Mittwoch, 6. Juli 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbrrheffen)
Nr. (55 Drittes Blatt
Aus fernen Ländern
360
entgegen.
tsses
— Linser Nachbarbad Nauheim hat einen offiziellen Führer herausgebracht, der mit zahlreichen Bildern geschmückt, für den Kurgast alles Wissenswerte über Bad, Stadt und Ltrngebung enthält, dazu noch in einer Form, die ganz auf den schnellen praktischen Handgebrauch eingestellt ist. (Verlag des Verkehrs-Bureaus.)
— Das Marburger Llniversitäts- Taschenbuch (QL G. Elvertsche Llniversiiäts- und Verlagsbuchhandlung) wird im Inbiläums- seinester 1927 auf besonderes Interesse stoßen. In handlicher Form gibt es über alles Wissenswerte erschöpfende Auskunft.
— Die vielen landwirtschaftlich reizvollen Ge-
Schöne Literatur.
— Alfred Polgar: Stichproben. (Ja und Nein. Schriften des Kritikers, Band I V.) 257 Seiten 8°. Ernst Rowohlt Verlag, Berlin. — Dies ist die Nachlese. Ist es wirklich Nachlese? Es heißt: Band IV, nicht letzter Band: also kann immer noch eine Fortsetzung folgen. Polgar ist schier unerschöpflich. Randbemerkungen, Stichproben, Orchester von oben (und manchmal auch von unten) — wie es euch gefällt. Hier findet jeder! etwas: das Neueste aus der Saison 1926/27 — „Dorothea Angermann", „Papiermühle", „Die Gefangene" zum Exempel —, allerlei aus früheren Jahren, aus schöner Vorkriegszeit, eine sehr aparte Studie über Pallenberg, boshafte „Notizen" und, als Abgesang, einen Traktat über den-Zirkus. 321
— David Suschnat: Kristall der Ewigkeit. 13 Seiten. Selbstverlag, BerliN- Schöneberg. — Eine Handvoll Gedichte eines
>s ttstoi lerversammhmg: achmittags 6 Uhr, ito Saale r Bergstrabe, zu welcher die werden.
rdnung:
nitgliedschaft
Für den Büchertisch
NeiseliterÄtur.
— Daß Forschungsaeist und Dichterphantasie cng verschlungen sein können und die Literatur bereichern, haben wir beim Aegyptologen Georg ; Ebers, dem noch heute Vielgelesenen, erlebt. , Ein Ebers unserer Tage ist Carl Maria ( Hausman, der bekomme Frankfurter Alter- . tumssorscher und Kunsthistoriker, dessen jüngster, . spannen der Rortlan „D i e v e r l o r e n e S t a d 1" «Germaniavrrlag, Berlin — 354) soeben Aufsehen erregt. Das abenteuerliche Buch kann als schlechthin der deutsche Ausgraberroman bezeichnet werden, ein Werk, das insbesondere auch ieden Freund des Deutschtums im Auslande fesseln muß. Aus der Grundlage aufregender Erlebnisse zeigt das gluwolle Buch den ganzen Zauber Aegyptens auf und seinen grandroseni Hintergrund bildet die verschollene, wiederge- fundene Wüstenstadt, die berühmte Menapolis, (ine Marmorstadt mitten in der Libyschen Wüste, deren Trümmer heute zu den großen Attraktionen der Nillande zählt. J. C. E. F.
