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DolkSbühaenverein gebildet, an dessen Spitze Amtsgericht-rat Schneider gewählt wurde. Vie Mitgliederzahl hat die Zahl 150 be- reits überstiegen. Der Verein will seine Tätigkeit auf die Wintennonate beschränken, da während der Sommermonate ja das Kurtheater (Gießener Stadttheater) hier für gute und abwechslungs­reiche Theaterdarbietungen sorgt. Gestern abend eröffnete die Volksbühne ihre Tätigkeit mit der Aufführung von Lessings .Rathan der Weise". Das Frankfurter Künstlertheater. das das gleiche Stück im Lause dieses Winters schon an ver­schiedenen oberhessischen Orten mit Erfolg ge­spielt, führte sich damit recht gut am hiesigen Platze ein. Die Künstler, die ihr Bestes taten, fanden lebhaften Beifall.

Bad -Aauheim. 6. 3au. Ausfallend ist hier in letzter Zeit das ungewöhnlich starke Angebot von Landbutter. Aus den Ortschaften der näheren und sogar weiteren Umgebung kommen die Verkäufer, zumeist Frauen, in so großer Zahl, daß sich den Hausfrauen meist drei- bis viermal am Tage Gelegenheit zum Kauf bietet. Oft müssen die Verkäufer Dutzende von Haushaltungen aufsuchen bis sie ihren Vorrat endlich abgeseht haben. Das wirkt natürlich aus die Preisgestaltung ein; die Preise sind in letzter Zeit gefallen. Heute wurden pro Pfund 2 Marl gefordert. Wenn jemand seine Ware rasch los sein will, gibt er sie auch noch etwas billiger her.

Oppershofen, 6.3an. Bei der am Sonntag stattgehabten Stichwahl wurde Gast­wirt A. Jung zum Beigeordneten ge­wählt. Er erhielt 185 Stimmen, während Z«n- mermeister Bell es nur auf 117 Stimmen brachte. 3m ersten Wahlgang am 12. Dezember standen sich 4 Kandidaten gegenüber.

WSR. Obererlenbach, 6. 3an. Bei einer kürzlich abgehaltenen Treibjagd wurden 205 Hasen zur Strecke gebracht. 3n der Aachbar- gemeinde Aiedererlenbach wurden sogar über 400 Hasen geschossen.

WSR. Heldenbergen, 6. 3an. 3n der letzten Gcmeinderatssihung wurde bekanntgegeben, daß die Papiermarischulden der Gemeinde 1'cOOCO Mart betragen. Dieser Betrag fand seinerzeit Verwendung bei dem Bau einer Wasserleitung und zur Errichtung von Gemeindeumbauten. Die 12,5 proz. Aufwertung würde 21 250 Marl ergeben. Der Gemeinderat ist jedoch der Auf­fassung. daß diese Summe erhöht werden müsse, da es sich bei dem seinerzeit geliehenen Kapital um das Geld kleinerer Leute handelte, die ihre Spargroschen bei der hiesigen Spar- und Darlehnskasse, der Geldgeberin an di? Gemeinde, angelegt hatten.

Kreis Alsfeld.

L Rieder-Ohmen, 6.3an. 3n unserer Gemeinde mit ihren 1300 Einwohnern wird der Mangel einer Wasserleitung stark empfunden. Das hat sich erst bei dem letzten Brande wieder gezeigt. Die Gemeinde ist aber z. Z. durch die Feldbereinigung stark belastet, so daß der Bau einer Wasserleitung wohl oder übel noch zurückgestellt werden mutz. Vielleicht ließe es sich jedoch erm^lichen, die Orte Rup­pertenrod. Wettsaasen, Rieder-Ohmen. Merlau, Mücke und Flensungen $u einem Gruppen- Wasserwerk zu vereinigen.

Starkenburg.

Dacmstadt, 6. Jan. Auf der Straße Rau­heimTrebur geriet das Auto des Kvn- sumvereinsTrebur in Brand und wurde fast völlig zerstört.

