Nr. 5 Drittes Blatt
Wirtschaft.
• Zunahme der deutschen Ausfuhr nach Finnland. Die deutsche Ausfuhr nach Finnland nimmt von Jahr zu Saht zu. Sm Sahre 1924 betrug die deutsche Einfuhr 29.7 Prozent der Gesamteinfuhr Finnnlands. im Sahre 1925 stieg der Prozentsatz auf 31,9 Prozent, und im Sahre 1926 wird dieser Prozentsatz noch höher sein. Tor allem sind es Metallerzeugnisse, Maschinen. Kolonialwaren und Textilwaren, die aus Deutschland nach Finnland eingeführt werden. Deutschland bezieht aus Finnland laft ausschließ- lich Holz. Dorauösichtlich wiro die Holzausfuhr aus Finnland nach Deutschland im Sahre 1926 geringer sein als im Torjahre. Die finnische Textilindustrie hat letzthin in Deutschland Ausrüstungen und Maschinen für die Errichtung von zwei Textilfabriken bestellt.
• Der deutsch - amerikanische Außenhandel. Starke Passivität für Deutschland. Aach den Zusammenstellungen des amerikanischen Handelsamtes betrugen die Einfuhren aus Deutschland im Aovember 16 075 000 Dollar gegen 17 750 000 Dollar im Oktober. Die Ausfuhren nach Deutschland betrugen demgegenüber 42 C9. 000 Dollar gegen 47 003 000 Sonar im Oktober.
* D i e amtliche Konkursziff erkür Dezember. Aach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im Dezember v. Ss. durch den „Reichsanzeiger" 435 neue Konkurse — ohne die wegen Massemangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 120 angeordnete Geschäftsaufsichtcn bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Tormonat stellen sich auf 471 bzw. 128.
• Fusion der Tahnbedarf AG., Dar m st adt, mit der Aquila AG., Frankfurt a. M. Bekanntlich wurde die Fusion dec Bahnbedarf AG., Darmstadt, mit der Aquila auf der Grundlage eines Umtausches von 4 Dahnbedarssaltien in 1 Aquila-Aktie, oder' einer Varablösung der Bahnbedars-Aktien zu 35 Prozent in der H. T. Ende Aovember unter dem Vorbehalt beschlossen, daß die Bahnbedarfs AG. günstige Verhandlungen mit dem Staate und der Stadt wegen Fortführung des Betriebes (hauptsächlich Arbeitere'.nstcllungs- fragen) führt. Diese Verhandlungen führten nun ?wischen den Kontrahenten zu einer Einigung, d daß die Fusion aus der erwähnten Grundlage durchgeführt werden kann.
• D i e Siegerländer Snteressen beS Stahlvereins. Wie der DHD erfährt. ruhen die Pläne der Verwaltur-, der Vereinigte Stahlwerke A.-G. über Abtrennung ihrer Siegerländer Snteressen und Einbringung in eine neue Gesellschaft vorläufig. Wie auch auf vielen anderen Gebieten, hat die bessere Konjunkturlage die noch vor einigen Monaten notwendige durchgreifende Rationalisierung der Siegerländer Snteressen des Stahlvereins erspart. Aus diesem Grunde wird auch eine Abtrennung dieser Werke und evtl. Herausnahme aus den Vereinigten Stahlwerken durch Gründung einer neuen A.-G. bzw. eigene Verwaltung für diese Snteressen vorläufig nicht spruchreif, so sehr die einzigartige Stellung des Sie- ferlandes in Produltions-, Absatz- und Sozialragen einen solchen Plan noch vor kurzem notwendig zu machen schien.
• D i e Lage der westdeutschen Möbelindustrie. Die Lage in der westdeutschen Möbelindustrie hat sich etwas gebessert. Sm Monat Dezember 1926 konnten wieder zwei Drittel des Friedensabsahes erreicht werden. Ein guter Geschäftsgang ist freilich noch nicht zu verzeichnen. Man hofft jedoch bestimmt, daß im laufenden Sahre eine durchgreifende Besserung eintreten wird.