— Die Meuterer. Abenteuer versprengter Reiter im innersten Afrika. Von Rudolf de Haas. Mit zehn Farbendrucken, einer Karte und 95 Abbildungen. Leipzig, Hesse & Decker Perlag Gr.°3'. 432 Seiten. Gebunden 14 Mk. — Mit der Kraft einer Vision taucht das geheimnisvolle Afrika vor dem Leser auf, genauer: Ostafrika, die uns im Kriege von den Engländern entrissene Kolonie, das Land der Mangati, der Wanjaturu und anderer merkwürdiger Völkcr- fiämme. Die Landschafts- und Iagdschilderungen ^eben dem Buche den Charakter eines Reisewerks. -In die Reihe der guten Abenteuerromane rücken -s die durchweg lebenswahren Berichte über sie Schicksale, die einige deutsche Reiter — eine versprengte Patrouille — in den Jahren 1916 iinö 1917 zu erdulden hatten. Der Titel „Die Meuterer" ist nicht buchstäblich gemeint. Die langsam dahinsiechenden Deutschen waren vor die Wahl gestellt: entweder die Disziplin zu verletzen oder ihr nationales und persönliches Ehrgefühl aufzugeben. Sie entschieden sich für die Ehre Les deutschen Namens, setzten den geisteskrank gewordenen Führer ab und machten sich unter dem Befehl eines alten, erfahrenen Reiters zum letzten Kampfe auf. Daß sie richtig gehandelt haben, wird jedem klar werden, der das Buch mit Aufmerksamkeit liest. Am Großen Schneeberge — 2300 Meter über dem Meere — fiel die Entscheidung. Sie konnte angesichts der britischen Liebermacht nicht zweifelhaft sein. Doch der Feind mußte diesen vpfermutigen Deutschen seine Achtung bezeigen, und er hat ritterlich an ihnen gehandelt. 295
' — Heinrich Schüler. Lknlerm Kreuz des Südens Roman. In Leinen gebunden 10 Mark. (Deutsche Verlagscrnstalt, Stuttgart.) — Brasilien, eines der „Länder der Zukunft", hat für uns Deutsche seine besondere Bedeutung als ein Hauptziel deutscher Auswanderung. Große, in sich geschlossene deutsche Ansiedlungen und ungezählte einzelne Deutsche, die in dem größten Staat Südamerikas sich eine neue Existenz schufen, haben drüben dem deutschen Namen Achtung erworben und uns in der Heimat das exotische Land für unsere Vorstellung näher gebracht, ©o darf von vorneherein ein Buch, das uns in die Vergangenheit Brasiliens führt, auf das Interesse vieler Leser rechnen, besonders dB er, wenn dies Buch einen der betten Kenner des Landes zum Verfasser hat und wenn es — das Wichttgste für den Erfolg — jene Bilder «aus der brasilianischen Vergangenheit in den Rahmen eines Romans faßt, her durch spannende, vielverschlungene und reich- bewegte Handlung, durch überaus dnziehende, originelle Bilder aus vergangener Kultur und durch sarbenprächtige Naturschilderungen den Leser unwiderstehlich in seinen Bann zieht. 359
— William Beebe: Dschungelleben. Forscherfreuden in Guayanas Urwäldern. 239 S. nxit 16 2lbb. F. A. Drockhaus, Leipzig 1927. — Dies sind die Erzählungen eines ManNes, der auszog, die Natur zu erkennen, der aber zurückkehren mutzte „mit dem Bewußtsein tiefster Unwissenheit und ehrfürchttger Scheu". Das demütigende Gefühl der Kleiicheit, das der Mensch hat, wenn er vor Ben Wundern der Natur steht, hat dieser Mann — es ist William Beebe, Professor der Zoologie an der LIniversität NeUhork — wohl besonders schmerzlich empfunden, denn je tiefer der Mensch in die Geheinmisse der Natur eindringt, desto mehr neue Rätsel gilt es zu lösen, mit desto größerer Llnrast sucht er die Ehre des unzulänglichen menschlichen Wissens zu retten. Das spricht schon aus Beebes erstem Buch „Gala- pagos. das Ende der Welt", das für die unendlich Naturliebe, das staunenerregende Wissen und den beinahe unfaßbaren Eifer dieses MaNnes neben einer seltenen Gabe, das alles dem Leser in vollendeter Form darzubieten, zeugt. In seinem „Dschungelleben" Bringt William Beebe noch tiefer in Bie Geheimnisse der Natur ein. In „Galäpagos" spielten sich Bie Tragödien und Komödien dä Lebens in Welten ab, deren räumliche Ausdehnung noch mit unseren stumpfen Sinnen zu erfassen war, im „Dschungelleben" blickt dieser einzigartige Mann auf winzig kleine Wesen, deren Dasein sich uns Menschen durch das Mikroskop zwar noch zu erkennen gibt, deren Duft, Farbe und Ton aber bisher kaum ein Chemiker analysiert, kaum ein Künstler gemalt, kaum ein Wissenschaftler festgehalten hat. 279
genden des Kreises Wetzlar mit ihren künstlerisch wertvollen wie auch historischen Bauten, sind in weiten Kreisen nicht so bekannt, wie sie es Derblenen. Neben stolzen Schlössern und Burgen finden wir ernste kirchliche Bauten im größeren Ausmaß, wie auch kleinere formschöne Dorfkirchen, Fachwerkbauten von seltenem Reize, stille Dorfweiher, Dorfplätze mit alten Linden und manche historische Stätte, die an den Aufenthalt „Goethes" in Wetzlar und seiner Umgebung erinnert. Cs wurden nun über 30 photographische Aufnahmen ausgeführt, um die landschaftlichen Schönheiten und 'Bauten des Wetzlarer Kreises im Bilde festzuhalten und der Allgemeinheit zugänglich zu machen. In Kupfertiefdruck sind nach den Photographien Postkarten angefertigt, die einzeln, wie auch in kleinen Mäppchen vereint, käuflich zu haben sind.
