Caf« du Dome verschafft hatten, damit er nicht gänzlich im Schmutz verkäme.
.Puh! Madeleine!" sagte er, sich schüttelnd. ,Rein. meine Bildert Und er erzählte von Der Treue eines französischen Künstlers, der es fertig gebracht hatte, dem Staate Elemenceaus dieses Schnippchen zu schlagen.
„Mon eher!“ sagte ich. .dann bist du Mtlliv-
Verblüffend wirkte es auf die Oeff entrichteit, datz nach einem derartigen jahrelangen Kamps, nachdem der Lärm aus Kollegium und Konsisto- num schon bis zu den Spaten aus Den Dächern gedrungen war. Der Vatikan amtlich verlautbaren lieh Kardinal D.llot sei nur zurückgetreten, um sich in Iran« skan 'her Demut ins K''>ster zurück- c .z.ch.'n und aus den Tod vorzubereiten. c .nd. fp fragen f ie einen, die Herren von Der .Action orancaifc" eine solche Diplomatie, die Sensation eines fallenden Purpurs überhaupt wert? Hat der Papst nicht in die im Grunde doch recht welrsiche Politik der französischen Aktivisten eingegnsfen imd damit die unbedingte Reutrali.ü: der Kirche kompromittiert? Die andern begrüben die länpchlossenh^lt des Statthalters Ehristi. der schon bei ferner Wahl als Hauptpunkt die Wiederherstellung der kirchlichen Macht auch außerhalb des Vatikans auf sein Programm gesetzt hatte.
Und der revoltierende Kardinal selbst? Or ist zunächst einmal tatsächlich ins Kloster gegangen, zurück zu den Jesuiten, deren Orden vlellticht noch keinen solchen Fall zu verzeichnen hat. und iiebt Die PeterskM'vel jetzt nur noch wie ein Schemen am Horizont. Seine Eminenz ist fein cardo mehr und fein Berater deS Statthalters Christi, sondern wieder ein einsacher Pater. Bruder Billot. Der malt dieses kirchenhisto- rische Bild?
Ein nach den verschiedensten Richtungen . hoch bedeutsamer Vtitartifel im .Hannoverschen Kurier^ stellt fest, datz wir uns ein Aus- .tnontxrfatlen de« D»lk.« in ber »raa< seines Symbols ntcht länger leisten können. Darum bltibe nur die Lösung datz die Anhänger von Schwarz-Wtih*Rot bas 'Volk $u endgülttger Sntfchridmig aufrufen, tpenn eS nicht gelinge, durch Schaffung eines neuen Reichssymbols. das auf Die alten Ueberlieserungen des deutschen Mittelalters zurückgreife. eine Einigung zu erzielen.
Die Jahre ginaen dahin. Einige Jahre nach dem Fricdensfchlutz wurde ich aus ein paar Tage in die Stadt zurückgeführt, die mir in meiner Jugend so viel gegeben hatte. Aber ach, wie verändert war dies Paris! Amerikanisiert, Fremdenausbeuterheim geworden! Frril ch. noch standen viele der alten Paläste, noch fand ich d e vertrauten Ecken w cöer, aber eine Cr^merie Francois gab es nicht mehr. Wohl noch gewahrte ich ctudiants auf Den ersten Blick, doch auch sie waren nicht mehr getragen von dem ®c-
<5d)id'iil von Marcel Qioi'ant in Die Hand. Er steckte sein kleines Kapital in ihr kleines Lech- geschäft. aus dem bc o iders GeniüsewarerihänDler bei ihr Vorschuh erhielten. Kraft ihres Blickes für solide Anlagen verstand sie eS. Existenzen zu Helsen. „ ,
So hatte sie dem Milchhändler Gaillard em kleines Eselgespann angeschafft und war auf den glänzenden Gedanlen gekommen, es mit wsihem Lederzeug auSzurüsten. Mit diesem Gespann fuhr Gaillard nachmittags m den Park Mon- ceau zu den Kinderspielplätzen. Dort war er den Gouvernanten und Pflegerinnen sehr willkommen, brauchten sie doch Die Kindernsilch nicht von zu Hause mitzuschleppen, erhielten fie fie doch woblgekühlt aus den w.ihen Kesseln des fliegenden Ladens mit den kleinen Eselchen, aus die die Kleinen zu ihrer Freude manchmal gesetzt wurden. ,
Marcel Roisant gab abends in der Crxmene der Madame den Ton an. denn er war gourmet von hohem Rang. Er beriet mit Monsieur Fran- rois neue Abwechsiungen und kleine 'Tluaiuen. Wie flammte er vor Begeisterung, als er einstmals selbst einen Aal in Salbei herstellte! Immer wurde er zu Rate gezogen wenn Monsieur Francois den neuen Wen besorgte, toenn sie etwa schäumenden Saumur prüften oder einen edlen, goldenen Cöte d'or.