* Krupp baut Lokomotiven für Südafrika. Die Firma Krupp hat einen Auftrag auf 13 Lokomotiven eines schweren Spezialtyps in Südafrika gegen eine außerordentlich scharfe englische und amerikanische und zum Teil auch deutsche Konkurrenz hereingeholt. Der Lokomotivbau hat bereits vor einiger Zeit einen größeren Auftrag für die südafrikanische Eisen- bahn ausgeführt.
• Betriebsausdehnung der Mitropa auf Rußland. Zwischen dem Ver
Oer Frosch mii-erMaske
Roman von Edgar Wallace.
34. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
So mar die Stunde gekommen, da die Frösche seiner bedurften.
Er hatte sich vor diesem Tage gefürchtet und ihn dennoch erwartet. Er führte die Instruktionen getreulich aus und vor den vielen neugierigen Augen der Gaste trug er Brief und Kuvert an den leeren Ziegelkamin, entzündete ein Zündhölzchen, verbrannte die Papiere und zertrat die Asche mit dem Sufr
Sein Puls schlug schneller, als er sich an seinen Platz zurückbcgab. Und ihm ward bewußt, daß er d.cse Handlung in Anwesenheit des Frosches vollführt habe^Ray sah scheu von einem zum andern der wenigen Speis.noen hinüber und begegenetc den scharfen Ducken eines Fremden, die unablässig auf ihm geruht hatten. Das Gesicht schien ihm bekannt und doch wieder fremd.
Er winkle den Kellner herbei.
„Sehen Sie nicht sofort hin", sagte er leise. „Aber sagen Sie mir, wer jener Herr in der zweiten Loge ist?"
Der Kellner wendete sich nachlässig um.
„Das ist Herr Joshua Broad", sagte er.
Fast im Augenblick, da der Kellner seinen Namen aussprach, erhob sich Joshua Broad von seinem Sitz, überquerte das Zimmer und kam auf Nay zu. „Guten Morgen, Herr Bennett. Ich glaube nicht, daß wir uns schon früher gesprochen haben, obwohl wir beide Mitglieder des Klubs sind und ich Sie hier schon oftmals gesehen habe. Mein Name ist Broad." „Wollen Sie nicht Platz nehmen?" Es fiel Ray ein wenig schwer, seine Stimme zu bemeistern. „Ich freue mich. Sie kennen zu lernen, Herr Broad. Wollen Sie vielleicht mit mir speisen?"
„Nein," antwortete der Amerikaner, „ich habe |d)on gegessen. Aber wenn es Sie nicht stört, werde ich meine Zigarette weiterrauchen. Ich bin der Nachbar Ihrer Freundin. Fräulein Bassano hat die Wohnung inne, die der meinen vis-ä-vis liegt."
Ray entsann sich nun auch des sonderbaren Amerikaners, über dessen Verhältnisse Lola und Lew
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Freitag, 7. Januar 1927
kehrskommissariat der Sowjetunion und der Mitropa. Mitteleuropäische Schlafwagen- und Speise- wagen-A.-G. in Berlin, schweben zur Zeil Verhandlungen über die Tätigkeit der Gesellschaft in der Sowjetunion. Die Mitropa hat sich bereit erklärt, dem russischen Verkehrskommisiariat 200 Wagen zur Verfügung zu stellen, die innerhalb der Sowjetunion kursieren sollen. Ferner beabsichtigt die Mitropa, sechs Hotels in den hauptsächlichsten Verkehrszentren der Sowjetunion zu errichten. Der Vertrag soll auf drei Sahre befristet werden. Die Unterzeichnung steht demnächst bevor.