— Eine geradezu pompös ausgestattete Werbeschrift hat die Kreisverwaltung des Landkreises Ahrweiler für das bezaubernd schone Ahrtal, für die zum Kreise gehörenden Teile des Rheins und der Eifel herausgebracht. Der Dichter Ludwig Math ar hat den prachtvollen Bildern ein wirkungsvolles Einführungswort vorangesetzt. Das schmucke Werk sollte jedem Verkehrsbureau als Vorbild dienen. (Verlag Karl Kollbach, Remagen a. Rh.)
— Einen Führer durch Lippe und den Teutoburger Wald gibt mit Nachweis über Llnterkunftsmöglichkeiten und Sommerfrischen der Lippesche Verkehrsverband in Detmold in geschmackvoller und aufschlußreicher Form heraus.
— Sonniges Franken nennt sich eine kleine, reizend ausgestattete Werbeschrift, die die schönsten Stätten des Frankenlandes im Bilde vereinigt und dem Reisenden alles für ihn Wissenswerte mitteilt. ^Verkehrsverband Mainfran- ken, Würzburg.)
— Wer reift nach München? Dem empfehlen wir den Münchener Wegweiser von Dr.-Ing. G. Steinlein (Verlag Pössenbacher, München 2 C 5, Preis 1 RM.) — Der Wegweiser zeigt in Wort und Bild die kulturgeschichtliche Entwicklung der Stadt. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind nach einer streng systematischen Gliederung gebührend hervorgehoben. Pläne, Stratzenverzeichnis, Besuchszettentasel der Sehenswürdigkeiten, Hotel- und Pensionsverzeichnis mit Preisangaben und ein ganz neuartiges System, -as bem Fremden die Feststellung jeder Sehenswürdigkeit auf selbstgewäWen Spaziergängen ermöglicht, stellen den besonderen Wert des Wegweisers dar.
— Der Verkehrsverb and Nord Bayern, Nürnberg, Hauptbahnhof, hat im Auftrag des Lazides-Fremdenverkehrsrates für Bayern eine Werbeschrift herausgegeben, die zum Besuch
;r Studentenhilfe eV “WabendsSUhr UBlAWU es Akademischen Gesang- musicum der Universität.
i (Alt), Paula Regner (Klavier), rankfurt (Bariton), EmstWolft tung: Dr. Stefan Temesvary, £ des l?. und 18. Jahrhunderts. Brandenburgisches Konzert in Streichordiester und Continuo
e selve', Arie aus der Oper
ne', Arie aus dem Dertinger
ittoria. Vlttoria".
er, Bariton.)
Consolati*.
) notte*.
,Se tu m’ami'.
eennann, Alt)
te für Klavier in A-Dur.
ier, Klavier.)
'hör und Orchester.
is Don Juan,Dalia sua pace'. ior .Per pietä, non ricercate* i, Tenor.)
isto sancti Joannls Baptistae* I. 6M7D
juL Btothuer-Ldpiig Schönau, Seltersweg 91. 2.—, 1.— bei Herrn Challier, bei Herrn Sekretär Ritter.
Philosophie, Pädagogik.