WSR. Offenbach, 6. Ian. Am Dienstag- nachmittag fiel ein Mann namens Michel, der für eine hiesige Holzhandlung beim Holzabladen aus dem Güterbahnhof beschäftigt war, von einem Wagen. Hierbei zog er sich schwere Verletzungen am Kopfe zu. Die Rettungs- wache brachte den Verletzten nach dem Kranken­haus. Lebensgefahr liegt nicht vor.

Rheinhessen.

WSR. W o r m s, 6. 3an. Auf dem Hof« gute R o n n e n h o f bei Worms entstand am Dienstagabend in den Trockenwerken, in denen sich mehrere tausend Zentner Frucht und Erbsen, ungefähr 8000 Zentner getrocknete Blätter und etwa 20 000 Zentner Rübenschniyel befanden, durch Selbstentzündung ein B r a n d, der bald gelöscht wurde. Am Mittwochvormittag und am Rachmittag kam das Feuer erneut zum A usbr uch und äscherte die Trockenan­lagen bis aus die Grundmauern ein.

Historische Taselfreuden.

Das Essen ist heutzutage in Verruf, und Festtage, die nun einmal nach alter Gewohnheit reichere Tafelfreuden bringen, werden vielfach als ein peinlicher Angriff auf den Magen be­trachtet, den man auf eine knappeKalorien­ration" gesetzt hat. Wie ganz anders war das früher! Da begrüßte man jedes Fest als eine glückliche Gelegenheit, um nach Herzenslust zu essen und zu trinken, und man konnte gar nicht genug bekommen an der Zahl und Menge der Speisen. Was würde wohl ein Zeitgenosse der Rabelais- und Fischart, einer aus dem großen Schlemmer- und Freß-Orden" des 16. Jahr- hunderts, sagen, wenn et an einem heutigen Festmahl teilnehmen würde? Alles würde ihm ärmlich, dürftig Vorkommen, und er würde be­weglich über die Rarrheit einer Welt klagen, die sich selbst zum Verhungern verurteilt hat. Die Aerzte. der Sport, die Mode sie sind alle daran schuld, wenn man sich heute nicht mehr mit offenen Sinnen und gutem Gewissen den Ge­nüssen eines lederen Mahles hingibt, sondern angstllch besorgt ist, nur nicht zu viel zu essen. Frühere Zeiten kannten solche Bedenken nickt, und doch haben sich die Menschen auch damals recht wohl gefühlt nnd recht lange gelebt. Lud­wig XIV., der auf einen Sih einen Ochsenschlegel, ein Paar Enten und dazu noch eine Unmenge von Eierspeisen und Konfekt, ist immerhin 72 Jahre geworden. Frau v. Sevigns. die an einem Weih­nachtsfest ihren Gästen 78 Gerichte vorsetzte denen sie allen selbst zusprach, brachte es aus 77 Jahre, und man war damals eher geneigt anzunehmen, daß der Mensch vom zu dürftigen Eßen stirbt, als vom zu reichlichen. Man kann sagen, daß Die Entwicklung der Kultur in frü­heren Zeiten stets mit einer Zunahme der Mahl- weiten und der aufgetragenen Gerichte Hand in Hand ging, und es würde allem was wir wissen, hoyntprechen. wollte man glauben die Festgenossen des Trimalchio im alten Rom oder die Gesellschafter des Hans von Schweinichen in

Der Schaden beträgt etwa 200 000 Mk. Die Feuerwehr wird Wohl mit dem Löschen des Brandes einige Tage zu tun haben. Das Ma- fchinenhaus hat durch den Brand wenig Schaden gelitten.

Keine Grippe-Epidemie in Mainz.