Eines Tages hatte ich Marcel, der gerade blank war gegen Ende des Monats, zu einer Flasche weihen, herben Ehablis eingeladen. 3d> befragte ihn: .Warum verwenden Sie Ihre Chemie nicht prattisch? Warum eröffnen, Sie nicht selbst ein kleines, erlesenes Eßlokal?"
Eine Träne tropfte dem Siyriefen von Der Dourbonennase herab. Er sagte: .Mein Freund, das ist doch mein einziger Lebenswun'ch. Sehen Sie hier unsere Cremerie Francois an, das ist doch noch altes Paris. Allenfalls essen Sie noch im Tour d’argent ein paar Meistergerichte. Aber ansonst ist unsere Küche nüchtern geworden, rationalisiert! Der esprit gaulois fehlt! Und warum? Weil Die Fälschung überall siegt und der Geiz. In der Küche muh Großmut herrschen, wie überall in der Kunst. Hingebung. Verschwendung! Eine grobe Küche kann nicht von dem kleinen Bürger leben. Es mü'len sich Dw ScianeurS dazu sinken, die ganz gro'»..rütig und frank für ein wohlgelungenes Cütclctte ^oudise ein Goldstück auf Den Di ch werten. H er. Monsieur Francois zeigt uns das Fleisch in rohem
b zu verwerfen, weil vor acht utsche Jahne in Der unrichtigen Fahne Der Republik getoäblt
2lm Ende des Monats ist eS ja doch mit ihm aus!"
.Maitre Roisant, das Licht der Crtmene Francois?“
.Ja!"
Ich überlegte einen Moment. Dann sagte ich: .Sieh einmal an. Alter, du warst immer inter- nat.onal. bist kaum in Deutschland geboren, fällst nicht auf. Aber werden sie mich nicht sofort alS Deutschen erkennen und mihachten? Und das wäre mir leid, da ich die Bande von früher her in guter Erinnerung habe!"
.Wo denkst Du hin? Wir sind freie Geister! Komm und genieße! Mehr als fünfzig 3nfla^ tionssranken wird es für uns beide nicht kosten!
Dann sahen wir In dem seltsamsten und entzückendsten Raum, der je erfunden wurde. Iwti Reihen Tische nur und im ganzen vielleicht zwölf kleine Tafeln zu sechs. Jene bequemen Sessel aus Der Zeit Ludwigs XV., die sich den Hüsten, dem Gesüh anschmiegen. nahmen uns Geniester auf. 3ur rechten Tischseite walteten zwei weitz- gekleidete Kellner ihres Amte«, leise und würdv- voll. Sie gingen auf Gummisohlen. Sie reichten unsichtbar selbst die Karte. Sie gehörten zu jenen Geschöpfen. Die sich eine Kugel vor den Kops schieben würden, wenn ein Gast sagen würde: .Sie haben gut bedient!" Für sie gab cs nur eine ersehnte Formel: .61 i ft gut bedient!"
Zur Linken bildete eine Durchsichtige, dicke Glasbarre von Mannshöhe eine Bank. _ Durch sie konnten wir hindurchschauen in die Küche. Hier haftete der Blick auf einem langen, marmornen Vorratstisch, auf Dem erlesene Flclschftücke aller Art lagen. Daneben standen in Körben frische Salate, Gemüse und Früchte. Groste schwarz« Rummern bezeichneten die einzelnen Leckerbissen. Durch ein kleines Tischtelephon konnte der Gast den bei Den Rohauf schneidern selbst angeben, was er sich wünschte. «
Am Ende jedes Tisches war in D;-e Glaswand eine grobe kupferne Höhlung etngelaffen, und in dieser Höhlung befand sich der netteste elektrische Kochherd, ein entzückender, kleiner Gasrvst.