* Ungünstige Lage a u f dem englischen Kohlenmarkt. Die Lage auf dem englischen Kohlenmarkt nach W ederausnahme der Arbeit hat, einer Londoner Tll.-Meldung zu- folge, längst nicht die Entwicklung genommen, die man allgemein erwartete. Sn keinem einzigen Kohlenbezirl sind bisher irgendwelche größere Kaufverträge zustande gekommen. Sm Export- geschü't machen sich die langfristigen Verträge mit den deutschen und anderen kontinentalen Gruben während des Dergarbci erst.eifes sehr unangenehm bemerkbar. Aber auch die englischen Käufer sind nicht gewillt, zu den gegenwärtig hohen Preisen zu lausen und warten auf deren Herabsetzung.
Frankfurter surfe.
(Eigener Drahtberichi des „Gießener Anzeigers"!
Frankfurt a. M., 7. San. Tendenz: Weiter abgeschwächt. — An der Börse drückten heute Positionslösungen der ziemlich beträchtlichen Januar-Engagements, worunter besonders die Hauptterminwerte zu leiden hatten. Die weitere Entspannung am Geldmärkte vermochte das Abbröckeln der Kurse nicht zu verhindern. Die Abschwächungen bewegten sich jedoch in den Grenzen bis zu 2 Prozent und gingen nur vereinzelt darüber hinaus. Am Bankenmarkt verloren Deutsche 1,9 Prozent, Commerz und Dresdner je 1 Prozent, dagegen blieben Hypothekenbanken sehr widerstandsfähig. Auch Barmer Bankverein gefragt und 2,5 Prozent höher. Metallbant plus 1,5 Prozent. Metallgesellschaft schwächten sich um 2 Prozent ab. Scheideanstalt gut gehalten. Clektroaktien überwiegend schwächer. Siemens miirus 2 Prozent, AEG. minus 1,75 Prozent, Lahmeycr minus 1,75 Prozent. Schiffahrtaktien bröckelten leicht ab. Don Monta nwerten verloren: Deutsch-Lux 3, Buderus 2,13, Phönix 1,25, Rheinstahl in Verbindung mit S. G. Farben 2 Prozent. Von Chemiewerten lagen S. G. Farben 2 Proz. schwächer. Am Markt der variablen Werte waren Auto- und Maschinenaktien gut behauptet. Lebhaft und fest verkehrte der heimische Anleihemarkt. Von fremden Renten blieben Rumänen und Anatolier gefragt Am Geldmarkt trat eine weitere Entspannung ein. Tagesgeld 4,25 Proz., Monatsgeld für erste Adressen 5,75 Proz., für zweite Adressen 7 Proz. Sm Devisenverkehr lag das englische Pfund sehr f est mit 4,8540 gegen Kabel und 122,80 gegen Paris. Die Reichsmark notierte gegen London 20,40, gegen Kabel 4,2130 schwächer. Sm weiteren Verlause wurde die Tendenz, beeinflußt vom Anleihemarkt, etwas freundlicher.
Berliner Börse.
(Eigener Drahtberichi des „Gießener Anzeigers".)
Berlin, 7. San. Die Auflösung der amerikanischen Snvestiment-Gesell'schaft für deutsche Wertpapiere, die das gegenwärtige Kursniveau nicht mehr als ausreichend zur Erzielung namhafter Gewinne ansieht, Sorgen über bie Entwicklung des Geldmarktes, die ausgebliebene Diskontherabsetzung in England, wodurch nach Ansicht der Börse auch die deutsche D slontermäßi- gung hinausgeschoben werden könnte, und die unklare innerpolitische Lage wirkten heute zusammen, um an den Aktienmärkten eine allgemeine Verstimmung hervorzurufen. D.e Spekulation war bei Beginn z u Abgaben geneigt, während sich das Publikum abwartend verhielt. Die fehlende Aufnahmelust führte zu Kursrückgängen, die durchschnittlich 1 bis 2 Proz. betrugen, vereinzelt aber auch 5 bis 8 Proz. Das Geschäft setzte außerordentlich ruhig ein. Eine Ausnahme bildeten die Aktien der Deutsch-Atlantischen Telegraphen-Gesellschaft,
die im Zusammenhang mit Entschädigungshoffnungen (Haager Schiedsgericht) von spekulativer Seite in großen Posten aus dem Markte genommen wurden und erneut um über 10 Proz. anzogen. Stärkeres Snteresse zeigte sich auch für heimische Renten, namentlich für Kriegsanleihe, die auf 0,891 anzogcn. Am offenen Geldmarkt machte die Entspannung weitere Fortschritte. Lagesgeld 4 bis 6 Proz.. Monatsgeld war ebenfalls leichter. Am Devisenmarkt fanden, wahrscheinlich infolge der am Geldmarkt nicht unterzubringenden großen Betrage, beträchtliche Anschaffungen in Dollars statt, wodurch der Dollarlurs auf 4 2130 Reichsmark anzog. Madrid gegen London befestigt auf 31.17. Die übrigen europäischen Valuten hatten nur kleine Schwankungen zu verzeichnen.