WSR. Mainz, 6. Ian. Das Städtische Ge­sundheitsamt teilt mit: Die von einem Mainzer Blatt gebrachte Rachricht über 7 0 00 Grippe­fälle in Mainz entspricht insofern nicht den Tatsachen, als für Annahme dieser Zahl jede Unterlage fehlt und in Mainz lediglich eine Häufung von sogenannten Erkältungs­erkrankungen zu verzeichnen ist. so daß tat­sächlich bei der Ortskranlenkasse in den letzten Tagen eine sehr große Zahl von Meldungen mit der wohl etwas sehr weit gefaßten Bezeichnung Grippe vorlag. Cs handelt sich jedoch nicht um schwere Fälle, wie sie der Influenza- Bazillus hervorruft, und die sich durch sehr hohes Fieber und Reigung zu Komplikationen mit Lungenentzündung auszeichnen. Es ist infolge­dessen auch in Mainz keine Vermehrung von etwa durch Grippe hervorgerufenen Todesfällcm zu ver­zeichnen. Auch das Städtische Krankenhaus hat unter seinen Patienten keine irgendwie schweren Grippekranke. Die Zahl der Krankmeldungen bei der Ortslrankenkasse ist nicht höher, wie um etwa die gleiche Zeit des vergangenen Jahres, in der unter ähnlichen Witterungsverhatnissen eine Häu­fung von Erkältungskrankheiten auftrat. Es liegt zur Zeit nicht der geringste Grund zur Annahme vor, daß wir es hier mit einer ähn­lich schweren Epidemie zu tun haben, wie sie zur Zeit in Spanien und Südfrankreich herrscht.

Grippe in Darms.

WSR. Worms, 6. Jan. Infolge der un­günstigen Witterung sind zahlreiche Per­sonen an Grippe erkrankt. Von der Krankheit sind nur wenige Familien verschont geblieben. Don den 17 verstorbenen Per­sonen, die in den fünf ersten 3anuartageni verstorben sind, ist Der größte Teil der Grippe zum Opfer gefallen.

Preußen.

Kreis BieOenkops.

T Waldgirmes, 6. Jan. Die Kraft- post Waldgirmes Frankenbach wird demnächst eingestellt, da Kreis und Gemeinden keinen Zuschuß mehr zahlen, der ganz erheblich ist. Dafür verkehrt der Wagen zwischen hier und Wetzlar von jetzt ab täglich viermal Fabri­kat Rinn aus Heuchelheim überraschte auch in diesem Jahr fünf Frauen seiner hiesigen Zigarrenfabrik für 25jähr. treue Dienste mit einem Diplom und je 100 Mark Geldgeschenk.

)[ Gladenbach. 6. Jan. Der Kreistag in Biedenkopf bewilligte als Beihilfe zu den Baukosten einer landwirtschaftlichen Winterschule in Biedenkopf 18 000 Mark, wenn in den nächsten Jahren hier in Gladen­bach ebenfalls versuchsweise eine solche einge­richtet wird. Bei einem etwaigen Reubau soll die gleiche Summe zur Verfügung gestellt werden.

Kreis Marburg.

sch. Marburg, 6. Jan. Eine Kommisston aus Dem Kreise Marburg bereift in biefcp Tagen Die Strecke Dreihausen Mücke (Hessen), um mit den Gemeinden über die Weiterführung Der Marburger Kreisbahn zu verhandeln. Die Gemeinden stehen dem Projekt sehr sympathisch gegenüber und haben sich teilweise bereit erklärt, das für den Vahnbau notwendige Gelände kosten­frei $u Verfügung zu stellen. Die Dechandbungen, die woher in Roßberg, Wermertshausen, lstüddings- Hausen und Mücke ftattfanben, werden fortgesetzt.

H Marburg, 6. Ian. In den Marburger G a st f e n logierten im abgelaufenen Jahre ins­gesamt 3 5 51 1 Fremde. Auf die einzelnen Mo- Nate verteilt, ergibt fid) folgendes Bild: Januar 1974, Februar 2456. März 25.31, April .3106, Mai 3508, Juni 3381, Juli 4287, August 3490, September 2717, Oktober 3026, November 2832, Dezember 2203. Die Marburger Hochsaison, der Monat Juli, in Den die meisten studentischen Stiftungsfeste fallen, brachte, wie ersichtlich, Den meisten Fremdenverkehr. Die Besucher, die bei solchen Gelegenheiten in Pri­vatquartieren untergebracht werden, smd in den Zif­fern nicht enthalten.

Obcrwefter tval okreiS.