Würdevoll und grob kam Marcel Roisant dahergeschritten Er beriet feine Gäste. Er ent-
M. mir ihnen die kleine Gasflamme. Er fehrte sie bi: Saucen in der elektrischen Pfanne bereiten. Es war kein Restaurant, es wir eine Akademie Der Kochkunft. Er trat an
bischen Regel hingenommen.
; ’ gebende Flagge gilt eS heute
zurückzu greif en. um Den Flaggenstreit durch eine Einigung auf mittlerer Linie auS der Well zu schaffen. Die Anhänger von Schwarz-Rot-Gold werden sich selbst sagen, datz ein Zurückkehren zu Der heraldisch-richtigen Reihenfolge keine Preisgabe. sondern im Gegenteil eine Ausgestaltung ihres Symbol« Darftetlt. Rach Der heraldischen Regel Darf Farbe (schwarz, rot. blau uftoj nicht auf Farbe, Metall (gelb ----- Gold, weih --Silber) nicht auf Metall liegen. Auf die Einzelheiten braucht hier nicht näher ein gegangen zu werden. ES genügt, daS natürliche ästhetische Empfinden anzurufen. Einem Jeden ist wohl schon einmal ausgefallen, datz die Reihenfolge von Schwarz über Rot zu Gold etwas Düsteres, ja vielmehr etwas Unfertiges. Derschwimmendes an sich hat. Epen dieser Eindruck verflüchtigt sich und die Flagge bekommt Halt und Klarheit, sobald das lichte Gold zwischen die schweren Farben Schwarz und Rot gelte en ist. Darum follle man ohne Zögern Hand anlegen, um diese Dcrl>e scrung durchzusehen. Frtilich mag ein ganz verbissener Kämpfer sagen: die falsche Reihenfolge sei nun einmal als Symbol der Republik eingeführt. Aber die Weimarer Versamm-
Die Akademie -er llochlunst.
Don Friedrich F r e k s a.
Zu Paris lernte ich ihn kennen, den grötzten feines Faches. Marcel Roisant. Er war ein rüstiger Dreißiger. trug einen gewaltigen Oberkörper auf zu kurzen Beinen, hatte die kle.n- sten Hände und Fütze. die ihm etwas gefesielt HilfSloseS gaben. Ein gutmütiges, blondumrahm- teS Gesicht sah auf kurzem Halse. Die Ohren waren klein und innen em klein wenig behaart. Die grabe Rase hätte keinen Bourbonen beschimpft. und Der Mund hatte die breite Unterlippe des Genießers.
Seit dem achtzehnten Jahre studierte Marcel auf der Sorbonne Chemie. Aber kein Ehrgeiz regte sich in ihm es der Madame Eurie gleich zu tun und einen Robelpreis für fern Land heim- zubringen. Sein Licht flackerte in der Wissen- schäft nur klein und kümmersich. Um so hoher ftanD. um so Heller brannte es in der Crdmene Francois auf dem Boule-Miche.
Das war eine echte, rechte Pariser S t u - ventenwirtschaft. Mittags gab es nur ein Gericht. Doch abends briet Herr ^ran^ms in unzähligen Heinen Kupseriasserollchen Die herrlichsten Leckereien, aber nur M.machen, denen er wrchlwollte oder vielmehr Frau <yransotS, eine würdige, breite Pariserin, d.e adrett m einem schwarz und weihen Gewände, e.nem schwarzen Schürzchen und schwatzen Spiyenhaub- chcn ihres Amtes waltete, das in i>er_§aubtfad)c darin bestand, die Geheimnisse und Familienangelegenheiten der jungen etudiants aufzusammeln.
Wehe dem Studenten, der ein Mädchen zum zweiten Male mitbrachte, von dem sie abgeraten hatte! Denn Madame Francois hatte zwar ein grobes Herz für die Liebe, aber ein ebenso großes für die Anständigkeit. Ihr waren die jungen Geschöpfe verhaßt, die die Studenten zugrunde richteten, statt ihnen die nötige Seelenruhe für ihr Studium zu verschaffen. Doch erfreute sich ein Mädchen ihres Ansehens, so war sie es, die bei Der Beendigung des Studiums mit Den Verwandten des jungen Doktors sprach, um Dem guten Mädchen eine nicht zu knappe Abfindungssumme zu sichern.