— A. Messer, Wissenschaftlicher Okkultismus. (Nr. 230 der Sammlung „Wissenschaft und Bildung".) Leipzig, Verlag Quelle & Meyer. 1927. Geb. 1.80 Mk. — Die Vertreter des wissenschaftlichen Okkultismus und ihre Gegner schauen sich -- wie Du Prel einmal sagt— gegenseitig ost mit jenem Erstaunen an, welches uns das Llnbegreifliche abnötigt; „Wie kann man nur so handgreifliche Tatsachen ignorieren?" sagen die ersteren: „Wie kann man nur solche Dinge glauben?" denken die letzteren. Indessen „wenn die okkultistischen Tatsachen vom Himmel tröpfeln, kann man den skeptischen Regenschirm aufspannen, aber gegen einen Platzregen hilft es nicht; die Gegner wissen nur nicht, daß dieser Platzregen längst Ba ist." — In dem obigen Buch unseres bekannten Philosophen und Pädagogen haben wir nun eine Zusammenstellung der bestbeglaubigten okkultistischen Tatsachen in der streng wissenschaftlichen und zugleich klar gemeinverständlichen Weise, die den Genannten anerkanntermaßen auszeichnet. Sie muß jeden, der als unvoreingenommener Wahrheitssuchcr an die Sache herangeht, fesseln und überzeugen. Messer sagt selbst (S. 103) „Die Klarheit darüber, daß die Vertreter eines wissenschaftlichen Okkultismus
Südmeer. Genaue, kenntnisreiche Schilderung der unterirdisch wühlenden Kräfte, die das moderne Amerika zersetzen. 324
— Robert Neumann: Die Pest von Lianvra. Engelhprns Romanbibliothek Band 1008, broschiert 1 Mk., Ganzleinen 1,75 Mk., Halb- leder 4Mk. 138 S. 8°. I. Gngelhorns Nachf., Stuttgart. — Die Engelhornsche Romanbibliothek macht uns hier mit einem neuen Wiener Dichter bekannt, dessen Erstling zu den größten Hoffnungen berechtigt. Der Novellenkranz von der „Pest von Lianora", an die beste Tradition der Boccaccio und Bandello anknüpfend, ist ein Überaus packendes Buch von starken Einfällen, kunstvoller Erfindung, faszinierender Sprachkrast und einem prachtvollen Brio des Vortrags. Robert Neumann hat mit seinem NameirsVetter Alfred Neumann, dem Verfasser des „Teufel" und des „König Haber", gelegentlich eine gewisse Kühle der Darstellung gemeinsam, unterscheidet sich aber von ihm durch sein außerordentliches Tempo. 273
— Peter Bolt: „DieBraut Nr. 68“. Verlag Llllstein, Berlin. — Das ist ein richtiges Abenteuerbuch aus den Kolonialländern mit der ganzen Buntheit und Fülle der Vorgänge, aber auf eine neue, geistreichere Art behandelt, als sie sonst diese Art von Erzählung zu haben pflegt
Natur und Technik.
— Wilhelm Bölsche: LichtglaUbe. Stunden eines Naturforschers. Reclams Llni- versal-Bibliothek Nr. 6761—64. Ganzleinenband 2.40 Mk. — Wilhelm Bölsche, der Dichter. Naturforscher und Philosoph, plaudert mit goldenem Humor über Rätsel und Alltäglichkeiten in der Natur, unterhält sich mit einetn Ichthyosaurus über den Sinn des Lebens, erzählt vom Alko- holismus bei Tieren unter dem Motto „Sorgenbrecher sind die Reben", erörtert in schalkhafter Weise das Thema „Wenn der Mensch nun vom Pinguin abstammte?" usw. Dies neue Buch ist von A bis Z ein echter Bölsche, der seine Forschungsergebnisse und Kenntnisse nicht um ihrer selbst willen vermittelt, sondern der als geborener Künstler das wissenschaftliche Material mit dem Zauber des Gemüts überströmt. Kein Naturalienkabinett verstaubter Gelehrsamkeit, sondern ein echtes Volksbuch voll warmen, tiefen Naturgefühls! 369
— Ingenieur, Volk und Welt. Don Dipl.-Ingenieur W. Büttner. Leipzig 1927, Hesse & Becker Verlag. In Leinen 8 Mark. — In diesem Buche nimmt ein Ingenieur, ein narret Kopf und unabhängiger Mann, Stellung zu den wichtigsten Fragen der Zett. Je nach der Weltanschauung des Lesers wird Zusttmmung oder Widerspruch stärker fein. Der Maler Anselm Feuerbach hat einmal gesagt: „Ich finde, daß es doch zuweilen besser ist, Bie Fehler zu übersehen als das Gute." Wer nach diesem Grundsatz ver-
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bislang unbekannten Lyrikers, von denen etliche durch Ihre gedankliche Besonderheit und formale Geschicklichkeit sich angenehm herausheben. Im ganzen wird man sein Llrtett über diesen neuen Autor so lange zurückstellen müssen, bis man mehr von ihm gelesen hat. 289