& S) 0 t) n , 6. Ian. Während das Jahr 1026 nur ein Opfer von der Belegschaft der größten

der deutschen Barockzeit hätten nicht mit bollen Händen und vollen Mündern an dem unend­lichen Reichtum der Genüsse teilgenommen, der vor ihnen aufgehäuft wurde. Während man im frühen Mittelalter sich noch mtt zwei Mahl­zeiten begnügte, einem Frühmahl und einem Rachtmahl. trat bald das Frühstück" an den Anfang der Tagesarbeit, und ein weiteres Essen wurde am Rachmittag eingeschoben. Seit dem 12. Jahrhundert gab es vier Mahlzeiten zu Ta­gesstunden, die wir noch im wesentlichen inne= halten: später aber waren vielfach fünf und sechs Gelegenheiten zum ausgiebigen Essen vor­handen, indem man noch einzweites Früh­stück" oder vor dem Abendessen eineSchweine­vesper" einlegte.

Da man dem Alltag damals wenig Auf­merksamkeit widmete, fo smd uns aus dem Mit­telalter fast nur Speisesolgen von Festessen über­liefert. Immerhin hören wir gelegentlich, daß im 14. Jahrhundert eine gewöhnliche bürgerliche Mahlzeit im Wirtshaus sich etwa aus folgenden Gerichten zusammensetzte. Brot und Wein, Schweinefleisch und Kaninchen, junge Vögel und Kuchen, als Hauptgang ein Kapaun, dazu Fische in Sauce und Pasteten: 3um Schluß Früchte und Spezereien. Ein Festmahl, das der berühmte Koch Taillevent im 14. Jahrhundert den Gästen des Herrn de St. Fohes vorsetzte, bestand aus drei Gängen. Der erste umfaßte folgende Ge­richte- Küken in Zucker. Hasen in Mandelpaste mit kalter Sauce und Wildsuppe: beim zweiten Gang gab es gefüllte Rehkeule. Wasserhühner. Pfauen in Federn, gesüßte Wachteln: der dritte Gang enthielt Eremeschnitten. Rostscheiben. Len­denstücke. gebratene Birnen und Orangen, Gelee uirb Hasenpastete Die einzelnen Gänge ober brachten" die damals aufgetragen wurden, be­standen stets aus einer größeren Menge von Gerichten. so daß man zwischen der Zahl der ^onge und der Speisen sorgfältig unterscheiden muß. Bel einem Essen, das der Rümberger Ge° lehrte Ehnstoph Schcurl zu Ehren Melanchthons am 25. November 1525 veranstaltete, gab eS fol­gende Gerichte Saukvpf und Lendenbraten in

saurer Sauce. Forellen und Aeschen. Fünf Reb­hühner. acht Vögel, als Braten ein Kapaun. Hecht in Sülzc. Wildschwcinfleisch in Pfeffer­sauce. Käsekuchen und Obst. Pistaziennüsse. Lat­wergen. Lebkuchen und Konsett. Wenn es so in bürgerlichen Kreisen zuging, wie muhte es dann erst bei adligen und fürstlichen Gesellschaften her- gehen! Rach derZeremonialwissenschaft". in der Bernhard von Rohr 1729 die vornehmen Sitten des Baroct zusammenfahte. muhten an fürstlichen Tafeln bei festlichen Anlassen mindestens hun­dert Speisen in drei bis vier Gängen aufge­tragen werden, während die adligen Herren mit zwölf bis achtzehn Speisen in zwei Gängen vor­lieb nahmen. Wenn un§ Schweinichen erzählt, daß bei der Hochzeit des Herrn Wilhelm von Rosenberg zu Krummau innerhalb von sieben Tagen 113 ganze Hirsche, 24 Hirsche in Teilen. 98 ganze Wildschweine und 19 in Teilen. 162 Rehe. 2292 Hasen. 470 Fasanen. 276 Auerhahne, 3910 Rebhühner. 22 637 Krammetsvögel. 88 west­fälische Schinken. 370 Ochsen 2687 Schöpse. 1579 Kälber. 421 Bratlämmer. 400 Mastschweine und 377 Spanferkel. 3000 gemästete Kapaunen. 12 887 gemästete Hühner, 3550 Mastgänse. 40 837 Eier, 5960 Forellen. 167 Lachse. 1844 Hechte. 15 800 Karpfen und noch sehr viel anderes verzehrt wurde so muh man freilich bebcitlen. daß die ganze Umgegend mitah. aber der wackere Hans von Schweinichen verbirgt auch nicht, wie unge­heuerlich viel jeder einzelne in sich hineinge- fchlungen habe. Der scharf beobachtende italie­nische Arzt Guarinonius. der im 17. Jahrhundert Deutschland bereiste, gib' an. dah bei bürger­lichen Gastereien 6 Trachten mit je 9 Speisen gereicht wurden: ..Zum Voressen 9 Speisen: zur Suppe 9 Speisen, zum Kraut 9 Speisen, zum Gebratenen 9 Speisen, zur Hauptmahlzeit 9 Spei­sen. zum Rachessev 9 Speisen, in Summa 54 Spei­sen." Tallcyrands Koch Boucher forderte noch für ein gutes Diner 48 Gänge, während man sich dann später im 19. Jahrhundert bei einem so­lennen Diner mitfünf Hauptakten" begnügte Fisch. Geflügel. Wild einem großen Braten und einem Ragout