Sie war es. die dieses Geld vernünftig an- legte und dem verlassenen Kinde eine Üntcrfunft in einem der vielen Läden des Boule-Miche verschaffte. Madame Francois nahm auch das
worden sei, würde doch von einer Verbohrtheit zeugen, wie si« Mannern, welche sich auf der Bahn deS Fortschritts fühlen, übel an stehen müßte.
Wiederum werden Die Anhänger von Schwarz- Weih-Rot sich sagen dürfen. Dab. wie schon die .Allgemeine Rundschau" bemerkte, den Farben nunmehr das Odium, ein Danner des Umsturzes zu sein, genommen fei. Denn in der Reihenfolge Schwarz-Gold-Rot sind die Farben zweifelsfrei nichts anderes als die grotzdeutschen Farben als solche: die republikanische Ausprägung, die nur gerade in jener unrichtigen Reihenfolge gefunden werden könnte, ist weggefallen. UnD damit nicht genug. Die Farben Schwarz-Gold-Rot und Schwarz-Weiß-Rot stehen einander ganz nahe, während Schwarz-Rot-Gold zu Schwarz-Weih' Rot in fcharfem Gegensätze stand. Die Farben stimmen überein b i 6 a u f daS Mittelst ü ck. Auch dieses ist beiderseits licht: nur statt Weiß leuchtet Gold. DaS ist keine Feindschaft mehr! Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz-Rot-Gold stießen fich aneinander: Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz-Gold-Rot treten einander zur Seite. Großdeut'ch und Kleindeutsch können hier zu- sammenlommen. Zwischen dem grohdeutschen und D>m Neindeutschen Symbol des vergangenen Jahrhundert» gibt es eine Synthese: Schwarz- Gold-Rot.
Elternhaus und Mädchenbildung
Aus der diesjähriger Eisenacher Tagung des Allgemeinen Deutschen Lehrerin- nen-Dereins wurden im Anschluß an Referate von Frau Emmi Beckmann. Hamburg. Frau Dr. Agnes von Zahn-Harnack und Frau Anny von Ku letza Fragen,der Mäd- chenbildung eingehend erörtert. Häufig wird gegen die Schulbildung der iZNädchen der Einwand erhoben, daß das Mädchen physisch dieser Bildung nicht gewachsen ist. Wer die Mädchen heute in den höheren Schulen beobachtet, sindet immer wieder, Daß sie frischer, gesünder sind als ihre Mütter, die sich nur im Haus betätigen, gesünder auch als die gleichaltrigen Mädchen in der Berufsarbeit. Die Mädchen, die die nötig? intellektuelle Fäh gleit haben, werden auf der höheren Schule physisch nicht geschädigt. An alle interessierten Frauen geht Die dringende Bitte, sich mit den Lehrerinnen in enge Verbindung zu fetzen, um die Frau zu der Bildung zu führen, die sie den Anforderungen der Gegenwart gewachsen macht. Wenn auch die Kich- und Derussausbildung für daS Mädchen gehoben werden muß. so hat indessen auch die Vorbildung Der Hausfrau und Mutter in Der Vergangenheit nicht genügt. Für die Lehrerinnenbildung können und Dürfen sich die Frauen n cht mit einer geringeren Bildung als für die Lehrer einverstanden erilciren.
Es wurde dann die Rolle Der Mütter im (811 er n r a t besprochen und Dabei betont, daß in der Mädchenschule ein viel stärkerer Frauen- einfluß nötig wäre als bisher. Denn eine, ge- wisfe seelische Vertiefung und Verfeinerung könne nur die Frau dem Mädchen geben. Besonders in den Schulverwaltungen sollte die Mutter ihren Einfluß geltend machen auf die Besetzung freier S teilen im Mädchenschulwesen mit Frauen. Heute unterrichteten 25 Proz. Lehrerinnen an den deutschen Volksschulen und 75 Prozent Lehrer bei einer fast gleichen Zahl von Schülern und Schülerinnen. Das große Minderwertigkeitsgefühl der Frau gegenüber dem Manne werde verschwinden, sobald Die Mädchen mehr von Frauen erzogen werden. Denn gerade durch die Erziehung des ManneS werde dieses Gefühl im Mädchen oft bestärkt.