— Georg Freiherr von Ompteda, Der jungfräuliche Gipfel. Roman. In Leinen gebunden 6.50 Mark (Deutsche Verlags- Anstalt, Stuttgart.) — Ein Bergsportroman, wie Omptedas berühmtes Buch „Excelsior", und doch mehr als das: ein Buch von deutschen Menschen in ihrer edlsten Auslese, von denen, die nicht nur vorbildlich sind in körperlicher Kraft, in sportlicher Gewandtheit, sondern zugleich Geistesmenschen, ein hoffnungsvoller Künstler; daneben das deutsche Mädchen, bescheiden, aufopfernd, mehr Kameradin als Geliebte. Diese drei Repräsentanten ihres Volkes suchen in friedlichem Wettkampf mit dem weltgewandten, sportlichen Engländer, dem gleichfalls das Typische seiner Nation, in Charakter und Gehaben anhaftet, den jungfräulichen Gipfel zu erobern. Diele Male greifen sie ihn vergeblich an, immer neuen Gefahren und Llnbilden setzen sie sich aus, bringen einen von ihnen zum Opfer; da macht der Weltkrieg ihrem friedlichem Ringen auf Jahre hinaus ein Ende. Wie der Deutsche, vom Engländer wieder als gleichwertiger Sport- genosse angesehen, sich entschließt, den Wettkampf wieder oufzunehmen, und wie die beiden, erfüllt von der gleichen Liebe zu den Schönheiten }un^ fräulicher Bergnatur, auf dem Gipfel des endlich Bezwungenen sich die Hände reuten, das wirkt wie ein Symbol der neuen Zeit, in der alle Tiicy- tigen und Anständigen, gleichviel welcher Nation sie angehören, einander in friedlichen Werken und Taten zu übertreffen suchen. 370
— Guy d e Mau-Passant: Fettklößchen. Novelle. Reclams Llniversal-Bibliothek Nr. 6768. — Eine beißende Satire auf Spieß- bürgermoral und Pharisäertum. 2m 70er Kriege verläßt eine bunt zusammengewürfelte Gesell^aft das von den Deutschen besetzte Gebiet. Ein Graf, ein Weinhändler und ein Baumwollfabrikant mit ihren Frauen, ein Demokrat, zwei Nonnen und eine Dirne fahren mehrere Tage gemeinsam in einem Wagen. Die Gespräche und Situationen dieser Reise sind unvergleichlich in ihrer drastischen Tragikomik. Es ist eines der köstlichsten Werke des großen französischen Meisters der Novellistik. . -36o
— Victor M. Llona: „Whrsky-Pirat en" Aus dem Französischen übertragen von Mira von Hollander. (Romane der Welt. Herausgeber: Thomas Mann und H. G. Schef- fauer.) Th. Knaur Nachf., Verlag, Berlin W. 50.) Umfang 320 Seiten 8°. In Ganzleinen gebunden 2 85 Mk. — Die Kehrseite der Prohibition in Amerika. Der Kampf der entfesselten Leidenschaften, deren Anreiz der „verbotene' Alkohol ist, führt uns an Bord einer Luxusjacht in das
fährt, wird in der Schrift des Ingenieurs Büttner ein gerüttelt Maß des Guten finden. Frei- müttg und mit großer Sachkenntnis, als Ingenieur immer nüchtern und hellsichtig, erläutert er die brennenden Fragen der Landwirtschaft, des Schutzzolls, des Freihandels, der Bodenreform, des Steuersystems u. v. a. Auch Bie internationalen Beziehungen werden in ein neues Licht gestellt. Dabei bekommen die Politiker harte Wahrheiten zu hören. Der großen Gefahr, die uns und unserem Wirtschaftsleben von Amerika droht, setzt der Verfasser eine gesamteuropäische Gemeinschaft
nichts anderes anstreben, als eine Erweiterung unserer Naturerkenntnis mag auch solche beruhigen, die sich zu ihrer ablehnenden Stellung bestimmen lassen durch die Befürchtung, Okkultes als echt anerkennen bedeute, dem Geist der Wissenschaft absagen und der Finsternis des Aberglaubens anheimfallen." — Das Buch gibt zunächst einen geschichtlichen Lleberolick über das einschlägige Gebiet — der manchem ganz überraschende Einsichten Bringen wird —, sodann eine Lieb erficht Ber parapsychischen und Bet para- physischen (ganz oder übertolegenB seelischen Bzw. körperlichen) okkultistischen Erscheinungen; sodann wird Bas Wesen der „Medien^ kritisch beeluchtet und Bie Bisherigen Versuche einer E r k l ä r u n g der oHuItert Tatsache^ gewürdigt. Gin Sachregister und ungewöhnlich reichhaltige Literaturnachweise