Westerwälder Braunkohlengrube Alexandria" forderte, muhte schon in den ersten Tagen des neuen Jahres ein Knappe sein Leben lassen. In der Rocht zum 6. Januar ver­unglückte der Abschlepper Leonhardt Schmidt, z. Z. in Höhn, durch herabfal­lende Bergmassen tödlich, während sein Hauer mit dem Schrecken davvnkam. Der junge Mann war 20 Jahre alt und früher An­streichergehilfe.

Maingau.

WSR. Frankfurt a.M.. 6. Ian. Ein Mann, der mit einer Ehefrau ein Liebes­verhältnis unterhielt, wurde auf Antrag

der Frau geschieden. Letztere stellte auherdem Strafantrag wegen Ehebruchs. Das Verfahren endigte mit der Freisprechung des An­geklagten, worauf prompt die Rache der Ge- liebten folgte. Als die als Zeugin vernommene geschiedene Ehefrau den GericktSsoal verlieh, fuhr ihr die Geliebte noch im Gerichtsgebäude buch­stäblich in d i e Haare und es entspann sich zwischen beiden ein sehr heißer Kampf Die Angegriffene wehrte sich, worauf die 2In- greiferin nur noch mutiger wurde. Mit Hand­taschen und Rege nschirmen schlugen beide Kampfhennen solange aufeinander los. bis sie ein Schuhmann auseinandertrieb. Erst bann war Ruhe.

Turnen, Sport und Spiel.

Deutsche Turn- und Sport-Statistik 1926.

Von Dr. C. Diem- Berlin.

Leibesübungen sollen Gemeingut und Lebens- gewohnheit des deutschen Voltes werden. Dieses Ziel erreichen wir nur durch Zusammenfassung von Bürgerschaft und Staat zu gemeinsamer Arbeit. Die Bürgerschaft ging voran, aus dem deutschen Volk entstand in Vereins- und Ver­bandsform die deutsche Turn- und Sportbewe­gung. Der Staat hat mit dem Schulturnen be-, gönnen, ist kurz vor dem Kriege zur Jugend­pflege übergegangen und hat nach dem Kriege die Förderung der Leibesübungen int ganzen als Staatsaufgabe übernommen. Die Gemeinden stellen als Vorbedingung die Uebungsstätten in steigendem Maß zur Verfügung.

Wenn die deutsche Turn- und Sportbewegung so zu einer öffenllichen Aufgabe geworden ist. bedarf es zur planmäßigen Weiterentwicklung der sicheren Kenntnis des Wachstums, also der Sta­tistik. Die erste derartige Arbeit stammt aus dein Jahre 1807. ihr Urheber war der Zentral­ausschuß für Volks- und Iugendsviele. Eine zweite Statistik stellte der Deutsche Reichsaus- ausschuh s. L. 1921, eine dritte im Jahre 1925, auf. Unabhängig davon hat der Verband der Städtestatistiker eine Erhebung angestellt, die im Gegensatz zu den früheren sich auf die Städte über 50 000 Einwohner erstreckte. Der D. R. A. hat dagegen bei seinen beiden Erhebungen Ge­meinden aller Größenklassen zu erfassen versucht und dabei auch für alle Größenklassen typische Ergebnisse erhallen, wenngleich er infolge des weiten räumlichen Erhebungsumfanges die Frage­stellung knapp halten mußte.