Dötlenlnrie.
Frankfurt a.M.
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Zuckerfabrik Frankenthal ■ •
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117
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—
Zuckcrjabrik Waghäusel . . .
115
144
143
—
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 7. San. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29 bis 29,25; Roggen, inländ., 24,50; Sommergerste für Brauzwecke 25 bis 26,50; Hafer, inländ., 19,50 bis 20; Mais (gelb) 18,50 bis 19; Weizenmehl, inländ., Spezial 0, 40,75 bis 41,75; Roggenmehl 35 bis 36; Weizen:leie 11,75 bis 12; Roggenkleie 12. Tendenz Flau.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. TL
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Berliner Produktenbörse.
Berlin, 6. San. Schon gestern zeigte sich auf dem gesunkenen Rioeau im Spätverlehr von Büro zu Büro eine größere Deckungs.rage, während andeiersti.s aber dec Geldma.tt Be.eskigung brachte. Heute wirkten sich die um 10 bis 15 Cent erhöhten argentinischen Weizensorderungen im • Berliner Markt zu Steigerungen aus, die bis 1 Mark betrugen. Für Roggen war das Angebot weiter klein. Auch scheinen die greifbaren Vorräte in amerikanischem Westernroggen ge.äumt zu sein. Die Forderungen hier,ur wie aus dec Provinz stellten sich im Licferungshandel bis 1,50 Mark hoher. Haser mehr beachtet und für gute Ware verhältnismäßig fest. Gerste stetig. Futterstoffe, wir auch Hülieafrüchte, in den Preisen wenig verändert. Es notierten (1000 Kilogramm): Weizen, märkischer, 263 bis 266; Roggen 233 bis 238; Sommergerste 217 bis 245; Wintergerste 192 bis 205; Haser, märkischer, 179 bis 189; Mais, loco Berlin 186 bis 188; (100 Kilogramm): Weizenmehl 34,50 bis 37,50; Doggenmehl 33 bis 34,50; Weizenkleie 13 bis 13,25; Roggenkleie 12,25 bis 12,50; Diktoriaerbsen 51 bis 61; kleine Speiseerbien 31 bis 33; Futter- erbfen 21 bis 24; Peluschken 20 bis 22; Ackerbohnen 21 bis 22; Wicken 22 bis 24; Lupinen, blau 13.50 bis 14,50; Lupinen, gelb 14,50 bis 15; Serradelle, neu 22,50 bis 25; Rapskuchen 16,40 bis 16.50; Leinkuchen 20,80 bis 21,20; Trockenschnitzel 10 bis 10,20; Sohaschcot 19,10 bis 19,80; Kqrtoffelslocken 28 bis 23,50 Mark.
Rundfunk-Programm.
Samstag, 8. Sanrar.