Es wurde dann eine Resolution angenommen. in Der im Interesse einer gesunden und
Was die an zweiter Stelle genannte Möglichkeit Der Einigung auf ein neues Reichslymbol betrifft, sv würde die Einführung einer völlig neuen Reichsflagge ebenfalls kaum zum Frieden führen. Aber offen bleibt die Möglichkeit, unter Absehen von einer völlig neuen Reichsflagge gerade die beiden streitigen Flaggen miteinander in Verbindung zu sehen: durch ein Kompromiß zwischen Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz-Rot-Gold zum Frieden zu gelangen.
Bereits im Vorjahre hat ein Aufsatz Der Münchener .Allgemeinen Rundschau" (5>r. Otto Kunze) die Farben Schwär z-G v l d-(G e l b-) Rot als die wahren alten deutschen Farben auch für Die deutsch? Zukunst gefordert. Der Flaggenausschuß der Frankfurter Rationalversammlung 1818 hat. wie die .Allgemeine Rundschau" Darlcflte. diese Farben al- die alten deutschen Reichrfarben festgestellt: er hat ferner fcstgestellt, daß nach den Regeln der Herald-.k bei einer Streifenslagge mit diesen Farben der goldene (gelbe) Streifen der mittlere fein müsse, und nur im Hinblick auf eine bereits erwachsene Lieblichkeit der sasichen Reihenfolge (Schwarz- Rot-Gold) haben FlaggenauSschuß und Rational- verfammlung eine Abweichung von der heral-
vollwerttgen WLdchenbildung und Erziehung tn Stadt und Land die Forderung einer ftärtcrcn Beteiligung der Frau im WädchcnbilDungswefen erhoben wurde. Insbesondere verlangt Die Resolution, datz in Der Landschule die Mädchen auch durch Frauen erzogen werden und datz die zweiien L'efcterfttilcn möglichst mit Frauen besetzt werden. Daß lernet in allen gemachten Schulcn, Volks-, Mürel-, Berufs- und höheren Schule:-. weibliche Lehrkräfte im Derbältnis der Zahl der weiblichen Schüler angestellt werden und daß schlietzlich in den Elternräten und Schulaus- schüfsen die Frau und Mutter stärker alS bisher zur Mitarbe.i herangezogen wird.
Fallender Purpur.
Son unserem römischen F-Korrespondenten.
Rom, Oktober
ES ist ungefähr so Vie mit dem Mantel und dem Herzog — wenn der Kardinal gebt, s o fallt der Purpur. Der Fall ist aber ungemein selten, denn das Wort Cardinal schreibt sich von cardo her. das ist die Türangel, um die sich alles dreht. Ein Kardinal ist ein Herzog am päpstlichen Hose, er wird auf fein Amt oder seine Würde nur dann verzichten, wenn fein anderer Weg mehr möglich. Hundert Jahre mutz man zurückwandem, um auf eine solche Sensation zu stotzen, wie wir sie heute erleben, und auch dann sehen wir nicht einen Rücktritt auS dem römischen Glanz in die Klosterzelle. sondern Männer aus uralten Geschlechtern, die ein Aussterben der Linie befürchteten und daher zum Altar schreiten wollten, zur Ehe. DaS waren Medici, E-arasa...
Heute aber bricht ein Kardinal mit dem Papste auS politischen Gründen und nicht freiwillig, er streift den Purpur ab. weil er sein fernes Vaterland zu hart angegriffen findet: um eS in nüchternem Zettungsdeutsch zu sagen: der Kardinal Louis Billot ist zu- rüdgetreten, weil er die Verfolgung der .Action Fran?aise" nicht billigen konnte. Wenn eS noch eines Beweises bedurft hätte dafür, daß der Franzose immer Franzose bleibt, der Kardinal D.llot hat ihn erbracht Das ehrt seinen Patriot-LmuS, aber die Bestürzung gerade in französischen Kreisen deS Vatikans
ist groß.