Das Ergebnis der deutschen Turn- und Sport-Statistik 1926 des D. R. A. bedeutet wieder einen Schritt vorwärts in der Statistik der Leibes­übungen überhaupt, und weist den Weg zu einer reichseinheitlichen Kulturstatistik der Leibesübun­gen, die die staatliche. Gemeinde- und Vereins- arbeit in gleicher Weise umfaßt.

Sehen wir uns einmal die gewonnenen Er­gebnisse näher an! Die Anzahl der Sport­plätze ist seit 1913 bis 1925 auf das Doppelte (plus 106 Proz.X die Gesamtanlageslacke auf das IV-fache (plus 133 Proz.) gestiegen. Roch ist es aber so, daß in dieser Ziffer die Fläche der Vereinsplahe relativ am stärksten zugenommen hat. 1913 entfiel 1 Quadratmeter Spielplatzfläche auf den Kopf der Bevölkerung, 1924/25 beträgt Die Gesamtanlagefläche 2.29 Quadratmeter auf einen Einwohner. Da hiervon aber nur die eigent­liche Ruhfläche zur Wirksamkeit, kommt, wird die auf den Einwohner entfallende tatsächliche Spiel­fläche auf etwa 2 Quadratmeter zu schätzen sein. Das vom D. R. A. geforderte Mindestmaß beträgt 3 Quadratmeter, das Richtmaß 5 Quadratmeter aus den Kopf der Bevölkerung. Die Statistik vom 1. Januar 1925 hatte nur 1.47. Quadrat­meter Rutzfläche festgestellt, ein Fortschritt ist also zu verzeichnen. Immerhin haben noch acht Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern keinen städtischen öffentlichen Sportplatz. Die durch Sie Erhebung festgestelttcm Baupläne 6ringen auch für die Zukunft noch kein zufriedenstellendes Er­gebnis. da etwa zwei Drittel der Städte mit mehr als 50 000 Einwohnern nach Beendigung aller geplanten Sportplah-Reubaulen immer noch weniger als 3 Quadratmeter Spielplatzfläche haben werden.

Ebenso ungünstig ist Das Ergebnis des Turnhallenbestandes. Hier sind nur 8,1 Proz. Flächenerweiteruna festzustellen

dem geforderten Mindestmaß von 0,1 Quadrat­meter Turnhallenflache auf den EMwrchuer würde auf 1850 Einwohner je eine Turnhalle entfallen. 3m Durchschnitt kommt aber in Wirklichkeit erst aus 8114 Einwohner, in 7 rheinisch-westfälischen Industriegemeinden sogar erst auf 15 000 Ein­wohner eine Turnhalle. Die vorliegenden Bau- Pläne lassen hier erfreulicherweise eine geringe Besserung erwarten. Dagegen bleibt leider be­stehen. daß die Zahl der Turnhallen mit Dusch­anlagen nach wie vor beschämend gering ist. Recht traurig sieht es auch mit den Schul- h ö f e n aus. 03qn 76 untersuchten staatlichen höheren Lehranstalten haben z. D. nur 20 Schul- Höfe, die modernen Anforderungen entsprechen.

Das erfreulichste Ergebnis der Untersuchung ist der Rachweis einer günstigen Entwicklung des Mitgliederbestandes der Turn- und Sportvereine. Den größten Zuwachs weisen, wir zu erwarten, die Bolkssportarten Turnen. Schwimmen. Rasensport - auf. In den größten Gemeinden war die Entwicklung verhältnismäßig am schwächsten, in den Städten mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern am stärksten. Uebrigens hat die Zahl der weiblichen Bereinsmitglieder stärker zugenommen als die der männlichen (146,1:143.7 Prozent). Roch erfreulicher ist die Zunahme der Jugendlichen in den Vereinen, die das Dreifache des Vorkriegsstandes beträgt.

Turnertreffen der Mittelrheiner auf dem Feldberg.

Weihe des Turnerheims.