3.30 bis 4 cklhr: Die Stunde der Sugenb. 4.30 bis 5.45 Ahr: Konzert des Hausorcheslers: Russische Opern. 5.45 bis 6.05: Die Leieslunde. 6.15 bis 6.45 cklhr: Der Briefkasten. 6.45 bis 7.15 cklhr: Funkhochschule. „Dickens und seine Rachwirkungen", Vortrag von Prof. Dr. Franz Schultz. 7.15 bis 7.45 cklhr: DeaintensorTildungs- kursus: »Krisentheorie und Konjunkturforschung", Vortrag von Dc. Fritz Aeumark. 7.45 b.3 3 15 ilgr: „Die Weihnachtszeit im deutschen Lied", Vortrag von Studienrat Dr. Paul Beyer — Gesangsmitwirkung: Hety Beyer. 8.15 cklhr: „Der heilige Brunnen". Eine Legende in drei Akten von S. M. Synge. Anschließend: Tanzmusik.
Brady sich schon oftmals den Kops zerbrochen hatten.
„Kennen Sie Brady schon lange?" fragte Broad.
„Lew? Ich könnte es nicht genau sagen. Er ist ein sehr netter Kerl", urteilte Ray ohne Begeisterung. „Und er ist befreundet mit einer mir bekannten Dame."
„Eben mit Fräulein Bassano", sagte Broad. „Sagen Sie — sind Sie nicht einmal bei Maitlands gewesen?"
„Ja, vor Zeiten", sagte Ray gleichgültig. Aus seinem Tone hätte man entnehmen mögen, daß er bloß als interessierter Zuschauer den Bankpalast aufgesucht habe.
„Er ist ein sonderbarer Bursche, der alte Mailland, was?"
„Ich weiß nicht viel über ihn", sagte Ray. „Aber er hat einen sehr netten Sekretär."
„Sie meinen Johnson? Den kenne ich gut."
„Der arme alte Phiko, er hat seine Stellung verloren." Broads Gesicht veränderte sich. —
„Johnson? Wann ist denn das geschehen?"
„Heute morgen traf ich ihn, und er teilte e- mir mit."
,Hch wundere mich, daß Maitland den Mut gehabt hat."
„Den Mut?" fragte Ray verdutzt. „Da gehört doch nicht viel Mut dazu, seinen Sekretär zu entlassen." Ein flüchtiges Zucken ging über das harte Gesicht des Amerikaners.
„Ich meine damit, daß für einen Mann von Maitlands Charakter viel Mut dazu gehört, einen Menschen zu entlassen, der so viele seiner Geheimnisse weiß. Doch, was gedenkt Johnson jetzt anzu- fangen?"
„Er sieht sich nach einer Stellung um", sagte Ray kurz. Die hartnäckigen Fragen des Fremden begannen ihn zu irritieren. Broad schien dies sogleich zu bemerien, er ließ das Gesprächsthema fallen und plauderte noch eine Weile über alltägliche Dinge, ehe er sich empfahl. •
Ray blieb allein zurück, und der Gedanke an den erhaltenen Auftrag nahm ihn gänzlich gefangen. Das Abenteuer, die Verkleidung, waren für einen romantischen jungen Mann äußerst verführerisch, und Raymond Bennett ließ es nicht an Romantik fehlen. In seinen Instruktionen lag eine hinreißende Ahnung von Gefahr verborgen. Was wohl
das Ende des Abenteuers fein könne, bedachte er wenig.
Und es war von Vorteil für feine Gemütsruhe, daß er nicht in die Zukunft zu sehen vermochte. 2)mn hätte er diese Gabe besessen, so wäre er in diesem Augenblick gepeitscht von Entsetzen entflohen, um einen einsamen Ort zu suchen, ein Versteck, eine Höhle, sich darin zu verkriechen, zu schaudern und zu beten.
XXIV.
Saul M o r ri s.
Dick (Borbon kam in die Polizeidirektion, und Elk beeilte sich, ihm Bericht zu erstatten.
„Wir haben neun gleiche Reisehandtaschen gefunden, jede von der gleichen Ausstattung wie die vom Kings Croß-Bahnhof."
„Führt keine Spur zu dem Manne, der sie hinterlegt hat?"