Wie erinnerlich, sah sich der Papst kürzsich veranlaßt, mit Dann und Indet gegen die französischen Aktivisten, gegen das von MauraS und Daudet vcrsochtene .Reuheidentum' vorzugehen. Im Vatikan, wo es ja viel weltlicher, politischer und ab und zu sogar weltpolitischer zugeht alS sich fo mancher Fromme träumen läßt, herrschte seither dicke Luft. Wenn ein Daudet den Fehdehandschuh hinwirft, so kann ein Papst natürlich nicht nachgeben, auch wenn es sich um Piu« XI. handelt. Bei seiner De- wisienhaftigkeit Durfte er in den Herren von der .Action Fran^aise" nur Ketzer erblicken, mochten sie daneben auch vierundzwanzigkarätige Franzosen fein PiuS XL war unversöhnlich, unbelehrbar in seinem Zorn. Es kam zu scharfen Zusammenstößen im Vatikan, zu einem Ringen der päpstlich-kirchlichen und der sranzösisch-vo.i- tischen Richtung. Richt, al« ob man im Heising Kollegium nicht einmütig gewesen wäre über tn« Rotwendigkeit einer Verdammung der Action Fran^aise, nur über die einzuschlagende Taktik > gingen die Meinungen auseinander Billot war I für ein zuwartendes, vorsichtiges Vorgehen, der Papst aber brach im Dezemverkonsistor.inn mit einer heftigen, hemmungslosen Verurteilungs- rede alle Drücken ab. Dillot rechnete allzusehr auf die Unterstützung aus dem französischen Lager. er vergaß, datz sein» Fähnlein durch die nun schon jayrlangen Reibungen Frankreichs mit der Kirche schon sehr geschwächt war. und alS er als letzten Trumpf die Rücktrittsdrohung auf den Tisch warf, nahm Der Papst die Demission ohne weiteres an Der Druch war unheilbar. Wie tief die Gegensätze ginzen, zeigt die Machtlosigkeit des sonst so vermittlungSfähi- gen KardinaistaatssekretärS Gasparri, deS päpstlichen Ministers des Auswärtigen._____
Deutscher hätte das Geld für diese
schen Pariser Lokale?"
.Mais non, mon ami!“ erwiderte er. .Wir benutzen Die Gelegenheit und gehen zu Rohani.
cd klar und rein durchsonnt von Freude und Wehmut zugleich ist auch das.Herz. Die letzten Tage haben viel aufgerührt an Erinnerung, ober auch etwas geschenkt, was man beinahe vergessen oder nicht für möglich, für wahr gehalten hatte.
Um damit zu beginnen Die Den Toten ge- widmete Feier klang aus in einem fröhlichen Fest deS Wiedersehens. Wi« die Feier sich vollzog in überkommenen Formen, die manchem Heutigen nichts bedeuten, weil er nicht weiß, oder nicht mehr weiß. waS sie einst gefüllt hat - heute, wo die Kraft von Zeichen und Sinnbildern überhaupt nicht mehr verstanden ober nur mißverstanden wird — fo vollzog sich auch die Fc.er deS Wiedersehen« nach altem Vvl- datenbrauche. Ein Umtrunk unter Männern, eine Degrüßung obne viel Hin und Her, kein Schimmy. kein Charlestpii. kein Dubenkopf.
Wer die Männer kennt, die jetzt alle älter . sind oder schon sehr alt. wer die Kargheit erfahren hat. mit der sie sich ausdrücken, der weih, tca« eS beöeuiri. wenn ein Glanz aus den Der- wetterten Zügen bricht beim ersten Erkennen, der fühlt den Händedruck, den Schlag auf die Schulin. DaS ist ni< gespielt. daS ist kein lieber* schwang da spricht daS Herz seine einsache. ungekünstelte Spraye.
Und daS nimmt der einsame Wanderer mit in den Alltag t.aeu Hause. So ist eS denn wahr, Dafj man nicht umsonst Mensch gewesen ist in einet unmenschlichen Zell, daß man eine Spur hinterlas'en Hut im Rachbarn. im Bruder, daß noch nicht alle« vergessen ist, toafl bald vergessen sein wird, unter Kränzen begraben.
Denn die'er stille Zug durch die Straßen der Heimatstadt, Der unS alle vereinte, die wir hetm- gekommen sind, er braucht nicht deS Spottes, des Unglimpss. deS Hohns. Roch zehn Jahre, noch zwanzig Jahre, und wir alle werden nicht mehr 3eugniÄ ablegen können für unsere Der*