* Rach einem feit Jahren geükken Brauch findet in der ersten Ianuarhälfte die Winter- Wanderung des Mi ttelrheinkr eiseS derD. T. nachdem Feldberg i. Taunus statt. In diesem Jahre wurde der 9. Januar für das große Treffen bestimmt, das dadurch von besonderer Bedeutung ist, weil erstmalig auch die neuen Skiabteilungen. die sich in einigen Vereinen bereits gebuSet. daran teil­nehmen werden. Seine ganz besondere Rote er­hält das heurige Treffen aber dadurch, dah in Verbindung damit das vom Mittelrheinkreis er« worbene Turnerheim auf dem Feldberg feine Wethe finden wird, nachdem es beim letzten Feldbergfest im August vergangenen Jahres schon erstmalig in Benutzung gewesen. Die Feier, der zuliebe viele Turnvereine unseres Gebietes am nächsten Sonntag Turnfahrten auf den Feldbern festgesetzt haben, findet mittags 12 ilfjr in Gegen­wart des Kreisvorstandes statt, der tags- zuvor in Frankfurt a.M. zu wichtiger Sitzung tagt. Pros. Bender (Frankfurt a.M.), der Kreiswart für das turnerische Geistesreben, wird die Weihe vornehmen: die Turnersänger des Kreises werden mit den MassenchörenKreis' sängergruß" undDas deutsche Lied" die Feier verherrlichen helfen. Rach der Weihe findet ge­meinsame Wanderung nach Ober-Ur f e statt, wo im Heim der Turngesellschaft noch einige frohe Stunden verlebt werden können.

Das neue Turnerheim, das nicht nur den Turnern des Kreises, sondern auch der ge­samten wandernden deutschen Jugend zugänglich werden soll, ist die großeFranzosen­baracke" auf dem Feldberg. die vor Jahren von der Reichsvermögensverwaltung für Be- satzungszwecke errichtet werden mußte und im verflossenen Jahr vom Kreis unter günstigen Bedingungen angekauft worden ist. Im Sommer erfolgte ihre Renovierung. Das Heim besteht aus mehreren Uebernachtungsräumen mit ins­gesamt 65 Bettstellen und reichlichem Material an Matratzen und Schlafdecken. Auch Oefen sind eingebaut worden. Aufenthaltsrautne, Küche und

Gießener Studenten vor 150 Jahren.

3n der ersten Rurnmer derHessen-Dann- städtischen privllegierten Lanü-Zettung" vom Mittwoch, den 1. Januar 1777 liest man unter denInländischen Rachrichten" die folgende Kundmachung aus Gießen:

Unterm 20ten Dec. ist eine Fürstl. Verord­nung, den Mißbrauch, nach welchem die zu Gießen sich aufhaltende Studiosi, sonderlich die Landes- kinder, die Universität vor Anfang der bey einem jeden Semester auf 14 Tage festgesetzten Ferien verlassen und lange nach deren Ablauf allererst wiederzukommen pflegen betreffend ergangen, des Inhalts: daß über die bereits der Stipen­diaten halber erlassenen Verordnung auf das strengste gehalten werden soll: 2) daß von denen Ministris Academiac zu Anfang eines jeden Se­mesters ein genaues Verzeichnis aller zu früh abgereihten oder zu späth zurückgekommenen Stu- diosis an das Hochfürstliche Ministerium ein­geschickt, und die in diesem Verzeichnis angcmerl- ten unordentlich studirenden Landcs'^der späther, minder vorlheilhaft als andre Heiligere, or&enfr liebere und geschicktere Studiosi, oder nach Be­finden der Umstände in den Fürstl. Landen gar nicht befördert werden: daß endlich 3) diejenigen Väter oder Vormünder, welche den Unflejß und das unordentliche Studiren ihrer Söhne und Pflegbesohlnen auf diese oder jene Art begün stigen werden, mit F. Ungnade und bey erwiese­ner vorsehlicher Hintansetzung der Fürstlichen Befehle mit einer zu bestimmenden Geldstrafe an­gesehen werden sollen.

Ein sehr interessantes Faksimile derLand- Zeitung" wurde in der Iubiläumsnummer (31. Dezember 1926) der Darmstädter Zeitung veröffentlicht, der wir dieses für Gießen besonders bemerkenswerte Dokument der guten alten Zeit entnommen haben.