„Nein, nicht die geringste. Wir haben sie auf Fingerabdrücke hin geprüft und einige Resultate erzielt, aber da sie von vielleicht einem halben Dutzend Bahnhofbediensteten berührt worden sind, kann ich nicht annehmen, daß wir dadurch etwas erfahren. Nur in Paddington haben wir eine Tasche entdeckt, die größer ist als die anderen. Sie enthielt dieselbe Ausstattung, aber wir haben darin noch ein dickes Paket von Schecksormularen oorgefunden, von denen jedes auf verschiedene Filialen verschiedener Banken lautete. Es sind Schecks auf den Credit Lyonnais, auf die Neunte Nationalbank in Neu- york, auf den Burrowstown Trust, auf Banken von Spanien, Italien und Rumänien und auf ungefähr fünfzig Filialen der fünf englischen Haupt- bar.fen lautend."
Dick hörte niedergeschlagen zu.
„Elk, ich möchte ein paar Jahre meines Lebens dafür geben, wenn ich in das Mysterium der Frösche einbringen könnte. Ich lasse Lola jetzt bewachen. Lew ist verschwunden, und als ich heute morgen einen Mann zu dem jungen Dandn Ray Bennett schickte, um zu erfahren, was ihm geschehen sei, da gab er vor, krank zu sein und weigerte sich, den Besucher zu empfangen. Aber ich vermag Ihnen eine interessante Neuigkeit mitzuteilen."
Dick (Borbon entnahm seiner Brieftasche einen Umschlag unb warf ihn auf ben Tisch. „Ich habe
mich in Neuyork nach Saul Morris erfunbigL Hier ist bie vom Neuyorker Polizeipräsidenten abgefanbte Kabelbepesche:
„Antwortlich Ihrer Anfrage: Saul Morris lebt. Soll momentan in England sein. Hier laufen keine Anklagen, aber es wird angenommen, baß er es war, ber am 17. Februar 1898 ben Sase- raum bes Schiffes Mantania in Southampton in England erbrochen hat unb mit 55 000 000 Franks entfloh. Bestätigt."
Elk las die Depesche immer roieber. Dann faltete er sie sorgfältig zusammen, steckte sie in bas Kuvert unb reichte sie Dick über ben Tisch zurück.
„Saul Morris ist also in Englanb", sagte er mechanisch. „Das scheint mir so manches zu erklären."
Als Dick ihn verlassen hatte, aing Elk daran, bie Taschen nochmals einer Untersuchung zu unterziehen, ba ihm bes Nachts ber Gebaute an bie Möglichkeit von Doppelböden gekommen war. Er berief Balder unb ben Kriminalsergeanten namens Fayre, einen vieloersprechenben jungen Mann, in ben Elk großes Vertrauen setzte, unb begann seine Schlüssel hervorzusuchen.
Das Hervorziehen des Schlüsfelbunbes hatte fein festgesetztes Ritual. Man vermochte ben Einbruck zu gewinnen, baß Elk eine Entkleidungsszene vornehmen wolle, denn die Schlüssel ruhten in geheimnisvollen Regionen, dahin man erst nach dem Lockern von Rock und Weste gelangte, indem man dort nach einer Tasche suchte, wo man sonst keine zu finden pflegt. Nachdem die Zeremonie erfüllt war, steckte Elk den Schlüssel feierlich ins Schloß unb zog die Tür auf.
Das Safe war so mit Taschen vollgepackt, baß sie Elk entgegenzurutschen begannen, sowie ber Hast, den die Tür geboten hatte, entfernt ward. Elk händigte sie, eine nach ber anbern, Fayre ein, ber sie auf ben Tisch stellte.
„Wir werben die von Paddington zuerst auf- schneiden", sagte Elk unb wies auf bie größte ber Taschen.
„Ich muß erst bas andere Messer holen", sagte Balder. „Das hier ist ganz stumpf."
„Beeilen Sie sich!" antwortete Elk, unb Balber lief aus dem Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)