beschließen das Werk. Manchem wird schon Bas zu denken geben, Baß Bie einschlägige Literatur bereits Burch Jahrhunderte sich ausorettet und neuerdings nach Llmfang und Gehalt so gewichtig geworden ist, Baß sie nicht länger Bie frühere Aschenbrödel-Rolle. spielen Barf. In allen Kulturländern, so neuHtBings auch in Deutschland, hat sich eine stattliche Reihe von Hochschullehrern, und sonstigen Föchchern diesem so interessanten als vorerst noch rätselvollen Gebiete zugewendet, so Baß die bisher teils indifferente, teils prinzipiell ablehnende Haltung der Oesfentlichkeit nicht mehr lange aufoechterhal^en bleiben kann. Schriften von so kritisch-besonnener wie mutiger Haltung, wie die vMkegende, werden dazu wesentlich beitragem. 300
— Dr. Max Kemmerich, Die Drücke zum Jenseits. Preis in Lejnen gebunden 16 Mk. Verlag van Albert Längen in Münchew — In diesem Werke seht sich Dr. Max Kemmerich, längst als okkulter Forscher ersten Ranges anerkannt, fein geringeres Ziel als Ben Beweis des Fortlebens nach Bem körperlichen Tode. Dr. Kemmerich ist meilentoeit davon entfernt, in dieser Sache Gemütsbedürfnissen Raum zu geben. Kritisch und unter Berücksichtigung der gesamten Literatur prüft er das Für und Wider und kommt so zu dem Resultate, daß sich in vielen Fällen aus Spukphänomenen und psychischen Aeußerun- gen ein Fortleben beweisen läßt.
— Richter Den D. Lindsey, Dce Revolution der modernen Jugend. Lleberseht und bearbeitet von Toni Harten- Hoencke und Dr. Friedrich Schönemann. Mit einem Porträt von Richter Lirtdseh. In Seinen gebunden 7.50 Mk. (Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart). — Dies Buch, in dem Ber Jugendrichter in Denver Bie sittlichen Zu stände in der amerikanischen Jugend schildert, ist auch für Deutsche wichtig und interessant. Unter der dichten Decke der von der Generation der Ellern sorgsam gehüteten konventionellen Moral hat ich bei den Heranwachsenden jungen Leuten, be- onders bei den in Kolleges und durch gemeinsamen Lehrgang zusammeirgeführlen Studierenden beiderlei Geschlechts eine Lockerung, ja Umwälzung der früheren und noch jetzt offiziell herrschenden Sittlichkeitsbegriffe vollzogSn, die fortwährend zu schweren Schädigungen der Jugend und zu oft tragischen Konflikten innerhalb der Familie führt. Lindseh ist durch seine verständnisvolle Milde, durch seinen immer objektiv urteilenden gesunden Menschenverstand der Vertrauensmann. ja der Beichtvater aller in irgendwelche Nöte innerer und äußerer Art geratenen jungen Leute seines Amtsbezirks geworden. So hat ihm seine langjährige Tätigkeit eine Kenntnis oes Seelenlebens und der Schicksale Ber amerikanischen Jugend verschafft, die ihn berufen macht, nicht nur die vorhandenen Schäden durch offen/- herzige Schilderung bloßzulegen, sondern auch Wege zur Besserung zu weisen. Zur Vorbeugung drohender Schäden und Gefahren ist das mit warmer Menschlichkeit geschriebene Buch Lindsehs auch für Deutschland beherzigenswert. 303
— Methodik des Schulturnens in Grundzügen. Von Direktor Dr. E. Neuendorf f. 143 Selten mit 28 Abbildungen. — ®er Wandertag. Von Studienrat W. Kühn. 91 Seiten mit 26 Abbildungen. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Die Ausgestaltung des Turnunterrichts in Ben nächsten Jahren läßt sich heute nur schwer Voraussagen. QU)er wenn man sieht, mit welcher Hingabe hier Neuendorfs für ein frisches, lebendiges Turnen wirbt, und p)ie 1 umfassend und anschaulich er alle dabei wichtigen ; Fragen behandelt, kann man nur wünschen, daß ; die vorn Verfasser erprobte Unterrichtsmethodik - in weitesten Kreisen Eingang finden möge. —
Nordbaherns einlädt. Auf 40 Seiten werden in charakteristischen Bildern die Schönheiten Nordbayerns vorgeführt. Eine Liebersülle von lockenden. mittelalterlichen Städten, den Sitzen hoher Kultur, tut sich auf; eingebettet in höchst anmutige und fruchtbare Gegenden. Mittelgebirge mit ungewöhnlich waldreichen, ä. T. bis über 1000 Meter ansteigenden Bergen, laden zur Wanderung und Ruhe ein.
— Der „Deutsche H 01 e l f ü h r e r 1 9 2 7" ist Ber einzige offizielle Führer für sämtliche Bem Neichsverbande Ber deutschen Hotels, Restaurants und verwandter Betriebe e. V. angeschlossenen Hotels, Restaurants, Fremdenpensionen und ähnliche Betriebe, die durch ihre Zugehörigkeit zu den Provinzial- und Landesverbänden des Reichsverbandes Gewähr für ordentliche und reelle Geschäftsführung bieten. Aufgeführt sind die Hotels nach Städten unter jeweiliger Angabe der Entfernung vom Bahnhof, des Besitzers ober Leiters, der Zimmer- und Pensionspreise.
— C. B. S chw erla : Das Faltboot und seineAusrüstung. (Dergverlag Rudolf Rot- her, München 19.) Die Bewegung des Flußwan- derns im Faltboot verlangt es, daß bem Reulistg kicher, billiger und klarer Form ein Behelf im die Hand gegeben werde, mit bem er über die gesamten Fragen des Wie und Was bezüglich Faltbooten unterrichtet wird. Wer das vorliegende Büchlein aufmerksam liest, weiß, was überhaupt ein Faltboot ist, wie es aussehen und gebaut sein kann, welche Mindestanforderungen es erfüllen, welche Mindestausrüstung es haben muh. Das Buch ist gleichzeitig ein Nachschlage- werkchen, ein Lehrbuch und ein Behelf voll erprobter Erfahrungen, so daß es aüch derjenige, der schon längst ein Doot besitzt, mit allergrößtem Nutzen lesen soll.
— Hans Fischer: Wie und was kochen wir? Der Verfasser löst die Ausgabe, ein Kochbuch für Wanderer zu schreiben, in einer Form, die uns zeigt, daß auch ein solches scheinbar sachlichstes Thema frisch, launig und ich möchte sagen literarisch behandelt werden kann. Wer bisher etwa aus Angst vor dem Nichikönnen sich den Genuß eines unter Gottes freiem Himmel selbstverfertigten Mahles versagte, ber lese dies Buch! (Bergverlag Rudolf Rvtyer, München 19.)
— C B. Schwerin: Wie lerne ich Faltbootfahren? (Bergverlag RudolfRot- her, München 19. Faltbootfahren ist in Ber Tat leicht erlernbar, aber das Wenige und doch gerade Eittscheidenbe muß eben gründlich erprobt und gelernt seinl Paddeltechnck, Fabrtechnik aus Men Wassern, auf Seen, Wildflüssen, Wehren usw. braucht einiger Kenntnisse, daran man sich nur zum eigenen Vorteile an Hand des obigen Buches versichern soll, als Neuling sowohl wie als scheinbar Fortgeschrittener!
— C. B. Schwerin: Zelt und Lagerfeuer. Dem heutigen „Kultur"Menschen find alle bie kleinen Praktiken und Kenntnisse nicht bekannt, die der Einkauf, das Aufstellen, das Hausen im Zelte erforbem; das Will erlernt sein, will man nicht anders das so herrliche Freiluft- dasein kürrch kleinliche Llnbequemlichkeiten — die gar nicht notig sind — gestört haben. C. B. Schwerlas Fachkenntnis und Erfahrung geben bem Büchlein einen sachlichen und literarischen Wert, so daß es bem wißbegierigen Leser umfassende Kenntnisse vermittelt. (Bergverlag Nud. Rother, München 19.)


